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Full text of "Heidelbergische Jahrbücher der Literatur. Heidelberg, Mohr & Zimmer 180872"

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HEIDELBERGISCHE 
JAHRBÜCHER DER 
LITERATUR. - 
HEIDELBERG, 
MOHR & ZIMMER... 




«1 

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I • 



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E^IDEUBERGER 



JAHRBÜCHER 



DER 



lilTlIRAVlJR. 



ZW^IUNDDBEISSIGSTEft JAUBGANG. 



• 

J_u Ii b i • D e e « m b e r. 




HBIDELBfiBG. 

I« der Vaimnittia-BaelihMidliaf voa C. F. Wimm. 

1 8 3 9. 

^^^^ 6024G-B. 



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N*. 40. HBIDBLBBRGCR 1839. 
JAHRBÜCHER DBR LITERATUR. 



Sekülers Leben, Geist cscnt ivichclung und li'ctke tin Zusammen ftnji^. f'on 
Dr. Karl t1 off meist c r , Direktor des (iyninasiums zu hrcuznach. In 
vier Abiheilun^cn. {/tuch unter dem Titel: Supplement zu Schillers 
. Werken.) Stuttfrart, P Halz'sche liuchhandlung. gr. 8 Eruier Thfil 
18;tö. l//unf^ä2U6\ Zweiler Theil. 1838. ÖI4 6\ 

Der Verf. dieser Schrift, anstatt einen Beitra«^ in Schillers 
Albuin zu stiften, hat es vor«;czo^en dem grofsen National- 
dichter ein ei^scenes Denkmal zu errichteo, und zwar ein an- 
sehnliches, nicht nur was den LTmfang und das Material, 
sondern auch was Gehalt und Form betrifft« Cs lautet zwar 
»iversichtlich, wenn Hr. Hofmeister sein Werk als ein lite» 
ratur-hlstorisches. Ja Tiellelcht als ein Beispiel einer neuen, 
tiefern and nmtesendern Gattung der Bio»;r<)phie an/»:esehen 
wissen will^ aber der Verlauf der Vorrede bestimmt diesen 
Anspruch auf eine Weise, welche Achtun»; vor seinem Stre- 
ben einflöfst. und das Buch selbst, so weit es vor uns lie^t, 
rechtfertigt jenen Ausdruck merklichen Selbstgefühls durch , 
die Ausführung. 

Laut der Vorrede hemähte sich der Hr« Veif., sich über 
die subjektive Attffasj5un|(s weise euies Lesers für den der 
Leitstern seines Urtheil^ oft die Liebe zum Lieblingsschnft- 
steiler, ja zum einzelnen Werke »t, z^u erheben, und das, was 
Einseitiges und Unhaltbares in den AnsiclUen und Urt heilen 
über Schiller seyn mag, zu einer w^ahren und würdigen An- 
schauung seines ganzen geistigen Lebens zu vervolfstfindi- 
^en und zu berichtigen. In seiner Schrift soll ein allgemei- 
ner Commentar sämmtlicher Werke Schillers enthalten seyn^ 
es lag in seinem Plan, seine Gedichte und seine historischen 
und philosophisch iathetischen Schriften in ihrem innern Zu^ 
«ninmenhange darzustellen, und als Erzeugnisse aus dem Eni« 
wiekelungsgange seines Lebens hervortreten zu lassen« 
Aller Erfolg dieser Auslegungskunst, die der Verf. die in- 
nere nennen möchte, hängt ihm davon ;ib, dafs wir uns der 
eigenthümlichen Weltanschauung eines fremden Geistes rein 
und vollständig zu bemächtigen wissen, ein Verfahren, das 
XXXIL Jahrg. 1. tl«fj|, 40 . 



Uoffmeistcr; Scliülen L^«ii uiul Werke. 



dem Geschäfte des Naturforschers nicht onfihfih'eh ist, weU 
eher ein Naturprodukt zergliedert, und aus dessen Erschei- 
nungen seine eigenthümlichen Gesetze ableitet. Nur durch 
diese besonnene Methode können wir vor der, wie esscheint^ 
unerschöpflichen Manier verwahrt bleiheo, eines Genius Dicht- 
ond Denkweise durch unsere Träume zo erläutern, und seinen 
Reichthum vielleicht auf unsere Amuth 20 redncliw* JDer 
Terf* scbmeichell sieh ferner, dfaifo solehe tiefgreifende Erdr«> 
terungen des individuellen Menselieii^i istes mid «einer Er- ^ 
Zeugnisse für die Wissenschaft selbst nicht ohne Ifedeutiiu^ 
Seyen. Die Seelengeschichte eines einzigen Menschen ist 
ein Analogon der Entwickelnn^ des Menschengeisfes nfx'r- 
haupt; und so enthält dieses Buch so ziemlich eine ganze und 
zwar eine lebendige^ konkrete Aesthetik und Hr. H. mertit, 
in eln\g:en wichtigen Punkten diese Wissenschaft weiter ge- 
ffihrt zu haben, (ß. VI— iX.) 

Wir vrollen naeh diesen Andentutigen der Vom»de nH- 
sem Lesern einen ITeberbKfek über die geistige Ausbeute, 
welche ihnen diese aiisn;»'zeichncte Schrft verspricht, zu ge- 
ben versuchen, wobei wir das aus einer l^leiige jedoch all- 
gemein bekannter Quellen mit unglaublichem Fleifse gesam- 
melte Biographische nur so weit berühren, als eine kleine 
Lücke durch unsre Anzeige ausgefüllt, oder ein Irrthum he* • 
richtig! werden kann. Ehe Jedoch dieses geschieht, versa« 
gen wir uns niehft, noeh folgende in höciisten Grade beher- 
sigenswerthe Betraehtun^ aus dei^ Ttorrede (8. X llnd')U3 
wörtlich niitznthefien: 

„Viele Schriftsteller unserer jüngsten Zeit trachten nach 
nichts so sehr, als tief zu scheinen, andern ist das Geist- 
reiche ihr höchstes Ziel. Beiderlei Tendenzen verderben 
unsere Literatur immer mehr. Ich meine der Mann von Oia-- 
rakter strebt vorzüglich darnach, wahr zu seyn und klar 
£n-' sehreiben. Dafür soll er einstehen, und das vot aUen An-* 
dem ehrt ihn. Nicht allettt die Wahrheit, sondern aneli der 
Wahn wohnt oft in der Tiefe und die dnfMhste'TlMtsatflliie' 
fßrdert n^r, als der tieftiergeholte Irrthum. Alieh kantt imr 
das Anspruch atrf Tiefe machen, was l>is' attf semeti Orunä 
klar ist: ^\;ihrend das Dunkle immer im Verdacht des Seich*- 
ten steheii wird. Aber geistreich zu scheinen ist demjenigen 
nicht schwer, welcher sich in dem, was er vorbringt, weder 
durch die* Wahrheit noch durch die lühre beschrankt " fühlt • 



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H«lltaeiater: Sotnll«!« Leben HAU IVerke. 

Wenn in einem Zeitalter das lautere, heilige Interesse für 
die ewi>e Wahrheit und Schönheit zu erschlaffen anf fingt ; dann 
luMDmen in der Literatur solche falsche Tendenzen auf, in 
denen von beiden nur noch dfe Karvikatiir^n i^espenstcrartig 
I riBW— äc ln» Das ^^Tiefe^^* bietet man den Gläubigen in dunh- 
kfllii Bedtnsaiieii* odev wll VeraiclMrongen -pni grofaav 
Aoauifaong ala das Wahre «n| md- fir daä Sehdne reickl 
■Mm ihnen das Geistreiche nnd pikante' Phrasen dar.. Dap 
scherzende Spiel mit Witz in der Kunst und das erilsthaft 
thnende Spiel mit Scharfsinn in der Wissenschaft sind 
gleich bedeutangsleer ; der Gedanke an Schiller im Contrast 
mit so vielen schwächlichen Produkten und nichtigen Bestre- 
bungen nnserer jängsten Literatur legt uns die Erwägung 
besondars nahe, wie viel das Talent dem Charakter ver-*^ 
daoicev ood wie dieOriMse desächinfMellers durch die Tliai»^ 
t^eit ded Manadm -badhigt aisy> 

' ' Das aiiid gioldne Warte, mit denen steh ein Jeder trftgten 
mag, der mit Werken oder Waffen der Wahrheit es gewagt , 
hat, der Lüge und Gleifsnerey nnserer Modeliteratur entge- 
genzutreten, und dafür die Schmähungen und Verunglimpfung 
gen einer Charakter- und gewissenlosen Partei elnärntet. 

Doch wir wenden uns zu dem Werke selbst und zu* 
nichst- 211 ^seiner ersten Ahtheilung, weiche Schülers Ja* 
|^0ttdgeaehuah4e «ad die Periode der jugendll eben 
Katua|i>o)eaitB'litla »•m'llen Kerles 1786 dmAd^. Da« 
•rate Kaf tt^l berichtet iber £ltew atfddeaehwiater Schif- 
lera^ iber aelMr Ani^Hmlt in -Loreh and seine Bildung. ' Es 
wird hier der Charakter des Vaters und der durch Wahl ver- ^ 
wandtscbaft auf Schillern unendlich einfkifsreieheren Mutter 
so wie der bedeutendem unter den Schwestern nach den 
. besten Quellen sorgfältig erforscht und gezeichnet, und auf 
das gesunde Lebenselement recht aufmerksam gemacht, in 
weichem der kleine Friedrich 4M]fwucbs, and welches die 
eiNii<h.i«eligtöac« Kräfte früher ear Helfe brachte, ala die ta- 
MIeetaelleni' In* einem fiohne des Pfarrers Meaer f vgk die 
Mniher} zo' Lorch Miid*iBehlUer. seinen- ersten Jagendfireaad, 
wid donh den ' lüngang mit dieser MmlUe steigerte sieh der 
religiöse Sinn des 7 bis 8 Jährigen Knaben bis zu dem (Jungt 
gehcgten3 Vorsätze, sel^bst einmal Prediger zu werde«. 

Als hervorstechende EigeiBchaften des Kn«hen bezeich- 
net U. 4Mide, Liebe und Gäle. Er finde! ihn ftur Humaailat 



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orjc^anistrt wid in frommen VamiKtiilebeii gMMet^ mAeht flif 

das Biegsame, Gefühlvolle, Verträgliche, Mitt heilsame, auf 
die Wahrhafti2:keit seines Wesens und seine grenzenlose 
Aufopfeninghlain^keit aufmerksam, zeigt aber zugleich, wie 
der Konflikt mit dem strengen Valer. doch «llmählig auch an- 
dre Kräfte, als Gefühle des Herzens entwickeln mufste, 
Kxäitc welche io.der Seiioie der Widerwärtigketlea UM. 
gestählt werden «olllea. 

r Deno das »weite RapUel, das den JonKen Seliiller 
in die lat' Sekale zu Lndwigaburg so eimm treckenem l*e- , 

danten begleitet, meldet uns bald die Vernichtung seines Le-* 
bensplaii!^ und seine durch den Herzog Carl von Würtemberg 
selbst veratilafste Aufnahme in die militärische Fflanzschuic 
auf dem Lustschlosse »Solitnde bei Stuttgart, ans welcher 
Später die Mohe-Karlsschuli; dieser Hesideiuß hervorgegangen 
ist; eine Gnade, die den 13jäbri|^ Jai^Ung (17723 
waltsam aus seiner Neag^ang heransrifs« 2a diesem < Ab* 
schnitte bemerken wir, dafs die Confirmaliea den jnogen 8ciiU 
ler nicht, wie derVerf« 'atouiehmen ^eaei|ct ist ver 
oder doch auf 1770 festxnsetnten ist^ denn im fOten oder - 
Ilten Jahre, und vor Absolution der lat. Schule wird kein 
Knabe in VVürtemberg contirmirt. Dieselbe fand vielmehr 
gewifs erst 1772 — noch immer verhältnifsmärsig frühe — statt, 
und die Eltern konnten ohne Schwierigkeit von ihrem Wohn- 
ort Solitade (]wo der Hauptmann Schiller Oberanfseher war) 
auf einer vom Hemsi^ Carl angelegten schnorgrnden Strafso 
in nwei Stunden sltk sondern Akte in Ludwi^finborg einfinden* 
Der dritte Absehnitf sehildert ans die Pflannsohole 
auf der Solitade, in welchem ktinstlleh sasanHoengesetsten 
Staate, die militärische Form durchgeheuds dominirte. welche 
freie Thätigkeit, Liebliugsiu?igungen , eigenen W^illen nicht 
aufkommen liefs, und die beste Methode war, um aus Men- 
schen Maschinen zu machen. In Schiller Aveckte dieselbe 
eine Ahneigong, welche sieh steigerte, je mehr er zum Be- 
wnfstseyn seiner selbst kam, und Kriifte in ihm hervorrief, 
welche ohne diese harte fimiehungamanier bei ilim.sehwecUoli 
je so entsclüeden and mächtig sich emporgethan bitten. Uer 
Unterrieht des Instituts worde äberdiefa dareh die dem Mng^ 
ling neue Lektüre Klopstocks neotralisirt , der seine ganze 
Seele verschlang. .,In Klopstocks Oden und in der Messiade 
farirt er. die vollkommenste NahruQg für sein humai^eai|iiiten 



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Hoffmeiaier: Schiller« Leben anii Werk«« 

« * 

Gemuth.^^ Denn Humanität. Religiosität und poeti-i>' 
sches Talent machten bis jetKt sein ei^enthiiinliches We- 
«en aus. Zum Glück fand er in diesem Institut gicichge* 
sinnte, für Diclitung ebenfalls begeisterte Jäogiinge (^Hoven, 
Petersen, iSrharflren8t€m3 mit welchen er nach seinem eignen 
Aosdraek, „im Garten der Pieriden manchcf verbotene Fmchf 
mttehen'^ konnte. Bs wird nun nachgewiesen, wie sicli sei* 
nem tiefen, innifi^n Gemdthe eiiie stoische^ Denkart zur Seite 
stellte. Dann ^ird seine Wahl des Studiums der Jarispm- 
denz ei zahlt, von der der 17 jährigt Jüngling mit der Ueber- 
siedliing der Akademie nach Stuttgart erlöst wurde und zum 
Siudiumf der Medizin überging. 

Mit dem vierten Capitel hellt die Schilderung der 
eraten Periode im Engeren Sinne an, und der ersten poeti- 
schen Versuche Schillers wird Järwähnmig gethUn* In dra^ 
matischen Gedichten machte der Eingekerkerte seinem Fr e^ 
heitsdrange Luft, sein Herz prägte er, von Zeit zu Zeit 
na Klopstoek xirdekkehrend, in lyrischen Gedicbteb ans^ and 
weil seine Poesie aus diesen sittlichen Kräften hervorging, 
uahm sie selbst einen sittlichen rhetorischen Charakter an. 
Balthasar Haug, Professor an der Akademie, | der Vater des 
Epigrammatikers Haug j prophezeite in ihm ein os magna so- 
naturum. Indessen blieb Schillers Dichtung lange roh ^ seine , 
klösterliche- Abgeschiedenheit reichte ihm keine poetischen 
Stoff!» dar, sondern trieb seine Phantasie ins Unbegrenzte 
Wnaasf »ad mfihsam and^ofl kdnstlich maHste er sieh seinen 
Stoff ans IMcbem zubereiten.' Hieraiia erklärt Isich aoch der 
strenge Charakter seiner Dichtkunst. HMist merkwfirdig 
ist dem Verf. seine hervorstechende Denk kraft, welche 
sich sogar früher ausbildete als selbst sein poetisches Talent 
und mit der wir uns auf eine erste nicht weiter zu erklärende 
Naturanla':;e zurückgeführt sehen. Indessen erklart sich de- 
ren fintwickelung aus seiner durch Einsperren gesteigerten 
Willenskraft. Bald wurde dieses Denken philosophisch. „Die 
Philosophie ist das Kind des Zwc^fels«^^ In seinen Dichtern 
fand Schiller freiere • Ansichten als In seinem Herzen und 
KatechEntmos ; seine gesunde Vernunft widersprach manchen 
positiven Lehrmeinung'en ; und das mächtige Gefühl seiner 
selbst, das erhabene Bewufstseyn des Adels der menschlicheii 
Natur wollte sich mit Manchem nicht länger mehr verlriigen, 
was er bisher als ehrwürdig angesehen hatte. Er trat in 



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Üi BdTflMltlw: SchaUec*« LeUen a«d W«rk«. 

Zwiej«palt mit sich selbst und koiinle sich nur denkend 
restitmrt r{. Erste Spuren dieses Zwiespalts in einem merk- 
würdigen Morgen^ebet. /^rednickt 1777. Dasstibc beweis! 
aeine früheste Aaäani^liehkeii an den {H)8*4iven Kirchenglau« 
bca* Aber die erregten ^^Zweifel^ Ungewisskeit, Unj^laube^ 
Qmd*^ Hessen sich «n einen Geiste ^ wm der seioig«) ^utkt 
dureh Gebete berubi^n und versfiftnen. Zwiaefceil n76; «Ad 
1778., van welebeui Jsbre an die Jftdulier- ellinähli^ entstan- 
den, füllt eine Revolution in seinem Geistes|:ang>. Denken 
und Diriiten verbanden sich unv.ertrennh'ch tiiit einander und 
contcntrirlen sich aiil sittlich-relio^iösen Interessen und VVahr- 
h< itcn. Auf diesem VVe^e emancipirte sich sein (m isI fvergl. 
pUüos. UriefeJ. Seine Zweüei fahrten ihn endttck zur phi- 
Idsophischen Besonnenheit, mr Bdrsehliing des AMschen) 
aber Herz, l^hantasie und lliehtwg: weilten noch iange in der 
tuan^eendenten Sphire. 

1 Uea füll rte Cap tel verbreitet akh •nbrrJScWIter's 
erwartet eifriges Studiam der Medixin, wo ihm das Körper« 
hohe Auf^ehh^sse über das Geistifje zu versprechen schien 5 
dann wird <Ias Leben und Treiben in der Militärschale ge- 
schildert, wie durch ihre eisernen Pforten Werther's Lieder 
jij^edrungen, Schiller jedoch mehr durch andre liIrKeu*cnisse 
. Geihe'a sich gefesselt fohlte. Liebhabertheater und Redon«« 
ten; aber unter dem KomMmlo kannten weder solche Zer« 
strenangen hefnedigen^ noeh wnhre-Bddunirigndeihftt^ daher 
ScMUer^a onheschreMiche^ slehstetSisle^iienMleSeKnaacht nneh 
der Weltr 9oeh therxeogte er sieh ve» der Nethwendigffceie 
eines angestrengten Fleisses in seifiem Rrodstndiilia , und so 
ward denn seine Probeabliandlun^ „Ueher den Zasammen- 
han^ der thierischen Natur des Menschcji nnt seiner jsjeisti- 
gen^' für einen 21 jahri«ceu Jün^lin/c \ or(reflhch, bewnnderns- 
würdi«r, und ist jetzt noch wis^enSdiaftUch nicht unbedett- 
tend. Schiller beurtheHte diesen Aufsatz spater Jühwatrei^^ 
and der Verf. bedauert,, dass die CottA'sche GosamaitluasgalMs 
ihn aas^esehlossen und man ihn in JIGring's Nachlese saehen 
«iBSs. Seift Zweck gebt eigentlich dahhi) die Afalijhigigkeit 
des Geisten« vom Körper - naehzuweisen^ er Ist eine A)>olo£;ie 
der Sintdichkeit, diess Wort in psychologischer Bedculua^^ 
genommen. 

. Das sechste C a p i t e 1 behandelt ,.die Räuber." .,Um die. 
Irjendenz dieses Scluuispiel« zu erhiatBün^ c4Mrt.4ei' yerf. ei« 



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* 

■offnieiater: SelilUer*« Mmb Mi ««tka. 6tl 

« 

ne Bieile ans Sehfiler*« «ben «fwäkiiter Abhimdlanif : ,,Tief6 

cfarenische Seeieiischmerzen, besonders wenn sie von starker 
Anstrengung des Denkens begleitet sind, worunter ich vor- 
züglich den ghibenden Zorn, den man Indignation heisst, 
jreehne^ nagen gietcbsam an den Gl rund festen des Kör])ers, 
«nd titbcknen die Säfte lies Lehern aus.*' Einem solchea^ 
Verhaltnen Unmuth gegen den Druck der Verhältnisse 
«>iht;8ciriilcf in 4m fiiiibem Luft, wie er diess später 
«eUtet 'in * der Ankindigung fsmt rheinischen Thalia erklärte* 
Hie BAiber .sind der Angstruf eines Gefangenen nach. Frei» 
heit, der ausgepresste, schinerzensvolle Lant einer starken 
8eeie: ihr geistiger Boden ist ganz Natur, gan74 lyrische 
.Wahrheit. 

Von diesem anthropologischen Standpunkt aus weiss uns 
«Hl der Verf. mit grosser Geschicklichkeit selbst jene Ab- 
aoumHäl^n und Monstrositäten des Gedichts erklärlich, ja ge- 
mrinisrrpisun leidlich zo machen, änd wir sdhnen nns mit ei^ 
)mg Bh^tmig' ans, welche mit dem lliaasrtabe objectiver Kanst 
^messen, den SehiHer später selbst nns Oentsehe handha- 
ben leivte, nnd an den die 8ehlegersche Schule uns aus- 
schliesslich gewöhnt hat, nur als eine widerliche Miss^eburt 
erscheinen iconnte. Uebrigens gesteht auch er zu, dass die 
Rauber einen abwetten Theii erfordern, in welchem die Dis- 
sonanzen sich harmonisch auflösen; denn das Stück strebt 
einer Aufgabe entgegen, welche in dem Stücke gelbst nicht 
erfüllt ist. Miusethilter mussten diejenigen, welche den ver- 
Mütea Bau des i^esdligm Lebens xertrummem weiiten, bis 
n der ^Mt seyn, wo sieh Schiller eine riene ideale Ordnung 
der fNuge* erdaeht hatte« Dieser nwelte Theil der Räuber 
iii Don CaAmf (\ ergl. S. tM.}? vnd der Dichter selbst ward 
aus einem Art Moor ein Posa. Die sittliche und religiöse 
Skepsis, die materialistische Ansicht der Dinge, welche durch 
mediKinische Studien genährt wurde, bat Schiller in seinem 
Franz Moo^ personificirt ; aber aus einer Theorie lässt sich 
kein konkreter Charakter entwerfen. Die schlechthin tödtli- 
die Seite des Stücks indet der ^Verf. In AsMdia und ihrer 
Liebe. 

I* Im sterben tea C-apitel kehren wir au Schillei^s Bio- 
graphie aorftfllL ) und finden Ihn als Regimenfsmedikus lustig 
. pornüurt von seinem Freunde SchaHTensteHi. Hier ist in 
der Biographie eine Lücke, welche übrigens nicht auf Rech- 



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nong des Verf« kommt, da er. aus dieaer Periode 8ddU 

ler^s . Jliissre und ianre Zustiode'^ aar wenig Gedrodttes vor- 
fand. Wie sich nicht nur Schiller's Geist, sondern auch Na- • 
. tur und Siiinh'chkcit an dem inihtärisch-klösteriichen Zwang, 
den ihnen die Unnatur in der Carlsakademie aufgelegt hatte, 
grausam gerächt hube^ davon gingen seit langer Zeit in 
Schwaben üilerlei Sagen, welche, aus Ehrfurcht nie laot 
wiederholt» dem aus der Carlsschule in die Freiheit heraaa» 
tretenden Juogluige die rohesten Anshraeiie sinnlicher Aas- 
achwcifuug aar Last legtea. Daa Maniiaeript eincii Jagend» 
freundes, dessen gcdrncdUe Notizen in dear varH^gendcn 
Werke mit Recht als afosolot glaubwürdig oft angefflhrt wer^ 
den. !.*i>s( über jene Gerüchte keine Zweifel iuehr obwalten, 
und ( rheljt sie durch die degoulantesten Details zur Ge- 
vvis hcit. Jene Mitlheilun«:en sollen und wenden «rewiss nie 
gedruckt werden, aber dem ^»sychoiogiachen Biographen wä^ 
re die Bekanntschaft mit ihnen aiir Vervollstfindigung senea 
Urtlicils zu wünschen gewesen, und die Hocharhtang aad 
Bewunderung fär den aittlichea Genius Sehilter's, der ein 
solches F( gefeuer siegreich- uberstanden hat, und an. vrtA* 
ehern die künstlerische Charis das Wunder voUbrarht .au ha» 
ben scheint, das sonst nur ihrer geistlichen Namensschwe- 
ster zugeschrieben wird, kann durch die Constatirung jener 
Jugcmh erirrun;;en nur gesteigert werden. 

Noch er/äiilt das siebente Kapitel die Bekanntschaft mit 
8ch\van und Dalbergs und von der Theaterausgabe der Rüa- 
ber. Das wicht i:;e achte Capitel schildert die Heraus* 
gäbe der Anthologie für dus Jahr .l78B(.^iind die in dieaser 
Sammhing enthaltenen Jugendgedichte^ denen der Verf. aa- 
gemeine £hre anthut, ohne daefs es ihm Jedoch beim Ref. 
geliin^sren ist, durch deren sobjective Verklärung die objee^ 
tive Miss^eslalt. in welcher sie der Kunstrichter erblicken 
muss, für ihn verschwinden 7ai machen. Dass Kiopstock 
von dem juiio;en Dichter verworfen und Wieland sein Liel>- 
iing geworden war, wird man aus dem Obengesagten sich 
leicht eik Liren.. Besonders ausgezeichnet wird das Gedicht: 
die schlimmen Monarchen, mit grosser Kraft, aber 
auch mit der herbsten Bitterkeit U|pid dem uogemesseasten 
Hohn geschrieben, und (aicherlicfa)^ durch die Regierongaweise 
des Herzogs Carl erzeugt. Das Gedieht hat der Tendensnaeh 
grosse Aeünlichkeit mit Schubart'a Fdrstengruft. Ueberkaupt, 



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I 



, Hoflineitter : Scliiller*« Leben und Werke. 919 

obgleich es naeli iiiMwrer Bio«:rapln'e tefc€ifiieii 'Mnnte, «Ii 

ob Schiller erst unmittelbar vor seiner Flocht mit Schubart's 
XiSedichten bekannt i^eworden, kann sich Ref. noch nicht ^anz 
von dem ülauben lossagen, dass die Poesie dieses unbändi- 
gen Mannes schon früher \ on Schiller /gekannt j^^ewesen nnd 
einen entscliiedenen Einfliw als Muster auf diese lyrischen ' 
Erstlinge ausgeübt habe« — Die Gedichte .,an einen Mom^ 
•iia lCM ^ and „Kastrateo mid MlUiner^ sind nicbt f^der 8chera 
4ar gesaaden Nater g^gen heachlerisehe D^na/^ sondeni 
aia tragen «Ue Spuren jener Rohbett and Befleckung, fn wel» 
ehe flieh der entbundene Jün^lin^. mit gemeinen and verder- 
benen Gesellen, nach seinem Austritt aun der Carlsschule 
verirrt hatte. Zu den Laura -Gedichten bemerkt der Verf., 
dass die noch immer ( auch von Hrn. Döring) nachgespro- 
chene Meinung, als bezögen sich dieselben auf die Tochter 
iea filebwaa in Mannheim) schon deswegen thöricht ist. weil 
nie aeboB geachrieben waren, als Schiller dieses Ifädcben 
kenaea lernte. (Oer Irrtbam erklärt sieh nbrtgena aas dem 
van Herrn IL selbal Ober ein- TÜnlar-PlraaengedMit, das 
af^nbar auf Margaretha Schwan geht, Verhandelte).- Nack 
übereinstimmendem Zeugnisse von Gönz, Frau von Wblao« 
gen, und Scharffenstein sind sie vielmehr durch die Bekannt- 
schaft mit einer jungen Officierswittwe in Stuttgart veran- 
lasst worden, welche Schartfensteio „ein gutes Weib nennt^ 
das, ohne im mindesten hübsch und sehr geistvoll zu seyn, 
doch etwas Gutmutbiges, Aa%iehendes und Pikantes hatte^^. 
Nach der Scbildemng des von Ref. oben erwähnten Manu- 
acripto waK es elae überaas hissliehe, dirre Messaline, and 
Schliler^s Liebe afehls weniger, als ein „plalbniseher Plag,^^ 
ein Aasdrack Scfaarffensieins,, den aack der Verf. far JeiilBa 
„sinnlich exaltirten Liebestraam^^ sehr anpassend findet. — 
Zur Elegie auf den Tod eines Jünglings, in welchem dem 
Dichter der Busenfreund entrissen worden seyn soll, sey be- 
merkt, dass der Verstorbene nach der mündlichen Tradition 
den \amen des schwäbischen Dichtervaters führte, und 
W e c k h e r i i n hiess. Die Ballade „Graf Eberhard der G rei- 
ner* nennt Herr H. ein sehr waeker und krädtig durchge- 
führtes, rein objectiv . gehaltenes Lied. lief, kaim mk Stm 
besten WiHen nichts anderen darin sehen, als ein Scbaieier- 
citiam*^ • ' ' . 

. IIa wir mit dem Verf. doch nicht iber dicBehauptaug 



« 

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m 



nahe eben so bedeutend als lyriseber Oiebter auf^ 

getreten sey, wie in den Hiiubern als dramati- 
scher^ so verl/isst Ofisere Anzeige dieses Capitel und schrei- 
tet weiter. Das neunte erzahlt ms 8chiller's Heise nach 
Mannheim zur Aujiuhcung der Rauher und dorlj;i;eu Triumph 
md die poet. Ckup/än^niss des Vieako^ das zehnte 8chÜi» 
l^r'a Uedran^oiss, Un(erhandlui|j;«tt' mit de«. Theater pa^oli 
ßh^ kaltberagA« mOmg Daltecg, und Mine endlkte Flnolil 
ans 8tttti^art3 MdB aete lebend^ aua de» liekanntenDnal- 
len»*. Wen« .aber der Verf. IdO. behauptet, dasb den Herr 
9Bg Carl von Würtember^^ die Meisten nicht einmal dem Na-^ 
Iften nach kennen würden^ wenn er nicht einst Schiller ge- 
liebt, dann verkannt und unterdrückt hiitte, so ist diess eine 
tino^ererhte Uebertreibun^. Die hohe Carlsschule war frei- 
lich ein ün^siiiches Treibbaoa, abür ea aiod dach Kriegery 
(Beiehrte und Staatsmanner ^enug darin ersehen worden, die 
dk» Hehn ij^m £Miltea in:alkMr Welt ^leFbreiie« ^ubea and 
MiiB, .bestallen eeioeii Fehlern, einen Nnwen In der Oeaehiebte 
iiebern HHierdeo. : 

^ «Hall eil fite Ca^pitel aebadert 8ehilleir'a Ankunft und 
£mpfang in Mannheim, seine Querzüge und Leiden ; die £m- 
pfaogniss von Kabale und Liehe ; Dalheror's Armseligkeit 
^verg"!. 8. 1T7.) 5 das zwölfte seinen Aulenthalt und herzzer- 
schneidende Noth in Oggersheim ^ Streicher's Engelstreue; 
Furcht vor einer Verhaftung ; Atofbraeh nach Baucrhach, Mr 
Jlutter aeiaes Freundes Wohlaogen; . ' - 
» V. J[»a«.idrei35eh«|e Ca|»itel «ft g$m 4m ^Mnktf^ and 
'^^Kahale «ndl IMe^*' fccwidwot, ,,Beide Dranen,^^ sagt der 
•¥erft, ,,8iad auf denmelben ethiaciien ^hitidpurtkte. w^e die 
Aäuber gedichtet^ in allen dreien etitled igt sich der Dichter 
aeines socialen Missbehagens und seiner Ueberworfenheit mit 
den VVeltverhaltnissen. Wie der hanbedrangte Dichter selbst, 
fioist auch seine Dichtung, djjs (reue Spie^relbild seines In- 
üero, aitt der Welt im Kampf begriffen'*. Aber .,ln den Hau- 
Jkeni wird ausaerhalb der Gesellschaft ein kiidensebaftlir> 
eher Angriff, ^egen die gaase sociale Ordnung genmebt*; im 
IPieako dagegen wird innerhalb der. Geäellucbill nur eine 
yerahd0ning dar.VerilMsnn^ veiaocht^^ y^Aach Kahale 
nnd Liebe ist aof die polemisch ausgefnhrte FreiheMdee 
gegründet aber der Dichter bat hier ,^seine Ideen mehr 



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tMMnett^ezo^en Md ^tesdbeii. iii, bärgerüche teB|ioreIle 

vaterländische Verbültnisse eui^eführt>^ Deswegen machte 
auch dieses Stück, welches recht geeignet war, dem BUr- 
gerstand ein stolzes Seibst;s:efuhl zu geben ^ bei der Aiiffuh« 
run^ mehr Gliick. als der Kiesko. Der Gegenstand ist volks- 
v«ratAHdiicher und inensehlicber vorgetragen ; die Sphäre kiei* 
qeri Aber der Gebalt grösser. Der Verf. verbreilet weh dann 
il«r. die Vlmtkktwe beider. Stücke, wobei tomderfi 4ie Ge- 
itlHfarkenftiiJiel md W«|ir6fiMDlidikeitifeUer Fieiko 
Mi «eiee vmekiuieteii FrMen oidit.ülierselw werden.- — 
Schilf er,^^ beisst ee dann weiter, den Genuesen 
Fiesko nur einzelne grosse Zuge aus .seinem Innern verv^e- 
ben können, so hat er den fingirten Charakter des Ferdinand 
in Kabale und Liebe gaiiK aus seiner tSeele konstruirt, nur 
da<s es der Plan des Stücks (leider) not h wendig machte, 
ihn auilet;&t ,iHiter sich herabsinken zu lassen.''' Beides wird 
•iMmiMiadergesets&t. Uebrigens findet Hr. H. es naiürlic^ 
dbn «He drei Tragedlen, obffleieli die lürtaslropbe in iiiaen 
»prali^ ist, doeh nicht nm keine üAthetische, sondern ngch 
lutkie dttlicl^ Befriedigung gewühren, weil der Bicbter nan 
so* Theilnebm^rn seiner innern Leiden, seiner Herzensxer* 
rissenheit macht. Dafür regen diese Stücke auf einer nie- 
drigem Entwicklungsstufe alle Kräfte der Natur auf, und 
ziehen besonders unverdorbene, jij^endiipbe Herzen aüge« 
wältig an 

Biographisch sehr anziehend ist das vierzehnte Ka* 
pi^^l, dnes uns ii^chiller's Autenthalt aui Bauerbach bei Mei- 
ningen, Frau van Welaoi^n und ihre von SehUler flüchtig 
aber wild geliebte Tochter Lotteben , SchiDer^a nachipaligea 
ä^wager Reinwald in Meiningai, enjdHeh seine Rückreise 
nach- Mannhefm schildert, wo Dalberg unvermutbet wieder 
angeknüpft hatte. Gegen Ende dieses Jahres (1783) ent- 
schied sich der Dichter auch, nachdem er einige Zeit zwischen 
dei: (ragischen Stoffen Inihof und Maria Stuart geschwankt,» 
auch an Konradin gedacht hatte, für den Den Kariös, nach 
der bekannten NovH^lle von St. Real. 

lai fun f %e h n t e n Ca p it.e 1 wird uns Scbiller's xVnstel- 
la^g in Mannbeini, seine leidige Krankheit und neue* 8cbick« 
salskäippre ; Fieake und Kabale und Liebe anf. der JUannhel- 
mar Bahne, wabei der erstere nicht begriffen. wird, endlieh 
s^ov Bel«e nach 9retten und Frankfurt, und die Rückkehr 



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m 



Hoffmeisien ScbiUer*t Leben uiid Werke 



zur Medizin erzÄhlt Auch bei dieser Gelegenheit zeigte sich 
Dalberg als ein engherziger Mensch, Schiller immer gross, 
bereit zu glauben und zu verzeihen. " ' 

Das sechzehnte Capitei macht uns auf einige ästhe- 
tische Nebenarbeiten Schiller's aufmerksam, zumal auf den 
Aufsats äber ,^die 8chaufoübne^^ (8. 234.}, in welcher unter 
andern die Idee, auf welche er später setoe gAme Theorie 
des Schönen erhaote, dass nilinlich das Ästhetische QeKM 
und folgfidi auch die Knhst in einem harmonlsehen 'Spiele 
und mittlem Zustand der sittlichen und geistigen Ivräfte des 
Menschen liege, schon ganz deutlich ausgesprochen ist. Der 
Schaubühne wird in diesem Aufsatz ein hoher sittlicher Wir- 
kungskreis angewiesen (S. 237.3, und die Gedanken sind 
mit hinreissender Ueberzeugung, mit siegender Kraft und in 
einer blühenden Sprache entwickelt. „Wie man nicht müde 
wird, dem rauschenden Wellenschläge eines Kluases smaa« 
sehen und Kasahören, so fällt die rhythmisch hewe^ Rede 
in unser Ohr, nnd trägt uns die köstlichsten Ideen und Ge- 
fühle vor. Der Aufsatz wäre vielleicht unüberf reiflich, wenn 
das Schauspiel nicnt allzustreng in den Dienst der Moral und 
Belehrung gestellt würde.*^ 

Der ganze liest dieser Abtheilung vom siebzehnten 
bis zum zwanzigsten Capitei einschliesslich ist , den 
biographischen Faden, der fortläuft, abgerechnet, der Be- 
trachtung des Don Karlos gewidmet. „Mit der Milte des 
J. im,«" sagt Hr. H. S. 248., „wo er (Schiller} seine Kdnst* 
lerhand an^ Dori Karlos legte, beginnt fdr ihn eine nene, rei- 
che Lebenserhebung.^^ Mit dieser Tragödie vertanschte er 
den bisherigen negativen Kreis seiner dramati-clien Dichtung* 
und der positiven Sphäre derselben. — die Abneigung mit 
der Zuneigung. Der Heroismus der Seele, der aus; dem Plane 
der rheinischen Thalia spricht (S. 251.), einer mit erstau-- 
nenswardiger Kraft, Entschiedenheit und Prägnanz geschrie«- 
benen EsLposition ist die Geburtsstätte des Posa, and dieser^ 
Charakter nichts Anderes, als die festgehaltene and durch- 
l^fohrte Seelenbeschaffenheit und Weltbetrachtang, wie isie 
allmählig in Schiller sich gebildet hatte. Von den beiden sitt- 
lidien Lebensprincipien repräsent irt Karlos das Princip def^ 
schönen Menschlichkeit, Posa das Princip der FVeiheit. 

Im achtzehnten Capitei wird über Schiller's ext ein- 
porisirte Bewerbung um Lottclieo vonWohLaogeii, seine Nei^ 



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I 

IlotfaMMvler: S^hiUci'» LoboJt uiiii Werke* * j0&7 

gnng zu Margarethe Srhwnn. die Xoth seiner Kasse, die 
scbmeichethatte Uebernisehung, die ihm durch die Briefe und 
Ceschenke Uttber's, Köriier's and der BrjRut und 8chwesler 
ihM iet^ern zu Theil wurde, über den Besuch des Herzogs 
vwk .Weimar in DaiiusUidt, Scliiller's Vorsl^iiaiii^ bei ihnii 
Muie EnieniiHii^ saai UenBo|(l. W^'nuur^scheii Rath^^andt^-* 
neii-iliiiliireh bewirkten JBiiitritt in den edelsten Geiaterverein, 
der flieh in Weimar suaammen^oBden, berichtet, endlieh auch 
»ein umgewandeltes Verhältniss zum Mannheimer Theater, 
das ihm den AufenihaU in iVlanubeim vollends entleidete, ge^ 
aehildert. 

Das neunzehnte Capitel erzahlt von Schiller's Auf-« - 
enthaU in Leipzig und üreaden, von seiner Bewerbung nm 
Marfaiiellui Sebwan, die am Willen ihres Vatera aeheiterte^ 
van Sehiller in Kdrner^a Kreise; dann wird das Lied an die 
Virende Jmalysipt, und, als dramatiaeh-rhetoriaehea Oearillde, 
liegen versohiedene Auastellnngen, namentlich Jean PauFs 
Vorwurfe in Schutz genommen. In dieser Dichtung und eben 
so im Leben zeigte sich das erhöhte Selbstgefühl des San- 
gers fS. 277 ff. J. Noch werden zwei für die Entwicklung 
aeinea Innern wesentliche Gedichte näher beleuchtet : „Die 
Frei'geisterei der Leidenschaft'^ (von welchem ,,der Kampf*^ 
ein Fragment ist) und „die Resignation.^' Diese zwei Ge- 
dieht«, nehal dem Lied an die Freude, welche drei Gedichte 
daa Qldek' entweder an and für aieh. oden'n aeinem Wi* 

, deratreite mit dem Recht vnd der Sittlichkeit nom Gegenl 
Stande haben, rechnet der Verfasser zu dem mächtigsten und 
Ergreifendsten, was Schiller gedichtet hat (ß, 284 f.). Das 
in diese Zelt fallende Bruchstück „der Menschenfeind * liegt 
gaitz in der moralisch -rhetorischen Manier,^ und iässt uns 
seine unterbliebene Vollendung wenig bedauern (8. 286.)« 

Don Karlos wui'de, wie uns das zwanzigste Ca- 
pitel lehrt, in Dresden vollendet, und mit ihm schlieast sicil 
(Herhat 1786.} ruhmvelt die erste Friede ven^Schillers Le- 

^ bnn and Uinhten, die darchirii^ig anter sittlich -|>oetiaehcn 
Idaen stand. „Von nun an eri^rltP das speenlative Prineip 
neinea Geistes den Zö^el seines Lebens; es trat die zweite 

^ historisch- phüosophische Periode ein, in welcher er sich in 
der wirklichen äussern Welt umsah und zugleich sich über 
die höchsten Lebensfragen wissenschaftlich zu verständigen 
naclite, ins ei* epiififh naah erlangter Sdbatliutera^g zu ei- 



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I 



(»38 HoffmeUter: Schiller s Leben. und Werke. 

ner gereiften Kunstdichtiin^ in netoem leMeii Le hcmm k* 
schnitte zurückkehren konnte." Der Verf. vergle?cht sodann 
die drittehalb in die Ilhein. Thalia zerstiickelt eingerückten 
Akte des Don Karlos mit dem fpateren veränderten Texte, 
in welchem manche rhetorische Aasführungen, iieilexlonen, 
UebeiireHiuiigen der Leidensoliaflteii ; RohheileB , beeonde» 
aber viele AngvHte wejtgelnssen und ^anKe Sceaen ipestrii» . 
eben sind. Darane etkUaei sieb denn, daa» naaebe fitteliia 
la nasrer jetzigen Ausgabe nicbt reeht verstibidUdi>,-eder 
doch rAthselhaft nnd anst^sl^ sfnd^ -vnfÜ aie sieb anf «twaa 
jetzt Aus/[^elas8enes bezichen. Auch der Geist des Ganzen 
wurde sehr verändert. Die erst© Anlao;e ist unbeholfener 
und ungemessener, aber auch süsser, kuhner «nd charakte^ 
dstisclier*, das Gan^e hängt dort mit Tugenden ikhI Fehlern 
inniger mit den ersten drei Dramen «maiamen^ besondeia 
Kbrlea ist entschiedener nnd stelaer; im neuM» Taste dag^ 
geh ist er swar manierliehery minder exceaifiadi^iMd lalieR» 
Bchaftitch, aber nach nnbedeolender geworden* < - 

Zu Jenen altern Dramen verbült sieb der «Den 'Karlefi) 
nach dem Verf., wie das Ziel zum Weg. In jenen wird 
niedergerissen und weggeräumt, in dicKcm soll das neue Ge- 
bäude des menschlichen Daseyns aufgeführt werden. Dort 
ein Kampf gegen Verbal In i>sse; hier einer für Ideen; 
dort sagt der Diebter aas blutenden Herzen, was er*aiebt 
will, hier mit befreiter Seeie, was er will. • Jene negiren^ 
den Tragödien «erreissen deswegen nach das Her», Dan 
Karlos mit seinem 'Ideentranm erbebt onsre edelsten Kräikti 
In dem Gemüth, welches sieb Bor Idee erbeben bat/waltet 
die begeisterte Liebe \or. In diesem Stücke arbeiten daher 
auch beide Lebensgrundtriebe Schiller's, Freiheitssiun und 
schöne Menschlichkeit, einstimmig. 

J>ie Grundiflee des Don Kariös ist dem Verf. der Kon- 
flikt eines mit Vt»rliebe in seiner Herrtiebkeit geschNdertei» 
Denen Alters «der Menscbbell mit einer feraiteten Zeit, und | 
der temporeite Sieg des Scbleebteren äber das Sessere* Die 
Liebe ist dem Drama gar nicbt wesentlich , und nnr ans def 
ersten Anlage rn der Tbalia mit beefibergenomraen^ sie ist 
dem Contrast der Idee mit dem Bestehenden einverleibt nnd 
ihm untergeordnet. In der letzten Scene des dritten Aktes 
- hebt die politische Tragödie erst recht an, und von einem 
* itschen Dichter werden hier zuerst (ITSisj Ideen vorge«- 



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lltflte»iatori SeliUlcrf« Ldies and Werk«: Mt 

4 

Iiigen, weiche später jenseit der Ardennen auf einer gam 
amtorB Bühne wieder zum Vorschein kamen. Das Drama 
Irt -avdi io iiieaer Beziehoni: wieder eine (Subjekts-} Aeus*- 
aening deff Verf., welobef in ihm seine höchsten Uebensen-« 
gungen nMevthgbß4 Nmth der Granddifferens des Ihmuitk 
treten «neh die Pmonen in aswd Parteien aasdnnnder, m» 
wie Posa, Karlos und Königin nur symbolische Pfgtt-t 
ren fiir S eh i ller'sche Tugenden sind. so\sind auch 
die Charaktere des andern Gebiets mir als Gegenbilder sei- 
ner Ideale gezeichnet; die Charakt^izeichnung ist daher in 
dstt Drama sehr seh wach. (Die Königin war, inciden- 
ler vom Verf. benerkt, die Frau von Kalb; S. 902.). Weil^ 
das fittück rein iM Ideen gearbeitet ist, denen sieh Ben^e«:- 
MdieileA) BleiiBehen und l^en anformen mosstofa', f^fda 
aacb das am meisten rhetorisehe.' Zaietst weist derTerfl 
noch die Unbequemlichkeiten in der Oekonomfe -dieser TrÄ<* 
gödie nach, mit dfer Erinnerung, dass das Schauspiel in zwei- 
jähriger Entstehung zu einem Andern seiner Anlage wurde. 
Manches Einzelne wird bei dieser Gelegenheit mit grosser 
Un|jarteilichkeit< und Sch&rfe von unserm kritischen Verfas- 
set an/i:egriffen , and eklatante Widersjiruche werden aiifge- 
deeki. Der 4laiiher des Stöeks liegt weder in der Charak«' 
leraeiehnang noeh in der Konstform, sondern in den Ideen. 

Der «Verf. achitesst die ganze erste AMheilnng des 
Werks mit einet seines Wissens noch nie gemachten aflge- 
meinen Bemerkting, Und es ist diess wohl einer der wichti- 
gen Punkte, von welchen seine Vorrede spricht. Bei den 
Griechen, sagt er, ist die feindliche Macht, der die Selbst- 
ständigkeit des Ge istes obsit gt, — wodurch das Princip der 
^ Tragödie gebildet wird — das Schicksal , das Verhängniss, 
d. h. die mit religiösem Sinn aufgefasste Naturnothwendig^ 
keit« Das Christenthom and die moderne Coitnr haben an. 
die Stelle des Schicksals den Glauben an die Vorsehung ge- 
setzt ; das Schicksal ist mit der Coltar^ aus welcher es sein 
Leben sog, zu Grabe gegangen. Mit der göttlichen Vorse- 
bung aber wird keih Dichter seinen Helden in Kampf brin- 
gen wollen. Welches ist nun die eigenthiimliche Idee, die 
>vir Modernen besitzen, und welche die Schtcksalsidee der 
Alten vertreten kann. Uns Neuern gehören die universellem 
Ideen der Menschheit, der W el tgeschichte, der Ent- 
wickelung der Menschheit von den frühesten Zeiten 



iü H«AaMltt«r: SeliUIr»*« UliMi Md Wctke. 

4es meMchKclien Oesclileelits an bis wf den Kieatic^n Ti^p. 
Int nnn von irgend einer Fortbildung des menschlichen Oei«* 

stcs die Hede, so kann diese nur mit BekHiD|)run^ der 
iiisheri^en Formen, der habituell gewordenen Zustande 
der Gesellschaft beginnen. Dieser Kainpr des Alten und Neuen, 
des Gewohn heitsmassi^en und Geistigen, der Kultur und Na- 
tur, des Realen und Idealen ist Ge^g^enstand der modernen 
Tragödie, deren Heid, im Dienste irgend einer Idee, das 
Besleliende bekämpft, das ein nicht weai|rer furchtbarer Fetni 
ist, als daa $cblck«aL Bjeaer Knopf der Idee mit de» Ein« 
rii^toni^en und Formen der menachliehen Oesellschafl^ nnd 
also mit den Menschen ist der Kampf mit einer o^aiizi n Welt, 
und deswegen ein erhabener, ein tragischer Kampf. So ist 
unsere Tragödie auf den Kreis des Menschlichen beschränkt, 
während das antike Alenschen und Götter beherrschende 
Schicksal die Brust on't heiligem Schauer erfüllt, und mit bei- 
den G#nden mit der ewigen MenscbenselbstAtändigkeit nnd nnt 
dem ewigen Schicksal in den Himmel reicht. Uneere Tra- 
gödie steUt mehr handelnde, die alte mehr doldende Men» 
neben dar, unare ist episch, diese lyriaeh; die Meneeben üer 
alten Tragödie sind gross in unfreiwilligen Lagen, die der 
neuen in freiwilligen Verhnltnissen; der neue Tragiker muss 
daher ein kulturhistorisches, weltgeschiehlliches Bewusst- 
scyn, der alte müsse einen religiösen Sinn haben. Diese ge- 
wichtige Behauptung wird an ^»hakspeare und Schiller nach- 
gewi^n, und mit ihr (^S. 812— ;i2Q0 schlieast der eraie 
Tiieil. 



' (Scklu/$ folgt.) 

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N*. 41. ' IIBIDELBERGBR 1889. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 

JEhffmMter: Leben und Werke. 

(Beschluf») 

Mit dem s weiten Theil hebt «icb Schiller'^ Bweifeir 
Lebensabschnitt, .eder die Periode der' wissenschaftlichen - 

8elbstverständi^un^, von Don Kariös (_exclusive3 bis zu den 
Hören (1787 — 1794.3. Als die poetische Fiamine in ihm für 
den Augenblick erlosch, machte sich das wissenschaftliche 
Interesse, das zweite Schiller'sche Geisteselement, auch in 
der Erscheinung geltend« Bei seiner ausschliesslichen Voiw 
liebe fär's Geistige verwarf er die Medicin als heterogetf^ 
und kehrte sieh (aueh um eiu Brod$itttdium verU^^, «her 
zui^leleh aus innerem Interejsse^ 4iaa Bedärfniss, die Itossere 
Mensehenwelt kennen zu lernen) der Gesebiehte 'ku. Biß 
erste historische Arbeit war eine L ebersetssung der Geschichte 
vo^n Amerika von Robertson, die er jedoch vielleicht mehr 
nur geleitet, als selbst geliefert (ß, 8.}. Dann fasste er mit 
andern den Plan, die Geschichte der merkwürdigsten Revo- 
lutionen und Verschwörungen aus der mittlem und neuern 
Zeit herauszugeben, aber es erschien nur, und ei'st 1788. der 
erste Band. Auf emen reiehbaltigeren Stoff führten ihn die 
Torarbeiten zum Don Karlos, auf den AbfalF der Nieder- 
lande von Philipp II. Zwischenarbeiten sind der ,^Ver* 
breeher aus verlorner Ehre^' 0786}, in welchem die 
allmahlige, durch bürgerliche Verhältnisse aufgedrungene 
Verschlechterung eines Menschen, und die Rückkehr der Ge- 
sinnung zur Tugend, „als das L(aster seinen Unterricht volU 
endet hatte,*' mit ausserordentlicher Kunst entwickelt und 
gemalt sindj dann „das Spiel des Schicksals,^* oder vielmehr 
der Kürstengunst, deren Held, was Herr Uoffme^ter nicht 
^u wissen seheint, der wörtemb... Oberst Philipp Ffie^* 
rieh Ringer i^tv ^^^^sen Lebenssebieksale fast wortUek 
darin erzfthlt sind C^ergl. PM's Würtemb. Gesch. IL, 443. 
440. 450.) 5 endlich „der Geisterseher,'* dieser auch \ on Tieck 
neuerdings nach Würden geprieseifb Roman, den das zweite 
Kapitel dieses ersten Theils eusführlich behandelt. ^ der 

ximJahnr* r- iiafi. 4i 



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Hofflntiftin SohiUlt'a Laben nad Werke. 



That hal^ Schiller durch den Geistin-selier eine neue Gattun«^ 
des Romans aur;2:ebrarht. Das Wunderbare. Geheiinnissvolle 
*«Äd Unbegreifliche, worin sich die Geschichte bewegt, ist 
als ein Symbol des Uebersmnlichen behandelt.^^^Die Perioden 
dieser tra^cheU Oesefaichte ^ihd fast ian(er Pbasen von 
Sebiller's innef m Leben selbst : Gelstesiniiniindi^keit; Befrei- 
ung von der Autorität? Äweifelsucht . sitih'ch-reli/sfiöser Un- 
glaube und endh'ch Aufheben seiner selbst bei innerem Un- 
frieden und äusseren Bedrän/^nfssf n jeder Art. Nur in dem 
letzten Gcmüthszustande seines Helden fühlte sich der Dich- 
ter von sich selbst verlassen, daher er denn auch den /.wei- 
ten Tfaerl des Romans, statt zugeben^ nur skfzzirt hat. Aiis- 
tser den ästhetischen Vorzdgen zei^t sich im' CSei^terseher 
mdh mehr Welt, als in den früheren Schrfften Sehfllei^!». 
Mihi sieht es, sein vermehrter Verkehr iiiit Menarchen fn Lei|i- 
zig und Dresden hat seine Fn'ichte «fetragert. ' 

Durch die vom Hrn. Verf. entwickelten philosophischen 
Ideen, welche durch diese sammtlichen Darstellniifren ^e- 
hen, schliesscn sich dieselben en<i:er an die «»'leiclUalls 1786. , 
g-eschriebenen philosophischen Briefe an/ (Stes KapileQ* Ida 
Geisterseher hatteder denkende Dichter die Entwicklimgrctt- 
gl5ser li^en gezeigt, also eines besondern Zweigs der phl- | 
fesopbisehfii Uebera&eugttng^; in .den Briefen steift uns der I 
M^hfende Denker diesen philosophisehen Gntwicklnn^spro- 
zess Im Allgemeinen dar. Er schöpfte dabei aurs seinem ei- 
genen Leben, und das Selbsterlebte karni ein j)Oetisches Ta- , 
Icnt auch lebendig; darstellen. Doch scheinen diese Briefe ! 
auch der Kreundsehaft Körner's manches schuldig- zu seyn. 
Die .,ReYohitioueu und Epochen des Denkens, die Aus- i 
sehwcifun«:en der grübelnden Vernunft, welche Julius, der 
Mdpfbrlefsteller, durchging^ kdnnen wir im Vörans «Iis dein I 
O'eistensdier und uns deih geistigen Lebengwege Sehlller's 
ehnthefi. Die In nnsisrm 'Werk ausgezogenen Angaben des 
lindern BrIefeteHers Raphael sind höchst wicht!«:, weil sie 
die ttesultate enthalten, bei denen Schiller's Denken im Jahr 
1789. flies 1786 ) an^elari^t war. Alle abnhche (dogmatische^ 
Versuche, Wiedas (^panthCistische) System des Julius, lehrt Ra-» 

Shael, halten eine slrengejjittparteilicliie Prüfung nicht aus, denn 
n^ehschliehe Ternunft aey Eil keinem ders et- 
bi^n-terecfatigt. So bekannte sich also j^ctiiller zurKdnt- 
8cfaeD PhilObophie, deren Hauptwerke, ausser der ILrfttk der 

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Hoffi^eiatert Seliiller'« Lobes niid Wtrki^ UM 

Urtheilskraft, damals (1786) schon erschienen waren. Seine 
•eigene Natur und bisheriß^e Enlwicklurijs: ( denn er hatte Jene 
Werke noeä nicht jsrelesen} führten ihn mit Kant in £inem 
Ziele zasammen, so dass die kritische Philosophie nur eine 
O^ondansicht bestAtii^e , und ihm nur einselne neoe Wahiw 
heften nnfährtlB. Se x. B* hatte Schiller schon als Jflngling 
Ifant's Apolo^e der Sinnlichkeit anticipirt. Jetst aber muaa^e 
es ihn starken nnd befestigen . das«» er sfch auf der letaf« 
, Station seines Weges mit dem grösstcn Denker des Jahr- 
hunderts znsanimenfand (_S. 48.^, — Mit den philosophischen 
Briefen, die ihrem idealen Wesen nach eine individuell ge- 
haltene Geschichte der Philosophie noch den Hauptmomenten \ 
ihrer Entwicklung sind, vergleicht dieses Kapitel nach ein 
spftter von Schiller unterdratektes philosophtsches Gespräch 
ini Geisterseher {S* 45-^80«), das ^;ann' kantischen Inhalts 
ist, nnd dfe'Bliwiite' von Sehiller*« Sittenlehre enthält 

Das vierte. Küpifel ist gans biographischen Inhalls. Ei 
schildert uns 8chiller's leidenschaftliche, nicht nnen^'iederte 
und doch unglückliche Liehe in Dresden zu dem schönen 
Fräulein v. A. (vergl. die Gedichte: Begegnung, an Emma^ 
Erwartung. S. 47. der Ausg. in Einem Band^; seinen Anff 
bruch nach Weimar (^Jul. 1787.}, dem klassischen ßodeii 
Dentschlands, wo aber Göthe, damals nicht war (S. 5di), 
und wedei' der Hensog noch die geistvolle UerEOgin Mntttr 
iMsondorn Antheil an Ihm nahmen, {iieheod schioss sich ib^ 
gegen der ^jährige «lünglmg an den^schon ergrauendei 
Wieland an , der ausserordentlichen Werth aal desf Gefeier-* 
ten Theilnahme am deutschen Merkur legte, worüber die 
Thalia vernachlässigt wurde. 

Im f Ii n f t e n C a p i t e I werden Schiller's Lebensverhält» 
nisse Xtfk Weimar, sein Eintritt in die von Lengcfeld'sche 
Familie, sein Anfenlhalt in Rudolstadt, seine Neigung M 
Chattotte- von Lengefeld, ans den bekannten Quelkn leben«*- 
dig gesehiMert Niieh ersebeM sii Anfang dieser F^aijodi 
umer INHMer, vrdhrend gans D^otsehlaod oemo Wme be* 
wunderte , gans aaf sieh gesteltt, gan» verlassen, und seine 
Existenz gränzte biswellen an M a ngel und No th (S.64.). 
„Wahrlich,^^ sagt H., nicht hoch genug können die Männer 
geehrt werden, welche die Freude" ihres Lebens und endlich 
auch ihre Gesundheit einer Idee und einem Werke zum 

Opfmr brftehtei^ iMrddiireh sie ihr Vdk «of eine Mtare «Mb 



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•44 ^ ^ Uoffmoitter : ScIiiUer'i Üben nml VMfi, 

r 

des.Daseyns enfNMrli6ibe«l*^ In soMem Jawoer emcMen die 

Liebe als sein Kugel des Trostes. In diese Zeit fallt auch 
8chiller's Umgang mit den Alten, und seine Frucht: die 
Götter Griechenlands, die vom Verf. einer gründlichen 
Analyse unterworfen werden f VJ. Cap. 81 — 90.3» Ebenso 
wird das tiefsinnige Lehrgedicht ^^die MJkttajder^ aoaly/iirt, 
und durch diese Analyse ^wiss erst vielen Lesern ver- 
•ländlich und geniessbar ^^emscfot (ß. 90— 94,3- Wenn die 
GdCter OricdMinlsnds^ noch röfkwiurts schtnend, eine pole« 
mische Ideenrtchtung ahschliessen , „so haben die, Könsüer 
das Gesicht vorwärts gewandt, indem sie die Keime beinahe 
aller Grundansichten über das 8chöne und die Kunst ent- 
halten, welche Schiller später in seinen ästhetischen Abhand- 
lungen auseinandersetzte.'- — ,,8ie haben ganz und gar ei- 
nen kulturhistorischen Churakter. Der Werth des Schönen 
wird uns dadurch veranschanlichi, dass der Dichter uns die 
Erziehnng^ des Menschengeschlecbts dnrck die Kunst vor 
Aogen fuhrte.^^ Wie in den Künstlern, so 8|iridit sich auch 
in den gleichzeitig verAttsten Briefen 'äber Doß Karlos ein 
friedlich gestiumites, durch Liebe verklärtes Gemüth aus 
(ß. 95<— 103.3* Der Scbluss des Kapitels handelt von iSchii- 
ler's Uebersetzungen aus dem Griechischen. 

Des Dichters Gemuthsbildung durch Liebe und Freund- 
schaft wird im siebenten Kapitel dargestellt, und gleich 
XU Anfang eine grobe Ungerechtigkeit Zelter's gegen die 
Lebensbeschreibung 8ehiller's iturcb Fmu v,* WoLsogen gp- 
Fögt — ScbiHer ^tte - bisher den heroiscbep Charaktei^og 
ifli. Kampfe mit den ongäostigsten VerblMlhiissen vorzäglick 
ausgebildet und in Schriften dargestellt^ der humane Trieb, 
aus dem alle Liebenswürdigkeit im Leben, und alle Harmo- 
nie in der Dichiunß; fliesst, wurde jetzt erst durch die Liebe 
ebenmässig in ihm entwickelt. „Was ist es eigentlich, wa§ 
einer edlen und reinen Liebe ein so hohes Interesse für ih* 
t&R Besitzer gibt? - Es ist im Grunde die eigene Gemüths^ 
entfalton^; die ihn entzückt.^ Mit dem »beseljgendea Be- 
wosstseyn der Gegenliebe reiste er Uns der Nähe seiner Freun- 
dinnen um die MUte^fsitembers 1788. naqh Weimar zurfick. 
Die Briefe seiner Lotte veffraten ihm jetzt „die Stelle des 
ganzen Menschengeschlechts;" zugleich stand er in fortdaa- 
erndem Brief weclisel mit seinem Körner. Vielfache literar. 
BescbäftigttJigen (^luqderL Gesichiciit^, Thaii«y A^erJuur^ durcli 



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I 



Hofltaieiiter: Schiller*« Lelieii and Werke. U$ 

seine Ökonom. La^^e geboten, hielten ihn diesen Winter za 
Hause. Endlicherhielt er,([tinerwartet3 einen Ruf als Pro- 
fessor in Jena. Aber die gute Seite seirter kOnfHgen Stel* 
lun^ erscbfen ihni' von der ,sbhlfiDmen bei weitem äberwo* 
gen, und Am that' wehe, diiss et in den nächsten' Jaliren der 
Dichtkunst g^anz entsagen sollte. In dieser Zeit machte er 
zu Weimar noch die Bekanntschaft Büro^er's, und reiste An- 
fangs Mai 1789. zu seiner neuen Bestimmung nach Jena ab. 

Ehe ihm die Biographie dahin folgt, berichtet das Werk 
über ,,die Geschichte des Abfalls der vereinigten Nieder- 
fande" (8t es Kapitel}. Zuerst macht der Verf. auf deii 
Einfluss >itifmerksani, den die Liebe auf diese 8ebnft aussei " # 
tiBt „Bine init'Räcksicbt auf *die Geliebte verfasste SehrlÄ-*, 
nrass sie nicht ganz anders seyn. als jede andre? Attch'd<^h 
spröden StoiT wird' der Liebende gefällig und anmothig be- 
handeln etc." fS. 123.), ..doch darf das Bestimmende nicht • 
mit dem liauptbestimmungsgrund verwechselt werden. Eine 
grosse Slaatsumwälznng ist ein viel zu heroischer und ge- 
waltiger Geofcnstand. als dass ihren Verf. eine kleine Liebe 
durch denselben hindurchfiihren könnte." Vielmehr zeigt nuÄ 
del* Verf., dass dieses historische .W^erk seine Hauptnahrung 
ans Schilier's Freiheitsprincip zo^.' Es ist, als hätte das 
Werk ein Posa gesehrieben. Leider aber bliebe' es Frag - 
ment, und entspricht 'so dem Endzwecke seines Urhebera 
nicht, denn der 8ieg der Freiheit Ist nicht anserzählt. Weil 
der Geschichtsschreiber bestrebt war, für bestimmte Ideen 
zu begeistern, so laugnet Hr. H. nicht, dass die Darstellung 
dadurch ein rhetorisches Geprfige erhalten musste, und 
die poetische und künstlerische Gestaltung in^ den Dienst der 
rednerischen Kraft genommen werden. Zo^leieii aber be- 
theiligte sich auch durch eine weitgreifende pragmatische^ 
Behandlung des Stoffes sein durchdrinjcender Verstand; jund v 
so gestalteten alle Lebenselemente Schill^r's — seine sittli- 
chen, poetischen und intellectuelfeo Ablagen das Werk 
in einträchtigem Zusammenwirken. ' ' * * 

Das neunte Kapitel kehrt zu Schiller's Professur und 
Lebensverhältnissen in Jena zurück. Da seine Existenz, wie 
in freieren Tagen noch immer in seiner Feder lag, so wurde 
von den Liebenden ein Luftschloss nach dem andern gebaut, ^ 
bis er endlich im Marz 1789. ordentlicher Professor, Jfdoch 
ohne B^oldongaerhöhttO||^"wurde, und 'es ^ im Dec^mber 



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64|| Hafiineintir: SohiÜQr s Lubeo und Werke. 

weiii|c^tens vva^te. um die Hand seinitr Lotte anzuhalten« 
Der edle Coadjiitor von Dalberg, jün^^erer Bruder seines un- 
zuverlässigen Gönners, machte ihm cflanzende Versprechun- 
gen, die das »Schicksal nicht erfüllte. Dennoch wurde er 
eodUch am 20. V*ebr, 1790. in Wenigoiujsn« mit ChiurloUe. v. 
Ifingefeid getränt 

Im asehenten Kapitol werden nun 9cbiiler*s i|t ^eM 
geschriebene Iiistorisehen Anfsät^e und Werke de« Rdh« 
nach 'näher beleuchtet ; die Antrittsrede, die dem Yelf. m 
dem Ausgezeichnetsten ^Lcehört, was vom Standpunkte einer 
einleitenden allgemeinen Betrachtung je über Geschichte und 
Universalgeschichte insbesondere geschrieben worden ist 5 
dann die Abhandlungen .,über die erste Mensch^ngesell- 
schaft,^' ,,über die Sendung Mose's^* und ..über die Gesetz- 
gebttog Lycurg's.^^ I>ie erste schliesst ($ich, jedoch mit CU- 
genthömlichkeit, ganz den Ka^fschen Ideen an.; die »weite 
ist nach einer Schrift Ahnlichen Innhalts von Dr. Decius ge - 
arbeitet Unser Verf. verhehlt die Widerspruche dnd Unzu- 
länglichkeiten der darin enthaltenen Ansicht keineswegs. 
Der dritte Aufsatz, fast ganz auf Beurtheilting basirt, ist 
durch Anordnung, Zusammenstellungen und Urtheü nichts 
desto weniger bedeutend. 

Das eiifte Kapitel verbreitet sich iiher die Gründung 
eines Memoiren werks durch Schiller, von dem er sich jedoch 

' Kiemlich bald zuruckKog, wührend es von apütern Theilneh* 
mern bis sunn SSsten Bande fortgesetzt wurde (1760—1806). 
Interessant sind auch die Schiller beigegebenen ZeitgemHI' 
de: ,,über Völkerwanderung, Kreuz/.üge und Mittelalter 5" 
„Uebersicht des Zustands von Europa isur Ztit des ersien 
Kreuzzugs 5" ..Universalhistorische Uebersicht der merkwür- 
digsten Staatsbegebenheiten zu den Zeiten K. Friedrichs I.;" 
i,Geschichte der Unruhen, welche der Regierung HeinrichsIY. 
vorangingen, bis zum Tode Carls IX.^* Der Verf. findet es 
merkwürdig (HA74m)^ dass beinahe alle historischeli Arbeitea 
Sehiller's unvollendet geblieben. „Eine historische Dar- 
Stellung beschäftigte auf ]£igere Zeit seinen Geist nicht ge- 

* nug ^ sein Interesse ermattete, besonders wenn sich seineni 
OrilTel keine grossen Charaktere, keine weiteingreifenden Be- 
gebenheiten anboten. Man sieht es ihm an. dass er sich über 
manche unerquickliche Perioden und Ereignisse nur mit Mühe 
und Widerwillen hittüberarbeitet« Hann bietet er eiiH^n aU- 



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QMMiitiv: Schiller*« Utkeu md Werk«« <41. 

£11^068011 orütorisefaen A|»p«r«t auf, der 4en gescblchtlielMif 
Tluitliestaiid eher verdeckt ah erhellt, und sein Ausdruck 
wird häufig geziert und gekünstelte^ Mit diesem Tadel inuss 
das uiiiiiässige Lob, das der Verf, 8chi|ler's historischer Kunst 
und Darstellung an vielen andern Stellen ertheilt, nothwen- 
dig teinperirt werden, wenn er nicht als einseiti^fer Lobred- 
uer erscheineo sqU» In der ..Vorrede zu* der Geschichte 
des Maltheserordens nach. Vertot^* findet lir. il*,aUes recht- 
wiasige Loh, welches dem JHitlelalter in der^oeuertt Zeit ofl 
Vß reiahlicb gespendet worden iat| in wenigen .Worten gleich- 
aaiB anticipirt X^. 177. J« Daaj» weist er nach ^ wie aas Jn 
diesen mannigfaltigen kleitien historischen 'Schriften überall 
die Ideen und Geluhle begegnen, welche Schillers sittli- 
ches Leben begründeten und durchglüiUen. 

An diese Mittheilungen reiht sich im zwölften Kapi- 
tel das Heferat über Schiller s ,,Geschichte des dreissigjah- 
rigen Krieges;^*'' die letzte grosse Produktion, mit welcher 
fikhiller ruhmvoll die historische Laufbahn verliess. a1*- 
leinigeii Mangel derselben sieht es nnser Verf. an, dass diese 
Gesdiiebte mehr an Eiide gedr^Djgt als gefährt ist| ain4 we- 
gen dieses (übrigens aus' Scliiller's Lebensamständen erkUMr«* 
ten3 präcipiten Auso^-a\\<^^ ihrem ganzen Umfange nach nicht 
auf den Namen eines in allen seinen Theilen gleichniafsig 
gehaltenen historischen Kunstwerks Anspruch machen kann. 
Doch gesteht er, nach allem Lobe, dass diess Werk eine 
geringere Temi)eratur habe, als die Geschichte des Nieder^ 
ländischen Abfalls, dass Schiller eigentlich seiner'Natur nach 
Univeraalhistoriker war, und. von jeder besondern Geschichte 
sich nicht leicht eine weniger für ihn eignen mdchte, als 
eiae Kriegsgeschichte Hinsichtlich der Yolli^dung der Künste 
^orm'aber will Hr. H* diesem Werke kaum eih andres histo* 
risches Werk an die Seite gesetzt wissen. Noch wird den 
„Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Marschalls von Vi<p , 
eilleviile*^ die Ehre ausfululicher Besprechung angethan. 

Eine allgemeine Betrachtung über „Schiller als Ge- 
schichtsschreiber' schliesst mit dem 13teii Kapitel diese 
Reihe historischer Baurtheilungcn. Hier wird sein mangd- 
JiaQes und\nar rhapsodisches. Qaellenstudiuia entschuldigt nml 
aeina erhfAaae Ansicht hervorgahoben, dass der <3fschic|tl* 
schr^eiher den aargföltig gesammelten Stoff wieder aus sieh 
benm^^astrWj^n . oder aea ersphaffea müsse, uad e^ wird 



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#48 Uffilnwiiler: Mlller't Ldboi «ad Work«. 

geeeigt, wmmf sieh diese erhitaie Ansieht M ilim grin-» 

dete. Dann weist der Verfasser nach, dass die pra^ai-> 
tische Behandlung unsrem Schiller nothwendig war. Sein 
leitender Grundgedanke aber ist der allgemein mensch- 
liche Standpunkt, näher bezeichnet. M enschenfr ei hei t, 
Menschenwürde und Menschenrecht, ünd hier ist 
die Stelle, wo der Historiker und der Dramatiker eins sinii» 
,^Diircli dieses sHllich tmgisciie Interesse geleitet^ iinl er mr 
B^rlieitiing Uns der Weltgesehichte iinner solelie FftrtieB 
herausgekommen, we die burgerfiehe oder religiöse Freiheit^ 
mit dem Despotismus im Kampf, dem - Betriehfendenr selbst 
noch in ihrem Unter^an^ ein erhabenes Schauspiel gewfihrt. 
Welcher Körst, F'eldherr, Gesetz o:eber die Menschenwürde 
achtete, der ist sein Held; wer sie mit Küssen trat, den 
richtet die Menschheit durch seinen Mund.'* - Und wie Schil- 
ler diese Ideen in Kopf und Herzen tmg'und nährte, so 
Hess er sie auch theils in Betrachtungen und ReOexienen, 
theils in Geffihleil and Gemüthsbewegangen in seni histori- , 
sehes Gemälde treten. Schiller*« DHrstellung ist, wie die- 
des Taeitos, von den Alfekten seines Oemoths erfallt, and 
doch nie parteiisch. — «jWie Tacitus seine Zeitgenossen mit 
der alterthüinlichen Römerehre in Contrast stellt, so malt 
Schiller das ganze reale Leben im Ge«^ensatz ^cgen seine 
ideale Welt; aber eine frohe Hoffnung beselt den deutschen 
Schriftsteller, während der Höitter von verzweifelndem Kum- 
mer erfüll|^war^ Denn dieser sah tranrend den Untergang . 
des Gestirnes, dessen Aufgang der andere freudig begrtias- 
te.^^ Uebrigens waren ^^eine pragmatische Behandlung, ein 
gemeinschaftlicher, idealiseher Gesichtspunkt, und Licht und 
Wärme aus demselben durch Reflexionen und Gefühle, olfhe 
parteiisch zu se} n — nur einzelne Mittel der künstleri- 
schen Korm, in welcher sich alle Theile vereinen.'* Hieran 
knüpft sich noch eine. Betrachtung über Schiller's historische 
Charakterschilderungen , die viel mannichfaltiger und be- 
stimmter sind,, als in den Dramen der vorhergehenden Pe- 
riode, und ein abweisendes Urtheil fiber teleologtsehe 
Behandlung der Gesehiehte,. wasaueh Sehiller^s CJrtheH war, 
der die Gesehiehte vem freien, hohen ^ ästhetischen Stande 
punkte behandelte. Zugleich aber ist seine kunstvoll zusam* 
mengesetzte Historiographie ..sentimentalisch" (S. ?23.3. 
Endiich kehrt im 14ten Kapitel das WerJ& zum haus- 



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Hoffmeutor: Schiller'« Leben und Werke. . 419 

liehen und gesellschaftlichen Leben in Jena zurück, wo die 
Uauplquelle des sei. Dekaiis Göritz Genregemftlde {\m Mor- 
genbl. I837.3 bildet, aus welcher so redlich geschöpft wird, 
dass nicht nur der otTenbare llrackfehler Fi schreieh- ([für 
Fisefaemeli3 respektirt, sondern aocli leiblicher* Weise manche'' 
Sehatteiiseite (wenn aoeh anwelleft Mrter der Porm des Lob- 
bes, wie S; 2lit^3 '^^''^^^S^^^'* wird, die alft Mihpfer der*^ 
atfasa idealishrenden Diireifellang dienefi -kann -(2. R. S. SSO.- 
und 237.}. In diesem Abschnitte heisst Schiller 8. 
.,Hessen - Darmstadtischer Rath," was der Erzählung des 
ersten Theiles (]Kap. 18.) widerstreitet, wo er diesen Titel' 
vom Herzog von Weimar fnur in Darmstadt J erhält. 
^ Das I5te Kapitel beschäftigt sich mit Schiller's Ue- 
bersefznng ans der Aeneide, bei welcher Gelegenheit ein 
unbilliger Seitenblick aaf den Prieeptoregeaehmack dea Prof* 
Nast an der Karraschnle geworfen wird (S. 240.3) seine* 
8chüler als einen Mann' von Geist onA Eleganz kannten. 
Epische Ideen SchitleKs werden erwähnt. „Es war eine für 
die Poesie unglückliche Periode. Aus langem Schwanken 
fjlieb ihm zuletzt nur das Misstrauen in sich selbst zurück... 
Zuerst siörten und hinderten ihn seine Amtsgeschäfte und , 
historische Arbeiten am Dichten^ dann löschte die über-' 
wll^gende Reflexion die dichterische Begeiste<- 
i^ung ans.^^ Endlich tauchte der Plan des Wallenstefn 
in seiner Seele aaf. - - ; ' . 

Mit dem 16ten Kapitel beginnt Sehillei^s Uebei^ang 
von der Geschichte »wr 'PhHosophfe. Philosophische Durch- 
bildung war die letzte Aufgabe, die er noch zu lösen hatte, 
ehe er wieder Dichter wurde. Aber so sehr unser Verf. be- 
müht ist, diese Herkulesarbeit , die unserm Schiller durch 
seinen Bildungsgang auferlegt worden, im vortheilhaftesterl 
Lichte 9 ond sein Studium der Kant'Schen Philosophie als 
nothwendige Folgö geistiger Wahlverwandtschaft danuistel- 
leh, :so fiberwiegt doch der Nachtheil, den ihm als Dichter 
die Versenknng In Jene Philosophie brachte, alle andern 'Vor- 
thelle, und In dieser Hinsicht ist Schiller's, von unserem Terf. 
redlich eino^ezeichnetes , Selbstgeständniss an seinen Freund 
Körner (S. 260.) höchst merkwürdig; ^,Die Kritik muss mir 
jetzt den Schaden ersetzen, den sie mir mg^i^gi hat. Und 
in der That hat sie mir geschadet; denn die Kühn- 
beit, die lebendige Oiuth) die hatte, ehe shr noch eine 



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Hoir»iiitt«r: 9»liillrr'« L«lwi vad Werbe, 



Beikel liekniNil war, varisiKse f«h ^ckon soii nii^lir^« 
ren Jahren.' Ifh sehe mich jeivA «rsclrnffen unii biUeii) 

und ich beobachte das Spiel der Hi eiste run^^, iiiid meine 
Einbildungskraft hehfi^t sich mit minderer Kreihcit, i^citdeui 
sie aicb nicht mehr ohne Zttiiffen weiss. Hin ich aber erst 
so weit, dass mir Kun^tinassi/j^keit zur Natur wird, wie ei- 
nem wohlgesitteten Menschen die Er/sieh^ng^ so ei'hkit auch 
die Phant«9ie ihre tori^e Freiheit wieder /.iirück, und setzt 
fitoli .keine undefii) «U freiwül^^-^diriinkeii.^^ lä^ ir^i sich 
mtj oh ^Schiller auf i<elnem k^tisehea We^e sutr Kunstbtl- 
dun^ den aftchsten Weg eingescMiigeii biit. Dafis er mitun- 
ter auf Irrwe^^e gerathen, namentlich so oft er «ich emanci- 
piren wollte, und bald die Lehre vom Itiihrendeu in seine 
Kunsttheorie hereinnahm [S. 305fr.), bald der Anmuth und 
dem Angenehm e n einen all/.uhohen Ehrensit/^ in der Kunst 
einräumte (^S. 311—310»}, hat unser Verf. selbst mit kriti- 
eeher Meisterschaft üargethan. Dreimal glücklich ist freilich 
der Maniif dem, wie dem gr099en (üöthe^ Jiunstnifise^keil 
ab Natar angeboren ward, und der sie ideht erat xu auehen 
and SU erwerhen braoehte! 

Was Ref. als einen Ilauptnachtheii betrachtet, der nn- 
serm Schüler aus der unbegran/.ten Hin»:ebiing an das Kant- 
sehe 8ystem erwachsen seyn diirfte. ist die entschiedene 
Ausschliessung des Christenthums von seinen philosophischen 
Ansichten und die eben dadurch bewirkte IJeberschatzung 
der menschlichen Natur, welche jene idealischen Uehertrei- 
bun^n in der Charakteraseichnanfp verursacht hat, die man 
«eUmt seinen aplilern dramatischen Kunatdichtiingen mit Recht 
mwerfen kann,* und durch welche er gegen Shakespeare 
und selbst gegen Göthe gehalten, unstreitig im Nachtheile 
bleibt. Diese Ueberschat^ung scheint auch seine Biographie 
einigermasscn zu t heilen, und wir vermögea inelu y.ii Allem 
zu stimmen, was so geistreich und feinsinnig 8. 318—324. 
im 19ten Kapitel verlmndelt wird. Der Verf. glaubt so- 
gar, Schiiier sey es, der die /i<Nshöne<-Mensehlifihkeita^ 
Theorie eum -EUgenthum der Denkweise mid Ueberasenif^ng 
seiner l4aadslettte gemacht Imhe, lange vorher, die dieser 
iieue Erwerb der C^sinnun^ eine Stelte In der Moral findea 
konnte. „In dem ganzen deutschen Nationalcharakter ist 
das Gepräge des Schillcr'schen Genius auigedruckt: so weit 

ouler uns .^ige OUduo^i herrach^, wird eia tiefes CfCftthi, 



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HoffiueUter : ScUUlera Leben und Werke. 651 

werdea die reinen 8timmun|i^en and lebendi^^en Regungen - 
des Herzens für alles 8chöne im Leben, in der Natur und 
Kunst« wird jedes hieraus quellende freiere, höhere Streben 
hoch und heilig geachtet/' Uns d/idcfit, jene Tugenden ha- 
, be vielmehr der deutsche Nationalcharakter Schillern, als 
dieser sie dem Charakter der Nation verliehen* 

Für die Biographie Srhiller's ist das 17te Kapitel 
besonders wichtig: es enthalt in höchst ergreifender Schil- 
derung Schiller's körperliches Leiden; seine voreilige Todes- 
feier KU Hellebeli durch Baggeseo und die Bewunderer 
Schiller's in Koppenhagen) und den unsterblichen Brief des 
Prinzen, von Aogostenbaf^ und Grafen vow Sobinmelniann, 
der das grossmöthige -Geschenk eines dreij^rigen Gebalten 
von 1000 Thalem begleitete, nebst SebtUer^s Imrrlieber 'und 
bisher weniger gekannter Antwort an Baggesen. 

Das ISte Kapitel bespricht die Beurtheilungen von 
Göthe's Egmont. und \ on Burger*s und Matthisson's Gedich- 
ten; die Ungerechtigkeit der zweiten, und die Parteilichkeit 
' der dritten werden gerilgt und erklfiriich gemacht Der ein« 
sichtsvolle ' Stuttgarter Frennd, dem Schiller seine In Matthis- 
son's Oeurthcihing dar^ck gten Ideen Uber Landschaftspoesfo 
im Gespräch verdankte, ist der noch nicht lange verstorbene 
Direktor der würtemb. Hofliank, Geh. Hofrath von Rapp, wie 
diess lief, aus dieses 3eines mütterlichen Oheims eigenem 
Munde weiss. 

Im 19ten Kapitel sind die Aufsätze ^ber das tragi- 
sche Vergnügen und die tragische Kunst, und die Abhand» 
lung „über Anmnth und Wärde" auf dief Weise behandlelt) 

die schon oben von uns berührt worden ist.'' 

Das 20ste Kapitel betrachtet die Aufsätze ,,vom £r» 
luiieaen,'^ diess Meisterstück wissenschaftlicher BegMsm^ 
Wicklung (S. 9^0 ^ ^yKerstreute Betraehtangen Uber 
verschiedene ästhetische Gegenstände,^ und sebliesst 'dann 

den zweiten Theil mfl einem allgemeinen Ueberblick. Mit 
Ungeduld sehen wir dem Abschlüsse eines Werkes entge* 
gen, das, wie keines vor ihm, durch das ausgesprochene • 
Lob, wie den im Lobe selbst leise mit enthaltenen Tadel uns 
Deutschen in der geistvelisten und wahrhaftesten Darstel- 
Inqg b^eüKch madity wm» Schiller durch «eineii Charak«- 



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iftS Dealacbmaaii: Die Radicalrefemi de« SUatM. 

ter, wie durch seine Kunst, durch siin Streben wie durch 
seine Leistungen, durch seine VolIkoiDUienheiten wie durch 
seine AlÄnicel der tmvergleicbiiche Heros seiner Nation ist. 

G u % l a V c htp ß ö. 



Dh Radietd'B^arm de§ Staatt^ tMd iVtvatrfcAicit» oft und wh wtU 4ie§ti$e 
rtektthh, mMwtndig und »uläfiig «e^, erörtert von If. PeuttekmmMU, 
UuunMm. Druck w»d Ftrimg wm 0. fkff. 1818. kl 8. 

Man kann deor Verf. das Zei^^s nicht versagen^ dafs 
der Inhalt seiner Sehrift dem Titel volUiounen entsprielil. 
Der Verf. legt seine starke Hand fast an alles Bestehende. 
Der Adel, die Grandherrlichkeit, die Censnr, die Landstände, 

die Gerechtigkeitspfle^e, der Staatsdienst, die Universitäten 
etc. etc. nichts entgeht seiner Kritik. Selbst die Homöopa- 
thie nimmt er ge^^en die Aristokratie der Allopathie in sei- 
nen Schutz. ([Nur die Runkeh üben und die Lumpen hat Hef. . 
>— mit Bedauern — veraii&t) Mit einem Worte, die Schrift 
enthült wahre Erleichterungen eines unter der Last der Li- 
beralität seufieenden Heraiens. Wir können daher das Lesen 
dieser Schrift mit gutem Gewifsen allen denen empfehlen, 
die mit Nichts in der Weit sufrieden sind, ausgenommen mit 
sieh selbst. 

Erfreulich ist es dabei, dafs der Verf. einstweilen noch 
die Souveraine Deutschlands in ungestörtem Besitze ihrer 
Machtvollkommenheit läPst. Zwar scheint der Verf. nur einen 
Versuch mit den monarchischen Verfafsungen m.'jchen zu u ol- 
len, ob sie sich Kur A^sführun^ seiner Radicalreform tauglich 
erweisen werden. Indefs das ist doch schon etwas4 Zeit 
gewonnen,; Alles gewonnen. Vielleicht läfst . sich auch von 
dem Verf. eine Dilation erlangen. 

' Man wird fragen, was denn der Verf. an die Stelle des 
Bestehenden zu setzen vorschlao^e. Der Verf. ^ieht allerdings 
hin und wider einige Winke, wie man das, was er tadelt, 
verbessern oder umgestalten könne. So kommt z. B. ^S. 179. 
ein merkwürdiger Vorschlag über die organischen Einrich- 
tungen vor, von welchen man sich eine gute Gesetzgebung 
vers|Mrechea könne. (^Eine Referentenkammer mit eintir Gc- 
setEgebungseeitung. Dapn ein Gesetzgebungssenat. Endlicli 



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D^aHoloMiiav Oi« JUdiMdivfoim des StMttt. 4M 

ein Gesetsgebungskörper. Von allen diesen Behörden ist 
ein jedes neoe Ges^lft^ stufenweise und in angepiertieiieQ 
Frisleiiy in Beraüiong m sieben* Die Referentenkanpmer soll 
„ana gröndlicli vielseitig gelNlldeten, dorchans makellosi»! jupd 
m keiner Art betheiligten JUnnern bestehot^^ Ueber .die Zu- 
sammensetzung der andern beiden Bebörden erklärt sieh der 
Verf. nicht.) Doch ist der Verf. weit freigebiger mit seinem 
Tadel, als mit seinen Vorschlagen zur Wiedergeburt der ge- 
sunkenen Menschheit. Vielleicht spart er diese Vorschläge 
auf die Zeiten ai4f) in welcher die gründlich vielseitig ge- 
bildeten durcbans makellosen und in keiner .Art betheil^gten 

Minner nuin Vorscheine kominen . werden. 

. Der Verf, spricht ein aehic strenges'UrthejI Aber kritische 
Zeitschriften aus^ ,)Fnr dns I^tntere/^ d. i. für das . ^Ver^ 
brennen^^ der Jghre derer, welche die Sachen mit dem rech- - 

ten Namen nennen, f sagt er iS. 303.) „sorgten noch in neu- 
rer Zeit besonders die literarischen Vehmgerichte, kritische • 
Blätter, Literatur-Zeitungen, gelehrte Anzeigen u. s. w. ge- , 
nanut. Durch ihre Hülfe verschworen sich die Zeitgenofs^n 
der politischen Läwj^igesellschaft recht eigentlich als syste- 
ouUische Beschützer der Mittelmäfsigkeit, des Best^hf^en 
und Hergebrachten*^^ Diese AenfiieruDi; h&lt Rostn« ab, im 
Jjefien des Verf. weiter sn gehn, als er bereits gethan hat» 
HIenii kommt noch , eine andere Aenfserong des Verf. (]S. 
304.) „Von jeher waren die Universitäten die Satelliten des 
Adels * Pfalfen - und Mönchs-Unsinnes." 0! dafs die Schrift 
doch vor 7Avei Jahrzehnten erschienen wäre! Vielleicht hatte 
sie dann auf die Witterung, zwan;^ ^Stunden von hjer}. ei- 
nen wohltiuUigen Kinflufs gehabt. 



C€»chichte de» Vrchristenthunnf , tiitrch 4. Fr. G frörer, Prof., Bihlioik^ 
kar in ütuttffardt. Das Jahrhundert de» Heils. Erste Ahiheilungy S 
" lA M// u»r/ 424. Zweite ^ Abtheil , S. 444. II Hauptlheil. Die 
heil. Sage. Erste Abtheil, S. VIII und 452. Zweite Abt heil , &336.— 
///. Ilaupttheil Das Heitigthum und die JVahrheit. S. 411. gr. 8, 
Stuttgart. R Schweizerbart's f erlag shandlung. 1888. ~ 

Man würde sich getäuscht sehen^ wenn man in dem vor- 
liegende» fwicht^n WerJke epne Geschichte dss Vtehrh 



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r 

Gfrdm: G«iclilclkto dtoi VrehrwUtttlittiM. 



Stent hu ms suchen wollte, insoweit man unter diesem Aus- 
druck die Eigenthümlichkeiten der er^^ten Christengemeinden 
nach Lehre, Gesinnnngen, Gilten, ReUgionsülnmgeii^ Yerfasi- 
flttngsfbrmeft, und swär wie si^h Alles dieses ofimittelbir 
AS eh den Aposteln ond noeh durehdrangen von dem icht 
apdsteffschen Geiste verfand /Mi verstehen pnegt. Demi iaf 
diese Zeit nach der ersten Gründun«: der christlichen Ge- 
meinden, lÄfst sich Hr. Gfrörer grade nur soweit ein. als die 
Erzählungen der Apostelgeschichte dazu Veianlafsung 
geben. Aufserdem aber bealisichtigt er ganz dasselbe, was 
in diesem Augenblick der hauptsächlichste Gegenstand thee- 
logischer B'orschongen Ist, hemlleh eine genaue Untersdehmig 
dei* eigentlichen Quellen der chrfdtlleheo lleligron , and dem- 
gemftfs ehie mogHehsC richtige Darstellung des Lebens 
Jesu. Sein Werk reiht sich seiner ganzen- Tendenz nach 
an die ahnlichen Schriften von Paulus, Strauls, Nean- 
der, Hart mann, Weifse und T heile an, und nimmt unter 
denselben offenbar eine der ersten Stellen ein. Des Verl', 
grof^er KleiPs, sein gründliches Quellenstudium, sein Ächt hi- 
storischer Sinn , seine glückliche Kombtnationsgabe, leuchtet 
unwidersprechlieh aus dein ganzen Werke hervor. Abgese- 
hen von* den endlichen Raniltaten seiner Untersuchungen, 
halten wir dasselbe fm Ganssen für unbefangener abgefafst 
als die beiden, unter sich so sehr verschiedenen Werke von 
Straufs und Neander. Weder wie Straufs von einer gehei- 
men Opposition gegen die bisher kirchlich anerkannte Würde 
Jesu beseelt^ noch wie Neander entschieden und voreinge- 
nosimen auf die Vertheidigung derselben ausgehend, erstrebt 
Hr* Gfrörer nicht abslchllich irgend ein bestittuntes ftesallat, 
sondern gibt sich seinen Untersuchungen im Ganxen parihei- 
los hin. Er verführt mehr als Historiker denn als Theologe; 
und diese Jiistorische Unbefangenheit gereicht seinen For- 
schungen offenbar zum Vortheil. Obgleich sich daher die 
Theologie eben so wenig mit den endlichen Resultaten die- 
ses Lebens Jesu, %vie mit denen der obengenannten Schrif- 
ten beruhigen kann^ so gehört doch das Werk des Herrn 
(Jfrörer in vorzüglichem Grade zu denen, * welche für den 
endlichen Abachlufs dieser wichtigen Frage ganz besonders 
zn Rathe gebogen und ganz im Einzelnen geprüft werden! 
müssen« Bio Grfindlichkett' seinem Ansarteitung, verdient 
Wenigstens ebeik so sehr wie das vielgenannte Werk von 



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Strünftf, ^mt m^rgMige Be^tuthtatkg in beMndm Sehrffteil. 
Ja, Ref. ffihft s\th dem Bekentitiiifti gtdrmgen , dato er- 

das Werk des Hrn. Gfrörer nicht blofe für ntilifeffingcner als 
das des Hrn. 8traufs, sondern im Ganzen auch für gründli- 
cher ond geistio^ freier als jenes hält. Wenn in Jahren oder 
Jabrzehenden die Resultate der kritischen und historisclieii 
UntersDchonöfen über das Leben Jesu, zu welchen der ge- 
lehrte und boehverdiente Veteran Paulus den haiiptsächlieh- 
sten Anatofii gegeben hat, in ein wöhl^eprüfiles 8chhirare8aK 
tat sasammenf efSirflit nnd als ivfssensehafllSeh«» Erg^Vk 
aller vorlier^'e^ai)»:eneii Ferschon^en aufgestellt werden; 
dann wird das Werk des Hrn. Gfrörer zur Aufstellung eines 
historisch-richtigen Hildes von dem Leben Jesu nichts weni- 
ger als unbedeutende Züge beigetragen haben. Bevor Ref. 
die innere Einrichtung des vorliegenden Werkes beschreibt, 
ist es nölhig, das Verhältnifs auseinanderzusetzen, in welchem 
des Veif. Werk dem von StrauRi, and in welchem über* 
haupt dessen Aaffassuni^weise m der mythischen -steht Der 
Verf. sprieht sieh selber hierüber an zwei Stellen dentileti 
ans. Bd. I. i. S. VI. sagt er nemiteh: „Gewisse Leute giunh* ■ 
teil mir zu schmeicheln, indem sie mir sagten, dafs ich Einer 
der Vorläufer dieses modernen Vorkämpfers negativer Wahr- 
heit fdes Hrn. Dr. Straufs) sey; es drängte mich, solche Zn- 
muthungen ab/.uweisen, andrerseits gebot mir ein kräfltiges 
Gefühl meiner Seele, das ich früher nicht kannte, die Liehe 
enmChristenthttm, die sieh meiner dorch die historisebeii 
9tadien bemächtigt , den Behaii{>tan^n , welche Stranfs mit . 
viel ' Scharfsinn, allein ohne alle K^nntnifs der Zeit, Uber 
ivelche.er abspricht, anfgestellt hat, die meinigen entgegen 
zu setzen. Ich treffe zwar mit ihm in vielen Punkten zu- 
sammen, jedoch nin- in INitikten, welche die Aufsenwerke der 
Burg betrelferi, gleichsam zur Schaale s:ehöri*n. 8onst ist 
erstlich mein Weg oder die Art der Beweisführung völli^p 
▼erschieden von dein seinigen« Er beruft sich, auf Metaphy- 
sik und erkennt in den Säiseem der liegerschen Schule ein 
ebenbürtiges Maafs gewisser Din^e, die vor 1800 Jahren io 
Jndäa ireschehen sind, oder auch nnr dort geschrieben wor- 
den. Ich dagegen bin der Ansteht^ dafs man Jesum Christum 
und sein Wer«, nur aus genauer Kenntnifs seines Zeitalters : 
und vorzüglich auch aus sich selber beurtheilen müfse, ich 
berufe mich daher nur auf Urkunden und Zeugnisse, und 



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m CMitrt ÜMciiklite to UidbriHMitfanM. 

lege, nebenbei /gesagt, aof die ganze na^chkantiscbe deut- 
(9c1k) Metaphysik einen geringen Werth, am nicht noch ein 
atXrkeres Wert so gehranchen« Zweitens iat auch nnaer 

beiderseitiges Eadergebnife himmelweit. veraeUeden ; das sei- 
nige ist der Zweifei oder gradeso die Verneinung, das mei- 

nige ein durch klare Beweise gestüzter historischer Glaube 
an eine aufserordentliche, wenn man will, übernaiurliche Kr- 
scheinung; ein Glaube, der sich zwar auf ganz andre Gründe 
beruft^ als die bisher gewohnten, auch vieles aufgiebt, was 
man seit Jahrhunderten hochheilig hielt, aber doch die Haupt- 
aacbf» festhält und zuletzt Empfindungen hervorjnift, die im 
Gänsen nicht irerschieden sind von denev , wdche von jeher 
eifrige, doch amgleich verstipdige Christen , gegenfiber von 
dem Stifter ansrer Kirche, fühlten/^ — Genaoer «her die 
mythische Auffassungsweise der b^vangelien erklart sich 11 r. 
Gfrörer Bd. IL Abtheil. »S. 250: „Also auch nach meiner 
Darstellung, werden gewisse Leute sprechen, seien die drei 
ersten Evangelien voll unbegründeter Sagen, und nicht als 
(2lBelle der Wahrheit zu betrachten, ein Geständnifs, wodurch 
der Kirchenglaube jede Stntjbe verlierei iShshnurstiiaks habe 
di^innaeb deE.y(erf. diese&. Werkes seinem in der . Vorrede 
som ersten Bande afigelegten Yersiirecheo jnwider gehan- 
delt, dafe er die Feder nicht ergreifen würde, wären die 
Entdeckungen, die er gemacht, der christlichen Gemeinschaft 
verderblich; wozu nach, der S tr aufs' sehen , Untersuchung 
diese neue , die zwar einen andern Weg einschlage , aber 
doch am Ende auf dieselben traurigen Ergebnisse hinai^ 
laufe! Nur gemach I. Dafs die synoptischen Evangelien der 
Wahrheit nicht dienen, noch sie enthalten, habe ich nkgends 
gesagt, nnd ich werde das Gegentheil im nfiehst^ Boche 
bei^eiseii. . 



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\'.-4d. HEIDELBEBGEA 1839. 
JAHRBitCUfiR DER L1T£RATIIR. 



Ofrärer: Getchichle de% Vrchi ülenihums. 

Nar te M meiae Meinmi^, diiiSi in jenen Scbrif« 
teti eine äberwiegemle AnsaM sai^eiilMlker Ztk/^e niederge- 
legt ist, und ich ineine jenen Satz so scharf und mit so eben- 
bürtigen Waffen dargetban zu haben, als diefs in der Ge- 
achicbte überhaupt mögh'ch ist. Nun stürmeo sie aber mit 
jenen all^cemeinen lledensarteii ein, die von den WiderlegiJrn 
de« iSlraMfa'ttcben Werkes in den verschiedensten VVIendim- , 
gfiß; vorgebracht wurden, nod in der Tbat an sich kaum Qtne 
Jl^atywci verdieneil. .Die Einen a%eo: «MyciiQn A|^eo.:«irli 
imrj.9dea heidnischeip Beji^ioaen 4es\AtfMbiiaiS9..keinaaT 
wefcf», in d4*r christliehen, welche ihrem iiinenit«» Weaen 
die Wahrheit sfslbst sei, und defshalb keine Lüixe nuf^ 
kuruuien lasse. Die Andern, etwas verniinfti^feren, behaupten, 
das Jahrhundert Jesu gehöre zu den hellen, historisch genau 
bekannten^ unmögh'ch hätte in einer solchen Zeil und über* 
4ip^ 80 sehneil nach der That, eia ganzer iSagenkreis auf» 
Icammen könnent^^ Diese beiden Parthejea widerlegt dos 

Verf., indem er .aet|>|gt, da£»' aUardMgs. iniahl Alles, was 
4je ilGeate IMrcbe üher /etvp eralhlte, darehaua wahr aaj, 
aai»il^. dar« 9,aaaii »dew laHlwn Zepfaifa der OeschiebCe,^^ 
Phantasie oder Irrthuai oder Voiurtheil' vieles zu demselben 
hinzugedichtet habe; ferner dafs aflerdings schon so frühe 
„ein Sagenkreis'* entstanden seyn könne, welcher mit der 
Wirklichkeil gar nichts oder wenig gemein habe. Die Rich- 
tigkeit des lezteren Satsbes zeigt der Verfasser an modernen, 
naheliegenden Beispielen* Dagegen a|»richt sicii Hr. G frö- 
rer eben ap entschieden gegen die angemeaaen mythische 
Aafaaaai^weiae des Ur.Straufs ans. fir sagt nemlich (Bd* 
IV Ahth* 1* S. 869) t „bei Mathäas machten wir die anange«- 
nehme Entdeckung, dafe am gewisser, auf Chrlafom bezoge- 
ner Stellen willen, selbst die wahre Geschichte abgeän- 
dert worden ist. Diese unbestreitbare Thatsache haben 

.XXXII. Jahre. S. MtU, * * 



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OrWiNrt Gm tk k ktß 4m -QiehriitftptJiaiii« 



nenere EMänr — wie es^ mler «s DeiHschen immer zu 

geschehen pflegt — zu einem allgemeinen Grundsatz erhoben 
(denn System mufs bekanntlich bei uns Alles seyn}. und sieb 
unterfangen, fast die ganze Geschichte Jesu aas Stellen des 
alten Testaments, welche die Evangelisten angeblich umge- 
deutet haben sollen, umzubänunern« Dem Uebel rnnfs dubcr 
ein Damm entgegengewor&a werdeo, dessen Bausteine in 
der Tbat im Wege liegen« Das alte Testament enthalt ei- 
nige Weissagungen, die ¥M den Vcrfasseni seibat onwlder* 
iqpreeMioli auf den Messias bewogen werden, noc4i viel meh- 
rere sind darin, die Von den Juden zor Zeit Jesu allgemein 
auf den Ersehnten gedeutet wurden. Es ist nur zu gewifs, 
dafs diese beiden Arten von Weissa^^nngen den mächtigsten 
Einflnfs auf die Darslellun^j: der evangelischen Geschidite 
geübt haben, und ein guter Tlieil des vorliegenden AVerkes 
hat den Zweck, den bezekhoefen BMufs ^tacbzuweisen^ 
Weiter gibt es im alten Testamente eine H enge von fl^Oen^ 
die zwar von dea Jndeu 'nldil auf ifMren MessiaiA hmof^en 
wwden sind, »aber dseh von einer starkglSubigen Parthei so 
verstanden werden konnten, und welche zum Theil die Kir- 
che des zweiii^n Jahrhunderts so genommen hat. Dafs die- 
ses so geschah, mufste einen hinreichenden Grund haben, 

Deutung selbst den beigebrachten An- 
sichten der Joden zuwider ist, nur in einei^ 'Tftataaeh^ 
gesucht werden kann. - Wenn z. B. iohannea ei%Alt, die 
l^riegsknechle hiltteii «m- Christi Lelbroek gewärfelt; aof 
, dafs der Sprach Pa.t»^ l^ erMM würde, oder wenn er 
sagt : Ohristo »ey das Bein nfdit «Hiroehen worden, wegen 
der Stelle Eicod. IS, 46., und die Kriegskncchte hatten nach 
ihm gestochen, um der Prophezeihung Zachar. It, 10 willen; 
so ist klar, dafs dieThatsache früher und alter seyn mufs, 
als die alttestamentliche Deutung deiselbenj denn wie wäre 
es sonst begreiflich, dafs auf Christam Stelien hcsogen wur« 
den, die doch sonst ki^in Mensch so verstand, und aneh ohne 
äafsere Anlässe nie ao verstehen wird.^ r^- Dureh diese 
AasaOge wird es dentlieh, in wieweit Hr. Gfrdrer die mythi- 
sehe ErkUningsait des Hrn. Stranfs annimmt, und inwiefern 
. er sie verwMt» Seine desfalsigen Unterscheidungen scheinen 
ans durchaus woblbc^rändet, besonnen und acht bistericli zu 
seyn. Keine theologische Parthei wird zu laügnen vermö«-en 
dafs der Verf, alle Incideiiz-Punkte unbefangen gegen ein^ 



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Gfrüreri GeMbicliie riis UrcbristeBlbuin«. iM , 

ander abgewogen bat, und düfs er in dieser Ucziehjiii^* 
ühi6r Sh-aufs steht, welcher sich von vornherein zum Princip 
^eipacht hat, alle neutestiimentlichen ErzahIuno:en nur al^ 
Modificatiooen aittestauaentlicher zu kl^irfkßi^ipt^ «Straufshü^e 
1^ Hicla mMg gehabt, auf die, ^lerdings %ß weit getrk^ 
l^iüieii Bemühiiiig^n, He biWmk^, W^^^^ tMürUeh m .^r? 
Ulren, nii 09 viel (Berk^^cUiunii^ Jt^craMbHcken, Detio 
nellier wur vini ier IiMmI t »pisaitfg^ii, w^hriiiift bescbrimk* 
1^ fi:^en Idee beherrscht, Alles and Jedes mythisch zu er- 
klÄren. • Da«:e^en hiitte t^ach Ghorci niclit vergessen soUen, 
dass er sich bei seiner Auslepin»: der ^Jchrift sehr hänßg- 
gaii^ von denselben Pnncipie^ leiten läs^t^ 00^1^ . welchen 
t^f^Um in seinem ..Lehen Je<!u-- verfahren ist. 

. . j^ie lies u| täte V ^'<!rtche.fik. Gfrörer veroiii^telst seiner - 
^in lli^loriscliea^^ UnteniH|cb«og.gef;unden haben wji|, . 
evM|p9 i»» Vivpw«rl aiiim eisten ptonrfe X^^- XUL) ^plber foltr 
(«fPpl«ri9«6KRil «11% ,99^ie.dr^« irrsten Evangelien airyd 
IUP» 4er nUerfr ehrup(|iqh^n^age ^ntstandeii , und enthalten 
solchem l'rs|)riin«:c ^einafs Wahrheit Mnd Dichtunjs: unterein- 
ander ^einengt; doch kann man lezteres Element init Hülfe 
des vierten Kvangelinrns ausseheiden. Dieses (kioeo-en ist 
von einem A u^ienKeugen, der Wahrheit gemäfs, ^•eschritbep^ 
es m^ss 9L\si iantere historische UMolle- belr^ch(^^ wc^^fif^ 
Dte.^ev«oBliK^hkeit Jesu CbriiiM 3^b«t eßseMfH^ Ii- eiipemj^ 
gMlf>e«if«i IMkt^ dm» #m iM» P^sfb'nvflffi V9n «ir^ 
•M MlMelmlri^len g^l^ißt ^w^A* .fitwas 4ehiilicbes 
weist !fUt Weltgesehjc|it#' ni^bt euC» -1^ Ist fiein bloßer 
Meofichi, wenn man d ie Mea^chefi neniit, welche von den . 
alltä'ch'chcn Triebfedern, denen sonst jeder ^terbfiche unler- 
|ie/e^t, i^eleitet werden; er ist ein Gott, wenn man den so 
nennen will, der alle menschlichen TiJi>:enden im höchsten 
liarifae besi/.t. Das, was mau nuthi^ lu^t zuifxi («ran(i8te)ifl 
einer ^eoffenbartcn Religieü, l^leibt uns übrige nur yoip dept 
ipiftKem.älliilfiQhaUen störtzen einige ein. Das Allerbpiligul^ 
die Fbunme auf dem Boehtltere %vird . durch die h>^o|ria.che ' 
IfmeiMfhnBgf niebt getrabt, c#ndern sie breniit S9g:ar, wejt 
«He» RMfb onCfernl wird, glätanewler anf.^^ — Diefs also in 
wenigen Worten das Gesammtresultat der vorliegenden Un- 
tersuchungen! Man sieht, dafs Hr. Gfrörer nic ht hlofs kritisch 
zersetzt und negirt, sondern auch ein positives Bild von Jesu:^ 
wrfeleUeM .aaU» 4flssea Zfigi^.ffltrl^ gi^gßß, »^ß .weitece ^n* 



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^0 Gfrurer; Ges<;hklile de« Urcbritteothuiua 

» * * • 

fechlun^en mythisirerider und ungläubiger Skepsis fi^esichert 
^eyn soll. 80 schonun^los er mit den drei synoptischen 
£v«o^eli6fi verführt und, wie sich aus semen spateren Un* 

' tersnchongen ergibt, nar Weniges iti ihrer Eraithlan|p als 
liistoriBeh-gesichert stehen IMt; so viele Mihe gibt er aiek 
zuletzt^ das vierte Evangeliom als eine onangreiflmr' feste 
and lautere 'ein:eotliehe Gesehichts^elfe zo beweisen. Das 
„jEflänzeniie Lieht,'' welches auf die Persönlichkeit Jesu fallt, 
^eht nach ihm beinahe einzig aus dem Jolmnneischen Evan- 
gelium lu rvor. Dies Le'/Aere ht ihm der Angelpunkt seines 
ganzt n posiliven Beweises. ' 

Bis er aber dahin gelangt, durchschreitet er eine lange 
mühsame Bahn der Forschung (^.,die Frucht dreizehnjähriger 
Arbeiten^**. Vorred. 8. 1.^« Wir gebto hie^ den iMgemeiiien 
Gang derselben an. Das erste 'B'ii eh setries Werkes- 
zeiehnet der Verf. mit dem allgemeinen Namen ^d as Jn^hr- 
hTündert des Heils." Ausgehend von der Ueberzeiiguiig, 
dafs nur deuijenigen ein sichres Urtheil über die evangelische 
Geschichte zustehe, der die Zeit, in welche diese Geschichte 
fallt, genau kenne, will der Verf. in diesem ersten Buche 
.,ein möglichst genaues Bild der Zustande des Volkes, unter 
oem Christus erstanden,'' geben. Demgemäfs hat die erst^ 
Abtheilang des ersten Biiehes folg<»nden lishalt« Ermten 
Kapitel. 0le Oiielleii zur Kenntinlb' des 'Znstandes der judi- 
sehen Dogmen nnd der Volksbüdong ini ZeftaKer Mtm CfM- 
sti (S. 3.3. Ztveit. Kapit. Die firziehong der Jsden zur 
Zeit Jesu. Die gelehrte Kaste (S. 109). Dritt. Kap. Die 
jri(lisrhe Lehre von der Offenbarung. (8. tl4). Viert. Kap. 
Die jiidisrhe Lehre von Gott. Die göttlichen Kräfte. Die 
iSchechina, Memra. Der Sohn, der heil. Geist, die Mutter^ 
der Vater. Jüdische Dreieinigkeit (8. Fdnft. Kap. 

Die Lehre von deft höheren Geistern, fingein ond Teafoin 
(8. 8fö). Die z.weite Abtheilnng umfafst ims' Sechst 
Kap. Die Schöpfung, die Wett ond- ihre^ TheiK* (^S.^l- 
Sfebent. Kap. Die Lehre vom Menschen, der Seele, Un- 
sterblichkeit, Freiheit und Schicksal. Sünden-Fall (S. bZj, 

'Acht. Die Lehre von den iMitteln und Wegen, durch 

welche der Mensch die Gnade Gottes erwirbt und seinen 
Zorn abwendet fS. 134}. Nennt. Kap. Der Plan Gottes 

'mit dem jüdischen Volke. Vorsehung. Diese und jene Welt. 
WannsoilderMes8Uiskofflmen¥(S.195}. Zehnt. Jü^iMs-nlle 



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QfrAräft Gecßkfeht« dMUrehriatentiiiiait.' 691 

jttdisehe Lehre vom Messms and den letzten Dingen A.. Ge-* 
mein prophetisdies Vorbild 3 Danieltsches Vorbild*^ Mosaisches 
VoiMd; dM mythisdi mdMifacbe YorbOd (S. 219-4tS> -«^ 
ffieüit'seliliefeeii'siehdieTorbereiteodeniJtitersttchoti- 

gen des Verf. Im zweiten Ba<;he wendet er sich zur 
üntersttchun«; der Evangelien selber, und zwar ihres 
Ursprnn^s , ihres Zu2^ammenhan£>;es und ihres Gehaltes. Er- 
nennt daher dieses Buch niif dm riesammlnamcn : ..die herl; 
Sage,**^ und behandelt seinen Gegenstand in folgenden Ivapi- 
teln*--ßrsie Abthetl. Erst. Kap. Unsicherheit der ältea. 
Zeognisse - über die Aeebtbeit • nentestaineotHeher: Schriften 
CS^8)* Zweit Kap. ShMibmensetmiig des .fivati^elHui^^ 
Lsitt. :IMe yorrede. Ex rnigae leonem«' Dritt Kap. fH6^ 
Sage von der Kindheit Jeso , saramt seiner Wirksamkeit ain 
See Tiberias. Luk. I, 5— IX, 50 f S. 87> Viert. Kap. Die 
Sage von der Wirksamkeit Christi aufserhalb Galiläa und 
vor dem lezten AufenfhaUe in Jerusalem. Luc. IX, 51 — XFX, 
48 (S. 229). Fünft. Kap. Die Sage von den lezten Schick-i 
salen Christi in Jerusalem. Luc. XX, 1-XXIV, 53 (S.a05). 
Sechst.. Kap. Zusanimensetznng der Apostelgeschichte, a. 
I; Abtheil., Kap. I, t^XU. 25. b. Der sweite Theil der 
Apostcigesehtchte. Kap. XIII, l-XX VIII, 31 (;S.888--422> 
Zweite Abtheilnn^. Sie.bent. Kap. Das MathSos- 
Evangelium (S. 7}. Acht. Kap. Das Alter der beiden 
Evangelien des Lucas und Mathäus (S. 81). Nennt. Kap. 
Zusammensetzung des zweiten Evangeliums. Markus, der 
älteste kritische Zeuge. Zweifel an der Wahrheit der evan- 
gelischen Sage (8.123). Zehnt. Kap. Beweis, dafs sich 
in den drei synoptischen Evangelien Tie! Unhistorisches 
fiade. Oharaeter der Sage. Dichtung und Wahrheit. Na« 
MO der fivaa^llsten (;S.225> Eilft Kap. Das Evanire« 
linn Johannis und seine Beschatfenheit (ß. S65> — Hier 
sehreitet nnh der Verfasser za seinem Dritten (dem Arn: 
Geheimerath Schlosser zu Heidelberg gewidmeten) Buche 
über, in welchem er „den vollständigen Beweis fuhren will, 
dafs Johannes ein Augenzeuge war, dafs er Geschichte er- 
zählt and dafs der christliche Glaube auf sturmfesten Boden 
ruht." Der Verf. betrachtetMies leztere Buch, „als die Krone 
seiner Jahrelang fortgesezten, muhseligen Arbeit'^ (Vorred. 
n Haoptabth. I. 1. S.XXI). Er hebt es daher durch (icn 
Oesammtnsmeo hervor: „dasHeiligthiim and dioWahr- 



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Gfförer» GtBAchicbl« des Urcbristvnuiaitttft 

heit,^' in welcliem alle Wunden, die das zweite, zum Thfeil 
auch das erste Buch ^eschhi^eu haben ina^^ geheilt werdent i 
Der iia(ii>ti:ih2ilt desiseUMfin ist m fünf Kapitel zustinnMiiI^« 
fiUWt £rsl. Kap. Der Gottessohn (ßi S> ZiArerW iU^ : 
des neoseheii 80IU1 (S. lIBji II ritt. Kap. Ufe Wnnder 
Jesu und die JUden C^. M5> Viert Kiipi Die i&M^eil 
dte vierten Ewin^i littms. Die An yoiri e Bs ento't der wdenL 
Der hei!. Büdeii (N. 312). Fünft. Kap. Die Kirche (i^. 384). 

Hiemit liegt der tJesamuitinhalt dieses umfassenden Wer- 
kes im Abrils vor uns.' Der Verf. be«i;^innt mit der Prüfun;? 
des Jiidentfauins und seiner Glaubenslebren besonders zu den 
Zeiten Christi, um nachzuweisen inwiefern und inwieAveit , 
dasselbe auf ditö christlichen Idee« EiuSM9 ttdsgeibt hati 
Uiefs nötlitgt ilirt Munentlich aaclt gernkfosn , jedoeii «ÜB»» 
weitlaurUg aus^efalleifen Unteraadkm^en flbei* den T^IAivd; 
Ab<;eseheii von dien endlieliredReäoltaten dieser Poraelranpreii, 
bleibt jed^nfälls d^r Grundsatz richtig und historisch^ bei Be- 
urtheilung der Schriftsteller^ welche unmittelbar aus deui 
Judenthum hervorgegangen sind, das Judenthum nicht etwa 
zu ignoriren, sonJiern genau nachzusehen . in welchem liähe- 
ren oder entfernteren Zusammen hanjo^e dasselbe mit den neuerf 
christlichen Ideen gestanden haben möge. Der Verf. hütet 
sich Kwar im Allgemeinen vor der Einseitiit^elt, das Juden^ 
thum zum bestluimenden Maafsstäbe der ^vanj^disehen £r* 
sUlUüngen «a machen; 4och abtfr üben jidisdien fifehmn- 
gen, Lehrsitze und Zustünde aus dem ,;JahriMmdert des 
Heils," nicht selten auf des Verf. Beiirtheilung evangeli- 
scher Berichte und Lehren einen gröfseren Einflufs als, als 
sich streng e\eii:etisch und historisch rechtfertigen läfst. — 
Nach solchen genauen Voruntersuchungen geht der Verf. »^uth ; 
Zweiten Haupitheile über and tritTt hier mannigtisch mit 
Straiifs zusammen, da aSeh Ur. Gfrörer in den Evailgeliail | 
vieles Mythische imiet, welches jedoch mit Wahrheit 
veirmlscfat sei. Das Lestere selieldet er ttfn dcto firslerda 
ans und benuKt «s später bei d^r Darstellun«^ deir achten evaA-« | 
gcliselien Geschichte. Das eigentliche Fundament des Posi- 
tiven in seiner Darstelhiiig bleibt ihm aber stets das Evan- 
gelium Johannis. Er gibt ztVar zu. dafs weder die in 
diesem Evangelium enthaltenen Keden, noch die dort ausg-e- 
sprochenen Ansichten ganz rein von unhislorischer Beinii- | 
schung sind, ^enn erstlich^* , sagt er <(^lIaoptabthk IL-^t. | 



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Gfrorer: GvAc^iolilfi Uiy^hrutcBÜiHmt. tffi$ 

SZ^S,^ ,,wenn Johannes die lieden des Herrn nicht in der 
OestaU wiedergab 5 in welcher sie ursprünglich gehalten 
wurden, so lieifst dies nichts mehr und nichts minder, als er . 
ist . filier reinen U^wil^lichkei^ wortgetreuer £rinuer«^[^. 
meli 40, Jahren — unt^rl^gieO). einer [JiipögUebkelt^ yor 
4er elcb .aiki.CtaMliiohl88elu'eilier..ltottgeii^ 1 * 2weilQii% 
WWn Mkmum Mek viele Aneiehlbii don.^ädiule in «ein, 
'Yfwk eiilUeteeii ÜTst, so folo:t deraes fteeh lan^ nicht, daf^, 
lezteres hierdurch das wahre historische Gepräge vcrlüßrej 
I denn es ist eben so denkbar, dafs ihn die Geschichte d.h. 
! seine wirklichen Erlebnisse, das was er an Christus sah und 
von ihm hörte, eu der eigenthärnhehen Lehre jener Schule 
Qb* B. SU der Loysoslehre} geführt hat^ Als umgekehrt^^ 

NiMh ,weitere&, im dritten Buche angestellten Untersu* 
clMu^^afrieU aieh «ber lk.GMm 
SkSM) fe%ttMterioufeoii an: „dftOi naa jUsher die Aeditiiett 
dee vürtea JBvMgeliMs TielfiMli beswet^eHe, darf nielit auf« 
Ikllen, denn von Metaphysikeni wurde dasseU^ meist ange-p 
griffen, und gewöhnlich auch mit metaphysischen Gründen 
vertheidigt. Wer aber jetzt noch , nachdem das nöthige hi- 
storische Licht Kiber die i<Vage ausgegossen ist, das vierte 
Evangehum für ein Machwerk und für untergeschoben erklärt 
(der Verf deutet hiemtl wohl auf Weisse hia^ welcher in 
aeiaeai t^JLäoken Jmi'' mit g&mgw Beaehriiikaag diese Be« 
haii|»te^g aafeleBl and daa fivaageliom Mard die dehteate 
,0m Hiitthailaogen des ikpeatela Pdtrns Jiervorgegangeae 
. hlsteriaehe Compeeition^^ nennt} , dem sage ieh Ina Qeäehl, 
dass er unter dem Flute nicht bei Trost sey, und rathe ihm 
ernstlich, fürder mit deutscher Metaphysik sich abzugeben, 
in Geschichte aber — manum de tabula — sich nicht ku mi- 
schen. Das Werk des vierten Evangelisten ist nicht nur 
aekty aoodern er hat seine Aufgabe ^ gut gelöst, als imr 
lapaer erwartet werden konate. Wenn man bedenkt, weUh' * 
'laqger 'fi&eilranai.'awi8ehea der That aa4 der BeaebreibunK 
lip^ wean «ao femer erwlfgt, wekh' ungiämre Versnehung 
Manaea an (ftherwiodea hatte, um aieht Jüdische Vororthelle, 
die seinen Herzen höchst theaer waren, die iha tausendfältig 
in der Person seiner Glaubensgenossen umflutheten, massen- 
haft in seine Darstellung einHicssen zu lassen, so muss man 
auch zugestehen, nur der Jünger, der an Jesu Brust lag, und 
. laeliff als die üehrigen iu das laaere des ErüoßCi's biickea 



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0fi4 Gfreffw: GMchiehte dei UrehritMBfUiuii«. 

durfte, konnte ein so treues Bild von unserm Herrn entwer- 
fen. Das vierte Evangelium- ist und bieil»t die Perle der 
ehristlichei» Kirche des nencrii £urd|m, weklier in Fo)^e 
Tieler Umstände, die nickt von uns iibliiiii|;en, deMn-Ntiferä 
aber Christns propheiweii vomus Mh, Jenes JMseft^BeiwetlL 
unsers Gtunbens unerträj^lieh xn wenden b^^iAol '••»•• Ja 
dieses Evangettum ist das Kleinod and die Grand^ole der 
christlichen Gemeinsrhaft in ihrer jetai|fen Entwieliiiin^, 
gerade so wie das >>'erk der drei ersten Synoptiker dem 
Christentbume der verflosseaeo Jahrhunderte als Strebepfeiler 
dientet- , ' . 

Auch lief* ist van der relativen Aecktheit des Johann ei- 
schen Eyangetlaaia tiberaeagt, insofern nemllGh dilsselbe aielil 
mehr eine blosse Eraähloa^ sondern aadi bereits einen von 
Johannes hinein^tra|;enen Fragaatiamus In der Darslelkin^, 
nicht mehr die absolut reinen Worto Jesu, sandln bereits 
eine Johanneisch-individuell gefärbte Wiedergebung dersel- 
ben enthält, und nicht mehr bloss die Verhältnisse der Le- 
benszeit Jesu .Oelber, sondern auch die christlichen Zustande 
schildert, wie sie sich in dem höheren Leben^ialter des Jo- 
hannes herausgebildet hatten, ja selbst noch späterhin heraas- 
bildcn wurden nnd sollten. Allein des Verf. Beweisfährung 
vermag Ref. häufig doch nicht bekutreten« So sueht Herr 
Ofrörer (1I.liaupth. 1. Abtheil. S. 206 ff.} den geheidMiisa>*ol- 
len Umstand zu erklaren, dass Johannes niohts van der ISIn*- 
setzung des heil. Abendmahls erzählt. Indem der Verf. von 
vornherein die früheren Erklärungen als gänzlich unbrauchbar 
verwirft, verfährt er zwar bei seiner Erklärung mit vielem 
Scharfsinne, jedocli unter Prämissen, weiche nicht mehr für 
sich haben, als die der früheren Erklärer. Der Verfasser 
meint nemlieh : Jesus habe bei seinem lezten Mahle ^unter 
vielen andern lieden^^ nur ^eil4iofig*^auehdieas sm seinen 
Jfingern gesagt : ,,80 <ifl ihr us Zakonft Brod esset nnd ans dem 
Kelche trinket, so gedenket diei^s unsers lezten Zusammen«- 
seins; das gebrochene Brod , der rothe Wein im Kelch sey 
euch ein L^riniieruiigszeichen meines Leibes, der nun gebro- 
chen, meines Blutes, das nun vergossen wird.'* Hieraus werde 
es erklärlich, wie der Augenzenge Johannes in seinem Be- 
richte „einen solchen kleinen Zug** ubergehen mochte, der 
von Jesus nur zufällig „ohne beisondere Betonung'' ausg^ 
s)>rochen; ,^ueh auf die Anwesenden damalig keinen besmi-* 

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dern Eindruck machtet' Der Berichterstatter balle nur 
herrorstechendsten Zöge ,.jener Scene, den he r gfuA filtera*' 
den- Akt des Wummmikem^ diö BroMilMMnii^o mt DciMitfc 
md 'Bhiderliebe^« in eedftcMik» bemhrt, anderes ^aiiibe>r 
d«otendeer BeiwK'rk'^ Jedeeh »nr Seite ic^MaeB. — Unler 
äNeti Deotangeii und Auslegrun^en des Verf., erschien dem 
Ref. die ebenbezeichnete!, als die willkürlichste und unfic- 
gröndetste. Ihr widerspricht der Inhalt der Worte Jesu 
selber, \Velcher für die unbefan|!:enen . in jener Stunde nochi. 
nichts weniger als ein blotigea £nde ihres Herrn ond Mm^. 
sleM envaiitenden' Jänj^er, von weit n^rösserer Bedeutung seyn 
BiDsste, als der «Akt de» MsswaacheM eder jafe, seiiOB Mßi 
her hfiiiig gehörten fkiMduumgen nur 0enMhtli. IMfenkinr. 
kennten dteaiß Dinge, wekke in keiner Art auf eine' nakehe«* 
verstekende fnrehtkare Katastrophe Jn'ndenteten , dem Ge- 
dächtnisse des Berichterstatters weit leichter entschwinden, 

> 

als' die erschreckenden Worte Jesu: ich werde sterben I 
eines baldigen und <!;'ewaltsamen Todes sterben, und ihr wer- 
det fortan allein in der Welt stehen! — Jener J^eutung wi-/ 
derspricht ferner das mit den synoptischen Evangelien ziem- 
lieh gleichlautende Zeugniss des Apestei Paulus, 1 Cor. Jklj 
28; eben so die sehen bei den Alterten Ckristen attgenieln- 
bestehenden,'- ond naeh.des Verf* e^em BekenntnMse aos^ 
der BAaseteang des keiL Abendmühles hervorgegangenen^ 
Agapen ; endlich^ die schon sehr frühe Qweii früher als die 
Protestanten gewöhnlich wissen oder zugestehen wollen*) 
statttindcnde mystische Auffassung des heil. Abendmahls als 
eines sündentilgenden Opfers, bei welchem leibhaftig das 
Fleisch und das Blut Christi gegenwärtig sey. Ur. G frörer 

beruft eiek oft aof das aatöriiebe, unheiaiigene Gefokl, mi4 



*) Ref. kann sich nicht enthalten, in dieser Beziehung eine merkwür> 
dige Stelle an« Orig^enes (Flomil. 1^. in F.xoA. Ed. de la Rae. T. 
II. p. nn.i herzunetzen. „Nostis/' sagt dort der Redner, ,,qDi di-' 
vinis myaterüs (der Asfrou^/a rwv vtentüv) iotereste consuestit, quo« 
iMdo, mm mumlflkQ»'K9vpu9 Damiiiit cum omni canlela et 
▼ •■•ration« servAti«, ne «x eo pamiii ^nid decidaft, «e eon- 
Mcrati manerii. t^liqnid dilabntDr: reoi enin vm cieditU, •< recte' 
crcditi«, ti qoid lud« per negli^ntiam dccidat. <|aod ti eirea 
corpai ajna erniiervandniii tants atimini cantela, et ineHto all« 
■liai: qnaimda patatin, iDiaoffM mm yiac i i l it wmkmttM negtosw»«» 

^ ^uan corpQ« «in»? 



Gfrörcr: C2«Mhleli(e dm UrcbrUtcntiiiinm. 



sehr häu% mit Recht. Th dem vorlie^eoden Falle aber inuss 
sich Ref., gegen den Verfasser, gleichfalls auf das natürliche 
Gefuiil berufen. Dieses wird ohne Zweifel den Ausspruch 
-th«b^ dass bei einef Abschied- uwk Sterbeacea« «HM .A^öm^ 
w«i der ISterbeoib «pridU umi thtrt^ wira es m »eh aiM4l< 
ooeb m üMlreteh rdMteml iind el^vtfckMl, fß^ge^t iißmtm- 
eigenHidie Alrsehi«dswor<e, bumI weno dieedbw gUHi 
unerwartet kommen, von den Ümstebenden fär onbedeatcmd 
gehalten wird. Wenn Johannes irgend etwaü* aus jener 
Stunde im Gedäi^htniss behielt, so mwsste er die feierlidie 
Ankündigung Jeso von seinem bevorstehenden Tode, uiul 
dessen Aoffordening : seines Hinscheidens öfters in feierlicher 
Weise zu gedenken , der Naehwek -^ttitlholeil» Auch hatte 
IM« die DenutfnwCeireMsie des ITiiBswasehM m des Mte^ 
afen Oemeioden nMt zm einen kftrehUeheii Akte eifteben, 
während die Feier des heil. Abendmahls in dem spätern tjo^ 
bensaiter des Johannes in allen christlichen Gemeinden der 
eigentKehe Mittelpunkt des christlichen Gottesdienstes, ja 
nebst dem Gebete der einzig wichtige Moment desselben war. 
Aliein also in dieser Beziehung wäre eine Erklärung, eio 
Zurückgehen auf den eig^entliefaea Ursprung dieser gette»- 
dienstlichen Fder not big gewesen« Dns^ Johannes dieae 
nleht gegeben hnt^ bleibt nach wie vdr mibegreiiidht-^ Hr« 
6fr6rer hat «kh im Yorllegendeii FnHe diirrl^ «dii ¥ertaHge% 
Iftrieni mdgilehen Angriir nvf 4m Tierte EVangeiiwB verfi«^. 
beugeki, offenbar sn weit fiihren fasseh. Seine Erklürong ist 
noch weit haltloser als die seiner Vorgänger. ^Sobald aber 
seine Untersuchung nur irgend wieder einen Anhaltspunkt sftu 
fas*^eh vermag, verfahrt er auch mit gewöhnter scliarfsinni- 
||;er Combinationsgabe. 80 findet er 4lea drttnd, nus welchem, 
„den wirklich beim lezten Mahle ausgesprochenen, zufälli- 
gen Reden des Uerm, wider seine Absiebt , so bald ein 
tief n^stisclier Sinn uniergesteUt ward*^ ^^1^. Y^glei-* 
chong mit den Manna, auf welche Christus Job» Vi, 'SO. 84. 
49. 58. eingeht. Zwar scheint uns die Nachalunung des 
Gebrauchs der jüdischen Hausvater, auf das ungesäuerte ßrod 
lunziidcuten, welches „die Vater in der Wüste gegessen 
haben,- noch näher zuliegen. Allein des llr. GfrÖrer Deu- 
tung auf das Manna hat doch audi viel für sich. Dagegen 
scheint uns seine Zusammenstellung des Blutes Christ mit 
dem Moses-Kelsen , aus welchem lebendigen IVnsser ^uoll,- 



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aMf«#: CMMcfato iIm UrcbrMtentfiMBft. Ml . 

wieder ftlh/ugektinstelt xu seyn. Man wird sioh nfcht Jeicht 
ötuin \iersteheiif die xutnal nur Künstlich keraus^edeutefen^ 
Worte Jesu s ic^>lNn;4te wahre Marina und dei'kwalirftThMrii 
¥•81 HiiMlnct^ Wer ditse^ Brod md tüeaed Wmmtt 'gMeaM, 
bettet 'dm tewigo lAben^ mit etar j^ringpbi nad wkarimi 
sehr Yilrite iki^endeii Abinderani^,^ wie der V^. will, „iA 
die Worte der Einsetzung umzuwandeln.^^ • • / 

} Noch uiuiiche ähnliche, nicht minder deih Zweifel nriter- 
worfene Erklärungen, finden »ich her dem Verfasser. Im Iii 
Haupttheil Iste Abtheilun«; 8. '^18. erklärt er „das Wandeln 
Jesu auf dem illeere^^ folgendermaassen : Iki d^Jiih^^naoli 
Joh. YL htmin Img^fülir. 25r^ Stadien fk die iftee hirteiite« 
gMluta geweeeu «eyeiiy eo aeyen sie ^^Ueineüs* hart jeiM 
feeüigeii Wer ^ew^sdo,^*'l*de*i der 8efe .hei KaperiMlni» ote« 
grefähr jeile Ihtnte gehJdit liebe« Ohgieiisli iHsol die Jünger 
(Jölu Vi., Sl.*) Jesum in das filobiff bitten aufnehmen wok . 
len. so sey die.vs anter jenen ümstHiidtn doch ganz unnöthijBf 
gewesen." Kolj^lich sey Jesus keineswegs ,.über den See,'* 
vielmehr ,,am Ufer gegangen, vielleicht auch, um den Weg 
abzukürzen, ein wenig durchs Wasser am Gestade; wohl 
konnte es den Jiiii|;era durah die dampfenden Morg^eilfiebel 
bierdiiircb erscheinen, als Itlnge Jesus äber die Wasser." 
Man kann aileiifirils sugeb^^-dasii- sieb die 8aebe so \*erbat<- 

. ten babea kann: Nim wirft abdr der Verf. die nothwea«« 
dige Frage aaf: ^^Aber wamm hM Jobaiines die Saebe (in 
den Worten 'fir^ovr iii^'n9nM94m- ikl riii daXtfooi;^^ so vor«* 
gestellt, als sey Jesus über das galildlsche Meer gegangen, 
da er doch die Wahrheit leicht erfahren oder selbst merken 
konnte Und antwortet hierauf: „Johannes gibt den Ein- 
druck wieder, der damals, als die Sache geschah, ^ denn, 
er war Augenzeuge — seine Seele erfüllte , und der gewiss 
hmge nachwirkte.^* Oiess ist eine ähnliche Erklärung, wie- 

* Jene mit dam Vdrsebweigen des heiligen Abendmablsl Ob^ 
gkieb Ubo Jobannes den rlebljgen VeiMt der Saebe ganv 
genau als Angenaeuge gekannt bat^lMÜ er sieb dennoeb er« 
laubt haben, dieselbe in einem zweideutigen, dt b. M^r^ IM«« 
sehen Lichte darzustellen! Das heisst, sich zu viel Erklä- 
rerfreiheit herausnehmen. — Nicht minder precär ist der an- 
gebliche Beweis dafür, dass die W'rse Matth. XXII., 34-^40* 
(IL Haupttheil. Ers^te Abth. S. 312 f.} „ein spateres Etn^ 
scbtebscl sind, welches in der (|uelle . des Looas noch bidi^ 

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m 



Gf rorer : CicMbiebto def Urekrittenthnm«. 



stand.'^ Es rntta; seyn, dass man erst späterhin auf die 
Behauptnni: kam, es seyen die jüdischen Häupter der drei 
Mftehti|^ten Parlbeieii, der Le%'iten, Pharisäer und Saddocüer, 
^er fteiiie nach, eine« nach dem Andern daher ge^ 
fc—M im, um Mk. im alfMrne akadeniadM Oefcelite.ait emem 
Hanne dnsttlaaatn, gegen den eie bereits 'den Merddöleh gt>^' 
sehliffen hatten.^^ Ib dieaer drelfaelwii Wiederholung eint» 
ahnlichen Vorfalls, liegt allerdings etwas Gemachtes, Künst- 
liches, ein Hestrebea, Jesum auch „als Meister in rabhini- 
scher Gelehrsamkeit and Zungenferti*i:keit über Pharisäer 
und Sadducäer zu zeigen. Allein, diess auch ;&ugegcl>en, 
i9t die 8teiie Matth. 22, 34-40., doch gewiss nicht desshalb 
versüglich für nnlielit zu hallen, weil das, was der Saddii- 
eAer vorMngtj ^gar keine Sehnetfe^ habe. Im GegeatlMü 
ist die verfftnifliebo «nd spdtttsehe Fhige der iSaddndler vem 
Standpunkte dieser Seete ans, ond 'wenn man bedenkt, diiss 
sie auch hier gegen eine ..leibliche Auferstehung'^ streitet, 
ganz und ^ar (lern Sadducäischen Glaubenssystein angemes- 
sen. Sie trägt ganz die Farbe der Ursprübglichkeit an sich. 
— Ebenso willkürlich erklärt Hr. Gfrörcr das Gespräch 
zwischen den Schächern und Christus^' für ein Product der 
..dichtenden 8Hge'' (IL Haupttheil. 2te AbtkeiL S. 348r.> 
£s dankt dem Verf. unglaablieh, dass ,«Leiite, die am Krenste 
hingen, nnd denen gewiss das Heulen näher ist als das La-* 
eben, selebe spassbafte eder spöttiscbe fiemerkoiigeii om« 
eben, nnd sieb anf die besebrtebene Weise miteinander on- 
terhaltcn." Was der Vtrf. lur un;j:laublich hält, ist dem Ref. 
eine psychologisch - richtige li»r scheinung. Verhärtete und 
stolze Gemüther ertragen die Strafe für ihre Verbrecher häu- 
fig mit verachtendem Hochmuthe oder mit einem Anschein 
Ton Gleicbg'iltigkeit, welche darauf berechnet ist, der Welt 
noch bin zum It tzlen Aiigenbliek Trotz und Verachtung ad 
beweisen. In soiehen Füllen verbirgt stcb die innere Todes- 
angst und VerzweMnng sngar unter spöttiseben und seibei 
spassbaften Aeden, unter WItsworten, welebe gnr niebt zur 
naben Hlnriebtung zu passen scheinen, und doch nichts nu- 
deics, als eben ihre Verzweiflungsfurcht sind. Ueberdiess 
liegt in der Spottrede der Schacher ein grimmiger Hoho, 
eine kaum verhehlte Wuth, welche begierig nach einem Ge- 
genstande sucht, um sich an ihm auszulassen. Dass Matth. 
24, 44* „beide schimpfen^ während bei liucas ^ 



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' GfMrer: 6«ieliioliU de« UfobriAleaUiiifM. . 6it 

nur £incr die Holle des hartnäckij^en, der Andere die des 
peai^en und ^läubi^en Sünders spielt^ — dieser Uoler* 
aehied in der An^be beweist eben,* dtss der ErrMUaig - 
wirklieh ein historisches Paetitm «i Grund Hg. Dagegen 
iMg es wshi seyn, dass Jeher- „Oegensisttt^ erst spAter hei^ 
Torgebshe» w^den ist, „damit sieh die beiden Sehieher et* 
WH eben so geg^ einander verhalteii sollen,' wie die hohen« 
priesterlichen Ankläger Christi und der Heide Pilatus, der 
seiiio Hände wa8cht>^ Der Verf. bemerkt, dass namentlich 
der V. 4t. weit reiner griechisch laute, als man es sonst ge- 
M'ohnt sey, und verwirft deshalb die ganze Erzählung. Allein 
da gerade dieser 4ie reuigen Worte des bussfcrtigeli • 
8ehiehers eirthült, sotnir den Gegensaits zn den fiiehia&hr^ 
den des Andern bildet^ so«ni50en es eben diese j,attiseh^ 
^'eehiseken^^ Worte- seyn, welch«' eist spiterhiN In^ die Sri 
Kühlung eingeschoben worden sind^ Sie dienen somit isur 
fernem BestÄtigung der Erzählung im Allgemeinen, nicht 
«her zur V^in\erfurtg derselben. — Die Erzählufi^ ..von 
<ler Verdunkelung der Sonne und vom Zerreissen des Tem- 
pel Vorhangs" erklärt der Verf. (IL Uauptabth. 1. Abth. S. 
849.} zwar für ,,ein& ältere 8age/\ als jenes Oesprüch.Jesa 
nfft den iSteh&chem; allein doch immer für eine, blosse» 'S^gt/J 
Denn, ruft er ansi ^^wie hMe sonst Johan^nes ein so widil 
tiges Ifirsignisn ibei^i^en kdnoen !^ Blees ist '-nach onstrer' 
Uebtneugon^ ddfchndB gar kellt iBrondi Der TtHl':eivi 
hebe das Johannis- Evangelium nach dessen eigenein Inhalte 
noch so htch — wir wercfen uns dessen freuen, wenn die 
Beweise für diese Erhebung gelungen sind; allein niemals 
könnten wir KU dem Schlüsse beistimmen: diese oder jene 
Angabe der synoptischen l^vangelien ist blos desshalb 
falsch^ weil sie bei Ji^uMnes nicht. zu 'finden ist. Der Verik 
gibt swiir nocb einen sweken Ornnd an, den aber Bef.aber«« 
lanbt statt mt Yerwerfung jener JBrslIhhing, vielmehr: für 
deteift Best&tigung anwenden nmss. Oer sagenhafle Ursprung 
seil sk;h nemlieh aneh durch den 47. Vers verrathen, wo es 

hcisst: Idiüv Jij J exaroira^^pfa«; to y tvH \iiv ov . Hier werde 
so allgemein gesprochen, als hätte der Hauptmann ,^ch 
das Zerreissen des Vorhangs gesehen, was eine baare ün- 
uiöglichkeit sey.^^ Allerdings ist diess eine Uuinögiichkeit* 
Wo steht denn aber, dass der Hauptmann auch Jenes „Zer- 
reisaea^^ gesehen haben aolie. £ben die^.Allgemeiahett 



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ilO Qffmfßtt QmikinUlt: des Ifckiina-atliiiMC. 



des Ausdrucks: fo yvoii^tvnv, spricht für die Aechlheit der 
Erzühiun^. Der centurio sah die Erde beben, die Kelsen 
^(Uirts^en, die Bewohner Jerusalems in jener furchibaren An^t, 
voll welcher jede» Erdbeben begleitet ist. — Bedurfte er^ der 
Httde, w^her ^wobot war, überall an die OBioiUelbare 
Bhiwirknn^ dar Gott^ «a gimbWi «ad. wiijcliea aii^ajifig 
gth^me 8chea var im oerkwärrillpfii (2«krjeaalgMii aafUllte, 
Meh fliehr ala Jen^ Erer^niase. -aa iieiaeia emehiaeieeiMi wkI 
liewanderndfii Aoarafe? Das r«^'<^f*<*^*'' was er sah, war 
ihm erschreckend ^enu^. Der Anblick dea /zerrissenen T ein« 
pelvorhao^s wäre für ihn ein ganz unbedeutender weiterer 
Zug in dem 8cbreckens<^inal<Ie eines Erdbebens gewesen. 
Dem Evangelisten, dem ebeaiahgen Juden, war. jenes Xer« 
r4im»eB dea Verhaogs die Hauptaacke« r- OmC ximgUnbigen^ 
IMdeii wine- ea eben nichts wetler gevi'eaafii, ala eto- Mma« 
«eaer Farhai^, eine iUeiiigkcil gßg^ im vtsrüiKrterten Hi»^ 
aMi and die habende Krde. ifeNgeaii> sehemiir die Erder- 
aehtitterungea ia dem felsigen Jera^aleia m jeder Zeit nich( 
unbedeutend gewesen zu sej n. müssen tioi t weite, unter- 
Irdische Höhlungen, tiefe Erdsebaob<«n «eyn, aus welchen 
die gesauiiaelten Dunste von Zeit äu Zeit mit Gewalt au$- 
bveiilMii* Bef. erinoert. in diea^ ttesuebung* an die Fener- 
toamen, welche immer- wieder i» ^'enterbliobar* IfVaiae her- 
vefteaoiien, «la- Jultatt das Fmdaamii mMim' j^fiwm jm^i^ 
aohett Ttfmpel! graben lasaen wollte^ .fiaaniiileigiHae iai aWit 
UeaÜirdi de« Brief dea Cyiilln$.JIieria,:att 4lcte K. K6n^ 
stantius, sondern auoh noch anderweitig iristoriseb bestaligt, 
ond beweist, dass Jenisalem schon früher, wie es nee h 
heut jsu Tage, nidit selten der Heerd mächtiger Erder- 
schütterungen war. Es ist daher schon an sich durchaua 
nicht unwahraeheinlich, dass ein aaJelies. Jilrdbeben auob Jiei 
da» Tode Je^n stattfand, ein j^tvo'fiMrvt', ili^m allfpemjai- 
nBT Eimimek nieliti^ fenaic ^var« nm- de« üteturio Jenftif« 
gewiaa aeb'on MWfker im dir Seele * aehlnaimerMbn Anairaf 
ansaopreeaen. Dagegea aind ^ir Tellig mit dea VerL An- 
sieht einverstanden, kein Yernunftiger werde glauben, „dass 
in Folge jenes Erdbebens viele verstorbene Fromuic aufge- 
wacht und nach der Auferstehung des Herrn in die Stadt 
gekommen seyen.*' Nur das ..OeiTnen der Gräber- kann äu- 
^egelien werden. — AberniaJs zu weit gißht aber der Verf., 
waoB er Jiehaaptet: <daa Erdbeben aoy .fioeheU). bleae^tiSa^e, 



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Grrteer: GeaoluGhie UnihristeaUMuiM. 



tili 



weil ,,viele Weiber, die doch bekanntlich nicht unerapfindi- 
lieh gegen die Eindrücke des Schreckens sind, der Kreu(/J- 
fC^^S gARK ruhig und stille zugesehen hätten, gleich als 
befände sich die äussere Nalar ia.dcr gewobntea Ordnung.*^ 
Wo steht, dass die Weiber .jvnkig mad atiUe^ eugesehen hü^ 
ten? W#, d«fl8 dm firdbeben ^fmde avieh den (fiol^allitr- 

mUnreäi'ringsam Ber|r« Mtctt}» ja dHrii kam sogar jMtHSi^ 
iwfa wi i eü tagen, dm das £Mbdban*aieii iiidil auf diese» Hd»- 

gel eppstreckte. Denn wäre aneh . dieser Hügel Li.schijüelt 
ivarden, dann hätten die Berichterstatter einen Umstandi wel?- 
eher in ihren Augen des Himmeis Unwillen noch viel deut- 
4ioher> awigesprochcn hätte, .gewiss weder vergessea noek 
wmkMriegtn. Und selbst* wen« der Hügel seihe» erhebt 
wA« <»ti- 'wMe '^anii Maria, wüviö eis «lahamies .gciAohtti 
tmy»t ' Kömmeirt sink (tüm Motttr am ehi finMiea.,' wietk 
Mir «ini}^' ^«Nehler (Sohn, -der SKoIb «od Trost Ihres .iiehehs 
-in Mien letzten Zügen liegt? Die Gewalt des müttcHicfoen 
Srhmefzes müsste gering seyn, wenn ihr ein drohende* lle-p 
H&Cn der Erde farchtbarer Wäre, als das im Tode brechende 
Ao^e des Lieblings, mit welchem ihr in Wahriieit die-WsK 
untergeht. Uad wo die Kriegskneehte bleiben konnten, anä 
^i'irkNch bHeben, solHe eine Mutter^ sollteii nrelinde^<*wie dia^ 
/lii^ddie nm Jesu Kreon standen, lelg^'entiiebettt £b^*iii 
unbep^det ist des Verf. Meinon^: dfe^ ITnistelieoden' MtHeft 
^Jesii Aosnife fSlil Eli, gerade so w^nf^ ffii^ '«ton Namen BKis - 
verstehen können, .,als wenn Einer sagte StoWgart. md der 
Andere verstünde Mexico.*' Die Lautahnh'chkeit z.wische^ 
den beiden Worten Eli und Eh'as, zumal von den Lipfu n W- 
nes schwachen Sterbeoden gesprochen (^denn man wird doeli 
Tiicht glauben, Jesus habe' ganz eigentiicfh gesehrieen?*^)^ 
ist doch wahrlich so groas, dass vdie Verwechslotig fieider 
selbst itt gewshnliehen. Oespriche tnsserst ieleht wir«. Ar« - 
dem* luiben die %ipU^ welche den Aösruf Jesu missdeuteten, 
nicht nahe am Kreatze, sondern in einiger Entfemimg ge-« 
standen. Denn das aligemein Gesagte: inti /otcd'tov (V. 
47. Matth.^, berechtigt keineswegs zu der Behauptung, es 
sey die unmittelbare Nähe am Kreuze gemeint. Auch ist 
es ohne weiteren Beweis gewiss, dass die Zuschauer wenig- 
stens nicht dicht an das Kreusb treten durften. Dort stand 
nur die Wache. Es fand also zwischen dem Sprechenden 



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67e Ofr^r: GMcliiolite do« UrohrUtliani. 

und dem Hörenden jedenfalls eine Entfernnn^ statt. Betrug* 
diese auch nur einige Schritte, so war sie dennoch grosi^ 
genug;, um das Eli wie Elias zu verstehen. Ja eben der 
viMi dem Hrn. Gfrörer, ob^leiob als Widerlegungsbeweis her- 
vorgehobene Umstand , dass „der Joditche VolksghiiiJie 
Blias M da« engste VeHuUUiisS' m dssi Messias setste^^ 
kann cor Bssiitigung * der evaageiiarheo EmMnng hsawtit 
werden. Der VedL M wider Willen biednreh Hntn massa 
■€>r«nd angege)>en, weshalb ^.Etliehe/^ den Ausruf EH^ ausser 
Lautähnlichkeit mit Elias, so schnell auf = Riesen Pro|>heten 
bezogen haben. — Die Worte Jesu: ,,Mein Gott, mein Gelt, 
warum hast du mich verlassen,^^ erklärt der Verf. glttfchfalis 
ükt „Erdichtung.^v Denn wenn sie histoiisch ^w^/. weisen, 
inässte ^,der unbestochene, gesunde Menschenvetfelifnd säe 
;als em grtelaclies Goheiainiss, sie ein.Bekeaetste iuisete«, 
das den Intlnini eines ipanaea Lehens am 4el«ieiif drdtleril^ 
ehen Aogenbliek ansapreebe.^ Ahch in dieseai Fenkle ist 
Ref. anderer Meinung. Ohne sich hier auf naheliegende psy- 
chologische Erklärungen einzulassen, will er nur bemerken, 
dass der E^vangelist einen, so leicht misszu verstehenden Aus- 
ruf nie und nimmermehr aufgezeichnet haben würde, 
.wenn derselbe nicht wirklich von den Lippen Jesu gekom- 
men wäre»- Wollte eiwa. Jemand sagen: die s|iä4ere kir^- 
JiiAe. Sage hüte den Gegensatz -awisGliea ^eia scheiubfrea 
lYjSrisreaasgFn der Saehe Jesu, hei seiner Krjeii^taigi|i|g| nnd 
ihre glanaenden^iege nach sefn^^urf^rstfhfing, vermiltelst 
jener erdichteten Worte recht grell hervor heben wol- 
len; so wäre die kirchliche Sage, welche zugleich berichtet, 
dass Christus seine Auferstehung vorbergesagt habe, nicht 
hlos mit sich selber in den Hllerschneidendsten Widerspruch 
gerathen; sondern sie hätte zugleich das \ crkehiteste und 
gefährlichste Mittel für jenen Zweck gewählt; sie \^ürde 
Jena PersottUchkeil seiher in Verdacht gebracht haben. 

• \ . 

i 

• * 

(Sthlufi foigt.) 

* ♦ * 



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N^ 43. H£iD£Lfi£RGER 1839. 
JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



Qflräret': G^tchiickie des UroMHentkum». 

(B€$ehluf9.) ' 

So ganz kindisch > unverständig kaoo aber selbst die 
%vÜikttrlichste Poesie der kirchlichen Sage nicht gedacht wer- 
den* — GJucklieber ist der Verf. in seinem Beweise, diisses 
sich mit der Erzüldang des MatttAns von „der Orabrulie^^ 
flicht so verhalten haben könne, wie dieser buchtet Femer 
beweist er uberaseugend, dass desselben Evangelisten „Galle^^ 
beim Essis: nicht historisch, sondern aus dem 69sten Psalme 
hinzugesetzt sey, und im III. Hauptth. 8. 285. macht er wahr- 
scheinlich^ dass bei der Angabe des Johannes, es sey „Was- 
ser und Blut^* aus der Wunde geflossen, eine mystische Be- 
ziehung auf die Taufe und den Opfertod stattgefunden liar 
be. Dagegen sucht er die „wunderschöne Geschichle von 
den Jüngern, die nach Euunana gingen,^^ ohne No(h in das 
Gebiet der historischen Sage m ziehen. Gegen den Zwei- 
fel, waraoi* die Jesa jedenfalls von Jeher ziemlich fei:ne ste- 
henden beiden Jünger, Jesum nicht sogleich erkannt, die 
Wundenmahle an seinen Händen nicht früher, als bei dem 
gemeinschaftlichen Essen mit ihm entdeckt hätten — lassen 
sich so viele Erklärungen beibringen, dass dieser Zweifel 
gar kein Gewicht hat. — Einleuchtend zeigt der Verf., wie 
JLukas dazu gekommen sey, auch von verwundeten „Füssen'^ 
Jesu zu sprechen, während nur seine Hände durchstochen 
waren. 

♦ * . ■ 
Wir brechen jedoch hier ab, um nicht zo weitläuftig zu 

werden. Es kann nicht Absieht dieser Anzeige seyn, mehr, 
als hier beispielsweise geschehen ist, auf das Einzelne ein- 
zugehen. Ueber das vorliegende vveillauflige Werk müssen 
ei^Liist Bücher geschrieben, dasselbe muss Punkt vor Punkt 
dnrcho^egangen und bestätigt oder widerlegt werden, diess 
erfordert sowüfil der Fieiss, mit w elchem dasselbe ausgear- 
beitet ist, als der in ihm herrschende Scharfsinn und die 
Wichtigkeit der Sache. Dass bei weitem nicht Alle^ in die- 
sem Werke stichhaltig ist, geht wohl schon ans Jenen Pro- 
nxii. Jabr«. rutft. 43 



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•Ii OMtwt Qweliliilito ict VMliriitcalbaiiM. 

ben lierm», Sefoe» in der V4irreiie 8. XSUh wifige^pmh 
ebenen GitmdsRtKe: fiberall streng logisch so verfahren, ist 

Hr. Gfrörer nicht überall treu geblieben. ,,31an bort viele 
Leute sagen: Ja historisch solle man das Christenthum un- 
tersuchen, aber der Prüfende müsse einen frommen, glä^u- 
bigen Sinn mitbringen. Ich habe mich wohl gehütet, die- 
sen einfältigen, abgeschmackten Zirkel im Beweise zu be« 
gteien. Knrz sey es hernnsgesaigt: was ich zu meiner Un- 
tersnehong iQitbringen so müssen gianftte, war vor Allem 
jene Logik, weldio von Olorns Sohne an Ms Schlos- 
ser herab alle wahren Gesehlehtschreiber gebraocht, und 
ohne welche man auch im bürgerlichen Leben nicht fortkommt ; 
ferner dieser Logik gemäss jenes Misstrauen gegen alle An- 
gaben, ehe sie erwiesen sind, ein Misstrauen, ohne welches 
der Historiker überall hintergangen zu werden Gefahr läuft. 
Nichts habe ich wissentlich tür wahr angenommen, wenn 
nicht Urkunden, deren Aechtheit unbezweifeUrar, wenn nicht 
miverdlirhtige Zeugnisse Dritter und Vierter zusammenstimm-» 
ten, oder die grösi^e innere Wahrscheinlichkeit fär Jeweilige 
Fn^ri stritt. Obs YerAüiren, das man vor Oeriehte ge- 
hrancht, suchte ich, soweit es der Clegenstand eriaubt, auch 
hier anzuwenden. Bezweifelt habe ich Alles, was man 
mit Recht bezweifeln kann." So richtig auch diese Grund- 
sätze in der Theorie sind, so waren doch gerade sie es, wel- 
che den Verf. zu manchen Irrthümern verleitet haben. Er 
hat Vieles „mit Recht" für bezweifelbar gehalten, was „mit 
Recht^ nicht zu bezweifeln war. Er hat oft eine 8ke|isis ! 
angewandt, weiche s&ur offenbarsten Ungerechtij^eit wurde, 
Wfibrend er seinem von ihm beschätzten Johannis -Evange« 
liam znlieb, Beweise, welche für dieses Evangelium zn spre- 
chen schienen, viel zu leicht und willig .'innahm. Er ver- 
fuhr zwar bei Beurtheilung der evangejischen Erzählungen 
wie „vor Gericht;" allein mit dem juristischen Grundsatz: 
quilibet priiesumitur pravus — ein Grundsatz, welcher dem 
Geschichtschreiber eben so wcni^r zukommt, wie der andre: 
quilibet praesumitur bonus. ISe'mv Logik ist scharf, allein 
oft allzBscharf, und daher wider Willen partheiisch. Alles, 
was nur irgend bezweifelbar Ist, zu bezweifeln, ist auch 
unlogisch ; denn ein scharfshiniger Kopf vermag zaiet» ftlles 
und Jedes, aoeh das Sonnenklarste in- bezweifeln , und für 
4Sfelne Zweifel mancherlei blendende Gründe vorzubringen. 



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QfrArer: Geichicbte des Urchri«lehUiimii. iBi^ 



Der Verf. ist keineswegs gegen die Wahrheit der evange- 
lischen Geschichte eingenommen; im Gegentheil soll das Äe-^ 
soltat seiner Untersuchnngen zur vollkoniiuensten Bestütigalij^ 
derselbch dieneo» Allein he\ot zu diesem Resultate 
ttägt, bringt er so Viel EiiivfMe itnä 2Kwdfd heirbel, und 
Cfreift die evA1lk/ireIid<^te G^s^hidkitö ^6 yititmg^^aÜ seho^ 
ättiigslos lUi, dUss sAiletftt oft kanitt idttHt ii nntersfehddeii 
isi, ob das endtiche gunstige fteidiirilit niksM ein haltirliches, 
öder blos ein erkünsteltes Leben Fiesitzt. Oer Verf. hätte 
nicht mehr Wunden schlagen sollen, als für die Feststel- 
lung des Wahren in der evangelischen Geschichte nöthig*, 
wnd durch die Erzählung der Evartgeliäteii selbei* äugen« 
scheinlich gerechtfertigt war. freudiger würde ihui dann 
,geder Unbenuigene 2ugeätehen'^ (IIL tiauptth. S. 407. J, 
„idtes die Ansicht von Jeso, Welche streif historische Uft- 
Mräochii ng dem Veri'asseir an' Ae fiahd ^fegebeh hat, ba 
Weseiltlicheik nicht verschittdcti ist von derjenigen, wiMcK^ 
v6li Jeher gläubige, ode^ dabei verstündige CnWsten von d^m 
Stiftir unserer Kirche hoffen; ja, dass sich „die geschicht- 
liehen Resultate der vorliegenden Untersuchung im Ganzen 
auch mit dem Lehrbegrilf mancher christlichen Konfessionen 
vereinigen lassen, obgleich diese Bekenntnissschrifieh nieh- 
rerC ei h:^ eine nnsrer Sätze. nicht anerkennen werden." -i- 
Aih Schlüsse des III. U Aiipttheils , In dem Kapitel über 
diö Kif<^he, »teilt Hr. GlVör^r tiicht Wenig« Behäoptuiigen 
auf, welche, ikhmentlkik iil vereihsfielf^r Bletrachtun^, sehr ssöu 
WMerspi'ucfl ttt\^en. £'r gdil von deih Gesifehlshunkte ansi 
difts'Chitstenihum habe niir dadurch einen dauernden nnd'se^ 
gensreichen Einfluss erlangen können, dass „all<i Staatsver- 
hältnisse'^ verchrisilicht, ein „göttlicher Staat'' errichtet wur- 
de, und zu diesem Behufe ..die Masse der Gläubigen eine 
gute Gliederung, und besonders ein tüchtiges Haupt bekam, 
damit sie sich wie ein Ganzes bewegen. Einem Antriebe 
folgen mochte.^^ Dieser Gesichtspunkt ist ihm der Maasstab 
der Verdienste aller £srer, welche auf die spätere Entwick-^ 
lüüg deä iDhristenthnm^ Eiiiduss ausgeübt hahen. AUerdinjUCS 
hüt dte haldi^ iusserliche Rohstitulmng det^ Christenthams 
M Khrche, der Ausbreitung des Christenthilins manchen we^ 
sentlichen Vortheil gebracht; ob aber auch der läutern Ent- 
wicklung seines innersten Wesens? Diess ist eine andere 
Frage. Der Verf. preist die von den ,,Lateinern^^ frühe her- 



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I 



i 

I 



Q16 Gfr5rert Ctotehtcht« de« IJfehrlttenIhiiai«* 

beigefohrte „VermihUmg' des rtaischeo Oetaies mit dem jfi^ , 
diseben.^ Wurde aber nicht eben dieser wsbrhafi «nebrist- ; 
liehen „Ehe,^^ der reine Geist des Evann^eliums vielfaltig siiiii 

Opfer gebracht? Datirt sich nicht alles spätere Verderbniss ' 
der Kirche Jesu, von dieser unseligen Vermischung des 
heidnisch-römischen und altjiidischen Geistes mit dein christ- 
lichen, her? Werden die guten Früchte dieser Vereinigung 
nicht unendlich von den bösen aufgewogen? Der Verf. ist 
2war weit entfernt, dieses spätere Verderben m laugnen^ 
allein in seiner Freude über die staatskluge Berechnung der 
lateinischen Priesterschaft, vergisst er eine Zeit lang, wie 
viel Verderben der betdnisch-jüdiscbe Geist dieser Letztem 
über die christliehe Kirche gebracht hat. Eben deshalb nenint 
er die griechischen Viiter : .,ächte Enkel jener alten grie- 
chischen 8cfn\ atzer, die nicht eher geruht, bis sie sich um 
Ehre, Macht , Selbstständigkeit luid gute Sitten philosophirt 
hatten.'' Er verwirft sie gänzlich, weil ihnen „eine heillose 

« Sucht nach Vereinzelung, das Gelüsten, eine besondere Mei- 
nung für sich zu haben, anklebt.'* Die römischen V<^ter 
dagegen preist er hoch, weil „der Trieb nach Einheit und 
Ordnung Allen gemeinsam sey, und sie sich nur un Gänsen 
ond in der Einigelt mit Andern fühlen, und selbst die St rän- 
ge der Gewalt anziehen, lun diese Einheit zu erhalten.^^ 
Das heisst in der That sich allzutici und auf Kosten Andrer 
in die Pläne hierarchischer Herrschsucht hineindenken! Zu- 
dem thut Hr. Gfrörer den griechischen Vätern höchst un- 
recht. Er bekennt zwar selber, dass sich unter den römi- 

^ scheu Vätern „nur sehr wenige unter die grossen Geister 
- zühlen dürfen. Hätte er aber die griechischen Vater nicht 
vom Standpunkte eines Panegyrikers römischer Zwingherr- 
Schaft/ sondern nach ihrem se1bstst£ndigen Werthe beurtheUt, 
so hätte er bekennen müssen, dass diese Viiter nicht blos im 
' Allgemeinen geistig unendlich über den römischen stehen, 
, sondern dass sie auch, trotx ihrer nicht zu läugnenden sophi- 
stischen Abentheuerliehkciten , das Wesen des Christen- 
thums ganz unvergleichbar reiner, idealer und genialer auf- 
gefasst haben, als diese Lateiner, welche häufig nicht w^eni- 
ger abgeschmackte Dinge vortrugen als Jene, und dabei 
obendrein nicht selten geistlos und unbeholfen waren. — Wie 
willkürlich, wie geschichtlich falsch ist des Verf. Behaup- 
tung: ,,es habe die griechische Kirche der Welt nichts 



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I Qft^rtn QmvhlMt des UrchrittCBthonif. 677 

sa nttlzeo vermocht,^* weil sie eine Gesellschaft ,.ohiie Haupt^^ 
f^ift&en sey, nicht die ,;einzige Form gehabt habe, unter 
weteher &^m»ls das ChristeiithaiD besteheo konnte 1^^ Und 
Rwar werde diess ,,dareh die Geschichte des byzantini- 
selieii Reiches^^ bewiesen 1 Sind etwa in den abendländi- 
sehen Refchen nicht ganz dieselben schin/ihlichen Dinge vor- 
gegangen, wie im Morgenlande, obgleich dort der Pafjst der 
alfeinige geistliche Herrscher war? Sind etwa die Gothen, 
der weitwirkendsfe deutsche Volkssfniiiin iU v ersten christ- 
lichen Jahrhunderte, von Horn, und nicht viehnehr vom bv- 
santinisehen lieichc aus, zum Christenlhum bekehrt worden? 
Ab sie In die abendlündischen römischen Lander einfielen, 
wftreii sie bereits wurkHehe Christen; nicht Rom hat sie be- 
kehlt. DasB andre StArnme > „des imverdorbeDen germani- 
scftenUrrolks^^ von Rom ans fenm Üebeririti bewogen wurden, 
hatte doch am wenigsten darin seinen Grund, dass die abend- 
ländische Kirche „ein einziges Oberhaupt'' hatte, sondern 
darin , dass die Eroberungs/jige der grossentheils schon 
christlich gewordenen germanischen Völker zufällig ihre ' 
Richtung nicht nach dem Alorgeniande, sondern immer tie- 
fer in die Gegenden des christlichen Abendlandes nahmen. 
Allerdings äbte dann die abendländische Hierarchie ihren 
fiinfluss ans-; allein die morgentöndische wurde unter glei- 
chen Verhältnissen nicht weniger auf die eindringenden 
Barbaren gewirkt haben. Als sp^üer die 8aracenen * bis 
in das südliche Frankreich, ja bis an die Grenzen von Ita- 
lien vordrangen und schon das christliclie Spanien erobert 
hatten — hat damals der Pabst liber die religiöse Üebcrzeu- 
gung dieser Eindrirjglinge etwas vermocht? — Doch, es 
würde »u weit führen! — Aach hier (S. 395.) kommt Hr. 
Gfrörer auf seine schon in andern Schriften ausgesprochene 
Behnaptang Kuruek: ,,die Hohenstaufen hätten eine Univerf 
snlmonarehie besweckt, und man sey daher den P&bsten den 
grössten Dank schuldig, Jass sie di^ verhindert hätten.^ 
Uns eigentliche Verbrechen ' d^r Hohenstaufen besteht Wohl 
4arin. dass sie in Deutschland , das rijmische Recht einführ- 
ten und dadutch den alten Nationalfreiheiten den Todesstoss 
versetzten. Ob sie aber eine Universa 1 monarchie beab- 
sichtigten . möchte noch sehr zweifelh«i ft seyn. Sic grilfcn 
weit aus, weil die Päbste schon vorher noch viel weiter aus- 
gegrülui nnd eine Vniversninionardde, und zwar die grösste 



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I 



t|8 IIMf«r> (i^hic^ 4m 

ond tymififlisehste, die es jemals gegeben hat, bereits ge^ 
gründet hatte». Man hi in\ Ge^vntikeil den Hohenstaufen 
den ^rössten JUank schiil(i}g, dass sie dem Ungeheuer der 
römischen Hierarchie wenigstens eini^crmassen einen üamm 
entgegensetzten, und in diesem Kampf bis zum Unter^an^ 
ibres gansfre^ Hauses verharrten. — Wie kann es der Yprf. 
dem nach seinepq eignen Ausitrriiok ^iaii^den K^rn 
florbenen Pab^tthuni** %u gpt rechnen, ii$m d^r ^Wiita*^ 
0(tand, wf^chen dasselbe der rohen Gewalt entgegenaeliäi, 
in den neqeren Ländern feate Verbällnisae hervorrief, wel^ 
ehe Freiheit Qnd Herrsichaft, zwei sonst unverträ/^hehe Din- 
ge, neben einander bestehen liessen." Freilich hatte sich 
die römische Obergewalt nach dieser Vermittlung und als 
die 8taatenfamiJien gegründet waren, ..selbst entbehrheh ge- 
mischt." Allein ihr Verdienst war es uic;ht, «o Gutes he- 
i^irkt zu hah^^i. G^an/^ g^en ihren Willen entwickelte sich 
in Fidge ihres selbst- und herr«tc|isachtig^n Widevataiiitea 
g§g^n 9l^t, der Kaiser, der afditm« XmthfiA der 

ßtßai^, Ijles j^uhstes Absicht ^ar nur i^ewesen, selber 
lind i|IUi<| m herraehen. Seine Aussaat ging aber ganz 
anders auf, als er erwartet hatte. — S. 398. erklärt Hr. G frö- 
rer für die „wahren Gründe des Sieges der Reformah'on 
die durch die Päbste selbst starkgewordene Macht der Reicha- 
fursten, deren Widerwille, sich und ihre Unterthanen länger 
von Rom plündern zu lassen, und bei Einigien die Cjaer^ das 
ungeheure £rbe der Kirche iMif e^ene Zebrong nussaheMte«. 
^Mt^ die^ Umstämiie i^i^ht sUUfti^funden, sa b«tle Lather, 
„der g9i^ im heiligen Reiste. wjrl^te'S dasselbe Schfehsid 
gehabt» wie Huss, ^leroDyp^ua von Pm^ und tausend An 
4^ W^I^he „Ankliiger des römischen Unfugs" waren. Ge- 
1^ warcQ jene ebengenannteu Ums^tände ein mächtiges, ja 
das, machtigste äussere Vehikel zum 8iege der Reforma- 
tion — gab es nicht aber auch innere Beweggründe? nnd- 
wuven diese nicht noch weit mächtiger als die üuaser«? ilie 
Reformation unter Luther siegte, hatte seinen waiirefi wmd 
wichtigstei^ Grnml daria, dßs^ Aivi 8C*W «9it Jahrhondiertei 
keimenden und g«hrenden I^n rffMp'«aer und klrchti«- 
eher Freiheit^ eb^a in d^m J«Mii|ii4erle Lnlher^ii, diesem 
*Uiide seiner ^it, r^if geworden wairen. S i c -abea den 
Fucsteii die Macl^f. d^. Widerstandes; wogegen denn wie^ 
«fr dif llws^flich, mScIjögei? Kui^ft tj^i^ ii^rr^obeutk^Mie^ 



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. INMiaiiMlii LetlNt für V Hlünife 4e lA'ttKfrimte«. 

zn freierem Ausbraeh und eoteehiedeoerer Wirksamkeit ver^ 

' - Indem Ref. diese ihm aufgetragene Anzeige des vorl{^ 
genden, der grdssten Beachtong sa* empfeidenden Werkes 
0ehli«mt j muss er nur ,noeh bmerken, dasa der ITerfaaaer. 
'selir Mnlig den streng historisehen Styl verliast, am alfh 
mit spottmider und verachtender Polemik ge^en Gelstesrieh- 
tnngen «n wenden , weiche er ffir verwerflich hält. Beson- 
ders sind es die Metaphysiken, und unter diesen namentlich 
die Hegelianer, und vorzüg'lich wieder die pietisirenden He- 
g-eh'aner, welche er bei jeder Gelegenheit in ihrer Blosse 
zeigt. Gewiss gibt es in der neueren Zeit keine widerliche- 
re Erscheinung als jene Philosophen , welchen die dogmati- 
schen Lehren der christlichen Kirche nichts weiter als ein 
SNrfiBtnit? fiür ihre sopbiatisehen Spekulationen sind, nnd wei- 
die tratS' dem die saltai^^olle Miene kirchHciier Rechtgiin* 
IN'gkeit ann^imen) Jii sieh dogar zn kirchHdien Ketzerriimtem 
aafwerfen) "^grüirend aie seibat die ärgsten Ketner sind, wel« 
ebd en'lemala in der Kirche gegelien hat« Es ist gut und 
ndthig, diesen z» sagen, was sie eigenth'ch sind^ mid was 
sie, eine Zeit lang beschützt durch Einflussreiche, bisher za 
verbergen bemüht waren.. Allein in ein historisches Werk, 
xumal über die evangelische Geschichte, gehört diese Pole- 
mik nicht, und der Verfasser hatte besser gethan, seine Ar- 
beit nicht mit solchen Aosbröehen eines, wenn auch Mufig 
geredileB Zornes^ zn entstellen. — 

D* Paniei* 



Lm^i999 9mr ^üifMre de la midecine el- mar Ih n^eesM de Ihm- 

sci^nement de cette histoire, auioie» de Fragmevs hUtoriqueSt par F, 
E, Dezeimeria, Docteur-midecin de la Facultö de Paris, Bibliothi- 
caire de la mime Faculte, ete. Paris, ches l'auteur, Rue OauteviU»,.3>* 
' 1888. a Iii. nnd S. ' . * ' 

Es mnss auffallen, dass der Geschichte der Heilkunde in 
neaester Zeit eine nicht geringe Erndte von Schriften von 
veraeliiedenen Seiten her erwachsen ist. Niemand möchte 
hiervon eine äussere Veranlassung auffinden; denn keinem 
«Mndiutt alad liislUMr die V^lildtiiisse migiinatfger gewesea 



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als dem historischen: man erkenne also. in tiieser Erschei- 
nung den Geist, der im Reiche der \Vissen?*chart nnaufhait- 
sam dem Uöherca zustrebt, und alles starren Widerstandes 
Herr zu werden weiss. I>as Erwaci^en des historischen Stu- 
diains der ll^ilkunde in Frankreich, wo Ereignisse und Ge- 
sinnungen sich veraint hatten, um eine hohe Scheide wMd 
zwischen Gegenwart und Vcrgaiig:euheit anfzuftihren^ ist ein 
erfreulirhes Zeichen die^ef? Geistes, und somit heissen wir 
die vorliegende »Seln ilt des iirn. Dezeimer is willkoimnen. 
die uns mehr als einige frühere, welche in diesen Blaüern 
noch zur ^Sprache kommen sollen, hierüber Auskunft gibt. 

Man kann nichl behaupten, dass das historische »Studium 
der Heilkunde seit der ersten Revohition, die als der wirk- 
samste äussere Uebel des techniscben Wesens in der Medi- 
dn betrachtet werden kann, in Frankreich ganz erkisebeii 
sey« Die Werke von Tourteile (Histeire .pKilosophiqne 
de la medecme) snd Cabanis (Coup d'oeil serles reyoh^* 
tions et surla reformede la medecinej erschienen 1804., zu ei- 
ner Zeit, wo die politische Oeschichte m den verbotenen 
Fachern des Wissens «j^ehörte, und spater ist mindestens die 
jDcdicinische Biographie recht fleissi^ und in nicht «^erin^em 
Umfange bearbeitet worden, wovon ausser. zahlreichen Ar- 
tikeln in einzelnen Zeitschriften zwei umfassende Wci^e, 
die Biographie medicale in sieben Banden, ^in Anhang des 
gros!8en Dictipnaire de medecine, und das ebenfalls in, sieben 
BIhiden erschienene Oictionaire historique de la medecine an- 
ctenne et moderne, Paris 1829— S8., von dem Verfasser der 
vorliegenden Schrift, genüo^endes Zeugniss geben. Ja es 
ist selbst dip historische Pathologie, die in der 8ociete roynh 
de medecine unter Vicq d'Azyr vor der Revolution mit so 
vielem Eifer bearbeitet wurde, nicht ganz Jeer ausgegangen, 
wie dies z. B. aus den Arbeiten französischer Gelehrten über 
den in ihrem Vaterlande einheimischen idiopathischen Frie^- 
sel, namentlich Hayer's zu ersehen ist. Ungeachtet dieser 
vielseitigen Bemühungen uidessen kann nicht geleugnet wer- 
den, dass das technisch -empirische Wesen, welches hi der 
Broussais'schen Schule seine Hdhe erreicht , in Frankreich 
eiiMJ fast ganzliche ünbekanntschalt mit den Leistungen der 
Vorzeit herbeigeführt, und mehr als je die Gegenwart auf 
sich selbst beschränkt hat, ja es wnv selbst die üiigewohn- 
heit gelehrter /Studien in ejne wirkliche Verachtuag de.r Ver- 



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UMfliMMTw» LeUffM mt i*Hi»toire de U m^ceioe. 1181 

^an^enheit übergegangen, und die Unbekanntscha ft mit al- 
ten iiiiil neuen iSpnichen, die abgesehen von eifrigen iobens» 
werthen Regtingen der jöngern Generation knam irgendwo 
'ini^^sser, «k in Frankreiefa an|:etroffea wird, trog nidit we- 
nig dnwi Imi, d^e grosse Blasse der franzSsi^ehen Aerzfe in 
ünrer fileUistgenugsaBikeit zu befestigen. Hier and da liessen 
Siek xwar ^iimmen von Gelehrten vernehmen, die wohl sn^ 
hen, wohin dei- im arztlichen vStande herrschend gewordene 
8inn führen musste, allein die Facultäten. in denen die ali- 
gemeine praktische Richtung vorwaltete, vernahmen sie nicht, 
die Acadcmiecu kümmerten sich nicht um ein Fach, das sie 
nickt kannten, und die Regierung, die mit poiittscben 8tijr- 
nien and Intrigven zu aniMltend beschäftigt war, thät nichts, 
wiewohl sie kurz nach der Julirevoliitioft lant genug criiii- 
srrt wurde, die wihrend der llestaaratMin aafge£»bene Pro«- 
fessur der Geschichte der Medicin wieder einzusefxen. Un- 
terdessen hat die IJeber/.eugung allmühlig mehr Raum ge- 
wonnen, dass, wenn irgend die Pariser »Schule sich in ihrem 
bisherigen Ansehn behaupten will, die entstandene Lücke im 
raedicinischen Unterricht ausgefüllt werden miiss, und es hat 
sieh ein Kampf der Meinungen entsponnen, dessen Au-^gang 
leicht voraaszusagcn ist, wenn. Irgend der Geist der Wis- 
setiscbaft so beredte Verlechter gegen, die hergebmchtc Ein- 
oeäigkeit and Okerflitckiichkeit findet, als er bereits in Hrn. 
Bezeimerls gefunden hat. 

Das erste Kapitel enthült eine efficielle Cotrespondienz 
des Verf. mit dem Minister des Unterrichts (8 al van d 
und der medicinischen Facultät aus dem Jahr 1837., über die 
Nothwendigkeit der Wiederbesetzung der Lehrstelle für Ge- 
schichte der Medicin und medicinisehe Bibliographie, iiass 
diese beiden Fächer zusammengehören, ist eine in Friuik- • 
reich ziemlich ülgeuieine, aber gewiss unrichtige Meinnag, 
welche von vorne herein der guten SadM schaden kann. 
Bäcker sind Wcirkzeiige, Material, nichts weiter^ wer ge- 
lehrte iVMTsckungen untemtmint, uuss mit ilinen uingehen kdn^ 
nen, eines bcsm i de m Anlernens dazu bedarf es nickt, nnd 
am wenigsten lässt sich die Bibliographie an Universitäten 
lehren, Vorlesungen darüber- würden sehr langweilig und 
nut/ilos seyn. Es sey fern von uns, die Verdienste der Lit- 
teratoren irgend in Abrede zu stellen, ihre Arbeiten sind 
höchst flüt^kciil and unsailhchrlidi,. 4iher gewiss ist. wenn 



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MS - DittiaMritt LellrM sur rUiAUu« de Umiieckmo, 



man von dein Historiker eine beständige Sichtung und An- 
' 4Nrdnua|^ des kaum ssu übersehenden Materials verlwigen, 
wenn man von ihm Literat uru' er ke fordern wollte, so wünle 
mall iho in seinem mehr |i|^tigen Berufe beeintraelili|r«ii. 
Die besten Historiker, aneh io andern Fieliqp, sind nie Lit- 
teratoren von Frofessisn, und die Litteraldren entweder gar 
keine oder nur sehr mittelmfe.sio;e Historiker gewesen. Aber 
so ist es, viele praktische Aerzte, unter denen nicht wenige 
als Beamte auf die medicinischen Studien Einfluss g'ehabt 
haben, können sieh unter der Geschichte der Heilkunde nichts 
anderes vorstellen, als eine Kenntniss von Büchern in allen 
-Formaten, die man an den Lehranstalten alientW"^ duideB 
and sieh ^eteg^ntlicb dienstbar machen kanU) luid Meinun- 
gen dieser Art m9|^ aaeb in Prankreieh ni der Ansieiil in 
Bede, dieisiieb mit der Zeit beriebt igen whrd, VerMilasssiing 
gegeben haben. 

Bei der Einrichtung der medicinischen Facultat im J. 
1796. hatte man einen Lehrstulil fiir die Geschichte der Ble- 
dicin, und einen für die medicinische Bibliographie. Später- 
hin wurden 'diese beiden Professuren , dem hierin rückgän- 
gigen Zei^eiste gemäss, in die der Bibliographie vereinigt, 
wie man anch in Deutschiand in dieser Zeit gewöhnlicli mm 
von Litterirgesebiebte sprach, ohne irgend «i abnen, dass 
siebt nar die Lehren und Schalen der Aen^, sondern aseb 
die Lebenssustande der Völker, weldie diesen ala Basis die^ 
nen, in ihren mannigfachen Entwiekeliingen ihre Gesobichte 
haben. Diese Vereinigung, \ un welcher man jetzt wieder 
zurückkommen sollte, geschah 1811., und bestand bis m den 
bekannten Ordonnanzen vom 21. November 1822. und 5. Fe- 
iM-uar 1823., durch welche die Facultat aufgehoben, ' nnd mit 
Dubois, Desgenettes, Pinei, (Jhaussier, Vauquo- 
Ha und Jussie« aaeh More»o (de la Sarthe^, der die 
genannte Prefeasor inne ba^te, ihrer Dienste entlassen- war» ' 
den'*^^* Bald daraof starb More an} ab aber doreh Leals 
Philipp 's Ordonnan» Yoni 5* Oktober 188D. die entbisseoeM 
Professoren wieder in ihre Aemter eingesetzt wurden, war 
von der Wiederbesetzang der historischen Professur nicht 



V-Dnreh die Revius mtfdieale erfahm irlr« Bforeau habe to wenig 
Erfolg von aelMen Bemfthungen p;vwtheu, dace man baam elaea via* 
stgea Scliüler Ttei Iboi anlfiodea kteaa. (Ftfvtiir mVkps WtBL 



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Pes«iBieiU: EieUie« ftur l'UUtttirt de )a miäaauo. MS 

weiter die Hede, wiewohl eine schon am 2. Augast ernannte 
Cominission sich entschieden dafür aussprach, nicht ohne die 
üliera&eu^pendstcn Gründe aufzustellen, und schon im fol^n* 
den Jahre die Facultät aaf Bronssais's Betrieb dasselbe 
Verlanen aussprach, das späterhin noeh Bweimal, and aa 
ener/i^iscli erncnt wnrde^ dass der Dekan in einer Sitxnng 
an 27. Oktober 1884. die entstandene Lficke im nedicmisohea 
Unterrichte geradehin für eine Schande der Pariser Sehule 
erklärte. Allein die oft wechselnden Minister zeigten in der 
Ablehnimg desselben eine hartnäckige Consequenz. Hr. De- 
zeimeris, der unterdessen Bibliothekar der med i ein ischen 
Facuitat geworden war, inachte nun im April 1837. dem Hrn. 
iäalvandy (^bekannt als Verfasser verschiedener Uonian«Q 
den Vorschlag, sein froher mit der historiseken Professor 
verbundenes Amt niederzale^n, im Fall man, was gewÖn«ckt 
würde, geneigt seya soltte, beide Stellen wieder zo %*erelnfr» 
^en, and dann durch Cencnrs mn beselKen. Die Antwert eal* 
hielt indessen eine abermalige runde Ablehnung. F«s wird 
bei dieser Gele;::enheit der Gedanke ausgesprochen, dass der 
grösste Theil des raedicinischen VV^issens seiner Natur nach 
historisch ist, und das aufmerksamste Naturstudium nur da«' 
durch fortschreiten kann, dass man es auf die vorhandenen 

- Kenntnisse basirt. Diesen Gedanken AIhrt der Verf. in ei« 
nem spüteren Schreifeen an den Minister recht 'acharfsinn|g;> 
welter aus, so dass wehl nur die enfsehiedendsten Bmpfriker 
sich gegen Ihn auflehnen kdnnten« und zeigt , dass die Ko* 
rücksetzung des historischen Studiums eine theilweise Ver- 
nichtung der ärztlichen Wissenschaft und Kunst unausbleib«» 
lieh herbeiführen muss. In der That ist denn auch die Ge- 
schicljle der Medirin in ihrer ganz wesentlichen Verbindung 
mit der fortschreitenden Xaturforscbung an und für sich ein 
Natarstttdium, mit gleichen Rechten wie alle übHgen Natorw 
Studien, und macht an ihre Bearbeiter noch grössere Anfor* 
derun/eren, als diese. 8ie bewegt aich keinesw^ in eisier 

' unpraktiscben, weitschiehligen C^elehrsamkeit, was sie über 
die Oestaltan^ der Lehren tmd Sebuien, Aber die liistonsoh# 

' Entwicktang der Krankheiten lehrt , greift in das innerste 
Wesen der Wissenschaft ein, und es beweist ein gänziliches 
Missversteben dessen, was praktisch, d. h. der Kunst forder- 
lich ist, w^enn man ihre Weise der Forschung, welche pa- 
tbolo|g;ische Kenntnisse zu Tage fördert, die sich auf keinem 



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684 DwfiiBieru: Lettret mr rUistoire <lc la medecin«*. 



andern Felde Her L'fitersuchiin^ ergeben, den praktischen 
Werth geraiit-liifi abspricht. Diese \ornehme Behaiiptuno: 
«etnoeiU^r llAinpiriker, die sich unter (Nnein ürztlicfaen Histo- 
riker nur einen unbrauchbaren gelehrten Pedanten vorslellea, 
kann dabar nicht energisch genug bekämpft werden, wie 
dies in Dantschlaad schon hier und da geschehen ist, 
namentlidi in einem Aufaala&Q über das historncfae Sta- 
dium der Heilkunde, in der medicmisehen Vereinszeitnn^ 
vom 26. Juni 1833, in welchem gezeiort wird, dass nnr der 
für einen wahren medicinischen Historiker gehalten werden 
darf, der selbst ein Arzt und in der Beobachtung und Kennt- 
niss der Natin» zu Hause ist. 

Die Sachen stehen gegenwärtig so, dafs in Frankreidi 
wie in Deutschland schwerlich irgend ein gebildeter nnd ein- 
aiehtavoller Ast dagegen seyn wird, das hislorische Stndu» 
der Medicin an den Lehranstalten in seine Rechte eim&ase- 
SBCB, viele sogar dies eifrig wünschen, und die Vemaehlässr- 
guug der Geschichte der Medfcin während ihrer Stadienzeit 
sehr beklagen. Dafs Ansichten und Wunsche dieser Art 
seit dem F'alle des Broussaischen Systems allgemeiner ge- 
worden sind als je, glauben wir der ausdrücklichen Versi- 
cherung des Verf. Von dieser Seite scheinen also die Ver- 
liültnisse sehr einfach, und ein baldiges erwünschtes Ende der 
aehwebeaden Verhandlungen unzweifelhaft zu s^n. Die Au^ 
fihrung guter Gedanken, sollten sie sich auch gan% von selbst 
%'erstehen, findet indessen grofee Hindernisse, am meisten ia 
der kleinlidien und egoistischen Gesinnung der Menschen. 
Die Pariser Faeoltfit machte, im £iiiverständniss mit dem Mi- 
nister, wie aus der vorlitgenden Correspondenz hervor>re/j/. 
ganz offenbar Veranstaltungen, um das historisciu' Studium vor 
der Hand nicht aufkommen zu lassen. Ohne irgend auf die 
Sache selbst einauigehen, betrachtet sie die Anerbietungeo 
des Hrn. Dezeimeris, der .sich fünfzehn Jahre iiindnreh iu 
seinem Faclie rühnüich ausgezeichnet hat, und nach seinen 
Schriften zn urtheilen, durchaus fäh^Jst, einem liehramte 
mit Erfolg vonsuatehen ^ rein persMieb. mir «als ein JMlittei 
eine Professur zu, erobern^ Von anderweitigen Vorschlägen 
ist durchaus nicht die Rede, und man sieht, dafs, wenn An- 
sichten dieser niedrigen Art irgend die Oberhand behalten, 
die Ausfüllung der schmachvollen Lücke schwerlich noch in 
((Ues€iii.]IIenschei)aUer erfol;;en wird^ denn wo der gute Wille 



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« 

^ fehlt, ist nichts leichter) als die Aufindang von Schwierig« 
,^ keiten nnd Yorwaiideri. Allerdin^ ist Hr. Dezeimeris der 
. einzige Historiker in ganz Paris, daraus folgt eben nun, dafs 
^ Niemand sich init besserer Saclikenntnifs des verweistcn 
p, Faches annehmen kann, als er, nicht aber, dafs man ihn zu 
^ Gunsten hergebrachter Vorurlbeile zurückdrängen muss. Gans 
I»- gewiss würde er, iqi Falle die Wiederbesetainng der histori- 
^ sehen Lehrstelle verotrdnet werden selUe, nur mit sich selbst 
, %u concnrru*en haben, dfmn Jindere,. wie B. Kohnholts 
^ in Montpellier kommen gegen ihn gar nicht in Betracht; dies 
fSr ihn gunstige Verhftltniss gereicht aber der Faeoltüt wie 
den Oberbebörden zum Vorwurf, und sollte ihm billiger Weise 
^ als eine Belohnung für seine gründlichen Studien angerech« 
^ net werden, die ihm keine Aussicht auf irgend eine günstige 
^ Stellung gewährten. 

^ Im zweiten Kapitel hatUr.D« einige der Sache und ihm 
^ ^nstige Aeusserungen in Journalen abdrucken lassen. Auf 
die unbekannten Verf. kommt es hier weni^r an, Uls auf 
die suim Theil sehr richt^^a nnd treffenden Aiwichten, wel- 
che auf die iMTentUche Meinupg über den in Rede stehenden 
^ Gegenstand nicht ohne Btnfluss bleiben können. Die Faeul- 
^ tüt steht durchweg im Nachtheil, und es wird ihr von Jahr 
I zu Jahr schwieriger werden, ihren starren Widerstand zu 
^ entschuldigen, und sich in dieser Angelegenheit ihres älteren 
Ruhmes würdig zu benehmen. 

* Sehr wahr ist die Aeusserung des Journal du commerce, 
^ die wir hier übersetzen wollen, >veil sie auf einige bekannte 
^ Intentionen in Deutschland, die wiederum wie- gewöhnlich, 
^ eine kindische Nachahmung des Fremden mit Verleiignung. 
^ des eigenen Charakters- erkennen lassen, buchstäblich jhre' 

Anwendung findet: „Unter dem ißinflnss verschiedene^ Um-^ 

* stände, vornehmlich der raschen Aufeinanderfolice tollkühner 
" Neuerer und des Enthusiasmus für einige besondere Zweige 
^ der Heilkunde, ist der Geist der Aerzte in Frankreich seit 

* einein halben Jahrhundert particulär, ausschliessend und egoi- 
' stisch geworden. Alles, \vas ausserhalb des Kreises mitVor* 
' liebe ergriffener Untersuchungen, der Gegenwart und den 
^ Gränzen des Vaterlandes lag, wurde mit der absolutesten 
I Verachtung behandelt. Die Vergangetüieit wurde Kuruekge- 

wiesen, und die Gegenwart beschränkte sich auf Frankreich. 
Nichts vor uns, nichts ausser uns, sagten diese audschliessen- 



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Üi P rttoHi iftrt»» LettrM anr miitoire de la iii<^derinc. 

den Herren, die mit ihren Werken eine neue Aera beginnen 
wollten. Hippokrates, Galen^ alle grossen Xamen, alle 
Gelehrten, kurz, die «janze Wissenschaft der Vorzeit \vurden 
mit demselben Leichtsinn ab^etlankt, wie man während der 
llevointiöfi Gott und die Heiligen ab|:esetzt hatte^ ond jene 
OlelHimaelier, ivekbe so die Unwissenheit zu einem System 
AiMMIdeten, siicftfM^ ilMre Eitelkeit nnd ihr Gewissen vor Je^ 
dem Vorwurf ^ur^lk die bequeme Phrase, tfasa sie dasSdian- 
^pränge einer eitlen ' Getehrsamkeit verachteten. Es war 
aber nicht bloss die Gelehrsamkeit, sondern ein beträchtlicher 
Theil der Wissenschaft selbst, den man so bereitwillig auf- 
opferte. Diese hat ihre Existenz nur im Zusammenhange 
der Thatsachen, und ihr Umfang, wie ihre roö^Ilrhe Gewiss- 
hett wird naeb'der AnKahl derselben und nach der gl eich- 
mtaigen Consequenz in ihrer Ermittelun«: ermessen. Sie 
bedarf daher des tribates alter Zeiten und alier Läoder.^^ 

Fallt äberall findet si^h hi^ die fät lleUfsehMid ehren- 
volle, aber finr Telfier udwahni TonMssefKM^g^ Aus die Ge- 
schichte der Medicin an allen unser« ITniverttftXiett vorgetra- 
gen werde. Die Wahrheit ist, dass ihr in den Lectionsver- 
zeichnissen der wenigsten eine Stelle vergönnt wird, dass 
Ihr nur an einen oder zweien gediegene Vorträge gewidmet 
sind, dass in dem JJxamen rigorosiim nirgends nach ihr ge- 
fragt wird, dass von den wenigen Lehrern, welche Vorträge 
darfiber ankändlgen^ die meisten keine sdbslforscheiiden Hi- 
storiker sind, und dass den noch wehig^ren Hfstorik^H' von 
Fach fiberalf die ^l'Sssten Hindernisse in den Weg gelegt 
werden, ihid zwar ans denselben Grnnden, über die man sieh 
auch in Krankreich beklagt, um der hochgerühmten prakti- 
schen Tendenz wegen, die ausser sich selbst nichts aner- 
kennt, sondern alles verachtet ; woher es denn gekommen ist, 
dass unbeachtet zahlloser klinischen Anstalten gelehrte Pa- 
thologen zn den seltensten Erscheinungen gehören. Bei der 
TrefBlehkeit uniserer znhiiosen Vorschulen, und deiü 8iiine 
Ar* tieftte Bildung, der den Deut.5ehen angeboren ist, 
- liiit es Indessen dainit keine grosse Nolh, denn es sind am 
Ende nttr üiii^tsere Verhilltnisse, welche im Verein mit der 
atthergehraehten Nachahmangssoeht itt Deatsebland So übel 
gewirkt haben. Man lasse daher nar das historische Studium 
gewähren, man^ gebe ihm was recht ist, und das ist sehr 
viel weniger, als man freigebig der selbstsüchtigen prakti- 



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BmOmeOmt Leltrw Mir t'Bitlolr« 1« MilCttlM. m 

sehen Teodew zu^estiinflen liat, man setne es nielit mehr 
der Vemditong^der praktiflchen Aerate und Chfrur^en aus, 
und «an wird bald an unseren Lehranstalten tüchtio-e Histo- 
riker wirken sehen, ein besserer Sinn wird sich unter deii* 
Aerzten verhreittii, und «He die kläglichen, jetzt noch sobe-* 
reilwilliß^ g-ehe^ten xV umwüchse unserer Literatur werden in* 
ihr Nichts verschwinden. In vieler Beziehung sind wir offen«-' 
har be»o- daran, als unsere nberrhelmselien Naehbarn, denen 
WUT unserer eignen Angelegenheiten wegen van fier^eii" 
winsohen, dass die fiinsicbl der Besseren bnter ihnen die 
alte «rntlldie Gelehrsanikett wieder In Ansehn bringen möge. 
Wird irgend dem bistorisehen Stadium in Paris der Sieg 
über die Vomrf heile seiner Widersacher gesichert, so kann 
es nicht fehlen, dass man auch in Deutschland früher daräber 
zur Besinnung kommt, was dem ärztlichen Studium notb 
thut. und die nöthigen Verbesserungen einführt. 

Das dritte Kapitel enthült einen in der Presse raedicale 
geüührlen: Streit öber das historische Studium der Heilkunde; 
Der Heran^eber dieser Zeitsehrift war nuerst anf die An- 
siebten des Verf. gem4Mü eingegangen, späterhin stellte' 
er aieh jedoeh unter denEinflnss der dem Hrn. D. feindlichen 
medteiniaehen Faeultät, die, selbst Im Hintergrunde bleibend, 
ihre Ansichten durch sein Journal geltend machen wollte, 
lind so erhält man denn hier eine ganz interessante l^ebcr- 
^icht der geheimen Hindernisse des historischen Studiums, ' ' • 
die wiederum mit den in Deutschland diesem entgegen«restell- 
ten eine auffallende Analogie darbieten. Die Nützlichkeit der ^ 
Oeaohicbte der Medidn gab man mit wobikKngendenPfarasett 
vornehm zu, allein man brachte Zweifel an der Nothwendfg^ 
keit des Unterrichts in derselben vor, oder mit anderen Wor- 
ten, man beschönigte den schlechten Zustand der Dinge, und 
seine Absicht alles beim bequemen Alten zu lassen — durch- 
weg ein klägliches Juste-milieu von äusserlicher Gelehrsam- 
keit und empirischem Treiben, dem auch in Deutschland nicht 
wenige Medicinalbeamte und selbst Professoren anhängen. 
„Philosophari quidem ncccsse esse, sed paucis, nam omnino 
haud placere.-' Die abgesagtesten Feinde des historiseheii 
Studiums sind wohl ohne Zweifei die Stotistiker, von denen 
ihre Widersacher behaupten, sie wären eine Art Bilderstfir- 
mer und Bücherverbrenner, die alles was nicht das Gepräge 
ihrer Schule trage, unbedingt verachteten. Jede einseitige 



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t 



«fig DaMbMrto: Lattre« mir THiatoiM 4« la adKciae 

Richtung überiumiit, deren es in Frankrekh melirere g^M^ 
inuss dem hist4iri$cbeii Studloa sttwiderseyu^denn wenn dies 
juit seinen sti'engeren Grandsäfxen und irrössern Ansprüehen • 

irgend aufkommt, so müssen diePartheiiuänncr dieser Rich- 
tungen nothvvendig auf ihren wahren Standpunkten erschei- 
nen, nr.d sich beeintraehtigt fühlen. Daher das Widerstre- 
ben der Facultät, die sich bei den in ihr vertretenen einsei- 
tigen Richtungen wohl zu befinden glaubt. Aber nicht bloss 
das bistorlscbe Studanni der Medicin, sondern jede Erweite- 
rung des Stadiums äberkaBpt, jede Biei^tüng der Forde- 
rangen an die Bearbeiter der Wissenschäften, bat äbernll 
ihre, hartnilekigen Widersaeher gefunden. Die. JBinfiähniD|C 
des kh'nisehen Unterrichts im siebzehnten Jahrbundert, ilie 
Chirurgie, die Anatomie, die 8taatsar/.neikunde — wie un- 
endliche Schwierigkeiten hat man ihnen entgegengestellt, 
bevor die Kliniker und Chirurgen und Anatomen unserer 
Zeit auf den JUorbeeru ihrer Vorgänger ausruhen konnten! 
Dies brihgt nun einmal der Egoismus der Menschen so mit 
'sich) der aber am Ende doch der Maebt der Umstünde and 
der Wurde der Wissenschaft welchen mufs. 

Die Gegner im Hintergründe, welche die Gesebiehte def 
Medicin gütigst ssulassen, sieb aber noch nicht von derNotb- 
wendigkeit sie vorzutragen überzeugen könnt ii, d.h medici- 
nisch-historische Vorlesungen im Grunde für unnütz halten, 
verlangen durchaus eine Probe. Hr. i>. soll Vorlesungen 
dieser Art halten und erst eine vollstaridige Cieschichte der 
Medicin schreiben. Indessen ist wohl bei den herrschenden 
Gesinnungen vorauszusehen, dass für die Sache damit niehta 
gewonnen seyn würde. 



(Sehluft folgt.) 



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N*. 44; lIEIDELB£H6eB 1839. 

JAHABÜCHER DER LITERATUR. 



Desi^mmi^s LeUret mr ^HiMtte de ia medeeine, 

( Betehluft.) 

iDenn hätte er kein volles Auditorium, was bei dem Ww 
derspruch der Facultät, und bei der Abneigung der Studie- 
renden von jedem Studium, das nicht zu ihren Inscriplionen 
gehört, leicht möglich seyn könnte, so würde man sagen: die 
öffentliche Stimme hat sich gegen die Wiederbesetzung 4^ 
historischen Professur erklärt, und hatte er ein Buch ^e* 
schrieben, ^^worin alles enthalte» w&re,^^ so würde man eben 
deshalb historische Vorlesungen fär äberflfisslg haften* Man 
kennt die persönlichen Verhältnisse nicht i^enan genug , am 
entscheiden za können, was in Betreff der Vorlesungen räth- 
Hch sei. An den deutschen Universitäten ist es Brauch, 
dafs jeder sich dem Lehrfach widmende junge Gelehrte sich 
zuerst als Privatdocent versucht. Ausnahmen von dieser Re- 
gel entsj)recheu gewöhnlieh nicht den Erwartungen, wegen 
welcher man sie gemacht hat. 

Die Lobredner des technischen Wesens iti allen Landeil ^ 
behaupten bekanntlich, dass nur diejenigen Doctrlnen sich &n 
akademischen Vorträgen eignen, die maii nicht yollstfindig 
ao^ Bächern erlernen kanm Zu diesen rechnen sie dleAna^ 
tonie, die Klinik, die Pharmaeologie, die Lehre von den chi-» 
mrgischen Operationen und die manui lle G\;burtshiiire. Den 
Nutzen akademischer Vorträge über alle übrigen stellen sie ' 
in Abrede. Diese Ansicht, die auch scliun in Deutschland 
Unheil genug gestiftet, und empirisches Treiben zum Nach- 
theil der gelehrten är^itiichen Bildung offenbar begünstigt hat^. 
bekämpft der Verf. siegreich mit allen ihm zu Gebote stehen- 
den Waffen^ wofür ihm jeder akademischer l^ehrer dankbar 
aeyn moss. Bei der Entwidielung der Metbode, nach der 
man die Geschichte behandeln soll, stellt er die Anfordemn« 
jgen an den Historiker mit Recht sehr hoch. „Die Geschieht^ 
einer Wissenschaft,'^ sind seine Worte, „ist diese Wissen-, 
»chaft selbst, historisch dargestellt, d. h. in allen den Verän- 
derungen, welche sie von, ihrem ersten Ursprung an erfah« 

%Xm. J^liiyp 7. Hell. 4^ 



DMcinierM: Lettre« «or Vlli«t«iK« de la BM$d4ic|iie. 



ren hat, bis zu ihrer fe^enwär(i<2:cn Eni Wickelung.** So will 
er also auf die historische Darstellong der Medicin- eelfasi 
hinaus, d. h* om den Aosdmck m wa^en^ anf das historiseiie 
Bewosstsein io der Btearbeituo^ derselben, das Endresoltat 
, aller historisehen Stadien, das ahne Zweifel' dereinst zn er- 
reichen seyn wird, wenn man sich der Sache mit Eifer und 
Liebe noch eine Reihe von Menschenaltern hindurch anire- 
nommen haben wird. Nichts ist unbegrünffcter, als die Behanp- 
tuno;, dass die Medicin das zuverfässio^e Er^^ebuiss aller frü- 
heren Jahrhunderte sei. 8ie würde mehr i^eyn, wenn diese 
als ein fortschreitendes Ganze von jeher treo und redlich 
gejpief^ worden wire. 80 aber sind in ganzen Jahrhunder- 
ten nicht niir grosse* Seiten der Natur unbeachtet geblieben, 
sondern man hat auch von Zeit zii Zeit geistvolle Korsehun- 
gen zu Gunsten dreister Behauptungen geradehin atif;2;e<^eben. 
so dass verlorne Faden nicht wieder mfgefunden, und ein- 
mal be^an<^i'ne Fehler nie wieder ^anz auso^eglichen ^vordeD 
sind. Auf diese AVeise sind einzelne Theile der Heilliunde 
in ihrer Entwickelun": gestört, unterbrochen, verdorben wor- 
den, und wie sich dies von der Theorie mit* une rfreolieher 
Mühe erweisen lässt, so ist der Nachtbeil noch viel empfind- 
licher, den die rohe Vernachlässigung und das Vergessen 
wichtiger Seobachtongeii, die in den Zusammenhang des 
grossen Ganzen gehören, der lebendigen firk'enntniss des 
Organismus gebracht' hat. Dem Kenner der Geschichte müs- 
sen daher ganze Abschnitte der Heilkunde, nicht in Bezuf 
auf jugendlich sano^uinische Traume von Vollkommenheit, 
sondern in Bezug auf das . was geleistet seyn könnte, und 
bei redlichem Willen geleistet seyn müsste, nicht wenig iü- 
ckenhnff. Ja nur als blosse Bruchstücke erscheinen, wenn sie 
den Nichtkenner auch noch so befriedigen. ^ Es leidet 
durchaus keinen Zweifel^ dass^ wenn man es nur erst dahin 
gebracht hätte, eine historische Methode in die Medicin ein- 
zuführen, worauf mit Eifer hingearbeitet werden inussto, sich 
sehr bald entsprechende Ergebnisse zei<:;en wurden, wie von 
der glücklich ein^efnhrli n Experimenlalmethode 5 eine andere 
Frao:e ist aber, oh für jeti&t ein Einzelner im Slande sevn 
möchte, das ^anze Gebiet der Medicin nach der histori^hen 
Metbode durchzuarbeiten? Wir sagen nein, und halten für 
ein naive Thorheit, dergleichen von einem Hlsleiikcr zit ver- 
langen, lief, ist einer von denen, die vom historisehen Stu- 



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Danimerii: LeUrci rar rUiituiro 4« la mtiecioe 901 

diuni etwas sv verstehen glauben, ist von allen seinen Unter« 
8oHinn|:en mit der Ueberzeugung von der Maeht nnd Viel« 
seHi^keit des menschltelien Geistes ssuruek^ekehrt, hat aber 
aoeb gesehen , dass diese an die unendliche Fülle der That« 
Sachet) und Erscheinungen kaum hinanreichU Wie will ein 
Einzelner, sich untenvinden. die ganze Wissenschaft, und das 
Wesentliche aller menschlichen Leistungen zu ergründen? 
Mit welcher Kraft will er die überall fühlbare Aermlichkeit 
an Uülfsmitteln, und die Eigenschaft aller Literatur überwin- 
den, dass sie den Kern der Dinge unter einer dicken harten* 
I j^chaale geistloser Mittelmüssigkeit; yisMtgi ? Streben ist al- 
I les, es bilde sieh niemand ein^ daar Ziel der Erltenntniss kii 
I erreieben; die Wissenschaft lebt mir im Besitze aller, der 
• Einaeelne leistet viel , w enn er sie allen zugänglicher macht, . 
und dazu führt jetzt am meisten die historische Methode» 
Wir loben daher den Verf. dass er dieser und der Fülle sei- 
ner Kenntnisse und seiner üeberzeugung das Wort redet, 
bedauern aber nur, dafs ihm unbekannt geblieben, was seit 
Sprengel in Deutschland für das historische Studium der 
Heilkunde geschehen ist. Er versichert zwar die gansse me» 
I dicinisch*btstorische Literatur aUer Zeiten nnd' aller Völker 
genan %o kennen (8.48.3; wäre dies aber der Fall, so wurde! 
er einige höchst wichtige Punkte, aaf die es ankommt, nicht 
unberührt gelassen haben. So spncht er namentlich nirgends 
von der Bedeutung der historischen Pathologie, die ihm zur 
Verfechtung seiner Sache die besten Walfen hätte geben 
können. Denn wenn erst erwiesen ist, was die historische 
Pathologie auf jeder Seite erweist, dass^di^ Krankheiten der 
Menscfien, in einer steten Veründerung und Entwickelun^ 
begrilfen gewesen sind, wenn es einleuchtet, dass ohne 
ILenntm'ss von dieser Ekitwickelung eine Naturg^eschicbte der 
Kraakheite'n, überhaupt eine gründliche Patholog^ie unmöglich • 
Ist, wer will dann noch behaupten , "das historische i^ludiHni 
' sei nur eine gelehrte Liebhaberei? 

Der Verf. unterscheidet ganz richtig die innere Ge-* 
schichte der Medicin von der äusseren (^histoire intrin- 
»eque et extrinseque.). Jene ist die Medicin selbst, historisch 
dargestellt, diese umfasse alle äu;$^ren Eiallüsse, welche auf 
die Ausbildung der JMediciu irgend eingewirkt haben. Jene 
will er 80 an|ireordnet wissen, dass die Geschichte der ailgt^ 
meinen Physiologie^ Pathologie uhd Therapie^ oder die Ge 



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itf2 Desciraerit: Leilret tar rUUtoir«; ilt.ia lUiidicinQ. 

' 9 



schichte der Systeme und Lehren oben ;in steht, weil sie die 
übrigen Abschnitte erläutert, dann soll die Geschichte der 
Anatomie, der besonderen Physiologie, der Hygieina, der 
pmktischealleiikttade, der HeilmitteUehre, der Chirurgie, der 
Oebartohfilfe, und endlich der Staatsarasoeikonde f^en» ^ir 
wollen diese EintKeilang nicht naher erdrtern, sondern nur 
wünschen, dass er recht liald ein damaeh entworfenes Werk 
herausgeben, und dass dies die von ihm zu sehr getadelten 
früheren Geschichtswerke übertreffen möge. Wir wiederho- 
len, dass seine Literatur nur bis zu Sprengel geht, den er 
überschätzt. Von dem Bearbeiter der innern Geschichte der 
Mcdicin verlangt er nichts Geringeres, als ein Lehrbuch der 
Medicin zu liefern, in dem jede Beobachtang, jede 
.rang, jeder Begriff, jede Hypothese von ihrem Ürspruqg ao 
und in allen ihren Besiehongen dargestellt, die Folgen gro- 
fser Entdeckungen und Irrthümer ge/.eigt , und die Gefahren 
der Entfernung von der Kxperimentalmethode anschaulieh ^t- 
macht \sciilen. Die Methode ein solches Hiesenwerk mit 
Geist auszuführen, d6r immer die erste Bedingung ist, wenn 
CS kein roui[uIatorisches Machwerk seyn soll, ist er uns aber 
schuldig geblieben, hat sie auch nicht in seinen^ bishet^ 
Schriften praktisch erläutert, denn in seinevi Hauptwerke, 
dem Dictiounaire historl^e, sind die Artikel lexikaliseh be- 
bandelt, qnd grosstentheils biographischen l'nhalts. Die Bio- 
graphie aber ist die leichteste Art historischer Arbeiten. 

Im Vi^rlanfe seiner polemischen Correspondenz giebt der 
Verf. CS- ^Ö3.) ein Verzeichniss der Lehrer, die seit 1790 
an deutschen L niversitäten über Geschichte der 3Iedicin ge- 
lesen haben. M^in könnte hierin eine »iemliche Anzahl ///«- 
sorischer Namen, d. h. von Männern finden, die durch ihre 
Mittelmässigkeit der Sache mehr geschadet, als genutet ha- 
ben; indessen g^t doch soviel aas den Lectionsvenselchnis- 
sen her\'or, dass man die Läcke weiugsteas hat ausföllim 
wollen,* wenn auch meistens nur dem Namen nach, und in 
Deutschland ohne Vergleich mehr für das historisch-medici- 
nisehe Studium geschehen ist. als in Frankreich, was zu be- 
weisen war. Von den Engländern konnte natürlich niro-ends 
die Rede seyn. Ihr ganzes Treiben führt weit ab vom histo- 
rischen Standpunkte, und in der That haben sie «eit Fr eind 
nur compilatori$^he Arbeiten, aufsuweisen, von deneii die 

■ ... ^ 



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Dcsciliieri«: Letiü« Hur l lÜetoire de U mcdcctoc. i <»U3 

meisten, unbeachtet des absprechenden Tons, den ihre Vt^rf. 
annehmen, noch unter der Mittehnässj«;keit stehen. 

Inj zweiten Theile der Schrift (^Krao^mens de l'histoire de 
la inedecine) theilt der Verf. einige seiner historiscJien Ab.- 
Iiandhin^cn mit, die bereits früher in Zeitschriften and Wör- 
terbüchern erschienen sind. Sie lassen im Ganzen ein rühm- 
liches Streben erkennen, Beiyetse grändlichen, vielsei(ij<^en 
i^Studiums finden sich viele, nnd die späteren Arbeiten, sind 
offenbar besser, als die fröheren', woroa Ref. sfch ohnehin 
schon bei forCwührender Aufmerksamkeit auf die Leistun;;'eu 
dieses Gelehrten überzeugt hat, so dass er ihn unbedin«:t hIs 
den besten Historiker in l^Vankreich anerkennt, üin so we- 
niger darf aber auch hier ein Tadel seiner aus Mangel an 
Krfol^ und Anerkennung leicht erklärlichen, aber nicht zu 
entschuldigenden Yerdriesslichkeit zurückgehalten werden, 
mit der er einzelne, oft geringfügige Aeusserungen und Irr- 
thumer anderer Historiker angreift Wer als der Dritte oder 
Vnerte fiber eine Untersochong kommt, sollte ge^en. seine 
Vorgänger, die ihm die Wege gezeigt nnd ihm vorgearbei- 
tet haben, nicht undankbar seyn. Hr. D. nimmt aber hier und ^ 
da den Ton der alten Plnlologen an, die, während sie selbst 
nichts Vollkommenes leisteten, mit ihrem stulte, inepte, ttn'- 
piter erravit freigebig- waren. Es ist nichts leichter, als selbst 
den besten Schriftsteller kleiner Irrungen zu überfuhren, von 
denen der billig denkende Gelehrte keinen Lärm macht. 
Kann man sich aber der kleinlichen Mäkeleien nicht erVeh- 
ren, so mnss man sich auch gefallen lassen, denselben mf- 
krologischen Maassstab von andern an seine eigenen Arbeiten 
legen zo sehen, nnd man trägt dadorch nar sur ErhaHnng 
des kleinlichen Geistes in der Literatur bei, der nur um Worte 
streitend, absichtlieh ^as Ganze verkennt, und der Wissen- . 
Schaft in ihrem Fortschreiten Hindernisse bereitet. So könnte 
man ihm leicht beweisen, dass er sich zu seiner bestimmten 
Annahme, Praxagoras habe menschliche Leichen zergliedert ' 
(ß. 12^39 <^urch Mangel an Kritik einer Galenischen 8telle 
habe verleiten lassen, dass der Leipsiger Gelehrte Magnus 
Hvndt nicht Hundt der Grosse (flondf dit le Grand} 
helsst, wie er ihn (8. 126) nennt, und Aehnliehes mit leich- 
ter Mfihc noch vieles auffinden. Indessen mögen wir das 
nicht, sondern wir wollen seine im Ganzen gut und gründ- 
lich bearbeiteten Abbaudlungcn willkommen heissen. Sic 



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604 RocMer: Ventebermig«! dct 'Oolltli««ccbiffM. 

betreten die Geschichte der Anatomie, der neuen Cbirur^ii^ 
der -niedicinischen railosophie, Do<(niatisioa8y Empirisoias, JMoj 
thodismufi, Animismus, Eklektismos, die Geschichte der Elel 
phantiasis und Kratze, der Amputation« der Bronchotomie, den 

Lehre von Aneinisma und den Beinbriiclieii. i 
Mögen die an^estren;2;lcn Bemühungen des gelehrten 

Vert. den Erfolg haben, den ihnen hei dem Znstande der 

raediciiiischeii ^)tüdtt'n Frankreichs jeder wahre Freund dc( 

Wissenschaft wtiiischeii inuss/ 

Berlin. J. F. C. Heeker. 

<• 

fi > ■ I — f n • - T -i i'iM 



Fr. 4d. Hoemtti dk f^tnitinermnfemiimmottlileuUeken-OotUAen'Gthh* 
ge$^^€in Sucktmg, von SO Stittm mit 0 Uthogiaphirtem T^feNk. ifm» 
noter ISS9. 4.- 

NaclideHi wir in diesen Jahrbüchern (1836. S. 501 
1887. 8. 140 IT.) das Hauptwerk unter obigem Titel an^exeigt, 
bleibt^ uns nunmehr äbrig, der reichlichen Nachträge su jre- 
denken , welche afs Ergebniss nnausgesetster wetterer 

Korsrhungen binnen 2 — 8 Jahren in Heimath und Fremde in 
gegenwärtiger »Schrift enthalten sind. 

Das geognostischc Vorwort gibt eine Uebersicht der 
Formationen in den Weser- Gegenden, vom bunten Shih\- 
steine bis zur weissen Kreide mit hauptsaehliclier Riicicsiclit 
auf ihre Hebungen, welehe durch eine Tafel mit Gcbir/rspro^ 
tilen versinniicht werden. Dasselbe gibt Nachweisun^n über 
die Grenxen der einzelnen Glieder der Oolithen -Gruppe ge^ 
gen einander, über ihre Mächtigkeit und horissontaie Ver/irei- 
tung. mitunter Bericht ig nng früherer Ansichten,' nachtragKiche 
Unterscheidung neuer, vorher übcrsfhener Gebirgsglicdcr. die 
genauere Angabe ihrer Lagerungsverlialtnisse. DeniScliillsinid- 
. stein 5 wi'lclier seine uneigenthehe Benennung seinein Keich- 
thume an Equiseten dankt, z/ihll der Verf. neuerlich zum 
läalzgebirge statt zu den Ooiithen. Die Grenze zwischen dem 
Ltas und Unterooiith bezeichnet derselbe durch Aufzahlung 
einer Reihe von Versteinerungen, wetehe nur in jenem oder 
in diesem vielverbreitet sind , und bemerkt; dass nach dieser 
Abgrenznngsweise beide auch nicht eine Petrefakten«-Art 
miteinander gemein hätten. Das hat aber nur lokale Gülti^r 



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R^mcr: Vrmtriiicnibgea 4m Oolitbmgebii^M. . ^ 4|W - 

keU für die VVcser^gcnden, wie 8p maticbcs derartiges, 
aus den Petrefakten gefolgertes Gesetz, dem man eine so. 
UBiversieUe Geltuiig »mdirieibeii wollte, wie namentlich aticb 
Mnrcliison's Behaoptong, dasa das Cambrische, das $i- 
larische^ das Kohlen -'Gcbir;::e etc. keine Petrefitkten gemein- 
schafllich enthielten, zweifelsohne nur in Eng:]and wahr ist. 
Der Verf. hat« nun auch den Grossoolith in den Weser^e- 
g'enden entdeckt und mit dem Breiso^auer sehr übereinstim- 
mend gefunden : er beschreibt ihn als ..Kisenkalk/'. E^in an^ 
dr^ neu beschriebenes Gestein ist der ...Serpulit,^^ vieileicht 
ein Aeqoiyalent des Pörbecksteines. Zu den wichtigsten, 
.nenen Beobachtungen aber gehören jene über den Hilst hon 
des Yerfs. ,~welcfaen er nicht nor an mehreren neuen Fniid« 
orten entdeckt', sondern auch am Deister auf Wülderthon 
aufgelagert gefunden hat: so ferne nemlich an dieser Stelle 
eine sonst nur im Hilsthone gefundene Petrefakten- Art ge- 
nügen kann, denselben ohne irgend einigen Zweifel wieder 
zu erkennen. So durch die Wälderthon -Bildung von den äl- 
I tern Oolith-Gebilden getr(^nt, scheint er als seibststandiges 
. Formationsglied aufzutreten, und der ihn unterlagernde WäU 
derthon daher ebenfalls näher an die Oolithe, als an die Kreide 
SU rucken, indem er mit den OoUtben drei identische PetrcK 
fakten- Arten (^Exogyra spiralis, Ammonites biarmatns und 
A. 8oblaevis3 gemein hat und seine grossen Limen undPleu- 
rotomaricn, sein Ammonites Noncus und Belemnites suhqua- 
dratus den verwandten Arten im Jura näher als jenen in der 
Kreide stehen. Dagegen bemerkt der Verf. selbst, dass i\\m\ 
bis jetzt im Milse zwar noch nicht eine einzige sichere ki ei— 
de* Vi&r^tcinerung, wohl aber Thecideen, Cranien, Nei- 
theen, Terebrateln etc. gefunden habe, deren Geschlechts* 
oder wenigstens Familien- Verwandten, sonst npr der Kreide, 
und nicht den Oolithen zugehören* Wenn man nna dazu die 
Stodersche Beobachtung (Jahrb. für Min. 1839. jS. 08.) be- 
rücksichtigt, wQnach im Simmen-Thale der Schweiz der 
Hilsthon unter dem Portland - Kalke (statt darüber, w ie an 
der Weser) liegt, so scheint man zur Ansicht genölhigt, 
dass die Frage über die Selbstständigkeit dieses Gesteines 
noch keineswegs erledigt sey j daher wir denn der Fortsetz- 
ung der Beobachtungen Roemer'a mit grösstem Interes»^ 
eiii^;egenselien« 



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•96 Btaief : Verato&Mrmgen des OoHtkengelilygM. 



Der besehrdbend^ Theil dieses Naehtrags berfibrt Mcii 

180 Arten Petrefakten^ welche auf dieselbe treffliehe Weise, 

wie im früheren Hauptwerke beschrieben und abg'chandelt 
werden. Ein Theii 'derselben ist schon aus andern Geg-en- 
den bekannt, ein andrer völü«: neu, und 142 Arten sind auf ; 
4 Tafeln abgebildet worden, welche treue und deutliche Vor- ' 
Stellungen von den Originalien geben, nnd denen ein beson- 
dres Verzeiehniss beigefügt ist. , 

Es ist ttnsre UcSerseugung, dass die Frage fiber den 
Werth oder Unwerth mancher Yerstcinerongen ssnr Charak* 
teristik der Gesteine nur doreh Werke wie das g(>genwür- 
tlge allmählig entschieden werden kann, durch Werke ncm- 
licb, welche kleinere Bezirke umfassen, in denen es möglich 
ist, die einzelne Schicht nach ihrem materiellen Zusammen- 
hange oder nach unzweifelhaften mineralogischen Kennzei- 
chen uberall zu verfolgen und wieder zu erkennen, in wel- 
chen es daher aaeh möglich ist, die vertikale Verbreitung 
jeder Flelrefiiktefi-Art anf das Bestimmteste anzugeben ^ ond 
in Jede Sehtehte, in Jedes Pormatfonsglied ein Vdlfistftndiges 
Verzeichniss aller darin enthaltenen Versteinerungen einxo- 
sehreiben. Unter diesem Gesichtspunkte haben die Beschrei- 
bungen der Versteinerungen einzelner Gegenden mit genü- 
gender Rücksicht auf die Formationen! ein besondres Ver- 
dienst. Ohne Zweifel wird sich dem Verf. in einiger Zeit 
neue Gelegenheit darbieten, uns mit Nachträgen zu erfreu* 
en^ dann möchten wir ihn om zweierlei bitten: 1} den be- 
quemen Gebrauch 'seines verdtenstltchen Werkes durch ein 
vofistindigea Arten -Register zu befördern, lind 2]) eine gra- ' 
pbische Uarstellung der Verbreitung der Petrefiakten in di^n 
Wesergegenden zu versuchen, etwa in der Weise, dass alle ' 
Arten unter einandergescbrieben, die Schichtfolge aber durch 
eine lleihe vertikaler Kolumnen angedeutet, und das Vorkom- 
men jeder Art in den bezüglichen Kolumnen ausgedrückt 
würde, wie es Manteil, Fitton, Murchison etc. ge- 
macht^ nur könnte diese Uebersicht durch compendidsere 
Hinrichtung noch an Klarheit gewinnen. 

Der Uahn'sehen Buchhandlung muss man bezeugen, dass 
sie för angemessene Ausstattung keine Kosten scheut, wenn 
gleieh zu bedauern, dass Hannover nicht eine bessere litho- 
* graphische Anstalt zli besitzen scheint, als die Baumgarten'« 



* 



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t 



Sobrirten fib. 4« ipaii. SacccMuiiwffSg« Zea Bermudez u. Zöpil. 697 

«die, deren ßrzeu^s^nfssen es Md an Blej^nas, bald an Kraft^ 
bald an guter Schwärze etc. gebricht. - 

G* Bronn. 



1) Po« Frant€i€o He Zea B ermüde 9 Caueienpnmhr $9er^tü(r9 d'titat, 
pritiäent du eon$eÜ''de8 ministree de S, M. CatköUquc^, La vcritc sur 
ta queetiou de emeeeetten d ia c^urMiiie d^Bfpmgne» Parte'* -SO ' 

Anetten, 8. * , 

no ny m.") Die 8\ianische Successionsfrage. (Mit dem Motto: „Mihi 
Gatba, Otho, Utellim, nec beneficio nec injuria cognUL) frani^furt a»M, 
bei Siegmund Sc/imcrber. 18S!). 54 .V. 8. 
8) Prof. Dr. Heinrich Zoepfly die spanische Sacceasionsfraße. Historisch 
und pubUciniisch erörtert zur Aufklärung und Berichtigung der öffent" * 
Hektm Uehrnng in OeuUekland, iVia6»l einem dnkang* 4jh Beleuchtung 
, fimf Widerlegung der unter iVr. S. angezeigte» Mrfft 'MeldeUierg, ^ 
Jeadtmiedk f^erißgehuekhundHuMg ued C K Winter. 1889.. 1(>0 ar.-8.,- 

Die spanische Socces^lonsfra^e hat in der neueren Zeit 
ein gans besonderes Inieresse erhalten. War man bisher 

gewohnt gewesen, den Streit zwischen der Königin Isa- 
bella II. und Don Carlos aus dem Gesichtspunkte eines 
politischen Pariheikampfes aiifKiifasscn und waren bisher mit 
der Sache der Ersteren die Interessen der sogenannten li- 
beralen Panthei^ mit der Sache des Letzteren die Interessen 
des sogenannten Absolutismus als verflochten betrachtet wor- 
den, so hat dieser Streit eine gans neue Gestalt gewonnen, 
seitdem man ihn auf das Gebiet des Rechtes heräbergeso^ 
gen hat nnd endlich einmal die bisher fast ganz nnerorterl 
gebliebene Rechtsfrage in 'Anregung gebriacht worden ist* 
Der Impuls zu dieser Veränderung ist durch die unter Nr. 1. 
genannte Schrift des ehemaligen spanischen Ministers von 
Zea Bermudez gegeben worden. Dieser Mann, mit warmer, 
treuer Anhänglichkeit dem Rechte seiner Königin ergeben| 
hat zuerst auf die alten Grundgesetze von Spanien aufmerk- 
sam gemacht, welche bei der rechtlichen Entscheidung die* ' 
ses Streites in Betracht kommen mOssen ; er hat das Yer- ' 
hfiltniss hervorgeh'oben, in welchem das Anto-acordado.Fhi* ' 
lipp's T. V. J. 1713«, wodurch die agnlitilsche Thronfolge 
einznffihren versucht wnrde, zu der älteren Legislation ste- 
hct; er hat sodann auf die Formfehler hingewiesen, welche 
bei der Abfassung dieses Gesetzes begangen wurden und 



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M Schriftoo Aber die «iNMiiMhe Sorceimloiwirrsffr 

hat endlich die Verhältnisse entwickelt, unter welchen dieses 
Auto-acordi:t() durch ein von dem K. Karl IV. mit den 
Cortea im J< 1789. errichtetes Gesetz, wieder ab/i^esehafft 
worden Ist, dessen PubUkation jedoch in ¥olge eines aus- 
drücklichen Vorbehaltes des Königs ans Rücksicht auf die 
damals obwaltenden politi^heh Verhültnisse aufgeschoben 
und erst im Jahr 1830. unter der Regierung Perdinands VII. 
bewirkt worden ist. Es.konnte nicht fehlen, dass eine Schrift, 
wie diese, ;inso:cxeichnet durch würdevolle Einfachheit und 
schmucklose, aber durch ihren Gehalt desto eindnn^üchere 
Darstell un;»-. wie sie nur bei vollkommener l^eben&eug'nn^ von 
der Gerechtigkeit der ^ ertheidi^ten Sache möglich ist 
— %'ielfacheu Widerspruch bei der Part hei des Don Carlos 
her\'orrufen nvsste, weiche sich bisher den Ansdiein s&u ^e- 
« ben ^e^ewttsst hatte, als sey sie die Verfechteriii des histori- 
schen Rechtes und der wahren Leo^itimität. Es folgten sich 
in kurzer Zeit mehrere Angriffe auf die ii^chrift des lfm. v. 
Zea, namentlich in den französischen Journalen, es entwick- 
elte sich ein ti<[;'entlichcr Uec h tss I r e i t, die Fra^-c der Po- 
litik wurde von beiden Theilen in den Hintergrund g-estellt 
und sichtlich trat die Hemühuno: hervor, die rechtliche 
Ueber/eugung des Publikums für sich %u /gewinnen« .Schon 
seit laogererer Zeit dem Gange des spanischen Succes- 
sionsstreites als unbclhciltgter Beobachter fol/j^end und 
durch meine historischen Studien bereits mit manchen Ei- 
^enlhümlichkeiten des sjjanischcn Rechtes und der spa- 
nischen Verfassung naher bekannt, musste Ref. in der Ent- 
wickelui]^' dieses Partheikampfes eine AutTorderun^ Üflden. 
die spanische Successionsfrage in eine nähere Prüfung sn 
ziehen — ja .cr muSste es für seine Pflicht haJten, 
die Ergebnisse seiner rein im wissenschaftiichca. Interej»se 
unternommenen Forschungen nicht suräckauihalten , je mehr 
er sich überzeugte, welche verworrenen IlegrilTe sowohl 
in Deutschland als in Frankreich über die spanischen 
Staats- und Rechtsverhältnisse lurrschen, wie diese ^'erwir- 
rang absichtlich genährt, ja mit der schamlososlen Frechheit 
Beh/iuptungrn als anerkannte Wahrheilen hingeworfen wur- 
den, deren L nrichtio^kcit für jeden . der sich nui- einigennas- 
sen mit der Geschichte iSpaniens beschäfti«;t hat, notorisch 
ist — wobei man nur auf die Unkenotniss des Puhlilcums 
mit deu factischen Verhältnissen und mit den Gesetaen jenes 



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TO« ZtM BendBiles vnd Zr»pil. tt9 

Etandes grerechnel sa hab^n schien, wenn man ^laoble, durch 
die Vorspiegelung oft rem erdichteter oder oft nor halbwah- 
rer Verhältnisse die rechtliche Erkenntnifls de» Publikums . 

tauschen zu können. Namentlicli bestimmte den Ref. zur 
Fferaiisirabe seiner IlesuHale die Rücksicht auf die Grund- 
verschiedenheilen zwischen der deutschen und spanischen 
Staatsverfassung und Thronfolgeordnun^. welche dem ^röss4- 
ten Theile des Publikums, welches sich für diese Angele«* 
g^nheit interessirt, völlig fremd geblieben waren, so dass 
selbst mancher rechtliebende, ruhige' Mann veranlasst wurde, 
einen unrichtigen Maasstab an die answürtigen Verhältnisse 
9sn le^en und die Principien des deutschen Rechtes als gleich- 
gfültig für Spanien zu betrachten — für ein Land, das eine 
andere Geschichte, eine andere Vorzeit und einen ganz an- 
deren Entwickliin;2;s^an«: seiner Verfassung gehabt hat. aU 
Deutschland und wo sich daher anch «:Ieichsam natiirnolh- 
>vendig andere politische Inslitutioneo entwickein mussten. 
fis konnte dem Ref. nach der genafiestcn nud strengsten Prü- 
fung kein Zweifel bleiben, dass die Hechte der Isabel* 
la II. auf die spanische lu'one über alle juristische An^ 
fechtung und Bedenken vollkommen erhaben dastehen und 
die Ansprüche, welche Üon Carlos IT. mit Gewalt der Waf- 
fen gegen das ^ ülti^j^e iiecht nnd Herkonunen und die Ge- 
setze seines V^aterlandes geltend zu machen sucht, eine rei- 
ne Usurpation, und die Reliaiiptung der Legilijnität 
von seiner Seite als eine Entweihung dieses Wortes er- 
scheint. Diese Ansichten nnd die Gründe derselben hat der. 
Ref. in der unter Nr. 3. ange^.eigten Abhandlung niederge- 
legt und glaubt dieselben durch die Verweisung auf die Ge- 
schichte, das Recht, die Gesetze und das Herkommen Spa- 
niens von der ältesten bis« auf die neueste Zeit vollständig ^ 
erwiesen «u haben. Wahrend der Druck dieser Schrift (Nr. - 
3.) beinahe vollendet war, erschien gleichzeitig und völlig 
unabhäQgig von derselben gearbeitet, die kleine anonyme 
Schrift f Nr. 2.), welche sich durch eine sehr gewandte Dar- 
stellung und Dialektik auszeichnet, deren Verfasser gleich- 
falls im wissenschaftlichen Interesse die spanische SucceS- 
sionsfrage erörterte, aber zu dem gerade jentgegengesetRten 
Resultate als Ref. gelangt Ist, und mithin die Legitunitit des 
Don Carlos gegen die Königin Isahella II. vertheidigt. Ref« 

» V 

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900 HoMoamirs Anblicb und AUitolleniMh« BaoterBiM-imge«. 

hat die Grfinde, welche der Veif. dieser Schrift (Sr. 23 läf 

die Sache des Don Carlos aufgestellt hat, sofort noch in ei- 
nem besonderen Anhan^^c zu seiner Abhandhino^ (^Xr. 3) ein- | 
zeln beleuchtet und enthält sich daher hiei* jeder weiteren | 
Acufsenin«; über dieselben. Ref. hat nur noch hin'/uziifü;2:en, • 
dass er in der Schrift JKr.2 keine Veranlassung hat ündcn 
können, irg^end etwas an seiner eigenen Abhandlung TM än- 
dern. Auch hofft er, dass es das juristische Publikam so 
weni^ als ihn selbst befremden werde, dass zwei von den 
Standpunkte der nnbefa/igenen historischen Kritik ans den- 
selben Gegenstand behandelnde Schriftsteller zu ganz ent- 
gegengesetzten Resultaten gekommen sind, wenii man er- 
wägt, dass der" ungenannte Verf. derXr. 2. genannten Schrift 
nach seinem eigenen Geständnisse 0. 11 über die wesent- 
lichsten Thatsacben nur unvollständig unterrichtet war nnd 
überdiess von vielen der wichtigsten Docamente, welche 
hier in Betracht kommen, gar keine Kenntniss hatte* Das 
Pnbliknm nnd die Wahrheit haben auf jeden Fall jetzt den 
Gewinn, die Grunde, welche für die eine oder die andere 
' Seite angefahrt werden, nunmehr vollständig fiberaehen und 
' jetzt selbst prüfen und entscheiden zu können. Ref. schliesst 
mit dem Ansd ucke der festen Ueberzeugung, dass die Sache 
der K. Isabellall, diese Entscheidung in keiner Weise zu 
fürcfiten hat und dass ifir kein grösserer Dienst geleistet 
werden konnte, als dadurch, dass der Verf. der Schrift N.2. 
alle for Don Carlos* sprechen sollenden Gründe zosammen- 
getrageq und dadurch die Gehaltlosigkeit derselben erst , in 
das volle Lieht gesetzt hat. 

XoepfL 



Arabische und Altitalienische Danvi'rslcrttnf^en. Gesammelt und gezeichnet 
von K \1.^fte9semtr, Prof der Itaukunst am Stddelhc/un Kunstinstitut 
zu Frankfurt a M. Ut;rlin, tUimer Fol. 34 6\ Text und 60 Ii/. Uthogr, 
eolvr. Abbildungen. 

Da dieses Fl^aehtwerk, noch ehe es vollständig ersdiienen 
ist, schon die Ehre gehabt hat, in Paris, nnd zwar ohne dass 
man n&tbig geftinden, den Verf. zu nennen ^ heflwcfse nach- 
gestochen za werden , so dürfen wir annehmen , dass es in 



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Ufwaemer: Ariiliitche uod AUiialiachc ßauTerxiermig«'?». lOi 



den Kreisen, für welche es zunächst bestimmt ist, d. Ii. unter 
denen, die sich praktiaeh mit Verzierung arehüektonisciier 
Bäume beschäftigen, die wohlverdiente VVürdi^un^ bereits 
gefanden hat Auch ist Ref. ,«a aogern ein Saal unter Pro- 
pheten, als dasa er sich herausnehmen mdchtei ein arefattek- 
tonisehes Werk Architekten empfehlen m wollen. Allein 
das vorliegende Werk ist nicht hlos, wie man seinem be- 
scheidenen Titel nach glauben seilte, dem Architekten wich- 
tig, dem hier allerdin|^s ein seltener Schatz reicher und ei^ 
genthümliclier Bauverzierun^en dargeboten wird, sondern 
überhaupt jedem Gebildeten, namentlich aber dem Historiker, 
dem Nichts, was unmittelbar aus dem Leben, der iSimiesweiae 
nnd dem Charakter eines Volkes hervorgegangen^ fremd 
blelhen darf oder nnbedeatend erscheinen wird« 

Der geistreiche und schurfsinnige Terf. häi' mehrere 
Jahre anter den Völkern. gelebt, deren Banverzierungen er 
uns beschreibt; er hat das für einen Christen seltene Glück 
genossen, viele der schönsten und berühmtesten Moscheen 
mit Müsse sehen und zeichnen zu dürfen, wir können also 
üchon deshalb etwas Vorzügliches von ihm erwarten. Er hat 
sich aber nicht begnügt , architektonische Zierratheu in ihrer 
ßig^nthiiiiilichkeit klar aa(i&nfassen jund Ui?n darzustellen j fr 
bi|t KQgleich vortreiUicli nacbgewies.en , dass die geaammte 
Baukunst der Araber und der älteren Italiener - (was natfir« 
lieh auch von der filteren griechischen undderchrisUlch-ger» 
manischen Baukilftst gilt} nicht etwa eine zufällige Erschei- 
nung ist, die ihr Entstehn und ihre lUchtuhg allein der Phan- 
tasie hochbegabter Individuen verdankt, sondern dass sie sich 
aus dem innersten, eigensten Leben des Volkes naturgemäss 
und nothwendig entfaltet hat, und daher mit der gaiu'.eu Ge- 
schichte dieses. Volkes in unzertrennlichem Zusammenhange 
steht. In Bezug auf Literatur, Sitte und Cultqr im Allge» 
mqpien hat bekanatiiehL unser filchtosser das genaue und nolh« 
wendige Wechsel verhältniss ^«wischejp Husserem und bam^ 
rein Leben so meisterhaft, mit solcher Schürfe des Urtheibs 
solcher Tiefe der Anschauung, nachgewies<?n, dass wir wohl 
sagen dürfen, er habe hierdurch eine neue Aera der Histo- 
riographie begründet. Nur die schönen Künste hat er wenig 
oder nicht berücksichtigt^ wiewohl einzelne Winke seines di- 
vinaioiUchen Blickes, nach dem-Urtheil compeieuter Uicbter, 
.von nnachiti&barcm Werthe siud. ..ITui so wiUMmamer ist es 



Di^itized 



tot HcMMMr: ArabiMjlic uoii Aliitaliiich« Uaufenieroiigea. 

daher, wenn tüchtige Kunstler. die, wie Hr. Prof. Hessemen 
mit ^(indlicbeii teehnisrhen Kenntnissen aach wissenseliafu 
liehe Biidnng mbinden, diesem Gegenstande besondere Aif- 
mrrksamkeit widmen. Das vorliegende Prachtwerk liefert 
liier»! einen sehr verdienstUehen Beitrag, and wir wunsebeR 
nichts mehr, als dass der- Verf. in dieser Weise eine Ge- 
schichte der ofesaminten Baukunst ausarbeiten inöehte. Ho 
viel Ref. weiss, besitzen wir kein Buch der Art, und gerade 
für die Architectur, die mehr als jede andere Kunst mit dem 
Leben, den relio^iösen. politischen und hauslichen Ideen iind 
Gefühlen des Volks innig verflochten ist, wäre ein soicbes 
Werk höchst wünschenswerth. 

Als Beispiel) wie schön der Verf. seine Aufgabe gtliM 
hat, stehe hier folgende Stelle, eine von vielen, unter wd* 
chen die Auswahl schwer füllt: „Ein kriegerisches Noni- 
denleben^' sairt der Verf. is. 10. „bildet den Hintergrund tkr 
bür«;erlichen uiui religiösen hauslichen Eiiu ichtung'en der Ara- 
ber; die Wanderfahrt nach Mekka, und die «:ewöhn!!ch mit 
ihr verbundenen Schicksale sind für jeden Einy.elnen ein Kr- 
eigniss, auf welchem seine Achtsamkeit mit Freude und 
Wohlgefallen ruht, und wohin sie bei jeder Gelegenheit ftufs \ 
Nene* asuraekkehrt. In ihren Volkssagen und Poesien spie« 
len die einem Khegss&uge gleichenden Reisen in geselisefaift- 
liehen Caravanen die erste Holle; da werden die GefaÜrei 
der Wüste ausgemalt; da wird der Durst bei vertroekiieten 
Brunnen, das Behagen an frischen Quellerf, das unvcrtioiR« 
Begegnen unter fernen Himmelsstrichen u.s. w. gesell 
und Alles, ihre gewöhnliche Umgebung bis in die kkinslen 
Thcile, hat eine, diesen allgemeinen Grundzügen eiils/fö- 
chende Gestalt. DasZeltleben ist ins Haus nicht eingekehrt, 
sondern setzt sich in demselben nur fort; Tische, 8tähle, 
Bettstellen, die ersten Erfordernisse. dt*r lleqitemliehkeit, feh- 
.len hier, wie sie auf der Reise nicht mitzufähren sind; der- 
selbe TepiMch deckt hier wie dort 4en Pnssböden, and «lie 
Ger^thsclmften der Wohnnng sind dieselben w ie unter den 
Zelte. Die Gebete 'und sonsiigcn Andachtsverrichtim^en 
sind nicht eigeiillicb und nur ausnahmsweise an heilige oder 
besonders geweihte Orte gebunden; es sind keine Altäre i» 
den Moscheen , und diese selbst haben fast mn* die Absicht, 
den Betenden von der gcräuscb vollen, bewegten iJuig^b""» 
«in den ^Strassen der 8tfidte m trennen;, Kranen dürfea nftfb 



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tl ewc ew r; Arabische aad AltilalMclie BaavcniernDgen. ' tOS 

dem Gesetz ihr Gebet in den Moscheen nicht verrichten, sie 
mässen xo Hanse oder unter einem Zelte nnd angesehen da^ 
bei seyn, nnd'tdie Männer beten ansserdem in Ihren Bildern, 
auf den Dächern ihrei* Hänser und . mit besonderer Vorliebe 

auf freiem Fefde; am h'ebsten pflegen sie der Andacht bei * 
dcii Grabern iiirer Vorfahren, die ihnen heilig und unverletz- 
bar sind, wie sie dieselben denn auch als die einzig festen 
Wohnungen betrachten. An alles dieses schh'esst sieh eine 
Reihenfolge verschiedenartiger Beziehungen. Haus und Tem«- 
pel erinnern an das Zelt, an seine Gestaltung und Eiinich-^ 
tnng, die g:e wirkten Zelt wände kehren auf den Wanddächen 
der Gebäude wieder, geben wenigstens die Motive, für Ihre 
Form, die Thuren sind mit Teppichen oder Vorhängen ge- 
schlossen und die Fransen des Zeltes mit ihren wunderlich 
ausgezackten Lappen geben effektiv in den Gebäuden an der 
Stelle des Gesimses den Üebergang aus der vertikalen Wand 
in die horizontale Bedeckung, wie sie denn auch nachiiiafs 
in Stein nachgeahmt werden, und dann besonders im Freien 
die obere Krönung der Mauern bilden ; alfes wird dünn, leicht 
and schlank gehalten, 8äulen und Wandpfeiier theilen die- 
~sen Charakter, und die nach Art der Flechtwerke durchbro* 
ebenen Luftfenster und andere Ihnen entsprechende Ver%ie» 
mngcn, die In Hol%, Stein iiud Ens ansgefäbrt werden, ge- 
ben selbst den solideren, nothwendig zum Gebäude gehörenderi 
Theilen das Ansehen einer leicht veränderlichen Wandelbar- 
keit. Es haben deshalb die ara*jischen Üecorationen mehr 
nur eine Verbindung* als eine organisirte Entwickelung. sie 
sind weiuger von innen verwachsen, als von aufsen anfgc- 
gcsefzt und haben deshalb nicht selten ein gewandarliges 
Ansehen.^' 

„Bei den wunderilchen^ dem Araber so etgenthämtidien 
Vorstellungen. sinnlicher und ubersinnlicher Art hebt sich be-* 
sondei*s auch die Sonderbal^keit hervor, dass Ihnen heinahe 

nichts seinen Sinn und Gehalt fiir sich hat, dem nicht zu- 
gleich, direct oder indirect symbolisirend, irgend einegeheim- 
nissreiehe Bedeutiini;- ge^M ben wäre; so sind ihnen Schrift- 
ziige und Inschriften schon durch ihre Gegenwart wirksam, 
wenn auch dem Verstände nicht immer begreiflicfi, doch sonst 
anregend als Gegenstand der Weibe, oder abwehrend als 
äehtttxmittei gegen feindliehe Ränke und Unglück^ daher 
lieben sie geschriebene Auiulete^ tättowirte Venfiierongea mit 



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.t04 - Hesftcmer: Arabiaclio und Altitaligchv Bauvensieriti;^eB. 



Schrift untermischt auf Armen und anderen Thtiltn des Kör- 
pers, Rinnsteine mit wunderlichen Verschlingungen und mehr 
dergleichen, und daher endh'ch auch die grosse Menge In- 
schriften in und an ihren Gebäuden, die man selten oder fast 
nie, wie sie zusammen geboren, mit Einem Blick übersieht^ 
und die eigentlich nur als Gegenstände der Vefzieron^^ so 
Jbetruchten sind bei einem YoUie, das der Masse nach weder 
Jesen noeh schreiben kann; aneh sind wirklieh die Insohrif- 
ten weniger gefertigt, nm gelesen zu werden als vielmehr 
nur, uui da zu seyn. Wie Gebete öfters hergesagt, etwa wie 
inagnetische Streichungen, ihre Wirkung verstärken sollen, 
so auch Inschriften durch öftere gleich massige Wiederholung j 
,wie die grössere Pünktlichkeit des Gebetes, die sorgfältige- 
ren Abwaschungen vor demselben und dergleichen die Wei- 
Jia^g vermehren sollen, so auch bei den Inschriften die ge^ 
naoere Aitsführiing und das bessere Material; und so sind 
denn in derartigen Rücksichten die Araber nnermidlich ihre 
Inschrifiten xu wiederholen, xa vervielfältigen, zu schmucken, 
zu verzieren , und in Gold und den härtesten Steinen auszu- 
führen. Dieses alles giebt uns denn endlich den Ueber^ang 
zu dem calligraphisehen Charakter ihrer Ornamente 5 die 
Schrift wird verziert , und giebt dann auch der Verzierung 
einen schriftzugartigen Ausdruck, wie sie denn auch ausser- 
dem noch andere Aehnlichkeiten mit Schrift und Sprache hat; 
4er Ueb^rladoQg mit Inschriften folgt- eine Ueberiadung mit 
yersierniiigen, beide rufen sich zugleich hervor, efsetaen ond 
ergünzen sich wechselsweise. Unwillkuhrlich werden wir 
hierbei an die Hieroglyphen der alten Aegypter erinnert, mit 
welchen es in Bezug auf ihre architektonischen Zierden die 
gleiche Bewandniss hat, so dass sich hier unter gan?6 verän- 
derten äusseren Verhältnissen eine Ei^enthümiichkett frühe-» 
(er Zeiten reproducirt/^ ' 

In einer Ankündigung auf dem Umschlage des .achten 
Stefles verspricht der Verf. eine zweite Hülfte des erlihi- 
tmäen .Textes, worin derselbe, wahrscheinlich specieller }n 
das Teehnisehe der -mitgetheiften Ornamente, eingeho wird. 
Was bis jetzt erschienen ist, bildet ein selbständiges , ge- 
^clilasi^enes Ganges. 

Bercktf 



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. - 

N*. 45. UEIDELBEAGEA 1839. 
JAUABÜCHER DER LITERAT ITR. 



iTBEK;i^lCHTEN vno KURZE ANZEIGEN.. ' 



UTBRÄaeBSCHICHTB — UNTBBRICHTSWfiSBN. 

, Grmuitmien der nodegetik oder Methodik dea akademiseko» Siudhme und 

' Lobene Von Dr. Kurl Herr mann Schcidler, ordentUehem ftonO" 
! rarprofeseor der PkUosopttie an der i'niuiirsität zu Jtna. Zweite sehr 
\ vermehrte und verbeesertc ^usffubc. Jena, in dw Crökerteken Buchkand ' 
, t^ffl^^ii. XXU und ^ZO S. in gr.a. 

In einer Zeit, wie die unsrigc, wo materielle Interessen über- . 
all, selbst auf Lnivcrsituteu maoiitig und fast ausschiicsslicb sich 
hervordrängen i\nd jede bObere rein wissensebaftliche RiobtODg zu 

I unterdrücken droben^ wird eine Schrift, wie die vorliegende, nicbt 
bloe erwünscbt und xeilgeouitte, sondern eelbet notbwendig ersebei- 

' nen, wenn anders Wissenschaft und höhere' geistige Bildung unter 
uns erhalten und unsere Universititeo auch ferner die Trfiger und 
FAeger einer solchen Bildung seyn und bleiben eollen. Der Bei-> 
fall, welcher der hier anzuzeigenden Schrift bereits in ihrer ersten' 
Auflage zu Theil geworden und einen erneuerten — nber auch 
vielfach vermehrten und erweiterten Abdruck nölbig geniactit hat, » 
kann in so fern selbst noch für ein gutes Zeichen bei so manchen 
andern betrabenden Erscheinungen , des herrschenden Zeitgeschmacks 
•Dgcäeben werden und wenigstens beweisen, dass der beredte, klar 
fnasliobe nbd eindrihgliche Vortrag des Bhi.Verf., nfebt firnphtloa 
verhallt ist Wir boffeii,,wir wfinsoben, sur-BÜre unserer Unim- 

• sitfiten, dies noch mehr von der neuen Ansgabe dereinst sagen su 
^können, und wilnsiMien sie dämm' als ein zweckmässiges Handbuch In, 
'den Händen eines Jeden, der^ seine akademischen Studien in dem 
wahren Sinne des Worts, nach ihrer wahren Bestimmung beginnen, 
fortsetzen und vollenden will. Diese Bestimmung kann nher keine 
andere seyn, als die d«r wahren und ächten Wissenschaftlichkeit; 
und diese zu fördern ist der Zweck dieser Schaft , die darum 
von dem Verfasser ganz richtig als eine Ho'degetik oder Me- 
thodik des akademischen oder Universitätsstudiuros (denn darum 
handelt es sich hier zunachstj bezeichnet ist. Zwar, bemerkt 8. 
XL „ist die flodegetik keine Disciplin, d^e fttr den kflnftigen 

> bikrgerlieben Bcmf <oder gar nur fttr das Staalmameu!) gelernt 
i^erden^ aonf^m jlie nnmitteUmr und tofort In dna akademiselie 
Loben adbat elqgielliBn, unausgesetzt dorn. 6tn4faroni(en FObrer auf 

* XXXII. Jabffg. 1. Hsft. 45 



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106 Literärgetdiittkto -r UntmleklMnMa. 

der io gar iii«ii«ber lÜMiobt 90 Mblfipfrigen akadcniMliea Ijaof- 
liftbn Myn mH. Bin l^hrboeb denelken idomi daher so eingerieh* 
Itt ufüf data es für die gaoifte äkadem. Periode binreicbendea 
anregenden Stoff s&am Nachdenken ond xwar io einer allgemelB na- 

sprcchcnden Form enlhüK.*^ Wenn man bedenkt, wie aaf manobeo 
l/ni%'eraitöten öffentliche Vorträge der A,rt gar nicht statt flodeo^ 
sondern als Etwas öberflüf^Hi^eH befrachtet werden, so wird man 
doppelt die Aotbwendigkeit erkennen, dem jungen Mann einen Sol- 
schen p:edru(kten Führer mit zu geben, wie ilui die eben angeführ- 
ten Worte näher bezeichnen; ein dürres, trocknes Compendium 
würde zu einem solchen Zweck wenig ersprieNlich seyn ; es ist 
vielmehr hier eine grössere Aasführlicbkeit noibwendig, welche mit 
der klaren und fbaaliehen , nicht In dem Kanderwfilsch der 
neoealen Modepbilooophie vorgetragenen Br6rtening ifca Gegcnatao- 
dea aelbal nach pataende Belege nnd Belapiele aua den Sobriflea 
> der Beroen alter nnd nener l^ileratnr TOrbinde, treffende, achlagendc 
Aeassemngen und Urtbeile^ die durch die unwiderstebliclie Kraft 
der in ihnen liegenden , oft mehr angedeuteten als in Worten be- 
stimmt ausgedrückten Wnhrheit eher im 8tande sind, jugeod- 
liehe Oemflther zu entzünden und für die Wissenschaft zu begei- 
stern, als trockne Regel und Vorschrift. Von diesem Standpunkt 
ging der Verf. schon bei seiner ernten Ausgabe aus, und er bat 
darum, aller Dereicherung nnd Erweilerang im Einzelnen ungeach- 
tet, doch Anlage und Einrichtung des Ganzen nicht verändert, 
wohl aber durch diese Erweiterungen, die sich besonders anf die 
dem Te&t eines jed^n Paragraphen folgenden ertiuterndeo Bemer- 
kungen und Belege, so wie auch auf die liCeririaoben Naohweiaoa- 
gen eratredcen, aeln Buch gewlaa dem beabalohtigten Zwecke lai- 
mer entaprechender gemacht. 80 wird dann aelbat die Öftere Auf- 
nahme treffender DichterKtellen keiner Becbtfertigung bedArfea. 
Ausser der Einleitung besteht Ann Ganze aus drei Theilen. Die 
Einleitung bespricht Wesen und Studium der llodcgetik, sie stellt 
zuvörderst den Begritf und die Hauptprobleme derselben auf and 
bestimmt den Platz, den diese Discipfin in dem Gesummtgebiefe drr 
Literatur einzunehmen hat. Wie wahr, wie richtig ist ihr Betritt 
ihr Verb&Itniss und ihre Stellung (.4—6 aufgeAiaat*}, wie leben- 



*) 2.B^ S.ft: ,4hrem Raupllahalte aaeh kann daher die H ade gel II 

als auf du UnWerah&tsleben angewandte p rafcf lache. Phl l'ots- 

phie beselchnct werden. Wa« dleee letztere für den gctatlg ttiAB> 

digen Menschen ubcrlianpt nvyn oder leisten soll, nemllch« Anlei- 
tung, sich eine richtige W r ! t - nnd Leben s an sieht durch 
selbständiges, wissensehaftliches Nachdenken za verschaffen ond 
' ^ diese Ansicht dann im eigenen wirklichen Leben darzustellen und 
geltend zu machen — dies soll die HodcgetiV für den besonderen 
Lebensabschnitt der UniTcrsitätsporiudc dem Stadirenden «eyn oder 
leiten*' Daher lätit sich alles Wesentlichst was von der Veran- 



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i 



Lilwii«eMiiioht« — Va«mrUbt«wm. nt 

iVig darch die reichlichen Belege und Erl&ateraagen Alle« geninl» 
teil Darauf geht der Verf. za der Eintheilang, den OvcHeo onii 
HillPskenntnisscn der Hodegetik über, so wie zu dem Stodium der- 
selben, dessen )\ erlh, Wichtigkeit, ja Nothwendigkeit hier durch 
Grunde dargethan wiru, die theils in der Natur der Sache sefbst 
liegen, theils in dem jetzigen Zeitgeist gefunden werden , dessen 
Verirrungen, Vorortliflle imd BloMitlgkeiten hier f. 17 treffend in 
des dmw henroi^^eliendeii NaebthMlen gttehildwt flind. Haler 
dieeeo Dünnt die gtneioe, bloe evf Brwerli eiattlieiMr Gemne» 
BiiUel bedecbte, eile Wisflenselieftliclikdt ta eloe reio ieduatrielle 
Th&tigkeit verwandelnde Lebensansicht die erste Stelle ein; sie er- 
eoheint auch dem Ref. ele die gefilhrlicliste und verderblichste, weil 
sie io ihrer blos auf »ii^^fleren Nutzen , Gewinn^ Kam Behuf mög* 
lich<^fon Genusses gehenden Tendenz alle Wurde der Wissenschaft 
untergräbt und unsere Bildungsanstalten oder Universitäten in In<» 
dustrieschulen oder grosse Zurichtungsans^alten um?. u wandeln droht. 
Daher denn auch die fast allgemeine Klage des voreiligen Drangene 
Z.U den sogenannten Brod- oder Kachstudien und der Vernachlas-* 
sigung aller der allgemeinen, höhere Geietcsbildong förderndes 
Studien* — Bin diese Binleitnng beseblieeeender AnbiiKf S/88ir. 
iriebi die Litenifnr der llodegetüc d. b. ein velletindiges Verseiob- 
»ies der nuf dieeen Sw'eig eieb beliebenden' Sebriflen. 

Zwecbnieeig bat der Verf. dae Gaana In drei Thella aerlegf, der 
ernte vorbereitende eatbält eiae allgenieine wla e ea eeb aftllebe und aka- 

demiscbo Propädeutik, der nweite elneMethodik des akade- 
mischen Studiums im engem Sinne, der dritte eineMethodifc 
des akademischen Lebens. Unter diese drei Hauiitabsobnittd 
ist Alles, was hier in Betnicht kommen kann, in passenden Unter- 
abtheilnnofcn gebracht und mit einer solchen Vollständigkeit behan- 
delt, dass man nicht leicht einen Gegenstand darin vernissen wird. 
Aber auch die klare^ verständige Entwicklung aller allgemeinen 
Begriffe, die wir durchweg hier antreffen, ist ein Vorzug, den wir 
«m to mehr hervorbeben, als er geeignet ist, den Jüngltog selbst 
nn klaiar Anecbannng nad an klaren JBegrIffen nii fttbren und vor 
geistigen Varirrangen iin# Abwegen jeder Art, denen' er beut nn 
Tage nehr ala je anegeaetnt iet, an liewabran. 

Dec ante allgenieiaera Tbeil aetat daa Weaen der Wleaea- 
aebafl and derer y welobe nnniobat an ibrer Pflege berdfen 'alad, 
aoselaander, beatioinit daber nnvdrderat Begriff, Zweck und Beden- 
taag der Wissenschaft, erörtert dann das Wesen und die Bcstim- 
nang des Gelehrtenstandes und sucht auch hier jeden Satz mit 
weiteren Erörferunaen und Belegen, mit zahlreichen literftrischen 
Machwelenngeo zu uoterstützen. , Es bat aus dieser Abschnitt na- 



lassang, dan VoraosnetEuogea and Uauptuweek«! nnd sonstigea 
Eigenthamliehkeilea der Pbilfisephio and der praktitohen ieebesea- 
dere gilt, aeaMltelba? anrb vea-der Hodegetik segea.*' 



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gemein angesprochen, sowohl wegen der Klarheit und überzeugen- 
den Wahrheit, als auch weßcn seiner gan/.en inneren [laüung uod 
Würde. Da»8 der Verf. uiigeuthtet des hohen Werthes und der 
hohen Bedeotung , den er der Wissenschaft überhaupt zuerkennt 
io^ dsnin dsren wahre SteJIong nicht TerloiiiBt oder überschätzt 
list, &eigt, WD nur ein Beispiel «Mfiafabten, der {. 40 aufgestellte 
Bats, den wir eben darnm hier wörtlich miUbetlea woJleo: „Trotz 
dieser hohen Bedeutung der WissenscbafI fAr das gtinze ^eistit^e 
Lebea darf diemelbe doch nicht als das Höchste über-haopt 
an<>e8ehen werden. Die Erkenntniss ist nur Grundla^i^e alles 
Uebrigen, und so ist auch die Idee der Wahrheit den praklisehei 
Ideen der That kraft nn(erß:eorduet , und somit auch die Wisscn- 
fichaft dem sildiclien lieben; denn Handlung ist der letzte 
und höchste Bezieliungspunkt unseres Wesens, jeder Mensch gilt 
nur 80 viel, als er gehandelt hat, und sein Wissen uinl Glauben, 
sein Ahnden uod Fühlen nur so viel, als es durch Thaten in da^ 
Jiebea selbst eingreift! Daher die Bildung des ächten s^itt liehen 
Clrarak^era als die höchste Anfgabe des Mensohe ulebcns er- 
seheint^^ , ^ 

Alleidiage Ist Cbiraktorsdiwiebe das leidige Gebrechen aase- 
fer Zeit, und was Gdthe in seinen Gesprichen mit Ackermann ii 
dieser Beziehung von der Literatur bemerkte (,,MangeI aa Charak- 
(er^der einzelnen forschenden und schreibenden Individueu ist die 
Ouelle alles l ehels unserer ncnesten Literatur''), lasst sich leider 
nur zu sehr auch fast auf alle anderen Zweige und Verhaltni&fie 
des Lebens, des ölFentlichcn, wie des l'rivatiebens jetzt anwenden. 
In einer eben so würdigen Wcyse spricht sich der Verf. über das 
aus, was er als \'\'esen, als Bestimmung des Gelehrten, des wissen- 
schaftlich Gcbildclcn ansieht. IVichl einseitige Ausbildung des bio- 
Iben Verstandes 'Oder des Ged&ohtnisses, nicht der Besitz, all um- 
fassender Kenntnisse macht den wahren and iohten Gelehrten aus; 
,«08 liegt yiehaebr gerade in dem Begriff lies iebten Gelehrten, 
dasa er ein vorsngsweise alfseitig gebildeter Alenscli sey^* 
(S. 131); in welchen Sinne dann auch menschliche and gelehrte 
Bildung nicht zu trennen ist. Deshalb betrachtet es der Verf. als 
höchsten Zweck der Gelehrsamkeit uod des Gelehrtenstandes „t/iei/s 
das höhere Selbstbewnsstseyn ffir alles Handeln des Volkes und 
der Menschheit in sich /.u haben und immer klarer zu entwickelOt 
namentlich die höchsten Zwecke des Menschenlebens deutlieh /u 
erkennen und den Uebrigen stets vor/.uhalten, theils in dem eignen 
Leben und Wirken diesen hoehsten Zwecken stets und «nverrückt 
nachzustreben, und so Vorbild für die Lebrigen zn seyn, somit 
vorzugsweise aa der Ver?olikoinmnung des ganzen menschlichen 
Geschlechts and Lebens beiantragen. (S. 137). Man verbinde da-^ 
jait die achdne Stelle g. 47 S. 143 über den Bernf des Geiekrten 
ia dieser Beziehung. 

Ein zweiter Abschnitt betrachtet das Wesen der . ITal versi- 
tät, deren Bestimmung nicht sowohl auf das Erlernen ejazelaer 
Keaatnisse» als aaf wissenschaftliche Bildaag überhaopt, aar die 



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LiteHIrgmliieht« «- UnlerrichtiiWMei. , 109 

Rrweckaog des Geistes der WismsofaiflUelikelt geht (A.I6t)$ es 
soll die Unitereität nicht eigeiHlioh hestimint seyn, ein blosse« 
Wissen in den Schülern fortzupflanzen^ sondern sie soll eioo «ehre 
Kunstsciiule des wissenschaftlichen Vcrstandes^ebrauchs seyn (8. 
if>5); ?»ic soll dsrum die SelbHlihati/^keit des t^chülers anregen und 
leiten, damit er das Wissen in jedem Sinn in Werke zu verwan- 
deln lerne. i<o erscbeiuen dann die Universitttten uls die wahren 
Cenlralpunkle der ganzen geistigen Bildnng der Nnfion, und der 
hauptsächlichste und unmittelbarste Zweck des . nkademischea Stu- 
diums als die rein theoretische oder wissensohartliche Bildung, als 
das 8trebeii nseh Brkenntniss der Wahrheit nm ihrer seihst wllien, 
keineswegs aher die blosse AnwendaniT der Kenntnisse fftr das 
wiricliehe liehen, wodaroh unsere UniFersitMen, Wie obea sehen be- 
merlit worden^ jsn grossen AhrichtungsanidaKen herabainicett, was 
äberall der Fall seyn wird, wo dieaer Zweel( ailgemeui' whnm^ 
aehaniicber Bildung aus den Augen gesetzt, wo also die söge* 
nannten ßrod- oder ICrwerbsstudien das entschiedenste Ueberge- 
wir bt auuübcn. begünstigt darin durch die allgemeinen materialisti- 
schen Interessen dcH Zeitgeistes. Wenn einer solchen Riciitiing 
nicht sowohl durch strengen Collegienzwang, gegen welchen die 
bisherige Erfahrung in Dentschland sich ausgesprochen hat, entge* 
gcngcnrbeitet werden kann, so werden doch andererseits gegen 
den otrenbarcn Missbrauch gewisse Manssregeln einzusohlagea 
scyn, die, ohne «a sehr in*die Vreibeit des aicsdeiaiseheB Stadiums 
einzugreifen, deeh die Ausartung und den Missbraueh derseihen 
hemmen, indem eie durch aügemeine Beatimmungen ein pIsnmAssi» 
geres £lludium manisHsen und jedenfiiUs eine gewisse SSeit fest» 
setxen, in welcher der junge Mann in allgemein wissensehaftliohen 
Gegenständen sieh ausxubilden hat, bevor «r zum eigentliohen 
Facbsiudium zugelassen wird. Ref. hält eine BOlche Maassregel 
noch immer für die cin/.ig mögliche, für die einzig ausfiihrfiare, 
da writciv Beschränkung im Ein/.elnen durch vorgeschriebene, in 
genauer Ordnung und Tolge zu bcsurhcnde Collegien schwerlich, 
d. h. ohne andere Missbraucbe zu veranlassen , ienem anerkannten 
Missbrauch wird steuern können Die Aeussernng Sflileiermacher's, 
die der Verf. bei einer andern Gelegenheit 8. ai3 anführt, spricht 
sieh auch nur in einem solohem Sinne aus, und irgend eine festis 
Bestimmung der Art wird am Ende kaum abauweisen seTU, — Aneb 
der Verf. selbst stellt §. 93 wo er von der Ordnung der Vörie» 
«ungen Hpricht, im Ganzen keine andere Forderung auf, wenn er 
mit den allgemein bildenden Wissenschaften, zu denen er Philoso- 
phie, Mathematik, Naturwissenschaften^ Geschichte und Philologie, 
nebst der allgemeinen Knryclopädie und Geschiebte der l.iferatar 
rechnet, jedenfalls, bevor eine sogenannte Facultatswissenschaft ent- 
scheidend gewählt wird, den Anfang gemarhf, ja selbst später sie 
nicht vernächläflsigt wissen will, um so mehr, „als einerseits bornirte 
Einseitigkeit der Geistesbildung und Unvollkommenln it selbst in 
jedeiD einzelnen wisHcnscbaftl leben Fache, dem der Stndirende sich 
besonders widmet, nothwendige Folge von der gäD^licben VeraaOh- 



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TMI UterArgeicliiehte — UnterrldittWMdn. 

läwgmig einer oSer mebrerer dieser Uieeiplinen ist und nie ande- 
rersrtts des HIadioiB derselben enf die asthctibche, politische und 
UMfiiiseii-religiAse Ausbildung grossen* Rinfloss liat>^ lieber Alles, 
wss ZQ den notliwendigen Vorkeantniescn des akademischen 8(u- 
dinniK gehört, über die Vorlesnngen selbst, deren Anordnung ö. s.w. 
bat »ich der Verf. in mehreren Abschnitten auf eine so vollstän- 
dige, aber auch so wahre und überzeugende Weise ausgesproeiteti. 
dasB wir in der That Nichts daran ku ändern oder binzuKUsetxen 
wüsHten, am wenigsten in dem, was er über so manche" Verkehrt- 
heit des akademischen Unterrichts und Lehens (vgl. z. ß. ;s. 304tf.j 
treffrad bemerkt hat. Diess mag besonders von dem gelten, was 
äl»814 Qber des 6tadinm der Fhilesophie gesagt wicd^ das „nicht 
dem fitodinm der übrigen Wlsseosehaflea oder dem Leben selbst 
enCflremden» nleht in dialelitlsehe Spiele oder Knoststfiebe, leere Ab- 
etractionen, Grübelelen und SpItafiiidigkeiCen ausarten darf, am we- 
nigsten in das Auswendiglernen einer vomeh.n klingenden, abstru- 
sen Terminologie oder hohlen Phraseologie, wie leider hent su tsge 
bei uns Deutschen öfters der Fall ist 

Der Verf. hält es am itweckroässigsten , mit der Logik usd 
Psychologie zu beginnei;, dann das Studium der Ethik oder der 
^ praktischen Philosophie (Moralphilosophie , philosophische Rechts- 
■nd Staatslehre oder Naturreoht und Politik), hierauf das der Theo- 
rie de« Brkenntaissvermögeos (Kittik der Vernunft) in Verbindung; 
ait der dnroh dieselbe erat begrandeten, sogenannten Metaphysik 
folgen na Inssen, hteraaf Aefttbetik and Religionspbllosophic, nsi 
• la« Sehlasee die Oesehlohte der Philosophie , die von Aodeni ii 
den Anfluig gesctnt wird, and onch onserera lErmessen Oberbanpt * 
van Jedem Slndirenden verlangt werden aoHte, sellmt wenn mss 
von mehreren der eben aufgezählten Fächer abgehen wollte. 

Die dritte Abtheilung des zweiten Theils hat das Privat Stu- 
dium zu seinem Gegenstande, indem sie demselben die gehörige 
Anleitung zu geben sucht, um es wahrhaft fruchtbar, und das i 
wissenschaftliche 8elbstdenken fördernd und anregend zu machen. ' 
Eine allgemeine Methodik des akademischen Lebens bildet dann den i 
dritten Theil des Ganzen nach sieben Abschnitten, welche die kör- I 
perJiche Ausbildung, die dkonomischen und gesolligen Verhältnisse, , 
dann Uwbesondere die meimlieehe, polllisebe, ftsthelisebe and reii* \ 
gidae Aosblldung betreffen. Aaf diese Weise ist kein Oegenstnnd 
flbergangen, der In den Bereloh des akademlsdien Lebens elnachlngt, 
such ist in Allem eine äben so verstandige, gesunde als vollatdn- 
dige Anleitung gegeben,- wie sie in andern Lehr- oder Handbü- 
chern der Hodegetik nicht wird zu finden seyn. Wir können daher 
nur unsern Wunsch wiederholen, einen solchen Föhrer in den Hän- 
den möglichst Vieler zm sehen, welche die akademische Laufbahn 
entweder zu ergreifen gedenken oder bereits ergriffen haben. Auch 
der belebte, mit so vielen schönen Stellen unserer Classiker ausge- 
stattete und damit jede Monotonie vermeidende Vortrag wird das 
Werk desto aoz^i^hemler machen. Ein pnranelisciier Anhang, den 
der Verf. Als ^ne neHiwendige Brganming betraciitet, um diesem 



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LiterärgeacbichCe — Uoterri€hUwe<iea. 711 

iU , Zwttk Boik mebr m eotspreöheo , »oll spAttr «oUr 4em heaandcrh 
, TM: P«r&a««eii,filr Sta^ireiKle mobeiiieii. 

l)«r Verf.. hal «aob In der Verrede xar swokea Ausgabe den 
^ «Uioii frilber von ihm aa8g'e8pr4)obeneii Wuneeh wieder zor fipmebe 
^ gebraofai: an f jeder*^ Universität einen eitr^nen Lehrstahl für Bode*» 
^, getik zu errichten und za dotiren. Üie €fründe, die er dafär von 
neuem nn«f führt hat, sind allerdings einleuchtend, und dürften 
selbst \ on 8eiten der Hegiermigen oder der Sf.inde weniger An- 
stand finden« als von Seiten der UniverRi(älen selbst, wo die jctKC 
80 sehr ins t'oendiioiic nu8g:esponnencn Drodsfudien alle Zeit dem 
jun<2:en iMann in Anspruch nehmen und die f^ehrcr mancher dieser 
Fat-liHtudien ein gewalii»:es Zetcrgeitebrei ci heben wurden, wenn 
.man eolcbe naob ihrer ilfeinnng äberflftssige Vorleaangea rugeU 
atoii: einführen oder (^ar eiicene beeoldefe Lehrer dafflr nnettileo 
wollte! 



Perdii«aeii /Vr HtkUrauU lingUngw tutf dmlteAeii Gymnofleii mnd C^nl- 
versflAen. OMfimaistt imd mit Anmerkungen begleitet von Friedr, 
Traug^ott Friedemannt der Theol. und der Phü» DoH. flerzogjlt 
A'o««. übertchulrath und IHrecior des Landes- Gymna». zu Weilbwrgt 
Mtt^tred der tat. Gescftarhaft zu Jena etc. ete. Fiert^r Band, BratM' 
tchwüg, bei G CKMaifcr 9en, 1849. 187 S, im 8. 

Aneli Hl diene« Bnnde kielet am der Jioohvordiente. Hermaur 
feber eine Betlie von AnfWItzen^ w«lebe gMeh denen der Mbereo 
Binde {Vgl Jabfbl. iBB9 |>. All f.) sich Knineiftt nnf eieieleebe Li- 
teratur und deren Studien nie den JHItleln einer icbt wieeenschaft- 
licheo, bdheren OeislesbUdnng, Wie sie unsere Gymnasien erstreben, 
beziehen und in der Ju«end sowohl wie selbst bei dem vor^e- 
sehrittenen Alter die Liebe und l'ilegc dieser Studien eben so wohl 
anregen «Is erhalten sollen. Durch die auch hier wieder beigefüg- 
ten licineriiungeu des Herausgebers gewinnen diese von verschie- 
denen Verfassern herrührenden Aufsitze nicht blos theilweise Er- 
weiterung und Ausführung, ja selbst Berichtigung, sondern sie 
werden nneb wichtig und lehrrriob Hkt den, der 4wob nelnen Bn» 
j«f 4nhin g ew in ne n ist, fir die JugendbUdnnflf nn eerfoo^ nni Liebe 
mir Wisseneebnfl nnd eine odiere nnd lidbeio goleiigo Riohlong* 
in ihr Mbe, tind nwnr neeb vor dem BintriH in dio Univereitile«- 
nindlen, zu entbänden. Die Stimme eines so erfahrenen MintaMmna, 
eines so vielseitig gebildeten Gelehrten, wie des Herausgebers, in 
allen den jetzt so bestrittenen und viel besprochenen Fragen über 
4as, was der Jugend noth ist^ über das, was auf höheren wie nie- 
deren Bildungsanstalten, insbesondere zu beachten und zu lehren 
ist, zu vernehmen, kann auch für Andere nur belehrend werden, 
und zur Erledigung der viel bestrittenen Gegenstände dienen. In 
vedicgendeffl vierten Bande sind es, mit Ausnabote eines Binzi« 



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312 Liter&rgewhieliU — VaterriehttweMB. 

gen, hiQter AaMlse frmdw iJMw md Sprachen, die denaelkcs 
S(w«ck auch mtwirts ^erfolgoo, ür wetohen unter Bmu9gM^ 
In DeotMslilMid so vneroifidtt tbatig ist; sie seichnca sich dsbei 
nlle doroh eine gewisse Frische dcslnhilte mid einen innserst nn- 

regfendcn und lieiebendea Vortrag ans, so dass auch von dieser 
Seite ihre pfffissere Verbrcitonp in Deutschland mittelst der hier 
gegebenen t'cbertragung recht erwünscht seyn miiss. Ohnehin ist 
ja der Deutsche oft eUer geneigt, dem Fremden zu glaubeu und 
die Stimme ab'AUweisen, die ihm aus seiner Heimatb zulvomnit; er 
ist gewohnt, den Fremden für vorortheilsfreier und unberan^eoer 
KU halten, und schlicsst sich darum lieber und leichter ihm an. 
Wenn es in dieser Beziehung recht gat war, auch Urtbeile des 
Anslanden tiefangenen ond einseitig gebildeten Dentselieii rorzalc-' 
gen, so verdienten sie diess anch vonseiten der Gediegenheit ihres 
Inlisits ond ihrer Mis|ireehenden Form. Oer erste Anfsatft ist aas 
einer von Kobert Peel, dem berühmten englischen Staatsmann 
ond Redner, ao die Stndirenden zu Glasgow, bei seiner ErwähJung 
zum Lnrdrector 1837 gehaltenen Rede entnommen, und verbreitet 
sich über die Bedeufun"- der altcinssischen Studien für höhere Ja- 
gendbildung. Einiges Atlinliche von dem berühmten Broughnm 
soll weiterer Mittbeilung in den Pnränesen \ orhclialten seyii. Ei- 
niges aus einer ähnlichen Bede von Lord j^tanlcy wird in der 
Note mitgetheiil. Nun folgt ein grösserer Aufsatz: „Ueber die 
Vortheiic der altclassiscben Studien, als eines Bildungsmittel» des 
jugendlichen Geistes, im Vergleich mit den Beal- und Naturwis- 
senschaften.^^ Aas dem Bnglisehen von Rossel; das Original 
(Observattons on the advantages of elassioal leaming etc.) ernDhiea 
u Bdinbnfg I8d6. Herr Geiger, ein botnuortgsvoller, jonger 
Mann, der Mherin Weilburg unter der Leitong 4eB Herausge- 
bers, dann auf der hiesigen Universität mit seltenem Bifer ond 
gleichem Erfolg seine philologischen Studien- betrieb , denen er je- 
doch durch einen frühzeitigen Tod entrissen ward, besorgte die 
Uebersetzung, welche dann vom Herausgeber noch cinmnl durch- 
gesehen und mit Bemerkungen begleitet ward, unter welchen wir 
besonders auf die grössere Schlussbemerkung 8. 50 ff, über das 
Schulwesen in England und die darüber dort verbreiteten Ansich- 
ten aufmerksam machen. Hier finden sich auch die neuesten dar- 
über erschienenen Schriften angeführt 

Der dritte AofiMtB f,üelwr Bildung in Gymnasien und Real- 
«sehiiien,^^ so wie der vierte: „Reiigionsnoterricht'' ist ans der 
fiehrift des Franzosen Saint Maro 0irardin (De l'Instmetion 
intermddisire et desondtat dans le midi de TAlIemagne, P. I. 1835 
Paris) in der Art entnommen, dass nur die allgemeineren Alisehnitte 
hier ausgehoben und zusammengestellt sind: daher zuerst von der 
Verbesserung des Erzichung^^systems in Frankreich; classische Stu- 
dien und Healien; zuletzt: Kelrgiousunterj icht. Auch hier fehlt es 
nicht an erläuternden, erweiternden und selbst ergänzenden Be- 
merkungen des Herausgebers, der in einem besonderen Nachtrag 
aus Veraolassang einer andern in Frankreich erschienenen Schrift 



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LUer&rgcschichie — , Unteniclitowoieii. HS 

(De TEdacation et de Tingtraction en France par Nap. liandnis, 
Paris 1837), die sich mancbeu ähnlichen Fabrikaten, wie sie jetzt 
auch bei uns aiirtaDchen, würdig anreiht, noch diese GegeosÜiidfi 
a&hcr besprochen hat. ' 

Der fünfte Aufsatz: ,,über die Wichtigkeit der altclassischea 
Stodien fdr akademiioha Vorbildni^* ist m diei getehrten Hollin- 
dm Van Heaade Brlefeki Aber Natnr und Tendenz des bdlwrii. 
UnCerriebto entnoiiBieii. Der sepbste: ,fflber Bildong des Geiatoa 
aud des HeriBens dareh oJtelaBaisobe LUerator, ist sns dem Soiiwe- 
disebea von Es. Tcffner. Den Beschlass des Bandes machen ei- 
nige ausfübrllchere Mittbeiiaqgen ras der Scbrift von J. H. Dein- 
hart: über Gymnasial-Unterriclit, nach der| wissenschafdichen An- 
forderungen der jetzigen Zeit Hamburg 1837 (s. diene Jabrbb. 1838 
p. 164ir.j unter der Aufschrift: „lieber Zweck und Mittel des Un- 
terrichts auf Gymnasien.^' Die unter den Mitteln des Gymnasial- 
nnterrichts insbesondere hier beachteten Gegenstände sind Mathema- 
tik, Grnroihatik, Alte Classiker und Christenthum, Realien, Matter- 
sprache, Unii'ersität. .Der verdiente Beifall, mit weldiem Deinbart's 
Sebrift* bei qbs suljgfenemmen worden ist, da sie, wie omii dir 
Heraosgeber artbeijt,' wenn aoob in Ganzen niobt Immer Neues, so 
doob' Bewihrtes in Veliersiobten , liesonden naob Deafsebland's Biw 
fabmngen, enMlt, mag diene BüttbeUungen In jeder Beslebnng 
reebtrertigeo. ' « * 



r. • Bemeht an Mi^'. d«n Kaher doi MinUi^rium dtt o/ftnU 
liehen V.nttrriehtB für «tot Jnkr 1880. St. Pttertimrg, bei der 
kaherl. ji^fodemie der. iritMSM|*i^«ii 1886. J188 & nedil .9 Btditn' 
Tobeilen, gr.8. 

1. Berieht an Sr. Maj. <l«s Kaieer über da» Miniiterium dee d//esf- 
liehen Unterriekte fBr dae Jnkr 1881 SUndpaeOtt 1888. ' m 
^. m gr. 8. . ■ > 

8. Fr^eie rftr Systeme , des progres et de PHat de VImtrmtien fiMique en 
Rusäie, Redigd d'apres des documens offieieie par Alexandre de 
Kr usenetern, Chambellan de S M. VEmpereur de Rusiie. l arsovie. 
De Vlmprimefie de la banque de Polegne 1837. und AMS, gr.& 

Wenn einzelne Zeitschriften bereits einzelne Notizen ans dem 
reichen Inhalte dieser vor ans liegenden wichtigen Documente ver-» 
Mntliobt beben , so werden wir um so weniger jetzt säumen dür- 
fen, den Gesammtinbttlt derselben in einer gedrängten Uebersiobt 
aar Kenntnis unserer Leser an bringen, indem der ofMelle 
raliter, mit welebem diese Docnmente belileidet sind, die bin in das 
geringste Detail dcb verbreitende Genauigkeit in aUen elaielnea 
Aqgabeu, wobl,gee{iEnet ist, uns tm dem gegenwirtigen Beataad 



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314 Liier&rgescitiuhic — liaierrit-btivcfien. 

^d€8 gesammten , höheren wie nieilcmi UtiterriclitswesettH in dem 
Rgssinchen Kaiserstaai ein eben 3ut ^etreuex iiis volJstilodi^ci« Biid 
zu rerüchaffen. 

Die beiden zuerst an^efttbrten Berichte (Nr. 1. 2.) liefero 
eif entlieh ein» iberaiw ifemiue Statistik des BoMieoheii Unterriohts- 
WMM BMh iten ^oielleo.) tqh dem betretadea MlBitteriui Juer 
ndtgctbeiltea niid verölTealHebteii VorliMiren; sie vi(Ckinden diimt 
eine MütbeilaDg all«r der von dkaem Mini!»(eriM aasgegsngCNeo 
Verordnun^jen innl Vcrfüg-un^en zur Fördermi^ dea riilerrichl» 
nnd der wiasenschaniiobco BildnnjBT während der Jabre 1836 und 
1837; wir vcrmö^^en sn am beotcn die Riescnfnrtschritte zu übcr- 
flchauen, welche m\ch in dieser Bex/iehnno- der g:ew«ltiofe Kniaer- 
Blaat bcrci(8 gemachf hat und weiter jäiirlich 7ai machen verBpriübt 
Es dürften wenig Lniiiier geringeren Ijmfangs seyn, von welchen 
so genaue Berichte, wie sie uns hier von dem grofisen Russischeo 
Reiche in officieilcr V\ eise mitgelhcilt werden, vürliej»en^ und seihst 
manche der Staaten, in welchen nacb Ibver Verfaasungf die OciFent- 
lichkeit xM l^bcnspriocRy erhobea wtudeii kt, wenlea liier «iröck- 
fltebtii nillMen. Und doeli iriirde es fir. die WieMneebart aelbst 
«od deren FMentag lumiilioli erepriewUeh eejms, wem jeder 
Staat al(|ihrig, ao |^ wie er eeia Bmliei In flSablen Mhnttiph be- 
Joinot laacbt, auch das Rudjet aeiner intcllectuellea aail i^eialigrn 
Bildungsstufe durch ähnliche , officielle Vorlagen der Oeffentlich- 
keil öbergcben würde. Finnland und die wieder eroberten Provin- 
zen dea ehemaligen Königrcicfts Polen sind, wahrscheinlich weil ! 
sie der Kaiserl. Russischen Centralverwaltung, bei ihren besonderen 
Einrichtungen, nicht unterließen, ausg^elnssen. Die Angaben, von 
denen wir Einiges demnächst mittheilen wollen, beziehen sicjh da- 
her nur aiif die übri«;en Theile der Russischen Monarchie. 

Beide Berichte haben eine gleichmassige Einrichtung und Ab- 
theilung, so das8 in einem ersten Abschnitte eine Vebersicht aller 
aUgemetnen, auf das Ganase des Untlerriebts oder anefc aar mehrere 
Zweige desselben sieh erstreckenden Verfügnngen, die von dem 
Mii|isterlBm ans|[e|rangen sind, .enthalten ist; dann folgt «ine spe- | 
eielle Ueberateht des Bestandes der ein/.elnen I^hranstalten nach i 
'den einzelnen Lehrbe/.irken und den einzelnen vom Minkateriuro ia 
Bezug auf dies^bcn erlassenen Verfügungen (ein ünsserst wichtiger 
Theil) ; den Scfaluss bilden vergleichende tabellarische l ebersichten 
£ber den Stand sänuntiichcr Lehranstalten wahrend der beideo letz- 
ten Jahre, also hier iS'Vse iS^V^i- 

Es ist erfreulich zu sehen, dass un^>eachtet der ungeheuren 
Ausdehnung des Russischen Reichs, und der an manchen Orten 
verhältnissmassig geringen und über aosgedehnte Strecken anglcich- 
mfissig iiertbeUlen , ja aetbst noiaadiaoh lebenden BeWUkerong;, an- 
IpBaebtet der mernesslichen Sehwierigkelten, die Uer von alleii Sel- 
ten' sieh entgegenstellen, dook «der Ünlerrieki in Rnseland -bereits 
an -verbreitet und ausgedehnt worden ist, dass gagenwartii^ die 
1^1 der Unterriohtgeniessenden aiob E«r Bevölkerung wie 1 au 45 
teiUati idaaa in «wem ZeitMm ton ttaf Jabren 1 UMimitit, 



1 

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UteriffjifMchicbte -> VatmielitowcM. 91^ 

9 C^niuimeii, 49 KreiBsobnlen, 9S3 Pfarrechalen uml lltMvalleiHw 
amtalteii, nelnt 116 lideKgeii Pensionen bei Gymnasien neu g^sofcaf-' 
fen wurden, aad dass die Zahl der Unterrichtg:enieK8enden , ■^m 
25000 oestieg-en, sich jetzt in deo Seholanstaltcn des Miniatoriums 
des öffenttifhcn Unterrichts za der Gesammtsumrae von 95ÖS6 er- 
hoben bat. (Berieht Tom Jahr 1837 8.94 und 150.) Gehen wir 
naber in das Einzelne ein, so finden >vir nach dein Berichte vom 
Jahr 1837 im ersten, St. Peters bnr^ischen, Lehrbezirk ausser 
4lcr l^niversitat, weiche 7S l^ehrer und Beamten Bebst 386 8tudiren- 
den (im Jahr 1886 nor 999) zählt, in Mehn GoamliemeHlB 9Cfyiii- 
nasiea, 50 Kreis- «od 99 Wärt» ind BeBiricmnts-jSobvlea mit 9l9 
1<ebreni nad Beauiteiif dsnii 99 'Privatpeasionca «nd SebiftM, m 
Allem mit 19899 Selifileni. 0er eweite, Meskaaie^he Lelirjie* 
xirk beAtsat In oean CUiiiTeriiemelits jetzt MMser der Universität vm 
96 Lehrern, und Beemten und Gii Studirenden (im Jahr 1896 nur 
411) weiter: 1 Lyeeum, 1 adeliges Institut, 10 Oyronnsien und bei 
«Ürsen 7 Pensionsnnstniten ; 81 Krcisschulen und 172 Pfnrrschnlen 
mit 1009 Keamtei) und Lehrern, und 16309 Untcrrichtsgenicssendcn, 
zu welchen noch 42 Privatpensionen mit 1640 Kindern kommen. 
Aas den verschiedenen MUtheilun^en erbellt, das» hier insbesondere 
die Zahl der Schulen in dem letztem Jahre sich bedeutend vermehrt 
und eine in jeder Hinsicht sehr erfrenliche Thfitigkeit sich eni» 
wiefcett bnt fia Oliarketr'selwa Ijebrbezirk beflnden sidi mwmef 
der rniremltit mit 81 Lehrern, Benmten «ad 319 Stadireaden jitet 
8 Gymneeien, 999 Kroa« and Pfiimelialeay na wehiiea 689 Perea- 
nen nngeelellt eiad, 49 PHratpeaeiOBail. Dia OeeammtaabS der 
Sebftler IwtrSgt 13094. Der Bezirk voa Kasan, welcher aus • 
Ooavernementa besteht, befasst 1 Universität (76 Lehrer, 170 8tn- 
dirende) 10 Gymnasien nnd 173 andere Höhnten, an welchen 697 
Lehrer und Beamte angestellt sind, 3 Pnvatpensionen , und 9257 
Schüler in Allem. Die besondere Fürsorge für verschiedene 
Zweige der orientalischen Spraciisludien , wie nie aus verschiede- 
nen der mitgcdieillen Verfü|iunpren hervorgeht, mag hier insbeson- 
dere notb wendig erscheinen. Der Dorpat'sche Bezirk, za wel- 
chem drei Gouvernements gehören, enthält die Universität Dorpat . 
mit 74 Lehrm -aad 998 Stadireadea (aiehst Moefcae die bedea» 
teadete SSaM) d Gjmaaslea, 1 fieballehrertemlaar, 109 Sohalea, aüt 
948 Lehrern oad Benmlea nad 9091fiehdlera; wdaa Sech 149 Pri» 
vatpensianea mit 8970 Kindern kommea. 4w)h hier sind £kteieii 
und Uatenrlohtsmittel jeder Art vermehrt und erweitert worden, dia 
Erlernung der russischen Sprache durch besondere Einriobtnngeo 
erleichtert und nefördert, was durch die Nothwendi^keit der Ver- 
bindung dieser Landestheile mit der übrigen Monarchie veranlasst 
erscheint. In dem Precis de l'Instruction etc. (s Xr.3.) ist Im Ap- 
peodice die desfallsige Ukase vom 22. Januar 1837 mitgetheilt, wel- 
che verordnet, dass nacb Verlaur von drei Jahren Niemand ans 
den Baltischen Provinzen zum Lehrer an einem Gymnasium oder 
efaier MMa angmtollt werden kann, der nicht im Stande ist, sieh 
dir taaiaQhaa Sfiaalm la dam ManrlchtsiregeBalande, der 9m 



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119 Llterftrg«teliickt« — Üaterriehtnresea. 

Migewieven ist. 7m hedieneo. Auch soll naob fünf Jahren Niefliaad 

zum Studinm auf der rnRersifat Dorpat ziißfelansen werden , der 
nicht eine c^enaue Keiiutniss der Ktissischen Sprache besilzt. Au- 
fser diesen durch die Na(nr der Verhältoisse gchofenen Verfü^^nn- 
gen, die für die Anzustellenden selbst nur vordieilhaft seyn köniieOf 
da sie ihnen grössere Ausnicht im ganzen llussischen Reiche dar- 
bieten, ist von andern, den Gehrnurii der deutschen Sprache in die- 
sen Landern heinmendeo V' erordnuugen , nirgends eine Spur aozu* 
(reffen, was wir hier aiialiracktieh anrahren ko nflaaea glavbeD. , 

Der Kiew* sehe Lehrbeairk mit vier OooTerneinente entMU die 
Uaiveraitit dea b. Wladimir xa Kiew mit 68 Lehrern und Beeimfea 
«nd 26B Studenten, 1 Lyoeon,, 8 Gymnasien, 1 Feldmesserachiile, t8 
^ Kreisschalen, 1 Orlechiache und 48 Pfarraeholen mit 698 l«ebreni 
«nd -Beamten, wozu noch 20 Privntpensionen Iforonen. Die Ge- 
samnitschülerzahl beträgt 8<K)7. Nun folgt noch in ähnlicher 
Weise der weissrussische Lehrbezirk, mit 10 weltlichen and 
2 geistlichen Gymnasien^ 1 Sfliullehrerseminar , i9 Kreisschulcn . i 
Taubstummeninstitut, 154 Parof-hialscbalen und 50 Privatpensionen ^ 
für Mädchen. Das Personal der dabei Beschäftigten beträft 890, 
die Zahl der L nterrichtsgeniessenden 122^7. Der Odessa" sehe 
Lebrbe%irl( enthält i Lyceam jnit 40 Lehrern und 886 Zög^lin^en, 
6 C^naeiee^ 95 Kreis- imd- 44 Pfarrsehnlen mit 947 Lehrern, ansser- 
dem 91 Privatpensionen; die Gesammtzahl der f^ehUler beldnft sieb 
mf 6978. In den 14uidern jenseits des Kankaava iMfandea 
^eh im Jahr 1837 1 Gymnashim und 15 Kreissoholen (im Jahr 
1836 nur 13) mit 88 Lehrern und Beamten (im Jahr 1836 nor 80) 
und 3 Privatpeaaieaen ; die Sohtilerxahl beträgt 1494. Unter den 
verschiedenen vom Ministerium getroffenen Verfugungen sind ins- 
besondere die Anordnungen zur Abfassung . und Herausgabe neuer 
Lehrbucher in den dort hcrrf^fhenden Sprachen, so wie die dadurch 
nothwendig gewordene AnInge einer B4ichd ruckerei zu Tiflis her- 
vorzuheben. Selbst der Sibirischen Schulen wird liier gedacht; 
auch für ihre Vermehrung und Erweiterung ist gesorgt worden. 

Mit diesen genauen statistischen Angaben über den Bestand 
der einzelnen Anstalldn , ana welchen wir nnr einige Haaptpvnkte 
ausgehoben ballen, da wir nomögliob das game Detail hier nU- 
theilen können, ist togleiob eine Art von Chronik dieser. Anstalten | 
selbst, der eingetretenen, nahmbafleren Verinderangen m der Rin^ ' 
riobtnng selbst, im Lehrperssnale, der verschiedenen gelehrten da- 
eu gebdrigen Sammlungen^ Apparate, u. s. w. verbunden, wie sie 
selbst in unseren Staaten seltener zur Oeffentlichkeit gelangen. 
Weiter wird aIhm- auch von den übrigen gelehrten Anstalten Russ- 
lands, wclclte (loffi Ministerium des öffentiirlicn Unterrichts zufife- 
ordnet sind, iu gleicher VV^eisc Nachricht gegeben. Wir wollen 
auch hier die bedeutenderen nach ihrem dermaligen (d. h. 1837) 
Bestände anführen. 

Zuerst daa pädagogische Hauptinstitut au Petersburg 
mit 47 Beamten und Lehrern, von welchen Iii junge Leute in drei 
Abstufungen luterriditet worden. Ausser der VerniBlumog der ! 



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LitoviigcMshidile — > 17ate#riclitnr«wii. 



galelwtoii SMüittlaiigWi bt itoeh die Anlegung einer fitellldnulceielf 
•0 wie die OrQndpng eines besondei'n Lehrstuhls für Russische Ge» 
schichte asn ncnoen. Dann folgt ein Abschnitt: häusliche Er- 
ziehung^ (weil diese in Russlnnd einer öffeniüchen Controle des 
iMinisleriuin'ä untersteHt ist) und nun ein wichtiger Abschnitt: 
Kaiserliche AkiHemie der Wissenschaften. Dieselbe 
zäliKe im Jahr 1837; 20 ordentliche und 4 ausserordenllichc Aka- 
demiker, »*i Adjuncten, 57 russ. und 45 ausw. Ehrenmitglieder, 65 rnss. 
und 59 auswältige CoiTcsp indenlen. Es werden hier Jie verschiedenen 
Verwendungen der ausgesetzten Fonds angegeben, namentitub wur- 
den BiMiolhek nnd Kabinette angemein bereichert (tan Jahre 1880 
worden 40080 Rubel aufgewendet); ee wird dann von des. geehr- 
ten ArbelCen der Alcadenie und den besondeiren Leietangeo denel- ' 
ben, den zu wieeenecliaftlioben Zwenken uatemonHnenen Bkpeditio- ' 
Den «nd Reisen einzelner Mitglieder genauer Bericht erstattet. 
Dasselbe gesohiebt »uoh bei der Ilauptsternwarte, für welche 
im Jahr 1836 die Summe von 370746 R. zur Ausführung der Ar- 
beiten bei dem Baue, und zur Anfertigung der lusti uirente , im 
Jahr 1837 aber 640000 Kübel angewiesen wurden , von welchen 
Ö74000 Itubel auT den linu, 40000 auf die AnschatTung astronomi- 
scher lns(r;iinciite und 2t>500 auf den Unterhalt der Baucommission 
fallen. Darauf wird von der kaiserlichen russischen Akade- 
mie Naohrtcbt gegeben; nnter den gelehrten Arbelten, mit welchen 
sie Jetat heacbif tigt ist , nennen wir ale vcn allgemeinerem , auch 
fflr liae Audand wichtigen Iniereeees die Forteetanng der vcn dem 
Teraterbenen Kanaler Graf Knmjanaow ubterncmmenen Heranegabf» 
der Reioheurkunden und Tractate, ferner die zur Aufhellung der 
russisoben Geschichte und ArchaoJogie für nützlich befundene 
Uebersetznng der byzantinischen und occidentalisohen Schriftsteller 
in die russische Sprache und die Herausgabe dieser Ucberseta&ungen 
auglf'ich mit dem Texte u. s. w. 

l ebei den Bestand der verschiedenen Bibliotheken der dem 
Ministerium des Uilterrichts zugeordneten Anstalten werden sehr 
genaue Machrieht^n mitgetiieilt. So zählte die öffentliche kaiserl. 
Bibliothek, i>ci welcher ein Personal aüu 28 Beamten angestellt ist, 
Utt Jahr 1888 488^151 gedruckte Böcber und 17234 Handschriften; 
im iähr 1837 1 484^868 Binde und 17886 Mannseripte; die BihUo« 
thek der Akademie der Wissenscharien. afliKe 1888 in Allem 81684 
Binde, im Jahr 1887 aber 88831; die «Bibliotbek der Boaiuohea 
Akademie im Jahr 1887 4599, die des Rumjanzow^scben Musenma 
88347; die des pädagogischen Uauptinstituts 6938 Bände. Von den 
Universitätsbibliotheken sind die zn Moskau und Dorpat die bedeu- 
tendsten; jene zählt diese 62043 Bände, die Brocbnren mit 
eingerechnet; dann folgt die Bibliotbek zu Kiew mit 46d88, die im 
Kasan mit 33294, die zu Charkow mit 33186 und zuletzt die Pe- 
tersburger mit 24145 Bänden. Dazu kommen noch die mit mehre- 
ren Lyceen und Gymnasien verbundenen Bibliotheken, unter welchen 
die Ricbeüeusche zu Odessa mit 66t:^7 Bänden die bedeutendste ist 



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HS Ut mirg m M AU - UatorffiabtowiM» 



Vm inehrfAebeo SobeolnnifM, oder Meutenden Ankäofen, die av» 
ipeoiellen VenmUsson^eii gcroscht worden , ist io beiden BeiioiitM 
nehrfiieh die Rede. Die Zahl der nach Rnsslnnd über die Granxen 
des Reichs überhnupt eingeführten Bücher betrug' im Jahr 1836 
fiber ;35OO00 Bande; im Jahr 18^7 überstie/o: sie die Zatil 4OOO00; 
in Hussiand selbst erschienen Im LauTe des Jahres 1837 in Allem 
866 Bücher, welche 967? >/, Druckbogen füUea, nebet 48 Zeitochiif* 
fM, welche 4354 Druckbogen einnehmen. 

AtM dem, was über di« vmohimieaeo geiebrten Gesellacbartea 
d0a Land««, Aber die Verwallangr dee DeiNirteBeaCt dea Mtetlicliee 
Vaterridite, eeine Kaaslei v.fl.w. beaerlEt iet, eraielit mit des «a- 
gaMein waebeeadea Seaoliiflefcrela aad die aleigeadeTbitii^keit dieaer 
Behörde , die gewiss auch ffir die Folge aa den -besten flodToiingei 
berechtigt la dieser Hinsiclit können wir besondere auf des 
,,Rfiekblick auf die Gesammtthätigkcit des Ministeriams des öffent* 
liehen Unterrichts in den fünf letzten Jahren.'' wie er dem Scblass 
des Herichts vom Jahre 1837 beigefügt ist, aufmcrksana machen. 
80 wie anf die am Schlnsne eines jeden der beiden Berichte be- 
findlichen ver/>leichen(]en Tabellen über alle in den Berichten 
aufgeführten Anstalten^ die Zahl der liChrer. der Lernendeo, des 
Bestandes und Zuwachses der Bibliotheken u. s. w. 

Dnrch das anter Nr. 8 angeführte Werk (Preäs du Systeme, 
du progres et de Vetat de tlnetrucihn pMique) wird gewiasermas- 
aea das Bild vervelletfadigt, das wir ftber das geeaa mte Ualer- 
riebtswescfi der Bassisoben Monarohie gewiaaea. VVeaa die Mdea 
dien aageaeigtea Beriebte nas dfn dermsligea Bestand, die ia des 
letitea Jabrea eiagetr^tenen Verändernagen, Verbesserungen, Ein- 
richtungen, so weit sie in das Deparjcment des Ministeriume im 
öffentlichen Unterrichts fallen, nachweisen unrl so eine vollkoromBe 
statistische Ucbersicht des Unterrichtswesens lietern, wie wir diess 
nicht leicht von einem andern i^ande besitzen, so macht ti»s der 
vorliegende Precis mit dem gan/.en Organismus und der Geschiebte 
des Uoterrichtswesens, seiner allmähli^en Ausbildung und Entwick- 
lung von Peter dem Grossen an bis auf die jetzige Zeil bekannt 
und vervollständigt diese Uebersicbt des GaoKen durch die iVaob- 
ricbten von den fkbr^n bdbertn and aiederen Bildnnga- aad ITa* 
tenMteaastalten, iielebo, sie aaderi Miaieteriea ontergeord- 
net sind, in jenen beiden Beriebtev niebt erwibnl werden konnten. 

Daa Werft beginnt mit elaem Aper^ bisteriqne des pregres 
de Tinstruction pablique en Bussie depais Pierre le Grand jusqa'i 
la fla du regae de rBmperenr Alexandre L (8. t — 40) Wir 
sehen darsas, das« die gegenwärtige Ordnung und die' gegenwir- 
tige Or^r^ni^^t*)^" ^^s Unterrichts wescns zunächst eine Schöpfung 
Alexanders I. ist, welcher diesem Zweig eine besondere Aufmerk- 
samkeit widmete, die sich eben so sehr auf höhere wie auf nie- 
dere Anstalten erstreckte. Er war es, der ein eigenes Ministeriain 
des öffentlichen Unterrichtes schuf; der die ganze Monarchie nach 
verschiedenen grossen Ijchrbezirken, deren ein jedes mehiere Goa- 
vernements befasst, abtheUtOi uad, indem er an die Spitze eines 



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LitMirgcMUdito — UvitnMitowMtii. 91t 

jeden Wmkdsä eine VniTenilit etettle, in einer drellMien Alheii i 
tn9g damit die Gjrmnralen, Krewohnlen nnd Pftimcliule» veiikandy 
nuoli die VerliiUnis»« derselben nit einender g*enAu bestinnite nnd 

insbesondere den UoiversiläCen eine oene Organisation verlielL 
Dieses rö4iinltehe Streben des Monnrcbcn fand in der Matiea MÜMt 
Anklnngr und rief die nnhmhnftefiten, freiwilligen rnterslötznng^B 
reicher Privaten liervor, die auf diese Weise des edlen Monarchen 
preiswürdige Bestrebungen zu fördern bemübt waren. Die Stiftuu- 
l^en der Familie Demidoff und des Fürsten Kezborodko sind io die- 
«er Bexicliung insbesondere licrvor»iibcbeii. V'gi. S 8öf. fio ward 
nach und nncb immer mehr das Oefühl der Nolhwendig,'kei( des 
Unierrielile in der Nedon vetbrelCet nnd daB Goavernement eben 
dndnreb in den filend gesetot, nenelie BlMetregelo, die eine Fdr«> ' 
dernng dmeeftben l»enweeklen nnd des ellgemeine BedOrfhiiae am 
befricdigfen «treWen, desto teiebtcr darolinnföliren. Wohl liiet 
sich daher mit der Tiirenbestcigung des jetzigen Kaisers sacli itt . 
dieeer Hinsiclit eine neue Periode beginnen, welche im Vsriiftltniin 
mal Ganzen als die dritte bezeichnet wird, indem die zweite von 
der Kaiserin Cathnrina II. bis an die Regierun Alexander'« T. 
reicht ; die erste aber die gan/«e frühere Periode von Peter ,dem 
Grossen an befasst. 

Das erste Capitcl enthalt sämmtliche der Leitung des Mi* 
nislerium's des öifentlichcn Unterrichts untergeordnete Lehranstalt 
ten und sonstige Institute, wie sie uns aus den beiden vorher an- 
gezeigten Bericliten bereits bekannt sind, weshalb wir nicht näher 
In den Detail- Mar eingeben weiten, ' das jcdoeh von den In- 
iinlt jener Beliebte in so l^rn verseliieden ist, nie hier die ergn^ 
nfdehen Bestiamningett iber jede einzelne Anstalt^ die Beethnmung 
dereelben, die Innere Binriehtnag, die Gi*ganiaaClen de» liehreriper* 
zonales nnd dgl. mehr sich angegeben finden; was deainneh zor 
Verreiistlisdigong jener Berichte solb^^t dienen kann. So wird 
Tinfer andern z. B. IS. 167 ff. ein vollständiges Verzciobniss der 
unter Autorisation des Ministeriums erscheinendeta offlciellen wie 
nicht offlciellen Keitnchriften^ so wie der fihrigen in Russland er- 
scheinenden periodischen Schriften und Zeitungen gegeben; ein 
eigener Abschnitt H. 171 ff. handeit von der Censur und allen auf 
die UerauMgabe einer 8chrift, so wie auf die Einführung eines 
im Ausland gedruckten Buchs bezüglichen VorscKriften ; es ist 
daher aneb eine doppelte Censnr angeordnet, die eine fiir das 
Iniaad, die andere für die über die Grinnen des Belebe eingefahr^ 
ten* Bfleber; ansserdem besteht noeh eine geistliche Censnr für die 
Behrilten religiösen Inhalts. Sßagleich mit diesen Censarbesümiaiin* 
gen ward aber aneh eine Bestlnunung tiber die Rechte der Auto-^ 
rcn getroffen ; von welcher hier das Wesentlichste mitgctiieilt Ist 
8. 176* tr. Das Reoht de^ Autors ers(reckt Kjch auf «eine Lebens- 
zeit so wie nnf fünf und zwanzig Jahre weiter für dessen gc- 
setzmfissipe Krben: nach dieser Zeit sind die Rechte derselben 
erloschen und das Werk ein Allgemeingut geworden. Eine spä- 
tere Bestimmung verlängert diese Zeit noch um zehn Jahre weiter, 



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119 L t toffii y eMcfcU — Vatorrlelitaimmi. 

wem 'fünf Jahre vor AUraf jeatr Mtt «ine Ao^gidbe von 
den 4a»a BereohtigteD %*enin8toltet wird. Die BetChnmniigeti Qker 
NeeUdmek sind sehr genao. Am Schlüsse des AbecboUtes findet 
man zwei schätzbare tabetlarische Uebersichtee; die 'eine f^ebt elae 

Znsammenstdlun^ der 8cliülcrzahl in jedem einzelnen Gouverne- 
ment aus den Jafjren 1824. 1832 und 1835; wir selien hier^ wie 
in niclit wenijien (Gouvernements <Iie i^chülrrzahl von 1835 nngfe- 
fähr das Doppelte von der im Jaine 1824 erreieiife; in den Haupt- 
filüdten , wo schon früher die IScItulen bestunden, so wie in den 
deutschen Ostseeprovin/en, wo ein gleiches statt fand, ist diese 
Progression obwohl noch immer liedeatend, doch nicht in diesem 
Vefimitdlie. So betrag a. B. im Jehr 1894 die Bciifllemiiil in 
Lleüend 4118, in Betbland 1065, in Carlead Im Jabr 1886 

dagegen 6864, 1788 nnd 1840; in Peterabarg betrug sie Im Jahr 
1884; 6417 im Jabr 1886 aber 7618; im OeoTeraemeat Pekow Im 
Jahr 1824: 589 im Jahr 1885: 1101. in Arehangel atelJt aicb daa 
VerhäKniss beider Jahre zu 895 und 559 n. s. w, ^ Die sweite 
Tabelle giebt eine chronologische rebersichf der ein/einen von 
dem Ministerium des Unterrichts abhan^i^en und jetz.t bestehenden 
Schulen. Den Anfang" dieser nach den einzelnen Jahren fortge- 
führten und daher besonders in der letz,fen Zeit so sehr steigenden 
Liste macht die /Schule %u Revnl in Ksthland aus dem J/ihr 1424, 
die Töchterschule zu Dorpal in McUand 1555 und die Universität 
VViina von 1567. Das Gymnasium zu Dorpat fallt etwas spfiteff 
1688, die Ualrcndtftl 1689, nnd ihre WiederiieiateUang 18801 
FMher noch fallen die fiefanlen %u Libaia In Cnriand. 1886 «od die 
Clymnaaien' &n Reval In Batbland 1881 m> wla mu .filgn 1881 vad 
1676. Daa Gymnaaiam an Mitan fillt 1766. Die Gründung äm 
Akademie der Wissenschaften zu Petersburg f&Ut 1723, die Aka- 
demie der schönen Künste ebendaselbst 1758; etwas früher 1755 
die l'niversität zu Moskau mit zwei Gymnusien. Das pädagogi- 
sche Institut zu Petersburg ward 1803 begründet; die Unii^ersita- 
ten zu Charkow und Kasan 1804 (eröffnet am 17. Januar 1805 nnd 
am 5. Juni 1814), die Uoiveraität an Peterabug 1818; die des b. 
Wladimir Kiew 1834. 



CSchlu/i folgt.) 



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M«. 46. H£IU£LBEAG£B 1839. 
JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



LUerärgeitcAwAte. — VfUetriehUweaen, 

(Beteklufi,} 

Von dem Jahre 1786*. ao, und besonders in den zonächst ver* 
flosHencn Decennien ansers Jabrbuoderts ist der Zuwachs neu^e. 
^ründeter Bildnng^anstalten hemcrklrch nnd die Thftti^keiC hinrei- 
chend bearkundead, welche von den leitenden Behörden zur Grün- 
don|r nea«r oder rar Erw^tmag berdte bMlelmiier.Sebiileo aller« 
wirU M dm Tag gelegt wird. * ' ' 

Dm %'WpHB C^pitel de« Ciameii Mtetf die Militireelm- • 
Hm, wetohe Id cineitt 8tMife ^i« Raeelend, wo' selbst die böherea ' 
CiTllbcItOrden tarn Theli warn dem ütUltftretande' hervorgeben oder 
daraus enfeommen werden, allefdings von grosser Wichtigkeit nad 
Bedeutung sind. Diese St'hülen zei fallen in drei Abtheilungen^ - 
von welchen die erste die unter der Leitung doH Grosst'ursten Mi« 
chftcl stehenden in sich schliesst. Der grosse Umfang und die 
Ausdehnung dieser Schulen, die zum Theil, wie der verangehende 
geschichtliche U^berblick zeigt, zwar schon früher beorfindct, doch 
in den letzten Zeiten erst so erweitert nnd fast aui alle Zweigo 
« der wisseaeeliiift|lchen Bildang ausgedi^hnt worden »ind, kann wohl 
dea Wertb drfceaaea laeaea,* dca die Regierung auf eine gute ml<» 
Mrleoba' AatMtdoag legt, und wobl naoii den Verbftitniesen dea 
l«ttaden aaeli lege» arass. Blaa am fiebtaee befindliebe Tbbelle gibt 
alae genaue Uebefslebt der zahlreichen UntcrrIcbtsgegemitSnde, * 
weiche hier gelehrt werden. Die Zahl der in den versehiedenoa 
Cadettenschulen und anderen Anstnitcii militärischer Bildung befind« 
liehen Schüler belief sich nach der am Schluss beigefügten Ta« 
helle auf 873^1; der Aufwand für das Gati>:e betrug 6355001 Ru- 
bel. Getrennt davon sind die von dem Geueralstab der Mnrine ab> 
hängigen Schulen, welche eine Gesamm(znhl von 2224 Schölern in 
den zu Cronstadt, Petersburg und Sevustopol befindlichen Ansialten 
enthalten, und einen Aufwand von 638194 Rubel verarsaohen. Eod- 
licb die voa dem Kriegmttlaleterium abhängigen Sebalen der Saida- 
ttainader, welebe aaeb elebea Brigadea vertbellt, eiae Gesammtaabl 
Toa i0B(M blldea, wocB aeeb eiaiga -beeoadere l«ebraaetaltea bin* 
aakomaea. 

Das dritte Capital beschäftigt sich mit dea g^lstlicbea 
Bild ungsaaetalten, sowohl des Griecliischen, wie der übfigea 
Culte, die in Russland zugelassen sind. Die der Griechischen Kir- 
che zugehörigen Anstalten erhielten durch den Kaiser Alexander 
im Jahr 1614 eis Reglement, welches die Basis ihrer jetzigen Or- ' 
ganisation bildet. Kraft desselben sind drei geistliche Lehrbezirke 
XXkll. aabrg. 1. Ueft.« 46 



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gebildet an Pelenknrg, Moikan «ad Kiew; J«U» dcfidbm. lMit 
irioe AfcadfBto , dtaa ab MMIetwdiale' die Seirimrff n , die «M 
grofseallieMB in den Hauptorten der Gonvcrnements befiodcn, and 
■I« iiiidew Sc I ioIm die Kreis- und i^arrschnle«. AHe dien Ab- 
•telCeo eind nneh gleicbföroiigen Principien eingerichtet, sowohl 
wss die moralische firziebang, als was die wissenschnfiliche Aas- 
bildung betritn^ also auch die Unterrichtsge^enstaode, wie sie hier 
aufgeführt werden, gleicbförmig in aileii ^^chulen bestimmt. Nach 
der Tabelle am jSchiass des Abschnittes stellt sich der Bestand die- 
ser Schulen im Jahr 1836 folßendermassen: 3 Akademien mrt 317 
Schtilern, 41 8emioarien mit lü(>l(> 6oh.ülern, iöö Kreisschuien, 
185 rfarrscbulea mk t6151 und lOAOS IMAtoi dass «Iso die 
GesavntfliiwM der In die geiaüiebeo SelipUea AurgcueouiMoe» eM 
evf 68686 :beUUiCt. Oes« koamen «oeli die Cepieii r ieii imd Selm* 
leo dee Orieebiiich ulrteii RiCoe, dea BAnieeb^MMiaebett wti ' 
A'rmepimdieD Bilo% la Allem 711 Scholen mit 67096 fiebdlani. 

In dem vierten Capilel finden Jwlr eine Reihe von sehr ver- 
schiedenartigen^ höheren wie niederen , männlichen wie weiblicbea i 
Erziebungs- nnd Bildungsangt&lten^ wciclif' den übrigen iVliniste- 
rien iinterßcordn« t Hitid oder von der unuiiiiölbaren Leitung einzel- 
ner üliedt-r des kaiäerliclien Hauses abhängen Die verschiedenen | 
Bergwcrksschulen, die ebenfalls in eine dreifache Abstiirnng ;cer- 
fallen, unter welchen die In^eniciirschnle nach der im Jahr 1834 
erneuerten l .inrichtung al» die bedeutendste er8ehei|i(, gehören nebst ; 
einigen andern Anslalleo für TeebnoJogie , feratwlnaeoaebiiftUcbe 
Bildung etc. «a deai^ Fiaefiiiaiiaielerium *) au deai MiaieleriM» des ^ 
loaeiii dagegea aebüere Biedioiaiacib'^cl|intfglac6<^ laadiwMiaeballt» 
lieiie und aadere Aaelnllea« Welaea6<BMr und Anaeaeekale*; dea 
•Miaieterinm dea lintaefUfiben Hauses untergeben iel dia AJcadeada 
der anhöaea K6nste, nnd einige andere für Theater, Arabilektur 
und (•'csuniT« so wie Ackerbau bestimmte ^bnlen; eben 90 hnC die 
Direeiion iler Communicufionsweß^e mehrere, die BÜdunof preschiclf- 
ter ItijLicnieure lür S(rBK»en-Kau«lbnu und dergl. be/wcrkendc An- 
stslleii. Eine eigene Uecht^schule., welche die Bestimmong bat, 
eine An/nhl jiingTr Leute adiicher Familien für den Zweig: der Jo- 
HÜ/. '/AI bilden, /u;e|irüi)<let \in .lahr IH^j.S, steht unter dem Jus(i/mi- 
nisteriuirt; ihr jährJicheM Budget bctiä|>t 16(>(>54 Bubel. Ebio »o 
besteht bei dem Ministerium der aaswirligcn Augelegenbriten ein 
tiialicbes inatUat für die j>rientallaeben 8praobea. am darin junge 
i«eu(e rar dea diplomatisciien Verl^la* mit dem aaiallaobeo Aaalaad 
B^.li^idea. la dieser mit deaeetbea' Privilegien, wie die lKaieertt-> . 
cliea Univeraifitea ausg-cütafteten 8chnle, ist ein vierjalrigei' Col^ 
SUR pngeorduet, aacb Verlauf dessen die Zöglinge ein Sahr Bach 
Constuntinoiicl lu lUnr weiteren praktisciien Ausbildung im Tttr^ 
kischcu g'ojiendet werden, um dann 8p&lerbin bei den Cottsr}laten 
oder an den Gesandtschaften am ttlrkiNohen nnd persischen Hofe 
eine Anstellung %u erhalten. Arabisch, Türkisch und l^ersisch Kind 
die HaupUijN-ji^pi» weicbe tt)f<M^eiiai)b nad pialitisefai iiier gaMct 
werden. 



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m 



' Nim fol|ten Qocb ircrsohiedene, zum Theil mildthätige Anstal- 
ten and Seboleii, welche zanichst fdr l'erflonen weiMiohen Ge« 
Bohleohts bestimmt, gFosseatheils aoter dem Sehatze der rej^eren- 
deii Kaneria oier der Growfärttio HeieiMi tteheii; den ^Bescbloss 
l ifcea'^Aagit— ' ülbcr 0iti|g« 4mMb9 MmUnm .m F»tmbar^, ei- 
riipc TkrtttlMh« und IwMiitMiei 

; Chr. Bahr. , 



Mo iMadiM Aer Oeidelbb. Jnlirbb. erinnert bl«r aooh tn ei- 
nige^ ihr zag:ek6iiinieiie Sebriftea, ifMl^ fn dto fir^bare des SohvI- 
nnd llnterricbtsweeen« gehören iMd '«iü^r' Mdnd^M AnteerkMi»^' 
bell empfdblen werde« dttrften: 

Dentoeben Lenebnob fttr glemenlnr dn ^ nw i ' Alt mto AMMilm^ 
des ersten CortiM den deutscben Lesebachs för Scholen. Von 
Carl Oltrogge. Hannover, 1839. Im Verlage der HabnV. 
neben Hofbacbhaodlung. X. und 364 S. io gr. 8. {S. diep» 
Jahrbb. 183S. 8. 621. In Verbindung damit steht jetzt;) 

Vorschule deutscher Stylubangeo. Von fi. Tb. E. Schröder^ 
Hector des Prugymnasii zu Otterndorf. Ein Anhang zom er- 
itlen Cursns des deutschen Lesebuchs von Oltrogge. Hannov^y 

' ' ;l439 pbnnOnnelbnt XVIU« «od tm a gr. 
*L0ltrft4e.ii .mm frflDdllehen Unterriebt ,m te deiplf^ea Opmolin 
m Dw^I. b..A. Bejrs«. Wlflei crMiMrtbeUn pen bearbei- 
tete Auflage. ' VII. «nf li3 &. gi^ .& Hnanof:er,, llnte^nehe 
Bofbuchbandlong. 

Die ersten Grundre/sreln der deutschen Sprache Nach den Ansich- 
ten der neuern Grammntiker bearbeitet, und mit vielen Uebuo- 
* gen und Aufgaben versehen. Für Schüler der untersten Clas- 
sen höherer Lehranstalten. Von II r. Chr. Peter, Lehrer an 
der huheren Bürgerschule zu Hnnttover. Bbendnnelbnt Hnhn^- 
tebu BofbiielibnBdlong, 1889. IX 86 8. in gr. 8. 

lletlHxialegiseb.ee Be^dbii^h fOr 4en Vnterf ieht in^ der deut- 
teben Spmebe. fUr l^ehrer nli VoikMeHolen. Von Friedrieb 
Christina Bestenbostel, Super, und Fast. prim. in Münden. 
Diitle Abtheilnng. Methodenlehre. Zweite ^verbesserte 
und vermehrte Auflage. Hannorer. 1838. Habn'scbe Hofbaeh- 
faandlung. 129 S. in gr. 8. 

Leitfaden beim ünterrirlit in der Erdkunde von M. E. Op per- 
mann, Lehrer an der höhern Bürgerschule %u Hannover. Er- 
ste Abtbellong. Vorbereitender. ITntcrriebt. Kreter Corrae. Ue- 
benlebt des Brdgnnzea. Mil tner Cbnrte. üMinover 1839« 
Obto'ndie DofbiMtbbnntftaDg. XX. nnd 89 fif.' gr. 8. 

Hie «nüli ennfieefte Geographie in Verbindung mit dem Ge- 
brauch des Globus und der Entwerfung geographischer Netze, 
bewbeitet tob Dr. 9. W. Strcil, K&mgl Previe. Mi^or n. d. 



124 RöntMielM Litemlar.' 

Mitglied der Akademie nützlicher M is^enschnften etc. Mit 
vier Fißurentafoln ßeriia I8d7. Verlag voo fi G. Sobrt- 
dcr. IV. und 147. 8 8. 
P.raktisohe Kbetorik oder: votlstnndijares hehrbuci» der deuC- 
Bohen Redekunst, für die obern Clas^cn der 8cbnlen und zam 
Selbstunterrichte, von C h. F. Falkmann, fiirvtl. lappischem 
Rath und Direktor detOyrnnasii LeopoJdini so Detmold. Zwei* 
te Abtbeilang. (Aaeb mit dem beeondern Titel:) Declam»- 
torik oder volletAodigee Lebrbneb der deotiebea Vortrago^ 
koset, voo Cb. F. Folkmaoo ete. eto. Brot er oder (lieore- 
tleoher Tbeil. Zweiter Band. Nebst einer NotoobeUego. Han- 
nover 1889. Uahn'oobe Horbucbhandioag. 

Der erste Band dieses vorsflgUehenf sebr «mteoondom «ad 

vollstfodigea Lebrbnebs Ist in diesen Jabrbb. 1836 fiL esi f. tareits 
beeproeben worden. Der sweite, dnreb die gleielien VorzddT^te ; 
Grüadlicbkelt nnd woblgeordoeton Vollstiadigkeit sBogerelohaole i 

Band, dem auch cia genaues Register über beide Bände beligege- { 
ben iat, befnsst das zweite Buch (deotamatorische Rhetorik) 
in einer allgemeinen niid in einer besondern Hection ; in jener ist 
von den obersten Grundsätzen der Vorlragskunst , von den einzel- 
nen Tugenden und Fehlern des mündlichen Vortrags (z. ß. Deut- 
lichkeit, Lebhaftigkeit, Wohllaut, Correctheit, Würde, Haltung etc.), ' 
von der Vorbereitung naf den Vortrag nnd der Aufführung des 
Vortrags; in dieser von dem Conversationsvortrage, dem Ge- 
schäfts-, l«ehr-. Kantsei-, Feier- und Bühnen-Vortrage geliandelc. 
Das dritte Dneb beepriebt anerst die Hülftmlttel deo mOndlicbes 
Vortrags nnd gibt dann dino geaane Darstellung der Mimik aaoh 
allen ihren Tbelten. 8o Ist hier allerdings ein reebt bmn^ftaRs» ; 
praktisebes l^rboeb, sowobl som Oebrsaob bei dem UntanMC, 
wie für das Prlvatstadinm geliefert woidenl 



RÖMISCUK LITERATUR. 

■ 

M. TuWü Cirer oni$ De Ojßciia Ubri /rc.v. — Al4i ««/am pfUforum «ceai- 

plat iiim Jirhm rccevstiit iuljerihque Jo. Michaelis fl e u s ing er i el MM 

u(lnu((itu>uibu!i exptuatiorcs tdituttis erat Jucobus Fridericus lleusin' 
ff er. Kditioncni u Luur, II t- u s i n <^ c r o, Jac. Fr ßUo, curutum rt/>€- 
iivit , 8uisque animadvt:r},ioutLus aiisit Car. Tim. Zuinptius.— 
ttrunnvigac upud Fr. I ittweg et ßlium. ibÖb. Lil. und .V. g»; 8. 

Wir babeo im Mdrabeft dloMo Jahrg. der MbM. 8. 891 C die 
kleine von H^is. Pr. Z, besorgte Bensiager'seb^ Anagaba^der 
€ie. plAeien aqgexeigt und naah Verdiaast empfohlen. Nua ist 



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Hüiniscbe itiieratur. TtH 

%iii8 nuth die isrrössere Ausgabe «ag^kommen, und wir beeilen nns, 
viDse II Lesern Rnxn%e\gea^ was sie von derselben zu erwarten ha~ 
Wn.r War schon das Aeussere der kleinen Aasgabe in hohem 
IBrwle eai|iMJeiid, so ist t» dM il«r grössern noch mehr: sie ist 
ta eigendielMii 8imie de» Worts splendid «iii|;aalftfter, ond dMumoh 
M 4m üraek •o MtonoAitoh« 6tMMt 'imi^nmtgegth9wn Raa«» 
M iie IJCKi MO ». 4er *lteD Aw$ghhe tob 1789» nebst der 
•Torrede ond allen Zosfitssen des seilen Reraoo^ebers, cnthetten 
•ind. Ks wird zweekmAssipr seyn, aas der Vorrede des Hro. Pr. 

de9<«en Erklärnng: über die Kmeaerang des immer noeh ge- 
suchten und durch keine bisherige Ausgabe enfhehrlich g'emnchfen 
Werkes nuszubeben, und, was wir noch etwa in der Kürzte darüber 
2U sagen haben, liarnn anzuknüpfen. Da die Vorrede zur kleinen 
Ausgabe 2^/-i Monate jünfi^er ist, als die zur grossen, so kann die 
grrosse Ausgrabe nicht mehr in den Händen des Heransofebers ge> 
'Wesen seyn, als er die kleine vollendete, was er auch in der Vor- 
räte Bsr Mrtem andeutet' .An« jener heben wir nun Polgendeii 
Ms;^ »,IMr WcHb der Henefnu^erSelien Aofif^abe des Gsero 
OJfiiifi der gros s en wie. der Meinen^ sey niieilninnt» Jbii* M ich sei 
aensinger iMhe fttr dfa» Interpretation, Jnk. Fri.iederlofc ftr 
fttr die Kritik Vorzö^iielies geltiiatet Jener vmwfbiBd so gut La- 
fein, als «leine Zeit^nossen, Gesner nnd Ernesti, wenn er ih- 
nen auch an Talent und ansnrf'hreifcter Gelehrsamkeit nachstand. Am 
Text hatte er, aus Mangel an llülfsroitteln^ nicht viel ^etban. De- 
sto mehr leistete sein Bruder Jakob Friedcrirh. Rector am 
Oymnasium zu Wolfenbiittcl. welcher Handschriften und alte Aus- 
gaben verg^lich, und so i r^'ohien denn diese Ausgabe im Jahr 1783, 
und wurde n)it allgemeinem Beifall auf^e,nommen : ja es ist noeii 
glicht sehr lange her, dass der grosse h\A. Wolf behauptete, Ol^ 
fMro*s Tdxt sey^ in dieser «iwiigen AnsirshO' so hergestellt, difls die 
Kritik niek damit -befriedigen kdnae. War dies» nun auch zU vidi 
gesagt, aoT iat deoh g«wisa, dass kehie der s|ditem Ansgaben'illa 
üemdlnger'sehe entbehrlieb gemacht bat Gernhnrd's Aas- 
gabe ist. flust Idee kritieob, and ohne neae Hülfsmittel bearbeitet 
• Beier war eia ausgeteiobneter Interpret, aber sein Commentar ist 
< otjx f'uöt, o XöyoQ) ein Chaos, ein Gemengfe von Wahrem und 
Falschem, Nützlichem aud Unnütz,em, so dass man von einem aus 
so seltsamem Gemische zusammengesetzten Mahle gerne zu der ge- 
sunden Httosmann^^kost der beiden Heu «Inger zurückkehrt. D're 
Ausgabe war vergriffen, der Verleger fragte bei Hrn. Prof. Z, 
an, ob er ihm za einem neuen Abdrucke ratbe, und nicht selbst 
aneh Einiges dazu geben woHe? Dieser sagte an beiden Fragen 
ja. Mit siebem Taetr aber bebtet er In der grossen Ausgabe die 
gaano Honainger'aebe Arbelt bei, den Test, die OrthograyMei, 
die Interpunktion, sogar die gelegonaieh vorkommenden Zeiibestim- 
»n a gen, ana der Rdmisehen Geschichte nach den Faptis Capitolinis. 
Was der neue Herausgeber hinzntbat, ist Folgendes : a) Er äussert, 
wo er der Brklüniag niehi boietiaiBiea fcanot seine abwoloheode An«* 



72« 



liuiuMcbc Literatur. 



sieht, mit karger Angabe der Ursaeliei £r tbeilt die Laww rtt t 
■pftter verglichener HMidsehrillen miti «ir Bü Htigfing (»dar nrWIr 
derleguog der fcfitMNW AviebtMi Jew lldBMV MliiiM PÜ 
Aoevttbl (wobei MUMher riellelebt nefar« Wewfe weeif er «mf^ 
bm wilweben nMlee), beeondere aber aiie de», Ced. Bera. bii 
0f«lli veUetiedig, mit weeigen, ie der Vorrede . naobgeiragreneOf 
AnilMMDgen. Nuo «er so erwigee, eicbt ob nmn sieb bei Fest* 
elellaig des Textes an diejenige Clssse der AfanusrTi|ite belteo 
■elKe, TAI denen jener Codex gehört (denn dss ysar nictiC zu be- 
zweifelnj, sondrru, wie weil an ihn inshesondere ? Orelli war 
vorsichtig: allein es dürfte darum %^ohl auch, was er aos ihoi 
oabm, nicht wieder nus dem Texte verdrängt werden. 8Cüren~ 
burir hat (1834), mit wenigen Ausnahmen, den ganzen Cod. Bern, 
o. aur^enommen. Was er verwarf, dessen Ven^'erfung mag man 
niebt durcbaua billigen.' Bei der groiteN Ausgabe koonte sieb noo 
4r. Pr. 9> Hiebt die Aufgebe tetiie% eine neae Textreeeaele» m 
Jlef^: eber er gibt bier le edeo» Noiee elee Oreaiioge ku eiaer 
«cnees In der kleinee Aaagebe eber gibt fr den Texl^ wid er ibe 
B»ob Vergleieboeg der alten uad eenen UQlfiRiiael mit filc hetliei t 
heretellee s« können glaabtei er iedert rndtr^ ele Orel Ii, «bar 
viel weniger eis Stürenburg, der zu ra^cb verflohr, indem er 
aach die etwas vernachlässigte Wortstellung aus jenem Codex aof* 
nahm, und zwar in Folge einer falschen Ansicht %'on dem ITnfer- 
aobiede beider Codex-^Familien. Er meinte nemlich, die Fnmilie, 
der der Berner- (/odex o. angehöre , sey aus einer ganx genauen 
Urschrift geflossen, die andere aus einer aachlüssig und übereilt 
geacbriebeneo. Hr. Pr. Z. denkt sicii die 8ache aber so: Anaxwei 
eilen Hnndeebrifteii Ml .die Te«le der beiden Uandsehriftenfami- 
Ben gedennees die einer Int, wie eie eben vom Abtobreiben kam: 
die eedere ven eieeni der. etten C^reetereA rerbneoeri AWs jener 
detMB die volgftren Codd., aoa dIeMsr dif wenden, weicke die rer- 
besserte oder »welle Hand geben. Nimmt man. ee ee« eegl er« m 
folgt, daas man xnweilen sweilloie dbrf, ob die xwcito aend ^eb* 
tig verbessert habe? und wenn man auch die Verbesserongen gröas** 
tentheils als besser erkennt, so kann man doch oft mit Recbf>dM> 
Wortsleilung in den mit Fehlern behafteten, sonst getreuen IVInnii- 
■oripten für die rechte, und die in den andern für die neuere nnd 
verfälschte ansehen. Das» aber 8türenbur£f mit Conjerturon, 
Aastilgung von Worten and 8ät%eo, si» ge^en alle Ueberiieferung 
snfibrt, dasa map nicht einsieht, warum er die Zuverlässigkeit des 
Bern, o.' «ad' die der dieatü ikeiieben Manuseripie so sehr verficht, 
wem er ele eo wenig reapeetirt, ein die eadern ; dae tadelt Hr. 
Prof. 9&.« und »wer mit Recht« JBr. bnt deewvgen eb» HnndefC eei^ 
ner Bniendntionen nnd eben so viele aeiner.Proeeriiitioneii In eeiner 
Ergänzung der Ileus Inger sehen Noten absiobtUob wmreleaaett, 
besondere de Bt. neineni VerMnren beinen Orand enMebe« 
Im*.** 

Wnr, min die groaae Amgnbe ikm »ro. Prof« 9» nHoin beei« 



^ d by Googl 



Römiiohe Litetatur. itt 

liaflUcIlc^- Mh aiDht entbflwIlebgaHaabtet, groot lle««inger*MlM 
be»ilMtti nMh^tfer MitJabran tolMii Bfooliber gaCrachtol 
hftl, obiMi sie erhAilen mi UaMa^ und er wftnie sie in eiafsr htrr* 
^ licbea CktUU besitzeo; er bfttte zweitens alles Bedeutende, WM 
•eit H«usinger für die Kritik dieses Ciceroniselitii Werkes ge- 
leistet worden int^ mit Ilm. Z». Urtheil darüber, Atich nicht weni* 
ge Berichtigungen der Heus i ngef sehen Flrklarungen des Sinnes; 
aber er hatte bei Weitem nicht alles, was derselbe für dieses Werk 
geleistet bat: nicht den nach Hrn. Fr. Zts. Sinne verbesserten Text, 
die verbesserte Wortstellang^ die verbesserte Interpunction , niftbt ' 
aine bedeutende Zahl schöner, einfacher, ^ura Theil nener und bes- 
aarcr Rrklarangei^, als die bisberigeo Ausgaben liefern; denn daa 
Allea gibt die bleina Anagabe^ mwvttgßä wir «Unaeben, daaa, wer 
die gfiiaa Amgabe MacMI|> die Jclciao idcbt CSlr eotbabrlfoh halte, 
vagegett* de« 'Sofailer «ad Slodiareiideii die kleine rolietiftdlg ge^ 
•igt and ninbt geaog enpfiblen werden kann. Wellte aon Je* 
laand fragen, warom denn der grftaaaren Anagabe nicht auch alle 
Venigo der Icleinern aiitgetbeilt wofden seyen? dem ■taste ge« 
antwortet werden, sich der Hauptzweck mit diesem Noten- 

Kweck nicht vereinij^en liess. Die Ue u si nge r'sehe Ausgabe 
sollte für den Gebrauch der Gelehrten, da sie ganz vergriffen waf, 
wieder ins Fublikuai gebracht werden. Dieser Zweck war ver- 
fehlt, wenn sie verändert wurde. Aber auch die Anmerkungen 
durften nicht bedentend angescl^wellt wenlen, weil sonst das Booh 
an Foluroioda wurde und aeinen Cbaralcter verlor. Brlfintemngen, för 
MUUer beatiauiC, fmaaten nach nlehl^ reefat in dea für Gelehrte be* 
etiMtöii Conmentar. Uebrigena bat aneh die gr C ae aro Aoagabe 
vaaebe Beaie r fcang la gramvatiacberY kritiaeber oad .eiklifvnder 
Hiaaiebt, die sink in* der kleiaea Ausgabe niobC findet, well 8leen^» 
weder nicht dabin gebfrte, oder durch einen nelbweiidig geworde-^ 
nen Wideraprnob g^gen H. veranlasst wurde; z. B. y.n subveni/i 
II. 4, 1, wo er es vorxog, in der kleinen Ausgabe lieber jrleioh 
das Rechte xa j£;eben. Vergl. auch II. 5. 7. in beiden Ausgaben. 
I)aaa nicht, vielleicht mit Vermehrung des Ganzen um einen Bo-* 
gen, noch manche Winke hätten gegeben, manche Stelle in der 
Kdrze besprochen werden können, wollen wir nicht, behaupten. Daa 
Buch iüt uns aber lieb, so wie es ist. Ref. hat von den Büchern 
de N. aobon vor vielen Jabrea aaebelae greaae (la Verbindaag 
■Ü Hftt.'0. R. CrtWEer) nad eine klelae *fSr Stttdiereade bemann 
gegdben, and in der greeaea daamli aveh dea Brneaaalaobea Totl 
baibabiiHaM^ >wib#ead er iba ia der kleinen nach seinem danuiligea 
besten Wiaaen eanstltuirt hat. Dass die rrtheile aacb dea ver-^ 
irbiedenen Anaiebten der Beartbeiler verschieden ausfallen wür- 
den, musste auch er erwarten, und bat ck erlebt: er hnt sich nber 
durch absprechende, und dabei unbegründete Urtheile, wie einst 
Heinriob eins gernllt (woxu das Motiv ein ganz anderes war, als 
daa Bueb), 9bm m wenig abaobrecken, ala darob ein anbedingtea 



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IIS RdniMÜit Utonilmr. 

JLob gegen die liiiftC erkanatmi Bfipfel MtM Bsital 
wtm (ChittiMl ^oor». -49 Dmnb. 18tl )• Ua4 4ieM wird mmdk 
bei Hrn. Pn 2. der Fall a^n. Uiiaar« AoMtAliaag^ f^*' WMig', 
«nd Mrdfen zQvönlmt elniga Ual«flMMiag«i. Vei ye a a e a > wmrä^m 

BarijBbti|;iM|gcii nnd ZoaMaa, die ia den Index r^nm ei verboroia 
liitten aiqgctragen ^-erden sollen, und wirfcliob nnf der Bchloss- 
aeite der Heaßingcr'schcn AosgAbe B(chea< aanüich unter Habeo 
IT.. 2, II.; unter Impcrf conjuntt. fehlt: post perf, I., 30, "15.; 
Qolcr »SV fehlt .t/ pnfuc/o et si potero III , 23,3 ; und die Verbcnse- 
run^ des Druchfehlers Tmef. \\. XXII., med. (n. Au*>«r. p. XXIV.} 
quatt rni o r u Hl f quatti nionum. Aber auch cin'fj^e »ridere Drack- 
feblcr sind titehen gebiieben, oder aus der aüen Ausgabe in die 
neue veriiflanzt, z. B. A. ttö. (vergl. Ausg. p. 387.} der duften- 
dat Codicibus reftagranttbus**) 

Da wir BQtt dla BifreaMaillcfaMi «ad daa Vcrdkaat 4cr 
ZvoipVachaa Ao^gäbe bareita ia dar Ansaige 4m kfeaara^ wo aa, 
ibrer Btrlcbtaag nach, mehr in die Aogaa fallt, analibrHahcr ba^ 
aproeben, aoeh eiaa Anzabh Stellea ia Bcaiehiiag au/ Ueaart and 
Interpretation genauer erörtert haben; so kfiaalen wir ans jaa/ Je*- 
ne An?<eipfe bfxiehen, und diese hier mit einer allgemeinen, ßfewiss 
sehr venlientcn, Kmprehlun^ sciilicsBen. lia wir uns jedoch dort 
vofzü^Siich auf das erste Buch hrschrruikt haben, so legen wir bier, 
um nicht ^anz. ohne einen Beitrag zu sr:heiden, ein paar Bemer« 
kunfrrn zu Stellen des zweiten Ruches nieder, wozu Bef. auch sei- 
nen Codex ver^i^iicben hat, der zwar nicht der Familie des Bern. c. 
angehört, aber manches Eigeuthilmüche bat, das nicbt aaf die Uech- 
aung dea Abacbreibera kaaunen bann, welcbar wenig, aai alaiit aa ' 
aageo gar Maea, Koiif batte. 

II» 4; 6. ifuibus (artibua) exctdta hominum pitB imtium disiai 
u et cuUu bestiarum, Aaab der Cod. des Ref. hat de^Üif, 
wie die meisten. Der Uemusif. glaubt, ob er gleich aafgä-« 
aonnaea bat, ea Besse sich dennoch (itstint veriheidigeaf im Siaoe 
jraa remooit srse Diesem ist aber das vorangehende exculfa nicht 
iiaoz günstig: caculta- (listat : ..in Folg e der AusbiJdune; 8(cht 
ea nun höher/^ passt besser als e.uul/a-ficslitU : mCs bat sich aus- 
gebildet und entfernt;-' ja, wenn es mit fschcinbar) passiver Be- 
deutung' des GtTundiumB liieeHC homiues exiolcndo removernnt 
se a ifuiu hciiiui um i wo wir aber dennoch desitUt unL nicht gerne 
aebea wttrdoa. — II., 6, 7. bat aueh dar Cad. daa Ütt-jTtassö^ 
alalt dea vaa H, autgenomaieaea foriastU, walahea Ciaera daa Uiob* 
tarn Obarlaaaaa bat. Deraalbe Codex bat II., 7, 1. ad ofnn iugndma 
abae ac ieneiuhs, welches von einer andern Hnad^ wie alaa Claaaa, 
ratb aa dea Baad geac>rieben ist. Bii«ndda. f. bat aaab aaaarCteN. 



die Vnlerlaaauni^cn rechnen wir anch. dsss «. B. za II.» H, Ä.' 

der Sitz der von H. citirten Platcinischen Stelle nicht nftdlj^wicsea 



•) Unter 

der S 

ist. Sie steht de Rep. VI. p. da». Slepb. |>. 8Ö8. B^b. 



t 

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t 



RMMm MMmdmw^ " Itf 

4ex Pmeclare enim Ennias, wo H. Auf Bohwaelie AütoHlitiii hfii 
enim wegläset C. 8, 15. ^ibt er gleich f Alls riohti|f maluimtu tW 
maiumiis; C. 9, 10. bonrs viris für bonis, C. 10, 3, alias bonos vi-" 
ros für alios ifitos bonos, und so stimmt er meistens mit den bes- 
fiern and besten. Ei|ren(li Omlich ist ihm z. B. Cod. 19^ 1^, sumnios 
cum infimis pari jure, fi r o t c g ebat, wofür andere ttnebat^ retine- 
bat haben, einer Bt»ch pertinebat. C. 16, 6 : quae te, malum, in» 
guiif in ist am spem ralionis induxii, türi qua te, malum^ ratio 
im Mam spem induxiif C. tt, 9: ijni ^ro populäres se voiitM,f9ri 
qui tHtro se popuiaree veiant: wo M« B. vemiQlliet: qia se 
populäres esse v^lunt, yfXr^ sm fmifk»igftkfltiMMtk €MlDd«B: qui ¥0» 
ro populäres se esse vohmi, mit F. H. Im iMfli« der IcMaMI 
Aasgabe hat ßr. Pr. Z. so geschrieben, wie anser Codex, nnd 
sonst keiner, bat. 8o hat ftooh C 17. extr. der Cod. de» Ref. iil^ 
JeiO: et tum aii fonilfates arcoitimoHanda -~ est für et tniv i p srm 
€t ad farult.,.. Hier em|iflehlt der Heraus^Eceber (ja er sagt 7.0- 
vcrsichflich : apparet legendam esse — ) aas guten Hnndsohriften 
in der'pro8}#cn Aus^r. et tum ipsum — dass es so viel bedeute, 
• Is tum maiime, wie iiunc \psum für hoc ipso tempoie nicht sel- 
ten stehe. Ob es sich sonst wo linde, sagt er, wisse er nicht, 
iw»M« «her «lobt darwis «iiek Marfe €« wohl keine« Bewetsea*' 
I» der MeiM Ausgabe MI er iiiur eetn Amt ipsum in ile» Ttet 
Mf)|peM«nieii, oml erfelirt eo ipso iempore^ well venmeicelii tempo^ 
ribms necesstsria. Wir Andea es nber fdr'to Brete abeMvpt bedenk«- 
lleb^ in Seeben des ^precbgebrauchs vom Sejokönnen aaf dns Seya« 
zu (icblienteA; zweitens wfirden wir dereee, des« Cicero in den 
Briefen an den Attleos etwa dreimal nunc ipsum geschrieben hat, 
für den Ausdrnck tum ipsum (in solchen Fällen, iftt der Sinn) 
keine Bestätigung 7.n finden glauben. Ja, wenn ein Moment 
(eine Bedentang, die tum nicht hat) angedeutet wäre, so würden 
wir uns gegen tunc ipsum (gerade in jenem Augenblick), nach der 
Analogie von nunc ipsum, nicht sehr sträuben. Wenn er aber sagf, 
das tpsa lasse sieh gar nicht erklären; so meinen wir doch, das 
fem felie ffeeht «etarliea- esf dae venngegaogeM fol« 
largHiomim-ratiOf weM die teAimn «leM n et awend ig aaeh ia des 
flmlie« BM hi a ieiii geB egea weidea aivee. — > IL, ii V"*^ 
tnm quaeri dixi, quid uti(e,^id inatlUf iume» utilibus quid «/wWt 
Wir wollen hier Aber die Aaslassang des zweiten Gliedes tum ex 
— quid utiiius, der sich in einigen Handschriften nicht findet, and 
die auch St., den Text verstümmelnd, für dH<» Rechte gehalten hat, 
nicht sprechen: aber wenn nun einmal der zweite Satz gegeben 
wird, so sollte doch (nach dem von 8türenburg zu Cic. pro Arcb. 
poetü p. 161. sqq. entwickelten Gesetze) im ersten 8atze cum quoe^ 
ri dixi stehen, da der Silin nicht ist: „man fk'agt bald, was nütz- 
„lieb, WM iioatttr.lioh sey, bald — was, wenn Mehreres als nntz«^ 
,,Heli erfcMBt -tot', dae Naialleher» sejr;*^ eeodem vielnebr: ,^me»- 
„fragt aleht awr, wae «acilloli, rne nwiatdieii se^t eend«ra 
,,aaeb, i» Krelw dee mt «ataNeb VHcaanbNi, naeli den i« 



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„bemi, and dem Im höchsten Grade Nötzlicben.^^ Uml ist die«t 
richtij^f so uiuss es cum — tum heisseo. Die letzte Stelle, die 
wir hdspreolMii wolle», wmg 1, 19, ufmt Cui (phikisoiibiae) 
oif* multum «dbÜMMiM dicmkli causa i^emporis irMMMmt, fto- 
Mtm^uom homribus imervire c%efi» m4qi»» Mum rei ptMame 4rm^ 

Utrm 0t rei puUicas tumporis* Dms die AatoriUlen zwi^dm 
iemporis, t empört und tcmporibus im letzten Worte desiSatzes 
sehwanken^ ist bekannt. Orelli hat sich fdr temporibus entschiedeo, 
wofür man indessen keine bandschriltliche Autorifnt hat, wohl aber 
für iempori. 8tärenburg'fl Coojectur, die von ibm ohne Weiteres 
ia den Text sarj^enommea wurde, fähren wir blos zur Notiz: anj 
quanium sup rjuerat fcmporis rei publicae tempore. Mit Orelli stim- 
men aoch Beier und Gernbard nebst 8cbät/., oder vielmehr Jener 
mit diesen. Die beiden iicusinger bleiben bei tempons^ ond em- 
pfehle« Olivoto Brklirang: ,,Cum radilitorMi loim tt rtf pvMK 
mt parte« ttnparie, q«aa ▼Mieabaat aiU jora aaa^ et Uli« «jg« da- 
l ab ai«: al aaperAiaral, tom -piiil«««phiam alo^ f«aai Ia. laow 
warn«, fleqne aooopatamv ailmittabai«.^ Olkrel halt« jfdaok i« 
Ttxte iempori behalten und diaaea aa arklirt:' ,,4«aaliini ( Hi parla) 
aspcrAiafiit lattpari- dabit« al H«p«aa» amicia ao rei pablii^ae : quad 
erat re vera femptis amicorom et rei publicae.^' Wir haben kaum 
nötbig /«a sagen, wie □n(»as8end Oiivets ISrklärTin^ iMl^ wenn man 
die ganze Periode liest. So stammelt Cicero nicht, daes er sagt 
ati cum multum tempons iribuissem' — I an tum erat philoso- 
phiae loctf q uantum super fuerai tempons amirorum. Hr. Pr. 
Z., der im Grunde auch die Olivet'schc Erklärung adnptirt^ sagt 
aar Vertheidigung von It.mporis C^m Schlüsse) nochi ,^quidqald 
iMd«« letBporia» qaad amlaia et raip, dambatnr, suporerai^ Id'aaM« 
naainaehatuf i« pbüoaepbia. Keqnä vera lotau aanionilars qaod 
diakretuCf «I aat iempori aat iemporiine verum ««let*^' Wir 
waHan»! Aas dem« ohlg«to-.ig»ir/tum> temporm Iran« atfc daw awter« 
(fuanfum der Q tämU m m 2cH Idnifinglich he rafaf M ge« «yaaden, ja 
dm Widarholung van temporis aitt fiaUasse ist garadea« anstteaig, 
haaondera, da das auroiileibar vorberfjfehendo tantam ^ lud aar 
Bor Abwechslung des Ausdrucks gewählt ist, und im Grunde mcVvtH 
anderes als Zeit bezeichnet. diess, was wohl sohweriirh Je- 

mand laugnen möchte, so fällt auch die Einwendung des Hernnsg. 
weg, dnss der locus nicht consumirt werde. Allerdings wirii er es, 
wenn er Zeit beaeiehnet, und es ist eine Synesis, die ans um so 
weniger anffallen kann, als wir selbst den Ausdruck Raum so Uäu- 
§g Ii de« Begriff der Mi- hlaObertragen. Wir rtrmleaeo «leatra« 
gen, indeia'wir «aah tempoHbut vanuehea^ «ialil .eiaautf ü« allar» 
dtaga-aalir aa^praehaada fiahralbnag, die mtk- Pr.*SL> ia te: Jcleinaa 
Aasgabe ala dia tiarala aai'Iiabaiea aelwa «Ma^- ab «r.glMii 
kaia Conilglf«» varlaagt : quantum supef/atrmi' iemporir mmicaPunL 
et reip, temporibus» Natfirlicb, dase ^aaa fempora die necessitates 
aad periado dar Piaaaib dad da« Vataiiaada. aiaA.«. Tempoti^ te. 



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Ilandsobriften fQr siob hat, and sich als Sfaignlar^ inrch Or. pro 
Arcb. 6. {ab nuUius me unquam Untfiore eic.\ in gleichesi Sinne, 
scbütaKen llesae, .wM« QU» cfiClkli wegen amicorum und nei puhii- 
ca€ 9iflbt feislift.g«r«ll«i«. ^•..ki«r.«lefat vt> aiaer gleiqhwrtlt|pi> Ba»* 
JrilUgnimi alkr ßnmtA^^ Ctar» andi dis Yaltrl«ata si^glicidi) 
die ftedtt Mjra Iemni: «weitonf 'ftb«. gikt dar JlaliT m alth-aiiliM 
iMkiea paBseadea Shpii. 40 tiirftohende tmtpurU luian übri- 
fens, nebst dem, daiw vt wegen quantum Einigen nöthi|ß adieiMii-. 
J9lMdit9| .auch in den I1ands<^rirt«ii, statt der Abbreviatur voa /«m*. 
poribusf der es ziemlich glich, gelesen worden seyn. Man ver>» 
gleiche nur Bariogii Ciavis Diplomatica, und daselbst, Cofli|ttadu^«eri* 
bendi medii aevi, ordine alphabetico diaposita, Tab. 14. 

Mehr Raam dürfen und wollen wir ntoht in Ansprach neh- 
men, sondern wir sprechen, gewiss im Sinn vieler Kreunile dea 
Cicero^ und namentlich vieler Lehrer, nur noch dem Herausaeber 
lar die Beaargung dieaar awai • Anai^B- daa mUmßtut Dank a«a 

PobJIfcani wird Hin a«d. daa Ytrl^gw gew'm daroli AaartanV 
wng aad Heiaaige ' BaafilMSf daa Dargebatanaa ahdaa nod ar-^ 



.. .. . / , . . . 

S9 fSil^ tietr^nit Oratio pro Q. Ligario,' ^ Jd ßdvm Coihmm GwO- 
■ ftrbfftanorum, «Vottaeea^an, rMo^aenttam nupor coUotorum, «ijevto 
Ukrorum mamu wriptorum alitmdo notorißm varUtaU, recejunut , atfpto 
MtrprotaiionibuB H utiorum et »uU esptanavit Augtu>U Fstrithiand, <Vol- - 
dan. Pk. lÄr., Praeeeptor Gy mnnait finnoviensia ortfinarius, Hibliothe' 
eae Praefectus. — f)anoviae,8itmpUbtt^ Fn^, MoenigiL MüCi'CXXXIX, 
XXn, wd 199 S, in B. ' 

Drei Jahre sind es, seit Ur. Pr. S. eine ähnliche Angabe von 
der Rede pro rege Deiotaro veranstaltete. Wir haben sie in dem« 
selben Jahrgange dieaer Jabrbb. (Jan. p. 675 — 6S9.) angezeigt, 
naA naali Vardiaatt ainpMicii: " Der vinrllegenden Aasgabe (wel- 
«Her aehoB in iabr f 68f . QtuUsiUmeB CtUieae in Or. pro Lig. 
ta 'afaaai ProgHnama varaagagaajKan alad) kttiinaB wir» waa wir im 
Jeaef Inbten, gl^icAifklla, oad in erbdlitem Grade, «om Lobe aacli* 
aagei^, da der Heranagelier tiefer In seinen Schriftsteller and dea* 
ilen 8prach|rcbraoch eingcdrnngen ist, mehr Htüfsmittel hatte^ nn^ 
für SaoherklAran^ mehr gjeleiwtet hat. Auch die Süssere Anord- 
nung ist empfehlender. Der Vortrag in den Anmerkungen könnte 
vielleicht ohne Nachtheil der Klarheit and Gründlichkeit gedräng- 
ter aeyn, was sich auch von der frühem Ausgabe (der Rede pro 
Deiot.) sagen lässt tlebrigens ist der 8tyl derselben grössfenthcila 
reio, nnd empfiehlt sich durch Deutlichkeit , ohne in den Fehler zu 
failMM» wwDiiatt ^dar Verf. der „Aphortaaiea über die lateinische 
BdMbirt* dar IVeMni«* rügt Ma« Zeit laag aehinnioitte d«r Hei^ 
at igab w »wlwiiaii dar Haran^^ diaaer Red« nnd dar prti üf»- 



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Röantche Llteralar. 



rena. Der Vornilb M HÖlfBmiUelQ entschied für jene. Br halte 
die Verfleioluinff voa It BMdMiriftM aw W^lf^BaMttel, Nttii* 
«ÜM HMl WiMi, 4mm Werth «r ta dmi AMnfliiii^ Bon$flUt!f 
«üleMlMiM,' MMl «vaa daren Oeimaeha ar In dar Varrade Baehaa- 
aaiMi^ able^s't, wo er aaab die GrandaiCa^e eotwiekali, wMeliaii 'ar 
te der ErkÜining fülg^te, anil die wir nur billigen können. 

Dia Anoninfin;^ der Ausgabe ist diese: Unmittelbnr rinter dem 
Texte pibt er die Abweichungen des OrelliWhen Textes der Ge- 
sammtsiisgtibe des Cicero von dem seinigen, unter diesen die voll- 
ständige VarianteosAinnilan^, bis 42. Dann folgt auf 6 8eiten 
der SchoUasia Gronwianus ; von 6. 49. an bis ans Ende der krl* 
(iiche, spracbliaba Md HaalHC^iBBiaatarr ai« iadbsv rettun et verjto- 
nm iMaaMiaast daa Baeb.« 

- 1« Aliffemeinen dCrf^ra wir baliaii|datt. daw KrNik and Br- 
I^Amng dieser Rede, die fibrigfens r.u den nichts weniger als ver<^ 
aachlässigten gehört, dnrcli diese AoMgabe, selbst nach den Remii- 
bongfea von A. Matthiä, Benecke, Stcinmcl/. und Orelli in der 6e- 
sammtausgabe und den Oratt. Stil.) wirklich gewonnen habe, dass, 
wer such künftig eine Ocsammf.-iusgnbe des Cicero veranstalten 
mag, auf diese Ausgabe wird Rücksicht nehmen müssen« und dass 
mehrere dhalicha Bearbeitnaicaa CiaaraaliN^har Badao- vaa dam Her- 
anvgeber (aaf die wir übrijcene, dem Veraehmen naeh, var dar * 
Bands niaht warten dörfen), erwQnteht aeyn dürtttn^ nai^elilat nmn 
auch bei diaier Anagaba eini^a AjDaatellun^en »u machen.. niaht 
nmbin können mttohle. 

Fine den gan/rn Coitimenfnr brfjflcKrndc Ilecensinn wäre hier 
nicht am Plsl/.e, aber mit der blossen Erklärung, dass wir grossrn- 
theils oder grösstentheils mit .dem Heraus:» eher einver«(auden Sey- 
en, wollen wir ^ein Ruch auch nicht bei Seite legen. Zur Be- 
sprechung einiger Stellen, zur Berichtigung einiger Verseheu, ist 
Qna der Baum ni^l va^gt 

I , f. Nwum crimen — ei 09^ hunc diem inauditum» - B^ 
K'ibrBr S. mit Beneofce allaia non au^uMt wf di» Antarititdar 
bestaa Bandaahrlllen bin, aber mit BeseitignaK dar Grända 4an , 
l^etntern. Wir stimmen ihm bei, ond bemerken nur noch, daas^ina 
das ante hunc dient einiges Gewicht auf die Wagschnale zu legen 
ßcheinf, womit Cicero auch sonst inaudilus nicht verbindet, ja wa- 
bei er es vermeidet, wie sich aiss Or. in \ atin Ii. zeigt, wo 
es hcisst; (luod non modo factum ante (wofür auch stehen 
könnte : ßnt c h unc diemj nun quam est, sed m omni mctnoria- 
0mnitkp est inauäitum. — I., 9. Hobes ißHur — cot^etUem 
reutt»^ eed tonten hifC confitentem^ se in. eo parte fiii^e^ qun'^tep 
Sa gibt dar Barauag. aach guten Baml schritten , nnd aa- Maat siab 
biUigen, wenn man Aoc für nil nisi hoc nimmt. Da nnn aber nie^^ 
v'rni^e kor ita, einige haec Ha haben, auch jen^ v6rschicdena 
gute Codd. über der Linie geben; so möchte die Andeutung <ler 
Beschränkung des Geständnisses dech durch hoc zu schwach er- 
achainan, und dennoch picht wi>,hi,fa. eatbfh|reo, i»§^a« \\iU iwui. 

■ 



uiyij^L-ü Ly Google 



I 



nuD iia, welches recht ^ut piisste, vcrnchmÄben, so köonto man et- 
WH vermutheii hoc (^abbr. h''.) sey aus stc (abbr. c.) eiitstauden : 
SIC aber könnte die Limifation so gut^ wie ifa, ausdräcken. — 1.^ 
3. cum Ligaiius domani spectans, ad suos redire cupiens, nidlo se 
impUcai i negoiiß pqssuf est, Hr. . Pf. S. wirft w ad, freilich 
wmi gute Aatorttiteu bin, hmos: .bteMc MIM «bi diejenige 
iRrelohf des gwuBeo swtilmi Ms fad mo» redirs cupiens) fir «iiM^* 
CfloMT «rkUren. Aber, das« m so bewer «ai Ciccfo's fipnebguh. 
1iri«0h angeflicswaer itey, schalat «r «Ml b«wkM s» b«b«ii; 
4enn m wohl uns «el^e Note zu pro Mot |i. 99^M« i^efilU^ 
»ul die er slHi beruft, so piisst doch unsere JSlelle, wo i)ie i&ween^ 
Säty^e mit den Participien asyodetisoh stehen sollen, nicht y.u den 
dort angeführten Beispielen. Eher wollten wir das et enthebreo^ 
'wenn der ii^atz. ohne cum, selbstständigf w&q^, und eine Periode 
beginne. — II., O clemeniiam admirabtlem - cum M. Ctcero 
apud te defenditf alium in ea ^^oUtntat^ non Juisse, — nec tuas — • 
cogitationes extimescit, nec — reformidat* — Da» cum haben frei-- 
Ikb die besten HaMdeobrllleii,' nod eo hobfa wir eioen ofdeptlMea- ^ 
Vordenata oad elaea di^oaetivfa Naelaate. INg^egea iel* ana' 
iMlIeb aMt Fiel aa eagaa. Aber aaUaaa ist es doali, a« bebaai^ 
loa, eo eey es aaoli besser und so bd aar, .all weaa.« aisn, ibU. 
Bandscbriflen zweiten und drlttea Beagee, daa «am veghiMse, da«,^ 
naab aaserm fiefühlf auf den voranagegaogeaen Ausruf, die Voisl— 
eetaaag der Rede matt macht und läbnit — III, 9. Quaeto: qui4 * 
putat esse crimen fuisse in Afrua? Dass das putat der besten 
HundHchriften das Rechte sey^ und nioht das put et der meisten, 
darüber sind wir mit Hrn. Dr. 8. einverstanden, auch mit den vier 
crtiten Beispielen. Aber am fünften müssen wir dreierlei tadeln. 
Ks hcisst pro Mil. c. 19, 47: videte, judices, quantat res sunt his 
teslimuniis confectae, UrstJieb steht die StfUe nicht im 19, son- 
dern im 18. Caitttel, awalteae, ist das «nn/ aa dieser IBteBe aiebr 
eis Kweifeibaft, «eben ia Uinaiebt der Leasrt, m)it ^eaa der treff<-< 
liebe Cod. Brf., aaeb Preaad's PaesimUe, «iatf bat; oad drittafH! 
ist, wean'eebon auch Örelli sunt aurgenoaaaea bat, iiaeb p/i/ri/^ gsr. 
keiae d'urecte* Rede im folgenden Relativsaf^te mdglich, wie nach 
quaero eine directe Frage gar wohl möglich ist. Matthiä hat mit 
Recht den Conjunctiv ge^rbcn : die besten Handsrbriften aber kön- 
nen HUB einem Sprachfehler keine Tugend machen. — IV., 10. 
Quorum ißitur impuuitas, Caesar, fiute ciementiae Lius est, eoruia 
ipsontiii ad crudelttatem te acuit oratio? Es ist abermals wahr,, 
die besten Autoritäten sprechen für acuit, und wenn sonst nichts 
CDUcheidet, so muss es dabei bleiben. Allein unser Herausgeber^ 
iclU.die f^eesrt acuit aacb dqreb 0raade- elfllaen, da doeb weaig- 
steas elaigo aiabt gaaa an Terseblaad« Süaimea aar der Seite vaa 
acuei etebeo. Wir fcdoaea bler aiebt dea Kanal, aawctbea^ 4aa. 
.eiae Abwigaag der^ Gründe und Gegeagriiada H^rdara .wQrda^* 
Aber dem Herausgeiber wollen wir bemerken, das aas soheiat^ sei* « 
ae Offiada treffea aaaece Stelle akdit^ aad eeiaa Bei^yif la gawea 



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RümMm Liuratur. 



iiichc. Das Präsens kOnnte steheo, wenn Cfisar nchon seinen En(- 
Hchloss erkJart gehabt hätte, oder sich schon hatte merken lassen, 
er werde noa, 8»f cIm Tobero Klage hin, den Ligarias ▼erorthei- | 
Im, tto WM» Tw k 9r % eken gesproelmi, nod Ctmt sM tedoreb i 
rntt Irgwii «Im Well» «nllieregt g«s«lttt Mtfe. Vm dem Alle» ' 
l^ileMe der MI. Cfeete eegt ilelBebri ^Miio wf rd oii doek 
nielit keeiiMaf^ efter niebtt ^ee weif «Ii« ief ee ech^af*^ 
Vf^ ■'It* Sxiemi isti m^res vsqme ad sanguinem ineiiari s 
ieh aut Uvium Gta§t9^m out immarfium barbarorum. Mm 

tage, waii Inn wolle, mores incitari solenl ist nicht Cireroniseb, 
ja, beim Lidite besehen, überhaupt niebt richtig gedacht. Die 
Stelle de (MT. 1,19,64. omnemmorem Loiedatmonioi um inflam- 
matum esse c upidit a / e vincfndi kann die in unserer Rede 
nicht sfOtKen, d* gegen sie gerade dieselben Gründe sprechen, und 
es eben so sebr der Sprachlogik und der Cicerontsciien Gednnken- ' 
kferheit widerspriebt , itm eiaev jnes euptditaie infiammatus mm 
sprechen , die «ker -mores wm reden, ^ ineifän solem oAo, Wir 
wiMM geM fdf, wie'Otmberd, ültMetf>'e tmw^Xmmnuig^ die Scelie 
bi 4eitf Ofleb» «ifclirt; «eRBb iM Hr. Pr. KielB in JUbed m. e. w. 
ielitktlefccni IMd. 9. p. '^de^q. gegen mreiTkorgs wHIkmiebe 
mid onkallkerr C^onjectur sagt* allein so gHiriss wir den fiebbrf^ 
einn and eefer die Richtigkeit der ErklXrnng (onter Voraassetx- 
ong der Richtigkeit der i/esart) anerkennen, so sehr widerstrebt 
die Annahme der Richtigkeit der letztern unserm ^prachg-efuhf, 
Von der Stelle de Off. sehen wir jetKt ab: in der vorliegenden 
Rede hallen wir uns an Orelli's Lesart: Exierni isti mores, usque 
ad sanguinem incitari odiO; aut Icvium Gr. ctC. — IV., 11 i>cf/n 
(fuid agis aliud? Romae ne sit? Wir möchten auch hier bie 
Lesart mehrerer Bnndselirlflen, wenn auch nicht der besten, vor- 
niettern^ Aeimie ne sü? Wdnn Cieere äiiut tn eebtelken pfleg- 
tet ^ Mdht iel denn nneb ddr Bndqribe das Wdctcben u/ ana, 
beeenders wenn die WMerlbillMig der 9fW€ abr dnmb die Sebrei* 
bbnf ALiIvV'angedeafet mir. Une fiassead aber ut-ne bler wib«, 
aelft die AbbMidfttag ven J. IV. Wagner Nordhaasetf) in See- 

bede% nenem Arebiv in. Jahrg. 4. Hfl. p. 74—80. — IV , n. 

ilWf tu ergo hunc patria prware, qua caret, st d \>ita vis. Einer 
der bessern Cod. Vindobb. lasst sed weg, was den Gegensatz 
dorcb das scharf betonte t^ifa i'is noch schroffer machen würde. 
Wire die Aufrvritlit besser, wir würden es wegzuw^erfcn geneigt 
seyn. — V., 14 rave te fratrum^miserta t u r. Da rmscreaiur UOd 
miseret auf gleich guter iiaiidschrifllichcr AutoritAt beruht, so hät- 
ten wir iür miMeredfur^ aöeb besfiniaiter angeführt, dasfi Prisci- 
M a. O. ansdriiftlieb sibni ' BeWetae der iiassiven Fehn unsere 
MIe 4f|ftre » nnd daae dte Kndung' ^ ufirr In den iNcatca Ab- 
bMtiatiirM eiflb ve» der lhided|t — or 'eft aar dareb bin kaubi 
alebiksrea Hffkohea antmebeldef'dba Mebf 'terwbicbf werden liMn- 
te. ^ V«« t6. Si in hac tanta 'fua ffrlutiä lenitat tanta lion euet, 
qu^m tk'}tw re — a^ineu Tdb der |Udbtigbett der ^uam für 



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RimUelM Liienilur.' 336 

quütäam (das Ailcb Greil i hat) kfionen wir oos noch oiclit über* 
xeugeo. Bnitlioh bl bei einem fast inuier abbrevirteii Worte eltt 
Irrtbam gar ui iticbl mög^lich: qmI fuan/am »Mit abbrcvirl ISial 
Ufte fMün «Ml BweMen» braaiMl 4cr ApMkgsbimoIr Ii«* 
vhWt MM 4t» der Henrnfeber «mm BeweiMteHM ahivt, Ia «I« 
Ml Falte der Art liichls| diittaaife bBwiüt tiidia 'M Cl« 
€cro ai^efilbrte 8telle noob vreqiirer, wall^ iia g»v niofat ImiIi 
demi weo» #i* In Vcrr. III, 4S, lOf. belMt: xej:;/«f tantunh.^Mam 
quanium satum sii , ablaium esse ab atatoribus — wie hoII da 
Cicero haben schreiben oder auch Jemand nur denken können: 
sexies tantum j <jitantum (juantum satum sit — ? Ist aber 
dies nicht der Fall, so beweisst dieses quam auob nicht, das« 
Cicero quam an unserer Stelle für quaniam, welches so gut 
ftasttt, geschrieben habe; endlich viertens hat der Cod. Bern, bei 
Orelli wirklich quaniam, was Ur. Dr. S. gar nicht angibt,, son^^ 
dam nur quam^ und daa, natflriich fala^e, quantum, welcbea doek 
amb auf quäkimn Unwalaat. VL, 18. quUt €git iuus inviö* 
tu9 eBBBteUus. — Aveh bler mfllaaM wir die OreUiMe Leaari 
iuu9 ille fHifidus ex&reUus TorKiebea - . Daa iUe iat aieht aar *aebr 
be/.ciehaend, sondern ea liebt aaah die Kaka|^aBie ao sehdn aafr 
Und wie leicht konnte es einem nnacbtaaaicn Abschreiber entge* 
lien. (ffl CK oft, abgekürzt, fast unsichtbar war! Hat. es doch ne- 
bcu den vou Ilm. Dr. S. angeführten iVIauuscripten, auch der 
nicht zu verachtende Berncr Codex bei Orelli, den er nicht an- 
fülirt. — Diess mag genug zum Beweise unserer Aufmerksam'*} 
keit auf diese neue verdienstliche Leistung seyn, wobei wir Oos 
der blossen Zustimmung zu so vielem Em p fehl ungs werf hen ab«» 
sicMiich enthalten haben. Bemerken wollen wir nur noch, dasa^ 
vaa eiaige falsche Citate vorgekommen sind, z. B. ausaer einem 
abea aagefOhrtea, aaefc 8. 60 Qaiatll. HI., d, 108. atatt XI., 3, 
108; 8. 66. Cic. Div. I., 16, atatt I., 6.; aacb Maat eiaige Ua« 
ricbtigkeiten , au B. A. 61. T, Aiiut iforus f: Varus; S..64. atebt 
im f.emmn reum con fiten fem atalt eonfitentem reunt\ 8. 64. ateht| 
Orelli habe II ..4 e/iam nf.tssitatemy und er wird geladelf, dasa 
er nicht die umgekehrte VVoristeiliing habe, da er sie dooh ia 
der Ges»mm(au8gabe und in den t)rat Seil, hat, 8 87. wird er- 
zählt, der Cod. Regius habe bei Cic. de Div. I. 31. rt-fn-nie u, 
8. w.. da es doch der Cod. flM/gerianus hat S. 77. Klehf, es 
baben einige Codd. extemi isti sunt qui mores, es soll aber heisr " 
aen, qui stehe nai h mores, wie 8. 11. angegeben ist. Zuweilea 
corrigirt der Herausgeber die Sprache in den A'oten seiner V^or* 
gänger darob eingesrIieiHMie Fragezeichen, k. B. iader Kruesti« 
aeltea' ta 4 i6. 99 Wartfm liaat er aber deeaea nuspiam dart 
uagcrfigtY — Ab aeiaer eigeaea LatiaiUt babea wir aar aa eial* 
gea wenigen Stellea Aaataaa geaommea, x B. 8. Vif. Priae- 
qaam ad emeadandum ullum leeam aggrederer; 8. 61. will er sa- 
gen: Warum sollte. Cieero von Pausa ironiaob aprcchea« der ihm 
dotfli Begaadigaag aaawi^kce? dieaa wird aaegedriekt: Quiä 



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13« 



RömUclie LUersittr. 



tfuod oraior eum kmUm -prOBequa^tur» quo depreeait^B M$ms esi, 
Wanmi* dlm flüioh k(, M«rf Ar den Hmwfeber keiner Rr» 
•rtMUMf« Wir MiiUtMCB, «ngwldii daicii die Atts«tell«egea ^ iie 
wir'sa miohea vereafanaK weree,. mit der gerechte« Arnnkemn^ug 
der VecdieoiitUclii[eit dieier Aufgebe, womit wir oanere Anzeigt 
begoaeeo hebe». Die &ottefe Aasstettiiag iel ukr gtfäUhgi der 
Dniek &Mm mtd im Qmmü eebr eorreet 

iTlv. O. B. Moser. 



* Die llednctidn der Jabrbb. erinnert hier noch an fol|(eade 
neue Bearbeitung der schon früher angezeigten Ausgabe von 

H. Tullii Cietronis De Orutore libri III. Zum Gebrauch f§r 
Schulen nett durchgesehen und mit den nothiteudigat&n . ii'ort- und 
,^ Sacherklärungen auBgentattet von Dr. Ludwig Julius Biller b eck. 
\ Zweite ierbe$»erU At^fi^giB. flanuwtr. 1890. Haku*»ck9 iit/kucAkamd' 

Diese neue, von einem prektioelieil Selialaiann revidirte Aoi- 
gobe, enthält namhafte Verbesserungen, - um sie dem Gebraacb f&r 
die ^Schule passender und geeigneter zu inftchen^ sowohl hinsicht- 
lich der Anmerkung:cn, in denen MancheR gestrichen und Manches 
gebessert ist, als hinsichtlich des Textes, in welchem manche un- 
ndthigo Conjecturen verlattsen und die neuesten Ausgaben von 
Orelli, t). M. Müller, Kuoiss sorgfältig zu Ratbe gezogeo y^ordeo 
aiod. 



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S". 47. ItBIDBLBBRCIBR 1839. 
JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



Gaiiffe: Lettves mv /* histoive du moyen uge und Häusler:, 
üeöer die deulschm OeschiehUchreiöer. 

ly l%fter die deutschen Geschichtschreiber. Vom Anfangs des FrankmreiehB* 
bis auf die Hohen8ta^fell, Vm Dr. imMg Hduutr, H^idHbarg* J, 

C. B. Mohr, 1839. 
2} Lettres, sur V histoire du moyen o'^c adrcssvcs ä Mr. Ic pi ofesseur SchloS' 
8er Conseiller intime de S, A. S Ic Grand Duc de Bade par Mr. Ga- 
I liffe-Pictet. 1. Serie lettre I. 2. SMe XI^-XX. Geneve 1839. /<- ( 
tkographirtt 

Der Verfasser dieser Anzeige verbindet die beiden klei- 
nen Schriften , weil er zufällig zu beiden die Veranlassung 
g^egeben hat, so wenig er sich auch eines Anlheils daran 
rähmen kann ; besonders aber auch durum , weil llr. Uäusser 
auf seinen Rath die erste 8erie der Briefe dm Uro. Oaliffe * 

i seiiier Aribett wm Grunde gele^, and was er von ihm enU 

I lehiit, dffeatlicb anerkannt bat. 

Herr Galiffi^ haf sieh nümUeh Jahre lang mit dem Stu- 
dfaäi von Urkunden und mit gründlichen Forschungen archi- 
valischcr Documente beschäftigt, er hat in Genf, im südli- 
chen Frankreich, in Italien Sammlungen durchlorscht, wel- 
che zum Theil (z. B. die der Cava) noch »;;inz unberührt 
waren, und zwar, was in unseren Zeiten selten ist, blos aus 
reiner Liebe zur WissenschaiU Bie Frucht seiner Studien^ 
deren all^i^eine Resultate er erst später b4skannt machen 
weHte) warep Schridten nher specielie Punkte der Genfes 
.Geschichte, die er auf eigene Kosten drucken Ueas. Diese 
Oetavhinde kamen wenig ins Publicum, theils, weil der Terf« 
einer Familie der alten Genfer Aristokratie angehörig , mit 
der herrschenden Oberflächlichkeit flacher Liberalität und lee- 
rer Phrasenmapherei etwas hart verfuhr, theils weil die Bü- 
cher nicht in den Buchhandel kamen, theils, weil genealo- 
gische und archivalisclie Forschungen in Frankreich und in 

, der französischen Schweiz nicht viel Aufmerksamkeit zu er- 
regen fiegen. Herr GalÜfe, ein Mann von miahhäogigem 

: Termögen, setzte indessen seine Forschungen mit bewunde«» 

nUL Jahrff. S. Haft. 4f 



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1|8 Galifiet Leitrct aar l*hittoir« maym &ge, und* 

rmtgswördlgem Fleisfie) mit ^Vu^sdauer und Soharfsinn ftHrt 
und Referent war nicht weni^ erstaunt und heschümt, als 
der Zufall ihn 188a nach Heidelberg führte, und er ihm Pxe- 

ben einer Arbeit über das Mittelalter mtt heilte, wodurch Ref. 
uberführt ward, dass er unzähh^e IriÜiunKr und grobe Feh- 
ler der soocna?infen (}neik*n iiiclU bciiRrLl habe. Ref. fand 
hie und da freilich des Hrn. Gahffe Kritik zu scharf und zu 
schneidend, iip Ganzen erkannte er aber, dass er auf eignen 
Forschuno^en gestützt, noch ^anz andere Kritik aii|i^wendet 
habe, als Kef. selbst. Des Refu. Verwonderung' veranlasste 
Herrn GaliiTe, ihm CJrtheile öber einzelne Punkte und, fte- 
snltate seiner Forschungen über, einzelne Schriftsteller, Man- 
ner, Ereignisse, Perioden des früheren Mitlelalters^eln- 
zehi mitzuthcilen, weil das Werk, dein diese Bruchstücke 
angehören, noch nicht sobald erscheijjen wird. 

Die Belehrungen , weiche lieC. aus Galitfc's IJriefen 
schöpfte, wünschte er dem deutschen l^lhl^ktnn inittheilen zu 
können : er übergab daher die ersten eüf Briefe dem Verf. 
von Nr. 1., om sie aso übersetzen uad zugleich im Ori^g^inil 
drocken zu lassen., Ehe Hir. UüiisserdieUeberaetzanir begon- 
nen hatte, erfuhr Ref., dass Hr. Galiife diese Briefe sielbrt 
herausgeben wolle; er Heth daher dem Dr. Hiasser, auf die 
eilf ersten Briefe eine eigene Arbeit zu gründen. Da Hr. 
Häusser in seinem Aufsatze das \>'esenlliche aus den ersten 
eüf Briefen nn'tgetheilt lial. er dabei sorgf;iItig immer seine 
ei«»iK' Arbeit von der des Hrn. (jah'tfe unterschieden, und 
was er ihm verdankt, überall nachgewiesen hat, so will Kef., 
um sich kürzer zu fassen unddasPnblikummitdem Inhalt beider \ 
Schriften bekannt zu machen, statt der ersten eilf Briefe die \ 
Schrift Nr 1. 'anzelfi:en, und dann erst ans Nr. 3. Brief XI. bis 1 
XX. voHstündig, eharafcterisiren. Der InhaU dieser Briefe laf I 
nicht in Hes Dr. Haussers Wege, weil sie es nicht ii*ehr mit 
den Schriftstellern, sondern mit der ^Saehe selbst zu thun haben. 

Was die Schrift Nr. 1. angibt, so hoH'l Ref., dass sie j 
dem Verf. bei anderen Lesern eben so sehr zur Empfehlung | 
gereichen wird, als hei jhm. Er hat sowohl Form als In- | 
halt von der Art gefunden, dass dadarrb die besten Erwar- i 
tungen von dem Verf.. in ihm erngt werden. Hr. Dr. Hins« 
serhat die Aufgabe olner Kritik der Srluiftstdkr 4er 
rolingi'schen Zeit ia einem W6itern.Sittfieiiin%efasst und ancb 
aosgeführt^ als Galiffe, dem er übrigens folgt^, den treibt r 



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Hiiaifter: Uob«r die denUehea 66«chichtoehre!b<rr. ' 

ergänzt und nach dessen Weise er auch noch andere SchrifU 
fiteller des Mittelalters hehandelt hat* Jeder verstitidig:e Le* 
MT wird dareh VergleichoA^ gleich sehen, dass St. 1. eine 
^ans selbststfindige Arbeit ^ deren Terf« auf eigenen Vüs^ 
Mit steht, und anf cffne eigenthfimlidie Weise nachgewiesen 
hat, dass man die sainintlichen Geschichtschreiber des Mit- 
telalters (wenn anders irgend einer diesen Namen verdient) 
einer ganz andern Kritik unterwerfen muss, als bisher ge- 
schehen ist. Um die Form, welche der Verf. seiner aus Be- 
scheidenheit sehr kurz gefassten Schrift gegeben hat und zu- 
gleich den Inhalt der hei aller Leichtigkeit und Klarheit recht 
grSndllclien nnd genauen Arbelt einleuchtend zu machen, will 
Ref, aosdrilcklich eine längere Probe geben. Auf diese Weise 
werden die Leser der Jahrbdcfaer selbst urtheilen können* 
Ref. wählt zunächst die Einleitung, die er deshalb zum Theil 
abdrucken liisst, nnd wird hernach dem Verf. einige Capitel 
hindurch Schritt vor Schritt fol^j^en. Er lässt ausdrücklich 
den Verf. selbst reden, da er der Partheilichkeit vevdaclitig 
seyn und das Ansehn haben könnte, als wenn er einen sei- 
ner guten Schfiier über die Gebühr erheben wolle. Der Verf. 
spricht zuerst von den 8cl|riftstellern der letzten Zeiten des 
rftmisirhen Reiehs und deutet an, wie In Ihnen doch die Spur 
der Bildung und Kritik des Alterlhums übrig blieb $ dann 
ffiirterfort: - 

Ganz anders ist es beim Beginn des Mittelalters, einer 
Zeit, die durch gewaltige Volkerrevohitionen herbeigeführt, 
aus antiken und modernen Elementen seltsam gemischt, den- 
noch dazu bestimmt schien, aus einem wüsfen Chaos morali- 
scher Verdorbenheit und Religion von Barbarei und Ueber- 

• bildung, von Anarchie und Despotismus, eine religiöse nnd 
psUtlsche Ordnung mit monarchischen, Vormen zu begründen* 
Wilde Horden, meist germamsehen Ursprungs, fiberachwemm- 
tea Europa etei etc. —- Nur wenigen Zweigen der LItteratur 
war es beschteden, In d!eser verheerenden FInth oben sn 
zu bleiben — unter ihnen die G c s c h i c h t s c h r e i b u ng, 

• freilich kaum noch erkennbar: so sehr tragt sie die entstel- 
lenden Spuren ihrer Zeit an sich. Dann roI«i:t eine Reihe 

, sehr richtiger, das Allgemeine betreffenden Bemerkungen^ 

I die wir auslassen) dann weiter: 

, Von religiösen und Standesvomrlbeilen befangen, von 

, einen- ftilsehen Pragmatismus, der aus der Geschiebte alles 



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<I40 isaliff« : lieitres tur ThUtoire du raojren %e, unil 

Mögliche machen kann, geieitet, in der Form ganz verwahr- 
loset, würden die Schriftsteller im ersten Theile des Mittel- 
alters eiDen äusserst trostlosen Aublick gewahren , wenn der 
Forseher hier vergleichungsweise zu Werke gehen und nicht 
vielmehr in Ihnen, wie in einem Spiegel, das Bild ihrer Zeit 
sehen wollte. Dies erliiatert hernach ider Verf. sehr g^t durd 
die genauere Andentang der Methode, die unvoUkonuneiistoi 
Schriftsteller culturhistoriseh als Spic<cel ihrer Zeit sso bei- 
nutzen 5 er bemerkt erst, dass wir den grössten Theil mit 
dem Namen C Ii r o ii ik ä c ü r e i b e r zu bezeichnen pflegen, 
dann fährt er fort: 

Eine solche Chronik könnte nun dem Forscher allerdings 
von Nutzen seyn, indem er hier die nackten fireignisae von 
allem Urtheil und Vornrlheil des Verfassers entkleidet, mit 
kurzen Worten angeführt findet,^ wenn die Verfasser dmel» 
ben aus eigner Anschauung schöpfend, Jahrbücher der Ge- 
schichte geliefert hfitten, wie die römischen Annales Pontifi- 
' cum seyn mochten. Allein nur ein gerin^jer Theil der in ei- ! 
ner solchen Chronik cizaliUen Ereignisse fällt in die Lebzeit : 
des Verfassers, den grössten 'Flu il hat er aus frühem, nicht 
selten sehr trüben. QoeUej» geschöpft. Auch scheint man 
schon damals schlau genug gewqsai sui seyn, um einanse- 
hmy dass solche dürftige ülacbwerke nur unter deoa Namee 
von bedeutenden Männern Eingang finden könnten, ond uun 
trug daher kein bedenken, mitunter diesem und jenen Bi- 
schof Chroniken ssuzuscbreiben, dii^ derselbe unmöglich ge- 
schrieben haben konnte. Wir wünkn auf diese Art von 
Verfälschung weiter unten genauer zurückkommen. Die An- 
gaben sind nämlich so kurz und ungenau, die erzählten Be- i 
gebenheiten in so allgemeinen und zweideutigen Ausdrücken \ 
gefasst, dass man bald gai* Nichts, bald nur sehr Weniges 
und. Unbestiinmtes daraus entnehmen kann« Man .hat Stk 
daher nur zu oft verleiten l9ssen,. aaf solche vaieiuMte An- 
gaben Facta und Hypothesen gründen zq irolkm, währewl 
es sich doch augenscheinlich nachweisen llisst, dass die Ver- 
fasser, aller Sachkenntnis.s entbehrend, ins Blaue hineinge- 
schrieben haben. Dann kommt llr. liausser auf Verhältnisse 
der Zeit und des Standes der Verfasser. Diess Stück über- 
gehen wir, i\in den Anfang dessen herzusetzen, was er über 
die zweite Classe der (ieschichtschreibcr jener 'A^^ er- 
innert . . * . 



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Htulier: lieber die deuUohen Geadiicbtscbretlier. 741 

Eine viel schwächere Zahl sagt er, hat sich, bisweilen 
durch die Muster der Alten angere^, zuerst bemühtf mehr 
als chroDologi«clie Zeitregisler, d. h. zosammenhängend hi- 
storisdie Daratellungen za liefern. Aueh diese waren gröas- 
tenthdls Oei^Uche, nnd das lifrehliefae Element, herrseht in 
fUren Schriften vor; sie verweilen daher mit sichtlichem 
Wohlgefallen bei den Kloster- und Bischoffsgeschichten, und 
ihr Werk wird dadurch mehr zur Kirchen- als zur Profan- 
geschichte. Dies gilt besonders von Gregors von Tours hi- 
storia Francomm und von Bedas historia Anglorum. Unter 
der letzten Classe bemühen sich die einen eine Universalge- 
sehichle von Adam bis auf ihre Zeit zu sehreiben, die an- 
dern dne Speeialgeschiehte ihres Yoll&s, wie P^ul Warne« 
Med. Bei jenen herrscht dann die firzdhlnng der biblischen 
Gesi^hichte vor und nimmt den grdssten Raam weg; bei die- 
sen findet man ein buntes Gemisch alter Nationalsagen. An- 
dere schrieben dagegen Biographien, unter denen die eines 
Eginhard und Wippo Epoche machen. Alles dieses zusam- 
mengenommen, wird man nicht längnen können, dass es an 
einem Fortschritt nicht mangelte, denn welch ein Unterschied 
ist zwischen, dem Wust eines Prosper and Idatius and den 
Schriften eines Lambertas Schaffhabargensis and Otto von 
Freysingen, die in Form wie in Inhalt auf gleiche Weiseden 
Regeln der historischen Ennst nachzukommen suchen. 

Auf diese durch die angeführten Stellen hinreichend be- 
zeichnete kräftige und klare Weise fahrt der Verf. hernach 
bfs ans Ende der Einleitung fort, durch die allgemeine und 
richtige Darstellung der ganzen Beschaffenheit der Zeiten 
des früheren Mittelalters zu den folgenden Forscliungen und , 
kritischen Bemerkungen über eimfielne Schriftsteller and de- 
ren Angaben den Weg zu bahnen. 

Das erste Capitel hanc^^lt von der Zeit deriMerowiiiger, 
von den "Geschichtschreibem des . ^sechsten und siebenten 
Jahrhunderts, mit besonderer Beziehung auf Gregor von 
Tours. Dieses Capitel behandelt den Gegenstand zuerst ganz 
unabhängig von dem, was Hr. Galiffe, auf gründliche und 
urkundliche Forschungen gestützt, in seinen Briefen bemerkt 
hat, diesem mit 8achkenntniss imd Talent abgefassten Stück 
hat Hr. Dr. Häusser auf des lief. Bath hernach das beige ^ 
fögt und er^jänv.t, was Hr. GalilFe in seinen Briefen ange« 
fahrt hatte. Man wird hier leicht unterscheiden können, was 



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lUnvter; Ualict die iNöltcbtn GetchicliCiirJireiber. 74S 

gefiHiämliolieii' Oele^en, die Wnikdrlicbkerten, Verdrehiin;o:eii, 

Ärweislicheii Lü^en, welche aus Gregore Inioleraiiz und Fa- 
oatisinus entspringen, hervor. Dann fährt er S. 13. fort: 

Eine andere schwache Seite Groi^-or's ist seine H.thsuciit. 
Hr. Galiffe 5 in dem in der Vorrede an^eluhrtcn Briefe, hat 
bemerkt, wie Gregor als Nachfolger des beil. Martioiis ia 
etpem ganzen Werke stets darauf ausgeht, su beweisen^ 
dass'jeiier Heilige dle.igeringsle Aota^teng. seiner geistli» 
ohett Güter mit der grösstien .Strafe belegt babe, um ja das 
Vermögen der Kirohtf zu erbalten.- Dann wird ausgeführt^ 
wie Gregor jeden in GoId^^tofT %ii kleiden weiss, der glaubt, 
nachgibt, schenkt, dagegen alle andere oime Unterschied 
im leinenen Kittel auftreten iässt. J)r. Häusser fün:t hinzu: 
Auch machte Hr. GalitFe aufmerksam darauf, dass Grcffor 
aus einer der ältesten römischen Familien entsprossen^ die 
barbarischen Eindriiio^linge nur hassen konnte, und dass ihm 
di|ber in seineu Berichten über die Frauken nicht allenthal- 
ben mag zu trauen -seyn, indem er hier, wie bei den Ana« 
nern, Grund genug hatte, die Farben etwas stark aufzutra- 
gen. Einzelne Unrich(i;»*keiten nachzuweisen, ist nnrso un« 
nöthiger, als dies bereits von Videsius, i^agi und Ruiuart ge- 
schehen ist. 

Herr Häusser ist biiiig genu»;. dem Annalisten nicht 
alles Verdienst abzusprechen. Er sagt S. 15. ; Trotz al- 
ler dieser Mangel, die theils Gregor selbst, tbeils seinem 
&italter zuzuschreiben sind, gehört er doch unter die schätz-* 
barsten Prednpte des Mittelalters, die wir besitzen, denn etc. 
Dann äussert er sich über das abgenutzte Mittel, Irrthömer, 
Versehen oder Lügen eines Schriftstellers dadurch zu ent- 
sehuldi»;en, dass man behauptet, er sey interpolirt worden« 
Er,sa^t; Gar vieles 3l«ale und Schwache in Gregor hat man 
durch den Vorwan«! der Interpolation zu entschuldigen ge- 
sucht; allein nach allen gemachten Erfahrungen hat man 
Gregor mit Recht unter die weni/ifen Geschichtschreiber des 
Mittelalters gesetzt, die mehr als alle andere unversehrt und 
unverbessert 'zu uns gelangt sind. Eben dieser Umstand und 
die aus der Leetüre seines Werks hervorgehende lieber- 
sengnng, dass auch nicht der leiseste Zweifel gegen aeine 
Aeebtheit vorgebracht werden könne, musa seinen Werth in 
Vergleich zu seinen Nachfolgern bedeutend erhöhen. 

Kürzer als von Gregor handelt hernach Hr. Hausser von 



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t44 ^tffsi LettfSt Mr rbiitolfe 4a «mjcb Aue, oad 

dem htstorisehen Werth und Gelwit'des Frede^arlns Scho- 

Wticus, des Idatius, Presper Aqintanus, Prosper Tyro wmi 
Marius Avenlicensis. Im zweiten Capitel kommt er f S. 18.) 
auf die Geschichtschreihcr aus Carls des Grossen Zei^ be- 
sonders Effinhart i Paulus Diaconus und verschiedene Chro- 
nisten der Zeit. Er stimmt mit Hrn. Galiffe, den er hier be- 
nutzt, ohne ihm zu folgen, darin äberein, dass E^inbart niciit 
blos voll Unwahrheiten, Irrthümer, Lügen and Uebertreibnn- 
gen ist (was Hr. Galiffe nrknndUch uod factisch nachweistj} 
sondern aaeb, dass er (um ans der Ver^Ieiebong des Hm. 
HAosser's en bedienen) seinen Helden auf dieselbe Weise 
ausgeschmückt und \ergrÖ8sernd und verschönernd darstellt, 
wie die Las Gases und Omeara ihren Napoleon. Dies be- 
weiset Hr. Dr. Hausser aus einzelnen Angaben, Schilderun- 
gen, üebertreibungen, Beschönigungen, erweislichen Unwahr- 
heiten, theils auf die Beweise gestützt, welche Hr. OaiiSA 
in den Briefen beigebracht hat, tbeils. eignen Forschungen 
folgend, Freiiieh ist er nieht geneigt, mit Hrn. Galiffe, die 
nnter Eginbarts Namen auf uns gekommenen Arbeiten einer 
viel spätem Zeit zazuschrciben, obgleieh er Hm« Galiffe zu- 
gibt, dass Dinge darin VQrkonimen, von denen man nicht bt- 
• greift, wie sie ein Zeitgenosse, der bj^tandig an Carl'-s Hofe 
lebte, hatte schnoben können. Hr. Galitfe führt unter an- 
dern an, dass Eginhart die Absetzung des letzten Merowij]- 
gers unter Pabst Zacharias setzt, statt unter Stephan^ dass 
er zu einer Zeit, wo nur Irene regierte, die constantinopoli- 
tanischen Kaiser sich über Carl's römische Krdnnng ärgm 
lässt; dass er behauptet, von CarKs Jugendgeschiebie nichts 
zn wissen und auch nichts haben erfahren zu können. &, 
HÜusser antwortet darauf S. 26. : 

Wir sind weit entfernt, alle diese historischen Schnitzer 
in Abrede stellen zu wollen — ja wir fügen noch andere 
bei, die eben so offenbar sind. So fiisst er z. B. f Cap. 3-3 dfn 
Carlmann anstatt 4 nur 2 Jahre regieren — nicht zu geden- 
ken, dass er (^Cap. 28.3 Pabst Leo den Kaiser kröncs 
und eine Rede an ihn halten lässt, da jenem vorher die Zi»- 
ge ausgeschnitten und die Augen 4iusgest6chen waren. Al- 
lein trotz allem diesen können wir doch nicht Hro. Galilfe*0 
Schlmss, den er daraus zieht, beistimmen^ wenn er glaubt: Es 
sey die vita Caroli, das Werk eines Mönchs des 
' neunten oder ze h nt en Jahrhund er ts. Hr. Dr. Haus- 



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iitaMers U^r die deutMlien GeMlUGhUckMilM». tdft 

8er versucht dann zuerst die historischen Fehler zu erklären) 
«nd Mf des Hrn. Gaiiffe filAwendangen zu erwiedern, dann 
«ntwortet er auf das, was man gegen die Aeialieil der Sprache 
sagt, dano endüeli aehüeast er: 

DeotHeher aber ab aUe| BnlsehaidiguigsgräBde Ür die 
Aechtheit des Bndis ispreeheir kdniieB, wird dieselbe dordi 
den innern Charakter des Werks selbst dargethan. Die Lee-« * 
töre desselben zei^t uns klar, so musste der Schützling Carls 
'8ein Leben beschreiben, und alle die oben gerügten Mängel 
erklärten sich zum Theil aus seiner deUcatjen SiteUung aa 
seinem Heiden selbst etc. 

Der zweite Paragraph besciiäftigt sieh pitPauinS) War- 
nefried's Sohn. AnA hier hat Häo^ser das, was-Hr« 
CkdiTe «»er die UnaoverUs^dt und Cnbraaefabariceit des . 
Paalns Diaeom» in den Briefen gesagt hat, thetls seinem aitf 
eigne Forschungen gestützten Bericht einverleibt, theils hat 
er vorausgesetzt, dass seine Leser diese Briefe zu Rathe 
ziehen wurden, und hat also darauf verwiesen. 80 sehr üb- 
rigens in der Hauptsach*^ Hr. Häusser mit dem Hrn. Gaiiffe 
äbereinstinunt und seine Behauptungen durch seine eignen. 
Bemerl^ongen bestätigt; so wili er doch auch hier nicht as 
weit gehen, als Ur. Gaiiffe gegangen ist Hr» Gaiiffe snefat 
in den Briebn damithao, dass Paulos -Diaoenos, wie die an- 
dern <!lbronilieh, ein Fabrieat spätere IHdnehe sey, Hr.^Hüua» 
ser bleibt dabei stehen, dass Paul's Werk, wie alle Chroni«» 
ken , eine geistlose Compilation scy. Einer der Hauptgründe 
gegen die Aechtheit sind die langen Stellen, weiche Paulus 
Diaconus wörtlich aus Anastasius dem Bibliothekar müsste 
abgeschrieben haben, was bei seiner Lage und bei serner 
Stellung unmöglich scheint. Auf die^ Unwahrscheinlichkeit, 
dass Paulos Diaconus selbst diese langen ^Stellen aus Ana- 
sfasins seiner €^hiehte einverleibt habe, gründet- Hr. Oa- 
liflä besonders seine Befaaaptnng, dass des Pftolos Olaednns 
Text apitdr zusammeDgesetst s^. Darauf 'erwiedert Hr. 
Häusser: * - 

Um unsere allgemeine Ansicht über Paul zu begründen, 
haben wir oben darauf aufmerksam gemacht, dass sein Werk 
aus andern Quellen grösstentheils comj>ilirt ist. Was nnn 
besonders Anastasius angeht, so macht Ur. Gaiiffe in dem 
onigeführten Briefe auf einen bcachtenswertben Umstand auf- 
nerJcaam. Er bemerkt ofUnlicb, wie die daiMiligen VerbJttl- 



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CMiffe: Leiirea «ur rhittoirc du uiu^«a Agc, und 

iiisse und besonders PauPs Lage es sehr unwulirsclicinlicfu 
ja fast unniöolirli machten, das^s Paul mit Anastasius eine 
Verbindung uaterbaltea kabe^ es (o\gt also, da^s jene aus 
Anastasius cntnominenen Abschnitte erst später 
•ingestreat worjden sind. Wenn nun aber Hr. Cialisle 
ans diesem einen Umstand a«f die Aecbth^it - des Werks 
aehliesseti will, &o seheint uns dfes gewagt Wir tnnd. viel- 
mehr sehr o:eneifi:t, an Interpolation su glauben. Oaim -fie* 
ruft sirh ilr. iJr. llausser auf die Spruner'sche l c bersetzuno:, 
ohne auch nur zu ahnden, dass unserer Iciehtn^läubio t n Zeit 
' und unsern schreibsecli^en Gelehrten damit eiii ähnlicher 
Streich gespielt worden, wie mit der des Sanefauniatoti, und 
mit dem von Koch herausgegebenen Haas* und Tag'ebadi 
Valentin Gierihs and der daraaf gegrändeten^ dordi ein er* 
diehtetes Sebrdben an die Stadt Brieg unterstitxten Ge- 
sehichte der Herzogin Dorothea' Sibilla su Liegnitft und Brie^. 
Hr. Häusser konnte dasr so weni^ ahnden , inls des lief, ge- 
lehrter, kritischer und ehrlicher Freund, der Geheime Ar- 
chivrath 8t^ngel, als er von Kochs Machwerk Gebraucli 
machen wollte, ahndete, dass das Tagebuch Oierth's nie eu- 
atirt habe. 

Herr ilüusser fährt fort:. Auch ist olfenbar und bereits 
als /Jemlich gewiss artgenoromen, dass der lelaste Theil des 
Boebs einen gans andern Verfasser hat, als 'der erste. 
So^vohl dies als die vielfachen WiderspHtche and ganss ai^ 

, feilenden Fehler bestimmen uns aso der Ansieht, dass die In- 
terpolationen , die bei Faul stattgefunden haben, so bedeu- 
tend sind, dass es vielleicht kaum mehr möglich ist, das 
Aechte vom Falschen zu unterscheiden etc. 

Im dritten Capitel handelt ilr. Hausser von den den!- 
seben Schriftstellern des nennten Jahrhunderts, nämlich h 
von Thoganns, im 2. vom Ermoldos Nlgollas, 8^ ,von 
Nlthard,.S. 4. vom Menaehos Sangalleiisis,*^. 5. von Regina 
Kef.' Ist bis dahin dem Dr. Hüttsser Schrttt vor Schritt 

• gefolgt, weil er durch die Anzeige deir deutschen Schrift 
zugleich den wesentlichen Inhalt der ersten Hälfte der Briefe 
des Hrn. Galitfe anzeigen konnte, da dieser auf andere We- 
ge und auf andere Gründe und Stellen gestützt, ungefähr zu 
demselben Ziel gelangt, als der Dr. Häusser, der ihn des- 
halb auch oft angeführt hat. Von S. 47« an, will Ref. Nr. 1. 
verlassen und sich zu Nr. Z. wenden, weil der Dr. Häusser 



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HftiiMet: Uvbm* ilie lUiuUchea ttMdbiaiitMlMrwlMr. 141 

von den Biiefen XI— XX. keinen Gebrauch gemacht hat« 
Dieser nawüch handelt in einem vierten Capitel, wo ihn Hr« 
Galille wenfjT^r mehr leitet, von der GesdiiclilBchreibang der 
Deotschen oiiter den. sicWsehM Kmerai, rargüchcn mI 9^ ^ 
mgen £;Mdwei*ti^n HtetopikerA Italiens tmA WmidauMiA*^ 
WM* iMfl« dm i|Rch 4em Vielen, wits er ans* den *dref ersUt» 
Bogen der kerzen otid ^eiun^enen 8cliriftdes Hrn. Hüasser^s 
angeführt hat, die Leser der Jehrbüeher ^ern die drittchalb 
letzten Bo^en zur Hand nehmen und mit dem ver/2;'Ieichen wer- 
den, was Hr. Sleno^el über die Geschichtschreiber der fran- 
iMftolian Kaiser gesagt hat, er wendet sich deshalb %u Nr. 2. 

Im eilften Erriefe beginnt Hr. Galiffe »daait, dass er auf-s 
merk8i|m macht, dass es ein Irrthvm sey^ ^er kainea iiisto« 
risdieii Gnind kabe« wiEmn.MR sa^^e, der Fibat .kabe Carl 
den Grsssen mm Knfser des wesirdmise-ben* ReMis, niebt 
aber %um römischen Kaiser überhaupt /scekrönt. fir be^ 
ginnt den XI. lirief daher mit loigenden Worten: 

Je ne sais quel est le premier qui a dit, que Charle- 
wagne avoit ete couronne Empereur d'Occident ce 
que laus les au(res ont repeie apres lui, mais ce n'en est 
pas mains one erreur, dont aucune des anciennes ckroniqties 
n'iest responsable) et qai a etc inventee laaKtemps spres, car 
an ne vott nalle part, Des atats d'Occident aa m<^an deS' 
quek on a conpleteDieiil cban^e la natore de oet ei'enemont;^ 
Probsblement on ponrroit s*en prendre au passa^e de Ja bio«^ 
^raphie de Charles fr.ussement attribuee a Eginhard dont je 
vou!^ ai parle dans nia seconde lettre, comme ce passa^^e sup- 
pose Texistence de deux empereurs ä Constantinople l'autenr 
en aura assez naturellement conclu, qu'on ne pouvoit en a\ oir 
eree un troisieme que paur l'Occident, comme tt le deviai ear 
esset par la tonmure que prirent les choses* 

DaDD geht Hr. Gallffe darauf ein, wie erbittert diaPikr 
ste über den Bildersturm der griedüsehea Kaiser waren, aad 
zeigt za diesem findaweek saerst histariscb' nach, von wd« 
eher Bedeutung es für den Pabst war, durch christliche Bil- 
der und lustige Fe&»te die heidnischen zu verdrängen. Er 
sagt deshalb: 

En lorsqoe 1' empereur Anthemins vint ä Rome on y 
celebroit encore les Lupereales, et-on les y celebra, au owins, 
joiqne en 496. sous i'empire d'Ansstase. 

Daaa beweiset er, dass es zwar vortrefilithe BIsehöie - 



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IAA flaüfft- ~Mtn»rar l*lii«toire da oiojco Agc, ao4 

• 

in Italien V Päbste sehr sehen zu diesen 

gehdrteH) ond fäa:t liuuBa: II est essenüel de rappeler ees 
lailEs poor nMm&rer qae les pipes d' alors penvoient etre pea 
acropirievL mar les amyem de reeaair a ag^randir le cerde 
' de leor demination et ie nonriire de leors eiwtribuables. Die- 
sen Satz Kon Grande lebend, fahrt Hr. tiahYe |:etstreieh 
und gelehrt die Geschichte des Diensts der Heih'^en, der Ein- 
führung der Feste, Bilder Heliquieii etc. im Occident histo- 
risch durch, und begründet immer genau und kritisch for- 
seheod und prüfend den Satz, dass Rom, von den ^nechi- 
aehen hilderatinBenden Kaisern verlassen) in den Frauken 
gute Werkafieage seines Zweckes gefonden habe. Er sagt, 
IMUeb etwas aeharf and hart: 

' D'aatre pari iea Fkanea anwi soperstitieax qne feroees^ 
avoient paro des aUies tels qae la eonr de Rene peovoit les 
desirer. Elle ne sc faisoit assurement pas d'illusions sur lear 
compte, puisqu' on les connoisfoit depuis longtems cn Itah'e 
par plusieurs invasions, qui avoient laisse de crucls souvenirs; 
d'aiiieurs on savoit fort bien qu'ds coinmen^oient toutes leurs 
guerres par la devastation de leur propre pays ; ainsi Ton oe 
a'altendoit point a oe qu'ils menageasaent les terres etrange- 
res; nats IIa eroyaient on falsoient aemblant de eroire toot 
ee qq' OD voaloit^ et soartoat^''il8<w laissaient goaverner par 
den femmea ambitieines, intrigantes, dnsolaea et avides, qn'il 
etoit facile de circoiivenir et de gagner. Ce ful sans doute 
ee qui determina Tallfance intime et secrete que les papes 
formerent avec eux des le cinquieme siede cet. cet. Dies 
führt hernach Hr. Galiffe sehr scharfsinnig und geistreich 
Ims auf die Verbindung des Papsts Leo mit Carl dem Groa- 
aeii dnreh, behaupte^ des Pabats eigen\licher Plan, Irene ikiid 
Cttrl so verm&hlen, den l4etzten zum einzigen Kaiser s« ma»' 
eben, sey dorch Irene'a Starz vereitelt worden; Nicephorus, 
nicht der Pabat, habe endlicb Carl das Kaiserthnm des Oe- 
cidents öberlassen. - Carl, als einziger Kaiser, sagt er wei- 
ter, habe der römischen Kirche Gebiet versprochen und viel- 
leicht wirklich geschenkt, was er später als bioser Kaiser des 
Occidents selbst nicht in Anspruch nahm; daher komme die 
liächerlichkeit , dass Rom, als Geschenk Carl's, ein Gebiet 
sein nannte, was Carl'n nie gehört hat. Hr. Galiffe hat hier 
seine Hypothese der Uebertragung des Reidis von bildar* 
sifinnenden Oriecben an rechtgUlub^ Franken, von dar H^- 

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HaoMor : U«l»er die deaUebM G«tcJikbftMhr«ii»er. 94f 

MUlh Carrs mit der Irene und der durch die Yereilelting^' 
derselben vereitelten Alleinherrschaft des fränHischen Kofm 
nigs gegen ntindliclie ßinwürfe des Bef. durch Stetten 9m 
der Antwort Kaiser Ludwigs, des 2. auf ein Scfarethetf des 
lülisers Basilius von 87L viftheidigt, und sagt am SeUnsse den 
Briefes: 

Je sai's que ce projet V alliance ne vous a paru vTaisem-^ 
blable, iiiais je crois qu'en reprenant i' examen de tout^s cea 
f^fonstances vous le (rouverez vrai etc. 

. . Der zwölfte Brief beschäftigt sich mit den Kindern CarU 
inanns* Herr Galiffe bemerkt, fast alle Geaofaichtscbreiber car« 
aiiihUeii, dasa diesig Ki9der ihren Vater nor^karve ifietli ubas» 
MI Mitten. Tide. äugten» Carlnuum'a Wktwe and KMer 
•eyea In Verona dem Sieger in die Binde gefallen und wahr«* 
scheinlich hingerichtet worden ; die mehrsten redeten seit ih- 
rer Flucht nach Italien gar nicht mehr von ihnen, und dann 
.^Vgt er hinzu: 

II y a quelque chose de si etrange ä ce silence absoiu 
sar le sort des coheritiers de la couronne de j^ranoc^ ^piO 
J'ai tronve, qa'ü valoit la peine d'a|i^ofondir ^ myatere^ et 
qßfHque mes notes g^ealogiqnes en eontinaseat one solatiBil 
fiMrile, je Tai eheroh6,ailleBr8 et voas jagere^ si J'ai rMn. 

Auf .Urkunden, Mennmente, Insehrlften> Chroniken Ba^ 
liens gestützt, führt hernach Hr. Galiffe die Mutter und die 
Prinzen nach Benevent, Sprösslinge derselben nach Rom und 
thciU seine genealogischen und historischen, sehr genauen, 
in Italien selbst angestellten Forschungen über die lombar- 
dis^hen Fürsten und ihre Verhältnisse mit. Ref. behiiit aidi 
Vjor, einmal ein^n jungen Mann zu ersnthen^ das Ganse mil^ 
auHheilen, weleibes hier an Tiel Baum eianehnen würde» er ^ 
wiU.nor den Anfaiig: herac^tsen, damll die Leser aehen, wie 
grändlich Hr. Galife verffthrl und welche Methode er f»^ 
folgt: • 

Gerberga, Carlmann's Wittwe, sagt er, flüchtete von 
Verona nach Spoleto, und von dort nach Benevent, wo der 
grossmülhige Arechis. des Dietrich Schwiegersohn, regierte, 
ond dieser ihr Schwager nahm sie wahchaft fürstlich auf, 
end Uesa ihre boiden Söhne mit den sein igen eralehen» £rst 
in. Benevent ward der Jtiogste getauft, Tmtki&age war dei^ 
Ben^ventaner Traaarl, weleher hernaoh Abt von Vonlenellr 
(St. WandrÜle) (pi der Normandie ward, aad 6r erhielt de» 



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9M OalMTe: liettrts Mir Tliiatoire da moyen 4ge, imd 



Nnmen Sico. \ach ilein Tode seines Oheims Arcchis nahm 
Aich dessen Wittwe AdeJberga und ihr 8ohn Grimoald jset- 
ner an. Der Letzte gnh ihm die Grafschaft AcerenKH* Im 
Jahre 817 ward er Tum Fürsten voA Benevent erwählt, re- 
^erte fünfzehn Jahre nnd starb '88)i(, in seinem seehsi^en 
Jahre, nach seiner Grabschrift: HIc bis sex pera^ens aeta- 
tis tempore histra. Diese Grabschrift sagt auch, er sey g-e- 
wesen: Stirpe satus rcgum. meh'or majorque priorum. Von 
seiner Mutter heisst es: ad loca se rapuit, non nocitura pio. 
£s ist die Bede Von seinem stark blonden Haupthaar can- 
flida Caesarfes Q\on seinem Vater angestammt]), und von 
aehiem hohen Wuchs (fiigenihdmiiehiceii der Lon^barden). 
Endlich whrd darin erwfthnt, dass tr den Leiehnam des hcä. 
Janiiarios aus Neapel wegfiihrte and nach Benevent bmehte. 
Dazu muss man noch fügen, dass der Anonymus Salernitanos 
erzählt, dass er 8po!eto verlassen »habe, um sich nach Coo- 
stantinopel zu begeben mit seiner Gemahlin, seinen Kindern, 
seinen Leuten, seinen Schätzen, weil er gefürchtet, Carls 
8ohn Pipin möchte ihn umbringen, dass ihn aber Grimoald IV., 
Storeisais genannt, Fürst von Benevent, zurückgehalten und 
ihm die Grafeehafl Acereräsa gegeben ' habe. Dieae Ge» 
schichte stimmt mit der Grabachritl nicht fibe^ein, und alles, 
was hernach folgt, deutet ans auf die Fabrik von Mönchs« 
chronticen oder vorgeblich glelcbzeiti'gen Jahrbüchern, wd^ 
che alle in Rom im eilften und zwölften Jahrhundert geschmie- 
det wurden, doch so. dass immer einige wahrhaftige Anga- 
ben mit unterlaufen. Von dieser Art ist hier der Uass Pi- 
pin's, der sein ganzes Leben hindurch mit Benevent im Krie« 
-g© war, weil er auf Befefil seine» Vaters den Fürsten zwin- 
gen wolMC) ihm die Kinder Oarlmann's, die des Heneog Wiü- 
te" von Aquifaafen, und den Thassito von Baiem aaszaliefiern, 
der sieh ebenfalls 2» ihn; geflöehtet hatte. 

Dann geht Hr. Galiffe tiefer and genauer in die Ge- 
schichte der Familien ein 5 dabei bleibt er seinem (^nintisatze 
getreu. iJas Hohe und Barbarische dem fränkischen, das Ed- 
lere und Feinere dt m Lombardi^chcn Blute in den Adern der 
Prinzen zuzuschreiben. Er beginnt 

Sicon laissa deux fils ei plusieurs filies, qui fermoieiit 
dnq allianoes aveo la dynastie des. Waifre, jadis lears enüie-' 
mis Mredftaires, nmintenant devenns lears metlleui^ anm 
comme co-refugie« sons la mtee proteetforir eonire le- m^me 

* 



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HAttMcrs Vthtr ilie deiHtiiliMi |}flM[Iii«lillielir«{fter. 1A1 

persecnteiir et d'Milleurs proches pareos par lenrs m^reä. II 
uvoii ete prote^e par nne edocation tonte Lo«* 
barde, mais son fils et socceaseur Sieard, i^ede- 
vint aasai vicienx,' anasi Immoral etaoasi n^ehant, 

que les princes Kranes ravqlent toojrars ete. 

Hr. Galiffe folgt dann, immer kritisch die Quellen prü^ 
fend, der Geschichte dieses Hauses, und f^eht bei dieser Ge- 
legenheit sehr ^enau ein in die Verhältnisse des Pabsts Ser^ 
^ius aui Lothar J. und dessen 8ohn Ludwig Tl. Er sucht uns 
zu beweisen, dass die Zwistigkeit des Pabsta Sergins inii; 
Lothar L in den Familienverhältnissen gewisser römischer 

I Famüto «ur. CkroBn^iseiien ihren Ck-ond hatte* Brgeht dea« . 
halb die Oesefaiehte der Sendung t^dwig'^ II. naeh Ron^'. 

, und der Streitigkeit des Pabsts mit Lothar über die Aehabi« 
litation Ebbos von Rheims genau durch, und kommt endlich^ 
zu dem Hesultat, dass man damit umgegangen sey, das rö- 
luische Primat einem andern italienischen £i*zbischoff zu aber- 
trafen. F's sagt deshalb: 

Man wollte vielleicht dieses Primat dem firsbischoffe von 
Ravenna oder dem vdli Mailand -übertragen . weiehe an der* 
dUpitfie der gegen das röniiaehe8upreaM|tgeachlos0eiien Verhin-« 
duj^ standen« . leb verflinthe (Je sonp^oane}? ttfart er Yort^' 
dieses besondera. ans dem Grunde, weil der Bibllotbekar de» 
Vatikans, dar diesen Streit conflietnm summi certa« 
minis cum sanctissimo praesule omnibusque episeopis et op-> 
timatibus norslris alqae proceribus contra hanc universalem et'. 
ca p u t c n n c t n r u in e c cl e s i a r u m dei nennt , über den- 
Grund der mehrere Tage lang fortdauernden Streitigkeiten 
der Oberhirlen rticliis sagt. Nachdem er dann noch eine lün- 
gerc Stelle aus Anaatasius vit. pontlfr eiogeruekt bat^ fähfl 
er fert: leb wüL- jetst yersneh^n^ diesen aasserordentliehen^ 
Streit ^swischen einem Kaiser, der aeho» S6 Jahre regierte, 
und einem nenerwibiten Pabst in der iseiner Herrschaft un- 
terworfenen Stadt zu erklaren. Wir wollen nur den Anfang' 
hersetzen, weil man schon daraus sehen wird, wo Hr. Oa-- 

' liffe hinaus will. 

Ich habe oben ^esa»;i. bemerkt er, dass mehrere Schlacht- 
opfer Carl s des Grossen, und unter ihnen die Söhne des 768 
ermordeten Uerasogs Waifar von Aquitanien eine Freistätte 

; im Hofe des unabhingigen Fflfsten Arechis von Benevent 
geftuiden hatten* Ihr Grossvaten flunold der Alte, als er 



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Iis GalUliit bMtret tar FJustoire 4ti mojen Age» elc 



einsah, dass er nicht luthr iiii Stande sey, sie zu vertheidi- 
gen, wie er sie beim Tode ihres Vaters vertheidig^t hatte, 
hatte einige derselben auf verscliiedeaeD Wegen nach Ila- 
lieü gcechickt, wo sie als Naohkemoien der alten Sulpküi von 
Rom (Hi. Galiffe hat bewieaeiiy dass die Meuiniig^ von der 
Abetammoai: der Hensoge von A^joitaniea von den Mero- 
wingern unbegründet ist) sehr grosse Besitzungen hatten. 
Sic bildeten dort bedeutende Fürstenhäuser in Yvrea, in 

. Spoleto, in Toseana, in Salerno uud Capua^ an andern Or- 
ten weniger bedeutende. In Iloni stammten von ihnen die 
Gkrafen von Tuseiüiun und die Kaiailie der Crescentier, von 
denen ich öfter werde reden nuissen« Uebrigens werde ich 
jeder dieser Familien einen historisebsn «ad geneslesgfoehsn 
Artikel widmen. För den Aiigenbllkk kam es g^oag seya, 
Sil wissen, das» Pabst 8erptins II. dieser Dynastie angehörte. 

Diess mushten wir anführen, weil Hr. Galiffe Sergius II. 
durch seine Fainih'e schützen lasst, und die Erscheinung 8i- 
conulfs mit eiiier Armee vor Horn, die erzwungene Nach- 
giebigkeit Ludwig U. etc. aus einer Verbindung der ganzen 
aqmtanischen Faioilie zu Gunsten des Pabsts erklärt. Unter 
Leo IV., nach Sergius plötzlichem Tedev-ünderte sidi AHss; 
der Kaiser und sein Sobn erbieüen , was^ sie wellten. Dieas 
erkIM Hr. Galife gans- anders Sis die Chroniken', die Um 
zufolge sj)äter in Rom geschmiedet wurden. Vm das Letz- 
tere zu beweisen, zeigt er aus Diplomen, Urkunden und aus 
Erchempert, dass der Anonymus Salernitanus zwar die gröb- 
sten Fehler mache, doch seine Erzählung stets dem römi- 
schen Interesse anpasse. Er schliesst mit dem Satze: ii s'est 
eharge de faire de 1 histoire et non de la Chronologie: if n' a 
va nt Srehemperli nt les ehartes du tenw. Wenn man vm 
such nicht so weit gehoi soUle, als Hr. OaHire, nnd eine 
absiehtliehe ffaMcation von Chronifcen annehmen, so 
wird man doch die im XII. Briefs gegebenen historischen 

• Untersuchungen ui^er die lombardischen Familien dankbar an- 
nehmen und den Auunymus 8alernitanus nicht mehr als Quelle 
neben oder gar gegen Ercheiapert gebrauchen. 

... X 

(Foti9€t9nng folgt.) 



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N*. 48. UElUELBBaGBB 1839. 
JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 

Omtlffes heitrem mar ^kitMre dm äge, md Häutwer: 

' UeAer die dmU^chen OeMdMd^ehreiber* 

/ Im dreizehnten Briefe theiH Hr. Galiffe dem Ref. allge- 
meine Beti Dichtungen mit, die er hernach dorch vortreffliche 
Bemerkungen und Angaben aus der mittlem €re.schich(e be» 
stäti/i^t, denen Ref. unbedingt iweistwiiit. Ref. wiU den An- 
Umg des Briefe hier übersetssdn, damit die I«e8er Brlbetlea 
können, woreitf sieli die historiselieii Belej^e besiebeii, die er 
^es Raonis wegen den .Leseni Yorenthalten miies. Herr Ga- 
iiffe beginnt den Brief mit den Worten: Je suis persuad^ 
Monsieur, que vous eprouvez les mouvemens de la plus vi- 
ve Indignation en voyant avec quelle bassesse certains au- 
tein's fiattent le peuple ou les rois des nations dont ils pre- 
ieiident ecrire rhistoire. Dann fahrt er fort: 

Wenn man dem einen Theile dieser historischen Sehrift- 
steiler Gehör ^Abe^ so hitten ihre Beherrscher eine anunter- 
brochene Reihe tugendhafter Heiden gebildet.^ welche Gläck 
und Rnboi mit volleh Händen öber ihre Unter(hanen aiisstren- 
ten. Folgt man demi, was der andere Theil berichtet, so hat 
sich das Volk des Geschicht-^chreibcrs beständig durch ei- 
nen böhern Grad von Einsicht, Tapferkeit, Patriotismus, 
Grossmuth vor allen andern Völkern ausgezeichnet. Man darf 
wohl annehmen, dass viele unter ihnen sich einbilden, sie 
stifteten Gutes durch ihre Lägen, die ihnen nur Uebertrei- 
bung scheinen; die Mehrsten snehen sich aber offenbar nur 
Miebt »I madien oder Geld in gewinnen, und nnstreit^ 
bandeln aHe sehr fibel nnd stiften' Unheil, wörfiber sie 
selbst eracbreeken werden , wenn sie Verstlind ^ genug 
hätten, es zu begreifen. Verblendet man nicht auf die W^eise 
die Menschen über ihren wahren IVutzen, und treibt sie an, 
Dinge ku unternehmen, die sie ins Verderben stürzen müs- 
sen? Die mehrsten Kriege sind blos aus leerer Nationalei- 
telkeit entsprungen, und diese ist durch jene elenden Schmei- 
eheieieii erweckt worden,' das gab dann Yeranlassnngw rni« 

XXUL Jahrg. H«ft 48 



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1^4 GaliflV: Lettre« sur rbUtuire du loojeu üge und 

zahli^en gigantischen liriegsunteriiehinungen, welche ^uletzl 
mit Dem iith ig uiig, Uass, aJaininer en<li«ten. — Man hat aber 
dennoch den Besiegten nie gesmgi^ ihr leidet, w^ii ihr an- 
maasend und ungerecht ware(. — Im Üegentheil, uaan sagt 
ihnen^ ihr jmiaatet siegen und hättet unfehlbar gesi^g^t, wm 
nicht dieser oder Jeiier Ujualand eingetreten, deir man un- 
möglich vorauaaehen konnte, oder Yerrätherei) welche die 
Zeit noch ans Licht bringen wird! leh bin der Bfeimiog, 
iugt Hr. Galilfe nach einigen wettern Aiis^ipliriingen blnzo, 
•dass man iVeilich die ^iaüoaalfehler der Völker nicht ver- 
bessern könne, die ihnen, sei^ ihre Existens^ uns be- 
Jiannt i^t, eigen waren und eigen bleiben werden, welche Ge- 
stalt das Schicksal ihren Verhältnissen auch geben mag) 
•weil diese Fehler wahrspheiidich mit ihrer physischen Or- 
^psnisaiion zosanuaen bälgen, wie die Tugenden ihrer Nadh 
«barn; man muss sogar annehMn, dass sie in der allgeaei- 
.nen Vei-kettong der' Ursachen und Wirkungen ihren NsIkd 
Jiaben; aber ich behaupte, dass die, welche andere befehrea 
wollen, ihre eigenen Fehler nicht verbergen dürfen, ge- 
schweige sie entsciiuldigen oder als Eigenschalten darstel- 
J6n, die nur dann gefahrlich werden, wenn man sie über- 
treibt. Dies Alles belegt hei nach Hr. Califfe bis xum iSchlusse 
jtes Briefs duixh historische i^'orschungen. Den KraniiOMa 
^bt er dabei die derbsten Lectionen« ' Was ist wahrer, ab 
was er- noch zuletzt bejaerkt*? . ^ - 

Pqisque je viens de prendre la France ponr ex^cmple je 
m'y tiendrai encore sous ce rapport. Qu'y a-t-il nu nonde 
de i)lus absurde, que ces prejuges sur le rang qu eiJe s'as- 
«igne ii eile nieiue a la Icte des nalions civilisees, do/it iJ n y 
a pas une qiii iie lui soit supcrieure a qiielqoes egards? 
Das Füigeude ist so richtig ufid vortrelflich, dass Ref. be- 
•daueri, dass er nicht den ganz4;n Brief hier tfMtthMlen kapo* 

Der XIV. Brief beginnt wieder mit allgemeinen Belradi^ 
4u0gen, iwerst Cpber die ^Schwierigkeit, obfie Spmche, SjüteB, 
laofieusweise etc. einer Nation sieh angeeignet m haben, über 
sie i&u urtheilen, dann über Vei^cbiedeiihcit der Naturen über- 
haupt. Die» wendet der Verf. hernach auf die mittlere Ce- 
schichU; ;in. Die Kranken kommen überall sehr schleciit weg. 
dagegen werden die Lombarden sehr vortheilhaft geschildert. 
Eine ausführliche Charakteristik der JLoagshsWlHi dcMfi^i 
Ur Galiire.niit folgeudcw iSatze: . 



c y .i^co L.y Google 



Bi«Mt8 IMH»r iIm 4mMmIimi tiowliidiUdin^. ' IM 

Dies sind die vorzüglichsten Zage 4er iombardisclieo 
9aee, die ieh £är einerlei halte mit der Mnnaiiiseiieii, der 
siehsifteheii, der davlaehcn^ der der «Iteo Blkiier« fis^finde» 
flieh oDter dieM TereelMedeiiheiteD, diese üdgen aber woU 
doreh Cltm, Re^ierungsftfm vnd doreh andere BOfiHige Um- 
stände hervorgebracht seyn, da^^egen werden jSie bei allen 
wiederfinden : V) Das »Systeiii väterlicher Allmacht. 2^ Grosse 
I Ehrfurcht für Bande der Verwandtschaft, welche fast zu ei- 
ner Art göttlicher Verehrung der Voreltern führte. 33 Eino 
auirtUehe und ehrfürchtige Aehtiing für die Weiber, deren 
Brbrecbte dareh die Gesetze sorgsam geaehfitzt sind. 4) Eim 
^ ne aafriehii|[e md lebendige Aei^iasüfit^ welefae aoglcieb 
' mflde und tateraal fliaeht. 5} UndberwiaiHieher Math, \nel<» 
BMifcr iai Ungläek als tm Oiiek. 6} Groaae Abneigung, aiii- 
dere anzugreifen, aber wunderbare Tauglichkeit zum Wider- 
stände. Aus der Mischung der Stämme und Naturen und 
dem Eindringen der widerwärtigen Franken in alle Städte 
und Staaten gewisser Theile von Europa leitet Hr. Galiife 
mit %'ielem Scharfsinn viele Erseheumflgen daa Mittelallera 
ber, und aehiiesst endlich: 

J9 ine sais bome dana cetto laltra^iax geaeralitesi, qoa 
Je eroia andaantea paar faire comprentfre man äyst^ne, II 
est aans deute evident, que j'aoraia foJe rendne beaneoop 
plus clair en entrant dans de plus grands details; mais je 
Ics rcserve pour un parallele des Francs et des Lombards. 

Der XV. Brief enthalt die gelehrtesten und verwickel- 
testen Untersuchnngen über den Familienzusammenbang be-> 
deutender Personen Italiens während der sechs ersten Jahr- 
hunderte des Mittelalters. Gelefpentlich berichtigt hier Hr. 
GaNfe die Irrthömer der QuellM and vieler den Qodhn 
fflelch geaehteten Gelehrten/ Er beginnt den Brief mit fal<* 
gende« Worten: 

Pour varier un peu le sujet de nos entretiens, je viens 
aujotid'hui. Monsieur, vous parier de genealogic, sujet qui a 
beancoup et serieusement occupe un (res grand nombre de vos 
eompatriotes , mais avec des resultats fort inferieurs a ce 
qu'on pouvoH en atieadre, vu i'iateret qu'on yattachoit dans 
tonte TAIlemagne. Je croia qne cette mauvaise reaaalta est 
doe prineiiMileaieBt^ a ee qoe .laa aateara, qal a^ea oeeopaient 
n' y avaiant anean interdt poNonnel at IravaUlaieot par ordre 
et poar m aalaara detaminji a pea /faxeeptiojtt« pres, oaBHae 



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Uß QtAiüet L«tteM tot l'iiifltoir» da «ojrei» ägß^- 



Bttcoelin abbe de Weingarten qai a prodigieusement travaille 
6t eonpulse une multitiide de livres fort rares dann folg^ 
dass er aber ein laiehtglilabigar CiMapilator ^^eses, hernadl: 
Le celebre Leibntts au contraare ai^oit iafiniBMirt' dPeroditioi^ 
mais iNiint de galtt natarel poor ectte branehe el sa» travan 
poar la niaison de Bruns Tic ont ete steriles sons ee rapport. 

All rt'ste Muratori n'a pas inieux reussi etc. 

Unter den Fürsten, Herrn und Damen, deren Genealogie 
Hr. GalifTetganz neu begründet, ist auch Pabst Creg^or VII. 
Es gehörte, sagt er, ein seilner Grad von Unkenntniss der 
Sitten jener Zeil dazu, und vorzüglich der besonderen Ge- 
sebiebte Roms, um sieb das laeberlicbe Bläbrcben atifheftca 
so lassen, dass er eines Zimmermanns- SoU von Soana f6- 
wesen sey. Ich werde aber Gregor VII einen besoodem Ar* 
tikel widmen. Vorher heisst es: 

Trasmnnd, Sohn des Oderis:, Grafen der Tv'arsen, ward 
vom Abt .^Dietrich von Montccassino zum Abt des Klosters 
auf der Insel de Tremiti gemacht welches von Montecassino 
abbin^. Xrasmund Hess drei Mönche blenden, dem vierten die 
Zunge ausschneiden ; dafür jagte ihn Dietrich ans der Abtei» 
Aber Hildebrand, -Cardinal nnd Arehidiakonus der Römiscben 
Kirche, der hernach onler dem Namen Gregor YII Pabst 
' ward, dachte gam anders; er behauptete Trasmond hitte 
sich nicht grausam, sondern muthig benommen, weil er 
schlechte Kerle nach Verdienst, behandelt hatte. Er tbat 
noch mehr, er gab ihm zur Belohnung eine sehr viel bessere 
Abtei, ilie vonCasaurea und bald nachiier das Bistbuin Vaiva. 
Dann folgt: 

Voila, Monsieur, sur quoi je me fonde , ponr dire que le 
pape Hildebrand etoit ce m^e Hildebraad ils .de TrasoBond 
dne de Spölete et onc(e maternel de ce Trasmond abbe d» 
Tremiti. O'autres tratts de sa vie prouvent «on extreme af- 

fißction ponr ses parens, ce Tut lui qui voulut forcer les MiUv- 
nois ä recevoir pour archeveque un jeune Azzon a - peine 
adolescent ftantum modo clericum ac tenern aetate jiivencu- 
lum invfto clero, et multis e\ populo, um lOT^ü}* fuhrt 
er das Nähere an, und getil auf . Trasmunds und Ai&zes Ge- 
nealogie (in. 

Im XVI. Briefe handelt Hr. Galilfe forschend nnd pru-^ 
i^nd genauer von der Verbindang der Carohnger mit Rom. 
Ünchdem -er zuerst von der .Verbündung des Pabsts. mil den 



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« 



jüIoMcr: lieber die imutßt^n OeecbielUachniihe». 79t 

Merowin^rn und mit Pipin ^handelt hat kommt er auf die 
von Pabst Carl übertragene Herrschaft über alle Völker. Dm 
Resultat seiner Forschungen spricht er :gleieh anfangs so 
heslimmt in »wei Zeilen ans, «toss wir diese nar anfftthren 
därftm, nn| bu seilen, %vas Hr. GaUfe gefnniien sn- haben 
glaobt. INese Zeilen lauten ? 

II est evident que Charlemao^nc avoit pris la mission de 
♦ sonmettre foutes les nations au jouo^ s<|)iritiiel et extor- 

tionaire de l'eglise de Rome et que ie pape, en retour 

devoit lui donner aa nom de ^t. Pienr« . ie soeptre de 

toutes Celles, qii'il auroit siibju«:nees. 

JOie^ sucht bemach Hr. OjalilKe histortscli und nrkund« 
Neh nadnnweiBen und hat n diesen Ende sehr stharlsi'nnigi 
nnd geiVtreich eine Reliie vom Stetten der- Jahrbieber wid 
Urkunden an einander gereihet. Ret» hofft, dass einer« deiner 
Jüngern Freunde oder Schüler diese Briefe einmal dem Pu<^ 
blicam. in wörtlicher Uebersetzung mittheilen wird, dann 
wird gewiss das deutsche Publicum mit ihm die gründliche^ 
Gelehrsamkeit und den geistreichen Gebranch derselben be- 
wundem und erkennen, dass es selbst da, wo oberflächliches 
oder scheinbares phüosopbisehes nnd romantlsehes Geschwäls 
an der Tagesordnung ist, Leute glebt, die sieh dadurch nicht 
irre machen lassen. Wir wagen ntcbf, HmvOaliffe durchaus 
bj^ixostimmen ; aber nnsere neuen M^rsHker und Bentsehthflm- 
Icr und mittelalterlichen Systemaliker könnten viel von ihm^ 
lernen. - ■ 

Der XVII. Brief pit den Lombarden^ aber nur seit ihrer 
Ankunft in Italien. Wie Hr. Gaiiffc die. Sache in dem an * 
Inhalt ungemein reichen Briefe nimmt, wurd man aus dem 
Anfange sehen, den Ref^ abschreiben will. 

Si la palience nous echappe qnelquefois «n entendant 
Inner des seäerats, commenfponrrlons nous, Monsieur, enten«» . 
dre de sang froid -calomnier des individus ou des nations en-« 
tieres, par ces mechans perroquets, qni se chargent de per- 
petuer le menson«2^e d'agc en age, en Ie repetant sans cesse, 
et sur tous les tons, tel qu'ils 1 ont appris de leur preroier 
maltre. sans encomprendre Ie scns et laportee? Depuis com- 
bien de siecles ont ils l'habitude d'accoupler la fausse et stupide 
epithete de barbares au nom des Lombards? C'etoit one 
ehose .nalnreUe et exdusabte de la part des Grees et sdrtonI 
des Ronmiiis,^ qui n'y; attachoient guere d'autre sens que celni 



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1&8 



d'etmiiger , mais depuis qn'on entend par lä une espece de 
aanvag^e Ignorant et brntal il faat ile la presomiition et de la 
l^gerete poor l'employer. Dann geht er die Geschichte der 
Lmbardea, als Nation dnrcb und begimit nnt den Worlens 
Je ne anta pas aase» aftvaol poor parier des Looibards iivaak 
l'epoque de leor deacente en Italie, je preno acte seuleMit 
de ce qii'en dit Tacite: Longobardos paucita» nobilitat ce(. 
Die politische EiMrirbtiin«:, das Geriehtswesen , IVivaiieben 
sind in diesem kurzen Briefe trefflich erläutert. Den XVllI. 
Brief hat Herr Galiffe ausdrücklich der Religion der Lom- 
barden gewidmet. In diesem Briefe sucht er 'aus den von 
ihm an Ort und Stelle studierten Uri^unden und HÜiUmgs^ 
briefon darnulhua, daaa die Lombardiaeben Sttftnngite gßA 
MMterer Ait Wireii^ ab die Fffinklodlei% daaa die Uenracftaft 
der Romiidien Kirobe d^r Natnr aller dieaer Stmung^tin lo- 
derte und sie ihrem ursprüngh'chen Zwecke entzog. Wie 
dies geschehen ist, kann nur dureli eine vollständige Ueber- 
setzung dieses Briefs einleuchtend gemacht werden , dafür 
ist aber an diesem Orte kein Raum. Ref. will daher nur den 
Schlosa dea Briefs übersets&en, wo llr. Gaiiffe angiebt, wann 
und wie nach seiner Meinung^ die Lombardiaeben fiMiftangen 
den letnten Stoaa erlitten. Im Allgemeinen nmsn frettieb 
Ref. beiierben, daaa Hr. Galiffe m wenig Rnekalelut auf die 
Norininner in Italien nimmt, beaondera an dieser SteUe 
Er acbreibtt ^ 

Pabst Gregor VII vernichtete diesen (vorher beschriebe- 
nen) Stand der Dinge völlig oder störte ihn doch durch den 
Einflnss, den er auf alle seine Verwandte ausübte, sowohl in 
Aquitanien und in Spanien, als im aüdiichen lialien. CVhi- 
sulf II, der letzte Kürat von Salerno, war der Theuerste sei- 
ner Frennde bei dem er lebte, als ihn Robert iioiacard seiner 
Staaten beraid»t hatte« Qrejgor tbeilte sogar seine weltliehe 
Herrachaft mit ibm, denn- er gab ibn das Hersogtbnm €«m- 
panien. Aber seine Zuneigung »i» ihm und zu seinen andern 
Verwandten ward ihr Untergang. Sie konnten an seiner 
guten Absicht mit ihnen nicht zweifeln, und seiner Bered- 
samkeit und Geistesüberlegenheit nicht %vid erste h en , sie ga- 
ben daher jene weise Mässigung auf, welche ihre Vorruhrea 
bewahrt hatten, und wurden auf die Weise bald von ihren 
ibrbfeinden abbän^^ig* . Der scliauderbarte Albigenee» Krieg, 



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lÜMMtr: -U«Wr die MmÜm CeMUcfatMbreiber. TS9 

die Aiisrottiing des Stamms der Gmfeii von Toulouse and 
Bcziers hewcisen* dies zur Geoüo^e. 

Wie die vorhergebenden Briefe den- LoabardeO) «o ist ^ 
der XIX. den Kranken, ihrem Leben, ihrer Natur, ihrer Re-^ 
ligien, den Verfnhreii ihrer Regrenten o. 8.w. gewidmet 
Hr. Gali'ITe hnt darin ^ mit ongemdner Gelehrsamkeit und 
überall anf eignen i^Mssen stehend, zu seinem Zweck Ur- 
kunden lind Chroniken der Zeilen der Merowinsrer und Ca- 
roling'^r henuVM, Was ei' in diesem Briefe dmchireföhrt 
hat^ will Ref. init seinen eignen Worten hier angeben* .££ ^ 
achreibt; 

Je sens tr^ bien, Ifensienr, que Je serois aecnse d'nne 
liartiaUle i^imte, si je ne preovois pas ee qoe j'aTanee ton«» 
<shant le earaetere et la. eoadaite des Franca du inoyen age 
et Je vais le Mre per dea.estrails de leors^anaales, quoiqiie 
la ehose n'entre pas precisement dans mon plan, car j'ecris 
pour des hommes instruits et je snppose, qn'il suffit, de leur 
rappeiler ce qu'ils ont lu , avec un i)eu de precipitation peiit- 
etre, mais pourtant assez at<entivement pour en garder le 
Souvenir. Comuie j'envisage la ehose sons nn point de vue 
particalier celui du choix de la conr de llome pour propaga« 
fear da eatbolieisme, je dois aartoot eonsiderer leprineeFrane . 
aoaa le rapport de moraKle et je vais.examiner sa eondiiite 
I eoaime fils, eomme pere, comme frere, et eomme epoox Je 
l'examinerai en snife eomme jiige et enfin eomme diritien. 
Mau braucht Ulc^ (leschichte des Mittelalters nicht einmal so 
gründlich und urkundlich zu kennen, als sie hier entwickelt 
wird, um vor den Grüueln der Merowin^er und Carolinger 
aui 8chaud(M'n und zu erschrecken. Gelehrsamkeit. Würde, 
£mst, moralische Weisheit, welche Hr. GalilTe den lledens^ , 
arten, OeclaaiaUonen, Sophistereien der Geschichtsschreiber 
eolgc^ea gesetzt hat, indem er Thatsaobe an Thatsache, Ur*» 
, kaiäe an Urkunde reiht, verdienen Bewimderong, doch Wörde, 
, wie die Mensohen sind, Ref» nie wagen, dem Publicum die 
, ganze Wahrheit nnd mir die Wahrheit au sagen. Die 
, Welt kennt den Werth des Wissens an sich, der nack- 
, ten Wahrheit nicht. Wer würde es wagen überEn«:land 
I über Napoleon und sein ganzes Treiben, überPreus- 
I &en und Baiern und ihre Theologen und Philosophen Alles 
I zu sagen, was er daakt! Sollte es jemand wagen, man 
sieiaigte ihn, eder sagte , er gehöre ins Irrenhans. Mandas 

■ 



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1«0 ' Galiffet ImUtm «wrl^iitelre da mMyen Age, und 

Tolt dccipi und walirlichl es fehlt in unserer Zeit au. klim- 
men nicht, die da rufen, decipiatur ergo. Das beisst dasPu. 
Uikom will mystiflsirt aeyn, Pfaffen «nd Regieningeii iialtti 
lojale Myallfieation iär heilaam alaow 

Uebri^eiia aelilieaat Hr. Galiffe diesen Brief mit fdgoh 
den Worten: 

' Voila, Monsieur, ffuelles qualites attacherent la em k 
Rome ji ces rois Kranes, qu'on ne peiit nominer sans ane 
profonde hon eur, quand im connoit bien leiir histoire Am 
aon ensemble et dans ses details et qu'on ne l a pa<; »ppn^e 
dana des iibelles pleins d'impostures. Je sais bien qu^je 
n'ai fait qa'efUearer ee aajet en indtqnant senlement quelques 
prenves fnir la nroltitnde qnt j'en anrois pn pradaire, äje 
m'etois donne la peine de rdire mea nombreases analyi«' 
Mais il me semble , que cela snfdt poor raeltre sor It vat 
Ceci n'est pas un cours pour des jeunes etudians, ce «rt 
des lettres ä un savant qni etc. etc. 

Der zwanzigste Brief gilt dem Fabstthum des früheren 
Mittelalters, wo dann der Verf. urkundlich und historisch be- 
legend darzuthnn sucht, dass nicht allein eine grosse Men^ 
Unwahrheiten, Irrthnmer und falsche Berichle dureh die elen- 
den Chroniken des Mittelalters verhreitet werden, soiden, 
daaa man abaiehtlich and voraatzlieh Lügen erfonden 
dies Liigensystero dnreb Mdnehe aufrecht erhalten habe. 
der Gelegenheit beleuchtet er die Geschichte der püwtlldiei 
Herrschalt auf ähnliche Weise, wie vorher die der Fränki- 
schen Könige. * 

Ref. bedauert aufrichtig, dass ihm der Zweck der J^ihi- 
böcher und der Raum nicht erlauben, längere Auszöge 
diesen Briefen mitzutheilen, er glaubt aber genug gelban 7.11 
haben^ om das Puhlicam auf 4t» Werk aufmerksam zu uia- 
eben, welches wir einmal vonHrn.Galiie sii erwarten haben' 
. Einstweilen hofft er wird der gelehrte Frennd des Mittela' 
ters diese Briefe xo Rath ziehen. Er wird freilieh, da ^ 
Verf. immer originell und weil er gar keine RöcksfchteD >» 
nehmen hat, etwas zu kühn und zu trotzig ist, manchmwj* 
Kopf schütteln, wird aber keine Seite lesen könneo, oW 
Gelehrsamkeit, Scharfsinn, Kleiss, Ernst und Geist zu bew«"' 
dem. Ref. glaubt übrigens kaum, dass Hr. Galiffe die litn^- 
graphirten Exemplare der Bi iefe einem' Bnchhftndler öbiri»$' 
»eu hat, man wird sich wohl durch eine Handlaa^ »^^^^^ 



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« 



HÄOMer: Uober dit d«aUcbeii Geaehichtadireilifir. 161 

selbst wenden miissen. Er lebt nach vielen Ueisen auf sei- 
nem Gute in der Nähe von Genf. 

Mit der Anzeige dieser beiden Schriften worin die histo- 
rische Kritik auf die Mönche angewendet wird^ will Ref. za 
^mer wnäern flber^hen, welche durch fiotfanllung^ eines lojal 
eentimentiiieo Behrni^ gewiss alle jesuitisch frommen ond 
iojal senthnentalen* Steden von Petersburi^ nach Constantino- 
pel, und von dort Aber Wien, München, Berlin nach Hanno- 
' ver sehr ärgern wird, weil wir daraus sehen, wie weit in 
unsern Tagen frommer Betrog getrieben wird und wie we- 
nig Wahrheit und Ehrlichkeit in der Literatur ist. Man wird ' 
aus der anzuführenden Schrift zugleich sehen , wie leicht es 
ist in den Ländern der Censnr und der Polizei über Gedan'-^ 
ken lojale Läiren in Umlauf sn brin^n. Gehl die i^aehe so* 
fort, so wlrü bald ftsr Orden, Stellen, Geld, frommer unt<d lo- 
jaler Betrag sur Ehre -der Regierungen und Dynastien 
■nd In zweien Gegenden adch sor Ausbreitung des Reichs 
Gottes, diesseit wie jenseit des Rheins so weit getrieben 
werden als im finstersten Mittelalter. 

In der That hat Ref. erfahren, diiss sich das ganze lo- 
jale und fromme «Schlesien , Weiber und sentimentale Herrn 
gegen die anzuzeigende ruhig und liritisch prüfende Schrift 
und g^en ihren yerf. erhoben, der nie heftig wird. Das 
half alles nichts. £ine der frommen und wahrscheinlich in 
sentimentalen Schriften besser als -In historischen «belesenen 
Schlesischen Damen sagte daher dem Ref.: Ja,jadassey 
alles ganz gut, es habe aber doch eine solche Du- 
röthea in Brieg gelebt, es sey überdem das Buch 
so lieb und erwünscht also auch wahr. Solche Leute 
verdienen keine Antwort^ wie nöthig die Lebrigen dagegen 
in unsern Tagen gesunden Verstand und Kritik brauchen 
beweiset das Treiben der Pietisten, ein Wagenfeld und sein 
Sanehniiüiton, eingSproner und seine Uebersetsnng desiPao^ 
los Diaeonus. Doch sur JSache. 

Ueb€r das Hau» tmd Tagebuch Valentin Olerfit um4 dfe Hm-zogimm Doro* - 
tktm Sffiäim 9m LkgnUt mfd Brieg gthwmm Btmrkgräßtm vom Brmm^ 
dmk»g. mm Utiiertmhmg vom U^kurkk IFatlib«. Bntlau. Frhd^ 
IMb* IMO.. 19aL Irl 8. 

■ 

Mit dieser Schrift zugleich erhielt Ref. Nr. 72 und 78 der 
fifivilegirten Schlesischen Prövinaalaeitung vom 26. und 27. 



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Hftrs 1881^ werin der AttlswMskftilfSr de» lojalen CUMebiditS' 

erfinders und Erdichters Koch Alle» bestiUi^, was Hr. Wiittke 
ans Licht o^ebrHcht hat. Da diese Hohenz^ollernsche Dorel zu 
einem cui non diclus llylas alter lojalen und frommen Thee- 
gesellschaften «i^ewordcn ist, so bedürfen die Damen und 
Journalieser der äpecies facti nicht, wir /i^iauben indessen die 
beiden ersten Seiten von Hm. Wuttkes Sektiii als specie« 
Ukcü für unsere Leser hier abdrucke» laescs an mfisaea* 
Herr Wottke hegmni sein Scbriftoben ml fönenden Worte«. 

Kein Buch über die Scbieaaehe Gk^bi^ltte isl aas dea 
Händen der Geschichtskvndigen ven Befüf in weitere Kreise 
gedrungen als das Haus und Ta^^ebuch Yalentio 
Gierths Hoth^erbenneisters /«u Brieg, welches von dem 
Thun und Treiben einer Sprösslinginn des HobenzoUernschen 
Hauses reichhaltige Kunde giebt, von der DorotheaiSi- 
blUa der Tochter des Brandenburgischen Kurfürsten und 
der Anhaltiniscben Prinzessin« fiUsabetii) der Gftinahiion des 
Hersels Johann Christisn von Brieg ond- Lif)gnil» ^ welcher 
knrz^ vor und w&hrend der erateo Zeit des dreiss^jätu^i^ea 
Kriegs Obertandsliauptmann in Schlesien war, ein Büchlein, 
welches der ehemalige Syndicus von Bn'eg, Hr. koch, der 
Oeflfentlichkcit übi r^ab. Gustav Adolf Stenzel in seiner Ge- 
schifbtc des Preussischen Staats Theil I. S. 540—547, einem 
Werlie, an dessen Gediegenheit zu erinnern nicht nötbig ist, 
Karl Adolf Menzel in seiner Geschichte der Deutschen 
Reformation Theil Yl^ S« ^6— Morgenbesser eine 
nicht kleine Zahl literarischer und schönwisaenscbafüicher 
BUIUer benutzten dies Buch und entlehnten einzelne SchM- 
dernngen aus demselben^ welche sich innerhalb und aasser- 
' halb Schlesiens lebhaften Beifalls zu erfreuen hatten. Ein 
schreiblustiger Komödienpoet suchte mit den Erzählungen von 
der lieben Dorel das Publicum zu belustigen; ein zweiter 
Versuch, ihre Geschichte zu dramatisiren, wurde an dem Orte 
selbst gej^acht, an welchem die gefeierte Herzoginn einst 
gelebt hatte. Die einzige Veranlassung zu diesen beiden 
dichterischen Bearbeitungen, die bii^iien* w:^igen Jahren her« 
vertraten, war das von Hm. Koch mttgetbeilte Haue and Ta^ 
gebuch Giertha. Ja sogar eine, milde St^ftiihg sollte Ifcui 
seine Entstehung verdanken. Dann fährt Hr. Wuttke fort: 

Keine Stimme wurde laut, welche den Inhalt uod die 
Aechtheit der Mittheilungen Kochs beairityleii hifjtte. |>ie Au- 



«b4 der Unwö§iä Qorothoi SibUte tm Ltcftalts. - t9ß 

Unritit der eben ^eiMmtteo Geschiditselifeiier, Insonderheit 

des durch seine kritische Schärfe als Muster dastehenden und 
und durch vieljährige Studien mit Schlesischer Geschichte aufs 
genauste vertrauten Geheim. Archivrahts Prof. Dr. Stenzel 
konnte und musste als genügsame Gewähr der Acchtheit die- 
ser anziehenden Geschichtsquelie dienen und im Vertrauen 
anf ihr kompetentes Urtheil wurde derselhen von Niemandem 
fifalttben versagt Der Verf. dieses Anfsatsbes wa^ daher 
mdkt wenig Qand fMt dies leUiaft^ Indem er die Aeehlheit 
dies genannten Buehs In Zweifel sieht and soerst mit der 
Behauptung auftritt, dass wie neuerdings Hr. .Wagen feld 
(füge hinzu und SprunerJ die gelehrte Welt mit einer das 
Aiterthum hetreffenden Schrift zu täuschen versuchte, so TOr 
die Geschichtskunde des Mittelalters Ur. Koch gethan hat, 
dass eine ähuliche iitterarische Bei rügerei nicht ohne Gl tick 
versucht worden ist, wie in älterer Zeit von dem Abhate 
Vella, von J* Becker und dem Schlesier Hosemann. 

Ref. darf der s|»eelellen Beweisfiahning, welche der Verf# 
aof fänf nnd slebenaßig Seiten sosammengedrängt hat^ in einen 
literarischen Jevrnale nicht folo;er)^ er versichert Indessen, dass 
Hr. Wuttke äussere und innere lic weise der Unächlheit des 
famosen Machwerks vortrefflich vereinigt hat. Er hat .sehr 
gut nachgewiesen, dass sich der Verfertiger des vorgebli- 
chen Tagebuchs weder im Charackter eines lloihfrerbennei- 
sters des siebenzehnten Jahrhunderts behauptet hat, noch 
auch die Muhe gegeben, die Paj*ticalargeschichte der Stadt 
Brieg and des herzogl. Hofe, sich so eigen m .machen, dass 
die fehlende äussere VITahrhett des Tagebuchs durch innere 
Wahrachelnllchkeit ersetzt werde. Dies Alles werden die 
Leser der Jahrbücher lieber ausführlich in der mit bündiger 
Kürze abgefassten Schrift nachlesen, als hier abgekürzt se- 
hen wollen, die vollständige Ergänzung geben die beiden 
angeführten Bogen der Sohlesischen Provinzialzeitung. 

In diesen Blättern hat der Herr Stadtsyndikus Trost in 
Brieg, ohne Persönlichkeit und Animosität urkondlich und 
gewissermassen gerichtlich dargethan, •dass weder Spur noch 
Nachwelsusig des Tagebuchs und des vorgeblichea Schreibens 
vorhaaden Ist, oder je vorhanden war* ' 

Ref. danlU dem Herrn Wuttke aufrichtig, dass er den 
llass und den Zorn der zarten Seelen . denen sentimentale 
Lügen und l^'a^leien lieber sind, als harte und rauhe Wahr- 



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764 Wuitk« : lieber Huuf und T«gelmeli V. Glcrih*« 

heiten nicht gescheut hat and es gewa^j^, den Beicü$(4iT n 
entlarven; denn er gesteht, ungewarnt wäre er ebenso got 
in die lojal sentimentale Falle ge^migi:n als sein ehrlicher 
kritischer, gelehrter Freund Stenzel. Vortrefflich hat Herr 
Wnttke von 8. 21 an durch eine ^an'ze Heihe von Umstaa- , 
den durcbgefiihrt und an ihneri nachgewiesen , dass es na* 
möglich war, dies Vftiten Gierth das ecbrelben konnte, 
irns ihm zugesehrieben wird, dass alse Hr. Koeh den aitea | 
guten Spmeh mendaeem opsrtet esse nemorem ganz 
vergt^ss. Ref. darf übrigens die sichere Manier der Kritik 
und zermalmenden Untersurhang des Einzelnen, die nicht 
durch Schmähen oder blosse logische Schärfe, sondern darcft 
Thatsachen , durch Chronologie und . Specialgeschichte den 
acbändlichen Betrug aufdeckt, allen denen welche Wahrbdi 
soehea und fromme wie gottlose Täuschung veraiMiclieoeii, 
als musterhaft empfehlen. > 

Attfönger können dabei handgreiflieh erkennen, wie nScii* 
iig jede unkritische Behandlung der 6eschle,hte ist ~ deas 
nicht Hr. Koch allein erdichtet Urhunden. 

Der Verf. der kleinen Schrift hat nicht weniger als sie- 
ben und zwanzig vernichtende Punkte siegend durchg-e fuhrt, i 
hat dann noch einmal gezeigt, wie sich der ganze Homan 
von der lieben Dorel zur wahren Geschichte verhalte und 
wie das Publicum den Jioman mit lauterem Jubel und höhe- I 
ren Enthusiasmus aufgenommen habe, als irgend ein histofH 
sches Werk. — Man wird daher leidit begretflt^, waraa 
man in Schlesien so wnthend über Hrn. Wuttke herfieL Bcf. 
ist öberzeugf, dass wie Hr. Hotfmann von Fallersleben getbaa 
hat, so auch sein Freund Stenzel den Betrug anerker^nea | 
wird 5 es sollte ihn aber gar nicht wundern, wenn die An- I 
dern die Lüge besser fänden, als die AVahrheit. Daran Uegt 
wenig, denn die Lese weit ist für Homane und Romane 'siod i 
für die Lesewelt gemacht und geeignet ^ es kömmt nur da« I 
rauf an dass die wenigen Freunde der ungeschmitiktea | 
Wahrheit wissen, woran sie sich m halten haben. 

Am Schlosse ereählt Hr. Wuttke* die Geschichte, der 
Jahre hing fortgesetzten Aefferei des Pnblicnms, welches 
niemals -irgend eine Kunde oder Nachweisung über die Ge- 
schichte der Handschrift des Tagebuchs erhielt, oder auch ' 
nur erfuhr, dass irgend jemanden das Original der Notizen 
vorgeseigt sey, welche, Hr. Koch bei seinen xahkeiehen Mif- 



L-iyiii^LCi Oy Google 



und ilie Uersogia 0«roÜi«a SibiUa \oa LiegniU. 



iheilun^en an Journale benutzt habe. Diese Mit the Hungen 
dauerten von 1829 bis 1838, endlich ([nachdem Stenzel ver- 
geblich ^ute Bezahlung für die Handschrift (Roboten 
hatte3 liess Koch durch einen Caiididaten der Theologie^ 
Schmidt, das Tagebuch 1838 auf 256 Seiten in Brie^ drucken. 
StkmUt htkt keine Hnndaehrifi gesehen er aehrieb was Kodi 
Ibai angab, das sagt er selbst ehrGch und aufriehfig. 

Wer ibr^ns doreh des Hm; Dr* Wnttiie neislerhaflle 
Oeduction nicht übemeugt seyn sollte, den würden wir anf 
den ^i\nz ruhigen in keiner Weise polemischen Artikel des 
Herrn Stadt-Syndikus Trost in Brieg, in Nr. 72 und 73 der 
Schlesishen Zeitung verweisen. Dieser iVachfolger des Hrn. 
Kech ^iebt einen ganz auf Urkunden, Akten, Archivstücke, 
Registraturen gestützten gewissermasseii gerichtlich gültigen 
Beweis, das^ niebt die benihmten Badands de Paris nnd dip 
berfichtigten Gimpel Deatscblands oder die golls derfinglün- 
der allem leiefatui betrügen sind, sondern, dassaoeh die sehlaoen 
Sehlesier Ruweilen (^gleich dem giiten Homer) schlummern. 

• Ref. bezeugt im Aauicn aller Freunde historischer Wahr- 
heit dem Hrn. Dr. Wuttke zum Schlüsse dieser Anzeige noch 
einmal seine aufrichtige Dankbarkeit, gerade weil ihm unmit- 
telbar an der Sache nichts liegt, er an der Schlesiscben.Ge* 
schichte keinen besondern Antheil nimmt, und auch unge- 
warnt recht gut weiss, was er von der Idyllischen Bescbaf« 
feuheit fürstlicher Familien des siebenBehnten JahrhuaderlS| 
v<tti .Phrasen oqd vom Pscttdo-Prcussenthom zn halten bat. 

Mit diesen drei ansfährlichenAmBeigen glaubt Ref. ampa.«}-» 
sendsten die kurze einiger wenigen ihm zu diesem Zweck 
freundlich niitgethcilten Schriften verbinden zu können^ weil sie 
einer Beurlheilung oder Analyse nicht bedürfen, und einen 
ausführlichen Auszug nicht vertragen, wodurch man doch 
nur eine sehr unvoilkommne Vorstellung vom Inhalt dersel^r 
ben erhalten würde. Die Erste ist von einem gelehrten 
Grossen des Bnssisehen Reichs, dessen Unterhaltung ebenae 
geistreich aia seine Kenntnisse umfassend sind, und dessep 
Bemiihui^ um urkundliche Gesebiehte ihm und seiner Nation 
doppelt Khre machen, je seltner man in gewissen Kreiscin 
die Roinanzoifs und StronganoiTs und Labanoffs findet, denn 
Tuiganief ist ja erst eigentlicher Gelehrter gewesen , nicht 
ursprünglich hommc de qualite. Das dem Ref. erst in diesen 
Tagen zugekommene Buch hat den Titel« * 



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A. Labanotr: LeUret iiiä4ilr« de Murie Sliiart. 



hettre$ incdit€» de Marie Sluurt^ aicompn^n^et 49 divtrse§ äepechea et in- 
9inu!UüM 1998—1587» PublUe» par le IV/aet Aktmmdre Labum^ff. 
Piri», «Am M»Hn mah9 9t Firmm Did0t. |88». 844 p, 8. 

Der Föral hatte in einer Sammlung von Handscbriflen, 
die er aieht nennt noch dem Ref. mAndlidi iiieM genamit 
bat, eine Ansahl un^edraekter Briefe der Marlli Stmui 
gefanden, er hatte sieh, ehe er seine Reisen ins Aas- 
iand antrat, entschlossen gehabt, diese heraossti^ebeD, 
erhielt aber hernach unbrauchbare Copien und musste daher 
seinen TorsatK aufschieben. Es muss indessen noch ein an- 
derer ljnst«nd ciri;2^etreten seyn, weil er weder rathsam ge- 
funden hat, den Ort, wo er die Briefe fand, anzuheben, noch 
die Anxeige , wo und an wen sie gesehneben sind , in das 
vollständige Vereeiehniss der sämmtlichen Briefe der Kdai- 
ginn, welches er hinlen angehiingt hat, aofasunehmen. 

Dieser Band enlhiK Steffen and vierzig Stäefce, welche 
die Königinn unmittelbar angehen, o;rösstehtheils Briefe, 
welche der Ilt rausgeber theils unter den Handschriften der 
königlichen Bibliothek in der rue de Richelieu, theils in den 
Archive« du royaurae in Paris aufgefunden hat. Die Absicht, 
sämmtliche Briefe zu sammeln und herauszugeben deutet der 
Färst in der Vorrede an* Ek* wird in seinen Yerhültnissen 
am ersten im Stande aeyn, dem Pahlieom dieses sehr bedeu- 
tende CSescbenk %u maehen, man wird hernach alle Aeten- 
stäcke in einem Werke endlich bei einander haben. Wie 
viel daran noch fehlt, das wird man am bessten daraus se- 
hen, dass am Ende der Vorrede versichert wird, dass von 
852 Brieten, Instructionen u. s. vv., deren Existenz sich anhe- 
ben lasst, ausser den «35 in diesem Bändchen enthaltene/i r/n^ 
gedruckten Briefen nur noch 467 andere in ganz verschiede- 
nen Werken und 8ammlimgen zerstreut gedruckt sind. Der 
angekündigten Absieht der Bekanntmaehung alier bisher an- 
gärackten Stöeke in Verbfndniig mit den schon bekannten 
gemäss hat der Heraosgeber den «bo^edrnrkten Briefen eine 
genaue ( hronologie de Thistoire de Marie 8tnart von ihrer 
Geburt 1542 bis 15b7 voraiigeschickt, damit die Vorsteher 
%'on Handschriften-Sammlungen leichter auffinden können^ in 
weiches Jahr ein Brief gehöre und anter weichen ümstän-* 
den er geschrieben worden. 

Hinten angehängt hat der Uemosgeber das genaue Ver- 
nelchniss der S&O Briefe u.«.w.,:die er kennt, er ersaclit da- 



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A. LatMiBOflf: LcIUtm iotiditeft de iUarie Slaart. KU 

her' auch in der Vorrede freundlich darum, dtassl mnu ihm 
J\achricht ^eben mö^e, wenn man von ir/g^end einem Briefe 
oder Aktenstuck Kenntniss habe, dessen Datum und Auf- 
' schrift er in dem Verzeichnisse nicht angegdben habe* Am 
iSk^in^ fügt er danu foJgeikde N*te hinzu: 

Je a'ftt poInt iiidique dam co r^pertoire les lettre« ga- 
llinfea Attrihneaa a Harie .fitearl; ni. eeltea qa'SM preliai 
.««'die. « eeritCM ett Jnillet h$ .6 a MeniMpa pi Paget, Je IT 
et 26 a Babin/^on, et le 27 ä Paget ^ parceqae aea adversah- 
res n'ont jaiuais voulu representer les ori^inaux de cts lettres« 
Cependant Je les publierai a la guite de la correspondanae 
rentiere comme aupplemeiil. ^ * ■ 



JSted|Nl und der Orient. Fergpkkim 49(gk$sung der iürkitchw Frag§ 
von Friedrich MmMg id^dutr. SMtgvH. JIUi9kra»k$ Hußhkmtdhmg^ 

Der Verf, die^ Schrift ist als gewandter politischer 
iScbriftsteller zu |>ekannt, als dass es einer Empfehlung sei«- 
ner Arbeiten bedürfte: Ref. will daher die Leser der Jahr- 
bucher, denen die kleine Schrift selbst nicht auigekommen ist, 
bios auf ihr Daseyn und ihren Jnhalt aufinerk^am machen. 

Waii die Krage seibat anbetrifft, so möchte in eineid 
tteicho,.wo Alles blos voa der P4»raeoU€UjLeit( dfCa Hegi^ea 
afibdiigt^ und , unter, den Ufnatänden weiebe in dei» lete^f 
Zeitq^ eingetreten sind^ bei. den Veründerungen, welche Mali«» 
mads Reformationen herbei geführt hatten, u. nach IbrabimsSiei^e 
wohl nicht leicht abzusehen seyn, was zunächst von den christli- 
chen Mächten zu thun sey und welche Gestalt die orientali- 
schen Ano^elegeiiheiten gewinnen köfinen. Doch, Ref. erinnert 
sitli daran, dass er über das, was geschehen kann und soll, 
wenn gewisse Umstände eintreten, oder über die combinato- 
rische Politik, gar keine Stimm e hat^ weil er nar allein dila 
kennt, was geschehen ist .und dies nur mit dem vergleicht 
was tkm als Pflicht der Regierenden und der Regierten vor- 
schwebt, er will also blos den Inhalt der Schrift angeben. 

Die erste Hälfte, nämlich S. 1—74 lullt die Ueberselzung 
eines französischen Pamphlets, des Herrn Arman Lefehvre, 
betitelt Frankreichs Politik in Bezug auf die Angele- 
genheiten des Oiieuts, die zweite 75—171 enthiüt des Herrn 



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768 Lindaer: Knropa und der Oricui, ^ 

Lindners i'ntersiichnrtg jener Schrift nnd der Frage selbst. 
Diese Untersuchung ist in Form eines Gespräclts zwischen 
eineoi Deutschen and einem Nordauierikaner eingekleidet. 
Da der Verf. ansdrücklich diese f'orm /^^ewahlt hat, am die' 
Sache von verschiedenen Seiten zu betrachten nicht aber fft» 
tkuitiseii nn entsebeiden; da er seUist in der Vorrede warnt^ 
nidit vorefl^ aoa elnaeinen Behauptungen der Personen, die 
hier redend eingeffihrt werden, auf die Mefoung des Verf. 
zu schliessen, sondern stets das ganze Gesprach, Rede und 
Gegenrede, zu beachten, so wili Ref. keine Resultate aus- 
heben, sondern es den Lesern überlassen, die Schrift selbst 
zu lesen. Der Verf. hat Alles gethan, um die Leetüre des 
Schriftchens zu erleichtern und die Frage selbst von allen 
Seiten zo beleoehten. Ref. hat sich darüber gefreut, dass 
Hr. Liudner, dieselbe Bemerkung mit dem Ref. gemaehf hat, 
dass nimlleh die PVannoaen noeh Immer nieht anflfedren , dm 
Knke Rhelmifer als Ihr Efgentbum zn betraebten nnd dass in 
dem einzigen Punctc, alle Partheien und Farben der gros- 
sen Nation einig sind, dass die Deutschen ganz rechtmässi- 
ger Weise nur existiren, um von den Franzosen gedruckt, 
gekrankt, beherrscht, der Nationalität beraubt zu werdeali 
Darin sind Bonapartisten und Bourbonisten, Republikaner tad 
Anhänger Louis Philipps, Mole and der alte ^eek Chateao* 
briand Im Congres de Verone gans -einig, nnd werden wahr- 
^Ndieinlieh darin bestätigt, wenn sie sehen, dass Liberale and 
PapistenSgewisser Seholen und Partheien albern alles Fran- 
zösische preisen, das Deutsche tadeln. 




♦ 



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N". 49. HBlDKLBERGßR " -'|839. 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR.' 

•» . :; .* .* . . ..w • ' : . r 

;* - , •» ■ •. • '.. •■: '•...*.'. -r.t <• • 5, . I < .."^ 

1. ■ GMthichie der neuen Zeiten von Christ. Ferd* Schid««» Fünfter Bandf;. 
, mit neun Kupfern i8iS7. Ggtha bei Justus PtrtAet, 536 & 8. 

Z^^^llgpmeine tf eltgesehichte für alle Stände, mit b99(mdeter Rücksic/tt 
,^^fjt^^die Gwkichte der Religionen, so wie auf das üedürfnisa der ge- 
bildet^ Jfi^end beiderlei Gj^§chlecht,s. Bearbeitet von Ludwig Bauer,. 
^^Pfifwir am ' ifdnfg*!^ otercM GiimMnißm ku' fiHaif^art.' F&iifter Boiiil. 
:' 'Am0mi tkr:Bdfindk9 BtU!^ 1888; 9. '.' 

> •(.:Ba;-4ieiViei£./leiflir ii^ikedtaife888n8B>li«iHir LehramftiJuj 
teB jnkl'!|^lMlifete Mtener «nd, da Mde W«rke ihriPaUi^; 
,Kiiimariloii zecAiddM.lMbeB iM^de» BcAirMsseii dieses P«^- 
btfkiMis bei- Uirevi -Fortran <^e intiier mähr an^epasst sind, so' 
kann Ref. sich ganz kurz dmüber fassen. Er darf dies um 
80 mehr , da er von Nr. 1 den vierten Band und von Nr. 2 
alle vier vorhergehenden Bände sehon früher angezeigt hat. , 
Die Manier und der Vortrag ist sich ganz gleich geblieben, ^ 
^r. 2 enhait die Geschichte vom Westphälischen Frieden, bis 
auf die llevolfition, Nr. 1 die Geschichte der neuesten Zeit 
bis 1814. Die Manier ist an beiden Werken verschieden, 
w^l die beiden Verf. ein msehiedenes Publikum im Aage 
liaben, beide sind übrigeiw ernsl gehalten, frei von alier 
Rhetoril(| Oeelaoiation aad Anmassong, aläo durchaus auf 
BsIiAriing J^eredmeb, .iwsldis -.doreh die liie und da einge^ 
rofiitei|(tSlisoaderh[eiiaiiflNd«bl wird, damit das Troekacf eines 
C^ipfiindilima vjsrnundsn. werds. ;: 



Di§ Auswanderung . evangelisch gesinnten Sql^b^rgsr mit Bezi^ at^f 
die Auswanderung der evaujgelisch ^esinn1§» ZUitH/kaltr^ dargitfUXbt 
«0» CArürfo», PMtitumd SehäMe. Professor mm GffmnasiMm ms Mktu 

0. : «i ■ ■ ' ^ ' - 

' JSilie jKurze and sehr.iMehrende Geschichte zun War-: 
Q«mg ifüTidie Protestanten, -ivdeiie jet&t durch ihre eigeuo'. 
Tstosan«: nn^lidwKck die Intsieraafi der Aimisiibeft'l£iffcb0y 

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• . • " ' • 

jenigen protestantischen Re^nlao, welche über Staaten be- 
sehen, deren Ufir^rer gemischter Confeaaion . jrinit . nad dmck 
die Schärfe, Schlauheit und Consequen« der katholischen 
Regenten gewisser durchaus protestantischen Kürstenthünier 
sehr bedrängt sind. Hr. Schulz deutet «n, was in Deutsch- 
land geschehen konnte, als sich noch den Reirhsw^esetzeo , 
gemäss, Fürsten und Städte ihrer von andern Färstcii^ ge* 
drückten Glanhensgenossen annahmen; itnd damns kdmiei 
vrir lernen, was jetzt möglich wäre , da dies nicht mehr ge- 
schieht. Die Frommen, und die Pühstlicl^eainateo ^^laoh^ 
zar Ehre Gottes sey Alles erlaubt, es sey ein Gluck tat des 
Ungiäubigea nnd Ktiaor, wenn ev httf dsn-llaarefi IlMitffi»- 
melreich geschleppt oder mit der Peitsche in die Kirche ge- 
trieben werde. Wohin ein solches System fuhrt, wird mau 
aus der von Herrn Schulze sehr gut erzählten Geschichte der 
wackern, ileissigen, geschickten Salxbuiger lernen können, 
deren Andenken in Frankfurt am Mm 4ind im* Bmndenbv« 
gisehen nach aieht erloeehen ist» 

m 



Nmpelln <#r«iiMf JUMvI-ijnte« j^ilMvpAigMM «i ITlIiMfSt. iUvm trimߧtn^ 
jnifrWct par ldr§.. Dr, lhm€ cef ßuet^ Ato^ Id«r«4MNt. CM. 

Ref. hatte vom Hrn.. Prof. Lena in Gent auch das «nie 
Heüt dieser, grändlicher, wissenschaftlicher Forschong gp^ 
widmeten Zeitschrift erhalten and hatte heaondefs* dfli< hlilo^ 
risehen Beiträge des Hrn. Lena her\'orgehoben, die auch in 
diesem Hefte einen ausgezeichneten Plats einnehmen» Es 
findet sich nändich in diesem Hefte zuerst ein Aufsatz, über- 
schrieben: des Lois organiques dela societe, worüber Ref. 
weder urt heilen kann noch darf, weil er überzeugt ist, dass 
rtit der reinen Speculation über durchaus reelle und prakti- 
sche Din^e ohne viele und re:ife Erfahrung, ohne gaosfi ge^ 
naue Kenntniss der Menschen und Geschäfte und ohne grosse 
Liehe und Moralitü stet» viel gisehadel and wenig gteiiotst 
whub ']>er AtaMtz ist fihifigeaB iheraelai' aus' PaiMavMts 
Eucbü»sr Ihiemshen Magn^fMuaa' 483? h^i^Maneif^ w«|u 
ches doch- wohl auch in DeutscUaad viel Laser:, müss gof an- 



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den haben, da eine zweite Aiiflag'e nöthig geworden isl. 
Auf jeden Fall weiss man , dass des tteferenttn b^sLuh ihn 
aar zu Tfaataiichlichen führt. Mit den Lelztern es «knol 
auch der swette von Hrn« Lenz ab^fasste Au£sait7i von S*. 

ben: Jean rAveufle, Rai 'i9..B»keme' H cMte .die ijaxenü*» . 
bmrg. Wer aacli nor g&nz oberflächh'eh mit der deataehen 
Geacbtehte bekannt ist, wird doeh wissen, wie bedentend der 
Sohn Heinrichs VII, der Vater Carls IV, für Deutschland 
war, und dass er auch so^^ar in Italien und Frankreich eine 
Rolle spielte und der Pabste Instrument war. Hr. Lenz hat 

i mit g^rosser Gcnauigiieit und Sorgfalt das Einzelne behan- 
delt, und mit Vernachlässigung der, wie es scheint, auch in 

> Belgien wie in Paris beliebten Romantik, der hochtvab^den 
pkitaaapfaisdi, sdicinenden SIpraohe nml den ol^ ditirf raaibfediea 
BMibMa gelehrt-hlatorinch gefoitaeht* • Ob er nkUxk'vm 
FelKel hinfigern und bessern Gebraveb häittt^ maeken soffen, ' 
will Ref. nicht entscheiden; aber grade, weil er andere 
Htllfsmittel und (Quellen als Peb.el benutzt hat, ist es dem 
Ref. leid gewesen, dass ihm dies Heft erst zu Händen kam^ 
aU der 1. Theil seiner Geschichte des 14. und 15. Jahrhnn- 
dcrta schon in der Druckerei war : er hätte son«it ganz ge^' 
wiss den Aufsatz sdrgfältig benotet, ür. L^'i& bat das! ziam- 
Uelv Mdankbare OesobM übenammeo) den jlbeRtenemden, 
refaendM) verMshwendenden K6nig sin vertheidigen, das iai 
ym einem Bdglaeben ff^tofSosaor wenigstens denkbar, denn 
Johann ^««mebwendeie das- In Böhmen erpiesste Geld re- 
gclmässi«!; entweder in Pai4s oder in Luxemburg. Der Raum 
erUubt dem Ref. nicht, in diesen Jahrbuchern auf das Ein- 
zelne der gelehrten Schrift näher einzugehen, er efuptieht 
aie indessen den Forschern der deutschen und böhmischen 
CtoaeiiiolNe, welche darin manche Notiz aus Biebern finden 
wepdeiif die ünleB 'niebt gerade gleieb ftmet Hand segm 

. ¥eai W. i^rof. Altnayer In Brisael liat Btff. seiion Tse 
Kftagefer ZaIl elffCi fieMfl erhalten,' belebe wabraefieinlieb, 

da sie weder besonderes Titelblatt, ausser dem Schmutzti-«' . 

tet, noch den Namen des Verfass. und Verlegers oder die Jahr- 
, zahl an der 8tirn trägt, auft einem Journal besonders abge-- 
^ drackt ist. Ref. gesteht indessen, dass ei* aus dieser Schrift von 

den liiinft^i^ Leiatungen des Hr. Attmeyer's, van seinen hiatu- 



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Tt% AUiBcycr: Hiatotre 4e ia Hanse Teuiontque. 

rischen Kenntnissen und von der verständigen llicbtiing' set- 
ner Bemühnnjsren um die Wissenschaft einen weit vortheil- 
hafteren Begriff g'efasst hat^ als aus den beidea andern 
Schriften desselben, die er zu verschiedenen Zeilen in diesea 
Jahrhieheni mil Anerkenmm^ «iler Talente usd iler Kefiot- 
nine des Joogaii Gdehiten iügelie%l: baltvu' f* - * - '^ : * 



"'' i , «1» »II » . «I 
BhtülM dit I« Jf MM Tcuioniqwf 4an§ tet rapport§ otwc Ia BetgiqAe, tPjt» 

Auch in dieser Schrift scheint Hr. Altmeyer mehr die 
Absicht gehabt zo haben, die Smhe nnatiir^en, als sie ans- 
suführeB) ungemein schätzbar sind indeasta die Akt^naliofce, 
welche der Archivar Lanhin in Yfiern uns «der aeiner Seijge 
anvjertraoten SaminliiDg von Urkwidea . dfm -Hro. AlUaegn 
* nf^ethefli hat Hr. Alteieyer seihet eebeint die neae An- 
gabe von Serto/ios Geschichte der Hanse gar nicht zu ken» . 
nen; er hat wenigstens von dein vortrefflichsten Theii der 
von Lappenberg besorgten zwei Quartbände, von JLappen- 
bergs Noten zu den Urkunden und von den ürkundt^n selbst, 
keinen Gebrauch gemacht, Forscher werden d^kusr wetkig von 
ihm lernen können; dagegen findet das Publikem, klare utf 
hinreichende Belehrung. Viele der Herrn der aeaeatenSehn- 
len sind /.u freigebig mit Citutea oad a&a MtMg In Benntamig 
der Blkher. Sie machen es wie die' JarlakVi Weltlenle aatf 
Philologen, sie schlagen viele Bieber auf, lesen aber selten 
eins, sie haben, immer dem Progres und der Wiüchiigkeit der 
Franzosen nachstrebend, die neusten Bücher zur Hand, wissen 
aber nicht, dass das uiehrentheils die scbiechtesteii sind 
Wer alles durch einander lieset und citirt, der kann den-Sta« 
denten und die Notizenjäger tauschen, den Kenner, .w0kte 
weisil, wie men. lesen .onil fftreeh«i» miw^ -^ilnd^wie. %venif 
man vendauen kaqn^, wird «8C neamW«gefmneii^^jMiBr. aa;- 
fifihiren* . • -ü/ r » • • f * • I». . ' 

. . Dies '4«. bemerkeii liiat.llef« deiitseiierrlieert* We^en fir 

nothwendig, weil das filcbriftchen, welches er anzeigt, eine 
Menge der nützlichsten und anziehendsten Notizen aus den 
verschiedenstea Schriften, eathält aber durch- 



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aus keifie-RusaminenJi&n^ende, dem Titel entspredieude Dar- 
stellung der Hauptsache, diese verliert der Verf. oft ^anz 
aus dem Auß:e, um bei Nebensachen zn verweilen. Seine 
Belesenheit. Lebendigkeit, Vielseitigkeit treibt ihn unruhig 
von Einem zum Andiara..^ Diese Methode und diese Art zu . 
studieren ist übrigens für seihen Zweck, \achrii;hteii aller 
Art aber Handel, yerkehr, Bevölkerung, Reichtbum, Blutbe 
der Bel^'scben oder vielmehr Ftömbehen Städte des spätem 
Mittelalters aui yerbreiten, ganz passend» Die Schrift ist un- 
gemein reich an Belehrungen und Notizen, Ref. hat sie mit 
dem grössten Interesse gele.scn und empfiehlt sie jedem, der 
sich feir das Wesen des öiirgerthums im Mittelalter interes- 
sirt; aber er findet keine eigentlich historische Entwickelung 
dari/i. Vielleicht würde aber auch Hr. Altmeyer unter den 
Leuten, mit denen er zd thnd hat, niemanden finden, der sein 
. Buch lesen möchte',, wenn er eine streng wissenschaftliche^ 
o4er eine'ge;iaa an Chron(>lo^ie ^ebiiqdene Entwickelanf 
der Verhäbni^se gäbe, d.1i. wenn er lehrte, wie saeeessiv 
ein/e's aus ^em Andern'henrorgen:angen sey, mit kurzer 
Andeutung der BeschatTenheit des in jedem Jahrzehnt Be- 
stehenden und des sich Verändernden. 

Von pag, 53 — 70 sind in den Noten die erwähnten ur- 
kundliciieu-^Xachrichten gegeben^ welche zum Tbeil von Be- 
ileutung sind. Man findet eio&elne anauebende. Actenstuck^ / 
vollständig abjgedruckt. . 

' Diesei^ Anzeigen ' will Ref. zuletzt noch' die Nachricht 
heifSgen, dass er selbst auf Veranlassunig der Frankfurter 
Verlagshandlung seiner von 1812—1824 erschienenen Welt- 
geschichte in zusammenhängender Erzahhmg die Herausgabe 
seiner Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts auf zwei 
Jalk* verschoben hat, um die seit 1824 unterbrochene Welt- 
geschichte auf die Weise fortzusetzen, dass des 4. Bandes 
1. und 2. Theil 1839 Ufid 40 erscheinen, der 3. und 4. aber 
fSrat nach Vollendung der Gesebichte des aehtoehnten Jahr- 
hünderls. Der 1* Ttoetl ist im Jum d« aB9|;e|^beii worden^ 
unter dem allgemeiuen* Tftd: ' ' ^ 

Wt\%f;z9ch%chit in zutammeukdngender Brzdkhmg n. # . w VUrttu Hunden 
Enttr Tktü. ' * . 

wui«4iiiter .dem. besoudern ; 

V 

■ 

0 



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114 Fr. Cbr. SdliMter; WcltgMcMclil« im suammMili. En&hl. elc. 

* 

Gitthicktt: der ^vltA«^e6«ttAetlM ^tM vStnäkmitm md / Mi fliB i ü^M JMh> 
kuudtrtt, Cr»lir TML itaMnu ^ %m^itw9§m l» << tfm 
jan^e <f<t «^scAsien JokrhmndtfU 0^f 4tm Friert» vom Breiig^ 
und ürban» V HüekMr naek Rom um IZM, Toii Friedriek Ckriwi«^ 
$ifMoM9rf GeMmtmratk und throfe»$or Het GcMekiektt zu ftMeiUrg» 
9WifilS^'a. AI. M Firumu Vwttmtrupp. IIWI. MO S^H.' 

Das Fiinzio^e, was Ref. der nackten Anzelt^re der Er- 
schcinuiiir cU's Buchs hfiTu;>cii will, ist, dass er sicli in der 
Vorrede darüber erkl.nt hat, wie und warum er diesem Bu- 
che, dessgn einzelne Bände besondere Titel haben niid ei«:ne 
Werke ausmachen, auch besonders verkauft werden^ nach 
und nach ganz leise eine veriAnderte Form gegeben« Er hai 
Afimltch die im ersten Theile deir fieschiehte 4es IHiUelaltecs 
(dem 2. Bd. der \ye1(geschie1ife3 bis zur^Nachta'ssigkeit ge- 
trfebene Matiier, der 8aehe die It^orm aufzuopfern, und die. 
Sätze ineinander zu schachteln, innner mehr gemildert. Dtr 
dritte Band war schon frei von der Auifassuns; von Einzeln- 
heiten und Sätzen, frei von ein^reschachtelten Perioden, Her 
Verf. hat aber nach einer irnterbrechunor von 15 Jahren noeh 
einen starlceh Schritt weiter gehen zu müssen geglaubt« Wa- 
rum dies geschehen ist, und warnm er jetzt weder weifer 
^hen darf^ noch, will, nocli Itann, hat er in der Vorrede an^ 
gegeben. £r hat ein bestimmtes und sieheres Iflibtikum seit 
27 Jahren, d. h. seit der Erscheinung des ersten Theils. Die«' 
ses muss er iui Auge behalten. .Die grosse Lesewelt und 
die Dilettanten mag ein anderer belehren und vergnügen, 
der irnterzeichnele rühmt sich durchaus nicht« zu denen 
l^ciiöien^ welche Alien Alles se>n können. 



Vhifukhh rf* f*. • « r !• S Hlo'n9, •Viee»^^ in VAelw^d» tuugUtr^, liTftelorl- 

.et Scfvii Ctaud t ijiiigmeiäa^ Scrip$it J. j$. 4**'Van lleundtt 
phil. th. mag. litt. .hum. Üoct. Trajccti ad lihenum, t^/^üd Jf/Lt^aeri Äu- 
tan bibliop. Aeademie. 1839 X und lOÜ S, in gr, ^ 

Diese sehöi) geschriebene Monographie scbliesst Kick 
würdig an die vor mehreren Jahren erschienene Schrift des- 
selben Verfassers über Cicero (piXonXdxwv an (s, Jaiirbb. 
^. 93(f.3, und scheint denseUien gvtodliehen Slvdien, 



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dfe jene Schrift hervorgerufen hNbeii, ihren Ursprung äu 
verdanken. Wenn zwar schon im Allgemeinen der ebeo 
«Nigellieilte Titel des Buchs «eine Absiebt und seifte fte^titn*- 
iiiiig i W iiiwU f n kalNii, 80 isl doeh. 4fr 0i}g«iiiliuiü'6elbii, tier 
bie$ in iiiker9*tJiilimMiliii|» fenodUBen tot, in soMieai Um- 
iMig oimI «' a t Whcr 'Anadthrnwy fccbanidt, dim^iiHcwdlngs 

' Aftliig^ wird, nitmr in dm* Onhg 4ef UnterMdiinig einMige^ 
•iMm, um das Ergebnis» derselben de^to besser überschauen 
and würdigen tu könnefi. Der Verf. hatte sich in der eben 
genatNiten Schrift (vergl. 8. 149-3 iro Sinne der Schütz* sehen 
Hypothese für den Hhetor Gnipho als Verfasser der den 
^cimfien €ieero?s lieigefügten Hhctorik an Herenaius 
•asg ei y tw li^nr Mmiigfadie Bedenken, die ihm über diesen 
CTegenatwid inxwiaolien enl^«KiMitraten, veranlnBBten eine 
■niftere -PiMin^f und rielMi so die votiiegende Sebrtft iiis 
Unseyn, die, nooh «bgesebeh von dem findresnttnt, das der 
Verf. zu erzielen gedenkt, die ganze Streitfrage mit mög- . 
liebster Genauigkeit und Vollständigkeit in allen literHrhisto- 
riacben Beziehungen behandelt hat. 

Der Verf. beginnt seine Untersuchung damit, dass er 
Cap. L die -verschiedenen ürtbeile der Gelehrten über den 
Verfasser der an Hbrentiius geriobleten Rhetorik, der Reibe 
«ich aaÜhPt, 'hsj^innend* niil dei^enffeny welche die 8ehrifl 
als ein ' Werk des Cjoei« hetraohMei»; er maehl dann ahf 
den Oegensatn 4m fai s» h s aia , der alsbald hervortrat ^ nachdem 

, xserst Raphael Regitts einige^ obwohl aligemeine und 

unbestimmte Bedenken ober Cicero's Autorschaft ausgespro- 
chen, ohne jedoch entscheiden %u wollen, ob Virginius 
Rafus oder Cornificius oder Timolaus der wirkliche 
Verfasser sey. Der Venetianer Marinas Becicheuius Sco- 
drensis erethiet die Reihe der nahlrdohen Gegner, die sidi 
Md von »Nen leiten in Italien gegen eine Ansicht erhoben) 
die als ein Majestitst'erhrhchen gegen Cieem's Ulanen be- 
tmeblel wardf -äbrigens aus den Ansfchteii und BegriiTen je- 
ner Seit woM •erkHM'Kch ist. Indessen i^hlte es doch Md 
auch nicht an solchen, welche bei der hergebrachten Ansicht 
sich keineswegs beruhigend, über den wahren Verfasser der 
Schrift tiefer nachzuforschen bemüht waren . und in dieser ' 
Beziehung sich nunachst' für einen Rhetor Cornificius. 
aussprachen, den sie freilich nicht nAher bezeichneten, ot^ 
tröU «de dabei, wie €9 scheial, den Vater im Aogc hatten^ 



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Vau H9ma4ßx».nkmA de Aitei^iä^iie. 



während G. J. Voss, obwohl auch xweifelnd und bedenklich, 
an den iSobn dachte, da ihitt die Behauptung^ Anderer. weU 
ehe von den 8ohna den Cicero oder von dessen ITrei^r^iaa- 
seneo, Tiro^ i^racben, fast wahrteheinlkber diinkea iiiMiilt. 
Noch Andere wolUen den ftln^lardliiJitev Aaierm^den Vir* 
ginjiia Rufas sm TerfaM^ Mcfcfnf AMeoe^ mmi 4km 
Ist wohl die ^rteere Mebnudil, ^edaehteR die It^Mche^ lieber 
unentschieden zu la^^stn. als eine btstiinmte Eriil:iriin;s:- wozu 
sie der nöthi<2;cn Beweise erman^rehi n. «iisziispreclu n. Biir- 
niann. dir mit /grosser Sor/2:falt diese verschiedenen Ansich- 
ten prüfte, erlaubte sich d<>di seibat keine, !Lnit>chciduag, 
Sein Nachfolger Spalding suchte v%'eiM|:aleiis «o Viel sa be- 
weisen, dass Quüititiai»^ dctf liimigt aus dem AlterllMini, der 
dieaer Schrift in eiiter frejtfeh.iiweiridhtrieii 'Wefim §r«derikt, 
keiaen andern als den Hhetor Cerfiifirkia« und xwiir'deii Jia- 
gern, för den Verfaaaer an^esf4ien habe. In dfeseat Swk 
findet sich auch in eint^ neapolitanischen. Han<isc!hrift des 
vierzehnten Jahrhunderts ISr.XLV.. von einer Hand des secb- 
zehnten die l eberji:chnft; „G. Corrtificii ad Uerennium 
Jiber prinius. Sic in.alio c^dice Romano.'- (^So 
nach Faneili's Catalo^ Osann fn d^r Hallisch. Liitt. Zdlu^. 
Ergänz. BK 1682, .Nr. ia. .p. 101.)« I^eaa Mngnke wild 
'KWBr aetawerHch^rosaeren Weith. haben ktaion^ ^lim die an- 
derer fletohrtei» ans jener. Fericvia'; . tber es -^vitf/dodb Uef. 
Mf 'der andern ^Seite bedflnken, dasa «dieae i^ranxe fiHreif fra/^e 
vom handschriftlichen oder diplooiatischen Standpunkt ;tTi$ 
noch nicht mit der Volls(Hf)di<rKeit und Sorgfalt behandelt 
worden, wie diess .vom Literarhistorischen aus ^escheinn 
ist. Und da wir gerade von dieser im Mittelalter so vkl 
.|;elesenen- Abetorik verbalt nissmässi/s^ so viele Handschriften 
hesNzen,' so wäre , eine nähere UnteiBuebung dieser Haittd«» 
8ehrirten, jiaiQentlicb eine CiaaaüMlning: deraelbeii,'ii» eo atff 
die letflte und Älteste *Qiieiie dcraelbeii zurickfuikoinmea, 
«och für, die höhere Kritik nnd far die Bntaeheidan^ der 
Frage nach der Autorschaft in der That von Einfluss umt 
Wichtigkeit. , • 

in der neueren Zeit war es Iwkanntlich Schütz, w 4 h her 
^egen diese Ansicht, die den Cornificius zum Verfasser die- 
ser Rhetorik erhob, auftrat, und indem er aus cbronoioiruschen 
Orüodeo die. Unttiög(icbkfiit-.einar.aalclicu Behauptung mefa- 
meBy eine.^ndfre .VfpnwithnAS. im» derea (Stelle 9fitz|e^ 



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» 



nach (U»r.JJietar IMk Antonius Gnipho dir ,V»9iv^ 
•iViPifUMMer «MO h&[ten sey»:: Unser Ver& -hiU : dii^m G^gren^ 

}ffmmmy ,iim' -ihm { Ymmthti^g um Scbüts. etop hohhh 
feuiilliMr 101, H04> »U(9i? iMilH^efidfm .iiti4 c»i(«0ii€iitai#eii 9(V 

wei8^rüAd<; ermaa^elt - £s war sonach ein anderer Weg; 
a&pi versuchen . und dieser führte unsern Verfasser auf den 
röaiischeh Hlielor Aelius Stilo Praecoiiitius, oder finjt 
Be7Aig auf seinen Geburtsort^ Lanuvinus, den Lehrer de^ 
I Cicero. L^iu diess dc8to ein!euch4€nder s^a machen, ^eht; dejc 
t V^rf. in die frühere ^^it ziirCiek, und ^iebt Gap. ]lL «'eii^ 
llereielhing der, ffliiigwiittiaehao und • rJi^msdwii ^sitodmiW 
.JRom .«M»n « den.* mMen Qe^grinn dfut^ofben biq anf. die. Fenti*» 
XJi|ref«par welelier .Aelin^ 9liln »ßUist ac^^ehqrl,. um eo deaielh 
.bea fWirkmnlceil imd Stelhm^ET d«ste dentlidier ku inacheH. 
Da nämlich die •9:an/«e Beweisführnnir, welche diesen Rhetor 
zo dem Verfas^ser der hier in Uede stehenden Schrift /.u m^*- 
ehen sucht, nicht auf be^^tiuimten Zeugnissen oder Steilen 
der Alten, die vieiui^hr darüher ein ^anzltchesi Schwcigep 
iMOltfIfktent .ÜH^riil^ iaoii4<ern mehr das Er^ehmss und 
I Swam^ einer « Raibe jvon Wah^'^sch/^inlicJüccitenr^st^ die; .liip 
, dm .V4rMI(||^(|sf|^,4er Zei|r fwi^A^ Qßn^ d^rSuMida^79m 
dßv geliM^n Bildung c)e«kA^ltf0i^MIOiViu| «eionn Vqvbä^ . 
nias W.Cicero f. der^J. m. ermittelt wercfen^ ao^war ea a^ 
]erdin^8 nicht überflüssig, eine solche allgemeine Untersu- 
chung vorauss&uschickem Erst Cap. IV. enthalt dann die 
specielleren Xachrichten über Leben und »Schriften des L« 
Aelius. so wie seines Schwiegersohnes,: ^es r^ouschea Rit-. 
fers ServivsiGlavUd ijua, der, obwobi a^t wenig bekannt, 
doch als Grammatiker ura die. Mitte dea, eralen Jabrbandarls 
vor ehr iate . mit Avsaeidinaas ia Roa» upenaint wii^. C^ef. 
finde! in • Be^ng im I^tstern eine fra^ fchon,' iJteo- 
bnr^ 1743» in ^ eracltienene Abhandlung angeführt, die er 
aber selbst nicht näher kehat, und ilie auch unserm Verf. 
nicht naher bekannt gewesen zu seyn scheint: Commentat. 
historica de 8ervio Claudio grammatico oltm Romano, sui ip- 
sius inedico ad c. IIL Sueton. de illustr. grammatt, edila a . 
M. Salomone RaniacUa)* Es. IM dieser Abschnitt, zumal da 
niebt bJaia Lehenaufa^UUide, so wie die Siplirif^ea beider Gram- 
äiatibier-.anr/cfidtig au^sgemi4tf!lt werden^# aondern; ajirh. 
Fraippianlo a^ibat ^i:^ieieiier .Sqfgfalt a|di 1^ zwstm^^ 



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gestellt finden, tmtörlich der urafassendste der ^an'Aeu SdMk 
ge/Wräm (jt. 33—84.}. Die Geburt des L. Aeliiis «ietttt 'll^ 
Yf/tt Mit »tomlicIVBr Wahreohernttchkeil m itO u/ e^'^^id/tt 
im « C^hr.; WAS «enst Aber flcfne Lebehsvcrhllilfitoe «14 
NMfh^ 'WifiksMiik^ bekliiffit U/k^ an^e^eben^ «ein c jll w 
fH)fitischer CliHrakter, wie seine rhetorische Thäti<2:<keit nach 
Verdienst ^ewürdi^t, und so^ ein im Ganzen recht vortheil- 
haftes Bild des Mannes . der den jungen Cicero in der Be^ 
redsamkeit unterrichtete, entworfen. Von dem Leben des 
8ervi«9*'Cla-iidias ist fmr höchst Weniges bekannt. Bei- ' 
de Münner -liler w^ritn ikten Xeit^eimsen als die ge- 
'Mfteslen ilHi liii^fiisehehMeii Chrannäifcer nnd ilhetsreii 
'ItottTs beMHMet, nnit veiHlieneii in diesem* SAnn ge^^*4tk 
imfte Lob, d^j^ i^fn f «rro, ein €%eer9 n. A. Ihn^n «resn^K^ba^ 

ben. Bei Aeliiis \erband sich mit den genannten Studien 
eine umfassende Kenntnis« des römischen Alterthums and ein 
sor^fäitio^es Studium der stoischen Philosophiei Beides ^ibt 
sich a^idi in den Schriften %u erkennen, die leider verloren, 
Iiier einer iwiheren Untersuchung unterworfen werden. Eine 
firkürang der SiiNsdMii €«ieiler, die in s^eMicber Mmeicbt 
üSelist 8chwieH|^ tfeyn wmtle^ da UMin sor Zelt des' AeNtis 
iMSbon ^dieselbefl'irt ' Rem niehl niehr verstand, mac^it dcfn Anh 
lan^; un^eiMfss IUI eilte Inndere* 8elni1l*: libri »aeriMrAw; 
sicher dagegen eine Erklärung* der zwölf Tafeln, die. wie 
uns scheinen will, tnsbesondere den sfirachfichen Standpunkt 
festgehalten halte; in das Gebiet der höheren Kritik gehö- 
ren die Untersuchungen liber Plautus und die Aechlheit sei- 
ner »Stilcke, während der Com mentitirius de proloquils 
äuf 8lHdien stoischer Philosophie hinweist. Auf andiTe Schrift 
ten DljriMilegrisehen tfilfer gTrainmatischen "inbaHs fiHiren man«* 
i«fa^;S|>aren. 'Was von diesen 'jSdhHften noch vorhanden isl, 
Aiid^ sieh nadi den wenigen Brn«hstliffien von S.'6t'-^« 
kritisch behaHdelt und geortinet. Eirn'ffe auf Servius Clao-* 
diQS bezügliche Fragmente reihen sich S. 81—83. daran; sie 
schetfieii zunächst auch auf die Kritik des Plaiitus. unt wel- 
cher sich dieser ^SrHuHDtttiker ^leicfafails eifrin^st beschäftigte, 
sich 2u bes»rhen. 

Nun erst: 'nachdem die f^me Blldnn|r des Mannes, s^i- 
ne Verhültnisse und seine ' LebenssteHnni: dai^^elegt Sind, 
fol^ In dem Cap. V S; 84 ir. dre Eigentliche Be^veiaJtthrtfsij^, 
wdeke dariftnn soH, dass kein Atiderer*,' als AttiiMr SMe der 



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I 

Verfasfier der Hn HeMiMiiw^lreiMiteten 'Melflrik B(*y. 
Jeniiii|;B gehi ^r Verf. 'Mer^mit* vieler Vmicht w WeilM^ 
«D Ainsli rmdh kßi t m Ail^abcNi': tlit. ikner ¥«fMiiiiiiiiy- «il 
«kwn^r ein ReAuttut/iHi «nrielen, 4ireMbe»titoe bloM Mg^. 
IMMt BQ «ini^ WüliiMMiilleiikelt mt ^Ireb^ im 4Sl#nM 
sey. Es wird daher /nerst ä»9 nahe Veryiltniss des AeüfW 
y.u dem von ihm m lledeöbnng'en und dergl untemehtelen 
Cicero hervorg-ehoben , danri die Zeit der Abfassung dieser 
RhetorÜi näher ins Ait^e genommen und dieselbe, wir ^laii« 
ben mit ftedit, als das ersi« AV^rk der Art in lateinischcif 
%ira0he dar^estelitpefi wird dami weiter aos dem Inhalt der-^ 
Mlbeii ll«dl^tflMe^4e»-|jel^taell^ d6fBelte>iarehaiiSfiiiif'ill« 
f^motr-^es -iMtii»^ipliaaeiid^*' mi «it MAeaieil' gM»er Bflilm^ 
tAereHüNlniMicd' erMirihov iniM4l«i^ ilei^^ t^v^ AIu 
lern emfifohfen und darauf für die BiMun^^ des k^nf^i^en Red- 
ners ein Haijf4gewrcht gefegt werde. Selbst persönliche mkf 
Familien verh äJtntsse , deren hier einige 8puren vorkomuieti, 
werden beräcksichtigt^ und selbst der von Aelias verworfene 
Ausdruck novissimus und noviss i ni e aiigeföhrt, der in 
dieser Schrift nk^ vorkeanDt^ obwohl er tn andern 8cbpif*« 
ten €iom?a «naüreflle» fBl^ -EMUeh wird ^4selM* der 
■ni dort taDerkücli« AMiMi atiMier iPliileii«|ihie uingfeM-t 
Iren , «nd die melirtelie BrwihitlNigr des €lipra, 4Üp-^^ 
elieti Aelius eine Rede schrieb, damit in eine Verbindung ge- 
bracht, welche den übrigen Beweisgründen noch eine be- 
sondere Starke verleihen soll. 7ai diesem Zwecke werden 
am Schlüsse noch drei besondere t^inwilrfe) die man der An- 
nAhme des Verf. entgegenstellen könnte-, bedacht «nd inil 
dirr V^^iderlegung derselben zngletch die^nabere Darstellung 
de« ^lelhesimehene» VerhiHnasses dic«r > Ahelorih ^ tAkm 
BOeh^ni De Inv^iiIhHift verhemlen ir.;6.!W«-IOI. mm 
Bin wiii€ Gesiebt sieh auf die IV, 12. eithrte^lle tfelr Sddd 
ren des Lnciiius, deren erstes Buch dem Aellus dedf eirt «wiir^ 
was auch schon friiber 8. 38. zu einer längeren Note Ver- 
«-uilassung gegeben hatte, die Ernesti u. A. auf eine Dedica« 
tion des ganzen Werkes bezogen hatten, was doch nur dem 
ensten Buch aukam. Es ist ehnehin ans n*nehefi fil|Mirea 
afieaniieh wahrscheinlich, dass vien den dtfeisafg Büehern Sa«« 
tireii) iweMi&4weh.. einer ¥ermnthttfi{[^ des Verf. «inirei dih« 
theilmigen, jede viii' funfiiehn Bnc^nt^ MiMen^ «*« jcides' 
efffiM besiiiitera fMI hesin»' ind so auch'fnr-^Ml cAi ^km^ 



4 



m yimiM0md§i. ^mm 4fi Miß' ftüliNif . 

zes biUetev lUts Mine eigene Dedication hatte oder doch ha«- 
konnte. W«!!« im .Gaoj(«n der aus dieser »Steile gci4 

" Meh^, Einwurf von . g^in/srer Erheblichkeit ist, 99- es 
Mhwkr^,' 4«« YewlMimm dieaer Bhetorik: sul 4ec 
iliViMMo rh«{t#rieji .:Ci€efo M 4er. m .«ch|ii||«iH 
i«^ »nd »^oMlmten InbidtsabttlieUc^'t s« leslimnien imd.dii-t 
init KHgieidi aiieb «Ue die Kahlreiehea* WidersfN'ilelie emi Be^ 
denken zu lösen, welche unwillkürlich hier ent;2:e^entreten. 
Unser Verf. ^ibt der Ciceronianischen Rhetorik jedenfalls 
den Vorzugs: vor der an Herennius, welche, wa^ Ele^s^an/i 
j imd Ueinlieit der Oarstelliin^, den weniger trocknen und 
niichternen Vortrag, die «celehrte Bildung*, das feinere und 
mbtigtt UrtlMH, dergl. 'in. MfM^, weit fMebateht^wid nm* 
hcBoiider^iMi der BnftwldilMi^i«ndiEriR|emng:4er eiwKekMM 
TMchdlfcii- ^bwelelN^ .ttM^^ im der. iebtndi^ii mU (tm^ea 
W'issenschaft4icbeii Behandlung de» Gegenstandes sehr ini«r 
röekbleibe. 8o vermiithet denn der Verfasser, dass Cicero, 
nachde^n er allerdings unter Aelius in Redeubun^en sich ver-y 
sucht, dann aber spater durch «ndere Vorlnig'e, die er g:ef- 
h^t, den. ;Kreis seiner Bildung, seiner Kenntnisse und An^ 
f«^l|teii*:erweitert, «o- die -AMssun^ de& 8elirifi iiiTeiH 
iiri>^Tlietisrie*.giirM^9eii,:M der er «nter aMderen tb» 
Sil Geb^t «tehenden .Schrillen^ und Heften, insbasoadere dte 
ItmtUii^ itm' Aellvm beiNrtsli, M- daram Manches^ vm» ibm 

> swl^ckmisaig' «nd erspneslicb isdiieh, auch In- seine DarstelA 
lun^ aufzunehmen, die auf diese Weise iManches enthalten 
musste, ^^'Äs in der spater, wie tier \ erf. [annimmt, auf die 
drinorenden Bitten des Herennius von Aelius bekannt ^emach- 
tpa Anleitung* (die-ei^enlüch nur eine Zusammenstellung' 
•dtor Ueberarbeilung seiner miiRdiichen Vorträge enthielt^ 
iMürlieb^sieb wiedi^r. finden sHMte. Aveb^ meii>l der Verf^ 
baM AeUus diese SOS Vl^r Büebii^rn bi^ebeitde Asleitoiig 
iifeM: 8Qf dtn^ Mal^, salid^n^ imt UnterbrechuajecB .haek den 
einzelnen Blichern nach und nach herausgegeben, so diiss 
die Erscheinuno^ der z^^ ei oder drei ersten Bücher gerade in 
einfe Zeit gefallen, in welcher Cicero's Schrift De inventione 
in ihren beiden erslen Huchem erschien. Daher habe Cicero 
dsreb das unerwartete Erscheinen der «Se^irift des Aelius^ 
sdüies -Lehpers« dberrascbl, sieb bestinmeh lassen, von deir 
«rMertt» Fotiatilmng des angefbngeiien Werkes abzustehen, 
da er äBt ^iissS'üebm>einstiM«ir<los libai^ 



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mit der des Aelttis bemerkt, wöbrend Aeliiüii, dem Wunscbe 
des Herertnnis'geinji«!s. sein Werk fort/a^esetxt und vollendet. 
Die Abfadsmig beider Werke tiärfte dann nadi 'lleih Teifi 
um 670. e. oder 8i. n €hr. raAleti. Auf liiese Weise gld&bf 
der Verf. die Wid«rD|inNftte »u lielen, ilie dich Mdher »er 
richti^n AblRmari^ des Verifällfrisseii ' beflfcr'iScIiirift^ und 
ihrer ^e^enseiti^en Beziehnn^^en ent^eo^en«!^steflt; und da- 
mit sucht er auch andere iheilweise zur Lösung: Widert' 
spnirhs auf^esleHte Behauptungen zn ' widerlegen and däsi 
Vaebältniss .(JuintilianV zu dieser Schrift näher zu bestim-» 
aieti. Wenn übrigens «ochr so «die ganze Streitfrage Wh:^ 
tfeii' V^rftmerxder Itter in Iteder^stehenrtfeB Rhie^rflt ^^lack. 
MMiI «* ier 8e|li|g«udeir fividein te^ M ;*^m^*itid9ä 
jOegefdiewctBr'MBOgllfeh '^d^ nnwmig Meht, \i^eftii' seihst 
«tt^li m etnseliie ZfweiM ond 'IKeiferikeiiv xii dereh weiterer 
Ausführung wir hier flieht den Kaum ansprechen könnerirj" 
noch immer übrig bleiben werden, wie diess zum 'f heil in 
der Natur der 8ache selbst, und in dem Mangel bestimmter 
Zeugnisse des Alterthums liegt, so werden wir doch deia 
Verfasser recht dankbar seyn m#ssen, dass er' den schwill- 
gm €kttg^kmtiknd eiadr so' grütMi^^ txüd aatfassendeii^iJa^ 
tersuehoiii^' von n&futm anterworfen^ aHd Mer efateh dertaaaHs 
bafteRfen fimmmatikef and RheMmi Rbais, ^lile db Tdrzug- 
Hehe Monographie, die • zuglelelv tfa» ]^anae 'VerftAHnilis dei^ 
rhetorischen Studien näher beleuchtet; uns geliefert hat. 

Chr. Bahr. 

fH^Hrirl Schleittmaehtr'B tkerarheher ^'aehfu»9. Zur Pkao§opkii» Hl. tiand, 
Kuttpurf eimtfa Sy»Hfitn^',4im mthnlabre.^ 4^^* hleior machet' s hofiftwiMif^ 
liehe m NackUwe., Heramigtgfbw ^Ifff. ^Ifikwfl^ffft i^rßfjp^fif^ 4iN^ 

liug M Bidmer, l{i35* « < > „ .• t^':^ 

. #. :. t* »• • ; ' • ' t*» i\. «i?» i 

Sehleiermacher hat schon im Jahre 1808. mit siegreicher 
Klarheit die Mängel der bisherigen ethischen Systeme auf*-' 
gedeckt, und dadurch die Erwartung einer eigenen Darstel-' 
lun^ des Systems der Ethik auf das Aeosserste g'espaiint. 
^it dieser Zeit sfad ölf^ntHch ihr einzelne Abhatidfatigerf 
über diesen Gegenstand, wetehe^er in der Berlfiieir Aeadbmie' 
der Wfföenscfiidlen' ioi^rasbiiM^^ lAidsM 



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Ulis nach seinem Ttde si^ine philosophischen V orträ|ce ilher 
8iUenlehrc unter SAfin^in Nachiasi^e in vorliegender 8chrifl 
b;ekannt gewof^len? Wir müssen in mehrfüc^liyer, Uinsicht 
uthr bediWittriir ^»^"^ '^^^lci^'r!VA<^her diese Ucraujsg^be nicht - 
f4^1|i8| }^f^UikUf!t h»ty, k^lßnrn abQt daraus entnehmen,- dwi 

SMewm9(^l^ «^miv der bedewtendaten Weatt' 

depiinkte der phliosophic nnd Theologie, m der Zeit einer 
gewaltigen Ivrisis, die er aber selbst nicht uberstanden hat. 
Davon sind ^eine siinunth'chen theologischen und philosophi- 
schen Schriften Zeugniss. —. Aber gerade -dieses miicht uns 
4ien grossen wni, juan muss ,\«:ehl m/sen^ w^nöa^iktißea Mimh 
e» bedeutend und interesf^aiit. Sein tief^f. 5;q vielseitipM 
Geist l|al veradOKujlf ne ^b|i|ieiit(» d^r .philmephiselj»»» Büdw^ 
und) wie sieb; bei einem M#i9n« fmvß» Art vpa «elhml vcm 
stellt, auf seibsi^andige 'Wfiee j|^.;#ie|i au%eno«ime4i. Sk 
bat verschiedene Bildungsst^ifen de« pJkilesophisdheu Bewuset- 
seyns mit durchlebt j ist durch Fichte zu Scheliing fortge-* 
gangen. Aber er ist, leider, nur bis zur Entwicklung der 
sogenannten Naturphilosophie in den ersten Jahren dieses 
Jahrbuoderts mit fortgegangen. Hier hat er akh» phtlosor 
pUsoh im WesentJichen abgeschlossen , und die von 8cheU 
lii^( uvd Andern weiter g^fük»^ Gescbiobte der JPbilose|iht0 * 
hat auf ibn keiaii^n Ainfliisa gewinnen Jb§nueib . Uaven gdw. 
una seilte itbrigen Scbriftefi,. und fnsbesiiiiderie die lerli^i^en-i 
de, den offenbarsten Beweis. — Mit Jugendlicher Begeiste- 
rung, oder vielmehr mit jugendlichem Uausc!)e, hat er den 
Fichte'schen subjecliven Idealismus, dem er besonders in sei- 
nen Monologen ein Denkmal gesetzt hat, und, mit fast er- 
höhter Energie, die Schelling'sche Philosophie gefeiert. 

Man hat sich nicht erklaren könnea, wie derselbe Mann, 
irelefa^ ^rst in der Vergötterung des mensobiichen leb gleich- 
sMr gM«hwelgt hatt», ton der absohiteirtTnabhtfn^gkeit und 
Selbstständigkeit dieses leh zur absoluten AbhAngigkeit des- 
•sl|M*n .vaa Gelt übergegangen sey^.-;- Jie Jj^lilirung dieser 
Ev^ipheinung liegt indes» nieht ferne. Sind es nicht gerade 
die am meisten energischen Geister in der Wissenschaft und 
im lieben, welche am ehesten, einer fatalistischen Weltai^ 
sieht ergeben sind? Die Erklärung dieser Thatsache ist ia 
den bekannten Worten Caesar's, welche er seinem furcht- 
aiiMiiefk j^hifer.2nrie(i ^9^9 ffü vil Hu .Qibrst Caieaar und 



fifi» OyML^ ^HBg^^nMf — Slohr interessant sind hi dieser 
Mriehm^ di« Aws«ii«ii|^> Gatlie's . über die -WalUuMiehil' 
Spjimi^s im. Anfiinfe -dea . viertes Thtib von .l^i«h lang 
und Wakrjk.'atU ^ Iten-'^jrd «hier bei denMtarn iiii4.s|iIIk 
teren- iB<;lileienBacherviii der ^dftdhten.Iüntdeht'iioali^Afi 4tar. 
Fichte der VVtsseinfithaflskhre und des seeK^en Lebens er- 
innert. Wer ivolUc läog:nen, dass die Weüansieht Schlei- 
erroaeher\s nelbst in »einer Glaubenslehre, wo er die absolute 
Abbäflgif^keit des JMenschen von Gott lehrt, ihrem letzten 
w408eR»efaiaftiiehea Prineip nach fatalistisch ist? sd 
«Ar tunkt mUß pefrsailltclio -Weltikiisiclit 4imcn .fitanlM^ 
iMlfct^iMl.tiiiM!»^^ Min«t€hiMoh|sies die am hen^^ 
tt4<i«M0li afeiiw^eiiaiil^ 

flekritleii hat Das vnbedingte AbNln^io;keitso;efilil "SchlH-o 
eriflat her's ist am wenigsten als eine psycholo^isclie 
firscheinung zu fassen und zu eriilaren. wie dieses Aon sei» 
nen Beurtheilern meistens jareschehen ist. Denn die Arß^n- 
nente voa dieser Zeit her hat der scharfsinnige und tief kri» 
ttsehe Maiut wohl beaaar gekannt) als Attdere^ die ihn diM*' 
Mt \idde«le|i||t*w.lMiben^glaidit€nw<--. Wie^ wean SekMmim^^ 
dkfii imteff ItacM Allbingigkeali||i^ef&hl jenes gekt/eimaumvolkk 
BßtiA ' awiadwn GaM mnä dem Menaeheii vemtahde« hätle^« 
dali' alttm-' Wdllen and firkeanen des * letzteren an -Grunde 
lie^l, ohne je im Wollen «nd Erkennen aufzugehen? Jenesge*- 
heiinnissvolle Band, welches die Religion (^religio} im o bj e c ti- 
ven iSinne ist. die aller subjectivcn, d.h., im Selbstbewusstf 
seyn crsckeinenden zn Grande liegt? — INeser tiel^te, in*- 
nersle Grund des meüscbtichen Wesens, der n dt von Gott 
jrihaolnl beMil^n wird: und> in praktischer Bi«iehiing sich als 
Qnwhmn offenbart, ist hi diesem Sinne die tiefhte Wamdl 
der Aeügiom ^ Waa M-w andern, als dia ewige Tdee de» 
aMaatMlahte Goisfes, Wekhe daa Lohen änd'Gewieht der 
Welt ist? Mit dieser Idee soll der menschliehe Geist in 
seinem Wissen und Wollen übereinstimmen und ihren Inhalt 
siu seinem eignen freien Wissen und Wollen machen. Aber 
deshalb geht sie docli niemals in seinem Wissen und Wol- 
len auf. Das- Aufheben deiaolbon ia diesem Sinne ist jener 
NaliMidiaüos nad. ilalfoaaliinNis, welchen • die menschlitha. 
VMQoaft «Ia ahaaiate AMöiioaiie MIraeiMot, eine äboo* 
Joto Unabhängigkeit derselhtti lm ilrifeonatn' «ad Wqllon'to-i 
iHNipiety nad daher ha^Üefaifn Wasen irreligiös und frivol 



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• 



« 

IM* StftoMiMGlMrV%«tkm iler 8ilt«nl«^ 

\9X. ^ Werm nun«8chleiennacher die absoluie Abliüi^'^lreti' 
dtii Hieiiselieii vorr Gott nicht in diesem 8{tm ipbÜominen bat^* 
80 hat dieses «eilien -Oriiiiil «her in tutmm wiMemehaftMdieir 
Pri^üiploii, «MUd seinem • tiofcfn retigidsen Ocmilhe - und NmI« ^ • 
hftUen.liiiAr mi#-«ln6if iltii' «eielen KaIIm vor uns; ^o dof 
roerkwdrdi^e Mann mit sich selbst im WtderBpruobe steht. 
Schleierinncher hat seiner Zeit den Tribut iin vollsten MMase 
bezahlt, und dicjeiiiü^eii. weirfie ihn so ^erne in <?itler Selbst- 
«EfeföHi^keit hoiuieisterri zu köntien glauben, nnd [hn in der 
£Btwicklimg8|^eschichte des Geistes «uß' einer, niederen^ be->^ 
reits überwundenen Stufe dieben sehen, tbedenftetr nicht, wie 
wohllbfl (Sin; Uber -dieser i§fiiOMiefi Moflu liiiiay^gtiiahgl'fliVidfMi: 
dOM'r'fi^UeiefffMkiibärffiii.venbein^ dMt^ Abu* 

siieilän/s: ^arAdr seiiH^ giimw^ Städce'M**»! :<'.'l .ir;! ii if»'.u • 
* Gehen viir nun. in iRe Zint ein, in welcher SchleieriBa*«' 
eher seinen wissenschaftliclieii Standpunkt eHan^t hat , so 
war sie entschieden negativ in philosophischer und theo- 
log:ischer Hinsiclit. Die neuere Philosophie hat sich von der 
oliyectiverf Wiikh'chkeit losgetrennt, und >die subjeetive Seid)- 
•d«r-.Gciiltcii nü Nen^iran^ der objecti^ven ausschliesslich )^el^ 
tohd 'geuMcht. £9 trat die fornidtte und* «ulr(«clive 
. de« menschlichen Gviste» «Mit elneni hidMiebtiMienden Fn^ 
NAtisniis auf. l)cr virchfuedlsehe' f ohkt, roMolcftrer tilliiioiel-' 
und Ende, bewegt^ war |ifefunden, „woran/^*w.ie Kani sagt, 
„die Vernunft ihren Hebel anlegen kmin, ohne ihn deshalb 
an die gegenwärtige oder zukünftige Welt, sondern an die 
innere Idee der Freiheit anziile<^en'*. Kant war aber hierzu, 
nach Jaieoki's Ausdruck, nur der Vorlauier, — der M<essias 
der Vernunft dagegen Fichte, der das eine GnuadpriAGip deii» 
Atters der neuern Philosophie, Cartesius, du&; eogfito - er^o' 
sttin, Hur! Ausftthruu^ brachte. Dieser BiMaias ha^ aher hiefa^ 
ertöst^' sondern ^rtehnehcrdaa^i^t^lledttrlbiasliMfeiB^ABun^ 
aus *dei» sidh^eclkeat lefai. erst snte BewaBstse5'n gebraeiit: - 
Jacob! , der Vieibew^egte ^ bat die philosophische Noth und 
Verzu t iflung verkündet. Er selbst weiss aber doch keinen 
andern Hath, als den merkwürdigen, „nur imnier eifriger 
f or izuphilosophiren.^^ Es war nun der tix^fste Zwiespalt 
auvischi ii Glauben und Wissen bereits in Jacobi hervorge- 
treten. Er selbst kauaifau nieht lösiu, weiset^ aber .^propha-«^ 
tiadmaf die JUöauflg .4«ao«lboi. hin. . : ^ .1:, 



N\60. IIEIOELHERGBR 1839. 
JAURBÜCHjBR DER lilTERATUR. 

* • » 

» • » • ^ • 

( Forttetiung ) 

Hatte flieh iiiM»,<Ue .8 uhj e g t j v,e yerminlit zam • Abfplii« 
ten iceiftA^ht, ^Q war jiHia.der Noth des Geistes lueht heraus 
za kommen; er ist' vielmehr sa einem oneodlicheii , nie an's 
Ziel koiöincnden Streben, zu einer Tantalus- Quaal verur- 
theilt. Graben kann diese Vernunft nicht, und zu betteln 
schämt sie sich. Der Widersipriich der Vernunft, die Wahr-, 
heit ah§ ihr Wesen betrachten, und sie doch* nie zu er- 
reichen, treibt sie über diesen subjectiven Standpunkt hin- 
aus; die suhjective Vernunft ^eht über in die objective, die 
WMrhelti als ihr. eigenes .fih^M^ewusstseyn missend. Spi-. . 
na.sa jst .hier der ^ussi^ng&j^^ikL An ihn sehliesst sich die 
s|iecvlative Philosophie, welche im Gegensatz zur bloaen* 
Reflexions- oder Subjectivität^- Philosophie die Erkennbar- 
keit der Wahrheit behauptet. Zur Erkenntniss der Wahr- 
heit bedürfen wir, sagt er, nur die wahre Idee, die uns inn-^ 
wohnen und das Weesen der menschlichen Vernunft seihst 
seyn himss. Au^ ihr bringen wir, die Wahrlieit >yie auf .ab*^ 
. aolate W^is^ .hervor. Wir wissen, wer. dieses, objective Verl 
nm^U/ysiinß' a^f-a^lo^ höchste» Spitze gf trieben, and di^ dia-1 
Itklispbe.,. Iqgipiche Keriioiift aar ^fai^uteii Wahrheit ge- 
ipadit hat. r 

Während diese abstracfen Vernunft -Systeme die Natur-, 
Nothwendigkeit mit der Freiheit confundiren und so alles 
I^el^en, die Wirklichkeit und das Princip derselben, Wille,; 
Freiheit und alle That läugnen, und an die Stelle eines rea- 
löu JPriieesaas mm ionischen Begr iffss&nsam- 

m^nh^Bg aotz^m.wiira.ein. Freiheitsystem zuerst in allge-j 
Minfn Ciraild^igeai hervorgetreten, welche^ sich die Auf« 
giike .8Mll^!..di^Nothw.^iid|g.|i.eit mit de^ FrelkeA^ 

Schon Hamann hatte gegei» jenes abslracte Notbwen-^ 

diglicits- System gesagt;. „Die Leute reden von Vernunft ^ 

XÜli. Jirfifffw -e. Hell. . ^ .^ . ^ 



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Schleiermachvr's Sytleni der SilicMlehrc. 

•als wenn sie ein wirkliches Wesen w äre 5 von dem lieben 
Oott^ al« Yf^n cf Vichts als ein B^nff wäro. Weiss man 
erst, was Vernunft ist, so hört aller Zwiespalt mit der Of- 
IMMmuijf a»f>^ — Was »an die Vernunft ist und nicht ist, 
also das wahre Verhällniss der Vernunft zum Geiste sollte 
JetBt erkannt owl ihnnil der tiefste Zwiespalt der neoeren 
Welt, der Zwiespalt des OLaal^ens and Wissens, der 
Offenbaren^ und der Philosopie versöhnt werden. 
- obschon nun dfeser ^sse WendepimM der Philosophie 
im ersten Hccennium unseres Jahrhunderts bereits ein^elrew 
ten war, so ist doch Schleiermacher von demselben nicht be»-^ 
rfihit worden. Er blieb dem alten Princip verhaftet, und dar^ 
«HS jsehen wfr alle die Folgen seines theologischen und pht- 
lösophisehen Standpunkts hervorgehen. 

fSs 8oR«?h hier nur die Folgen in Bezug auf seinen Stand- ' 
punkt der Ethik, näher betrachtet werden. 

Die Kanf sehe Philosophie^ hatte, ausser der Kritik der 
Vernunft, als subjecthre Ilelfi:i4i^dungswitoens0haflt der Meta*- 
physik, die Metaphysik der IHVIWir und der Sitten als o^fkt^ 
tive Philosophie aufgestellt. Die Metaphysik der Natur war 
aber nicht die objective Erkenntniss der übersinnlichen ewi-' 
gen Natur oder Wesenheit, d. h Ideen, sondern der sinnlich 
waHtnchmbaren Natur, denn die theoretische Vernunft hat 
keine übersinnliche Erkenntniss. Die Nothwendigkeit, wel- . 
ehe dorch die BVeihelt aufgehobe» werden sollte , ist bisse 
Nat^i r-Nothwendigkeit, nicht jene göttUfhe Noihwendig>.' 
keit, we lche die hOchste Ptrethelt ist. Jene «Mlfehe Nolh- 
wendigkeit, als die höchste FreiheR, sind die Ideen, wid' 
Gegenstand der objectiven Wissenschaft oder Metaphysik. 
Ihre Erkenntniss muss daher der Metaphysik der Sitten vor- 
ausgehen, weil sie in der sitUichen Sphäre rrahsirt und zur 
freien Thst werden soll. — Hat die praktische Vernunft nun 
lielnen and^ifn Inhalt, als jene Natur -Noth^i^ndigkeit, so 
ist Vflneip *r Freiheit selbst nur Winde Nothwendig-' 
keit Oas Wncip' der iTreiheie ist dhhttr nicht die *eale Peri.i 
sönnchkeit, sonatern' die nnjiersötiHche/Te i»n»lirtj di» 
nur von sich seArst abhÄngt, un# ahsok^ AntonoMie Iii. 
Dies i^t der Naturalismus der modernen Zeit,- #er sSdl^lo' al- 
len Formen entwickelt bat Nethwendigkett und FVeilieit, 
CPot und Bös, sind hier keine realen Gegensätze, weil Eitie» 
vom Andern nur formeil, nicht w esjentUcbjy wsohiaden 



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'Mitoieraiftelt^r^ SyvfcBi der SUtenlelif«. W 

Vit. Die Frefhei't mensehlichen Geistes ist nieftf, wfe die 
Freihert Gottes, voraiwsetzun^shis, sondern hat ihr Wesen 
jfur Yoraussetsun^. Was der mensdhHehe Qeist sentein We- 
sen nach, von Gott gevfttssft^ gewolft und gewirkt, ist^-dtti 
Mtt er doreli sein eigne» WlMn^ Wulfen und Witkm im* 
Anib DmiÜ tritt tut Bkit flCfiii^ #wl||^6tt Bdttt^ liif tTiEHbAittiifliMlttw 
flMing, und namM 4Us Ntftlttifeiidt>itdt idiic!!* 1^ IM 
freien' Vhat, nnd sdr freteir l^ffiMtenM^tÜ ond Freiherr 2tt 
Einheit. Indem min der menschliche Geist die Nothweitdig^ 
keit in diesem Sinne aufhebt, eiiiebt er sich nicht qbsohit über 
sie» Die Immanenss des mcnschHchen Geistes in sefnei* tdee 
ond durch sie in Gott hebt die creatärh'cfre Abhängigkeit 
ifiemals auf, obschon das Böse dfarnacir trachtet ; damit "würAst 
freilich aorlr das Gewissenr aufgehoben. Aber jener Natiiint*' 
Ksrnns oder Rationalismus der nenereif and ' lieneMw^ Zell' 
tM m seinenr OrnndjjN'ineifr Anf dfesenr Irrttttonr« Da^e^en 
IM sfeh sehen d!e berühmte AMhindhin]er „über das Wesen 
der menschlichen Freiheif,^' welcbe entschieden dieser Rieh- 
tofT^ des Naturalismus entgegen tritt, be^^onders Seite AS 
hi9 477. und 487., erklärt. 

Ks hairdett sich in der «^e^enwärti^en Zeit ganz beson- 
ders nm die* Termittlnng der Immanenz des Gei* 
itt 'Q Ott Mit der wahren Erkemntniss dieser Imm»- 
nensf tkf «Ifeüir der' PaMlheianams afhfgehdhen, der in allen Prti- ' 
tenst^CiMrtMM wfIHtt, and' damit' hfiditogReli' Bewefat, diiss^ 
er kefh" bids heftarrlieher* Irrtftnnr ist, sondern Aiür der ghtvMt 
Entwicklung rfes Geister nhd' LehenS' tftf^ Tiefste zusammen- 
hmT«^t. Daraus ist allein auch seine weite Ausbreitung za 
erkiären, weil dieser Lehre der Zeitgeist entgegen koramtf 
and sie der Ausdnick desselben ist. Wih*e unsere gegen- 
wUrttge WeNentWicklong eine normale, so wäre die Sache 
anders. Aber gerade solche Ersehetnongen weisen' auf das* 
JBvidMesfe dkM^aaf hin, dass die gc^enwärt^ WeÜentwiek-- 
lnAg"de# MvtnMi^yn' vM Binfe sd Stttdo" ttiif seiner Ae^ 
fiMRi|^enftMSt erfenen iMuti»' 

ffieindt' siMl wir denn anf' einen nenen Hauptpunkt, kt 
Bey.vi^ aiof^das' Hriae^ anttf die Ilefiandlungsweise der philo- 
sophischen Sktenfehre überhaupt und Schleiermacher's fnsbe- 
sondere gekommen. Der Gegensatz von Freiheit und Noth- 
vrendigkeit, Gatem und Bösem, wird in jenen abstr«ncten Vcr- 

MmlliystettMi deswege]); nieht wahrhaft eriLautt, weff shr 



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sein Princip nicht erbepiii^o. beprmAUm .äM>'$kt im 4«r. 

Natui lies menschlichen Wesens liegend, a\» ein seiner 
Natur nach nothwendiges Entwi ck lungsinomeat 
desselben, nicht aber aber als die freie Thal des 
menschlichen Geistes. Durch die freie iSelbslbeslim- 
mon^ des inenschlicbeu Geistes ist die Verkehrung seineic» 
Principien eino^etreten , ii^id d^ch dieselbe jeoe^ Dualismus* 
entstanden« Die Aufhebung dieser Yerkehfiang und die da-«. 

* durch vermittelte Wahrheit. , ist flasi Ziel unserer ffjtnzenjvlau- 
gen Zeitlicbkelt. Hiermit wird auf jenesi reji^iöse ElCi-. 
mcnt zurückgegangen, w;elches d^r Naturalismus aufgegeben, 
und für eine Thorheit erklärt hat ^ auf die Erlösung. 
Diese ist aber keine Erlösung Gottes, wie sie der Gipfel- 
punkt des Naturalismus der ncuesien ZeiC nimiut» squdem. 
des 3Icnschen und der >Veil. 

Hiernach hat Also die philosophische i^Üük vor Alleia, 
jenen Gegensatz von Freiheit, und Nothwendigkeit , Gutem- 
on^ Bösem^ ins Auge zu lassen und zu erklären« ilin Syr 
sHlem der p^Uos^iihischen Ethik hat dhktr die Herslielhmi;. 
der I^ee des Guten in einem religiösen Weltgerichte nacl)^; 
zuweisen, ebe es ihre freie Reatisi'ruog durch den menschli- 
chen Geist darstellen kann. Die Idee des Guten, das, was 
der 31ensch an sich ist und durch IVeie »Selbstbestimmung 
erst werden soll, niuss erst erkannt werden, ehe an die freie 
Ijl^'alisirung ge^^angen werden kann. Die phtloso^hiSDhe £tbik 

also die ReligionsphÜQS^itphie vorau% Jn. djOt.Jem^ " 
nci: Wieilcrhersteiimigsprf^fPiS' dargestellt wird« t 
. Wir wollen nun. sehen, welches die Aqsiditen i^hleier«* 
macber's hierüber sind und sie auf die. Darstellung m^. 
ner Ethik eingewirkt habeiUt 

Die allgemeine Einleitung geht von den Bedingungen 
für die Darstellung einer bestimmten Wissenschaft aus, and- 
leitet den Begriff der Siüenlehre ab, der nun dargelegt^ 
und die GestaUung der »SiUe^iehre darnach gezeigt wir^Ui 
Seine Darstellung der Sittenlehre soii nehmlii;^« fliese Wis*-; 
sensebaft nicht ui^althängAg , für. sich bin(il«lltn, sondern ab- 
leitend von einem, angenommenen hinch^tan Wissen» JUs.wii^; 
nun entwickelt, dass dee höchste Gc)gensat£| .nale£ ifim Mm 
alle anderen begriffen vorachwehtePr ^ diogliehei^ und. 
des geistigen Seyns sey. Das Ineinauderseyn aller uiiter 
'liesem Uöchstejk be^fif/^uejo Gegeiigatz^* aiif r^eide \Yeij»^ii 

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8clilel«rimirher*f Sjfftem der Siüenlishre. 189 

oder mit Upborirewicht des Realen ist uns gesetzt als Na- 
tor^'mit dem lJeberg:ewicht des Idealen, oder auf ideale Weise, 
als Vernunft. Die vollständige Dnrchdrinpm^ and Einheit 
TM Natnr und Verniinft ist das hdehste Bild des -hilcllfltell 
Seyi^ Di» v^MstümKge BUn^H endHchch Seyns atslW- 
eiAaniier Mitnr irtid ' Vernunft in einem Alles in sfiefa 
seMiesBenden Or^anlsnins tet die VTelt Es gibt daher mnr 
awel Haupt-* Wissenschaften : Ethik nnd Physik. Aus die- 
ser, weil sie Alles als Produkte darstellt, o:ehen alle Wis- 
senschaften hervor; ans jener, weil sie Alles als Produci- 
ren dnrsfelU, alle Kunstlehren. Die beiden Hauptwissen- 
schaften zerHdlen in ein Zweifaches, indem die Natur so* 
'wiohl als die Vernunft gewufeKst werden kann, auf beschau- 
lidie Weise und auf erfaliriinj^inassig^. Der beschauliche 
Ansdrock des ehditeben 8eyns, sofern es NaCnr ist^ oder das 
l«rkeimen des- Wesens der Natnr Ist die Physik oder Natur- 
Wfssensebsit« Uns Erkennen des Daseyns der Natnr Ist 
Naturkunde. Der erfahrung-smdssige Ausdruck des endlichen 
Sayns, sofern es Vernunft ist, oder das Erkennen des Da- 
seyns der Vernunft ist die Geschichlskunde. Der beschaa- 
Hehe Ausdruck desselben Seyrts. oder das Erkennen des 
Wes^His der Vernunft ist die Ethik. Die. höcliste Einheit des 
Wissens, beide («ebiete des Sevns in ihrem Ineinander aus-^ 
dröeklend) ah vollkommene Durehdrin^nj^ des Ethischen and 
Physisdren idtod Tollkommene isagieieh des Besdumlidieh and 
Erfahrungsmüsslfi^en ist die Idee 'der Weltweisheit. Was 
aber nidit*sowOhl die DnrcbdHnnfung ist von Ethischem nnd 
Physischem, Deschaulichcm und Einpirischein, als vielmehr 
Keines von Beiden^ das ist die Dialektik, das gehaltlose Ab- 
bild Jes höchsten Wissens , welches nur Wahrheit hat, in- 
wiefern es in beiden Andern ist. Die Ethik ist die praktr- 
B^he, die Physik die theoretische PhilosiOphie. 

Das Handlen der Vernunft bringt hervor Einheit vott 
Vernunft^ und* Natnr, wetehe ohn» dieses Handien nicht- wlU 
re nnd- da Ihm- also ein Leiden der Natar entspricht 5' so' ls| 
es «in Hkndten der Vemanftv aof die Natur« ' Alles ethische 
Wissen also' ist Aasdraek des innem schon ang^cfati^enen, 
aber nie vollendeten Natur- oder Weltwerdens der Vernunft. 
Die Einheit von Vernunft und Natur wird ebensowohl in der 
Ethik vorausgesetzt, als auf sie stets als Ziel hingewiesen 
wird. Die voraasgesetste Einheit Beider ist ein vor allen 



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Unndteiu und abgesehen van ii)u» nur Krftft g«giebAiiM. 
ursprängliciic^ Naturseyii der VeriMinft und Veriiuü(t$eyn der 
IS^atur, von w^leben «lies H^ndlen der Vernunft ausgeht. 
Knden ^ber kann die Ethik nur mit dein 8et2;en der NaUir, 
W^ipbe g9Lm VernrnfU wd elmr VertymU^ urcJcbe ganz, Nn- 
iwt geworden ist» DiQ$e volieQdete Einigui^ ood d^iaiit se.> 
llgef lUeX)«» füllt aber ntcbt in «0 KSiibik. Duiüe ^ 
Ifülekre eine «okhi^ «icli »wecken Jen^v Aii»9iui^- «Mi 
jienein ISiid|Hift4Kle ki^w^ende WirfclMuaJkeit der Vemmift «ä 
die Natur beschreibt; so füllt der Gegensaf» von 4S«t inmI 
Bös ausser ihr. Jb^beuso der Gegensata^ von >kOth wendigkeit 
mid Freiheit» — ' 

Vie ganze Einleitung ist hüehst ermüdend und abstos- 
a^d, und es gehört viel Resignation dazu, .sich ^nn/^ durchs 
«fiarbfileii* Sehleierinaeher will den Uegiiff der i2#üiik ab- 
leiten, und ver/ällt in all daa A1>s|«aseiM(e aeiner subjectiven 
SMalaktik» Die Grvmifiewietiio a^fcier ganaen Deductiaii aiiid 
^ der FUkWuekmk «od SabattHi^'adie« PtaUoaafriiiey wie 
dieae let^ere tu der frfiheren Damti^lhiiiy dea 8ya(em% Bl 
im transcendentaleu Idealismus etc. vorkommt. l>ie Definl«* 
tion der tithik ist ganz Fichte'sch. Es gibt nach Schleier* 
macher nur zwei Hauptwissenschaften: Ethik und Physik; jene 
Ist die praktische and diese ist die theoretische Philosophie, iiie 
Dialektik ist keine von beiden Wissenschaften, sie ist ein 
geb^mo^ea Abbild des höchsten Wissens, das nur Wahrheit 
bat, inwiefern «a in d^o beiden Andern iat* HienMcb könnte 
die QiAltktiK unr 4kl svbjeetive ntsgri^m^g Jener beiden 
eltteetiven Wiaaenecliiiift^ii seyn. Aber aMann kann die theo« 
retiacfcit Philosophie doch nicht Mose Physik, alb Nntürwiaaen* 
achaft, im Gegensatz zur Geschichtawisaenschaft seyn, ohne 
im Naturalismus beharren. Die Metaphysik der N^ilur als 
der ewigen Wesenheit der Wirklichkeit fiele alsdann 
ganz hinweg. Dieses Erbstück der seit Kant geltend ge- 
' wordenen philosophischen Principien ist aber der CardinaU 
pnnkt der SQbletermacher'seben WelUMnacbaumig^^ um den 
sieb alte «eine Irflhiimer bewegfn nnd grniipiren» bekannt- 
IjM k9i SeMeiermflber nn nein finde niK. de« gAm/nw 
UwcMßWi^^it eineft entüdiiedenea Cbmfclera die UAVfir« 
einbarkeit der PbÜQaophie, die er in seinen» Sinne iM Reebt 
Weltweisheit im engern Sinne nennt, mit der Theologie be** 
bai«p(e(, Giaubeii uh4 Wiasen waren ja bei der hen scUeiw 



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ScMei«riB«clicr'^ Sjrtten d«r SiUea|«lif«. VH 

d€u Philosophie unvereinbare Geg€iisÜtK>e und J»<^ot>i hat seine 
Philosophie des Nichtwissens darauf g^e^'ühiiet« 8chleier- 
macher hat diese Grundansicht fest^ehalt^h und auf eigen- 
thünliche Weise dargestellt. In seiner GJaubetistehre bitntht 
Schleienuaebet* aar Begröndang dieser Wissenschaft Lehr- 
«üfite Atts andern Wteeiisl^harten : aus der Ethik ^ um dm 
Icjgriff der KiMlie^ aas der ReHgkmsphUosophie, um das Vef^ 
Ultnte der ohristlMett ftellgioti M den übrigen Reli^onieii, 
ms der ApblegvINi , um das EigeiitiüänUohe des ChHsreiiw 
thems KU entwickeln. Aber keine xxin diesen df^i 
schafteil habe anerkannterinasseil £xistens&* Hier sehen wir 
also, dass Schleierui acher die Philosophie in jenem beschränk- 
ten Sinne als Weit Weisheit nimmt, in welcher das Christen- 
thum den Be^critf Welt im Ge^nsatze zum Reiche Gottes 
darstellt. Es ist nan nicht zu verkennen , dass die neae^B 
Philosophie insofern riehti^ dmlMl bezeichnet idt^ Als äie nur 
md deai Wege des Gotisaelieiis, in * der Dialektik des ^ 
w^mm Ornnde ansteigenden SeibnlbewnsBtiiejw atekeii 
Mieben^ ntid. niettt den abseiateli Gnind, öder vieliaeill' die 
aiisolnte Ifrsache der Wirklichkeit gefunden hat, un^ In 
der gegenwartigen Zeit mit Recht subjective oder nega- 
tive Philosophie genannt wird. Aber diese negative Philo- 
sophie hat die positive oder objeetive begründet, oder züUi 
Ziel und Ende. Diese ist die Einheit der iSpeculation und 
der Erfahrung) des 8elbstbewusstseyiis nnd der Wirklichkeit. 
Wie hiernach die Philosophie in ihre ursprüngllehe^ vermil^ 
telnde^ centrale Stellang an den abrigeti^Wisseliseliefteii ein- 
trltt^ ao ist sie aneh die Veredhnnng des Ölanbena mit dtsüi 
Wissen^ der Yemunft mit der Offenberung. Hierstis i$r|lftl 
sich, dass die Religionsphilosaphie in ihrem Endpunkte, dem 
Christenthume, die Einheit der Vernunft und OiFenbaruiig als 
welthistorische Thatsache vermittelt, uhd mit dem Offenbar- 
werden der Idee der Menschheit in welthistorische^' Wirk-«- 
lichkeit das System der philosophischen Ethik begründet, die 
nor die Subjectivirang der el^t|eetiveli Wirkltehkeil deir 
MeniKeMieits-ildee seyii kann. 

Secrit <i«ten Religienspktlesetibie Und A^6g«iik m 
Kine Wissenadiaft liervor» Apologetik t^t m 
Tbeü der Religionsphilosopbie «elfcistji neiUilctt akf mjM»^ 
i&ophie des Christenthams^ Cfureh diesto il^t del' Be^rif 



•^Kircfe.fl Wi hervorgetreten und begründet. 80 treten die 
drei* Wissenschalteii: Relij^^ioospbilfMsi^phfe, Af^oieg^lik alal 
Etbik iD ihr wahres VeihUlfhisd ea einamler uimI .zar Uee. 
der IVissenschiiflt« Das Christentham ist «die .Offenltturung 
der Idee des Goten, die in der Ethik verwirklieht wird. 'Im , 
Chi'istenthuiiie ist nun auch der Gegensalz von Freiheit und 
Nolhwendiökcit, vom Guten und Bosen, objectiv aufgehoben, 
damit er in der Eiluk subjectiv, d.h. durch die freie 'J'hat 
der Menschheit aufgehoben und so die Idee des Guten ver« 
wirklicht werde. Schleiermacher erkennt diese Ansicht da- 
mit ausdrücklich au, dass er, S.5T sagt: „Die Ehtik ist ab- 
Jiin/^ig von der theoretischen Philosophie, weil diese, ihr d^n 
Menschen gtheo moss,. dessen klare An^ebauang das lesrte 
Resultat der tlieoretischen Philosopiue ist,^' Aber er verfaiirt 
nicht nach ihr. 

Indem nun Schleierrhacher auf dem negati\ en 8(aiidpunkt 
der Philosophie stellen geblieben ist, so zerfallt seine Grund- 
anschauung in lauter unauf^eloste Gegensätze und Wider- 
sprüche, wie wir sie in der Einleitung und wirklichen Dar- 
stellung vor uns sehen. Br geht nicht in das Princip der 
£thik, in die Freiheit ein, and bestimmt von da aus seine 
Au%abe; er stellt den Gegensatz von Freiheit und Noth wen- 
digkeit, Gutem und Bösem, auf die^eite und geht so gerade 
aber die Hauptpunkte der £tbik hinweg, eben deshalb sebeo 
wir anch das Haapteleinent der Ethik, das Gewissen^ gar 
nicht, wie es sollte, hervor gestellt und anerkannt. 

Schleienuacher iheilt die Ethik in drei Theile; der erste 
handelt vom höchsten Gut, der zweite ist die Tugentüehre, 
der dritte die Pllichtenlehre. Gut ist ihuk j^desEinssey» be- 
stimmter Seiten von Verriuufl und Xatur (]S. 723) ^^^''^^^^ 
Gut ist der organische Zusammenhang aller Güter, «iso das 
gßxae sittliche 8eyn unter deuK Begriff des Goten ausser 
druckt C^. 76) ; Tugend ist die Kraft der Vernunft ih der 
Natur. Die Tagend- and Plliehtenlehre gehen aufs. Einselür 
wesen suruck, indem die Tugendlehre zei^t, durch wie be^ 
schaifene Einzelnwesen das höchste Gut realisirt werde j und 
die Pflichtenlehre, wie die Handlungsweisen der Einzelwe- 
sen auf jeden Punkt beschatfen seyn müssen, um in der An- 
näherung zu demselben Ziel zu seyn. (^S. 75. und 327). Die 
erste Abtbeilung des ersten TheiU sieUt die GrundSipü^ .der 
Lehre vom höchsten Gut dar. Es werden nun aus der or- 



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* 

jEfMiisiVendcn und syrobolisirenden, identischen und indK'idHCtt^ 
Vernunftthäli^keit, Vierkelir, üigenthuni, Hechi, -fireiH Gesel- 
%keit, OffenlmciM^ w., .iilitelbische Kopmeh caftwickdt 
■ad dann im «Ifuneutiüi'iaelieii TfcaM :dmto Foraim nack Air 
«laniairendeti nnd «ymlMislreiidM AieMaag ansgefilirt* ßjiß 
urgaciairende Thätigkeit ^ans in -Allgemelnwi. .bistni^ri«t, 
SCifillt 'in Gymnusiastik, Mechanik, A^ricukur und Sainin- 
hmg. In der Gyinnasiastik wird der individuelle 8inn tind das . 
Talent für die Vernunft gebildet; in der Mechanik wird die 
unorganische Natur äuid Werkzeuo: des Sinns und Talent» 
beilüdet ^ in der A^s^ricultur wird die organische, veo^etabiUr 
sehe und animalische Nntur für den Hierial des Melischen 
bildet,, uk der Saiumlang wird das Unorgantehe-'und Org9^ 
aiacte aadi VemAiedailieit. and GteielilMail »nsianndcdg)«- 
stellt.. nm als Otgm des Erkannens «n dianten» -DiiraHis ^^visl 
ThaOang delr Arbeiten luill Tauscb, Hansreebt nnd CMIbsif»- 
keit abgeleitet. — In der syinbolisirenden Thäti^keit wird die 
ethische Bedeutung der Idee ^des Wissens, des metaphysi- 
schen, mathematischen, speculativen und Erfahrongs-Wisseos 
betrachtet. Das Ethische besteht in der Richtun«i: des Erken- 
nend auf die iiöcbste Einheit, weiche als die Einheit von 
Natur und Vernonft dem Krkennen. iaa Grunde h'e^t. Df^ 
dritte • Abtheilan^. oder der constpootive Theil' Modelt ; Voa 
den voUkonmenen elbiscben Formen: Geacfateehter^ Fandltls^ 
National-Einheit, Staat ^ freie Geaelligkeit nnd^ Ktrehe« Oer 
«weite Tlieil oder die Tti|readlehre stelli die T ugend daCy 
1} als Gesinnung: Weisheit, Liebe 5 2^ als Fertigkeit: Bö* 
sonnenheit, Beharrlichkeit. Der dritte oder die Pflichten* 
lehre entwickelt, 1) die universeile Seite der Pflichten: 
Rechts- und Berufspflicht; 2) die individuelle: Gewissens- 
ond Liebespdicht. Sonack geht die Götterlehre auf das lor 
einander.<!eyn von Natur und Vernunft; die Tagend- nni 
Pflicirtenlehre aipf den besiehan^sweffen.-G^gimat«. diM; AU^ 
gemem^ ond: Besoodbren iddriii. Jedcirjdiaaep drei liHnto 
stellt die voUgikM%re-*8ili^ebiie daiv so dass adt demJEtnen 
zugleich alle Uebrigen g^adal^aind^ ibiid mit der Natnr 
glichen, entspricht die Lehre vom höchsten Gut der Physik, 
als Ausdi uck des Systems der sich reproducirenden Formen, . 
— aLso der organischen Natur — 5 die Tugcndlchre ihr, als 
System der lebendio:cn KraHe, — also der dynamischen Na-- 
Uur — : die Kflicht^nlelufr ihr, als System der ineinandergreif' 



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•194 SohUi«t»MMr*« %«Uu» d«r SitUoiblavr., 

feaden Bewe/^n^en, — also der raecbaniscben Natur — . IQs 
wird die Gesamintheit der Güter nur durch die Gesaromtheit 
derTagwden und diese sind in und mit jenen ^esets&t n« s. w. 
IMe Lehre vom höitetea Gut ist der Weltweisheit , die Tu* 
gendlelm der NjrtorvrisseiiBjBluift, 4ie Püdi|tonlehre der 
tdiilelitd(ttndr «m mdslm mtg^wmdt, aber in der ersten 
^eht düe ei^ntiidnljche VoUendan^ weni^r ins Efniiein», 
•Ib In beiden andern «nd ib diesen wird wem|i:tr das gfkme 
Gebiet tibersehen, ab in jener. In der Pflichtenlehrc kommt 
das am meisten Einzelne vor, denn die Pflichtenlehre drückt 
die Handlungsweise im Verhftltniss des Einzelnen zum Gän- 
sen aus, daher siGigt die Ethik in ihr am tiefsten herab. Es 
wird in ihr das " Handeln des Einzelnen betrachtet. Das 
höchste Gut ist dieTetaiitat aller pflichtiirässi^en UandlMigtii. 
4So schämt das heri^rgehrachte Got ein Drittes ma seyn RH 
4er hervorbfuifceodeiB Craft oder Tngmd^ und der Haailiaa^ 
4» UervorhringenS) nemMeh der Pflieht 

; Beeensent findet diese Anardnung sehr con|ilielH ttnd 
icann ihr weder Einfachheit, noch innere W;ihrheit zugeste- 
hen. »Sie ist keine objective, aus dem Wesen der {Sache 
selbst hervorg-ehende , sondern eine sehr gekünstelte oder 
g:emachte. Dieses zeigt sich auch darin, dass dieselbe Ma- 
terie, M'elche offenbar &usammen gehört, auseinander gerissen 
snd die nicht zasamulen gfshert, sich beisammen findet und 
armädende, den natargeiattisea i>V>r(8ebritt ahterhreehonde 
■ad hemmende Wiederholungen veranlasst« fis ist indessen 
iiidht sn verkennea, dass der geisivolle Vert eine aatbrge«- 
ffldsse Darstellung sucht nnd solche seiner Darstellung seihst 
sogar zu Grunde liegt, und sich über die beschränkte, geist- 
lose Auffassung der Ethik erhoben hat; aber seine tiefere 
Einsicht in die Grund-Gebrechen der ethischen Grund-Be-^ 
griffe, die Schalheit und Plattheit, sowie Verkehriheit der 
Behandlungsweiae hat ihn doch nicht zur positiven darch*^ 
greifendefi Umgestaltung geführt, und man kami nicht ander« 
■agen, als er ist hier aof halbem W^ge stehe« gehliehea* 
sM abensowonig die Idee des hiehsten Gate» in ihrer Tiefe 
oM Wahrheit^ ^ «ü« Tugend-* ond PiUcht^A^iff» an sieh 
md in ihröm VerhäUniss Bseinandcr erkannl; Zar wahren 
fikkenntniss des höchsten Gutes fehlte ^chleiermacher'n die 
positive Weltanschauung, von der schon früher gesprochen 
wurde«- ßr hat die gewöhnlichen^ elmeitigeo oad unwahrea 



Ansichten der Begriffe v&a Th^^ uud Pflichten tan Tht^ 
durchscIiAut^ aber sie doch nicht voJIkommen übervvund«eii# 
Wir sehen ihn äherall mehr im 8uch«ti.4iiKl 8trebeii, ids im 
wirkh'chen >'inileii« JU« lit «ein tieferer Geist , der ihn übet 
die Eiu&eitigkeilea u^gtitiv^ d.h. kritisch «rM^t, shM 
dsch iMBitiv Btt dfaerwindcMb SekWerMdMr uMck^ & 
I die wielit^;« Bemerkung: ^.Jenelir dfrs Idee des' Mchslen 
(Mes nlssvtrstiindett vwde, desto manf^^afler wurde dl» 
ganze Sittenlehre «chon seit Aristoteles. Dms höchste Gut war 
die speculative i^atonisehe* Form, Tugendlehre mehr aus der 
gemeiiiea Vorstellung construirf ; hernach aher ward die erste 
Form verdorben dadurch, dass man auch sie auf den ein^d- 
neu Mensehen bezog; in den modernen Phüoso|)hemen wiurde 
das höchste filut — Gott — transeendent hehandelt.^ Weiui 
UM schea aacsh Flata's AMicbt das lidelMteGal die GoltdhtH* 
liribkclt des Meiisebcn and „Alles um ioMfeni gat Md, «i 
die DarsteUaiig des Weuens GeUes ist;^^ se wird leekt tkhi 
leaefatend, welelieii fiinlinss es auf die Ethik haben nusste^ 
wenn Gott, des höchste Gut, „transcendi^iit** behandelt wurde. 
[ Aber in dieser Ansicht der modcmen Philosophie sehen wir 
Schieiermacher selbst in sofern befangen, als er bei der Er- 
kenntniss Gottes seinen anthropologischen ^tandp«inkt^ 
sogar in seiner Glaubeaslehre, nicht eur speculativen Kr^ 
kenntni SS Gott es 'erhebt. Ja, er erklärt sieli im erste» 
TMI seiii^ Gktthenslehre, 8,9119 iber die Elienbüdiieli^ 
I keit dea Measchen so, dass er diesellie. Im Orunde -gaM 
i liugnet. Prolliidi gibt es atedann «wdi ketoe speealative Biy 
kenntniss Gottes, der Mensch vermag alsdann Gott Jucht M - 
erkennen, wie er an sich ist. 

Diese Ansicht 8chleiermacher's bestimmt seine Darstel-« 
' lang vom höchsten Gut. Es ist unmöglich, hiernach daa 
höchste Gut darzustellen. Plate hat Gott als das Gute er« 
! kmuU und das höchste Gut m die Gottihnlichkeit geaetftl^ 
^ iher Meh ia seinem Tinias fDei^: ^ ist schwer 4m 
I welmn ^etl mi indes, noch aebwerer, wenn nnm Ihn 
IMen hat, Allen kekannt sa- madien»^ Dteae Worlrmw 
kalten ihren tiefen «nd hMnI hedeotnngsvoilen Sinn 
wenn luau erwägt, dass sich Pluto mit seiner Gottes*Idee 
über die ganze Ansicht seines Volkes erhob und mit ihr in 
Widerspruch trat, auf eine Zeit hinweisend, welche den Kreis 
der Mylhalofjka welthialiurisch durchhcach; uudi was PlatOp ai^ 



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m 



SchlcierimicHer's S^ftiem der Stdenlehre. 



Prfliphct des Heidenthnms «ntidpirte, in die Wirklichkeit ein- 
führte. Das Christenthnra als welth istor isch eThat- 
sache hat jenen wnhren Gott in die Wirklichkeit nicht bloss 
als Lehre, sondern als weUhistorische That einjcre- 
fitiirt, und hat als Weltreligion dieBestiiiHiiBng^ den wah^- 
ren Goft allen Mensoben dnreh SHTtung eliier Kfrehe iüet 
Welti^eraeinde beklinnt sn machen'. 'Hfeir hat sich naii 
Gott in seinem wahren' Wea^n g^eeiTenhart «ml das wathre 
VerbAlftniss der Meitsehheit m Gott wfiederhm^restellt Ihm 
höchste Gut ist also hier in die Wirklichkeit «getreten unä 
hat erst ein vollkommenes, wahres System der Ethik mög- 
lich gemacht. Wenn man nun einwendet: diese Ethik sey 
eine tlieologische, keine philosophische; so antworte ich: 
diese Unterscheidung und Xrennnng kann nur so lange be- 
stehen, als die Philosophie selbst negativ ist und das Chri^ 
stenthnm ven sieh avsscMiesst. Wer noh die Stärke der Phi^ 
loMphie darin selisl, „dass sfe mH der^itositiveir Relfgiofi^ ntt^ 
v ofatta bar ist," iind nicht vieimlehr 4af<n, ,.dass ne' dR» 
Wfricflehke^ and' mithin' -die höchste Thntwiche derselhen, 
das Christenthum begreift," der muss allerdings Glauben und 
Wissen, Offenbarung und Selbstbewnsstseyn für nnvereinbare 
Gegensätze halten. Aber schon I^ess ing hat das grosse 
Wort ausgesprochen in seiner racrkwürdigen und bedeiitungs- 
ToUen diehrift: „die Erziehung des ^ enschengcschlechts.'' , 
welches die neneste Philosophie in Erfallnng gebracht hat, 
^^dass nemh'ch -die Aashildang ^eofi^enbarter Wahrheiten' in 
Yerntifift-Wahrheften schlechtenlings nothwendl^ ist-, wemi 
4em ÜfenschengesChfechf damit geholfen seyn 8ol)>^ Wenn 
die Philosophie in ihrer Selbslerkenntnlss soweit fortgpscbrll^ 
ten ist. dass sie die Wirklichkeit und damit die geolfenbarte 
Religion als ihr eigenes Selbslbewusstseyn erkennt, so liegt 
darin ihre gan/.e 8tfirke. nicht Schwäche, wie man zu glau- 
ben scheint. Denn es ist alsdann nur die Erfüllung ihrer 
■rspriinglichen Mission, nemlich vermittelnd und versöhneml 
in alle Zweige der Wi^nschaft eimsvtreten. Und wenn 
eiil*8)rstem «der «eimsten Philosophie, weiches die höchste 
Slef^erutig dee^ negatived* Prineips derielbent dst,v »ich die^ 
Aafgahe ebenMIs stdH, nlid'bid auch gelöc^.a« htiben-ifchiiihly 
so beweisst dieses nur, dass diese' Tersöhnnng der PWIo««^ 
phie mit der Erfahrung oder Wirklichkeit eine durch den 
ganzen Gang der bisherigen Weltentwickiung geforderte 

» 

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t 



ist, so dass sich auch (ierselben eine Philosophie, welche nach 
ihren Gruodprincipien mit der Wirklichkeit im härtesten 
Widerspruche steht, nicht hat entziehen können. Die Philo- 
sophie, auf iv^chß sich tiemlich die lle^el'sche s&u igrüiMl^« 
vorgibt V hat jene 4ik\g<^ Aufgühe ;4or,J?iuiMOplue. ^eb^ enK 
^^eo i^ltei^ gttifiiicbt. . . -t. 

Gdil j|ifiD pun ¥011 dieseiyi die gi^^enwlirtige Bnt^. 
wkkliMig des .Cveistq^ meichteii Stan<iiMipkt der Sarhci. «1% 
go wird die philosophisebe Ethik einen ganz andern Charak- 
ter erhalten, als sie früher hatte und bei Schleierinacher hat« 
Qie Lehre, vom höchsten Gut und die Darstellung der Kräfte, 
Anlagen, Formen und Sphären, dui^ch ..\y eiche m rei|lisirt. 
wird, ist alsdann eine, ^|ID4 andere. 

Die Immanenz. ..4(Bi»\ menschlichen^ Geistes in Gott, da^, 
Wihre \;«cbaltiii8§ Jiene$ zvl Gott) sui oicb.aelbat.iiiid der W^U# 
in «lelSfMriii 1Si^<m^tf^ Wollen und Thun,, die Einheit JiniHorw 
^um» sainor l^cipien ond Kr#fte vnd die Art und Weise, 
ihrer VenrirkliehaQg in den objectiven Welt- und/ Lehens-. ' 
sphtiren, endlich das wahre Verhaltniss dieser unter sich, und. 
das Ziel und Ende, welches mit allem diesem erreicht wer- 
den soll — Dieses Alles muss schon in der Durstellungf. 
der Idee des Guten an sich vorkommen; alsdann ist zu zei-i 
gen , \vie das Gute dnrx^h die ein^4iOeya liM|jlvi4w^n , Völker 
ond die Men^sciiheit in den* ii^n länt^prechendei} olu^etiH^ 
Well- «od Jjebeiie^KMi^ rt^^U^ JBod wi«»>]Ki.eo im 
^ Wi^kUpbKi^t uritt. .I)ie:.^ubjeclive: firnmUage 4er..6M-<-i 
laehkek ist .die «Hllicbe jGesiiMuiiig, weiche ui dte That^äberv 
geht , diese treten im vollkommen sittlichen Charakter \\\ 
Einheit. Die Tugend ist theils sittliche Kraft an sich, theils 
imtiiche Fertigkeit, also suiliche Tüchtigkeit in Gesinnung 
und Thnt. In den i^flichten stellt sich die sittliche Tüchtig- 
Uat in Handlungen oder Thaten dar und realisirt sich in dei|| 
o^jen^tiven Welt-.imd Leh^^nsrjüpfiü^ea. »So steüti:ftifib,-di|ir 
Gute: in.. den sittlich^p Si|l^eicteo.aii^ jhrentJ|&rüOet W APr. 
lageü 4n .iben einMip^ir W^lt^t nnd Lebem^sphüitfin «dar, .wiiviik. , 

aiä ^i^ verachietlenen Tugenden «id PQicbtCfB verwirUi^ben^ 

und so den Organismus der Sittliehkeit, die Idee des Guten, 
als sittliche Thi:i hervorbringen* In. jedem dieser Theile, . 
nemlich das Gute an sich, in seinem Werden und in seiner, 
Wirklichkeit, treien Seyn, Werden und Wirklichkeit der 



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799 Schfefcninicher*« Sjttem der Sittenlehre. 

AiTclere. J^aHliicb 1) d«s Gute an sich, 2) die sittlichen 
Subjecte mil ihren Kräften und Anlagen, durch welche d&s 
Gnte vollbracht wird, 3) die dem Griten an sich und den 
Kritften und Anlagen der sittlichen Snbjecte entsprechenden 
objectiren Welt- nn4 Lebens-8}»haren oder objective OrgnH 
nisationen. Die Aufgabe iai nao, 4ass alle Kräfte der Sub-> 
Jcete Hl Tbäligkeil kommen, ausj^ebtldet und verwirklicht 
werden inid ImriMmiflc^ ineinander eingreifen and Are 
Jee^lve Besiimmong kt tfiren Sphiredr votisiebeB, «owle, 
dann diese 8|>häreB wMer: onter sieb In ikr wathres' VerMilt«' 
nibs treten m4 n» die- Mee des Guten verwirkliellem Di« 
mit dfe' Anlagen nntP Ibre Ziireete ri<9litf;r «r kmmt tferden*, 
auf dass sie nach dieser Erkenntniss in Thatigkeit versetzt, 
de« objectiren Zweck in ihren entsprechenden Sphären 
erreichen, muss rf?is Gute an sich erkannt werden. Um- 
^ekefirt mnss wiederum, aus den Anlagen, KrafJen, Trieben 
. U.S. w. der sittlichen Subjecte die Natur des Guten nod 
seine Sphären, die sich jene Kräfte, als ebjeetive- Orgnnlsa« 
tlonen bilden, erkannt werd^ir. So wefsst immer Eines wai 
da» Andere bin, und kann dafaier niebt ebne das andere* dflw 
^festem werdlsm Dieato bar ScMderuaefier wirklieb nttm' 
Melle auj^atrebt, aber nichf 'errevebtt 

Es klHinte nachgewiesen werden, wie dnrebr dtese eln-^ 
fbche Anordhrnifr die ebiaeftien' Tlheile' und diM darin Ver^ 
kommende bef Schleiennacher erne natnrgemässe Stellung 
erhielten, die ermüdenden Wiederholungen verraiedeii und 
die abstracten Bestimmungen der ethischen Grundbegriffe der 
Tagend und Pflichten n. s. w. eine reale und objective 
Bedeutung erhalten wurden. 

Es scheint mir aber /Av eekmässiger, nun auf die Vorzüge 
der 8chrift überzugehen. — Baas sie voll ist von neuen^ 
tiefen und genlvollen Ideen, kann bei eine« Manne, wie* 
SeMeieraiackcr, deir hier kfitiseh die Min gebrochen hat,^ 
von* aelhsl erwartet werdirm Aher seine Bthlfe hat aneh' 
fiteiPen, die den JBfnseitigkeilen and Verkehrthelttm der in' 
geg«nwMI)efer ütH herraehenden Ansiehfen entgegenfretcnr 
Mfd eowehl desliaHl, ate «aelk an siefr sehr bedeutend* sIMI«; 
■ Ueberau ist es Sehleiermacher's eifrigstes Bestreben , da# 
rndividueile und Allgemeine in das richtige Veri** 
b ä h n i s s z n setzen. Dieses gebt als Grundeigenthümifclr-» 
keti dureh diese |:aa£e Ethüc hMureh. lksonders ist es der 



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^ SobUMroMcher*« Sjfttein der SiUMkhr«. 



canstrvdive Theil der Götterlebre, welcher hier ym betrach- 
ten ist. Hier wird es dem Le.ser auf einniAl wabifr. Die 
I^Bse Darstelian^ erhalt einen ^anz anderen Charakter. Die 
zerbröckelte, iiooriranische Darnte^ung konint auf einminl in ' 
Fkma «nd^erh^it Lebea und Schwung. Die aUgemeiiieiGnintl'« 
laipt der ethischen Formen ist die Fauiilie. Sie gtvu^t 
Sick, wie die Eä^^j auf dlftiiitet^e. Die ethisdle Seite de« 
OaMhkebMriebes wird imn: nach alien Seiten «ntwlekdl, 
und die Mflnogßmie ab der ektioim: Ide^ der Bhe. nir mUr 
8|imheiid «aigeaalMn, mid die Polygame wid Immbare EIm^ 
A nicH wemtyeli verachkdeii' von der vageo OeseUedileH 
^etneioschaft dargestellt« Polygamie bl nur BorehgangsK 
2^taiid von vager Geschlechtsgemeinschaflt sur Ehe. Die 
vAge und momentatie Geschlechtsgenieinschaft isl unsittliefa^ 
yr^i sie Vermischung und Erzeugung trennt, frevelhafter^ 
wenn da» physische des Geschlechtstriebes mit concurrirt, 
thieriseher, wenn der physische Reiz allein wirkt« An der 
Uofluflösbarkcit der Ehe kann deren Unfruchtbarkeit ntchto" 
andern. Vor der Eke leblt dem Manne der Trieb auf dan. 
apeciAiehe Eigenthum,.*-- der Frau der Trieb anf die RecM».« 
8|Mmu 0ie Kinder werden Venatttinngn|Hmkte für die En«* 
kenntoM» das CScfukL Die JSke hingt weaeatliek adi 
der hfiaaUeben Eoiekung aneanunen, und kann daeee; nie 
gaitt dem Staate iberiasaen« Die Bildong der Kinder raht' 
anf der Pietät und geht, weil ursprünglich das bildende 
Prineip ganz in den Eltern ist, von Gehorsam aus. Die 
Kii>(i4:r werden dtuch Erziehung der Eltern emancipirt. Die 
Preiät ;;;ebt auf Vtrlangeruiig des Gehorsams, die elterli4*he 
Uebe auf Verkürzung desselben. Weil der Mensch aasscr 
der FaaMlie, als der ursprüngliehea Sphiire der freien Ge- 
adüigiuHt,. gar nickl JCttB vaikHändigKM» individnalitAt gekingl^ 
so innss derjenige, welcher seine ursprüngliche verloren kat^ 
«dt au eine fremde ansehliessen , woraus der dienende^Zo» 
stand wird« Die Fainih'e wird eine Totalität alles dessen, 
was sonst nur nerspalten vorhanden ist, der Gcsekleehter 
sowohl, als der Alter« Dadurch wird nun die ^eit und der 
Raum gleichsam aufgehoben und die Familie eine vollstän* 
dige liej)räserilalion der Idee der Menschheit. Aus den Fa- 
milien geht die Volkseinheit hervor und es bildet sich der 
Staat, als Erwachen des Gegensiit/.es von Obrigkeit und 
Unterthan, Der Staat kann nicht durch Vertrag entstehen, 



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Hd9 Sdiloieraindier'« SjaUm d«r fiiMonlelir«. 

weil Vertrag nur im Staate ist; ebenso weniß: durch Vsnr^ 
pation, weil auch dem, der linterthan wird, nichts genom- 
men wird. Der Staat entsteht nicht willkührh'ch, etwa durch. 
Bcrathschlagung. Die Basis des Staates ist die gemeinsame 
fi^eathümlichkeit. Den Staat hios in eine Ueehtsanstalt ' 
verwandeln, heisst den ethischen Process rückwärts schrM^< 
hum Durch den £kaat entsteht Koerst die Jetxle' vollflitltnd^-: 
F«ri* /flr: Vertrag, und fii^entbiini in aUgemtih gölti^ Bteu. 
sHmmmg der Criierieii ihres Daseyns tmd ihm Verletxenif. « 
Die Art 4ind Weise desOegebsntaBes swiseben Oiiplglceit imd 
Uiitertlian isÜ dieVerfiinsunfc des Staats. Vei^ünderungen der- 
Veffassung müssen ein gemeinschaftlicher Act der Obrigkeit 
und l'nterthanen seyn. Geht sie blos von der Obrigkeit aus 
und diese hat sich geirrt, so entsteht ein Schein von Ty- 
rannei; geht sie blos von den Unterthant n aus, so entsteht, . 
bis sie geineinschaftlir her Art geworden, der Schein der Re- 
bellion. Die Verfassung, als die verändeHiche Form des 
8taats^ naekt nicht den Staat: der ist weit alter, als die 
Gjoastflation. ' Die innere Seite des Staates ist die im Bil- 
ikmgapfMsß sieh manifestirende Natienal-^EigeotliüailieUif it, . 
die sieh: bd aller VeriiMierang der -Verlkissung glefeii bleibt 
0er FMsebfitt des Staat«! besteht in der gegenseiti^eii' 
Dorebdringung beider. Da». Bedurfnisa des Staates navb^ 
Vervollkommnung seines 'Daseyns brini^ drei Arten natdrli- 
eher Kriege hervor: Staatsbildende, Vereinigungs- Kriege, ^ * 
Grenz-Kriege oder Gleichgewichts-Kriege, und Bedürfniss- 
Kri^ge oder Staatsverlheidigende. Die Vollendung ist: „kein 
Volk ohne Staat alle Staaten niederer Ordnung zu höhe- 
ren Einheiten unter irgend einer Fonn verbunden, Staaten 
und Vöiker sich deeJ&end, alle in friedlicher Gemeinschaft zu 
aHgeneiaer Vertragsmäss^keil und Freisägigkeit verbanden.* 

■ « 



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N*- 61. HEID£LB£BG£ß J83&. 
JAHRBÜCKER DER LITERATUa 



etakienuaeher'* ^»iem der SUtenkhre. 

(B99ekiuft.) 

' lieber den Staat erhebt sich die Nationalität, die sich 
in der. Einheit der Sprache darstellt. Die National-Einheit - 
- offenbart sich in der Gemeinschaft des Wissens. — Die sitU 
liehe Gemeinschaft der Gelehrten ist die Academie. Das Po« 
blicum producirt nur das Erkeuiien, abluin^ig-, theils von 
bildenden Th&ttgkeit, (heils vom Gefahl. Die Gelehrten pro« 
ducireii in Bezug auf die Idee dei| Wifiiscns. Dle eratöPro* 
ductiott geht innerhalb eines Volksgehlets Immer vom Volk^ 
uns, aber sie wird erst vollständig im Ganzen und filnzelnen 
durch den filnfloss der Gelehrten. Der Staatenbildun«^ cor-* 
respondirt das Erwaeheii desBewosstseyns über die Sprache. 
Das Bewosstseyn sprachlicher Einheit ist erwacht, wenn die 
Identität nicht für Zufall genommen, sondern von innerer 
Constitution abgeleitet wird. Erst wenn das Denken um 
seiner selbst willen von dem der organisirenden Thätigkeit 
dienenden sich sondert, ist die Richtung auf. das Wissen da« 
Wie das nationale Wissen Eins ist, muss es sich auch M 
Einem Ganzen vereinigen, das der Idee des Staates ent- 
spricht und dies ist die Academie. die das nationeile Erkennen 
zu einem organischen Ganzen vereinigt. Die-Univcrsitfit Ist 
die Fortbildung durch Vorhaltung der Idee des Wissens* " 
Die. Jagend Ist die Indifferenz., von PnbUcom und Gelehrten, 
Aus denen beides fleh erst bilden soll. Die Sehole enthält 
die Tradition des Wissens« lieber die NationaUEinheit er« 
hebt sieh die freie Geselligkeit, welche .die Einheit aller 
vier ethischen Thätigkeiten unter der Potenz der individuell 
organisirenden darstellt. Demi sie geht nicht nur über die Na- 
tionaicinheit, sondern auch über die Kirche hinaus. Die Pluralität 
der Sphären kann hier nur bestimmt werden durch die der Bil- 
dungsstufen. DieSphäreder freien Geselligkeit wird abgeschlos- 
sen durch die Identität des Standes, dessen Gehalt durch die Ver- 
schiedenheit der Bildongsstofeä bestimmt wird. Einen Stand in 
XK^lLJaliis. Wt. 51 



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m 8clilei«niweiieK't Sftton d«r /Sitttvlehr«. 

•• • • .t_ 

sitttidierBedeiitang bilden di^eni^eiiMeDschcn. die durch Iden- 
tität der Sitte in einen Verkehr der freien Geselligkeit treten 
können. Diese tritt in dem Maasse ein, als sich die persön- 
liche Biigenthümlichkeit aas der Masse heraushebt. Die durch 
die bestimmte Bildungsstufe oder den Stand bedingte Einheit 
ist die Sitte, die sich als llofsitte, Weltsitte, Volkssitte dar^ 
stellt. Die freie Geselligkeit ist an das Haus und denWirth 
gebunden; wenn sie eine Art von öffentlichem Leben wird, 
80 wird sie abnorm. Die Grundlage der freien Geselligkeit 
ist die Freundschaft, deren letztes Princip das Gefühl ist. 
Hier tritt vollkommene Offenheit ein, «nd'alle Zurückhaltung 
ist anfgeboben. Iß der Freundschaft hat man das Cumbina- 
Üoas^Oesets schon im Gefühl und gebraucht nur die Indivi- 
dualität als Organ, für djis Universum. Die Kenntniss jedes 
Ittdividuams ist ein eigenes Organ fär die Kenntniss des Uni- 
versnm's. Yfit zwischen mehreren Staaten und Kirchen die 
Gemeinschaft von der freien GeselHgkdt ansgeht; so kom- 
men die verschiedenen Sphären der letzteren in Gemeinschaft 
durch das Einsseyn im Staate und der Kirche. Das "Wesert 
der Kirche besteht in der organischen Vereinigung der unter 
demselben Typus stehenden Masse zur subjectiven Thätig- 
keit der erkennenden Function unter dem Gegensatz von 
Clerus und Laien. Die höchste Tendenz der Kirche ist die 
Bildung eines Kunstschatzes, an welchem sich das Gefühl 
eines Jeden bildet, und in welchem Jeder seine ausgezeich- 
neten Gefühle niederlegt, und die freien Darstellungen sei- 
ner Oefuhlsweise, die Andere sich aneignen können. 
! Nach Schleiermacher^s Ansicht ist die Familie die Grund- 
lage aller ethischen Sphären: des Staates, der Kirche, des 
wissensehafilichen und des allgemein geselligen Yarbhndes 
(ß. 168—170 und 269}. Das sittliche Einzelwesen ist . nur 
ein einzelnes und einseitiges Abbild des hdchsten Guts we- 
gen seiner Geschlechts-Einseitigkeit. Das erste wahre Ab- 
bild ist die Familie. Das Volk ist eine noch höhere Persön- 
lichkeit. Die höchste bestimmte Form der sittlichen Gemein- 
schaften ist die Einheit der menschlichen Gattung (S, 168 — 
'» 1703. Offenbar sind in dieser Ethik die Keime zu einer 
wahren Dialektik der ethischen Begriffe, Formen und Sphä* 
ren. Es wird vom Einzelaen und ßesondeni zum Alteemei-« 
aen lortg^^nngen ^ vom einzelnen Machen zum Volk nnd 



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M^MlMBchheiL Der Einzelne ist an sich iuhI aeiMm W^' 
«Ml imch allgemeine. Menscli : nur insofern Z T 
Sübjec». Die Familie .nacJit hier £^^^0™ 'r''*' 
aller weiteren ethischen Be8tln.*«,«„^2f j** « 
unmittelbare Einheit der reii««K«,lSSeD »r /'^ 
^em. Di^ Einheit JTZ SSS^'JJ^^Su 
Sich nun in versc i edeoeii Stikär^ Am> B-.v^i... j I ^ 
0«- de. «Oh .«f i^e Ä^Ä'^etu^^t" 
BmKn Mtend^oi orgamsdien Ganzen entwickelt. 

MMüe, Staat, wttliches Leben u.s.w. überall geistvolle Ideei 
«fr»H*eH. D.e flachen 'J'heorien der .aodernen ZeS 
B.t«teh„ng, Grundlage „„d Form des Staates ItaC Ä 
Bd.rect eu,e siegende AViderlegung. Sehr tiefe mibeX 
tuDgswerthe Ansichten entwickelt* SchleiermwLrBbS 
Sprache .n ihrer Beziehung zur Nalional-EinhS jS St»«! 
tenb, d»„g beginnt, nacfc ihm, lüt dem ErwSen dSsX^ 
wusstsej ns der Sprache. ""wn aes «e- 

««lO^""" "i^^lf^^* henwshende phadsophlsche Schule die 

JSruüd'd^lSt""'*''''** Staat « Seheu 

tasst, und dftdweb jhren negative» Charakter, als blosse Welt- 

SÄJi^SrSl^^ .''r'' ^"""^ ^n'&^ff'^nffesetzten Eih- 

■ ««^«^'"ssnstalt, die willkilfcr- 

rlfr^ ^^^'"^ entetanden ist; aber er s eilt ihn neh ■ 
mcht hoher, als er in dem Organismus der Menschl eWs-SS 
stehe« soll. Es zeigt sich derselbe zwar übttMi i^ £ 
besonders recht als Vertreter der Eige«thSmli«fckeitr„lS - 
n Gemeinschaft, aber mit Vorbehalt dtfeer ItXtMealff 
Ueber den Staat erhebt sich ilua die VelkrthaSkeiT freie' 
eeseJligkeit und die Iü«l«. Am eÄSÄ ' 
SeUeiermachers Anieht in dte Daretellung der Kirche 
hmcr. Shm OmU id. die Grwdlage der ielMon Ut ll 

eig«.thd»li<^e Wefen der PeSiiS; 

^"I^^^" r''^"'""'*" auszusprechen und dari 
JSSSL^bf J^arstellung „„d Aneignung oder 

lüttteiin« «berhaiipt mehr durch Ahnung, als vollkommen 
» Worte vernuttelt. Daher ist nicht mwM die Spracke 



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804 Schlciermaoher^s Sjttem der Silfenlcbre. 

• 

als die Kunst, welche auf symbolische Weise den Inhalt des 
• religiösen Gefühls ausdrückt, das Mittel der Darstellung und 
Aneignung. Hier tritt nun auch das Subjcctive und Unge- 
nügende der Anordnung und Ausführung der Schleierina- 
cher'schen Ethik recht hervor. Man sieht, dass Scheierma«»' 
€her hier diß Ansicht der früheren Schelling'schen Philoso- 
phiCj Avie sie schon im transcendentalen Idealismus dargestellt 
ist 9 welche die Kunst als die höchste Einheit des Idealen 
und Realen, der Freiheit ond Nothwendigkeit ansieht, Vor 
^n^en hat. Diese hat er nach seiner eigenthomlielien An^ 
aehaunng über Beli^ion und Kirche hier angewandt. HAtt^ 
Schleierniaeher die Ethik soweit durch alte Ihre Sphären en^^ 
wickelt und bis m ihrer hdehsten Vollendung fortgeführt, 
wo die Sittlichkeit zur zweiten Natur, zur sittlichen Genia- 
lität, und als sittliche Schönheit oder sittliches Kunstwerk 
hervortritt, in welchem Nothwendigkeit und Freiheit Eins 
sind; so hätte er allerdings nun in die Kunst übergehen 
können, in welcher der sittliche Genius, als höchste Vollen- 
dung des Erkennens, Wollcns und Wirkens, sich als freies 
Bilden crweisst, sich in der ganzen Wirklichkeit abbildet 
nnd in der Natur vollkommene Leiblichkeit annimmt und sie 
verkUhrt doreh den Geist Auch hierfür sind überall , beson-* 
ders aber in der Pflichtenlehre, Keime in Schlelermacher*« 
Ethik, aber sie sind nicht entwickelt zu einem organischen 
Gänsen. Bei der Lehre von der Kirche tritt der Pantheis- 
mus und Naturalismus Schleiermacher^s in sefifcrBestiaimnng 
der Religion hervor: „Die Religion ist das Streben nach 
der Wieder- Vereinigung mit dem All;" da in Gott die Ein- 
heit und Totalitat der W'elt gesetzt werde, so könne man 
sie auch Gemeinschaft mit Gott nennen. Dass dieses „in " 
Gott" nach dem ganzen Standpunkt Schleiermacher's doch 
nur „als Gott" zuverstehen ist, darüber ist kein Zweifel«»' 
Auch ist hier unverkennbar, dass Schleiermacher Religion 
und Sittlichkeit ganz identitlcirt. Religion ist Wiedervereini* 
gnng mit dem All, ond dasselbe ist auch Sittlichkeit 

Schleiermacher hat in verschiedenen Gebieten der Wh- 
aenschaften eine neue Bahn gebrochen j aber nicht vollendet- 
Er steht an dem Wendepunkte einer alten nnd neuen Zeit 
nnd ist von der Macht beider bestimmt. ]>ie Herrlichkeit 
des grossen Mannes wird erst offenbar, wenn mau bedenkt, 



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Schlcieriuucber'« System der Siltenlebre. 



806 



waisr er zu besiegen hatte, um das zu leisten , was er gelei- 
stet hat. Seine Persönlichkeit muss eine atisserordentIi<Jhe 
If^acht auf die Geister ausgeübt haben, seine Elasticität des 
Geistes ist bewundrungswüniig^ wenn er aber doch nicht stark 
genug war, dem höheren Selbstbewusstsayn der Zeit, das 
seinen Standpunkt überflügelte, nachzukommen , so liegt die^ 
ses theils in der Macht des alten Priocips, theils in seinem, 
ich möchte sagen, stoisch entschiedenen, persönlichen Cha- 
rakter. — Er hat aucl^ in der Ethik, durch seine Kritik der 
Sittenlehre eine llene Bahn gebrochen and durch seine w- 
liegende^ Leistung Keime niedergelegt, welche die Zeit 
ergreifen, pflegen und durch sie weiter schreiten muss. 

« 4 

Sengier, 



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DBVTdCHRS BBCBT. 

Br. 0. W, Btekmer, über die autitentiachen jlusgaben der Carolina* 
SluMtite vermehrte und verbessert» At^ßage. Q it Unge n , km t^mmäimkmk 
«n«t üi«ir«««t« iSSt?. 64 5. a. 

Der Verf. ähwü im iBiS mwni ersthleoeoeii kleinen Selirlfl 
hateioii aar Aufgabe geietst, die BxieleiiE einer eelion im J* IMt 
4mli' Sclweffer in jUniiia Tetlendetea nnllieiitineiMn Aa»gal>e der 

Carolina, uod somU 4ie Existea» einer |1Icnk<»), qiid reep. iMMi»p 
tcn Scliöfterischen Ausgabe nachzuweisen, welche übrigfens gegcn- 
wärtiflf als verloren oder unter dem Staube alter Bibliotheken 
vergraben zu achten sey. Man mus8 dem Verf. das Lob erthcilen, 
dass er bei der Entwickelun^ der inneren Gründe für die Richtig'- 
keit seiner Behauptung allen möglichen Scharfsinn aufgeboten hat. 
Allerdings wäre es auch eine anfallende Er8obeinuo|2f, wenn Mij^f* 
fer — naefadem der R. A. vom 97 JuU 1639 den Drnelc der Caro- , 
lina tmgeordnet. hatte, nnd naebdem er, laat aeinea Drnckprivile- 
giums vom 31 Juli 1688 den ihm anfgetragenen Druck des Ab- 
schiedes dieses Reichstages zu Regensburg, der Kammergerichts- 
refoimnfion und der Carolina, damals bereits ,,in der Eile mit 
einigen Unkosten, dem Kaiser zum Gehorsam und zum. 
Gcfallen^^ übernommen, — damit bei seinen grossen typographi- 
schen Mitteln nicht noch vor dem Ende des Jahres 16^2 zu Stande 
gekommen sein sollte. Auch ist es gewiss richtig^ dass daraus, 
daaa hent »n Tage kein Bxemplar eioea alten Dmekwei^es mehr 

' Torhanden iat, nioht geacbloaaen werden darf, daaa ea nie vorhan- 
den war. Der Verf. führt mehrere intereaannte Fälle anf, in wel- 
chen langst vermisste, oder ganz unbekannte alte Drucke theils in 
Folge fortgesetzter emsiger IVncbforscbungen , theils durch Zufall 
endlich doch noch entdeckt wurden — eine Erscheinung, welche 
ftir denjenigen, welcher weiss, wie unverantwortlich liederlich oft 
-mit nlten Drucken umgegangen wird , nichts Befremdendes haben 
kann. Zu den Gründen welche der Verf. §. 8. entwickelt hat, um 
daa Veraehwinden der erat^ii- Ausgaben der Carolina za erklaren, 
dürfte vielleiebt noeb daa hlnKugeragt werden, das« wabraoheinllcb 
die ganze erate Auflage an die Reiehaatande aelbst abgeliefert 
wurde, und daher wob! gar nicht eigentlich in das Publicum ge- - 
kommen ist, daher auch wohl Nachforschungen in alten Registra- 
turen und Archiven der höheren Regiernn^skanzlcien und obersten 

' Gerichte eher zu einem ilesult»tc fitiircn könnten, als in den Biblio- 
theken der Universitäten und Privatleute. Der Verf. hätte »ucl» noch 
einem anderen möglichen Einwände, nämlich dem, dass es nicht 
wab^aebeinlieb sey^ dass einer in der letzten Hälfte dea J. i58f 
gemnehten Anagabe aebon im Februar 1633 eine neue gefolgt sey. 



■ 



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>l>«uUchea fUcht. - MI 

aaeh noch befOliders daroh die Bemerkung be^^o^i^nco kflnoen, dB«is 
die Griwe BeMrCaisses sogar schon im August 15^3 Abermaiti 
•im wladarholilte Aolgate- adtUg gomtolit Imbe. Der Verf. bat 
■it Tietoff OtatküigMi die Grfinde enCwiekelt, av« wcleiieii. die twm 
I. Sohaaffer zu flfainz siae die et oonMte ^venuMlaltele Ansgaboy 
welohe Böhmer ffir die vermisate AvagabSe von 1532 gehalta« 
hnt, erat um dns Jnhr 1545 oder nachher gfesetast ^erdaa dürfe } 
er bat dajQ:egen in den der gegenwärtigen Auflage seiner Schrift 
aeu zugesetzten 16 und 17 Nachricht über zwei neu entdeckte 
materielle Spuren von dem wirklichen Daseyn einer AuRgabe von 
1539 gegeben. Die eine dieser Spuren beschränkt sich freilich anf 
ciae attir Mobtige Brwihnang dieser Ausgabe von 1532 von M ei- 
alilor Cl^ldaat la aelner flrUAraag n, Brliatcrnng deal69«.tl8l 
ArCilDBla der CaroUaa Breaian 1961. Die aweite Spor flodet aioh 
in der Brw6iuiaag derselben In Lndw. OeeeJtela aaa Badea^BadtM 
Dissert. de forma iurisdictionia criminalis apud Germanos, AltdOff« 
1736, welcher ein Exemplar derselben bei dem Prof. Cb. O. Schwarz 
in Altdorf gesehen haben will. Doch ist auch die Richtigkeit die- 
ser Angabe nicht für ganz unverdächtig zu halten, ^a GoeokePs 
Arbeit sehr an Incorrectheitcn leidet, ja sogar, was offenbar wider- 
sprechend und unrichtig ist, Regensborg anstatt Mainz als Drack- 
ort angegeben wird. Darf man bei einer ae groben Verwedwlaag 
erwarlea^ daaa Geaefcei die Jahraasahl -richtig gelesen, iiad aiclit 
ebanfona ein apiterea iabr mit dem J. iA8t anaammengeworflM 
habe? So viel ist gewisa — ein Exemplar der Aasgabe ven t6S$ 
ist noch nicht anfgcrnnden. Doch wäre ea unrecht, daram an der 
lAö;>:li('hkeit der lintüecknng gänzlich zu zweifeln. Schon mancher 
unerwartete Fond ist den fleissigen und iinermädlichen Nacbfor« 
schangen in neuer Zeit gelangen — «• mögen diese auch luer end- 
lieb belohnt werden 1! — ^ 



J9an. Anä'rta^t Proettm» Judiüiarhit n«b$i Minen üebenetMvngtn: MtAar 
Manat el» $€nkenb€rg$ Gtriektahiitkiein und Ordnung zu 
Reckten. Zusammengeetettt und hetttuegegeben von Bubert Horn, 
Mit einem T^orworte von Dr.'Hieronymua Bayer, k. IJofrtith und 
' ordcntl. Prof. an der Ludwig- Maximilians- Universität, München 1831 
Kötügh lio/- Buchhandlung von Ph, J. Bayr, 52 5. 8. " 

Daa Verwert dea Hrn. Heflratb Bayer liat keinen anderen 
Zweakf nie dea Herauageber als einen seiner fleisaigalen Snbörer 
dem Pahlieum- au empfebien. Es wäre daher sehr an seinem Orte 
gewesen, wenn Hr. Horn sich nicht blos daran f beschrankt hätte, 
lediglich einen neuen Abdruck der oben genannten Schriften zu 
veranstalten und mit einigen Worten zu erzählen, wie er — ohne 
Ton der Bemerkung, welohe Budorff in a. Grundrisse zu Voilesun- 



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^08 , * . Dentichei Recht. 



geQ über gem. Qod preuss. Civilprozess, Berlin 1837 p. V. über das 
Verli&lCttitB de« Mournton eog. Seakenbergisohca 0«riohttbMileiiM 
cp den ProMtons Jadioiarios des J. Aedreae gemaelit hat, Kennt- 
. niae wa. haben <^ bei der Duroiieieht der mUielalCerlieben proaeaana«* 

liaolien Reohtsquollen gleichfalls za der Entdccitang gekommen sei, 
dass' Ersteres nichts Anderes sei^ als eine Ueberseizuog dieses 
Lef zieren. Vielmehr wäre es geeignet gewesen, wenn Hr. Horn- 
aach eine Probe seines Talentes dnrch denVersach einer kritischen 
Bearbeitung des Textes der oben genannten Recbtsböcber, oder 
durch eine Darstellung ihres Eintlusscs auf die gerichtliche Praxis 
im XV Jahrhundert^ odeK ihrer Beziehungen und Verhältnisse am 
verwandten nnd ibaliohen Recbtsqvellen jener Zeit bitte beifügen, 
und dadnreb dem jnriatiachen PnblikBra bätt« Gelegenbeil geben 
wollen, In daa fireandliche Lob, welebea ibm ein Mann wie Bayer 
geapendet bat. aas eigener Ueberzeugung einzustimmen. Gerade 
darom, x^eil (wie Hr. Horn selbst bemerkt hat) das Qnellen-Stu- 
dium in unseren Tag-en 8ich wieder zu heben anfänot, ist es nipht 
damit getban, eine Quelle einfach und nackt in den Druck zu ge* 
ben — am wenigsten wenn dieselbe den Manaern vom Fache be- 
reits durch den Druck laugst bekannt und zugänglich ist — son- 
dern gerade darum — .weil das OucUcnstudium gehoben nnd ge- 
fSrdert werden aollj darf man rerJangen, dasa dfe-Heraosgabe voil 
Onellen nicht ohne die Beifügung' einer erlftnfernden Abhandlung 
bewirkt wecde, wmlureh einerseits der Uerauageber aich ato bernfiBQ 
zu dieser Art von Arbeiten .legilimiren masa, und andereraeita die 
Oiielle erst für den «ir^isseren Theil des Publikums zn^fing- 
lich und geniesshar gemacht, und niso nur auf diese Weise der 
Zweck des Qnellenstodiums — die üetorderung einer eoht wissen- 
schaftlichen liildiing erreicht werden kann. 

Hr. Horn hat das Senkenbergiscbe Gerichtsbüchlein aus dessen 
Corp. jnr. Germ« neben einer anderen ähnlichen dentschen Bearbel» 
tung — (der Name Ueberaetssiing tat in Bezug anf beide Schriflen 
nieht gans richtig) des 'ProEessns iodiciarius dea Jon. Andreae ab- 
drucken lassen, welche zu Heidelberg 1490 bei Heinrich Knobloch- 
ter erschienen ist. Auch hat er einen Abdruck der Schrift des 
Andreae selbst nach einer Ausgabe von 1510 beigegeben. In ei- 
nem Anli.ingc ]). erwähnt der Herausgeber noch eine ganze 
Reihe von Ausgaben der deutschen Bearbeitungen , welche il)m erst 
während des Druckes bekauul geworden — ein Beweis, dass es 
nicht imnvpr gut ist, mit der ll'eransgabe Ton alten Quellen ma eiien^^ 
wenn man etwaa filr die Kritik dea Textes leisten will.* — Wurde 
man noch flelssiger ORohforachen, ao wQrde 'man. ohne Zweifel noch 
eine bcdeafendc Anzahl veracbiedener aelbstatiindiger deutscher Be- 
arbeitungen des Joa. Andreae entdecken. I^^o z. B. besitzt die Hei- 
delberger UniversitäCsbihliothek einem Band iManuscripte (Cod. 
Palat. Msc. Germ. ISr. iiili) beigebunden eine solche Nachbildung, 
welche von dem iSenkenberg: Geri(;htsbüniilein und der Ordnung 
des Rechten völlig unabhängig ist. 8ie führt den Titel: Spiegel • 
des rechtens^ Fürsprecher oder Redner. Die Summa dos hooh^ 



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OMitucliM Recht M 

gelerteil Bern JohAnais Andreae, über seoundo Decretallum. 
Kym wMpnülgen gcridittkdMii pnust«! ■!( eygeotliober teatschung 
icr nebrer feyl reolitlieheii werter, .«o lUMher mbalU« «eind, ge-« 
■eret Jetzo dsroh Michaelen Hfitter^vat den l4iteiB iaa 
tenteoh brnchf. etc. 16 Bl. in 4. Am SoUasRe: Gedruckt zd StrassH 
bar^ dorch Bartbolomeom Grüninger Anno 1539. — Diese DrHok-« 
. Schrift hat Hötter in einem kurLon Vorworte einem Hrn. Wilhelm 
GantKhorn Dr. jur. etc. in VVurzbtirg gewidmet, und erklärt darin 
(sehr irrig) das» .^dergieichen büchlein vorher in Dcnl»ch seins 
Meissens nie kummen seind.^^ Die Vermehrungen welche Hütter 
beifügte, sind tbeils deutsche Reime-, in welchen er prozessualische 
• md «ndera jarisOsebe Reebteaitse ertiatertf teile eine Art rmi 
jvristieebea Voeababiriiim, welebee mefa.fien vcnelnedeiien Ab^» 
•ebniUen des prozesaiMÜbebeo Verfahrens verlbeilt, die in jedes 
vorlceiMDenden lat. Konstansdröcke in deutscher Uebereefznng wien 
iergeben soll. Der Text des Andrea selbst ist dagegen in dieser 
Nachbildnng vielfach abgekürzt. — Ueberdiess besitzet die lleidel- 
herger Universitätsbibliothek auch noch eine Handschrift einer 
deutschen freien ITebersetzung des Ordo iudiciarius des Jo. Andreae 
welche der zweitcfn Hälfte des XV. Jahrhunderts angehört. 8ie bef- 
indet sieb im Cod. Ahe. Pblet. Oerm. Nr. 169. fd* 184 bis fol. 141. 
mit der Uebereebrlfl: „Ordn IndiobiriaB das ist bie feJget die erd« 
nni^ des i^eriebtee*^ n. ist noeb in den Ketsloge Wilbeos über die 
Heidelberger llffee^ p. 375 ebenso, wie ein anderes ihr voralebenden 
Beobtsbiich (von welchem ich bei der Anzeige des Beniejr er- 
sehen Verzeichnisses den f sedier Rechtsböcher besonders sprechen 
werde) hierin als ein unbekanntes Rechtsbuch aufgeführt. Diese 
Handschrift schliesset sich im Manzen genauer dem lateinischen 
Texte des Andreae an, leidet aber an vielen sinnverkehrenden Un-> 
correctheiten, so dass sie für nichts anderes als für eine Copie ei- 
ner bis jet%t nidit weiter li^nnten Verton gebsiten werden knnn. 
Dn wir den lateinieeben Text des Andreft noeb besitzen, a4 Imbea 
begreiflieber Weise alle diese Versionen nur eine nnteii^rdnele 
liferirgescbiebtliche Bedeutung: die Wiesensobnft selbst bnt nber 
dsTOn iieinen nnteriellen Mntsen. 



lacerti eseforii Ordo luditimriü't (Ü^MMmt de «dimdo) e esdMftiM •< 
Mimtiku» emgmdmdf ghui» mmtit mmmotuiiom» mük» «Mtraarft 6s«#, 
. Heeiiel L^wtMHlit* Liptiae 199», Au^ttiit «T. G. JüsHsM«. 

Hr. G. Hänel hat hier mit bekannter Genauigkeit ein kleines 
Reehtsbuch aus dem Ende des XII. oder aus den ersten Decennien 
des XIII. Jahrhunderts nebst alten Glossen , nnd eigenen kritischen 
Anmerkungen beransgegeben I welebes nin isebr UdnrnßMiu und 



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Deatiches Recfai. 



wichtig'es Denkmai fär die Geschichte de» C i v i 1 pr oises^es schon 
seil seiner ersten Bntdeckong dnrcb Hugo (a. 1791) die Aaf)ni«rk'* 
Mmkelt d«r Freoide 4er Reobtegeaehtebte Itt dem Grude 'mir etobr 
gesegw Mto^ dase bereite eeht Antgabeii (von Hugo, MeyerweHh 
«ad jSiMHigeaberg, twei von Cooper, ^rei von Warnkdnig, und ein« 
von Royer-'CoIIard) eraebieBea aind, welche Hr. G. Hiinel gleich- 
fftlls bei seiner jetzigen Ausgabe zur Kritik' des Textes benutzt 
hat. Wer der Verf. dieses Ordo iiidiciarius sei, ist iinermittelt 
geblieben: gewiss aber ist, dass die mitunter vorkommende Rubrik: 
Uipianns de edendo — Ulpianus de judiciis nur durch einen Ab- 
schreiber wegen der Beziehung des ersten Titeis dieses Rechts- 
bvobea aof L. 1. pr. D. de Bdendo eotstaadeo ist. Als Vaterlaml 
dicaea fieehCslniebea aiBbeinen Mord-Frankreieh eder Bogland mn 
batfaebtea, da aiob in' Itiüiea noch ketne Manoaeripto deaaelben ge«- 
Itanden haben. Hinel eataebeidet sieb insbesondere ffir Kngland, 
Daa Buch ist geschöpft aus L. I^IX Cod. und den Antbentikeil' 
des Codex. Die iMeinung Hugos und VViistemana's, wonnf:h auch 
die Novellen^ selbst und die Institutionen von dem Verfasser be- 
nützt worden waren, wird von G. Hänei zurückgewiesen. Die 
Quellen selbst werden in dem Ordo nicht angegeben. Nur einmal 
wird der Codex, und einmal eine Stelle des Decretum Gratiani er- 
wllnt« Biecaos aad aus der gänse liehen Unbekanntschaf t des Verf. 
■iC der Oloaae dea Aoonrsina lieaa aicb daa Alter dea Bnchea in 
der oWeci angegebenen Art beatlmmea. 

Es wäre 7.« wünschen, dass eine Veiiglejobang dieses Ordo 
tttdiciarias ipM dem Ordo iudiciarius des Joannes Aadreae (f 1848) 
welcher sonach um ein Jahrhundert jünger i«f, zum Gegenstande 
tiner besonderen llnteraiiobaiig — etwa in einer laaugumidieoerta** 
tien gemaobt würde. 

Zoepfl, 



B B L L E T R I £i T 1 K. 

Pilger ~ Lieder von J. 11, v. fV estenberg, Ittom für Freunde. 1889. 
Zwölf unptiginirte Oktavblätter, ^ 

Wir Dttterlasaen niebt, den liebem ven dieser ForisetaMg der, 
In vorjährigea Deeemberataek dieaer Jabrbb. anfreacigtea , Samni- . 
Inng «D beriehfen. Die Bemerknag nBloas ffir Freaode - hält una 
niobt ,ab, da der Kreis 'der Freunde des Freiherrn von Wessenberig 
ungefähr die ganze gebildete Welt in sich be^jreift. Anch soll sie 
nicht dera Fluge dieser BIfitter ein unwillkommenes Ziel setzen; 
Tielroehr bezeichnet sie nur deren nächste Bestimmung, da diese 
Gedichte ohne Zweifel späterhin, wenigstens grösstentbeils, ia grös- 
aern Sammlungen ihren Platz finden werden. 



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BelletrUUk. iU 

Der MUi'iM V<oif. ittrC Uer ftnrt, potfliMlit DeafestdM sei- 
mm AiiMdMimiiigaa, QeoatiMii vod CteflQble zn setscii. .9er Titel 
„Liedei** ist niobt streoip m eehveas denn man flodcl Uei> emeer 

Liedern im eigenlliehea Sinne des Worts, aach Reiseflcbilderviiigeai 
■innige Betrachtungen und Blegioea in Sonettform, Scherze, wie 
,,den Brillenschleifer," und Epigrftmme ; „WahrheitHgeföbl'' ist ein 
ftlcaiscber Seufzer Ein Geist, genährt durch reiche Erfahrung, 
darcb eifriges Studium, besonders der Geschiebte, und durch ge- 
sunde Philosophie, dnrcbblitzt in diesen Blättern, erleuebtend und 
mit dem Feuer der Religion erwäcmend, die Wolken der Zeit 
HaiMdieeVtegsgespeoet wird mit leioiiter, »ber^fester, Bend im¥or7 
beigeho eotlervt, mnohe Feto Meresa eateanbert, menolies Meer- 
lebillerii' liforarieeher leftasionstbiere auf eeinen wabren Bestand 
surfickgeföbrt. Neben dem Gehalt der Geda«|(ei|. mid OefQhle reist 
die Frische des Ausdrucks, das Natürliche, Vngeeuebte und, so* 
ZQ sagen. Augenblickliche, das wohl sogar in eine gewisse Nach- 
lässigkeit ausartet, die aber der studierten Stubeoweisbeit mancher 
Vielschreiber uAeAillich vorzuziehen ist Mtkchten aie an snserem 
Dichter ein Beispiel nehmen und ebeafalls, wie aueh L'hlaod räih, 
IieJI>er Blätter als Bftnde gtHttn. 

Die Eieeer würben «e m «idrt vens^ilieB, wawi ivir ibnea 
■iebtEinigee ane dem ameiieiHleB PficUvUi mttthtiUML' .BIeB dein, - 
Boviel der lieaeiiriBfcte Hawm gestattbii StAek* TtfeebiedeMr Art, 
•nt denen ipan dae Oaose beorUieUea mag. 

. . • . • • ' • f. 

0«r Harkttsplats sv Veaedig. 

Verwundert las«* umher das Aug' ich scbweifea, 
* Paläste, Zeuf^en rings vini goIHncn TagVB 

Der Reprtbiik, tieht es gen Himmel ragen. 
Auf Säulen (uheiyl mU den schönsten KnAufen, 

Sanlit Markus Dom, wo Pracht und Kuust sidl litafen, 
Erzählt beredtsam tnnrgonIänd*tche Sagen; 
Die ehr^n^o Pterd«,^ vom Portal getragen» 
Erimier» aa den Raiini von $i«gesl&ufQQ«*> 

Die G(oc](' erhebt ein Tboru vu |iö«bslfu Steile. 
War's doch ihr Aint, des HerrÜelie la kfindeo, 
Was dort der ]b4v* ettf ii4lier 9A«1' eaneaaen. 

Doch horch'! am Strand MirVt («««nd Weir an Weltes 
Das Klagliud i«t'» vom Werden und Verfchiirinden. ^ . 
Den Wetlee gleieli ist ach I der ttabm eerroaeoB. 

• mvi«r« 4i QeeeTa^ 

■ * • • 

Veint de ton Ntssa^s Bncht« der nmiiatftrelelKe«, * 
lleoi llrand, dei*, toII vimi Goidfrucbt und Oliven,' 
Bis Genua sich srhlinf^t an iir»h'a und Xisten» 
Auftauchet ein« Welt dir ohne Gleichen. 



*) Der. Do'^'^Dandoi o hat «ie KonttAntioo|Ml ssbetMri. 



i 

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ait Billetrittik. 

Aof Glj^ela dort, die an die Wolken reiohmv ~ . 
Jat dir'fi ob Wunderkinder, welche scbliefen. 
Plötzlich erwachend, Zaubergärten schüfen, 
' imt tehtt«!! entatahn, achnell wieder andern wefeboni 

Wie schön iifi Glanzduft fern die Segel wehen!. 
Wie ihre Pfade, Funken sprühend, tchimniern! 
' Doch jezt hinab! Oir Qrura der Wellen!*) 

. Magft wohlig hier in kühlen Schatten gehen, 
W« Naad'**) and Aioe mit Schaani beflimniem 
Die Plnlaiiy die mit Brana am Fela acrachellan. 

Trftvemfisde« Jnly IM. 

Den Willkomm brauste mir der Sturm, der wilde; 
* Doch bald aali ich im Meer den farbenhellea 
Leuchtbog^n sich der Ahendglut gesellen. 
Ich atand entzückt vor dem erhabnen liilde. 

Wie alles Grosse, reich an Stärk'' und Milde, 
' Weckst du, o Meer! der Thatkraft frische QneUen. 
Den Leib rertraa* ich freudig deinen Wellen, 
Glalohwie dan Gaiat dam henran* StarngafildA. 

Eiskalt farat Schauer mich beim Untertauchen 
la.dafne Stisfint; doch nach Aageoblickan 
/ Darclidriagt aia micdi mit warman Lelieiiahaiichaa. 

Magst Schlag auf Schlaj^ die Wellen an mtcb' dffidmi* 
Mir wächst der Muth,-mein Kraftmaass sa goblftaehaMf 
Und ungabaugl so atahaa de« Qaactiicfcan. 

AUaa hat aaind Zell. 

Dürres Laub, o aäosle nieder, 
Kh dn^ frische sprosst und g^rünt, 
• Das fiera Vöglein für di^ Lieder, 
Für die Brut sum Obdach dient! 

Bliebst da hängen an den Aeateo, 
Die das Gran acnoB rliosaad aclmiAekt, 
O wie kläglich von den. Westen 
, Watdeat da mit Schmach xevpflockt ! 

Alles welkt; doch, abgestorben, 
Macht es frischem Leben Platz! 
Wer als Mann sich Rahm erwosben, 
Hfite atlli oia Gteia dea Sebats ! 

80 dea ffhaHen' wir nocli 9 BIfttter ibnlieben labalte, 
•benfbllt dar aencslen Zeit aogehOrig, tob deraelbeo geschfttztM 
Dand. Da aacb sie nicht die Heantraaae dea BachbanMi ßehüj 
80 hoffep wir den Dank der Leser,* weaii wir ans erlrabWf €iiiigo 
dieaer Bl&thea für aie zu pAfteJm, 

*) Dos Seebad bei Genua. 
**> Der Narden- Baldrian. 



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Deltolftf^. 
Ptlff«rll«d. 

# 

A'orwärU, vorwärlt, nie zurück. 
Immer mit erliobaem Bli<*k 
LfUftt uns gehen nnsre Dahn, 
Um dem hohen Ziel su nah'n ! 

Vorwärts, aufwärts nur gesehn, ^ 
Wenn uns Stürme rauh uiuwchn, 
Süss uns lockt ein Zuuberspiel ! 
VorwftHe, enf^irt« tnhvi mwm Bffll!' 

Vorwärts, noch beim T^geslicbt, . « 
EK* herein das Dunkel bricht! 
Aufwärts! hoch im HlnimelsglailB - • . 
Harrt auf uns des Sieges Kranx. . 

Fortp:e8chrlt(cn, ohne Hast, . , ■ 
Ohne Stillstand, ohne Rast! s 
Auf des Zieles Stralcnhöb*n 
Wird die Pi|lm' «na Fri^en web*^. 

' *, 

Nur immer Mntii! 

Maoeh eitler Wunsch durchzieht die ftnitt. 
Wie bald verwelkt der Erde Lütt! 
Den Spreu vcr/elire Wind liiid aiut, 

reicht deinen Uutk! 

Begehrt griesgrämig dir das GlAell« 
Was es dir launisch gab, zurück. 
Wirf an den Hals ihm all sein Gut, 

Doeli nicht den Math!^ 

Verschwört «ich Tücke gegen dich« 
Steh' ihr zum Kampfe ritterlich t 
Zum Heucheln halte dich gttt! 

Wahrheit gibt Math. 

O Schmerzenskind! dan Leiden ist 
Des MtMiKLhcn Loos. Trog' < s als Christ, 
Und denke dich in Gottes Uuth| 

Dann vicbat ddin Mutb. 

Rauscht Missgeschick daher und stürmt. 
Wie ein Orkan, der Wogen thürmt, 
8o*blick\ ein FcIh in grimmer Flalh, < 

Hlmof dein Jünlb! 

' Wenn jede Saite atch Yeratimmt, 

Kein Auge lacht, bein Lüftchen flimtwt, - 
Dein Herz doch sagt: Gott sejr dir ,g«f« 
Behalte Muth! 

• Ermuthigung des Christen*' • 

Uebereiclialer weit Tor Allea 

In dem grossen Brüderbund, 

Den für unser Erdenwallen 

Hat geweibi dein bcil'ger Mmd: ^ 



Hi IklMrlicac. 

O ich weiss, du die Deifldl« 

Fiilil8t mit ihnen ihre >oth, 
Hörst ihr Seufseia, siehst ihr Weiaeo 
Naeh dom ewigen Morgenralh. 

Was zu ihrem Heil gereiche« 
Leraen eie allein von dir;' - * 

Dnss ihr Leben deinem srleiche« 

Ist ilir Trachten für und für. 

Ihre Sehnsucht wirst da*stilleB, 

Wenn ihr Her/, nicht eitel strclit, 

Sich vor dir in Schein zu hüllen« ^ 

Wenn in i|im die Liebe lebt. ^ . 

• ■ O entzünde du dns Fcner 

Heil'ger Lieb* in nnsrer Rrust! 

Dann bleibt uns nichts Eitles thouer« * 

Dein (lehot ist unsre Lust. 

Trotz des Zweifels cis'gem Pfeile, 

Trotz des Hohnes Wetlerscheia, 

Wandeln wir getroü Helhl, ' 

Ewig, .ewig» ewig dein I . ^ 

Reepice fineni! 

Auf welclies Ziel gebt unser Leben ans? 
£a ist ein Wandm — naeh Htm VaCerliiiitt» 

Obne Zw^fel wird bald mehr id« thia dlMer IMer» mit Cto» 
•angsflögeln veraqfan, seinen Vorgängern nnch, 4m detttoehe Volk 
durebflicgen, and «noh nnaere Liederfeele veraobdnem lielfen. Wir 
wUnaeben den ehrwürdigen Verrni>$cr Glück daza, und bedauern, 
manch andres gemü(hlicbes Gedi« hf, z. B. die 3 Sonnette an Rein- 
hold, das auf den versforbenen Fürsten von Ilohen/.uIIern-Hechingen 
(beide Freunde des Dichters). ^^Vernunfthnss/' ,)der . Abeod,^^ ^die 
AehrenleBerin;^' u. s. w. übergehen zu müssen. 

F. H. Bot he. 



BÖMI8CUB LIVBRATIIR. 

LafeInjseAe Synonyme und Btymologieem mm ttn4f»ig Oeeder- 
- letn. Stehtter Theil. Lelff^g, 18SB. M AM. OtriH. ffUMm 
Fog€L n ttttd 418 6\ & . . 

Seit einer Reihe von zwölf Jahren begleiten wir dieses Werk 
mit unsern .Anzeign und Demerkungen und (wenn man will) Bei- 
trigen und Beriebtigungen in diesen Jahrbftohern, and Jeder Tbeil 
denelben gnb ans.Vemnlaasung, ansere Freude Qlier dessen Fort- 
netMing, sowie Aber desseä sMgeaden Werfh nneniisiircohen. Wir 



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haben jetKt den letzten 'rheii des Werkes, wiewohl ooefa nlokt dee* 
sen V^ollcndunjif, anzuzeigen. Mit diesem Paradoxon biit es neoi'i* 
Jicb folgende Bewnndtniss. Iifi Fröblin^ 1826 erschien der fünfte 
Theil. Die Vorrede desselben köndijute eine Aenderong' in den 
etymologisnben Grondnätzen des Verf. an, die sieb auch in der 
ganzen Ausführung jenes TheiU bestätigte. Dann erklärte der 
Verf. der eeeliete lliiid eoU swar santeheC nr ein General-» . 
reg ister. Ober it» gense Werk entliaKeat alleltt dieeem Regieier 
gedenke eir miglefieli' eine weitere BeetinuMnijg wm gtimiy eo d*«» 
es zur Brgatizong (weil nemlich in den fünf Bfodeil nar ein 
TImII des. ganzen Lateinischen Sprachschatzes besprooben werden), 
nnd zur Bericbtung des ganzen Werkes sowohl in synonymischer, 
als besondcrs'auch in etymologischer Beziehung dijene, mithin die 
Function eines 6u pp lernen tbandes und zugleich einer neaeo, 
verbesserten und vermehrten Ausgabe übernehme, und, \fe 
fliOglicb, gar die Stelle eines Elymologicum Latinum vertreten 
kdnnes er epm demnaeb Vitlee von Demjenigen, im« noeli 
sagen sey, aamentlieli die Motive der nasgesproeben BekenntaloeOi 
wonnch eldi in eeinen Ansielitett «ad Orandsiteen biMiobtlicli dee 
BtyBologif! Manches geändert habe, fOr eine Elnleitong zi/ den 
nicbsten Tfaeile auf; mit welchem er noch vor Jahresfrist seift 
Werk abzri^ch]icssen gedenke. Auf diese Einleitung war nun 
Ref. besonders gespannt und begierig, da er sich gerade nnf dem 
Gebiete der Etymologie mit so manchem Einzelnen nicht hatte con* 
formiren kdnncn, was ihm auch bei den frühern Grnnd^älzen nnd 
Ansichten des Verf. mehrmals begegnet war, während er in dem 
synonymischen Thelle dee Werkes, In der Moen Beobnebtnnf Am 
Bpre€bg«bmndn, In der kritisoben Belenebtvng^ men^r Stellen^ 
niebt nnr (wie In den J9^ologieen) don Seherftitta nnd die Com« 
bittntlonsgnbe des Verf. erfcanote, sondern auch siob vielfach belehrt 
oder eelne eigenen Ansichten mit VergnOgen bestätigt fan.t Al- 
lein ungeachtet dieser sechste f^nnd von allen fast der 8(,1rl<«*f^ 
so fand doch die versprochene Einleitung, auf die wir um diKthalb 
Jahre warten, In demselben nicht Raum, und der Verf. entsehloss 
sich, das, was er zur Begründung und Erläuterung seines, beson- 
ders im vorliegenden Bande befolgten, Verfahrens. >^^a sagen hätte, 
in einer besondern Beilage unter eigenem Titel: nnr InteinI«' 
sehen Wortbtldnndr^ nledernnlegen, welche diesem eeehsten und 
letnfiea Bande nnf dem Fnsse nacbfi^lgen und ztigleieb die ndtbig 
sebeinenden Nachträge enthalten soll. Nachdem wir geraume Zeit 
Bit der Anxeige diesee Bandes gewartet, um die Beilage mit 
anzazeigen, von deren Erscheinung aber erst jetzt uns Kunde 
zugekommen, so zeigen wir den erschienenen Band zuerst 
an. Mag dann der Verfasser unsere Bemerkungen , die wir 
ohne seine Grundsätze zu kennen, nach den unsern uns zu machen 
veranlasst tinden, als Anfragen betrachten, ob denn wirklich Alles, 
was er vorträgt, ans seinen Orundsitun f^lge, oder ob, wenn dies 
der Fall ist, diese OrnndsitKO selbst niebt einer Moditleation bedür^ 
Ibn nOobtf^. 



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SM BMMhfi U(«ratar. 

Den grössten Theil des Buches, von S. 1 bis 419 nimmt dns 
angekündigte Generalregister über die fünf ersten Bände ein, dem 
aber in alphabetischer Ordnung die Resultate der etymologischen 
Forschungen des Verf. über viele von ihm noch nicht besprochene 
Ausdrücke, oder ver&nderte Ansichten, oder neue synonymische Er-f 
6rteraogeB, BemcrkniifMi fliMr die doselaeo BDobstebcn, Neelitrigtt 
.¥«1 däftsn Stellea n. dgL eioffescIuiKet sind, wormf dein «af 
eeeht Seiten dae, hier elleia eo geoAnnte, Generelregister der 
gelegentlich in s&mmtliehen eeebe TlieUeii veriieeeertett und erklir» 
, teB Schriftsteller folgt. 

Betrachten wir nun das Gegebene, so ist freilich dieser Theil 
nicht zu einem so angenehmen Studium gcignet, wie die frühern, 
wo sich der V^erf. mit einer gewissen ausführlichen Gemölhliohkeit 
auf dem Gebiete der Synonymik erging, die Grundbedeutungen der 
Wörter mit scharfem Blicke heraushob, die Schattirungen der Be-> 
dentong sclieliilmr gleiohliedentender Aasdrieke fein abgriiiKto, und 
wenn nen sieh aaeb aa maachea Btynologteea aUees, dodi Ini 
daaaea am Sohrneae ein Gefühl von genmsreieber Belebraofr 
rftoklleHs. Diese liegt in der Natur der Sache, uad nniiate in ei->^ 
nem Bande so seyn, der den Schlossstein des Ganzen liefern sollte. 
Ks fehlt indessen auch hier nicht an solchen Erörterungen, die mit 
Bcbkigenden Beispielen aus den Alten den Sinn der Wörter und 
den Sprachgebrauch der Jbesten Schriftsteller festsetzen, und sie 
sind so zahlreich, dass nicht viele Blätter ganz leer ausgehen. Mehr 
freilich, abgesehen von dem registersrtigen Theile des Bandes, 
wird ttjnaol^birt Ba llej^ in der Natnr di'eaea'Geeohftftea, daa ' 
irof der Baad nooh, da ee auf niehl gaaa featon Prineiplen niht^ 
nater der Feder eines Jeden , der -es (reibt, eine individuelle Fär* 
hmig durch den Gmd der Sprachkenntnisse and die Lieblingsnei* 
^nn^ desselben erhält, dass eine rebereins(immun|^ in allem Einzel- 
nen nicht wohl unter Mehreren zu erwarten ist: und so ist es dem 
Ref. denn auch nicht gelungen, in den Ansicfiten des Verf. üborali 
eine Nothwendigkeit oder auch nur durchgängige Consequenz za, 
erkennen: sehen wir ihn doch selbst nn vielen Stellen durch ein«, 
geflossene „od.er^^ im Sebwaaken begriffen, worin wir awarWabr* 
Mtoliebe, die aioh aidU für Infallibel ansgiebt, aber attobUnaiobeff«« 
Mt. cotdeokea. 



iSthlu/t /•Igt) * 



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N*. 5S. HEIDELbERGUR 1839. 

JAHRBÜCHER HER LITERATUR. 

Bömi9ehe Liieruiur. 

( B99ehluf$,). ....... 

Die vielen Vergleicbuiigen lateinischer and griechischer Wur- 
mIo mit deutschen (ßo gewiss Tauseiido von Wörtern dieser Spra« 
ebcfl mit Beoht snamen gestellt werdea nflweii)^ besonder» eacli 
ait gleiebMiai »«filiiger Zosi^bung too Steiders Sebweiserltcheoi - 
■nd Scbmids Sobwibisobem Idiotikoe (denn weram nicht neeb neb* 
rerer?) scheioen ans an vielen Stellen ans einem Grande bedenk* 
Heb, den der Verf in der Vorrede zum fünften Bande selbst andeutet. 

Indem Referent sirh in Betreff spiner Aussteilungen nuf seine 
obigen Aeusserungen bezieht, lässt er iiier eine Uciiie von Beiner'* 
kungen der Art folgen, mit der vorausgeschickten Erklärung, duss 
er dns viele Wahre und Treffende^ das ihn auch in diesem Bande 
angesprochen hat, der Kürze wegen übergebt, aber deswegen we«» 
der von dem Verf. noch wou seinea Lebem den Vorwurf fttrebt«^ 
VW Megenbeit mm Tadel gesooht, mid^ weil er sie gefliseentlicb 
gesoebt« gefnaden sßu beben« 

S»3* wer es.lbm aolTaUend, absurdus TOa ö^^bc^ mit privativer 
Bedeutung der Priposition, abgeleitet kq sehen: doch weit mehr 
noch S. 6. adagium von ^nyuv (wetzen, schärfen) al« acute die* 
tum» 8.7. aUudtt unda von ,,EAET0ß wovon sch 1 ä u d er n 
(vgl. 8.111. eludere, wenn es verspotten lieist, von ludere^ in 
der Bedeutung von entwischen (?) von EAEX(^)U: worauf dann 
ludere wie mit £AEX0£t zusammengestellt wird ) S. 8. *adulari 
von 9odXo$, adulter von doXö^, 8,11« aertußore von iom^inö^, 8. 
tot* dißere von ^iltat« and doeb dicax, wegen des Spottes, voa 
idn¥€i9, & tdtf. giani ««Uv^eiadtt* u, dgL — Nach 6. 7. . 
soll adsciscere das Caasativum^ von adscendere, accederc seyn, ja 
das Perf. adscioi auf accire deuten. Wie viel natürlicher mahnt 
gerade dieses Perfectura daran, dass säsco eigentlich eine Incboa* 
tivform von scio sey: da beide im Perf. scivi heissen, gerade wis 
von calesco und von caleo das Perf. calui beisst. Nach 8. 10 ist 
ae%fum eine stärkere Form von avus^ und nach 8. ^3. avus Stamm 
von ewig, und verhält sich zu aet^um wie dcl s&u aUi. Diese 
Vergleiehung hinkt xiemlieb. Wir würden oims ainfaeb aasammear 
Mlea mit dbs Genes. 39, aacb Oroesvater beieet, wia 

ndnnoq Grossvater und nannaq Vater; aeoum dagegen ist docb 
■lohts als ai^v {ailmv)f wober auch acias (aeviias) Ewigkeit 
and ewig ist, so wie das Hollftndieebe Eeuio^ Jabrbvadartt. 

wird gesagt, amwrm sey YMMeht TOa pnp^tii»» aitaam» 

Jahrg. 8. Hefl. • 61' 



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meBBiehen. ftbavleifteo^ wi« fritrp^^ von pun|:eFe. J% fr^Iioh 
wie: nemliob das Eine so wenig als das Andere. Jmarus ist ent- 
schiedeo Yerwandt mit IQ. fi. 18. beisBt.es, ahnten sejr eiae' 

Fonuitlon von agua oder von manare und am/115 sey von agmen 
ntenleiton. Wie' viel besser war ei| da* non liqnet aufixnsprechen« - 

J9^ 19: ,^as von vittta ^ Stamm von schnattern, selbst aber, 
wie nassa als Scbwimmvogel von natare.''^ Wir vergleichen: yj^iv^ 
;cav, Gans^ ans r, anas; von dessen im Genitiv sicfi zeigender 
Urform anats das Oesterreichische Ante^ nnd dann Ente kommt. 
S. 21. nennt der Verf. selbst anser das Masculinum von anas. S. 
81. würden ^rir aula mit aura xusammenstellen. 8. 34. steht: 
|( ±=: & sey in keinem ganB*- eiebero Beia^lele; ÜAe ' btJlieiBt rude^^ 
rii/us, ^pv^(rö{, rotb, ferner vher nnd a^^m^ alclker geno^. 
an 6.aAi bemericen wfar, daee ans den I^rteiBtsehea i^atf^iiifts nieht 
bfaiee in Thüringen das Wort B a 1 1 e s t e r (Armbrust) geworden isf, 
sondern ünch in Schwaben. S. Schmidts Schwabisches Wdrterbnch 
8.39. wo falsch ballt st r a 9iehL — S. 37; wird Zwist mit duO 
verglichen S. 107. Zaudern mit dubiture. Wir denken, zwei- 
feln wftre hier besser «m Platze. Zaudern, in aller Form anch 
sottern ^S. Frisch II. p. 288), könnte man wohl mit cessare ans 
ceditare" vergleichen. — 8.41. zu braccae vergleichen wir noch 
^as Hollandische broek, daa Bnglisehd breeches, das SohwäMsebO 
Vrn'eb (Brvoeb) d.i. Budefteben. — M-irmnit 8. 4f MsaiHi Wir 
Draipenf waa denn daa beiasen solIs „ISiltet eigentüeb die Reifen-* 
zeit, hruma iners* Fesii — I>ie8er AnsdrnoK l»eaeicbne( ja keine 
Regenzeit, und ist auch gb^ niOikt win Fesfus, sondern ans Horat. 
Od. IV. 7. 10: et mox bryma retMrrii iners. Bei Festns aher steht: 
hrunta a brevitafe dien/m dirfa — 8. 5^. bei Caput, Haupt^ 
sollte auch, besonders da xe^^aX); belehrt ist, die Identität mit 
Kopf angedeutet seyn. — S. 55. ist ein ArtikeF. der uns seltsam 
dünkt: ^^Castrare [kommt] mit casius von xa'^aQoq, leer. Vgl., 
c' ?•<»(» • i<^ov, dtp' oh 6f'j^u(i Kttfo^etot Vie^» Hoden* cantenus,** 

Mag* nuin mm diu Wort na^a^b^ in der Redetitnn^ leer, nnA 
eänterius C^ap^iktoq') ^ dab verael^bitte n e Pferd tWallacb^, 
Aiit castrare itt Verbindung: aetssen; wie Icomkt detttt der Bibof 
dazu? Ja, "wenn der xa^-cD^» darnm, weil man ilnli an 'raedieinTlschein 
Gebrauche nach der Todtung cfle Hoden Ccastorfum, das flllbergell) 
ausschneidet, ein liCerer. ein Verschnittener hiejfse Aber 
80 heisst doch der Artikel aus Hesychius weiter Nichts, nis : ,,Der 
Bifecr ist ein Thier von dem das (in der Medicin bekannte 1 Biber- 
geil (die Hoden des Bibers) den Namen hat.^^ Das Irann doch wohl 
keine Stammverwandtschaft zwischen castor und castrare begrün'^ 
den. 9; e-M, whrd gesagt, cinis scy der SMam-iran 'fHcOtdere, . 
"^•p^aüs .von p^ndere, , Da» wird wolil /ft«J|i/' beieMn- aollcvkr ~ 
0, ^b^gveifea. wir ebne den v^siiroebenen SobltaeL nipht,». wi» 
zwar daniiu^wn etwa van d!a«^ chßdisfinus nber<„nataflinlMr*^ voa 
nXaiSe^^ clathri^ herlcommiMi 80II. — Warum woU coena &iS^ 
/|ieber mit ala mit ^oivn, vcrglioben wird 9 — 8. Z^, ysivd 



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Kölniteho Lifchktirf. ^ tlt§ 

WOll das Werk von Diez über die romanischen ßprficheii 
(«MMK die rdmiä&be) ^^melnt Äeyo, wovon jetzt zwei Theilö • 
bU.W^ber in,BQi|ii mclMeq^ M'mi. ^ 8. 80. möchten wir fracen t 
warum 8i»ll cieoa Cb/n^r^/umr (Schimpfwort) von deixta und xa- 
Titl«r^^, tm, toiifkitirm 'ei^i^^% VMi j»<*mti«r*rS&* herkom- 

Anderes Wort WÄW) Vön ^ttlf^i^i Vgl. Prtund» WÄttrt. d. 
8pr. unter cönvhtUm. Zü S 83. Aeobrkeh wir, Aiitt tf;ai>i»))^ 
^ 6rh?iitaliadie Wurid hat (a-^p), iWWaiiät ihlt tewbrtie, 

ß.86, wird wciW crispar» iosiitia,Ji\9oim viriü genapäTlaL Äa,/,. 
Xia heissen soUea, wie «a Aen I. dld. ftebt •->-. .iS^ SSw.Ole Stim^ 
me der Nachteule cucuba/ (S. Foro^n.. v,) ^ ^im Badupiiaa- 
tion von »»x&r^ seyn. Es ist abcri mag es aqa ag^, ^ätt iuiuUtt 
heissen, gewiss onoraatopoctiscli, wie die Beneonuageo vieler ViH 
gelötinimen. — S. 89. wird bei culinu eine Stelle ans Festus ci- 
Üti: culina oocuiur locus, in (jua cpulae in funere comburuntur. 
Da OttU Oacb Aggca. p. 60: culuiae v^oauntur in duourbiis loca in. 
üfum funerthut dutiaaiOf^ aa glaubt der Vorf, es sey bei Festua 
«in. Mitveratäml oder ein Sebrcibfabler. and aaU fOr epulae eotwe-» 
der egisiti f dar iaapef baiaaea« Wir yarmulban, 4apa bi«r awoi ^ä*- 
4aBtttogaB von culina aodregebe» werdaa aolltaq, «nd alwa ao 
«i ergäösseade Aaslassunnr etattfiode: culina \^atur Ihcum^ in - 
epulae cotj uunlur : eat item culina l ocus^ 'fit» i n o p um- i^tn 
Junere corpora condu ntur oder comburuntur. — B«i cumw 
lus S. 9. an einen Stamm coma oder gar cum zu jlenken, fH;heiAt 
auf jeden Fall seltsamer, als wenn es der Verf. im 1£. Bd. S. 115. 
WS culmulus voa {^ulmus herleilet, und mit cuLmen verwandt seya 
ii««*».,r-- • t>4te W aoUte, uaaer kurz nicht vergesse« seya. 

8. l07. wird yanbfitbali,, Z iega. seiy alaa varwaiabta Farm aus d^rca. 
Aber' Ziege daalqt Ml der Form.SKiofclaiav dar l/omlallung 
Kitzlein (wie man in Qberdeutac^land aagt) auf dia oHaatallaobeo 
Womia i^Ji uod dia ,nact| «aafrar UebarKauguug Iii Jatafar. 

IMtftfs Ma aifld^ Uitd VOli daae« alMMr MMh Geia herkommt.-^ 
Waiiv*#.*109. itafW didfii4^ Aosaar ded Varf.v ^aboa ailch Freimd . 
f.d. W« all »fX/ä als Sikitm d^nkf, si» bat Jeher dachmahr'fteahi, 

waM er aiij*;t, dnlcis die voHe Fo/-m des vcrwdöbtea Hi^kui, 
-ib jXvHv, bei Schol. Apollon. 1. 1037. II. 267. Es war aber, nach 
unserer Ansicht, zu snoen: Dulris ist das Griechische j\vit6st mit 
ßuchstabeitverwecbslunii : nach 4)ckannter Analogie von Svöipo^ und 
yv6<po^) AXvxfc. omgestellt ♦trXxr'<, : vergl Festus; glncidatunt: 
suaiye: Graeci enim ^Xvx^v dulcem die ml (p. LXVIII.) und p. 
SDQtVIf 'tkteidäiuni ääiät Ä saape dicehalur , und 8calio er zum 
FaaCiBrt,«-p< VSNlh ' aua - aMm aflM OloMr : n *Hs : glocidaius. (Wir 
ainradr ilib VdtfTM blioh. «er AusgaVa .af». Petr. Sautahdr. 1598, 9. 
tkU den Cbi&tfifeWfftreh des Ant. AvgniHiioSi Joi. 8ca%(ir Uhd FqIv. 
Vlilmis.) — S. 110. Die Abstämmling der Interjection en betrelTend, 
fl» glaaieil wlr^ es aey daa HehnUaaha In*, dda Mödhiaebe 



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RooiUche Literatur 



'aber, eigentlich rtV-Utl, aey das orientaÜ9olw WmI nit der ' 
bersetzang In-l^it gf^^ bebrüfleh-deiitidie Wort niftot* 

todt: ni23-todt, daa Uebr. JVilZ n>cb der Weise der jetzigen 

Jaden (maveB=maaa) aaigeaprocbM. — S. 113. kommt vne fol-^ 
gender Arlikel seltsam vor: ^,Erga stimmt za ä^lx^Tui und a^6m 
;^tTaf yXix^xat, int^v^iel, Hea. wovon ävapptxfio^at WiW 
man «unh nicht, mit G. J. Vossius, das \\ ort auf die Bedeutung 
von t^/ot zurückführen oder /Ziehen, ho ist es doch natürlicher, mit 
Freund es in Verbindung mit ^>ergo zu setzen. — S.liÖ. Warum 
BoU denn excelUre von »dXXo^ herfconnien, dm deeli die Aanlogt« 
▼on perdUere nnf niXKm deutet) und die BedenCong ohne Zwang 
•toll damit verlrigtY — 8. 198: ^Festus: dascacrTd.: ^oder tob 
ana^dv, anaxaXif».^^ Das in ill dem Ref. abermal« nloht so Sinne* v 
Ft stus ist ihm nrepränglicbea Participinm für festus, von fesio 
ferio (sr. bostinm = fostinm) : also mit Beziehiinnf auf Opfer. Da- 
mm ist Ferien, (fc'eier) und Fest einerlei StammcK: Bei<]cs re- 
ligiös, weil mit Opfern vcii^nnden. — S. 131. bei flos sollte auch 
an ;ifA,öo5 und '/}.6ri gedacht seyn. F und Ch hiternicren, wie in 
fei und ^oXri^ und wie in den deutschen Dialekten z.B. Holl, lucht« - 
Hoobdentseh Lnf t, Hell, ^rneht, Hd; Krnft» — 8. 136: ^Fo- 
rum^ Neatmm von FORA, ferit. Vgl. Bnrn,. Pare, d; b. Ver^ 
Miinnilnng jonger Ortsgenoeeen bei Steider T nleo ^yo^A^ Wir 
wollen nicht sdierKbefl Ihigen: ob sich die jungen Ortsgeneeeea 
bei Steider zu versammeln pflegten ? Bs fehlt je bloss das Komm* . 
vor bei. Aber mit Burs, Pars hat forum nicbtR tu schaffen. Pars 
ist eine harte und falsche Aussprache für burs (bursa), wie Pursch 
für Bursch, das daher kommt, nemlich: bursarii (von bursa, ßvffoa) 
dicti siiirt Dufrcsne im GIoss. med. et inf. Lat., quibns ex barais 
stipendiu praestantur: quae vox ,etiam nunc oblinet in Academiarnm > 
Seboleeticis, qiiibiM/eb fei IbnUinrie pennriam eerta qnaedam sti- 
pendia [nodi beisst in Holland ete 6tl()endioni beursj exeolvontnr 
e»»area ad id destinata, ad peragendos atadiomoi conoe,^^ Omb aber 
bursa auch ein V^ersamrolnngshaoa eoteher jongen Lenfe hieiMs 
weiss Jeder, der die Epistolaa obaenrorum virom geleeen bat 8. 
auch Dufresne a.a.O. Bursa: convenficulum, communis aoeietafft 
S. 147. Auf dieser Seite wird uns zugemuthet, die Wörter frenum, 
freguens und fretus von jarcirt herzuleiten, und auf der folgenden 
frons yon npüxoc, und nach S 144 d'jfiva)^ von dyuvös;^ statt 
von äyav dirip d.h. (AV>'^^tio<,. Spricht für dieses nicht die Analo- 
gie von owni u)^, iXnriVui^f tr^i:va^, tvriv»^, dXx^yop? — Ebd« 

» inScfaten wir fl-agen, warnn denn gwideo sieht mit. 70^1 01, ^i^dee, 
eondern »it yav^tav verglieben wird, da doeh ao vanehe Atalegi« 

für den Uebergang des 's \n d spricht: fido, ntdo; perth, nif^a; 
deus, ^tosi Jundiis, ^vdoc ^^iirdoc, ^adv^). Deswegen bann daa 
vom Verf. angeführte caduceus, scapviccto; doch richtig seyn. Ob 
aber das gleichfalls verglichene dudum und ^vi{}6v (dapov) zusam- 
men gehört, und nicht durch dum dum c^der diu dum zu erklären 
et, möchte noch die Frage wya. Dagegen wird ^r^ivk bei gestio 



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Küulucho Literatur. ' ^ 821 

rer^Iicbeo^ wo mnn eher zweifeln könnte. — 8, 148. fiel uns die 
Stelle tmt: ^^glucidatum von jXvxh<;^ wie lucunter;''*- denn wenn 
tfffW Miali eiliDfiiebreiiler fftr luciäenter ist, so bleibt es doch räth- 
wMtkfL — Aaefa liei 8. 150. vermiMii -wir die leitende Idee und 
die -B^ppiladmir eehrt weaa graifis mit grossus and creier eoeam- 
veiigeeMIt, deoii ff^ah<i und y^nv^ verglichen (nebenbei ^9^^h^ 
und graifis annis), vnd endlieli grapiias mit Kruft identUIcivt wird, 
dns doch In »^«oft nfäfro^f seine nftchete Quelle an heben 
■ciieiot. 

Das Alles aber (denn wir müssen nun doch wohl abbrechen) 
ond noch vieles Andere von mehr oder minderer Beden(nng, dAs 
wir uns angestrichen haben, veranlasst uns nicht im Geringsten, 
Mer IHlber nnegesprocbebcs Unheil Aber dieses anerkanut treffli- 
ehe Werk an Inden oder nn modlflelren* Wir balten en vielmebr 
Ar einen* Hiebt geringen Clewinn fttr grBndliebe Spmehffwieiiang, 
und werden wegen efniger Pnnete, mit welchen wir uns vor der 
Sand nicht vet'einrgen kdonen, der vielen schlagenden Beweise und 
ireffenden Bemerkon^en und der vielfachen Belehrung nicht anein- 
gedenk eeyn, die noch folgende BeiInge ^,zur Lateinischen 
Wortbildung'^ aber um bo mehr mit Dank annehmen, als die uns 
hleröber vorliegenden besondern Schriften von A. Mohr*^ und K. 
Th. lobannscn*^) nicht befriedigend genannt werden können. 
Ueber dae neoe Werk von Dr. H. D fln tz.cr des dem Ref. 

■eeb bMI zugekoHMM i«t, kenn er kein Urtbeil niioBpmben. 



Lut«init9k9 S^n^njmt ui^ä Etffmoiogiften ,V9» Ludtttg Peeif^r-. 
lej». BtUng^i ^DU LaUinitclU IVorihUd%ne*** (Der kitUn 
Titel steht auch auf einem besondern TitetUatt.) L^jfwg 18t9 6e» F, 
. Ok H\ Feget. XIF. und 225 & 8* , 

Wir gehen hiermit auf die Vollendung des eben ange- 
cei^ten Werkes über, das uageacbtet mancher i^erechtea 



^> Das Wls(WttBWurdig8te nos der WorlbÜdaag der latcintschen Sprar- 
, ^ cho ; für geübtere ScbAle^ denelben sbaamnengestellt von ' . 
Mohr* teelniogep, in der Fr. ICejisoer^sehea HofbochbendlaBg> 
1820. in s. \ . ; 
Die Lebre der Mt«lni<«cbe« Wortlfildung nach Anlcitnng der velU 
kommeoen Bildnag^eaetze des Sanskrit genetisch behandelt %od 
K,. Tb. ^ohannsen, Privutdoctnlun zu Kiel n. s.w. Altena» .Ver» 
. lag ven^.^. Unuwericb. 1833. VllI und 120 S. 

*^ Die'tehre von der LatdnIscKen Wortbildung ond Composition, 
wissenichaftllch dargestaUft TO» Dr. ».Dualser« Kola, h. läsea^ 
1880. VUl. und 2U£» 



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8|e2 RüflUfch« Literatur» 

* * *' 

Mp y«i$fiiiUiii||r erflrtjpeii tot , 9a4 il«t friUidllQjliii^ «lum 
dW 4er MfwiWflOlieii Sprao9»e «?hr zv lOrdern geeign^i* 
ist Mgten die emlen Theile, bei scbeinbnrcr AßlMiliebkeil: 

, BjvMm&ons LexiIo^8, doch eiae überwiegende Tendenz, den gei 
naueo Stiracbgebraucb tax ermitteln und feRtzustellen, mittelst Auf-r 
liodung des Unterschiedes der scheinbaren Synonyme, und war isu 
diesem «oscbeincflden . böchbt dankeuüwerthen , Hauptzwecke die 
Grundbedeutung der \\ orter auf etymologischem V\ cge ^gcsui^|>i 
u^nd of( |qU gr^e^p iBcharfsiDn ermittelt iv«rdeA» sp t/cigie »ich 
gegen den liqlilnsn de^; Wer^f^, im «..Beod^- luvil dep tw n v«r im»«. 

^l^egenAer ReUnge , etytpp^ogjeQlie JUinpieot iilier!wi^ii«ml., nii4' 
ifitmx m% mm JSelme^Jpei« »pd «jmiSefiiBirfeAottey w^dor«!^ A'tftMim; 

filHilM» KeefrebOAir^ in 8cb;»((en ^c^iellt werde«, iwd bIs sobr-. 
^9JrAlJ^»tHldig ii»d nmiigelljärt ersoliftiDei» Damit is| «^n freilich', 
ntobt gesagt, d»8s uns die Etymolo/iieon und alle eiuzeloeo Theile, 
der \VortbilduDg$lehre über «Ucn Zweifel erlinben »«bcinen. Ue$< 
doch der Verf. selbst eine Akntfc KiovelMbeitcu dor^h eingescho<n 
benc Frogy.eicheti als xweifelhall dargestellt Und ernennt er \^ 
diesem Scblussbitndie an. dass tr im IfHufe der Au««rbeil;«^(^- diesem 
Werke« vf>n manchen in den erste« nii«deii ei]4g(Btit«;llM«4n#ji(^teA. 
mlAmttidtiMim. sBiittekgffcemflifi« sudarfi^dABpevHOpiMtoii^ 
llAh iiiioii: iii. (iiiiiger2fi( iaBeaelpng; «uf de» e« Th^ usd ^msmi 
Beilage »(etidüde«, ohne das« jedoch die Ansid^. HOd, ^ftfi; %f4|eH^. 
im Ganzen dnmit fallen mbsste. Für den Ref.; wenn er hier seine 
individuelle Ansicht ansprechen darf, !h( übrigens der synonymische 
Theil des Werkes mit seinen ii}nt\vickelun<^£n der Unterschiede und 
des feinern SprachjOl^ebrauches . mit so manchen neuen richtigem 
Erklärungen und manchen Texlesberichfi^unoen , das Schätzbarste, 
und erscheint ihm auch als das Dauernste unil Bleibenste am gan-^ 
«^n V^erl^e. . llenn wenn wir gteleb g^]^ niebt oencin t sinä, in die 
hemliseteeiideD' «ni veiiirerfeSndett Urtl^eil^ derjenigen eiliaiiistimmen, 
weiche behaopteii, ohne Kennfniss des Sanekril kdnne nof dem' be- 
btet^ der ef^mologischen Sprac^forsichyn^ ^ar Nichts- geleistet yitt» 
den; so möchte doch auf der amiern Seite der vom Verf. ange- 
führte Gegengrund, dass keine der Ouellen, welche hciif zu Tage 
zur Erlf'rnun*r des Sanskrit zugänglich seyen, an Alter über die 
griechisei.cn Tragiker, geschweige über den Homer hinaufreiche^ 
nicht ausreiclicn, wenn, was sich wohl nicht in Abrede stellen 
lässt, entschieden ist, d;;ss in jener Sprache vollständigere und rei<^ 
nere ITrformen und Sl&nime eich erhallen hnbeA, die. ein fröher 
nicht geahnetes Lieht auf die Kenntnles der SpracKi^urzeln vod 
auf die FennenJehre der grreohfeclien, -der hitelnteehen und »der 
deutschen Sprache werfen. Indessen ttileeen v^ir dennocl^*deNrf was 
in dem F.pilog S. 207- 219. mit grosser Scff^tferläugnnng* nad 
milde gesj>i,^f ist. ira Gan/.en unsern vollen Beffnll geben. 

Um nun den vorliegenden äcblussband /u kommen, so be- 

««rkfn w^, dnae .vü ^0 d.epa^eA «iimiMfi^ti. s^m^ .Mbec. i^^er 

* • . • • 



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geireiene VoireJti vor uns babeu, welche ileto ^«i^ha^en, obnebiD 
sturkeAt Bujide Mgfgebeii werden solUe, aber ibn /<u Btork ange- ' 

- MhtcIU« hüten ; w4lrito.. W«r etwn .ta Beeito eisM im JL i82a ki 
M«Mh|«ii embleiieeeB Raelileiiis jsty diis d«n Titel hat: „Oft» 
WNiMftsivard^l^M^ an« d»r Wartbljiiliift|r der Uteiwl» 
»«^••^»6-|irac(i«/* fiir geübtere äebüler dcmJlien, zusninmenge- 
stellt von A. Mobr. der darf riicht etwa erwartMi, dam Hrn. Pr, 
D's Buch irgend Elwas mit diesem gemein bnbe, und Hr. Pr. D.; 
auf Mohr« fc»cb»rltern r-tehend , nun etwas weiter sehe. Zweck, 
Anordnung, Inhaif - Aiies. weicht gäns&lich vcn einander ab, und 
es bleibt fnst nur die Achnlichkeit des Titels — Das Bncb und 
seiae Jüeicbbahigkeit würden untrere Leser am Besten kennen 1er- 
M^-iKeao JVir.die I^Jobtniiolit der 917 P/iragrapbep hiw aMfiiebpiea 
lltatt(eii,v4re tifomsffieluiia.kl. .. Wlrtb^e ftker nur die vIeiH 
tifeten ..Ten Veif« eeUiat hereoa^peholMHen Fepiete euas NetfiweB?» 
digkeit der Spraolieiivergieichiingf Onomatopoetik $ Verfahren dei 
SpreebveriS^leiclMieg ; lioilionyme^ das liatein eine Mischsprache) 
Frendwörtcr; Wortbiidungslehre: I. Ausbildung der Wörter} 
Reiee Stämme. A. Zusammensetzung*; B. Ableitung durch Sufilxa. 
Coosonantische »Suffix». A. Verbalformcn. ß. Suflixa auffoasetc. 
Ausbildung durch Kpeuthesen ; If Umbildung der Wörter; 
Apbäresis) Synkope; Kkphoncsen; Gemiualion; Vertauschung der 
Oeiisoaanten'; Voealiiiiitiou ; Attractien der YoeaJe ; Kpeetlieseii; Mer^. 

' tellMMtt; 'A4»okope« Vee. 8. St03 fo%t tm^ eie betQkieagBWilrdlgee 
BpiMiirfniii, ein -Kpilog. end ren 9t9 an. Zvaiitae und Vertaae^ 
rangen- vorn .eeebalen« Bande. 

Der räsonnirende Thcil der einxelnen Abscfauitto enthalt se^ - 
dorchdaclite Ansichteu und uni«ichtic»e l'orschnngen , dass wir den- 
selben mit steigendem Interesse gefolgt sind, und uns im Ganz.cn 
damit einr^ erstanden erklären müssen , so wie wir auch den Grund- 
sätzen, von denen der Verf. ausgeht^ »nsern Beifall nicht versagen 
können. Kr ei keniu seihst aber an verschiedenen Stelleo an^ dasa 
er bei manoben ein/<elnen . Aawendaogen «einer .QfimdBfttee iingn^ 
wIm 9deR, wie er 8.S< engt» » Verjegeabeit eey: und de et selM. 
eiirige, jn. mmmkt^ aeinei Mliertt .B(xDielo^ieen epfiterbin beseiligl 
bat, no werden nuoli dem Ref., der im danKen mit dem Verf. enf 
gMlidiein ^tendpanct« siebly and-dee äanscrit beiseite liegen lassen 
mntf tClmMnfLuegee gestattet fieyn, die wenigstens als Anfragen« 
gelten mögen, ob nicht der Verf. zu weilen zu weit gegangen sey,, - 
ob er mclil öfters über das nicht weniger zu be»chtende nahe Lie- 
gende wegüebliekt habe, ob ihm nicht manchmal das Abgeleitete 
als die ifuelle, ja das Zusammengesetzte als die Ursache des S^n-^^ 
ftdien and Aelleren erchieneo seyf Wir beben "ane nnm Zweofce 
dieser Anfingen teltte groaee Zahl von iStellen. engeatrioben y veiK> • ' 
denen wir die grdaaere Zaiil anberahrt laasen, nm nicht aovohl die* . 
BlntfehibeiteA ztl' terfelgen, Me vielmebr ^die veraobiedenen Arten 
von ftadenklichkeiten, die QB8 nufgestossen sind, zur Sprache zu. 
bringen*» JS^Ö. Wenn i'ita zu i>n>o gehört, p^Vo aber mit ßiöa zu- 
eeminen'»! «teile» i«t, wie 3vir übcribciigt eiod, ao iat mcbt.reeb^^ 



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884 , Rooiltcbe Literalur. 

fttbiznseficn , warnm Hr. Pr. D. schwankt, ob er vita durch ifegeius 
oder durch olxoq erkifiren soll; ebend. wenn man die Aebnlicbkeit 
oder vielmehr Gleichheit der Bildung von debere und praebere er« 
Wagt, praebere aber ▼on ihm selbst (IV. p. 139 ) däreb pratkibere 
crkl&rt wird; so. ist niobt sbsuseben, wsrom er beiiAsAsrs wmM ma 
deMbere und Sevta^at im Zweifel steht. SaSLM, wo er sagt, er s^ 
die sachliche llebereinstimmung zwischen temnere und %t^vtiw nicht 
genügend ein, könnte vielleicht der Begriffnes Schneidens und des 
Vcraolitens in dem Ausdruck conviciis proscindere eine Vermittlung 
finden, oder, wenn man dieses L'eberspielen einer Metapher bedenk- 
lich findet, so kann man an contemno denken = sich Nichts aus 
Ktwns machen , eig. etwas Grösseres als Kleinigkeit ansehen usd 
behandeln, ungefähr wie carpo. Nach 8. 93 ist ignis das „CiMlsiltw . 
vom von dnis,^^ Dsss Feuer die Ursaehe der'Asehe sey, wiM 
wohl weniger aweMfasft seyn. "Cinu ist olfenbsr mit 'u6ftq vei** 
Wandt, oder vielmehr eins und dasselbe. Ignia testet im Slaviseimi' 
(Russisch} ogo: das liegt norh ferner. Wenn aber S. 100. cimit ' 
mit incendo zusammengeslelll wird, so wissen wir nicht, warum 
denn nuhi incendn bei seiner Wurzel candi'.o gelassen ist? oder 
soll das daneben bestehen, und candtto dnnn wieder auf xä© und 
auf cnnus z,urückgefübrt werden? — War/jm soll denn nun sequi 
(^S. 27.) gar, wegen des <t wahrscheinlich, von taxuv herkommen, 
das doch nor eine secuodäre Form von ctxo ist; da ihm doch ioi 
VI. Tbelle noch ein saelilloher Zesommeohaag mit seisiBm walirBe 
Stamnie Ivrofiai gelassen wird? Wie so niaoebe ITeberginge- 
von p m c pnd qu föhrt nicht der Verf. B. 85 selbst an ! — Dass 
dicaxi nicht von dico^ sondern von daxvo herkomme, liat der Verf. 
SBwar schon VI. p. 101 behauptet, und hier wiederholt er es wieder 
S. 29. Aber überzeugen wird er wohl schwerlich Jemand, der in 
der Endung ax genug findet, um das Beissende in den lledcn eines 
homo dii av mit dem Stamme dicere für vertraglich ^u halten. Eben 
so wenig wird. lief, jemals die liciiuuptung unterschreiben, dass 
<;o^r^^6 einen andern Stamm habe als cohercere, oder gar prtndcre 
eineii andern, als prekendere {ß, 80.), welebes dseb nor' Terschl^' 
dene Aasspraehen sind. Und wenn nan vollends ebendaselbst, we^. 
gen des m, peremnis von ?Ya(>a,uovo^, ppriennis aber von per anum 
kommen soll , so sehen wir nicht ein, warum er nicht in denselben 
Zwiespalt ^olemnis und solennis setzt: wiewohl VI. p. 889 scbod : 
eine 8pur einer solchen Trennung ist, weil er zwischen vnoXdfi- 
miv und oXoXotfiTiiijc, und zwischen iXiivinv schwankt. Ja, wenn 
er noch bei peremnis «n die pt-renmia erinnert hätte, d. i. „aiispicia 
in amnibus /tanseundts, dann hätte eine Zweiheit der Ableitung 
sieb hdren lassen. — Und wäre es nicht besser, die laleinisehe» 
edtteroamen gar nicbt eridftren zu wollen, als Mttpors ans ndxtiP 
6^öuif Jpollo ans «imaXcMeiy, Venus aes äv^ilw, als Msrcn* 
rius von uu^tjo) herzuleiten, wie 8.83. geschieht? — S. 85 ist 
ein Druckfehler pirpit für pifpi/, — S. 46. wird der lateinischen» 
Sprache in einem gewis^^en Grade der Charakter eines Jnrgons y.u- 
gesprscheu^ und %um Beweise dafAr angeführi, dass aus vi> dig. 



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> Hoinisvlie Iiiteratnr. tt^ 

^övov entsdinden «cy die Verunstaltung nunc demum; nm cp^d^' 
vov qffcUlin ^ aus xaxa<p^äv& conffstim, an« ctvati'upact nenum 6, 
h» non. Aber, möchte es sich onn mit der Bebauptong vdn einem 
Jargon iFtrlmltott, wie «• will: ■otcbe m»ht al« smilUlMll» Belege - 
Mir wcfden wdlll WMige als Beweise gelten lassen. Uni- 
WMM seil denn nalili 19. 65. Mum nielit mit Xttfier snMmineiH' 
gaatellt werden, sondern mit dem problemnti»chen Xta, dii doqli das 
Aiterniren des r mit / erwiesen iRt, und im Griecliisolien ff. B.8ell>Bt 
xpißavoi neben nXi^avoq vorkam f Warara wird nex mit 
&.vdyitrt als identisch oder aufs nächste verwandt angenommen , da 
vi>tvq 80 nahe liegt, und avdynti^ entweder von didym herkommt, 
oder (wahrscheinlich) eine reduplicirte Form von ArKX2, ^yx^^ 
ango, oL^i'jfoyiiAi ist! — Warum wird S. 61. passim mit .nexätft«- 
fio« nnsaniinengestellt, ron den es an gewiaa niehl lieiifconunty ulal 
CS Olli Ibn dieselbe. Alntammniig bat, nnd patHm ans. panäm ge* 
bildet ist, ganz wie naoax^in unA mmvoxfin im Weebieetienf 
Waran wird igitur mit dem mehr als problenatisebea (;iff rtS« 
sosammengestellt, da doch das VI. p 163 angegebene {»vap, wenn ' 
nuch uicht gewiss ist, wenigsten« mehr für sich hat? — Warum 
S. 6ö gaudium von )av(>o^, und nicht von gaudeo = ^ij^fo) = 
ya^ifD = y«FÄf(n? Und hobnus S. 67. (auch schon VI.''p. 338.) 
von ortte^cc, und nicht von cbrius, mit vorangesc 1 7.te m jo = 5f?=5/>iß_ 
wie in socors^ Und was spricht darür? Weil Notker es (^unge*- 
nav) dnreh >if6«r, sanbejr, AberiMtat half — 8. 71. wird ea mw. 
sebr aebwer, conditio statt mit cwdo, mit t^ytbfnK, persona, nit/ 
n^^iomv SQsanmeo£tt8tellen ; 8. 85 fe^us nnd-infesius nU dl«»««* 
OTdc Wid cifatfnaaTÖ^ (sie). Also dürfen wir bei ftstum niebt, 
nebr an feriae» (fesiae) ferio^ (J^o) denken? anob nicht an 
ioTtdv^ — Dagegen «oll uxor , Sx**f9 Oftov ^ni{)ovan ^ (S. 86.) 
einerlei mit oa^, ö t^i^ovaa ^ seyn, nach S. 90. grmsari, in der 
Bedeutung von adulaii, von xqd^iiv herkommen? Und wie kommt 
denn grassari 'axx derBedentunff von adulan^. Wenn es nicht durch 
den Missverstaod der Stelle des lloratius (8aL 2,d, 93): Obstt^nio 
^/•a««ari gescheben ]st| die man durch aduian erlil^rt, wo aber.! 
die Sdineiebelei Un. obse^muntj nni piebti im grasioA Ü^g^; P^Jot . 
es fine pnre, gans lateinisebe, auf rdnslsoher Sitte oder Unsitte be-! 
ruhende nnd durch sie enlstandene Metapher, die bei JP<;5/uj hinläng- 
lich erfcl&rt ist, und, die mit x^d^nv (krächzen, nicht KratnW.^ 
fässe machen) nichts xu schnfTen hat. Vgl. Forcellini unter gras* 
sator und grassor\ und das. Cato (bei Gelliua] und Festus. — Nach 
S. 9Ö Böllen wir weder bei scisccre noch bei dcsciscere an einen 
Stamm scirc denken, sondern beim Erstem an ox6^dna\. (wobeie 
der Verf selbst ni^ch zweifelt); Ji)eiro zweiten (aocb 4pit?) aa de» 
scendcre* Attf dmelbeh Seite stossen wir nna aneb an' 
dwal^ SB anhos = l^^f j cervi^n d.h. xä^n t^eAensf verveaa: tfnop. 
Athens; remex: remum tx^^ Wenn nach yi, \u ^i. '^nirjus 
Adjectiv von inertere ist (wiewohl es lieber, mit Vossius und 
Wittenbach, mit ^aXio; ver^^leiehen ; ; wie kann wohl (nach S. i 05)^ 
«ioXoc Deninntivforn von vwiüs seyn? — Bei m/m^ (S. 114} ha-* 



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ben wir sonst ai^ vixoi, mit der iVleii^ti^csis h n *tia gedüeht, wie bei 
irtsiäa, DerniQUlivform \ßn insus- vn^Q^> Flwlicb, iveno tnsula S. 

lUMk fBbl iff« — tl6. wird g«Migl;, ils« « tiNWÜKliiW«. 

ntliiie der Verf. tM^jr^uo »n, könae es aiMh MnithMrft Wllr— 
' teöp iMüjiUicr^, Mem er z, B. bei asi nlekt aimebme-, e* km/mm 

Vüm (tf<, «ouderö von sei, abl^r wie es mit mmere, Jasiinum u. 
n. Hey? Kr scheint ^Bo mruro nicht voq dem einfaeben MIFXl 
ableiten xu wollen. Wir ^uch oiebt; aber verg^icichen ^Ic umya»^ 
dM bebräisohe TjD^ Qa^* diutsohe mischen, «0t isi erstUoli. 

I^wIm, dn^s die Gleichheit dieser Wörter nicht zufililig^, .Kwetfens 
das« das Wort selbst nicht von' der Arf Ist, das« man annehmen 
durrte, ein Volk habe es von dem atitieni entlehnt. Es ist alsd 
daä ISl'nnzc Wort in dieser Gestalt radical für uns , und rouss seine 
einfachere Wurzel jenseits jener Sprachen haben. — Wir frageo 
ferner, warum soll denn siare. vöU eyxetdn^at Herkommen, und 
nicht von XTAÜ, dem Stauime voti tfTi;^i nach 8. 1:^3 ? wnrum 
äAifuni von clf*'»e^'&i3, und oteht vön'trx^To^'? Yrainm 9.144 /i/* • 
lÄus V4IA i^dfiji'ü, ^e(^o<y btid Hieht Ttfrwandt Mcyn mK hriit^'.tf 
vnrufn ( 8. ii? pronus to^ W^d;;^!»«, nnd -dIgÜI von ' wie 

VI. p. <87¥ wlirom piscis yan it/^^i^, und hicht von tpr^i's» Fi/- 
Ö^^? WÄfOiri Aj/iWi/m S. 14J)> von '^«'^r /ae///«.m? und oalere 
von xparoc rfdrrai? du/eis '8.164) von ^tX^«.», und ni'^ht vori 
yXrxrc, durch Vermittlunnf von l^cvxoqf I:^ATKTC, ATAKTC" 
wie iiio(p(j. und )r^>^oi?|. 8. i92 fortna von '/x^im'^i »;, nicht von 
fiop^li»:? /(^f/fv- von T//i'i'-^ nicht von rtV»;« ? cmulus soll 'S 198 . 
nicht eilt onomatO|)Oetioum seyn, das im Kuckuck, vt^n>iv% auch 
ojri-ni.aft ooiiderti Von «fXcd^, M^iXav herknmmeii? firWifi- 
9>l»'to!i '(8. l£l gravis deus sbynt Nnrh 8. 165 «611 ne/^o^v Nl^> 
tel| nod Nicht« mit neeessoHa neo;» (.^) sensatDineiigeslent' werden.. 
Als öb n\At nepiis^ Niftel und Nichte, eip and daeiiell»« Wort 
Wfire. /' und ch alterniren in den deufschcn Scliwestcfsiiraclicnj 
im DciiJschen und IlolländiscI.en : Lm't: Lucht; Kraft: Kracht; jn 
sogar in einer und derricHjcn ."Sprache lieisst unser vrrlijvnft: 
verkoopt, vcrkoft, vrrko«;( Cspr. vci'fxor;ljf\ F^iHllifi'i iiiü*jsrn 
wir noch /.um Schlüsse fragen, was 8. 180. die Anmo, f<uii«j hedru- 
(en soll: „Gewöhntich bcisst atnyoi^o^i'n tucri, [dn** |,al. soll vom 
Gr. herkommen] mtucri^ dag^egen <yTO();^a^«j)i6tt, iiiiaii. Aber| 

. 8oph. Ant. ' S'4<. meinigte auob oTHj^ot^e.ida» d!^' I6eiden* 
Bedeutungen von iutrU- Zö' ^«S<rd«t stiDimt tuen nicht*!^^" iSoff'; 
e» etwa das eretemal deoiofia» untf das s^^welfemal aTo;^a^ouai' 
beissco? 

Wir horc^ auf, ohne eiffenflich mit unsern Anfnijion am Ende ' 
zu seyn Sollten wir noch Etwas heifiioen, so wjire es iil)cr da« 
letzte Capitel, die Lehre von der Apokope. Aber wir wagen nicht, 
mehr Raum in Anspruch zu nehmen. \A enn uns nun unsere I,cser 
bis bieriicr i^efolgt sind, und uus vyenigstens zom Theil ijive Zu-^ 
Stimmung gegeben liaben: wUrBiM wir doch. den Zweck' jii)terer' 



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Ansteige, ond besonders (kr von uns ausgesprochenen Zw^Ail, ver- 
fehlt glaabeo, wenn sie «He Folge Wteii, oder gar üine» die AM 
Mit MtMlagt'fMDriti, ilMiWei«lf 4iaM iohl üeuMmiiiHeM 
m4 gratam SoteMM BteQgetdei'WeBiMe htNilsiMietiMiH.ftBi.idMi 
taMitea hieher geepeeiete m .mlniilcni. Wir MM 
allea firöher enjeredeuteten U'msichten f&r eine Ziairifr eenerar pbile«* 
leffieelien Liferatar, und Imben (wee ft^licfa heratiszuheftei ons dee 
Renn) nicht ^^esfaUcte) auch in diesem Schhiss bände eine no leite 
Menge neuer treifender, uod mit seblagender Wahrheit, ge^en bis-' 
berige Annahmen, sich empfehlender Et^molugieen angetrolfen . so 
dase der Grcwinn auch auf dieser S^te der Sprnchforschong' ane 
dfinselben nicht gering aa^&aschiagen ist. Uiihea wir iudessei^ 
•ehon bekaeoty 'detii "wir eile in den sysoi^ieNecfaeu Thoile de« 
WtrlcM wie i» - ciiiem . t^w WwiM^» ergaagcn, Mkeb aagedentet v di|e» 
iplr ine terdcn e^oltgieifatB,'M eplaoiett i9Mfc» MihehefrlMMp 
l^iHihlii. «liebi' seile« anolkf geiitsot hnheh ; so is« dies. eistens 'dlMi 
dUe lipeiiBAth^' nnsgesprocheoe Aaeiobt einer IndiTidfioIitat einci' 
anidem gegenübecv und macht weder auf Inrailibilitäf, nech »o#Aii' 
goi»eingdltijs:{xeit Anspruch : und zweitens glauben wir ja nicht nnra» 
Ehler 8tellc angemerkt z.u haben, dass d<r Verf. selbst über raan- 
ohen F<in/.elne mit sich selbst noeli nicht eini^ ist, ond über Ande«. 
reft dorcb weiterea Forschen bereits jetRt schon seine frühem Ao^^ 
siebten geeodert bat «Möge^ d«»'VVeek., HkebiNHien. .deo - Biaieik' 
der->Soiüi«i*ii'er4' fltNiMheeml .geeeg«#t«nMw%"'dflr «efbprofheMl 
Auezoft »oi «lern W«rice;'ftl>eiv.dM'YBtr «ttgt^eaeehei dttvAm^' ilMljr 
eeiMT ttracMnoig dea ^ebülenn d<far Obcrklassen tmaeiier Ostuumm». 
sie» s» tiiMB draebtraictte« uad -Ü^be« Deudhiieliie weMto. r 

n*.'' ; . •■ ■«?;^.;Äo«fi-,-.";: 

4 » % 



Eine Monographie, voll von Geist ond jn^endlieher Beireisfe- 
rung für die höchsten Zielpunkte der Alenschbeit, werbundea mit 
grosser ßelesenheit und nicht gemeiner Gabe der Darstellung. 

Nachdem der Verfasser die kon(nistiren<Ien Charaktere dep 
Oriecben u ad lUMner gegen einander gestelU) und der letztem raat-^ 
iMiy d(Mei«et«MiolikeH< »aHoilifeeftdeeir' 9tfe|Mii< »««Ii Wtithepteeialiv 
dte-dermn dMateMtoae Vehenneebt iles lfbiebtbMei deeee« «ittxiM 
hMMmHmp^^ 'üm Wht^ittmkkXi der geaettsremehtendeii Pfi ^i tyeey'^mift 
Ihr Resultat V die Bi^rgerkricge , dann die HcenMieft des AogliMtt 

tili* braaeellrai ail0MvgiBM)hädefi> taftts 



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Bis UöiuMcbe LiUratar. 

# 

dio 8(elie des Angus^us trat Tiberim, ein frroflser Feld«* 
iMrr. Bti dem Gefühle dieses höchsten Römenverths ; bei der 
XvrMMBiing, die er, den Herrecber fcegenuber, l>ei LekseiteB imr 
Mn» Agrip|Mi% crtelv, (Taeit tj 08: Poent [Julm] im mM^ 

foe 11t irapere».) nnd'lbei dem Zwange', den er ertragen mnsste 
tSiief. Tik 7); gMtalleto sieh der Hnstre Stolz der alten Claodier 
-in ihm zu scheoem Misstrauen (Ein treffliches [9] Bild seines We« 
sens ist die Angabe des Dio Cass. 67, 2.: •jtXuatov fä^ -rotr 
oxoxovi, ßlinav iXd^ia^a irjq Y}^i^u^ eopa.) und bitterer Men- 
■chcnverachtung. Er war bei Aagustas Tode 66 Jahre alt und 
vah sich von einem Staate feiler Menschen umgeben, die keine Br«* 
■iadrigung ihrer eelbat nebevten, am die nichtige Gunst des Prift« 
mp» »Q wktaffMi. TwiliM A. 3, 66t Menoriae pfdUar^ TifecriM«' 
^adtiem eark egrmteretttr, gniMis verbw in liiilm MdM «ioqiil 
solitum: O homines ad Servituten pareteel Ner eof • eil« 
Verderben schienen ihm die Heuchler zu iMern, und so eeh eff 
gefähllos die Verachteten seinem MiHstrauen als Opfer sinken, in 
deren Auffinilung man sich gegenseitig mit grauenhafter Geschäf- 
tigkeit KU überbieten strebte. Nur 8ejanu» hatte durch Geschäfts- 
Icenotniss und Thätigkeit, mit der er allen Launen des Herrschers 
sich fugte, Tiberius Vertrauen ku erwerben gewusst. Banges. 
Zittere vor Tiberius und 8ejanus wechselte in den Herzen der Rd« 
mm mH de» 8lfebe% dereh Verdiehligeng Anderer sieb aslfeet'es- 
geeUiektlche Sieheriieit b« verselNiffeo. Im Mut f 8.«. Clir. tet 
■SU deafitlijg die Beidce; die sieb eef Cspreee ebgeseMessea iiet^ 
ten, sich dem VoJi» «m «slgeo;. aber sie käme« nur aa die cam- 
panische KüHte, und dorthin zo^en nun Senatoren, Ritter vad Volk, 
vor ihnen zu kriechen: ibi canipo aut littore jacentes nullo discri- 
mine noctem ao die in juxts graliam sat fiistas lanitorum perpetio- 
bantur. Tnc. A. 4, 74.'^ 

So kommt der Verf. auf M. Vinicius von Cales, aus ritterli- 
chem Geschlecht, dessen Vater und Grossvater Coosuln gewesen 
waren, und der selbst in den Jahren 30 and 4(( n. Chr. Consnl 
war, den Gemabl Jolia*s, der Bafcelln des Tiberius, beliebt durch 
die SaiifUieit seines Charai^lcrs uad durch elegante Beredfaviceil 
(Tac. A. 0, 16). Erhaben über Messalina's Löste, -wcrisif er dem 
Gift der gekrönten Buhlerin im J. 46 (Dio 60, 27). 

Dienero jManne hat Vellejns sein Geschiohtbuch gewidmet, und 
somit folgen nun Nachrichten von diesem neibst, von seiner Fa- 
milie, von den Quellen und der Art seines Werks. Dasselbe muss 
in der ersten Hälfte des Jahres 30 n.Chr. erschienen seyn, da es 
den GonsuJ M. Vinicius gewidmet ist Hr. S. macht ce durch 
die besiiadigen Rsiicbungen auf diea Coasulat wahreoiieinlteh| daae 
Vell. nach erat naeh der Resignation des Vinioine achrioh. Wir 
Mgen hinan , daea er pein Buch vermoHiliah xu einen Deakmal 
dii a oi , Air seinen Gönner und Freund ao mcrkwärdigen , Ereig- 
niaaea bcatinuat halte, und daher daaaan AbfnnNnf bcaiUe. Vici- 



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RöiuiMli« LiUraiHV. 629 

leicbt war %<sgw Vinicius der V eranlasMer, oder vielmehr Tiberio« 
selbet, der» nach seiner vmteoten Art, darob VImti«« Msern Autor, 
dtMCB TsImiC ibB belnRiit mr, am einer eelobes DwilelkiB|r v<er* 
■eebte« die iinfer der Meelw eloer illgemefM .HiiCerfe eti^MlIM 
dazit Lienen sollte > die Gebiatbcr ««ob anf dieseni Wege*> Mr 
die neue Staatsrerfassong zu gewinnen, ledefn sie die Cäsaren ta 
Liclit höherer Wesen ohne allen Schatten xeigte, und jeden Oeina ; 
J&ta an Gleichstellung oder Widersetzlichkeit unterdrückte. 

Lipsioa^ Vermathung, dass Veil. io 8ejan'ä Fall verwickelt 
worden (quam [mortein] animus mihi riictat obiisse enm in atrage 
Ula amioorum Sejani), weist der Verf. deshalb zurfldk, weil Vini"« 
oioa, der besondere Gönner des Vellejus, eaeh naeli fiejnns Stenn 
in bober Gnnel bei Tlberinn blieb; eine Folgerung, dniw BvIden 
niebt 4ivt flirte entepriobt, Mit weleber Dodwell im den Ananlen 
Vellejnnl and Andern, die LipehM tberfedetef nbgefbriigt un M tMb 

Docb kebM tvir zu dem Geschichtawerke znrOek) In wel t> i ie % 
wl^ in einem Spiegel, der Verf. das Bild einea Mannes zo crkoi» 
nen glaubt, der leicht auf der Oberfläche der Zeit dahingleitet, c!b 
D\ener der Gegenwart und ihrer Ansichten. Wir geben nur Die* 
ses zu: denn allerdings war Vell., der KriegKgefährte Tibers, an^* 
gesehen am Hofe der Cäsaren und erfahrner Weltmann, nicht daza 
geeignet, über seine Zeit im Geschmack des Tacitoa am. pbilosopbi- 
ren.- Aber' 4^ «r nn der Oberiiebn bii^nn geblieben^ inne m 
iAA% Ihren Geiet dnrebeobnat beben oelltn, ist eebwer »a glnniea. 
Odnr bedürfte en etwn groesen Sebnrlblnns, mn din Bnteftnng der 
diBsligeo Geoerstion zu erkennen t lag sie nicht am Tage, ohne 
fiobeo, ja eelbetgefällig? und konnte ein Vernünftiger bolTen, dien 
feige Sklnvengezücht wieder zu der alten Römergrösse hinaufKO«* 
schwingen? Der grosse Volksstaat, diese untrennbare, unüberwind- 
liche, auf Bürgertugend festgegrfindete, Masse, war oiebt UKbr, 
Alles beruhte auf einzelnen Persönlichkeiten. 

In solchem Zustande findet eine Nation, und besonders etue 
grosse, nur Heil in den festern Fernen einer gesetxnAssIgen Bio«» 
nnrnbin; nnd nie wir es nllem Ansebn nach, die Teil, dnreb nei n » 
Geeebiebtsblldcr sn empfehlen snebte. Dnse diene leicbt bkigiewei^ 
fes ehid, ist wohl eher der Eile nnzuschreiben, 'alt welcher er ar« 
beitete, »Is ^vie Hr. S. wUJ, dem Mangel an Rohe nnd Mass in 
Ansicht und Darstellung. Gesteht er ihm doch selbnt Beobachtung»* 
gäbe, Witz und gewandten Ausdruck zu. Wie möchte er es leug- 
nen, dassVell. auch scharf und richtig zeichnet, dass es nicht bloss 
der blendende Farbscbiromer ist, der seine I^eser besticht? 

Wenn wir den Verf. in Beortheilung des Talents, womit die«*' 



*> üfw wsita, wie Oblsvinn dssi Hspss sshmidobsllSt wie sr ihn na 
aicb sn frsads ssehts, end mmm nbiHleti wninrn» Itter Wr sbnn 

so peliiiM-b» 



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Rdttiiache Lit«r»tnf. 

•er 8obrifU(eli«r »u seine Arbeit gnig, gerechter wiHi8«ifafleii , so 
wir dagegen f^Mut seiner BMmog, wem er UId von Am VIdv« 
warf nkMMiikH MinieieMel fkeievrioM, eo eebr «hMi eMhiidi 
M neneNii SteUeii eeinee Werke deraelMi eehohüg su mMma 
eeheilltk Nur gelK Hr. S. auob hier, uoserem Gefühl nach, zu weii^ 
meiMi er selehe Stelkn «le Meseea Widerliall lier Hofwelt betrach- 
tet, tflok igtoube gezeigt zu haben/^ hcisst es 8 168, in 
VellejiiR weniger sicjli Schmerchelei linde als unüberlegles Aaf- 
eehmen und Wieder;L>eben des ihn inReüen undThaten, 
lief» Dunstkreis ähnlich, umschwebenden LIrtheils seiner 
Gesellschaft/* Dieser Vorwurf hangt mit dem der Oberflaoh-^ 
Hchkeit zusammen, den wir verMn beeeliigeo benrifbt'WarfK* 
Wif weieen i^n ebeiiea obbedenkMi Mrtlek, i^berteogt^ dM Vel«* 
l^jue 0eielj Kcnnliiieee «ntf f^pmichgvwaiiilUieil \ha üfeel* ieb Kteto 
gettelaer BtMteg« erhob imii ttelmbr femn Tonsög^er und Repra* 
wfuttuffr" ediitr Partei eignete. Wenn er dem neue« tftaaiBpriocip 
MMgte, so geschah difs wahrneheinlich uns l^eber/.ea^irng tos 
dessen Notbw^ndigkeif. Nur die Hypcrholic des Ausdrucks, be- 
sonders wo von den MachtbaUern die Hede ist, die hätifl^en Super*' 
lative clnrissimus, eminenti&Müimu»^ coeleb^dsHinuis und ähnliche, 
lepgen von dem gesunkenen Geschmack und des einst gigaQtiscb<* 
grossen Volks gleich ungeheuerem «^blavealiittm, desseii JSpreoUlor-r. 
weil 4ittcb der Bee^ere, im' tkmm «tele .noeb Bew«idem|r »Iteiw 
tb9«i)iober HiibeÜ'Ubrig.geMiebf» war« läe' bkf 'Qid dai-M 
Veit, aiirtoeiitetv aiebt .vemhiiiähen durfte, ohne aiiiii b üecb e tf 
ViVrMDJBdvig.illid dem Verdacht des arg^wöhniRcbco Princeps selbst 
aMOMlioeM) dein Vell diireb laiigeii Verkehr. boAreiNidet''iMMl dadofr 
AHsxeichilungeit verpflklitet war. 

Der besclininkte Ha um dieser An/.ci«Tt' verhindert iin«, die in- 
teressanten Eifiy.elhei(en dieser Schrift der lleihe nHch durchxugehn^ 
Manche wahrscheinliche Vermndiun«? wird nufjOfestelU; manehe bi-, 
stonsohe Unrichtigkeit gcrügl; die Kigeuhoil, Aachhissigkeit und 
Fehlerhaftigkeit des Vellejaaiaebett StM« «n vletan MeiMeil ge^ 
'ieigt^ aueh- dtb Verbeseefwig ekriger, d«reb fiobuM der Abeebrt»*' 
eer vtideilitdn« fiteiieb aiebt obod €Uäek: voiwiebi^ Hier «nr Bmi- 
geft Mi 'dieeeiD reiche* Schatte von DelesenheiC, rerbunden mid 
flWbwfciftii and historischer Koftibinalionsirabe-. 80 erhebt Hr. 8. 
•dweii IndHetiMi die Vermuthung, (hi'^s Vell. in seinen Nachrichten 
von griechiisehen Kolonieeo und htadtej^ründungen n':cht sowohl die 
^xi^eig /griechischer Autoren oder Cato's Ori^ines, als, der Kürze 
wegen, des Cornelius Nepos Chronica benülr^e, beinahe zur Ge- 
wi8Sbeiti Nepos selbi^t, dessen Werk bei den Uömern in grossem 
Ansehn stand, mag darin, was Grieehenland betrifft, hanptBäcbKdl 
die Xpovixa des Apollodorna von Atbe» vor Augen gelwbt haben« 
der in aUem Uomerieeben aeinem Lebrer Aristareb folgte. Diese 
AMHimirn «tiütt Mar Verf. '«aP «aig^ade lkila. ' Vellejns (1, Ö.) 
Mlimü' HMMra fleHalter, wie Cordeliuf« (Gellias 17, 21, 3) und 
ApoUodor (Clinloa Faaa Helleo. 1. |^ 146}; Kartbagoa Ciraadung 



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(Iy6), «la dieMT KMnte ' Bin. QeMli, I, .& 1» ^ mimt tet 
die Rernffkonir 4tec fiyliyci -Mid Korinik M. ':vop AfkilMnih 

(fi«hr. AiMirob 8. 937), sowie Diis^ was Veii. L, 3 utMi & üh^ 
Thessalien and (Inniers Bliadircit sagt. lo den Abflübaülen Mr 
Vellejus"* Stil (ad«lt Hr. S. die vielen AntUheeen nod Henttakcii (in 
diesen ßndet er meist nur 6enieiypU(Le); dea naohiassigen PefkH- 
denbnu; die häufige Wiederkehr derselben W orttverbiaduagen, VVett- 
iluugen und \%'ör(er; das, sciton oben gerügte, Ilyperboliscbe dieB 
Aasdrucks und mauohe unaanelimlicbe Neuerung, wohin mixtiaBl» 
UM» dS, 4. gebiert; eodliol» ReniinlMeoii^Oy. hcsondeifr aus SaUmt 
flttl'.CIotfd. ' Voii'TcxtvcrbewrungeB.'^M|illebte riebl IWMMiw 
Ii 9, vQ9gt9Mäseams Vmnm» mim-wim i^m-^m UUfQ^tMü^ 
htm conlliKeral', wo die Milbc»aicfaQaai^ in den Bäoheni Mit. 
Aeefa BMt (Berlin. Jahibb. iteC; Mftrz 8. .349 und Hmiod» VA 
I». 9.) mieses siioi für missuai oder inissiis isi walmcheieHdb ^ 
IHger 9, 74. in ifjfn divisione prae'ltornni ansfati juste div. fir., we- 
gen weleber Stelle, sowie wegen manchei andern, wir aaf unsere 
unlängst heransgekommene , Aiin^abe des Vellejus verweisen^ d* 
Hr. 8., seinem Zwecke gemäss, auf die sogenannte .Wortkritik we- 
niger bedacht wan Daaa ^^ieser Schriftsteller derselben gar sehr 
bedwt^ hoffen wir in uneerm Werke gezeigt so beten, worin 
mehr nie 300 nnefdeaige Stellen nnterenebt werden eind. 

K H* Boihe. 



Intivx tjertiotium in ^raHvmxa Turicensi inde a Hie XXII! menni.i /prilia 
usqite afl rlicm XXI mensis Septembris MDCCCX X X f tlf hüben darum. 
Jntunt I. M Huiecia iloratiana. IL Aftateci a Rpi g.taphic 
Seriptit Jo, C,a$p, Oreiliui. TitfUi» Rx officinasVlrhkum»* 
MDCCCXXXFIIL «l*. 4. 

Unter der Aufschrift Analeeta Iloratiana giebt nne iet 
Hr. Vrf. vo?i S. 1 - l pine Reihe von nachträg lichen Bemerkungen ver— 
Kchiedener Art zu der iu dies^en Jhrbb. (1838 p. 6()7ff.) beurtbeilten Aus- 
gabe des Horalios, Kinzelnes dnriii, zunächst in den Noten, erg^änzend, 
Anderes durch nc!jc Belege und treffende Beweisstelleo l)ekräfti- 
geod , Eiuz.elnes auch berichtigend 0{\r gegen die Einwürfe der 
neneeCen. Kritik vertheidigcnd : mehrere Stellen seibat ausführlicher 
bebaudeld In allen diesen Bemerkungen -werden wir, neben 'der 
richtigen Ansiebt im Allgemeinen, die bei der Aniliaasttng nnd Br^ 
klfirung vorwaltet, nir^ifends den richtigen Takt, den seharfen BNoIe^ 
nnd die gesunde Kritik, die hier geh^ndhabt wird, aoegeKtaltct mil» 
eeltener Gelehrsamkeit und umAissender Kunde der verschiedettir« 



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RMidM LitMtliir. 

ligtlM AvtMTMit f mi MiBf tn Hm BiMtelM dieM Bplkrbe, Mf 
' die wir aar Hi Alif eaieinen unsere Leser verwilBea kaaoen, eiaim« 
'gaheoy mitmbtn am oicbt Zweck und Umfang dieser BIfttter. Aaf 
'tfieses so soh&tzbare und wichtige Supplement, welches nieht Mm 
üker den ersten Band (die Oden) sich erstreckt, sondern auch 
-über die Sntiren und Episteln (welche den zweiten Band der 
Aasgabe bilden,) folgt ein ähnliches Supplement zu der frä- 
her vom Verf. beraungegebenen Inscriptionensamralnag: Analecta 
Bpigrapbioa. Es sind tiieiis beriobtigeode Bemerkungen über 
niak^ne Lowftaa ooeh dar oa dea lotoliHlleo seHnt dareh da« 
'voTitoitawa'Kelkrnaao wRaBvoryaoonoiaaeolIaterBaelraair, tboHi 
IBrtiafteraagaa^ Sdaitse, Naofatriga aas oodorea oeMeoea «eithor ia 
Italien erschienenen Quetloo, namentlich aus einer Schrill des ge* 
lehrten h\ Fnrlanetto über die Steinschriften in dem Museum Este, 
Padua 1837; dass aueh bei dem, was aus diesen in Oeutschland 
wenig bekannten Schriften mitgetbeiU wird, des Verf. belehrende, 
berichtigende und erg:änzende Bemerkungen nirgends feUeo, liedorf 
kaum noch einer besondern Erwähnung. 

i 

Chr* Bahr* 



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N". 53. HBIDBLBBBGBB 1839. 
JAHRBÜCHER DER LITERATUR. 



Seripturae linguacque Phoeniciae monumenta quotquot supersunt edita et 
tnedita ad autographorum öptimorumque exemplorum fidem edidit ad- 
ditisque de scriptum et linß^ua Phoenicum commcniuriis ilfustravit 
€iuiL G eaenius. Pars i., duos priores de Uteri» etinsctiptiunibus PJioe~ 
nieiig f jftrM «oiif tuen« ; parf //., duo$ po»terior€9 4$ fntaiM. et dt lingua 
Phoenieum t^o» eo^$ pm» UL» guadraginta «edf tubulaß lapidi interip* 
~ tot e. Up$Ue, Mtmptibwi tfpi$que F^. Ckr, GuU. FogeliL 1887. 

Dass die Untersuchung unbekannter Inschriften sich mit, 
dfsr Geltung der einzelnen Zeichenr vor allem Andern bc- 
8cfaäfti||^n soll«^ leuchtet eigeoliieh von selbst ein^ es bedarf^ 
um .däü einzasehii) nielit erst bcic»ni4erer Sachketintniss. JMUui 
aclineidet sich diuiurch eine gr^sae Zahl Irrwege xxm voraus* 
ab^ während, wer zar Deutang des mangelhaft' Gelesenen 
öbereilten Eifers fortschreitet, häufig erktöreii wird, was der 
Text gar nicht bietet: vojier Freude ob nichtigem Funde, in 
Verlegenheit gesetz.t durch eingebildete Schwit rigk eilen, und 
iüi günstigsten Falle eine sonst tüchtige AusjUhrung durch 
irgend einen Makel entstelJend. Gan^ richtig zwar bemerkt 
S. XIX. unser Hr. Verf. entgegen dem rigorosen Kopp, ia 
der Ausübuug iasse sich das Lesen nicht iqunur vom Ausle- 
gen trennen ^ und gewiss, v«renn ein Schrirt;&iig, versehn oder 
auch ohnediess zweideutig und mehrdeutig, auf verschiedene 
Buchstaben zurückgeführt .werden könnte, iSO wird zuletzt 
der in Jedem der Fälle entstehende Sinn entscheideii müs^eiv. 
Allein gleicherweise liegt es in der Natur der Sache , dass. 
das Lesen vor den .Versuchen des Yerstebens immer eineo 
^Schritt voraus haben soll. So spat, als möglich, erst nach 
gründlicher, allseitiger Erwägung dcü Graphischen an sich, 
sehe man sich nach dem auiiauchenden Sinne um; durch 
neugieriges Hinüberschielen auf den Geist des Buchstabens 
wird man sich nur den klaren Blick umnebeln und der er- 
sehnten Frucht der Mühen einen Wechselbalg unterschieben«. 
In diesem Gebiete der Wissenschaft, wo auf dem rechten We- 
g^e so leicht und so arg gestrauchelt yi^erden kann^ lä$»t sioh 
dem Abirren ins Unwegaame kaum genug vorbaoen; «ni 



8S4 Geteniu« : Scriptaite liogaaeqiM Phoeniciac nonnneiito. 



nicht leicht wird Jemand in dem Gescliüfle, Fe'hler und Irr- 
thum im Keime zu ersticlcen, des Gaten je m vkA tfiM. 

Wenn die Lesung schon der phönicischen Inschriften als 
etwas dermassen Schwieriges erscheint, dass Vermuthungen 
üher den Sinn der Worte als Hülfsmittel beigezogen werden 
müssen: so stellt uns die Deutung des richtig Gelesenen eine 
nicht minder schwere Aufgabe. Die mangelhafte ursprüng- 
liche Schrift der Araber und Syrer, grossentheils oder auch 
^ans and gär der Wortabthcilung ond der Vocalzeichen le- 
^S» beg^egnet nns bei den Phöniciern wieder, und Lesea in 
dem Sinne, welchen rnaii mit diesem Worte |;ewöhnlic|i ver^ 
hndet, ist ein Akt der Auslegung selber. So stehn wir, 
wenn noch das Graphisch sefaie Bkbtigkeit hätte, auf dem- 
selben Standpunkte, von wefohem aos der Erkifirer des Alten 
Testaments, Hieronymus, sagen musste: suspicari magts 
possumus, quam »explanare. Ja die Verhältnisse sind für ei- 
nen Interpreten phoenicischer Inschriften noch ungünstiger 
angethan. Will sich Einer auf die Fortschritte berufen, de- 
ren im Auslegen überhaupt, im Verfolgen und Ergründen 
mid Beurtheilen fremder Gedanken der erwachsene Menschen- 
geist sich rühmen kdnne, und giebt etwa die Gutmüthigkeit 
diess als Thatsaeke so, so fra|;en wir dagegen r wie Viele 
unter nns lesen, wie das Hieronymus könnte und mosste, 
das Alte Test ohne Yokalpunkte? Auch konmien nnii bier 
faat niemals Uebersetsungen , eine noch lebendige Tradition 
gar nie sn Hälfe 5 und der exegetische Gewinn aus der 
Analogie ist »war auch hier einer, jedoch geringe. Der 
Reste nemh'ch phönicischer Literatur ist überhaupt wenig; die 
meisten Inschriften sind für die Auslegung anderer erst 
noch brauehbar zu machen; und der Kehler, Analogieen all- 
zusehr zu urgiren, wird besonders in re tenui gerne began- 
gen. Können wir aber nicht umhin, den Sprachschatz des 
Alten Test, selber als Hülfsmittel der Erklärung zu benutzen, 
SS seMen wir uns zu gleieher Zeit eingestehen, dass das Ahe 
Ttet», eine kleine Sammlang, in welehe manche Bäeher gar 
nieht, andere nor im Anss&nge aufgenommen wurden, dea 
Sehatn der hebriisehen Wörter ond Spraehwelsen keftiee- 
wegs voNstHndlg enthalte, mitf dass das Phdniefsehe, ein ei- 
gener Zweig des Hebräischen, sich in Afriea zumal ond auf 
den Inseln selbststandig weiter bildete, von der Sprache im 
Alten Testament sich mehr und mehr entfernend. 



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Qeseikili*: Scrfpturae Iln^^iit^d Pliöenlcia^ monamenta« 8tf 

So wie die Sachen jetzt noch stehen, müssen Fehler 
aller Art, um erkannt zu werden, erst gemacht werden; und 
wir sind verurtheilt, si^ zü be^^ehn. Mit dieser Aenssernng 
will Ref. nicht etwa sich und Andern ein Faulkissen unter- 
legen, sondern im Ge;2:eittheile darauf hinweisen, dass maü 
ftof die Erklärung der phöhicischen Inschriften nieht g^enn^ 
Iß^^i ttlid Uiiisicht und Behtrtsaaikeit liöl^Wähden könne, weil 
des^elf nngtmhi^i IrfeA onverM^dlieb kt 8Mäm änth 
üOmiteH wir dbMri*eHiiifei'ti,- dniÄs IttuW lMI Mlf tKäsdtt'Feldi^ 

^mä\ mnem OeleMen^ 4eif sii^ Iii to'hdli^äi JIIiiasse gegen* 
HumMk^r «tsdbte, nüd ntit feitl^itief' fiitf yiriailtigf^ii tind b^^ 

deutenden Leistung selbst auftritt. 

Was durch das vörliegende Werk für die Wissenschaft 
geschehen ist, fassen wir in folgendem kurz zusammen. Der - 
allenthalben zerstreute Stoff ist, soweit er bis zum Erschei- 
nen des Baches ans Licht gekommen war, vollst^indig ge*. 
^tnmelt und zugänglich gemacht^ zugleich jnit möglichster 
diplomatischer Genauigkeit, häufig dürcb Hertiosgabe der v^- 
' sdriedeiien Absehrift6ä fiines Textes, rein dargestellt dAd t/i»^' 
v6Mt»fg ^ied^gegditnäit ülid fär ^Miä doppelllßri SWe'Mi 
liftitt Zeit, Iföch Mühe, HoeH CJnkosfäir^spari wörd^j l^r^ 
nelr sfud hü sehr richtiger Beurlheiluhg der litfliert^clti Erw 
klftruDgen manche neue sichere Exegesen zo Tage geför- 
• dert; und ein grundsätzliches richtiges Lesen der Schriften 
hat bedeutende Fortschritte gemacht; wodurch, gleichwie 
durch Aufstellung einer Paläographie. tias unzusammenhän- 
gende und zufällige Wissen eine Verbindung und eine Grund- 
lage erhalten hat, so dass es von nun an eine W^issenschaft • 
werden dürfte; wenn auch diese Paläogra}fhie , welche eben ' 
aiM den loachrif^n auf »Steia und Münze ausgestattet wird^ 
von denen manche gaass oder theilweise noch nicht^ «tder 
fehlerhaft gelesen sind^ vorläufig an Mängeln leiden niUssle. 

Unser' ZVif eck kHMn niehl; seya, durch Aufoählung alles - 
EliDfielntttt, In dieMlfl Werke rfihailM Oelelstetai, d^a Raimp 
urftifitB aitttouftllleB^ ehenKtfWenrg, da untf dert einxebien T»^ 
de! iii einer Welse aufanstechen, dass wir nicht bewiesen, 
Niemanden überzeugten, und nichts förderten. Vielmehr gelit 
die Absicht des Unterzeichneten hauptsächlich dahin, durch 
ausführlichere Commentirung einiger geeigneten Inschriften 
seinen Standpunkt zu bezeicimen^ und sein Verfahren bei Jue- 



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W GcMoIntt Scri|itiiift« liag«i«|pM^ PhoMiieiae oMMBOMBtai 

spng and Aasiegmg)^ sofefu es .von der MejtJiDde des Hrn. 
Yerfs* abweicht, in veransdumlicfien» Mit Vergnfl^ ge** 
steht ilef.,*dass Hr. Oesenias seinen exe^tischen. Beruf 
auch bei dieser Gelegenheit vielfach bewihrt hat Zeug" 
niss dafür geben die 22. Kitische InsiArifT, fast alle Kartha- 
gischen, die meisten Siglen, die punischen 8lellen bei Plau- 
tus, und z. B. die Erörterung des Namens Tanit p. ItiSff* 
diinkt mir meisterhaft; dennoch — um es offen zu sagen — 
halte ich das Exegetische für die minder glänzende Seite 
dieses Werkes. Ich bekenne mich ohne Zweifel zu den glei- 
chen obersten Grandsätzen der Auslegung; nur verstehe ich 
sie etwas anders; und wirft man mir ein, dass ich meine^ 
Handhabung der Principien deshalb für die bessere iialte, 
weil sie die meinige sey« so muss ich einwenden: sie würde 
die meinige nicht seyn, wenn Ich sie nicht für gut' hielte. 

Wir heben nun zwei Iniftchriften an^, in deren Erklären^, 
sich Hr. G. selber nicht genügte, so dass er in den Nach^- 
trägen p. 402. 68. anf sie surüclLlioauat, die zweite nemUch 
von Malta und die Oxoniensis. Von der erslern , deren ein- 
zelne Buchstaben schon Sw in ton richtig bestimmte, hebt 
der Nachtrag wenigstens den letzten Kehler der Wortab- 
theilung, ohne gleichwohl eine explicationem omnino certam 
et exploratam (^vergL p. XX.^ zu. gebeUf Sie ist folgende: 

Nach unserem Hrn. Verf. des Sinnes: 

Conclave domus aeternae est sepulcrum. Depositus est 
pius in hoc claustro, ingenium placidum sine dedecore, Han- 
nibal filios BarQielechi* 

Gegen die Auffassung nun des ersten Corama's steht 
nichts 7M erinnern; wir haben es hauptsachlich mit der zwei- 
ten Zeüe zu Üiun. in VjiJ zuvörderst: depositus est, könn-. 

te man die Berufung auf die Dialeicte aich gefallen lassen, 
wenn nur überhaupt in einem derselben >pa wie unser bei-i> 
setzen für begraben, bestatten gebraucht würde. np3 
ferner, nach Analogie von HBI ^ B. iron dem Hrn. Verf 



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Getebiu«: Script urue linguae^ue Piioeoiciae iiHNUiiiieiita4 8S1 

pu»ktirt, würde, irgendwo im A. Test uns begegnend, 
entweder njPJ, oder nj?3j rijPJ oder rlpj sa lesen seyn, 

Wer neben dein Verb. Finit. wahrscheinlich nrp3, und zwar 

jdies, da jenes ein NiphaK gleicherweise als Niplial ssa den- 
ken. Innoeens^ nicht pios, lieisst pS. Weiter soll das Pol- 

gende ribj für fix^p ([claustrum, caroerj geschrieben seynj 

allein Mch TM^D konint sonst ni^ vor: man spnieh viel- 
mehr nnd ü^tm^ ofleraoeh K^^^. ESndKeh, wenn ameh 

zwischen anima placida und sine dedecore sich ein innerer 
Zusamnaenhang herstellen lässt , so erscheint doch auf Car- 
tbag. XLrMfinza m ohne ntD323, und kann in der That die>» 

seö Zttsafö entbehren. Dies alles zumal erwogen, vermag 
sich Ref. bei der Erklärung des Hrn. Verfs. nicht zu beru- 
higen. 

Gleichwie uns für Verbalstamm und Flexion von Hp} 
der Weg durch bt?;»* gewifscn wurde, so führt uns erstere^ 
auf den Wurzelbegriif von Neben yIIPO) immnnis faetns 

est, steht = liberatus, redemptus est: beide Wör- 

terwMl Synonyme ^ Miidj, wie sonst beide mit IQ cqj|s(roirl 

^ w^erden, so hÄngt hier von beiden zugleich T>1D212 ab, so dass 
Wir durch diese AufFfissun^ auch Kgn^ ni von seinem ni- 
raium befreien. ,Zwar bleibt sich im A. T. die Sclireibung 
redimere consequent, jedoch für polluere wiVd cl^<ild. 
^CT geschrieben 5 und es lässt sich die »Setzung von J) für 
K, die auch sonst nicht ungewöhnlich, für unsern Fall auf 
zweierlei Art ableiten» Entweder schrieben auch die Phöni- 
cier dann haben wir einen Fehler des un^I ehrten Ur- 
hebers 4ler Inschrift, wenn man so will, des fi^teinmeteei^ 
wie amgekehH Am. 8. in ^^KH^Sr einen Fehler, wie Ni»- 
mid. in r^^lD^ för nsPtDN Nnmid. TII., wie IDT för 
^ aaf der Oxon.^ wie IDO Aihen. I. fär *1DT v. s. w«; oder 

ist hier phoenicische Orthographie, wie vielleicht 2. 8am« 
1, 21. hebräische. Man beachte nemlich für die letztere An- 
• nähme, indessen noch noch für jene andere, dass der fragli* 
ehe Coiisonant hier im Anfange der 8ylfoe vor dem Vokale 
stehend diejenige volle ond starke Aussprache verlangt, wel- 



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888 GeMiiiiifl:, Scripiarae lingaaeque Phoeniciao monuiDeiiU. ' 

eke nicht nnr im Arabischen durch ^, d. h. g bei f bezeich- 
net wird^ »ondern im Arnft. wie auch im |lebr. bisweilen 

ia übergehen Hess 3 vergl. = u^uf 

nö'^S, und Hlob, 88, 24. ^nyiÖ 1n^e^B. 

Ohne Zweifel würde siiih des Hrn. Verfs. Ansicht von 
dem Worte r^D auch mit unserer Herstellong zweier Verba 
i'miDcr noch vertra^n; «id etwas Aehnliches, wie- Grab oder 
Gmbitoiii lui«tt ea kaum nicht hodeoteo« indeasen iat von 
•iTn die suniichst liegende Panktation, rtTH) and alsdann llb^ ' 

ein Mascul. , somit nicht auf wSd, sondern auf JhVd selber 
zurückzufüluren. Uiermit sind wir ^enöthigt, über die Schran- 
ken des im A. T. vorliegenden Hebraismiis hinaus2U2||^eh.ei|, 
and ihn i^i^ers woher zu ergün%en. VQn.^k^::;^ nun^ ^eU 
dies selber erst eine Weiterbildung aus scheini, iai 

c^aX^zs Öfter ^JC^^X^ss lapis oblongos, quo quid B. das 

Loch einer Jlyäne) lirmatur vel obstruitur, also wohJ auch 
vom Grabsteine gesagt, mit welchem dieOeffnung verschlos- 
sen winde vergl. Matth. 27, 60. Der Stein ist «:an// recht 
oblong, weil also das Grab, und letzteres, weil so gestaltet 
der menschiiebe Körper; die Bedeutung Grabstein von 

ist ferner noch angemessener, als claustniiQi weil eigent- 
lich, der Stein, niebt die Graft, den Leiebnam vor. TW^ und - 
^ergt. ait^bejc a^Ut* VermutUich sollen wir üli^rigeAs nicht 

sondern n^D ponküren. Auf der 10. eartb. Inschr* Z« 3. 

steht das Wort wieder, wie "^^p carth. 8. mit einer Linie 
oberhalb, welche schwerlich den 1-Laut, noch W)eni;2:er 
Sebeva bezeichnen dürfte. Ueberlvaupt; aber »iebe man üe-^ 
ber ein Wort ans den Dialekten bei, als dass man naeb 
Analogie ein neues bilde. In'jenem Falle fragt es muht ist 
ein wirkliehes semitiscbes gerada auch im pbllniciseban ISe«. 
mltusaias wirklieb; in letzterem aber: ist ein mögltches Wort 
wtrkUeh vorbanden gewesen. Das» — beilüufig gesagt — 
der Name y'^^ "J^ ^vio auf der Tu o,-^ensis , so auch auf 
10. carth.'i^-. voikomait, 5>üll .NicinaiuJcn irre machen. Das 
hierauf bc/Ji^liche beschämte Geständniss p. 465. hätte sich 
der würdige Hr. Verf. sparen diirfen. — Nach unserer JBJr- 
kiarung lautet die Inschrift nun, wie folgt; 



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^ • ■iMi Scri|»tiir«4i lisguae^Mo Phocoiciae moBnoNMila. W 

fiemacJi einer ewf^en Wohflonri: ist Grab. 
Brldet worden, trek wertfen letdvrch diesen Stein 
«in friedlieber Geist von der Schmach Hanni- 
b a I s, 8 o h n L' s d c s B a r Iii e I c c h. 

Diese Schmach Hannibals ist ( verg^l. D^'^XÖ ÜÖin Jos. 

6^ 9*3 8ch«nde^ oder der BMatfi^ mit welehem er deli 
Mer Bestatteten im Leben rerfolisste; Dim der Nene itea 
Letztern ausdruddich erwähnt werde ^ kt offenbar nieht er* 
forderlieir, lil«r tadessen «noch , das« dieser HanniM ^ dem 
•bier Begrabenen in bessfidem Beziehungen gestanden haben 
muss^ sonst würde die Anfeindung- von seiner Seite nicht 
durch den Grabstein noch verewigt werden. Ohne für rtÜ?3 
deshalb i[DC? emeudireo lui woUeo, wage ich die Vermu- 

tbnng, . dieses Grab jsey dss einer viellelcbt nnsebuldig ge» 
Jurinkten Gattin, des Weibes von eben, diesem Hannibal, wel- 
cber sie wegen irgend einer T^yi} Verstössen batte. El<« . 

ne sprechende Parallele hiefür wird uns durch <ye Ery- 
eina geboten, die rührende Grabschrift eines tsgendbaf- 
teo, onter falschem Verdachte verstossenen und dadiursh 
gemordeten Weibes. Was die Erklarong der letxtern an- 
langt, so mnss ich die Ansieht des Hrn« Warm In den 
Jahn'seben Jahrbb. "ablehnen. Hr. Dr. Geseaias hat die 
4. Zelle richtig erklärt; Z. % aber im Anfange vmt ^DH sa 

lesen; und in der dritten Zeile steht deutlich das Wort 

Einen wohlthuenden Gegensatz zn solchen Evinaerangen 
an die Rohheit des phönicischen, wie des hebräischen Volks- 
geistes bildet die zweite Kitische oder Oxforder Inschrjft, 
von einem Gatten dem geliebten Weibe auf das Grab /ge- 
zeichnet. Nur Schade, dass gerade das Beste an diesem 
viel coramentirten Denkmal so lange unerkannt bleiben konnte! 
Nach Wihi (de graviss. aliquot Phoenicum inscript. p. 10.]), 
welcher eine unnöthige Correktor und eine falsche VVortab- 
theilnnif sieh asa Schulden kommen Hess, hat zuerst unser 
Hr. Yerf. die Inschrift vollkommen richtig gelesen, findet 
aber aneh beim Abschiede noch, p«. 468. ein Kreuz der latef- 
preten. 

-8ie ist folgende: 



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840 6<iMiiiat: ScriptonM liagMM^ne MoMifite me— wiMilä. 

Nach Hrn. Gesenius also zu übersetzen: 
hägo Abdosir, filius Abdsusiini, iilius Hori (^hunc') cip- 
pum ei quae pec vitam- meftm eonsuevit mecum super cubilt 
meo i^ido iu acvum omne posoi, Amalh-Astarlliäe, filiae 
Tfaomae) filii Abdmelechi. 

Die ^anse Schwierigkeit dieses Textes concentrirl sieh 
in den Worten IQ*» **'^n2th^ welche mit ihrer Ergänzung 
offenbar die Verstorbene betoben, zo rurt?]? ra^tV eine 

Apposition seyn sollen. Alttestamentlich geschrieben, denkt 
sie sich der Hr. Verf. WD'' ''»nS '»O'P vergl. den 

Nachtrag p. 463., wo er, Identtficira^j? von f^'' mit fO'' 
schlafen empfehlend, zugleich von der Zulassung einer 
incorrecteii Setzung des Mascul. "JtJ^ für nor** abstrahirt. 

Und s&nisr dies mit grossem Rechte^ denn die ftir solche Enal- . 
tage p. 181. angeführten Beispiele Jesaj. 88, 9. 14, 9. Hi: 20, 
26« sind zum Voraus unrichtig, und H^^n HL 10. ist so we- 

nig ein Feminin, als etwa Nicht besser sieht es mit 

den bei^ebraehu i) phönicisehen l^xcm|>cln, welche wir, da sie 
an ihrem Orle geltend gemacht werden, kurz beseitigen wol- 
leti. Auf der Zß. kit. Inschrift ist 10^ %a punktirenj der 

Sohn'heisst Abdas, der Vater Archyias. Auf Tripol. I. fehrt' 
in den Worten ubj) Dp D"^ D^brb PS?, welche unser Verf. 
zuerst richtig las, vermuUihch gar nichts, schwerlich "^(rCl), 

sondern höchstens der Artikel: ru«!) oine Construktion, 
wie z.B., 1 8am. 11, 10. rij, Grundsaule, Basis, begeg- 
net 'uns im Eigennamen carthag. XU. wieder; es ist ein 
Maskul. vergl. tl, 8., und demnach zu fibereetzen r Am- 
damentum imperii Romani perstat aeternum. Nur im Eigen- 
namen' seheint uns jene Enallage erträglich. ]r^r*^nv]7 

z. B. Cit. XXX. richtete sicii liacU iHO'P&s in^jS'^^ und 

dergl. um so leichter, Iiis das Subjekt durch den Mangel des 
Objektes undeutlich wurdet und der Name ohnehin einem 



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. Getenio« : Scripturae li»guaeqne Phoenicia« monumenta. 841 

Itame zukam: wetiMir vfelleieht aaeh- desto eher |1*^pb23 

in iphfZ ohfie Femininendung sich abwandelte. • 

Dass nun abcT wirklich rS32^^ für S^t)*» geschrieben v 
stehe, dagegen erheben sich grosse Bedenkh'chkeiten. Die 
Fälle, wo im A. Test, s vor t<< ausfällt, sind solchen, wie " 

für (3^Vj? nicht völlig analog; es ist immer der qiii- 
esctrende letzte Radikal (,vergL/2. Sam« d. 2. Kön* 18, 
6ir.3, md der 'kann aiidk ohne folgendes M weglbleiben 
Mich. 1, 15. Hiob. 15, 81. L«ge fenier |C3n^ gembrieben 
vor, so vrfirden wir ^in*) aussoreehen : ood es hitte ^leoigi»- 

mäss aoeb Hr. G. «Vd üHyh punktiren sollen. Allein aneh 

in uosern liisebriftea wird scblie^eudes ^ durch n 

»eigt (vergl. nX3D Tugg. mit nH22 1 14; 1».>5 ond 

die weitere Hypothese, für rc^^ vielmehr t<3*D^ schreiben 
zu lassen, wird dadurch. sftweif^lhaft. ^"Q endlich, welches 
doch zu 8ubjekt seyn soll, wird nur als Maskulin ^on- 
stroirt. Freilich soll für ^ stehn^ allein diese For- 
mel bedeutet qntcunqiie, wührond doch btor nur von einer, 
bestimmten Person die Rede ist; und IXSH wird in diesem 
Falle sonst nie ausgelassen. Man sollte es vielmehr trocken 
heraussagen: ''22 steht hier für IJDti» Dies wäre aber jm 

Sprachgebraiicbe ohne Beispiel^ ferner ist unwshr^heinlicb, 
dass das einsylbige Mi ohne \ während doch jr^iD ges^chrie- 

ben worden: und endlich würde bei jener Auffassung des 
Sats^es dem Zusammenhange angemessener H'^H^. statt "^^niü 

gesetzt worden seyn. . 

Die Aufgabe ist, eine Deutung zu finden, welche sich 
mit beiden Elementen des iSatzes gleich gut vertrage, so 
dasß sie als in der That znsammengebörend sich heHmsstei-. 
len. .^JJ)*) h:it man Obigem gemäss als Maskulin anzusehen, 
b in ^^nSt^ ist wie in TC^V die von Verhorn und Objekt 
abhängige Prä|>osition, ^^n mntbmasslich Genitiv, und also 
wohl ein Nomen gen. masc. Den Weg za seiner Be- 
' Stimmung kann uns etwa ]t)^ bahnen. Die Comblnatfon 
dieses Wortes mit seblafen lehnen wfr mvoirdefsl ab. 
Die Wurzel ^tD^ behält auch im Arab. und Arara. ihren 
Zischlaut; und Verwechselung von mit £) findet überhaupt 



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412 CHüMiii»« SififtHiae llig«at f > PlmNiiMiM umnmbm«!«. 

«eHeii, innerhall» denicJlieii Sprndie «ber wohl gar iiie- 
Es handelt sich uns Was um die Vra^e, ob wir in das 
arab. (^^I^^? (Hier aber frreguYäre Schreibung für das hebr. 

erkenuen sollen. (j^Id^ nun, Gonimorari, selber erst aus 
]iT 9 , eine Weiterbildong, kommt sonst weder loi Hebr« 

noch im Syr. vor, und scheint mit seinen Derivaten dem 
Arabismus allein na gebSren^ dagegen, perennis fuit, 
vom Wasser, hat sich im Ileri\*atm wenigstens ]n^X erfaal-» 
tcn, nnd aaeh llr S]rn und n^^ri wird noch innerhalb des 
Hebr. P]t}n und n^t} geschrieben. Auf Kit. I. am Ende der 
2Z. steht, mit p geschrieben, davon das Piel: 1J? ]r)T) n'^^Hj 

woraus erheilt, dass die Wurzel auch als Verbum Gültigkeit 
halte, und dass fD"^ im^ Phöntdschen nicht ansschlieäsiiehe, Ja 
vielleicht sogar eioe^ inkorrekte Sdiretbart war. ^ 

Das Siegel der Gewissbeit wird dieser bis jetsst blas 
probabeln Aoffassang* von durch ihr Uebereinstimmen ml t 
der einzig noch abzusehenden Erklärung des '''^nilüS aufge- 
drückt, welches ich '''>nS22 = ^■Tl lese, mich hiedurch 

verjiAiclitend^ sokte Aüs- oder'Abstossmig des p «» rechte 
neigen. 

Wir erinnern uns daran znnlichst, dass auch im An« 
fange des Wortes, sog«*ir auf einen Vokal sich stützend, ab* 

ftillen kamt, vergl; n^? "^"^^j (^j^^ *• ^ ^"^w*- 
ar* II.. 4* neben. a« a* 0. p. 148» VortrelDich er- 

klärt unser Ur. Verf. yo, l.Sam. It, 11. durch ]^,13]7, Bicht. 

12, 13. 15., und Hudostor (vcigi. Carlh. 2.) durch 
niHüI/» Oass in der Mitte de« Wortes 'J veiloreu gehen 
kanu. erheilt aus ^2 für ^p^. Am leichtesica. aber mochte 

: 

dies eintreten in Pillen, wie der nnsere, wo ]^ am Woftende 
nach langem betontem Vokale diejenige* Stelle einnimmt, an 
welcher das verwaildte 2< immer qutescirt ond oift in Schrift 
abfällt. In der That schreiben auch die spätem Joden VC*^ 

för y^O^i. schon Im A. T. Jos. 15, $0. steht nbPÜN für 

• • • 

yÖTOi^ Jos. 21, 14; und am wahrscheinlichsten erklart 
' man den Naipen ^^n'^T durch ^32 P^ilT. Allerdings geht 



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Oiteniu«: Scriptorae linguaeque PhotnipiM moumnutkt. MS 

, unsere Inschrift, welche im Appellativum J) abwirft, am ei- 
nen fcJchritt weiter, den aber der ITmstand erleichterte, dass • 
y durch den angrenzenden stärkern Gattural PI des en^ mit 
y2!Q verbundenen absorbirt werden konnte. Die Hebräer 

schrieben sogar V^lfiO fÜir ^XpifiC?, and im Appellativ 
rS^DH f&r ri5'»D ^n, die Phönlcler aber T\yhl2 fÜr^^Sa 

IMp^ indem sie wie y iok n.awh ^ isi fallende» p aufgehii 
lassen. 

Die Verbindung ist eine ihnlfebe) wie z. B. Ps. % 

■^TTTir^j "«n Äber ^enau zu gehen, ubersetze man nicht: 

Quell meines Lebens, wie Vater oder Mutter zu benen- 
nen stände, sondern (verg-I. z. B. '»tZJlp Iii)' mein Qu eil 
des Lebens, wie nachher: mein Lager der Ruhe. Sie 
war für den Gatten der Brunnen ([IXS^ "^Ip^S}) aus dem er 

ipiink, Spr. 5, 15n 18^ JLeben traiifc, Fred. 9, 9. Oes Bild is| 
ein äeht hebrflisches; und wenn neben n^VJ'^ V^TQ- Jes, 12; 

8. für Q-i^n lypn C^pr. 10, 11. 1^ 144 14, 27. Ps. dO, IOl 

Sir, SM, 13.} hier a^'n gesprochcfn wird, so war eten 

_ ^ - 

jdert B r u nn des Lebens, im Phönicischen vieileicbt Quell 
des Lebens fertiger Spracbgebraneh und zu HlpS wörits 
^n** vielleicht nicht gleich^ gut gepasst haben. 

Die Ausführlichkeit, mit weicher Ree. sich über drei * 
Worte auszusprechen genöthigt war, liefert selber l'iir i\e 
Schwierigkeit derartiger LTntersHchuno:en einen Beweis. Und 
doch war wider die Lesung, die Auffassung des Graphischen 
gar nichts einzuwenden! Ist letztere erst noch Zweifeln 
unterworfen, so geräth der Ausleger in eine doppelt missli- 
che Lage. Mit Hecht darum hat Hr. G. dem Graphischen 
eih^ ganz besondere Sorgfalt zugewendet, häufig die Zei- 
dien richtig bestimmend, wo er keine Ansiegong wagt, hat. 

' dsreh IMcennong »errissener Pormen O^cigL ». BLCit.i(Ly.3 
ein geübtes Auge, dorch üerst^ang .vevstfimmelljer oder * 

' vevsdiwmndener Buchstaben (m. z* BL 4ic Carf^t. ind Cartb» ^ 
lt.} seine- gesunde Kritik bewühyt, 'überhaupt in lingewdhf»- ^ 
licheni Mause anerkennungswerlh gearbeitet. Zu den grai- 
phisch schwersten möchten die Nuinidischen Inschriften ge- 
hören, von denen gleichwohl die fünf ersten im G^ins^n gut 
gelesen und abgeth^lt sind, so daeia Bef^sicli wundern muss, 



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M4 GMeaintt Sdriptarse liog^uaeque Fluieiiiiaae inonamenla. 

dftss fär die/ Lesung weit leichterer^ wie der Bryefna, der 
Cit. I., CaHh. Xn« Hr. 6. seinen Kräften inisstraiite. Hei 
emem Unter nehmen von solchem Umfange und solcher Art 
mag wohl mitunter Kraft oder iMuth ein wenig* ermatten; 
Texte, wie Cit. IX. XIX. XXVII., weiche der Hr. Verf. für 
kaum zu lesen ausgibt, sind wirklieh schwer; und Ref. will 
nicht dafiif* stehn, dass er sein nuilisam errungenes Versland- 
niss desselben nicht theilweise noch reformiren werde. Cit« 
XXVJIl. aber, welche Hr. G. gleichfalls nicht liest, steht 

afiKweideutiir ''D^S« ^Uee 10^1 =s .ein Frem4er, wofür im 

» ». .. 

A. T. allerdings l^^-p (vergl. Jes. 62. 8. 61, 5. 60, 10. 

56) 3. Ps. 18, 45*3 geschrieben stände. 

. Die Falles m welchea Hef. yoii des Hrn. Verfs., Aoaire- 
fl|»ruciiener Bestiminiing der Schriftseichen alrasiiweicben sich 
gedrungen fühlt, sind verhältnlssmassis; nicht sahlreieh^ den- 
tioch wjfrde eine EMrteroo^ aller eimselnerr nns za \Vert füh- 
ren 5 und wir begnügen uns daher damit, des E\empels hal- 
ber einige anzugeben, um sofort eine ausführlichere, hieher 
einschlagende Untersuchung anzuknüpfen. Wenn ein siche- 
rer Blick durch Uebung gewonnen wird, so liest Hr. G. 
vielleidit jetzt schon Cit. XTI. am Schliisse "^pbo IDl?. und 
dagegen XIV. A"<^h hat er vermuthlick die zvyeite 

Form des 2 auf seiner Tafel zur Erycina selber schon aufge- 
geben^ Vers 2. liest lief. ]pnX fnid Vers 5. 'C?2n; auf dem* 
vas panoriB. dagegen können wir die ziemlich ähnliche Form 

nur fttr ein M halten: hy2 "i'^n « bj3 =s Jarhas. Kl- 

-I _ ... . , , _ . 

ne Erwähnung der Astavte auch Kit. 1. vermögen wir nir- 
gends zu finden^ der Gott Kitions (^TD lÜ^ ^^'^^'^ ^'^^^^ 

gerufen, was aber nachfolgt , . wird wan am richtigsten also 
lesen: . 

Waram ferner Numid. VHl. Z. 3. der letsste Buchstabe 
ein *] seyn. solle, lässt steh nicht abselin; D »nf Nom. IL 
(]Z. 2. B. 5.") weist hur sehr entfernte Aehnlichkeit «of. 
Wir %verden tr^ aller Verlegenheit) in die* wir^ dadurch ge^ 
rathen, ein so offenbares nicht, verkennen dürfen. Dass 
endlich Inscr. Jugg. der vierte Buohstabe der letzten Zeile 
ein Vseyn müsse, begreifen wir eben so wenig, als warum 
kurz \orher dasselbe Zeiciitn, ein oHenbares 2} ^^ni 23 wer- 



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den Mllf 04^. dass Z. & &n denken sey, wiUir.end «aeh 
im libyschen Texte "»nn deutlich 6|eht^ der Artikel im spa* 
tern Hebraismus an der Stelle von l'OH immer mehr ein- 

dvhng (Esr. 8, 25. 10, 17. l. Chron. 26, aa 29, ITff.), und 
die Verhindung ''HH selber, wie Hr« Beer richt^ nrtheiH, 

d^ßi Syt^ 2;it Grunde liegt. Durch ein solches V erfahr- 

reh verrennt man sich den Weg ziun^TmtÄndniss, wie denn- 
auch der Hr.. Verf. anslatl des Saties: w^I-elies (iieniiieiL 
dtt0 Sterben) wie die Motte ist für das Avdenk^a- 
des Thoren, etwas gan» AÄderes.her^uogebnicbt'hat: Bs 
ist ein willkulirlicIieS) das freilich statt eines guten Grundes 
bisweilen einen Zweck hat', den Zweck, Kur Emendation,^ 
nach welcher das Gelüste aufstieg, den Weg zu ebnen. 

.,Sine conjecturae anxilio ea nemo faeile explicet," heisst 
es p. 458, und ohne Zweifel konnte der Steinmetz irren, und 
der Abschreiber gleichfalls; auch hat Hr. G. mehrere Schä- 
den mit Glück geheilt. Vor aller Emendation des Textes . . 
aber haben wir unsere Lesung desselben £u emendiren; es 
gibt nichts Beklagenswertheres , als die eingeimpfte Krank- 
heit, als die Versuche 4^ Ueiliiünstlers am gesunden Gliede« . ^ 
Em berechtigtes 8elbstvertrann und der Charakter einer In«' 
sehrift, so wie sie TÖrliegt, können, etwelche KOhAhe^ent- 
scfanldigen; die Pocookisehe Absdinft von €it. II. fängt so- 
fort mit einem Kehler aii^ 'und auch in Vit I. steckt ^inleich-^- 
tes, folgenschweres Versehen; — Hr. Dr. G. aber, unvor- 
sichtig vorzugehn sonst nicht gewohnt, scheint sehr geneigt 
lieber an der Integrität einer Inschrift, als an der Wirksam- 
keit seiner Hiilfsmittel zu zweifeln. Wie leicht man unnö- 
thiä; oder fehlerhaft einen Text heilen könne, versuchen wir 

an des Hrn. Verfs. Behandlun": zweier kitischen Inschriften 

" .... 

nachzuweisen, der XX. und der III. 

Die erstere liest der Hr.^Verf., obgleich einige Buch«' 
Stäben schlecht abgeschrieben ^seyen und der^ädiittss duMkil^' 
suversichtlieh also: 

. . .n ]2 ]!öü« o'na P3xb 

Cippu^ iiiter vivos Abd^Esmuno (Asd^iadi}, illio. Mer 
lech-jitten - 

'Wir anerkennen zuvörderst, dass in Lesung des ersten 
Wortes, sowie des in "J^'C/X Hr. G. sein gesundes Auge 
wiederum bewährt hat 3 wie er aber Q^jl^ l^^sen konnte, yer- 

0 

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846 GeMiiftft: Scripfrtic liBgoacqwD P^mdbmt m mmt k i, 

« 

Bitken wir nicht. Der zweite BuclMta^ ist atlerdiiigs ein 
n, der erste kniin 3, indeMen «ach 1 seyn; (Mr dritf^ M 
jedenfalls kein ^5 und der vierte (55^'"^ recte depieta"?3 ein 
offenbarem in einer Gestalt, wie es, voq Hrn. G. überall 
richtii^ gelesen, insci*. ü^ryc. l, Tripol. II , 1,8. I., 8. 
Num. VI., 2, 85 4, 10. V., 2, 12. wiederkehrt. Der dritte, 
in der Thal, wie Hr. G. will, ein tachy^raphisclier liiichsiabe, 
ist derselbe, wie Cit. IX., 1, 2 ; die Fig'or begeo^net uns Cit. 
XIX. zweimal sehr ähnlich wieder, und kann von dem Ref« 
U06. för 3 gehalten werden. Hiernaeb lesen, and erklären 
wir: 1A1 13 ni ^ ci|i|Nia animae poraeff» Wie ans 

Ps. 24, 4. hervorgeht, konnte man sprechen dann 

aber gewiss aiieh 13 m ; denn neben JKS^tt» 2^ ^* 80« 

steht Melit. II., Carth. XI. S5"^r TV ; und für 5b bl} rhy 

war rn nH' £». 20, 32. «neb noch gutes Uebrä* 

isch. 

Wie inscr. Marsal. die Crabschrift emcs T(>pfcrs, Carth. 
IX. die eines ,Walkers ist, so haben wir hier die eines Flö^ 
tenspielers; denn das tetste Werl ist ohne Zweifel ^bnm 

KU lesen und zu punktiren. Auf sein Geschäft des Ülasens 
wird durch das absichtlich gewählte aninia pura oder spiri- 
tos pur US mit l^lciss hingewiesen: gkichwie Cit. VII. der 

Weber Nahom, im Tode- noch ein Banaasos, ifi^O ^^^^^ 

d. i. mit ("wie ein Stück Zon^3 zusammengewickelten 
Jahren im Grabe liegt. Kür letzteres Bild, beiläufig be- 
merkt , vergf. etwa Gesenius zu Jesaj. SS, 12. Hunibert 
anthol. ar. p. 16. und annot. Den vierten Buchstaben für B 
sn nehmen, veranlasst uns 8 in IMptSf Carth. XI«) dei^eiehen 

lesen wir Cit. I. ri^^B^sV, und erkennen S ^uch im zweitlets- 
ten Bucltstaben der Nnmid. VII. 

Indem wir uns nun %n Cit. III. wenden, holerf wir eine 
bei beiden Inschriften Platz greifende Bemerkung nach, 
das« nemlidi V nach dem Sofiixe oder dem Genitiv vor dem . 

Nomen propr. den (jm JSuffix verhüllten) Genitiv fortsetze, 
so dass also kit.XX. Denkstein eines reinen Geistes, 
(nemlichj des Ahdesehmun tf. zu übcrsetKcu wäre^. Die 



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Gkfenitti: Scriptane liiiguat^que IMioeniciao moaumtiXii 817 

noch nie erklärte dritte Inschrift liest und überseta^t dvr Ur. 
Verf. wie folgt: ^ 

Ctppum lapideiiin me viveiite (posiiimiis^ Hanniel ego et 
Nahum filiiis Xiz.ajeni et Manen pater meus Abd-Schelomino, 
fiKo Bar-Esmiiiii. ^ialaininio. 

Zunächst adoptiren w ir die Bemerkuno; des Hrn. Verfs.^ 
dass vor bXjPI vielleicht ein ^ gestanden habe, von welchem 
noch einige Spur übrig sey. Oer fraglieKe Schriftziig komt 
CiU IXt lind XIX. wied^rliok vor, iind.wt ülieraü fär ^ zo 

halten. Dann aber verbinden wir bSjH^ ni>t dem vorherge- 
henden Suffixe erster Person: mein, des Hanniel, und 
lassen einen zweiten Satz mit bofi^fnnen, in welchem 
Falle allein das zu denkende Zeitwort, allerdings des Sinnes 
von posuimus, füglich wegbleiben konnte. Die Ansicht nun 
-von dem ersten Satze, weiche Hr. G. aufstellt, können wir 
nicht für richtig halten. Dass ^( eine Abkürzung für ]2K 

sey, liesse sich schon hören. Dass aber Hanniel nach seinem 

eigenen Tode einem Andern keinen Denkstein mehr setzen 
kann, versteht sich von selbst; und ^'^HZl erscheint somit als 

völlig lähm und überflüssig. VoUstündig ausgedrückt finden 
wir die Formel Athen. I, Säule des Andenkens unter 
den Lebendigen, wofür sodann, weil efn^ SAule mit ein-* 
gehauenem Namen des Yerstorbenen keinen andern Zweeh 
haben konnte,! unter Weglassung von "y^T auch blos ^221^ 
Ü^n2 gesagt werden konnte Cit.XXni. fnicht auch XXXUIJ. 
Beide Kalle sind dem unsern ungleichartig; Hrn. Gesenius's 
Ergänzung aber von Carlh. IX. lehnen wir aus Gründen ab. 
Bestärkt in unserem . Unglauben werden wir dadurch, dass 
wir zugleich eine „maier lectionis", J< in Kauf nehmen müss- 
teil; «Jnd auch Hr. G. verhchil sich (^vergl. p. 57.3 schlech- 
ten ^land der Sache nicht. Selbst im Uebr. wäre, beiin kur- 
zen Vokal stehend, diese«» Beispiel in seiner Art einzig j und 
sogar die langen Vokale werden im Phönicisehen nur ans- 
nahmfiiweise bezeichnet. 

' Zwischen welclies eine Sfgle seyn soll, und fX hat ein 

■ ■ ' . * . ^ ' • - • 



Buchstabe gestanden, und so ergibt sieh hinter dem volIe>« 
deten Worte die Dreizahl der Consonanten, aus wel- 

cher die Wurzel und der einfache Stamm im Hebr. besteht* 

Fassen vvir sie, wie \on vorn probabel, zusammen, so ge- 
winnen wir nach diesem zweiten ein vollständiges drittes 
Wort '^'^Hj welches in diesem Zusatiimenhange nur ge- 

lesen werden, kann. Von Jenem xweifelbaften Buchstaben 
.nun, welchen Hr. G« 3 Uest, existirt noch ein Zug, welcher 
zu einem. 3, aber eben so gat auch zu. einem frehörea 
konnte« Die Annahme des erstem fuhrt zu nichts ^ lalt'^ "1 
hingegen erhalten "wir das Wort n"^X5 üös rr^j^, und dber« 

setaen demgemas: üeniistein eines Wanderers mci- . 
ner Insel, des Hanniel, d. i. für einen, der meine, des 
Hanniei Insel bereiste^ oder, da n~*(< als Transitiviim nicht: 
bekannt Ist und H'^^X wie ein älubstantiv gilt, auch möglich: 

eines Reisenden meiner in sei, d. i. von meiner Jnsel, 
aus meinem Lande. ^'»N ist wohl zu erklären wie ''^^IK 

z. B. t. Mos. 90, 25. 24, 4. Rieht. 11, 12. vergl. Geseniua 
zu Jes. S. 386. Die Insel Ist Cypern, woselbst Kition und 
auch Salamis lag^ von Salamis gebürtig und in Kition sterJ* 
bend, war der Mann ein Wanderer aus dem Lande sugleicli 

und im Lande des Hanniel. 

Der Name des hier Bestatteten war nicht ^anz leicht zn 
lesen, ist aber von Hrn. G. ojliicklich eruirt worden j nur dass 
wir, da im Eigennamen diese Verbindung von 13>' mit b 
sonst nicht vorkommt, lieber Q''22^U73 12V iesesi möchten: 

Knecht der Befriedeten, die als 0^3393 Jeder Gerahir, 

jedem Angriffe entrückt sind (^vergl. Jes. 33, o.), d. i. der 
Götter. Zu des Hrn. Verfs. Lesung der Namen Hauniel, 
Nahum, Mauon haben wir weiter nichts^beizulii^en. 



(D9r ickluf» fotgt.) 



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64. HEID£LB£B6£A 1839. 
JAHRBÜCHER DER JÜITERATUR* 



Gesemus: Scripturae Imguaeque Phoeniciae monummku 

(B^BVhlufB,) 

Die Schwierigkeil aber, welehe nj^MSD Jiaben soll, 

können wir nicht finden. Lies n>^i< ^3 = der Taub en« 

Sperber. Die Zusammengehörigkeit der Begrüfo leuchtet 
sofort ein, und wie wir ausserdem etwa noch von eioem 
Limmergeyer, Fischadler etc. reden, so haben we- 
nigslens ähnlich die Syrer eine Wolfslilie Q^L} ^oij^ 

die Araber einen vjüx/f ^ ^ Der Erklärung Wein- 
bldthe halte ich blos das entgegen, dass niemals Blu- 
me, fiiäthe bedeutet, indem sich 1« Bios. 40, 10. ge- 

dem von mir zu Hos. 13, 2. Sacb. 4, 2. aufgestellten 
iHion auf zurückführt. 

Die Entrüthselnng der nomlna propria darf man als einen 
eigenen Theil dieser Studien betraehten. Dadurch^ dass diese 
Namen, mehr und weniger depravirt; zahlreicJi bei Classikern 
vorkommen, gewinnt sie ein besonderes Interesse, und die 
etymologische Deutung vorzüglich der zusammengesetzten 
gestattet uns einen tiefen Blick in das Innere der Sprache, 
und fördert an ihrem Orte die Erkenntniss des VoJksgeistes, 
namentlich in rehgionsgeschichtlicher Beziehung. Der Hr. 
Verf. hat die Namen von Personen und Göttern, Städten und 
Oertern, wie auch die bei den Classikern vorkommenden phö* 
nicischen Appellati va abgesondert behandelt, und sie mit Be- 
dacht und vielem Erfolge erwogen. Der Gegenstand scheint 
Das wichtig genug, um i^m ein wenig nachzugehn und , das 
Graphische verlassend, da die Gelegenheit sich darbot, zur 
£xegese zurfickzakehren. 

An die Spitze drängt sich uns nicht eine Rüge, sondern 
die lebhafte Besorgniss, ob nicht vielleicht mit Zurückführung 
mancher afrikanischer Namen auf pböuicisclie Wurzeln Zeit 

X\\IL Jabrg. d. U«lt. 54 



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8S# QeMoiiut Scri^torae UognM^ FlNitnicia« monaiiieDta. 



und Kraft vergeblich aufgewendet werde. Dass Libyens ein* . 
heimische Sprache keine semitische war, das scheint ausge- 
macht, vergl. p. 196. und addcnd.^ dass der phönicische Dia- 
lekt a&. B. in Leptis durch Vermischung mit den Numiden 
Ter&nderongen erlitt, berichtet Sallnst C*'a£r*74.3, nndbe* 
stütigt der libysche Text der Tugg. t wie leicht denkbar^ • 
dass unter den numidischen Eigennamen sich neben den 
phönicisehen auch altlibysche erhalten haben! Namen, wie 
Aspar und Dabar möchten wohl punische seyn ^ Gauda aber, 
GuIiJS8a und dergl. für phönicisch zu halten, fällt schwer 5 
und die Erklärung von Gulalsa durch ist nicht 

aebr fibmeiigend* Gala, bei Li vi na Name von Masinin- 
sa's Vater, soll seyn H^Hy ^^c^vn? ; — allein wie iLommthie« 

▼ — ;l ♦ 

her eine syrische Flexionsendung*? Nicht einmal, was doch 
nicht die Grammatik, sondern nur den WörterschatsK an* 
gienge, den DI)& ^^2 p« 205«, wenn anch in hebr. Ausspra- 
che, lassen wir uns gefallen, sondern erklären die Sigla 
(Numid. III.") DÖ 2 durch das auf der Tugg. vorkommende 
Ö'^fc<nt: Auf Numid. I. heisst Masinissa's Vater ^P3r'>J|l|, 
sprich: ^P3r^2Sa = der den Baal anrnft, vergL oVflK 

I"— • • • 

und Hr. G. führt p. 201. einen gelehrten Beweis, dass er 
zwei Namen tragen konnte: — sollte nun nicht letzterer eben 
sein punischer, jener dagegen der libysche gewesen se}Ti? 

nichtig erklärt der Hr. Verf. p. 180. PDbün Carth. VllL ^ 
durch: Gnade der Königin (des Himmels vergl. Jer. 7, 
I8.3; in die Elementeaber aufgelöst, würe es floblT])!) nicht 

PD^Ä'^nj "üd eben diese Königin, die Neit CI^jDJj sollte 

Hr. G. p« 200. in Masinissa's Namen nicht linden wollen. 
t^P'^^P!]? bedeutet: meine Arbeit (d, u ihr Objekt ver^ 

2 Mos. 23, I6.3 wird gewährt, wieJes.33, 16. ]f>512ahV 

sein Brod wird gegeben, wogegen allerdings byWSll 
([Micipsa) Werk des Baal vergL H^Pp« Ebenso deutet 

Hr. G. p. 180. ,.HamiIkar" richtig: Gnade des Melkar, 
407. aber: quem donavit Milcar. Donavit ist immer pfl 
(vergL ]:niiT5 VxD:n) woraus in der Mitte ded 

Wortes auch "D:r; werden darf, vergl. Jer.82^711'. mit81,88. 



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(««fteaiui: $cripti|r|i« Unguaeqiic JPhiNxnicia« monumcata. 851 

Hiernficb Hest Ref. Namid. L (\ergl p. 201.} b];;;::n, es 

frei steifend, ob man dieses nach Hos. 11, 7. 7, 16. durch 
derUohe = Gott, erklären, oder ^})3,2 Melit. II. ver^]ei<** 
chen, und b!/ bvt (miiktiren wolle, miler welchem ^tft daiiA 

immerhin Baal zu vert^tehen wäre, vero^l. Rieht. 9, 46. mit 
V. 4. Von Vj/Hin^ f Tripolis) abg^esehen, kommt diese En- 
dung in "pynZSDn Numid. IV. wieder vor, neben welcher 
Form Numid. III. V^<J^23D^• wie Ref. wenigstens lesen 
möchte. Unmöglich aber fiUlt ans sn glauben , dass mit 
AnastossiiQg von 2 ^ Vj^S gftagt werden konnte (p. 206.) 5 

und den Namen Jugurtha haben wir keineswegs nöthi^, 
durch Jugurlhbal, Vj^ül FQX^ Q)* erklären: wa^, da 

einWort asdieForcht nieht nachgewiesen ist, am sobe- 

denklicher erscheinen muss. Wir haben im Ilebr. die Verbindung 
nn^2 rrt)i Mos. 9, 22.) » die in ihrem Hause 

wohnt, und Carth. 10, 1. steht, — '\^]^ hier Inchoativ 
seiner selbst, — STI 1^^^ =• wanUernd zum Gemache, 

4. u vergi. Cit XXJXII« ins Grab. Demzufolge sehreiben 
wir HTOy^ fdarch notbwend^ges i^^rlvlicken des Tones eni* 

Standen aus er. verweilt, oder: der verweil^ 

Im Gemache), woraus Jngörtha, ^lof^gi^a^, wie Sd^ofia 
ans D10* Ber Name war Ihm vielleicht mit Bedaeht gege» 

ben worden, da er, Maslanabals Sohn von einer Concnbine, 
privatus war (^Sallust. Jug. I.), nicht znr Regierung odet 
anm Heerbefehle durch die Geburt berufen. Er sollte seyn, 
was 1. Mos. 85, 27. Jacob, ü^bnH HüV, ein eigentlicher 

„Bleibimhaus,'* welchen Eigennamen Ref. als Unterschrift 
von Inseraten in der Carlsruher Zeitung m lesen schon oft 
die Gelegenheit hatte. « 

Wenn wir f&r Erklimn^ der phöm'cisehcn Inschriften 
allenthalben den Beistand des^A. T. in Anspruch nehmen 

müssen, und Solches auch in dieser Berichterstattung immer 
wieder geschehen ist, so mag es sich wohl auch der Mühe 
verlohnen, einen Blick auf den Gewinn zu werfen, welchen 
des Verständniss des A. Ts. seinerseits aus diesen Inschrif- 
ten siehcfi wird. Ja vorliegendem Werke, welches eine an- 



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% 



853 GeMniai: Seriptarae liognte^ae Phocniciae monameiiUi. 

dcre ausgesprochene Absicht verfolgt, wird gleichwohl auch 
hierauf Bedacht genommen, und die oben erwähnte Erklärung* 
des Namens Bedan und das über die „Königin des Hiinmels^^ 
von dem Hrn. Verf. verbreitete Licht sind aufmunternde Er- 
folge. Ref. kann versichern, dass DOCh viele derartige Schätze 
der Ansbeatnng harren, und dass unser Wissen vom A. T. 
durch die Inschriften mancher £rweif erung und Rektifidning 
gewärtig s^n darf. Zum Scbluss unserer Anseige mögen 
diess einige Beispiele steigen, und swar fuhren wir, da wo 
wir stchn geblieben, fort mtt^em zusammengesetzten Npr. 

Den Eigennamen Inscr. Eryc. Z. 2. am Schlüsse h'est . 
Hr. G. und allerdings würde nach Analo- 

gie von V^^D'^t] nns weiter nichts helfen, so dass die Paral- 
lele 3nT ''IQ 1* Mos. 36, 39. vorzuziehn scheint. Ref. würde 

nun aber nicht an aqua (i. e. semen^ proIes3 Camosi den- 
ken , sondern da (j^^^Vi Meer, Ocean bedeutet, an die For- 
mel nS"^ Dlnn T Jes. 51, 10* Von {jjjj^Mi liegt die Wurzel 
ganz und gar nicht, was wohl oft behauptet w orden, in cdxiavj^, 
sondern in {jix^i (collegit), dessen (j^ sich, wie in 0^ aus Zi2!^x. 
verdünnte und in dem von {j*jyo^ abgeleiteten ^jama., 
^jjj^i blieb. Syrisch wandelt sich die VITurzel In «Jlus ah, 
hebräisch in woraus aber gleichfalls auch DDD? und die 

ursprüngliche Form im Hebräischen ist tÖSH? wovon ausser 

ntl^^n noch Sfsn der Wanst, eigentlich coUectio visce- 

ram {yergl ^^^12 und TW^Ü Jes. 48, 19. mit \jlc shnul, una.) 

und D''U;?2n collecti, congregati, vergl. Rieht. 7, 11. 12, , wo 

die im Lager unter den Waffen zusammengezogene Mann- 
schaft den über das Gefild verbreiteten Plünderern entgegen- 
gesetst wird. An andern Orten steht dafür D''2?bn, wel- 
ches sich aus vii. in VI. erkUrt; denn auch D^i^fl ist, 

worauf schon das Syrische fiihrt, offenbar jjo^ Demge- 
mäss wäre qju^O*, ÜltDeig. coUectio aquarum,( vrarisaatscha- 

ja, samudra sanskr.}; ebenso kommt jsi3, Meer, von "I3n 

coi^nngere, velcbes Cohel 9, 4. kritiscn unverfänglich in ^3 
umgesetzt erscheint j und der VJ2n VH Cit VUL QUes 



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GeMrfMs Scriptanie ÜBswwfiM Pho«iiioia0 oMnomeato* 89t 

tflan ID^K) entopridil einerseits dem IM MeUt. DI. 

Seefahrer vcrgl. mö 1. Mos. 27.), and wäre 

andererseits mit 8/1t3^ ebenso identiseh, als ]:an 

mit Wenn nun weiter die Juden (s. Hieron. 

zü Jes. IL} meinten, sey eigentlieh syrisch für das heiur, 

Ü'^ÜlP} so werden wir freilich wenigstens fflr letzteres tDlÖH 

m setzen haben. Mit der fernern Aassage aber des Hie- 
ron. & B« bei 1» Mos. 36, 24: omnis laeus et aqoarom con- 
gregatio maria nancopantor, verliült es sich, wie bekannt, 
ToOkommen richtig, so dass auch das todte >ieer den Namen 
Bf1&3 tragen konnte; ond so ergibt sieh endUch eine starke 

Wahrscheinlichkeit dafür, dass. 1271233, Name des Gottes der 

Moabiter, deren ganze Westgrenze das todte Meer aasge- 
macht hat, von unserem 1Dl233 abgeleitet, den Gott des Mee- 
res bedeuten sollte» 

Wie wir hier C'i^D auf tD^H zaräekffihren, so leitet der 
Hr. Verf. p. 153. D"'rD erst von D'^riH ab, gewiss richtig j 

wenn wir auch die Anwendting davon ond überhaupt die Er- 
klürang von Cit. XXXHI. beanstanden müssen. Ref. möchte 
die Yermuthnng wagen, dass 1. Kön. 10,29« nnter „idlen 
Königen der ü*nnf^ solche der ff^fO ^ versteba seyen, de- 
nen aus Noi*dafrika allerdings Rosse und Wagen über Meer 
(□"»li^ LXX.3 geliefert werdon raussten. Nach Herod. 4, 
180. 189. kam zu den Griechen Schild und lleliu aus Aegyp- 
ten, das Viergespann aus Libyen , 1. Kön. a. a. 0. wird als 
Ausfuhrort der Rosse neben Ae-[^ypten noch nip (2. Chron. 
1, 17. S^p) genannt, weiches wir am wahrscheinlichsten in 
Aegyptens Nachbarschaft zu suchen haben. Verhalte es sich 
aber mit jener Angabe Herodots, wie es wolle, so dürfte 
mis äber jenes streitige H^p eine Münze von Juba II. auf-* 
kliren« Der Hr. Verf. legt die richtig gelesene Anfsehriffc 
also ans: roVtt DHp 11^3 9 ineht sieh aber doreh OHp so 

in die Enge getrieben, dass er gerne tTX"! dafür setzen 
möchte. Indess gerade die betreffenden Schriftzüge schei- 
nen, aas dem Apographon zu schliessen, auf den Münzen 
deutlich äusgedrückt; wir erklaren: XlU^2:t3 Hlp Pl^^ » 



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8M GiietiMs Sfitiptart« llogiiM^oe iPboMMM 

Kdni^r^Uh BIt-koh, «mI kilten soimeli mp 1. Kita, 
a. a. 0. mr eiaen Naaen d«9 msmicbeii NnmiAeiMk 

Im Uebri^en sehen wir von dem in. Bncbe: Übet die 
Münzen, um so eher ab, als es dem II: von den Inschriften, 
an Wichtigkeit weil nachsteht. Die in diesem Werke nie- 
dergelegte ErkIäi'un/2: des Punisehen im Plautus, um dessen 
Text auch durch sorgsame Verglcichung der Handschriften Hr, 
G. sich verdient gemacht hat, Übergehn wir gleichlalis, da 
die Unteraaekaog Ton Hrn. G« selbst und Andieni seither 
mrieder aafgenommen worden und noch im Gai^ ist Un- 
' gerne aber, an nicht an^ebihrlieh die Greimn einer Be- 
eenslon nn aberschreiten, versagen wir ans die ausfuhrUdie 
DMnssm der Nmnid. TII., Till., wo wir eoie Bearfe- 
hang auf Menschenopfer nicht anerkennen, der Carpentorak- 
tischen, und der Tuggensis, von welcher Mr. G. neben ein 
paar andern Inschriften auch eine Copie im Anhange nach- 
bringt. Ref. beschrankt sich auf einige zweckdierdiche Be- 
merkungen. Inscr. rarp. werden die SVorte niDJ? "CJ^Sn 
kaum anders erklärt werden dürfen, als: Böses hast du 
(hal 8ie3 nicht gethan« D^^ist von erst abge- 
leitet. Die Wurzel ist und auch neben Xucj schreibt 
man noch >a4p. ^o gewinnen wir eine Parallele für 
Tm'^ HS. 15, 7., wofür auch IltD^l Hi. 8, a — "»n ferner 
i7anb. XI. In' der Formel HtnQ m ^3 steht wohl nicht nach 

dem Sprachgebrauche des A. T. zu erklären, sondern dürfte 
uns eher umgekehrt den ursprünglichen 8inn dieser Partikel 
im A. T. an die Hand geben. Vollständig hiesse die For- 
mel '^IfiM ^2 = nm mich, d. i. mit meinem Leben, möcht' 

ich dich . loskaufen. 8o sagen die Araber ^^mJu3, 

gleichwie ^y^Jt! i^küub ^b^U u. s. w. vergL 

Hum bert anthol. ar« p« 84w nnd annot, p.ll6^ exe* ex Harn* 
p. 8S6., Freitag ehrest, ar. p. SS. d4. aa Silv. ehr. ar. I., 
p. la Lette fia Caab b. S. p. 96ir. 104. Wunderbar end- 
lich diocbt uns, dass der Hr. Verf. inscr. Tugg. Z. 5. die 

Worte S'?23 nU n{<:2D übersetzen mochte; quam in- 

trassct in Jonium pleuam, nemlich in das Grab oder in den 
Hades. Ob uns gleich von diesem Hause sicherer Bericht 
abgeht, so darf man dcuuoch mit Entschiedenheit behaupten. 



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im ißmü^y wm^ Ptark b«wuk«it, aniMi iKmer noch 
ntoM yM B^y* Oio LücIlo Wot^ ifPH Hesse si«h ?twa aae 
Bl\ 80^ IIS. ergänzen, imd demiiKdi '^rrbob nV» ri3 HNÜD 

schreiben, = wenn man kommt in das Haus der Ein* 
failuog aller Lebendi|^ea, 00 dass diese das 

(nM^&Ha) des Hauses ausmachen. Der Unterzeichnete be- 
merkt, dass Jerusalem ungefähr eben da gesucht 

werden mnsa, wo nach Es. 7« die Leicbea der Könige, 
w<Me Ii*!? beieesetet wvrden. uod unsere Inaehrift 

kann uns veraniassen, NiVlQ un A. T. überall durch noXvdv^ 

oberaetsen. Nan bedaoera wir aberi anf Grund di^ 
«er lasehrift die gegentheUige Aussieht erölfhen sa lafissen: 
in jenem Hause wird uns Allen noeh Plate verbehalten seyn, 
leider auch dem Hrn. Verf. und dem Hecensenten. 

Wir schliessen die Anzeige dieses überaus verdienstli- 
chen Werkes mit dem Wunsche, dass dem Hrn. Verf. die 
hier vorgetragenen abweichenden Meinungen nicht durchweg 
heterogen vorkommen möchten, so dass ihre Prüfung es ihm 
^Imebr verstatte, Einiges davon als geringe Abscblagszab- 
fang für die viele dem Unterxeichnelen gewährte Anregniig 
nad Belehm^g hinwiederum en^^egensunehnieii und sich an- 
aaeignen. 



Ar. C ilom«9f (Pnf. 4, R* wm üertfn) F^nehMu dmftcAer ReekU»» 
MMcr dft UHuMttnd wnd ikrv BwuMuißm. Berffn, f adnicM 1» 
der Dmdbirel der kMgi. AkadmU der 9VUi€tudktft€H, ISSOt; 

Durch die Mittheilung dieses Verzeichnisses hat sich der 
Umusgeber neuerdings ein grosses Verdienst um die Bele^ 
bung des Quellenstudiums des deutschen ftechtes erworben» 
80 lange Bicht eine Uebersieht des an so vielen Orten aer- 
streoten Blaleriales mögh'ch geoiaeht ist, so lange wir selbst 
noch iai ITakiarea darüber sehweben, welche Handschriflen 
der mitteiaUarltehen Reehtsbneher uns erhalten, so laage die- 
selben nicht nach Classen snsanunengestellt und gesichtet 
sind, und ihr Werth und ihr Verhaltniss gegen einander ab- 
gewogen und bestiiumt ist ~ so lauge können wir nicht von 



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88i HiMgfwt VemlebaiM dralwher BeeMIkUar. 

«IIS fif^gen^ dass wir die Schätze kennen und beherrschen, 
welche angcftehtet der Unbilden einer den historisehen Wie» 
eenschaften wenige holden Zdt auf ans ii^omnien sind, und 
Jeder Versach einer Drockaos^be eines altdeutschen Rechts- 

buches muss nothwendi^ eben so lange nicht nar ein be- 
denkliches, sondern auch ein unvollkommenes Unternehmen 
bleiben, so lange der Herausgeber nicht möglichst der Ge- . 
fahr enthoben ist, aus Mangel einer üebersicht der ander- 
wärts vorhandenen vorzüglicheren Handschriften nur Mittel- 
massiges oder Untergeordnetes zu Tage gefördert zu haben. 
Je mehr sich in unserer Zeit die Liebe zum vaterlandischen 
Rechte gesteigert hat , je mehr in neuerer Zeit für die Be- 
richtigon^ unserer Quellenkunde geschehen ist, um so drin- 
gender machte sich das Bedürfniss einer fibersichtlichen Zu- 
sammenstellung der bereits bekannten Handschriften der ver- 
schiedenen mittelalterlichen dentschen Rechtsbficher empfind-» 
lieh. Diesem Bedürfnisse wird non dorch diese Uebersicht 
begegnet, zu welcher sich nicht nnbedentende Materialien in 
dem literarischen Nachlasse Niet z sehe's gefunden haben, 
welcher in die Hände des Herausgebers übergegangen ist. 
Dieser spricht jedoch die Ueberzeiigung aus, dass diese Ma- 
terialien noch in einem hohen Grade einer Berichtigung und 
Vervollständigung fähig seyen, und spricht daher den Wunsch 
und die Bitte aus, dass Besitzer von Handschriften, Vorste- 
her von Bibliotheken und Archiven, oder diejenigen, denen 
sonst Kunde von derartigen Schätzen geworden, sich ver- 
anlasst finden mögen, durch öffentliche oder Privatmitthei- 
lungen ergänzender oder berichtigender Art, das Vorhaben 
xn fördern, eine Vorarbeit zu der Ausgabe der deutschen 
Bechtsbücher insgemein zu Stande zu bringen, namentlich 
die möglichst vollständige Beschreibung der Handschriften 
dieser (juellen mit einer Darstellung der äusseren Beschaf- 
fenheit der einzelnen Rechtsbücher selbst und ihren Bezie- 
hungen zu einander und mannigfachen Bildungen zu gewin- 
nen. Der Herausgeber hat dem Verzeichnisse der ihm be- 
kannt gewordenen Handschriften deutscher Rechtsbücher Qm 
Ganzen 527 an der ZahlJ eine Charakteristik der einzeloeii 
Recbtsbucher nebst einer Anweisung zur Besdireicoi^ der- 
^Iben vorangeschickt, da er sein Begehren nicht alleiii an 
diejenigen richten wollte, welche den deutschen Rechtsbö- 
cheru bereits schon genauere Aufmerksamkeit gewidmet b^^ 



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Bmmtisnt VctdcbAiM donttclier R«ehtaU«lMr. 4tt 

Im 9 '80 das« biemach aocb eine grössere OleiebArmigkeit 
der eiiaeliien Besehreibimgen ersielt anil mit Siclierheit an- 
genommen werden kann, dass kein wesentlidier Punkt, de»* 
sen Aufklärung besonders wiinschensvverth erscheint) ohne 
gehörige Beleuchtung bleiben wird. 

Wir halten es für Pflicht, auf das höchst verdienstliche 
und gemeinnützige Unternehmen des Herausgebers aufmerk- 
sam zu machen, und zur allseitigen Unterstützung desselben 
nach Kräften aufuiford crn, nnd rechnen es uns zum beson— 
dern Vergnügen, sogleich seiner patriotivschen Auffordenni|^ 
dareb Mittbeilun/^ einiger Notisen and Besclureibangen ent« 
sprechen xü können. 

Das Homeyer^sehe Yerzeicbniss gibt Nr. 840— 8i8. lier 
Handschriften an, welche sieh in der Im hoff- Ebn erwachen 
Bibliothek zu Nürnberg befunden haben sollen. Im Jahr 
1837. habe ich bereits deshalb Erkundigungen eingezogen, 
aber nichts weiter erfahren können, als dass die Irahoff-Eb- 
ner'sche Bibliothek im J. 1816. versteigert worden, und von 
den gedachten vier Handschriften die erste (Homeyer, Nr. 
340.) um 9 fl. von einem (^unbekannt, welchem^ Cramer 
(BiU. Ebner. I. Nr. 204«), die drei andern von dem Anti- 
quar Heerdegen, ond zwar Homeyer Nr. 341. Bibl. Eb- 
ner. I. 124. um 2 fl. 6 kr., Homeyer, Nr. 842. Bibl. Ebner. L 
Nr. 155. nm 24 kr., Homeyer, Nr. 348. Bibl. Ebner. Nr. 164. 
nm 15 II. ersteigert worden sind. Die Personen, an welche 
Anüqnar Heerdegen diese Handschriften weiter verkauft hat, 
war er nicht mehr im 8tande anzugeben, und ist daher vor- 
iciuü^ das Verschwinden dieser vier Handschriften sehr zu 
bedauern* 

Dagegen befinden sich in der städtischen Bibliothek zu 
Nürnberg, welche in dem ehemaligen Prcdigerkloster auf- 
gesteiit ist, zwei Handschriften des Schwabenspiegels, wel- 
che in dem Homeyer'schen Versbcichniss fehlen, nnd deren 
Beschreibung ich daher, so gut es mir bei einem äusserst 
kurzen Anfentbalte und fast ginsüichem Mangel der zur Ver- 
gleichang gewfinschten Mittel, dieselbe anzufertigen mög^ 
Uch war, hier mittheilen will. 

A. Codex Chart. Bibl. Norimb. Nr. 4S9. — Folio. 102* 
beschriebene Blätter : zwei Colonnen auf jeder Seite, Zeilen- 
zahl verschieden: die Handschrift wird gegen das Ende im- 
mer enger ond zusammendrängender. Auf dem Einband ist 



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W HMNtJwri VwwiiilMiN da«lteli«r BieMmlMk 

anssen auf der oberai Decke ein Zettel mit den Worten ml^ 
{gehißt „Das fit ein gut reebl hmth^. Auf der iaoern 
Seite UflMehb^ps: ,,4aa paeli gehört in daz eUeter na 
fftot eühr» jtt nun predig. onL^S eodann findet sieh daeelM 
wieder ein aafj^klebter Zettel: ,,Itefli an dem pneh stet von 
den kaiserlichen Rechtcir*. Auf dem letzten Ulatte des Co- 
dex stehen ahermals die Worte: „das piich gehört in das 
eloster zu sant catharein in nvrmber^k prediger ordens'^ 
Aiif dem Blatt 102. sehliesst das Beehtäbuch mit den Wor- 
ten: „In die Kiltani finis adest anno 1432. — Laas oninipo- 
tenti Oeo. Lob und ere sey dem allmechtigen got gesa^t«^^ 
— > Die Initialen nnd Capitelübersehriften sind mit rother Far- 
be gescbrieben.. Der Codes anfonBt des Sdiwibiaebe Land- 
recht und Lehnrecht Letsteres b^;iQnt Fei. Ml Das eeate 
Blatt hat eme Eintosnqg mit i^tlien Arabesken, die Fische 
vorstellen. 

• Voran, Fol. 1 — 7., steht das llen^ister, sowohl über Land- 
ais Lehnrecht. Die beigesetzten Zahlen verweisen auf die 
Folia des Codex. — Das Landreeht hat 472 Cap., das Lehn- 
recht hat 117 Cap. (nach dem HegisterJ. Die Capitel des 
Lehnrechtes sind ohne Distinction fortlaufend unmittelbar in 
derselben Reihe hinter den Capiteln des Landrechtes ver- 
zeichnet. Fol. 7, Z. 9. beginnet die Vorrede: „Herr got 
himelischer Vater^^ etc. Weitere Prologe, ab Nachbiidiin- 
gen der des Sachsenspiegels sind nicht vorhanden« Den 
Uebergang bildet die Stdie: „Seynt got des iUdes test 
haist: so Uez er nwei Sehwert etc. — Cap. 1. „Als ein mann 
in bann ist" etc. Das letzte Cap. „Von der Juden ayd umb 
gross sach.'* — Unter dem Rubrum : ,,wie man den kung er- 
weit:" wird der Herzog von Bayern als des Reiches Schenk, 
Böhmen aber gar nicht genannt. Dabei findet sich der Zu- 
satz : .,die vier fürsten schullen dewtsch hcrn sein von vater 
und \on mnter." Jedes Capitel hat sein besonderes Rubrum: 
grössere Abschnitte finden sich nicht. Das letzte Cap. (der 
Jadenaid} ist gleichlautend mit Goldast Cap. 357., und . 
eetst nur die Worte bei: ^vnd sei den ledig.^ — Wir ge- 
ben hier noch die Rubra und den Anfang der XIY. ersten 
'€apiteL — Cap. I. Welch man in dem pann i&t Als 
ein man in dem pann ist VL wochen etc. Cap« 2. Von 
freyen leuten. Hie sol man hören von dreyerlay ge^ 
schlecht etc. — Cap. 8. Gericht vber all sack. Wo ge- 



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ff , 1 tf 1 m if liM^ J * --1 _ „ §1^ »t»l - * •-■--«- MHi 

MMHSJwd VOrwnCMMH imnCIIW IISOinMWBBVn w 

fUt isl; du toi aln iiMel miii etc. (IManuaA folft dteStäck 
^dnt das onser fcer ^ot In. s» hoher wirdikBit ete. von Ha»«' 
i6n lehn ^ebot, and ^isehn gebot nnd sechs hundert i^bot 
Ooldnnt Csp. 5. 6« nnd das Capitel von Origenen Wofe- 

tägmg — Goldast Cap. 7.). — Cap. IV. Hie hebt sich 
an der sipp zai. \u merkt auch etc. (^GoIdast Cap. 252.^ 

— Cap. V. ÄV elcher erb teyl nem. NympU ein man ein 
weib pei seines vater leib etc. (Goldast Cap. 255.) Cap. 
VL Von varendem ß^ut. Hat ein man tochter etc. (Gold- 
ast Cap. 254. 3. 4.) — Cap* VIL Ditz heysset erb 
gut. Mit welchem gtsi der man stirbt ele. (Goldast Cap. 
mO — €ap. VIIL Dyse dink gilt nyMoat für den 
andern. DyMeit noeh spiel etc. (Goldast Cap. 887.3 
Cäp. IX. Dm Ist von pfirgsebafft. Ynd ist daas ein 
man pur^ whrt etc. — Cap. X. Der gelten sei vnd 
stirbt. Vnd ist da^ ein man stirbt vnd gelten sol etc. (Gold-* 
ast Cap. 258.) — Cap. XI. Aber von gnlt wegen. Vnd 
sth'bt einem man sein wcip etc. (Goldast Cap. 259-3 — Cap. 
XH. Wer die gult behabet. Vnd stirbt ein man etc. 
(Goldast Cap. 2G0.) — Cap. XIH. Von der Stetigkeit. 
Wer porgt oder entnyinpt etc. (Goldast Cap. 261.) — Cap. 
XIV. Wer sein recht behabt. (Zugleich als sprach'« 
probe) s ^^Nymant suig im selber ein ander recht erberben 
denn Ihm ang^orea Ist. Er mag aueh mit nntdt wol ein 
poser recht gewynen als wir nach hier nach wol sagen. Ein 
aian mag sieh wol verreden vor gericht do von er ein pdss 
recht gewyot den ob er viel still schwieg. Eyn yglich kind 
bebabt seyns vater recht ob ez im ebenpurg ist." — 

Das Lehnrecht beginnt': Diese recht hat gesetzt papst 
leo vnd kung karl sein prüder in den concilien mit ander fur- 
sten rat vber ein itzlich sacb zu richten richtigklichen nach 
der sein heil.^^ — Nach dem Cap. 6. (Schilter) : .,DieweU 
ein man'^ — der hier wegen Zerlegung der vorhergehenden 
Capitel in mehrere (XL) kleinere der XII. und XIII. ist, 
iolgt in gewöhnlicher Ordnung das Cap. »Der berfart sol 
vare^ anfangend: „Wir lesen von dem kanigreieh hab ete. 

— Der 8ats: 99 Vnd hat ein man des relchs gut er mag 
sie furfoaz nicht noten'^ ist vorbanden. Eben so Ist auch der 
Satz da: Welch diener sein roz oder seines gutes leyhetelc. 

— Das letzte Cap. lautet: „Ob ein man einen hern vmb ge- 
lait pitt'* (Goldast Cap. 152.) — Das Uebrige, was bei Gold- 



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809 Hitrin^PWi VwMldnilsi dcslMlMP AccIiIrtiAclMff'« 



asl folgt, fehlt hier ginslicJi, aondera hier folgt xuc^Ieich m- 
mittellNir der oben angegebene Schloas: ^n dieKilUinl^ etc. 

a Codex. Chart. BibL Norimb. Nr. 511. Folio. 286 fo- 
liirte Blätter. Gosipaltene Colomnen. 25 Zeilen. Handschrift 

ans der ersten Hälfte des XV. Jahrhanderts. Voran steht 
auf den ersten XII. Blättern (welche nicht paginirt oder fo- 
h'irt sind3 Hegister. Auf dem XIII. Blatte sind auf der 
Rückseite in roher Zeichnung und sehr geringen F'arben zwei 
Wappenschilde dargestellt, deren jedes von einem nackten 
geflügelten Knaben gehalten wird. Der erste Schild rechts zei^ 
im rothen Felde einen von der Linken s^r Rechten abwärts 
geneigten weissen Spitzwinkel, dessen innerer Raum schwarz 
aasge/dUt ist Der Schild links ist gelb (g4rid?3 und neigt 
ein von der Linken nur Rechten schreitendes, 4ie Znnge 
bleckendes Thier von eselgraner Farbe, dessen Zeichnung 
nicht weniger den Natarforscher als den Heraldlker in voller 
Ungewissheit über das genus und die species lässt, denen es 
angehört. Das Register beginnt mit den Worten : „Ilye he- 
bent sich an die Capitel des lanntrechtpuchs des seligen kaU 
ser karls der grossen vnd dye capitel wollen wir hernach 
sagen." — Die Zahlen verweisen auf die Folia des Codex. 
— Das Register des Landrechts enthält 345. Capitel. Da^ 
rauf folii:t das Register über das Landrecht mit den Wor- 
ten: ,,Do hebent sich an die Capitel des Lehnrechtpucha^^ 
(mit 139 Capiteln). — Sodann folgt: ,}IIie hebet sich an das 
Register äber die «rulden Ball^^ (in ^ Capitelu}. Dairanf : 
,,Das sind dy kaiserlichen Gesetz, in dem HoiT se Bf aintz ge- 
machet in g t ^ en warttigkeit aller karforsten*' (7 Cap.}. 
Sodann „Kaiser Friedrichs des Andern briefT^ f 18 Cap.). — 
Hierauf: „das Register über konigk Rudollfs brilT. vnd konigk 
Albrcchts Fridbrifl* (45 Cap.J. — Endlich : „das Register vber 
königs Ludweigs fridbriff^' (7 Cap.3 — Dann stehen die Wor- 
te: „Uie Ifet das Register ein ende, Gott behütt vns an vn- 
serm ennde.^^ — Das Landrecht beginnet: „Hie hebt sich an 
des heiligen konigk karls landtrecbtpuch.^' Sodann die Vor- 
rede: ,.Her himelisch Vater^^ etc. — Die Stelle: ,,Sider got 
un haic»et ain farst des rechtes frids, dammb so liess er zwei 
swert^^ etc. ist hier vorhanden. Eine andere Vorrede fin- 
det sich nicht. Das letzte Capitel ist: „wie der frey wi- 
der a igen wir tt.'^ Anfang (zagleich als Sprachprobe3 : 
„Lost ein aigen Her seinen man frei, und will er in darnach 



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HoOMjer : VeiMtcluÜM i«ulMhcr Accbtelittdier« . 861 

nicht eren, als da vor das er gen Im nicht auff will sten, noch 
den hütt oder die ka))pei> gen ihm abzihen vnd Jm ein an- 
drew smache tut diesem gleiche. So mag er in mit allem 
Rechten wol wider nordern vnd ubertzeugt er in selb drytt. 
80 mpss er sein nigen sein als £ \Vii aber dieser laugneU) 
das mös der her nemen ob der her nicht selb dritt ist.^ 
Oaranf folgt Fol« 164: ^Hie hebt sich an kaiser luuils i«eht 
pMb das Lehnrecht^ — Dem Cap. ,^die weil, der man nicht 
swert)^^ folgt auch hier das Cap. „wie deir konigk sein her- 
fartt gepittet.^^ — Der Satz: „vnd hat ain man des Reichs« 
gut auch fürpas mit recht nicht abzwingen'' ist vor- 
handen. Eben so der Satz: jjWer sein ross^' etc. — Der 
Schlussartikel Fol. 224: „Hie habeut die lehenrecht ein enn- 
de. Alle lehenrecht ban ich zu ennde pracht" etc. correspon- 
dirt dem Schlussartikel bei Goldast Cap. 160. Nach den Wor- 
ten: „do sich sei und leib scheident^' folgt aber weiter: „vnd 
anch in der statt do sei vnd leib wider zesammen komptdas 
wir do hören das aller süssleichste wort das goi selber spricht 
so er sein "holden ladet zn Im in die ewigen frewd So er 
qiricht komment her Ir gesegneten meins vaters hesitxet das 
reich das euch hereittet ist von anegeng das verleih nns die 
aynig ;dreyfalt]'gkeit Vater. 8on. Heiliger Geist Amen.^^ — 
Das letzte Cap. \or diesem Schliissartikel ist das „vom Burg- 
maisters lehn" Goldast Gap. 153. Die diesem nachfolgenden 
Capitel fehlen hier. Dagegen stehen auf Kol. 225 noch sie- 
ben Capitel unter der Rubrik : „Articuli generales." I. „Was 
vor gericht geschiht, do sol man nicht vmb sweren, vnd 
nicht anders denn bey dem ayde sagen Es gee dan dem 
mann an seinem leip oder an seins ieips ain tails.'^ II. „Wer 
anch freuelt an dem Richter oder an fronboten dieseib ist 
Bweyer p6ss schuldig der ain iglich man vmb sogetan schold 
Nur ayen hat>^ III. Wo man vor gericht geczeugen nympt 
sihen man do sol man den Richter für tswen nemen vnd den 
'fronboten auch für zwen recht alsamen^^ IV^ ,,Was Ehaflte 
not haisset. Ehaflfte not ist vanknös vnd oh ain man in des ^ 
Reichs dinst ist Oder in sein selbs heren dinst oder in got- 
tes dinst oder ob Iii siechtumb irret Und wer ehaffte nott be- 
reden sol wer der dan ains beredet mit seinen tzweien vin- 
gern den sol man daz lassen tun vnd man sol im recht tun 
vmb sein gut-" V. „Ain iglich man der aus aym lanndt in 
das ander vort vnd wU er Recht nemen vor gericht vmh ain 



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ÜMMyer: VerzeicimUs deuUcher Reclit^üdMr* 



^iit das in dem lanndt leit Er mus nemen recht nach desseU 
ben lands recht Do das gut Inne leift vnd nicht nach seinem 
iannd sietten^^ VI. ,}Wer ain touel tut in der Kirchea «der 
in dem Ktrehboff der nins dem geietüdieo and dem weItU* 
ehen Richter pasm vod Inn an dem er den freoel feegniigea 
bat vnd atao Wirt er vmb ain freoel drey poss sehnäi^.^ 
VIL „Kein Bicliter mag nymant fargepieten wann es lat 
nicht der Rlehter ampt das sy yemant förgepieten Ain 
Riokter sol ain Richter sein vnd nicht ein seherig wenn der 
Richter ainen tag für sich geit Oder dem der gepötel für 
gepeiitt vnd kompt der Richter dar nicht do verleuset ny- 
mant sein recht mit.'* — Fol. 226. ist ganz unbeschrieben. 
Fol. 227. beginnt: „Das ist die gülden Bull in Dewtsch in 
28 Capiteln.^^ Bei dem XI. Cap. findet sich die merkwür«* 
dige Wortform: ,,das anilist (anilift^J Capitel." — Fol. 256. 
«^Explicit die guidein BuII.^^ — Naeh einem kleinen 8patiom 
ibidem ^das sind die kaiserlichen gesetn In dem hoff am 
Maintze gemacliet Iii gegcnwnrttigkeit aller knrfnrsten das 
erst von den Maynaidiger anffsitsen ond pontnissen auf den 
tod wider dy knrfnrsten (8 Cap.) — FoL 266. ^^y^ habent 
dye kaiserlichen gesetz zu maintz gemachet ein Ende.^' — 
Ibidem : „Hye hebt sich an kaiser fridrichs des andern brilfe.'^ 
In der Einleitung wird gesagt, dass dieser rechte Landfrie- 
den gesetzt wurde von Friedrich dem Hofe zu magainzt 
1236.'^ — Fol. 273 b. in fine: Hie hebet sich an konigk Ru« 
dol/fs Brieff^* (^enthält nichts, als die Nachricht, dass die Bi- 
schöfe, Grafen, Freien, Oienstmannen und gemeinigklich alle 
sn Franken den vorstehenden Landfrieden, sn Nürnberg an 
St. Jacobs Tag 1261. auf fdnf Jahre von St. Michelstag an 
in dem Schottemnfinster beschworen haben. ^ Fol. 278. m 
fine: Hye hebt sieh an konigk Albreehts friedbrleff^ — ein 
Landfrieden meist wörtlich mit dem vorstehenden Landfrie- 
den Friedrich's H. übereinstimmend, jedoch mit einigen Zu- 
sätzen. Das Jahr ist nicht angegeben, sondern nur „in Nü- 
remberg in dem geboten hoff.). — Fol- 284. , Hie hebt sich 
an konigk Ludwigs friedbrieff*' (7 Capp. vom Landfrieden). 
Schlttss : „Dieser Brief ist geben zu Nüremberg da man zail 
von cristi gepard drew zehen hundert Jar vnd in dem drey 
vnd czwainczigisten iar des nächsten Samstags nach ausge* 
ender Osterwochen In dem Newnten iar vnsers Reichs.'^ Wir 
ksben-hieri'on folgpende Bestiauiöngen «Is besonders wirk« 



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Homejcr: Verseiclioiat deutacher EecbUbncher. 86S' 

würdig heraus: Cap. I. Von zollen. „Des ersten setzen 
vnd wollen wir das all zoll vnd gelait die auffgesec zit vnd 
gMt sind seid kaiser hcnrichs tod vnsers \oi'vordern des 
nachstell gnr vnd geocsüch ab seyn.^^ — Cap. 5. Wer der 
Fötternng^) geczigen wirt. ^Wir verbieten auch bei 
des Reichs hulden alle f&Hmng vnd wer der füiirmg geczie^ 
gen wirft Sye sey klein oder gross mag sieh der davon kilehl 
genemen mit czwalen vnversproehen mannen vber den sol man 
Richten als fiber einen schedlichen man wo er beklagt wirf, 
wirt er aber an der hant getäit beo^rifTen so solf man vber 
in an vnderlas llichten an do (d. h. ausser da, wo) die fur- 
sten oder herren von Recht oder von alter gewöhnheit fütt- 
run^ habent vnd do sy ir ambleutt haissent Aittern.^' — Wir 
geben hier noch eine Uebersicht der 10 ersten Capp. des 
schwäbischen Landrechtes. Cap. 1. Vonn freyen das 
erst capitel des puchs. ^^Uye sol man hören von drey- 
erley freiheiten oder leuten" etc. — Cap« <i. Von vogt ge- 
dinge. „Do gericht ist do sol ein fironpot sein oder meH' 
^te. — Cap« 8. Ton den siben hersehilden« ,,1)rfge» 
nes weissaget^^ etc. — Cap. 4. Von der Sippel&all. 
neirckent aach die sippc&ial do die sippe an hebet^^ etc. — 
Cap. 5. Von prnder Ktnt erbt all. „Nympt ain'man ain 
weib bey se[ncs vaters leibe" etc. — Cap. 6. Wie p fallen 
erben mit g e s w i s t r i d e n. „Hat ein man töchter vnd 
sün vnd gelobet er das er Sön vnd töchter aiifgibet'" etc. — 
Cap. 7. Wer erbet der sol auch gelten. „Mit welchem 
gut der man stirbet das haisset alls erbgut Wer erbe nympt 
der sol auch zu recht die schulde gelten" etc. — Cap. 8. 
Wes erben nicht gelten salien. „Diepheit spil noch 
Ranb^ etc. — Cap. 9. Von pnrgschafft* ^Daz ist von 
pnrgschalt Vnd ist das ein man borg wirt^ etc. — Ciqp. 10. 
Wer nicht erbet der giftet auch nicht' „Und Ist 
dass ainer stirbt vnd gelten' sol^^ etc. — Fol. 78 b. In dem 
Cap. „Wer den konigk kysett^^ wird aach als vierter wdR«» 
Kcher Wahlffirst nur der Hersog von Bayern <!:enannt, und 
^es Königs von liöhmen gar nicht gedacht; gerade so, wie 
in dem vorbeschriebenen Nürnberger Codex Nr, 493. — 



*) Das fordruiu der karoliiigisclien Zelt. S. lucin c deultclic Staat«- und 
Bechligeichichtv §. 41. Nr. 9^ — 67 Nr. Ih §. 04. tir. iS..— 



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864 



BuAcb: Da» Gescblecliialeben des Weibe«. 



Wir werden demnächst die Beschreibung der uns be- 
kannt gewordenen Codices fortsetzen, und namentlich die 
der Heidelberger Bibliothek folgen lassen, da die bisherige 
Beschreibung derselben, welche sich in dem Verzeich- 
nisse der Codd. Msc. INilatini von Wilken und Moiie fin- 
det) nichts weniger als genaa und correct genannt wer- 
den kann. 

ZoepfL 



ifat Ge$ehlechtsleben des IVeibea in phyiiolofiischery patkotogiacher und 
tberapeuthcher Hinsicht dargestellt von Dr. Dietr, If'ilhelm Heinrieh 
Busch, königl. Preuaa. Geheimem Medicinalrathc , ord Profcaaor der 
Medicin und Director des klin. Institutes für Gebui tahülfe an der 
Friedrich- H'^ilhetna-Vniveraität zu Berlin, Ritler des rothcn y/dler- Or- 
dens 4(er CL, Mitglied u. «. w. Erster Band. Physiologie und allge- 
meine PatMogU dm «eiUidleii QnthUaktMtnM, Leipzig F. 4» 
Brockkaw 1889. ^,8. & A X, und 822. iPr. Gfl. 64 kr.) 

Die Leistungen in einzelnen Thailen einer Wissenschaft 
müssen von Zeit sa Zeit in ein Ganzes verflochten werdeui 
am eine allgemeine Uebersicht äber das Fach zu gewähren, 
nnd um denjenigen, denen es nicht vergönnt ist, den einasel- 
nen Fortsehritten folgen zu können, einen wissenschaftlichen 
Ueberblick über den Stand des Ganzen zu geben. 

Die Forschungen, welche in neuerer Zeit auf dem Ge- 
biete der Anatomie, Physiologie, vergleichenden Anatomie, 
vergleichenden I^hysiologie, Pathologie und Therapie gemacht 
worden sind, müssen ihren iiiinlluss auf die einzelnen Zweige 
der Medicin ausüben , und es ist nicht zu verkennen , dass 
dieselben auf die Lehre von dem Geschlechtsleben des Wei« 
hos günstig eingewirkt haben. — Die Anatomie und Physio- 
logie haben uns mit dem Bau und den Verrichtungen des weib- 
lichen Organismus mit der Beschalüenheit und den Funktio- 
nen der Geschlechtsorgane selbst, mit dem Verhältnisse nnd 
der Beziehung der geschlechtlichen Verrichtungen zu dem 
Gesammtorganismus , mit der Entwicklung des menschlichen 
Eies etc. so bekannt gemacht, liass wir die wichtigen Vor- 
gänge im weiblichen Körper und die dadurch bedingten Krank- 
heiten nun ganz anders zu beurtheiien vermögen, als früher. 

(fiehlu/9 folgt.) 



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N*. 55. lIEiaBLBBRGBR 1839. 

JAHÜBCCHER der LITERATUR. 



Busch: Dm$ OekeMeehid^bm dei Weibes. 

m 

(Beßchluss.) 

» « 

Es war daher ein sdhr ndteliches ond verdieastKehes 
UttterneliiDeii des berulMiitcii Hai. Verl9h, io eiiieni ansMlir«- 

Jichen Uandbuche nach dem gegenwärtigen Standpunkte 
des Faches die Geschlechtskrankheitea des Weibes zu be-r 
arbeiten. 

Nach der Anlage des uns vorh'egenden ersten Bandes 
geht der Hr. Verf. viel umfassender zu Werke, als seine 
säumiUcheo Vorgänger; iadeqi er dem Ganzen durch die, 
Physiologie und al 1 gemeine Pathola|ci6 eiM bret» 
tere and festere Basis gibt. 

In derfiUleitung (S. 1— 1^0 der Nsth* ^ 

wendigkeit, ^der Lohre von den GeseUechtskrankheiten. eine . 
gehörige Grandla<;e dareh die IhUrstelhjng des gesammlen 
Geschlechtsleben des Weibes xu geben , und führt In einer 
kuncen geschichtlichen Uebersicht mit Angabe der Literatur 
aus, wie man schon in früher Zeit bis auf die jetzigen Tage 
die Wichtigkeit dieser Lehre erkannt und sie sehr vielfach 
zu bearbeiten versucht habe, und endlich geleitet er uns auf 
den Standpunkt, von welchem aus er dieses Werk zu bear^ 
beitefl beabsichtigt hat. — Dasselbe zerfällt in drei Abthei-i' 
longen* In der ersten Abtheilnug sind die sämmtlichen 
allgemeinen Lehren jftusaminengesteUt, und diese bilden- 
de%l. Ilaad^des Werkes« In der »weiten Abtheilnng^ 
wqr^^n die speeiella Pathologie und die apecielle 
Therapie sfinuatlieher Krankhelten des Weibes abgeha»« 
delt, und diese werden den IL und III. Band elMiehtaett»* 
Die dritte Abtheilung beschäftigt sich mit den Opera« 
tionen, welche durch die in der zweiten Abtheilung dar« 
gestellten Krankheiten nothwendig werden, und sie füllt den 
IV. Band. DjHß ganze Werk wird deuuiach vier Bände um- 
IttHsen. 

Der erste uns jetzt vorliegende Band handelt von dem 
Geschlechtsleben des Weibes im gesunden uiHI 

XUIL Mtrg. «. Hell. , 55 



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' 866 Busch : Das Getchlechttlebeo dea Weiber. 

kranken Zustande im Allgemeinen^ und Kwar in 
zwei Abschnitten, wovon der erste die all/jeraeine Phy- 
siologie und der zweite die ailgemeine Pathologie 
dea Weibes enthält. 

Der erste Abschnitt (S. 29—473.) zerfällt in vier 
'Capitel. Erstes CapiteL Von dem Geschlechtscharak- 
ter des Weibes im Allgemeinen (ß, 29— SS.). 

Iii intlfeher Hinsicht 48t «s durclMUis noth wendig, bei 
vovktaoieiideii fiMttkkeiten die gmw weibMe Nalar, 
wakl bMigttcli dert Ctelst«, wie des KOrpm-, lii dto Ange * 
wa fwsßBv Eilst diese BMftoieliilgang d^r WeibHdheii 
Natur bei Krankheiten des weiblichen Geschlechtes.- mit «e 
dringender erforderlich , da im W^eibe die Ocschlcchtsfuiik- " 
tion in Bezu^s^ auf das Körperliche bedeutender sieh äussert, 
ids Im Manne, wesshaib die verschiedenen Körperzustände in 
einem innigeren Zusammenhange mit der Geschlechtsver- 
richtung stehen. — Zwischen Mann und Weib ist in vie-^ 
M Beziehung ein polares Verkaiten nicht ȟ verkennen; 
ao wenig es dagegen in Zweifel gezogen M'erden kamt^ dIM 
in jeden der beideo QeMMeehter (üt sieh aiteb- die .ibenMi^ 
Bebe Natur vellkemmeo gegeben Ist Es fot akrd aueb biei^' 
wie ia der dbrigen NaCdr, ein Gegeosate tn dl»r fitebeit, uiid 
dieseis polare Veriiällnfes der beiden Gesebleditsr «ndet so«- 
wohl in geisti;?er als körperlicher Hinsicht SittiU Mann und 
Weib stehen in der Schöpfung auf einer Stufe, keines ist 
dem andern untergeordnet; beide Geschlechter sind als Efn-^ 
heit in der Gattung vollkommen gleich, jede^ Geschlecht ist 
in seiner Modification Repräsentant der Gattung^ — Die Ge- 
. schiecbtsversciuedenheit bezieht sich auf das ganze Indivi-* 
dunm, in seinem ganzen psyciiischen und somatisehen Ver-^ 
Jtalten. Während bei dem Manne mehr der Geist, dei^ Wiil6 
und die Tbatkraft vorberrMbed , sind bei dem W\efib# iäAt 
das OenMi, die Duldung ^ die Sanftnratb und AnmM vM^ 
waltend. .In Ganxen scbiicsst steh das^Wdb nebr d^i^ An^ 
aeniweit anj in^^ WeibHcben Oeseblecbie emelMfM, \vie WM«^ 

Jbrbnd sich aasdrückt, die Organisation unter dem Charak- 
ter der Schwere, im männlichen Geschlechte aber unter dem 
Charakter des Lichtes. Der Mann ist egoistischer, fstilirt 
sieb strenger^ strebt die Aussenweit seinem Willen ifiti un* 
Isrwerfeil^ 



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Iri tf^m ersten Capitel sehfidert aUn detHt^Terf. imtdeir 
^rdsstert Umsicht) kof^ titid biindia:t 

I; Das Weib Vön dOf psyrhischoh Seite 5 ^I. Das Weil^ 
vdn (h*r plij^sischert ^eitej ill. Dh^ Weib in o^i^schlechtli- 
dlttlr fiexiehung; IV^ Dri^ W^ib lakch der Vers(jhl<^dettiieil 
des Himmeissth'eiies tiad dl^ NMtfofi^Hi 

I. Das Weib voh der psychisi^heh Seite; 

Ein mkMff» Zug d«8 wdblftoil«ft m däB ftt 

liMroliiMide W«kriiehiikaiitiBV^f)iiöt«ht fi«§ 

4H« 4i*rtfe fK IhrM tiatMfoll«ii ZtfbaflUimrMn^, blMtetlflftli 

der Grönde bewusst zu werden, ohrtö durch Grübeiri sich 
irre leiten za lassen. Mit einei- merkwürdig^eA Lebhaftigkeit 
- nrld Schnelle beobachtet m alle fidssere Ei^^enschäfteri seihei^ 
Uln|^ebungeu, /iUtnal wenn diese ein besonderes Interesse fBi^ 
^ haben. Diese Wahrnehmiin^s^sgabe Ist von gi-ossem Eitiii 
fltlsse auf den Chairakter des Weibes. Indem es dieses Yei^ . 
IM^tn stttä rege bü erfaaiteh strebt, sacht es imtner hälcH 
m^lien Geg'ensMiiiito, iie «s iii TluU^k^liisctli&ei^ itad«iföl|;t 
ftlsdl d«» ;4fllf«4;uifij:eii5 dil» 4kiif Mäld Wetäe id ikiü dn^^ 
Mbllt mugi&rde tttid VlaMMiffj^dit, pimdlleä» 

Hfri^llbünfg mii'Abaiihm Mnd dfiß |l\>Fg^ 'diM^ Eig^MMM^ 
lichkM M -W^bei^' Aiteiil gerade diei^es ^^f&^ddft 
wirkende, rasch zu erweckende arid das Weit) ohne Schwan- 
ken söhrtell zu Handlungen anregende Wahrnehitiahgsvet'^ 
mö^en gibt bei richtiger Au«;bildarig tH ndttncherlei bei^.ieha^^ 
dem Weibe ein lJeber<reivicht vor dem Miinne, und macht es 
nur Ausäbang der ihm auferlegten Pflichten tüchtig. Das 
Weib' fblgt g^ewöhnlieh dem Drange äd^e^ Heriisens, den et-- 
kiM tMd natörüdbeil Oerdhlea and ündet selde Gläekseltgkeit 
tu dW El^ltoU^ ddihdl" Gemilthe im j^imeh PfiitU 
M% iti 'deir mAgl^H^ Md Liebe M d^dk BUilfd ddd de* 
ffinilmi» INe HtfkHnig«n del Wdbes stdd ddhi« öH rfäH- 
tige^ dnd'biiü^r, die dH MBärn^ 4ä dl^ dMüettdtt 

Dieses Wahrnehiiiüngsvermögen bezieht sich abei^ tiirfit 
bleü afuf die Außenwelt, sondern mit kleinlicher Sorgfalt be- 
Oblfcbtet das Weib aueh sich selbst, und sucht darom Alles 
£tl vef Meiden, was einen unän^ehehmen Eindruck bei An- 
dern hervorrufen kann. Der Maün fördert voll Seineiü Ne- 
beütiieiisdb^D Aohtodg und ßbrfiire^^l^ will erildb^a dlibei-^ 



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868 Busch : Da« GeMhleebttleben de« Weibea. 



nen, das ist sein Streben , sein Ehrgds, sein Stolz^ 6m 

Weib dagegen will liebenswördi;^ erscheinen, erfreuen, er- 
gut/.en, anziehen. Artet dieses Streben aus, so wird es Ge- 
fallsucht. — Auch hier verhalt sich das Weib im Gegensatze 
gegen den Mann mehr passiv, es bildet nur deu Gc^enstwly 
zu dem Andere hingezogen werden. 

Während der Alann das Verhältniss des Menschen zu 
seuiem Mitmenschen durch eine* strenge Gesc^tz^ebung liest- 
gestelit wiesen will, und wührend dadurch > so oft eine gß^ 
wisse Afi^escUossenheit and ScIuroCheit) -weksho derTeC"« 
stand so leicht hedii^, hervortreten 9 cfrheht.sich das Wnih 
vermittelnd und besänftjlgend; indeni sein reiehes Gemfith 
.das Band der Gesdlsehaft von^einer sehönero, mildem, we- 
niger strengen Seite auffasst. Seine Üeurtbeiiung der äus- 
sern Verhaltnisse seiner Mitmenschen gestaltet sieh ganz 
anders, als die des Mannes. Mit Gewandtheit. Schnelligkeit 
und Schfirfblick erkennt das Weib die Lage seiner Umge- 
bung, und beurtheilt sie mit einer Klugheit, die den Mann 
zur Bewunderung hinreisst. Die rasche Anwendung der io^ 
tellectueüen Krüfte befähigt da^ Weib, die Uandlungawcistti 
der Menschen schoeU.za elrken|ien, und diese entweder zu 
benutzen, oder sieh vor ihnen zu wahren, nn4 .wichtige An^ 
gelegenheiten oft mit grosser IHeschicklichkeit zn-teiteo. 

Dagegen zeigt sich in den Affekten und Leidensijiaflen 
des Weibe» bänAg ein umgekehrtes Verhältniss. Bisher hat 
sich das Weib mehr an das Aciissere, an das Reale gehal- 
ten, liier verirrt sich das Weib mehr in das Ideale, in das 
Autfallende, das Grossartige, das Romanhafte. Der Mann 
• sucht für seine Gefühle und Leidenschaften Gründe 3 die Mo- 
tive zu denselben sollen in der Vernunft liegen, jene sind 
demnach nur secundär. Das W^b hat für seine Gefühle und. 
ijeidepschaften keine andere Motive, als dass es sich in die» 
sen gefällt, und dieser Trieb wird, oft ^so rege in demselbefl^ 
and entwiekelt; sieb hineilen in^dem.GjradQ, dass er jknuilc^ 
hafi erscheint und zu eigenthämlichen.Voifftellungeii oadYI^ 
«onen Anlass gibt« — Bleibt .dieser f rieb in den geh^^rigen 
Schranken, so erscheint er hoch und edel in dem Mitge- 
fühle, welclies das Weib ohne allen Egoismus gegen alle 
Wesen so schön an den Tag legt. Das Weib ist einer Hin- 
gebung, einer Aufopferung fähig, deren sich der Mann nie 
rühmen kann. Mit welcher Liebe, Sanftnuith. und Geduld 



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BiMi;li : ^ Da« GetchLechttleben de« Weibe« S69 

vermag es die Leidenden zu pflegen! Umi wie ^erne wid- 
met es den Hälf8bedärf%en eine Thräna des Mitleides und 
sucht sie durch Trost zu erfreuen, wenn es nicht helfen 
kann! ' ^ . 

l>ie Religion ist dem Weibe mehr Gegenstand des Ge-^ 
Übifl^ ab der Forschung. Das Weib liebt in der Religioii; 
das Imposante, das Prunkvolle, den Glanz der Kirche; es 
aeigt- eme «bedingte Hingebung an den Glaobto, es wird 
vom Aeossern gefesselt« Sein Glaube' wird nfcfat durch GrOnde 
feleüet, seine Glückseligkeit besteht in der Hingebung joi^ ^ 
dem Unendlichen, (Jnerforschliehen. Danini' liebt es glän- 
zende Formen, hält vij^l auf den Ritus und kömmt leicht zum 
Schwärmen oder zum Aberglauben. ' > 

Hinsichtlich der Leidenschaften des weiblichen Geschlech- - s - 
tes sind die Schriftsteller verschiedener Ansicht. Roussel 
B. halt das Weib »keiner heftigen Leidenschaften fähig, 
weil sie nicht seiner Constitution entsprachen; Rudolph! 
dagegen glaubt mit Recht, gegründet auf die Erfahrung, 
iasft die Leidenschaften bei den Frauen mit mehr Energie. 
berrortretM JOfie Liebe des Weibes z. B» ist grenzenlos, 
kein Eigennutz leitet sie, kein Ungemach stört sie, kerne 
Aufopferung vernichtet sie, aber aueh der Hass des Weibes 
kemut keine Schranken. Ein grosses Interesse kann ei- 
nem bei weitem geringem Widerwillen geopfert werden. — 
Man macht den Frauen Schwäche, W a n k e I m u t h ^ I n- 
con Sequenz zum Vorwurfe, allein dieser ist doch nur zum 
Theile begründet. Das Wcib trägt Kummer und Leid mit 
Ruhe und Ergebung, und 8rhmerz mit grosser Geduld ; es 
unterwirft sich sanftmüthig dem Unglücke, obgleich sein Ge- - 
lihi nilchtiger als das des Mannes ist. 

Das Weib ist hinsichtlich des Charakters sanft, mitleids-^ * 
voll j versöhnlich, and versässt dadurch die Bande des gesel- 
ligen Lebens als liebende Gattin ^ ais liebende und pflegende 
Mntten Hat aber eine fehlerhafte Erziehung auf den Oha« 
rakter des Weibw Einfluss gehabt, hat es die natürlichen 
Grenzen seines Verhältnisses zum Manne tiberschritten, ün-w' 
det es seinen Wirkungskreis zu enge gezogen , will es sich 
seiner Abhängigkeit entledigen, oder fühlt es sich gegen An- • 
dere seines Geschlechtes zurückgesetzt, und weudet es seine 
geistigen Kräfte und seine Leidenschaften dazu au, die Rech- 
te^ welche ihm entrissen scheinen, zu erlangen; so wird ea 



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listige argwöhnisch, eifeirsueli^i^ r nitmsdlitlirili md mIh 

süchtig. ^ Das männische Wesen ain Weibe tritt als Schaoif« 
\^lgkeiU Hoffart, Ideenschwindel und Unglauben auf. 

Das Verhältniss des Weibes zu dem Manne ist das ei-* 
n^s Schützlings zu dem Schützenden. In dem Geftühie sei-. 
r|^- Sfoliwache schliefst sich das W eib an den starkem Mann 
and SMcht in ihm eine Stütze, — Ein« gehildete Fran 
flMlU eMk unbehaglich und unglöcklicJi , wenn m «Mi mem 
Hl^nniQ ^«(^ifideA.iati .d«a »B nicht nehten kann, den sie - 
^^hr mit IMm Vfir^tmir^ als mit Amnatii ^ind iiidb« Jeitan 

Allenthjilhen ist das ^ITtBib tii|fahd|iiiftci!y wa dte lkuM« 
gamic eingeführt, und das Weib dem Männe «icllt vsterge^ 

. ordnet, saodern als Gefährtin des Lebens bei^::c7xeben ist. 
Vnterwtirfig k ei t erstickt leicht die edlern Gefühle ^ Klugf^ 
hcit und l<ist erforschen die Schwächen des Unterdräckers. 
Dus Weib ist eben so leicht zum Guten, als zum Bösen zu 
Ifmk^fff Werden durch falsche Bildung oder durck andere 
äussere Einwirkungen die natürlichen Gefühle, namentliclk 
ii^ fif^lMmk^l^hti^^ ^rstkkt, dann ist der Kdoi m aüfiin BiW 
seil g^^gß^f 

Un UßkB Weih von der physischen Seita 
Öe9 Hm Ven£( vadit aqf den Untenichiedl, der zwiaehe» 
vVeib und Maun sowohl hmsiohttich der iflfssera Perm nnd 

Gestalt, als auch hinsichtlich der OrgantstÜsn und des BMk* 
es der verschiedenen Organe stattfindet, aufmerksam. -— Er 
vergleicht den ganzen äussern Habitus, das Zellgewebe, das 
Haut-, Blut- und JXervensystem, die Sinnesorgane, die Mus- 
keln, das chylopoetische und uropoetische System und die 
Knochen des Weibes mit jenen des Manne% und benutai hier 
die gemachten Beobachtungen und Untersuchungen. 

IIL Gins W^eib in gesi^ h lecht lieber Be»iehun||f«, 
Iii dep GeBehlschlsorgahe" ist der Unterschied «wischen 
Mann nnd Weih an ntürfcsten gmgej^gi. Hier neigt. sM 
das polare Verhalfen in iknilichsten; Bei ^en Weihe henw 
sehen die Zeugungsthetitf ver; indem 4ler Fracfatgang den. 
Staat nr bildet, in welchen die kimze HairnMihre sieh, einmfin^ 
det, wahrend bei dem Manne die verlängerte Harnröhre durch 
die anliegenden Zellkörper Zeugungsglied wird, und hierfdr 
den Stanun bildel, und die Möndun^ea der äiamengünge naß» 
nimoit* 



« 

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PI w «jBehlteii Woche^ des BnbfydohsiMf ninml mi 
Prodit ntili- keine deaclitoehlBvmobiedeiiheii wahr, 
doch glaiifcl der Hr. Verf. , dass der Urtypii^ der Genitalien 
weder als rein weiblich noch als rein mannlich zu betrachten 

sty. Er gibt die allmäh'ge Entwicklung der Geschlechtsor- 
gane nach den neuesten Untersacbangen an, und weis't das 
umgekehrte Verhalten dieser Theüe in den beiden Geschleoh« 
• lern nach. 

In genauer Beziehung zu dem (ieschlechtssysteme ste* 
heu die Stimmorgaoe. Auffallend verschiedco sind die Stimm« 
Organe des Weibes Ton jenen des Manoes. Der Hr. ¥er& 
liefert) vorzugsweise nach Ackermann und J* MlUler, eine 
gwunie Beoehreiboai^ dofwlben» 

IV. Das Weib nach dbr TcraohiedeBbett den 
HiniHielsatriches und der Nationen« ' 

0le Vorsditedenheit der Fmoen in einseinen Lindem 
und Himmelsstriehen spricht sich sowohl in der körperliehen, 
als auch in der geistigen Entwicklung aus. Bei den Erauea 
tritt die Nationalitat starker als die Individualität hervor, und 
die zu einem Menschenslamnie geliörigen Weiber haben mehr 
Aehnlichkeit mit einander^ als die Manner, aber am meisten 
tritt der Gescblechtscharakter hervor^ und die Weiber sind 
daher unter einander weniger verschieden , z. B. in Hinsicht 
naf die Grösse, so das» sie (^naeh Burdaeh) unter Sttim<* 
Ben von hokem Wüchse am Vieles, anter sdäien van kiel* 
nem Wachse nor weni|^ kleiner als die Mfinner sind* . 

Der 1fr. Verf. se|dldert das Weib nach der Versehieden« 
heik der Nationen , der Stimme und liimmeistrieke xn Fo%is 
der Forschungen nnd Beobachtsngen der besten. Schriftstel- 
ler und Reisenden. Eine besondere Röcksicht hat er den 
verschiedenen Beckenformen bei den einzelnen Menschenra- 
cen gewidmet und eine Tabelle der Verhältnisse des weibli<'- 
chon Beckens von verschiedenen Menschenracen nach Vro- 
lik mitgetheilt. Ree. hat schon an einem andern Orte (^Neue 
Zeitschr. für Geburtsk. Bd. IV. S. 310.) darauf aufmerksam 
gemaciit, dass noch viel zu wenig Becken von Malayiunea^ 
Betokudinnen , Javaneserinnen etc. untersucht worden sind, 
nm darauf Ra^enditferensen gründen zu können. Man rufe 
sieh bei solchen Gegenständen Ittels die Worte Gu vieres 
(Bitovdu Mnsenm tfhistoire naturelle 1817. IILJ in's Oe- 
diehtiliss: ,,IMnfois je suis bien lein de pretendre fidre de 



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m 



BiMcht Hai OmAUkUMfUL 4ci WailMi. 



ees [MMrtieolarites des caraetöres 4ß race. • 11 UmdrM «iifani- 
vant avoir examiiie un asaes jf^and nomlMre de aqoeletleo 
paar a'aasurer qa'il n'-3r-4i en cela rien d'mdiyidoeL^^ ' , . 

Das 2 weite Capitel "(ß. 88^tl8) handelt tob dem 
Weibe im kindlichen Alter, and betraehtet 

I. Das Weib im EiDbryozuätande , uud IL Das Weib 
im Kindesalter. 

Ausser dem Unterschiede, welchen die Geschlechtstheile 
hei Embryonen darbieten, zeigen die männlichen und weibli- 
chen Fötus noch andere, obgleich unbedeutendere Verschie- 
denheiten. Der Ur. Verf. gibt diese nach iSoemoiering'a 
Schilderung an; 

Die Erfahraiig hat nachgewiesen, dass weniger Mid* 
dien als Knaben Kur Welt kommen; allei» dnreh die grös- 
sere Mortalität des münnllcben Ge.schlechtes in versehiedeneo , 
Lebensaltern wird dieser Ueberschnsa an Knaben nicht blos 
ausgeglichen , sondern es tritt sogar ein umgekehrtes Ver«. 
hahniss ein. Der Hr. Verf. theilt eine Zusammenstellung, 
welche B ick- es nach mehr als siebeiizig 3IiIlionen Geburten • 
in verschiedenen Staaten und Provinzen gemacht hat. mit, 
und liefert eine tabellarische üebersicht der in mehreren Län- 
dern innerhalb 5 Jahren sowohl eltelich, als unehelich gebor«^ 
nen Knaben und Mädchen. Das Verhältniss der neugeborrien 
Knaben zu den neugebornen W.idchen ist etwa 106 ; 100# 
Dei unehelichen Geburten ist das Verhältniss der Knaben um 
den Mädchen etwas ^reringer, etwa wie 103:100. Auch der 
Aufenthalt in Städten Und auf dem Lande soll einen Binfluss 
auf die Erseengung^ von Knaben und Mädchen haben, so dasa 
in den Städten das Verhältniss der Knaben zu den Mkd* 
eben etwas geringer, als auf dem Lande sey. 

Das Clima soll ebenfalls einigen Einfluss äussern, so 
dass ein heisses Cliuia die Erzeugung von Madchen begün- 
stige. Allein die Vero^Ieichung zwischen den warmen und 
kalten Ländern Europas bestätigt diess nicht, und von den 
Ländern anderer Erdtheile fehlen uns noch genügende Zo« 
aammenstellungen. Was uns Quetelet in dieser Beziehung 
vom Cap der guten Hoffnung Irrfcrt, betrifft wehr- die Beob- 
achtung über die weisse Bevölkerting und diei Sclaven> da« 
a^lbat. Allerdings geht daraus in Bjea&og auf die Weissen hefw 
vor, dass i|as heisse Clima der Erzeugung der Mädchen gdn^ 
etig sey j allein die Beobaehlung bei den SIclaven widerlegt 

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x Baiilil 



4m VMhMk flu 



4lMf «Mer.— Giro A de. BasareficMf». will aineii 
stttd^ fimflins aaf die Erzeugung vosOKmifeien end M&d« 
elMii in dem Stande imd GcacMifti^ ^ Bllern finden. Ge« 
Schäfte welelie die physischen Kräfte steigern, z.B. der 
Ackerbau, sollen die Erzeugung von Knaben, jene aber, wel- 
che dieselben erschöpfen, z. B. Manafacturarbeiten , die von 
Mädchen begünstigen. Es fehlen hierüber nähere Nachweise 
doch verdient dieser Punkt eine Beachtung. — Ferner soll 
das verhaltnissmässige Alter der Eltern auf die Erzeugung 
ven Mädchen und Knaben einen Kinfluss haben, was sich al- 
lerdings ayMh den Beobachtai^n vao Hofacker und 8 ad-« 
ler bestft)lgt Ist der Vater jünger, als dle^Maiter^ an be« 
güfiBÜgt dieses die Erzeugung von MidcAien; das gleiche 
Alter der Eliegatten wirkt auf glelehe Welse ein; nt der 
Vater-älter, als dMs Matter, so begünstigt dien diefirsengung 
von Knaben. * . ' • 

Zuweilen hat periodisch die Erzeugung des einen Ge- 
schlechtes ein l^ebergewicht über die des andern, worüber 
ßutty einige interessante Mittheilungen gemacht hat. 

Im Kindesalter tritt der Geschlechtsunterschied immer 
mehr hervor. Her Hr. Verf. schildert denselben sowohl > on 
somatischer, als psychischer Seite nach der stufenweisen £nt^ 
Wickelung mit bekannter Umsicht und Klarlielt. 

Das dritte CapiteJ (8. 118—4683 die Ge^ 

eeUeeiitsreifb des Weibes* DieVerftndemngen Im kindlichen. 
Aller beziehen sksh vorzogswelse auf die Ansbildung des Or- 
ganismus selbst, niitliin auf die Individualitilt. Sobald aber 
die Periode der Pubertät eingetreten ist, ändert sich dieses 
VerbäUniss, das Weib lebt nicht mehr blos für sich, sondern 
. aach für die Gattung. — Das Alter, in welchem das Mäd- 
chen die Mannbarkeit erreicht, ist nach verschiedenen Ver- 
hältnissen, die theils allgemein und kliitoatisch, theils indivi«- 
daell mehr durch die Körperconstitution oder die Beschäftig 
jgong und Lebenswdse bedingt werden, verschieden« Ute 
verscbiedenen Menschenracen eiitwtekelu sksh mit verschie- 
dener Sehnelligkelt^ - Das Euitreten der Menatraation ist im. 
Allgemeinen diejenige EuBcbeinuniC) weiche die' Beife des 
Weibes vQvtKtigs weise ebarakterimrt, wesafealb man aaeh da« 
raaf besondere Bäeksiebt «! lähmen hat Der Hr. Verf. He«' 
fert mehrere Tabellen, die theils das mittlere Alter der Men- - 
i^troatipnsaeit, theils die Repartitionsweise nach dem Alter 



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4 

ihier «ntoi MenslNiatloii v«b 4eo fe Tenehi^entR MMüii 
MtachMeii IViiiiei», 'theila das VieiMlIiiiBs von M te vip« 
flolrfedeiMii Altem ih dcrSiadl mid auf dein Lande nenstrair« 

ten Kranen, tfieüs die verschiedenen Verbindungen der Farbo 
der Ilaare und der Augen mit dem mittleren Pubertätsalter 
angeben. Er schildert die körperlichen Verhältm'sse des rei- 
fen Weibes, zumal die Ausbildung der Brüste, der Genitalien 
und de« Beckens mit grosser Genftui;2:keit, wie auch die. 
Funktionen der weiblichen Geschlechtsorgane.—^ Die Jung- 
fraaschaft wird einer besondern Beräcbaieht%iaig gewürdigt, 
vnd die phjnsisakeiv Zcielien ^tvseMbeii werden- «nsliadlidi' 
angegeben imd geprüft. 

. Dieses Capikl iMuidelt In adu UatevabtheHaiigein ■ - 
L Ton der Ifeiislroatlon^ IL Von dem Gesehlechtstrlebe^ 
|D. Von dem Be»elilafe^ IV. Von der Befrediiung; V. Von 
der »Schwangerschaft; VI. Von der Geburt; VII. Von dem 

Wochenbette; VIII. Von dem Säugjingsgeschafte. 

Mit grosser Ausführlichkeit und mit sachgemasser, scharf- 
sinniger Kritik sind diese Gegenstände und die darüber aufge- 
ateJÜen Theorieen und Hypothesen bearbeitet. 

Wir würden die in dieser Zeitschrift nns fnr eine An- 
aeige gesteckten Grenzen überschreiten, wenn wii^ uns auf 
das Einzelne näher einlassen wollten, wesshalb wir die Le- 
ser anf das Wenk salbst verweisen. 

Das vierte Capitei besehfiftigt sieh mit der Deere- 
pidität des Weibes. Der Hr. Verf. sohilderl kwz nnd 
bändig die Vorgänge, welche man bei dem Weibe fn dieser 
Lebensperiode wahriiimmt, liefert vergleichende tabellarische 
Uebersichten über die wahrscheinliche ^ind luiltlere Lebens- 
dauer des weiblichen und männlichen Geschlechtes und gibt 
einige Mitlheilungen über die 31ot taiität beider Geschlecliier 
in den verschiedenen Lebensaltern. 

Nachdem der Hr. Verf. nach der von uns hier mitgetheil- 
ten Uebersicht das Weib in physiologischer Hinsicht geschil« 
dort iMt, gebt er zn dem zweiten Absehnitte, den* die 
allgemeine Patholegie des Weibes enHiüilj tber. 

Oiisser Absebnlit (S; 478-^822.3 zerfiUÜ M ffinf CapitfaL 
• Btetes Capf'tel. Voe den Eigeotbimlicliic-eilmi d«i 
Weibes fm kraokhalte Zustande C^-dTSMiBr.) 3 hier sprielil 
der Hr. Verfasser; * » ' »' 

L Von dem Einflüsse des Gesohljcchtsuntersohiedes auf patho-^ 



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4m G«sohleobMa>nter$chiede8 auf hftsondere patholo^iaebe 
r Zustände. 

Zanächse untersucht er, weiche li^igenthüoiliohkeiten die- 

. jeiiigen Krankheiten hei dem Weibe zeigen, welche sowohl 
bei dem Manne «la bei detn Weibe vorkommen können, dann 
aber, welche Ei^enthümiichkeiten dic^iefiigen Krankkettea 
äussern, welche bei dem Weibe, allein vorkomme»» Hinsici^ 
Uck der ersten Untersiichung «ueht er daxmlegefi^ anf wel«t 
ehe iae 4m Kpaokbaüatoaifn im All^eailifneB- m ihrem 
Erscheineo, ihrein Verlanfe und ihren .Ausgänfea -bei dani 
WBilkt modiMtt weHbn^. aitf WeMe «i^eiäiflmKahe J^eiaA 
aia nnffdaßtM» ejiiwjrfc«o^ «ad anf .wdehe Art dar<weiMidi« 
^ Organismus in somatischer und psychischer Beziehung von 
ihnen afficirt wird. Ferner erörtert er, wie sich die einzeU 
nen Systeme und Organe de« Weibes zu den krankhaften 
Zuständen, und ebenso, wie sich die einzelnen Krankheits- 
formen zu dem Geschfechte verhalten, und endh'ch gelangt 
er zur Beantwortung der IjVage, weiches von beiden Ge-# 
schlechtem mehr zu Krankheiten ndg^^ das männliche odea 
weihlielie*^ Oaaa abgesehen van den Qesohleehtsverriehuin«« 
gen das Wethes und der^ Bexiehiiivif^ m dam Otsamts»^ 
ganiams and daten filnlhias anf Krankhdtsereengnng jf^hiahl. 
Er» Boaeh C^egen die Meiilang'C. L^sKiose^s}, daaa diai 
ganze Naiar des We^a zur Untwiekehing krankhafter Thä^ - 
tigkeit geeigneter sei, als die männliche; obgleich auch seine 
Beobachtungen bestätigen, dass das bedeutende Uebergewicht^ 
Virelches das weibliche Geschlecht zu seinem Nachtheile in 
der Krankheitszaht vor dem männlichen zeigt, grossentbeils 
in der MannichfaUigkeit der geschlechtlichen Funktionen und 
.der so zahlreich hierdurch bedingten Störungen begründe!: 
sei. Der Hr. Verf* hegründet seiaa Ansicht durch eine sin*»' 
tistfsalie Tabelle aas der Stadiannettpffasna' in- Barlhiy* an» 
weleher allenfinica hervorgehty. dass die Zahl de« Erkran;» 
kungen bei dem welbilehen Gcsohledite aelbal tar 'der ^ Pi»* 
hertät^and in der OaercfiidiMUBapache ^rösedr^ 4il« :hei dem 
männlichen Geschleohtc ist. Biar.'von der ersten Leben«zeit 
bis zum 5. Jahre koinnien nach dieser tabellarischen Ueher-' 
sieht bei dem männlirhen Geschlechte mehr Erkrankungen, 

- als bei dem weiblichen, vor; vom 6. Jahre an aber stetig bis 
IH 49^ höobsie .AÜe« jat die Zahl der^ weiblichen- Kranke 



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I 



Butebt Dm 6etchUcl»tol«bM dM WetlMt;^ 

bedeutend fiberwie^nd. Es wäre' m wfiimeb^, du» an an« 

dem Orten ähnliche Zusammensteniin^en gemHeht würden, 
um durch Ver^leiehiin^ zu einem klaren Ergebnisse zu gelangen. 

' Das, was derHr. Vrf. von dem Einflüsse des Geschlechts- 
unterschiedes auf besondere pathologische Zustände sagt^ 
muss dem Leser zum eignen Studium dringend empfohlen 
werden, da es sehr reiciihnltig und nicht gut in Kurse aiw« 
snsiehen ist 

Zweites. Capitel. Von den Clescblechtskninkheiteii 
des unreifen Weibes im Allgemeinen« (8.987— 61T). Hiür 
bandelt der Hr. Verfasser: ^ ' 

L Von den Gesebleebtskrankbetten des Weibea nach' den 

versebiedenen Entwickelungsstnf^n im Allgemeinen ; II. Von 
den Krankheiten des weiblichen Fötus: III. Von den Krank- . 
beiten ties Weibes im kindlichen Alter; IV. Von der Zwit- 
terbildung^ y. Von den Geschlechtskrankheiten im 

Kindesalter. 

In dem ersten Capitel sind die Krankheiten, welche so-^ 
wohl den Mann, als das Weib ergreifen, im Allgemeinen be- . 
trachtet; iiier handelt aber der Hr. Verf. von den Krankhei- 
ten , welebii dem weiblichen Geschleehte eigenthämUeh oder 
vonmgsweise angeborenw Den Begiiir der W«iberkrankhei« 
ten stellt der Hr. Verf. dahin fest, dass er nn denselben alle, 
diejenigen Uebel redinet, welche von dem weiblichen Ge- 
seblerhtssystenie ausgehen oder in diesem ihren Skz haben. 

Was die Krankheiten des weiblichen Fötus betrifft, so ken- 
nen wir aus diesem Zeiträume nur die organischen Veränderun- 
gen und namentlich die Missgeburten genauer. Die Erfahrung 
lehrt, dass mehr weibi. als männl. Missgeburten vorkommen. 
Die Verschiedenheit von beiden Geschlechtern in dieser Be- 
siehung spricht sich auch darin aus, dass gewisse Formen 
von Missbildungen mehr bei dem männlichen, andere mehr 
bei dem weiblichen GesehJechte vorkommen. Burdash- hat 
darfiber eine interessante Znsammenstellang gemacht, welehe 
der Hr. Verf. hn Wesentlichen mittheilt. 

In den Kindesjahren bescbrinfcen sieh die Krankheiten 
des Mädchens, welche durch das Clesebleeht bedingt werden, 
lediglich auf die Sexualorgane selbst; indem der Einfluss und 
die gegenseitige Beziehung dieser mit dem Gesammtorganis- 
mus im kindlichen Alter noch zu geringe sind, als dass sie 
nigentbümliclie Oeschieehtskrankheiten, welche meiir den gan«. 



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B«m1ii Oia6«eclitMli««kbMi dcsWetbM. HS 

mh' Oi^s^uiismiis er^ifen^ veraraBeheii 'soUten. Hier sMt. 

der Hr. Verf. mehrere orgfanische Fehler auf. Dieselben 
stammen sämmtlich aus dem Fötusicben her und können nicht 
als besondere Krankheiten des Weibes im kindlichen Alter 
angesehen werden. Das Gleiche j^ilt vom Uermaphroditis« 
mus. i)iese Unterabtheih}no;en hätten demnach fü^^lich we^-< 
bleiben können, oder hätten vielmehr mit der II. ilnterabtlMH 
laii|^ dieses Capitels verschmolzen werden sollen. 

Zu den Geschlechtakriuikheiten im Kindesalter zählt der 
Hr. Verf«. einige Leideo, weiche sehen firahe die weiblieiies 
GenileKen er^preifea, z.B. Entsondan^en, Geeehwiiafe, AIk 
•eeese^ KettaUagerungen Q.dgl., ferner den 8ehamlip|ienhrMil 
der Mdehen^ die eeUelaiigett Abmideningeit der Sehcidey 
welche bei Jungten Madchen in Fol^e von Würmern und Dy»» 
cr.asien bisweilen schon frühe erscheinen. * - 

Drittes Capitel. Von den Geschleclitskrankheiten in 
der Entwickelongsperiode des Weihes im Allgemeinea. (ß^ 
W7— 631.) 

Die Entwickelungsperiode ist für das Weib von viel 
grösserm EinAnsee upd mit grdaserer Gefahr veriNinden, ato 
för den Mann. Fasst man die wiehtigen^ in. den ganiien Or«* 
ganianna lief eingreifenden Veränderungen , weiche bei deai 
Weibe in dieser Epoche erfolgen , auf, so muss einleachteiii ^ 
das» soich^Torgünge so ouinaidifaclien und eigentlififlriielm 
Krankheiten pr&disponiren. Jedes Organ -hat zur Zeit der 
Entwickelun^ die grösste Empfänglichkeit für Krankheiten. • 
In der Pubertätsperiode beginnen die weiblichen Genitalieq 
nicht blos ihr ei»;enthümHches Leben, treten aus ihrer bisher 
rigen Kuhe hervor und wirken selbst im gesundheitgemä-» 
sen Zustande -auf den Gesammtor^anisuius, sondern auch die^ 
ser erreicht in diesem Zeitabschnitte eine höhere Entwicko* 
hmg — Die Verhältnisse, unter welchen die Entwickelaiigs- 
luthnkheiten bei dem weiblichen Geschlechte anftreteii^ aiiid 
in Allgemeinen folgende: a) Es bilden sich hi Fol^ge einer 

- KU gesteigerten localen Tiiitigkeit der Geschlechtsorgane . 
topisehe Krankheiten in densel^n aas, welches neiaei^rtlich 
dann geschieht, wenn die Menstrualthätigkeit vorhMdea 'm^ 
es aber dennnoch nicht v^ur Ausscheidung kömmt; 6^ Die 
Geschlechtsorgane werden anomal in ihrer Entwicklung ge-« 
hemmt, und sind dann unfähig, ihre Funktionen zu verrich- 

« teo^ oder sie , entwickeln sich räumikh, es fehlt ihnen aber 



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§18 Bnwh: Di« GeichIcchUleben des WeibM. 

die Energie, muh findet Erweiehim^ and Bnchlairdn^ der 
Gewebe U.S. vv. 5 c) Der allgemeine Organismas nimmt an 
der ßntwickeiuni^ einen zu starken Antheil, die Thüti^keit 
des Nervensystems ist anomal gesteigert» oder d) die Ent-^ 
Wickelung flieht langsam oder nicht von Statten, der ^nnze 
Körper verändert sich wenig, die weiblichen Formen bilden 
sMf Hiebt aiii^. Hier nimoil gewöhnlich der ReprodurtioiifiH- 
process Antheil) die Verdam^ 'wird gestört ond alieniri tu 
& Dk»^ Verüthiedeneh VerliftitilvM 8(ell«ii in ihreo 
aMnidhfiwlieh VilrfaindiMgen* und AMtrAtni^ eine- Meng^ 
fihuikh^iBftiitten ilar, «r^dw insoton eimik «IgtfitliMielKeli 
ClMinkter ün dieb tragen, ills däs Nerrnieystslil ijiiiin grm* 
sen, wenn äuch nicht stets ^lehchmifssf^en Antheil yilmilt. 

-Viertes Capitel. Von den Geschlechtskrahltbeitea 
des reifen Weibes im Allgemeinen (S. 631 — 808. 
' Es ist schon fnilier angeführt worden ^ dass das Weib 
bdilfiger^ als der Mann Krankheiten utiterworfen ist; rörzugs^ 
weise ist diess aber der Fall in den Jahren der Bläthe und 
ier BeiSe, da iti dem Alter von lS— ^45 Jahren um die Hälfte 
flN5hr li^niaeil als Männer erkraokeow Die Prognose atdlt sith 
dagegen Wi Weiliei*ii günfrtfg. Obgkdeh mebr «rlinihM 
keti^ tie ist die SterbliohlU»! dodh gMnJser, ai9>e» denMiiiM 
Mem,' wie diess Casfier naefag^evrieseii hati ^ Aoeh M 
ebetlelieVeHiiltnIss hat <^en günstigen IMusB tMt tfle Oe-^ 
öuiidheit des Weibes. ■ - * 

Der Hr. Verf. handelt in diesem Capiteh 
Voti dem Eindusse der Geschlechtsorgane auf die Erzeu- 
gung von Krankheiten; II, Von den Krankheiten der Men^ 
8tru«ition im Allgemeinen; III. Von dem GesChleohtstriebe 
in pathologliScher Beziehung ; IV. Von der Begattung in pa- 
tbologiscber Bes^.iehang^ , V. Von der Schwarigerschaft in 
pilb0logiseher Beitiebun^; VI. Von der Oeburr ia fialholii^ 
jpbehef BiüBlehitdgl VII. Yoif dem Weehetibetffe In fMithakM« 
ilsAer.BesiükiiAg; Vllt. Ton de» lErabkhelteii der Siiiu 

gtsttden im Allgemelneiw 

Mtt adsges^eichheter GiM^liehkeit werdet! diese Oegeif- 
stände einer nähern Betrachtung unterzogen und allenthalben 
die Beziehung des Uterus in seinen vei'schiedenen Verhalt-* 
niiisen zu dem Gesammlorganismns gehörig gewürdigt. Die-* 
^es Capitel verdient eine ganz besondere Beröcksicbtigaiii^ 
der Leser. 



1 

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Fünftes Capitelk Von den Gesehleehtskrdnkheiten 
des Weibes in den Jahreo. der Decrepidität im Allgemeinen 

(S. 808 - 822.> 

Man findet fast allenthalben die Ansicht ausgesprochen 
dass die Decrepidität des Weibes die häufigsten und gefähr- 
' liebsten Krankheit^ liediiige : allein die neuern Un^ersuchun- 

gen haben bewiesen, dass die Mortaljt&t bei dem weiblichen 
eschlechte in den hphcrn Jat^^en nur^in demselben Yerhlill- 
nisse^ wie bei dem' minnliciien^ steigt, wie diees die 2usam- 
menstelluiigen von l)epareieax, Cpateaanenff Oasjier 
u. A« darthnii. , . 

Das Weib nähert sich in der' Decrepidilätsepoche phy- 
siologisch und pathologisch dem Manne, und bietet darum 
auch nur geringe Verschiedenheit dar. — Eine besondere 
j^erücksichtigung verdienen in dieser Periode die Krankhei- 
ten der Genitah'en, die gewöhnlich einen chronischen Verlauf 
nehmen und zu Desorganisationen neigen. — Die Leiden des 
GesammtorganismufiT in den klimakteriscben «fahren charakte- 
risiren sieb vorani^weise d^r^h ein vorwaltendes Leiden des 
'Bltttsystems. — ' . 

Ans dem gedr&d^ dargelegten Inhalte des ersten Iüuh , 
des kann man zur tiennge ersäen, mit ^^releher Grnndiieli* * 
keit und wie umfassend das. ganse Werk bearbeitet werden 
soll. Der Hr. Verf. hat nicht blos mit ganz vorzüglichem 
Fleisse, mit gewohnter Umsicht und Kritik die Leistungen 
Anderer benutzt 3 sondern auch das Ergebniss seiner mehr 
als dreissigjahrigen reichen Erfahrung in dieser Schrift nie- 
dergelegt. — Mit wahrer. Freude sehen wir der baldigen 
Fortsetzung dieses reichhaltigen Werkes, das auch von der 
Verlagshandioiig reebt schdn aa^gestattet worden ist, ent«». 

Mainz. • Dt\ Franz Luäw. Feiii, 



W. Gbtte, über den Ursfnmg Her Tod^titr^ft*. Ii9^4g»M Ol Wigamä* 
ISS». 6\ 104. 8. 



Xotpfl, Ihnkachrift ^ter die Recbtmänsigkeit und ZweckmästigktU ^ 
d€r Tpäuttritft, ihid^U trg, C // iNler. läSO. S. 



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880 Schriften dber di« TfMle«iitrafc von Göüe, Zopfl a. a. v. 

Die Vorlage des Entwurfes elftes neuen Strafgesetzba« 
dies Kar Berathung durch die Badische Ständeversammliing 
hatte .midi veranlasst, in einer kleinen Denkschrift eine in 
neuester Zeit vielHich arigere^|ß StreitfWi^e von höchstem 
theoretidien nhd praktii^chen Interesse ^ die Frnge nach der 
Rechtmässigkeit und Zweckmässigkeit der l^odess träfe 
einer neuen Prüfung zu unterstellen. Hierzu fand ich mich 
um so mehr gedrungen, als die bisherigen Angriffe gegen 
die Todesstrafe (seit Beccaria) lediglich gegen die Recht- 
mässigkeit derselben gerichtet waren, ich mich aber über- 
zeugt fühlte, dass, auch diese zugegeben, d. h. noch eine 
grosse ileihe von Gründen gegen diese 8trafart vorhanden 
sind, welche die Abschaffung derselben aus dem Gesichts^ 
punkte der Zweckmässigkeit als eine nnabweisliche Forde- 
rung der Humanitüt an die Legislation ien. rechtfertigen ver- ' 
mögen. Die ehrenvolle. Wärdigung,^ welche diese Denkschrift' 
bereits in der Kammer 'der Abgeordneten (XXI« öfTentllche 
Sitzung am 11. Juni 1889 J gefunden hat^}, bürgt daflär, dass, 
wie auch immer die Entscheidung der hohen Badischen 8tän- 
deversäminiung über diese wichtige Frage ausfallen möge, 
die gegen die Todesstrafe entwickelten Gründe der reiflich- 
sten und ernsteten Betrachtung uicht ermangeln werden. 
Sehr erfreulich ist es mir, berichten zu können, das^s gleich- 
zeitig mit meiner Uenkschrit^t, und völlig unabhängig von . 
derselben, in einem anderen Theile unseres deutschen Vater- 
famdes, von einem mir persönlich völlig unbekannten Verfas- 
ser, von Herrn W.Götte eine Schrift erschienea ist, welche 
die Frage über die AbschalTang der Todesstrafe gan» Von 
demselben Standpuncte aus beleuchtet, auf welchen ich mich' 
zn stellen ^'orsudit 'hatte; Auch Götte gibt die Reehtmä* 
ssigkeit der Todesstrafe zu, fordert aber die Abschaffung 
derselben wegen ihrer Unzweckmässigkeit. 



*) Der ComntisBionsberirlu liierübcr itt in dem Munahtiiner Joarnil« 
d.J. ^ir. läU vu.iUtäiicki^ abgedruckt* ^ - , 

■ 



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N*. 56. HBlDELBERfiBR 

JAHRBÜCHER DER LITERATUR. . 

Sektiflm über di» VodnHr^ 9m enUj SUffi 

iFortsctxuug ) . 

-./*»» !. / . *, . . «... fk» -•,.•»• • . »'.•••'• 

'Dagegen lit'Jdbar.iii den jün^stan JappeiieiiieOniekBciirift voii 
Pii.B0idel, baulichst ab ABtwart (vidlekhl ricU^ 

^An^rilt'O auf nK^Mie DenksebriHt ersebienen« Es ist vielleicht 
hier nicht un/sreei^net darauf aufmerksam zu machen, dass 
Gölte und ich, als historische Juristen d. h. als solche, 
welche sich auf historischem Weg^ bemüht haben, den Ur- 
-spruüg der Todesstrafe, die verschiedene Art und Weise, 
und die Fälle, in welchen dieselbe nach dem Rechte und den 
Gcsezen der älteren und neueren Völker Kur Anwendung 
Ipfibracht wurde, so wie ihre Wirfcuii^en auf die öffentliche 
'«JHoralität, ihre Bedeutung fiir )4ie*,|^lict4sche Recbt9Wii9^ 
jM|teft> -uml ikt yertiükoifls dfp Hnnaiiitit dar vemclii»* 

4* k^ iwr Eillinii^ ihrer IfngweckmisBfgkeit . wd Vmvßt^ 
iiigltcMiiait 1^. ilea gesellschallUehcii ZwtiiMleii mnm^ 
MtrhMdM» gelangt sind, während eio Philosoph von Faohe 
•vom speeulativen Siaiidpuncte seiner Philosophie aus zu dem 
entgegengesetzten Resultate — der Behauptung der ünent- 
behrlichkeit der Todesstrafe gelangt ist. Die gegen mich 
gerichtete Schrift des Hrn. Reidel zerfällt in zwei Abthei- 
lungen ^ die erstere (kleinere, S. 1—28) enthält eine kurze 
EnftwickeluQg.^aeiner. eigenen Ansicht: die zweite ist eine 
Travestie uf einer Dtanksebrift, deren Worte mein-Gegaer 
sich gr^iMtenthails angeeignet hat.- Ilureh Yersetzangen. dar 
Worle.«Bd,8itii>Bf durch Einflechtung- niancherlat mehr oder . 
««Mer. plumper Aasfaiia aad Kraftaesdriek« , welche aooot 
wriuiler-der am »renigaten phUasophiseh gebiMeten Klasae dea , 
PilWHMnw9.hi<«ehmi4eh sa aelQ pflegen ^ (beaondera hat der 
VierS mit .dm Teafel nnd Teofeleiea au thon) and dordh 
die Beimischung von mancherlei Wiseleien, die einem Mitar- 
heiter an der Dorfzeitung alle Ehre machen würden — hat 

a^rg. 8 Heft.. 56 . 



Digitizca 



881 



MHUte über Iii« ToiteiBKafi 



meio Qegner hier ein Büchlein zu Stande gtbracbt, das gar 
lustig zu lesen ist, und manchem Hypochonder ganz zweck- 
dienlich zur Erlieiterun^ cmpfohlea werden kann. Denuin^ 
achtet ist es meinem Hni.Ge|;ner um nichts w^nig:er, als um 
den Spass za thun: er meint alles gar ernstlich, und hat 
sich€k8B wkküch so äef liiaali|ihiloso|i^ md UMDge- 
wixelt, dass er — (nebadbd^U^/nnd fest Teraichernd, er 
habe sich nnr an die 9ache |[;ehalten, und sey dvrchans nidkt 
persönlich geworden} — änAngt „sa förditen, dass eU* 
her v6h am beiden nieKi mht bei Tröste sein möchte !<^^ 
Darin mag mein Gegner fitr seinen Theil immer Recht be- 
halten — ich für meinen Theii finde mich wenigstens nicht 
berufen, darin seinem Selbstgefühle entgegen kr treten, 
üeberhaupt hat sich man ehrenwerther Gegner bei dieser 
Sache viele überflüssige Mühe gegeben, und sich unnöthiger 
Weise ereifert. Die ganze Tendenz seiner Schrift ist näm^ 
lieh, Ktt beweisen, däss die Todesstrafe rechtmä^sstg sei 
(ein ^atZ) den ick meiner nasdnüdkUchen Erkldnn^ in 
Her Denkschrift vaMg^ nie «Ihestrilten habej. MieraA «^et^ 
tte£a fUtt Gegner 'idtar iiie Bekmqptiiiif c dass wenn die 
üechtindssigkeH einmal AMtcfUfhe, es iMrf die l&weekmfe»- 
sigkeit als etwas Uhtetgeorditetes nicht weiter an- 
kommen könne. Gegen diese Behauptung ^ die einzige in 
Hrn. Reidels Antwort, welche vielleicht in den Augen Man- 
cher einer Replik bedürftig scheinen könntfe, will ich statt 
meiner Hrn.Götte antworten lassen, der sich mit so grosser 
Warme für die absolute Rechtlichkeit der Todesstrafe ansge«- 
'sproehen hat, als es Ur* üeidel selbst kaum \brmocbt haben 
^arde. Götte sagt, so wahr als treffend (Verred. 8* XJ V.J 
„die poskive Gesetzgehmv ist aaf diese Welse mit der Idee 
dier natMIdieH Gereehügkjclt in Ueberelnsiiunmuig g^MMÜ, 
imd von Seften der Reeklmilssigkeil mOohte ekdi- wenig ge^ 
'*gen die Todesstrafe einwenden lassen. Besettn <e n g ea e£ tet 
glaubte ich mich , so weit aaf historischem Wege subjective 
Seitenblicke erlaubt sind, gegen diese Strafe aussprechen 
zu müssen, nicht gegen deren Rechtmässigkeit, ich habe diese 
ja zu erweisen gesucht, sondern gegen ihre Zweckmässig- 
keit, also vom Standpunkte der Moral, der Billigkeit, 
der Cultur und Humanität, mit einem Worte, von dm 
Standpancte der Pektik a«i$, welche nach ^era s&u fragen ka% 
was dem Bildungsgrade des jedesmali^n Zeitailem «nge^ 



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m 



m^en ist, oder nicht. Von diesem Staitdpunkte sind auch 
die 3i^denken hergenommen, welciie ich, ni^hr ^uf freifi 
Aeusserung als aut [»laiimässi^e EntvyickeJiun^ dpr Gedanken 
bedacht, im Eingange ift^jrier i^chrift geäussert habe. Un** 
verkennbar mii$s die Ge«jet^gebung deo l^infliissem von Heli-. 
flO« lind Sitte iMtc^fiii^n, uaverkenphf^r.4e/|L^^Af^l<^^ 
HWMpität huldigen, unverii^eiinbar imt JR.i^ 2Sejten 
gethan. Wßlfrpj^r.i» Bm 4iß Mt^fmgfm^t tW^Ui .4« 

HiMe JWldww.oQfl Hammm iifif dj^ j^Seeifi^g^Il^^ 
• |(f», seMo l^oq« der Sdafreii g^ll^ert, und, i^ess 
ueJir Inter^sant genauer ssa verfolgen, das vlileriiche Straff- 
umt i^llmahiig beschränkt. In nnserer %eit sind iinter keinen 
ärgeren Einflüssen die verstäuimelndfsn Leibesstraffen abge-; 
schafft , ungeachtet der alte und natürliche Uechts^rund^at^ 
lalltet: an dem Gliede, womit d^ gesündige^ hast, sollst du 
nueh gestraft werden, die Peinigung durch die Folter unter- 
lll9l^n, die körperliche Züchtigung t^eijs ^^ehoben, thei|/9 
bMpphfUnkt.^ md die Lage der l^efmugc^n 4nerkUch verhef* 
Mi^ worden. :Qas M^f^ il^ jmiee lu^fj^i^^^anslehlif^^ 
mMmm jiet f#rt«^i^deo 9Q4fVag ge»?}ie|lm» 4in4 ^ 
«fM«tf fcfttt^ ia Folge den^elhf^n die A^l|tnng gegen 
fttms^- ^ H^^BcheiMen unt^r djeo Menscben «selhut ange- 
nommen. Für den, der da sagt, wenn nur die Rechtmässig« 
keijt erwiesen sei, dann komme die poKtische Rücksicht auf 
Zvveckmässigkeit und ^ngemessenl^eit nicht in Betracht, 
liegt in dem Vorhergehenden die Widerlegung. Warum hat 
man denn die verstüminelden Leibes^crafen abgeschafft, und 
WlU diese f d^ Todesstrafe} beibehalten, da doch beide aus 
€m mi demsejben Prin/^p gielopyiei^ 4f^*i^ wird sanken; 
aus MenschUchkeit. Ist es denn aber ipen^hlicber, Jem^n« 
Leben, 9I9 ^die Jtt^nd , 4ea Dnumen und 4^ Ohren 
9p ^ehffffn? Wa d*^ Cpn^e^as? Mun kmux^ hier* ^ 
«Wlh wrht |»€!|kr lil^iipicio, .dfiys Bildungsgrad iind Uunaiatlt 
dar VSittatt auf €ri|ipttnalgefi|fs^ebung und Sirafrecbtspae^a 
einwirken, aber man leugnet vielleicht, oder besweifelt docb^ 
dass lUnser Cultur- und Sittena^ustand die Abschaffung der 
Todesstrafe gestatten. Es ist wahr, in der Theorie gestaltet 
9ich Alles eben und plan; die philosophische nach dem Voll- 
kommenen riugende und das Vollkommene setzende Idee 
liakt Mk^ aa.^Ji em^r, .^aadc^ im Lachte ihrer eigenen 



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. 884 Schriften über die TodeMtrafe 

Klarheit und Reinheit über sonnenhelle Höhen, von denen 
herab sie nicht in die Tiefen unter sich, sondern in das reine 
. Blau des Aethers schaut ; und es ist leider ferner wahr, dsm 
im grellen Contrast mit dieser Reinheit der Theorie in jener 
sich hässliche Geschöpfe bergen: in jenen Tiefen krieefaea 
giftige Scfalangen, in den Höhlen derselben lauern bla^^ier^« 
gefrSssige Ranbthfere, die menaeliliehe GescAscIiafl gebiert 
da^ wo sie am diehtesten saeammengedrängt ist, hteHelie 
Geschöpfe ans ihrem* Seboose^,' ond ibit ' einem Miek aitf M 
Wirkh'chkeit könnte man wohl sagen, dass, wenn man auch 
vielleicht die Jungen zahmen könne, man doch gegen die 
Alten, im Verbrechen Ergrauten, des Eisens und der Waffen 
nnd vor Allem der Strafen bedürfe, die auf das Gemüth des 
rohen Menschen die stärkste Wirkung äussern ; — allein \^e, 
wenn es sich umgekehrt heraus stellte, dass die Verbrechen 
da am häufigsten vorkonraieii^ wo die Todesstrafe am' meisten 
nnd schonungslosesten voUzogen wird, und wie mag sieli 
ferner die Billiglieit mit dem Prineip der Ausg^eidiimg, dem 
Principe: wie das Vergehen, so die Strafe, in dessen An- 
wendung auf diese Stiiife vertragen und einigen? AUeao- 
dereh Strafen lassen Ermässigungen nnd Modifieationen in 
ihrem Wesen zu, die Todesstrafe, die härteste, schwerste 
und äusserste nur in der Form. Wie will man auch bei die- 
ser Strafe eine solche Ausgleichung ausmitteln, welche 
als Princip der Strafe aufgestellt wird? Setzen wir nach 
diesem Principe auf alle Morde dea Tod als das Entspre«» 
chende und Gebührende, werden wir uns dann nieht in Ano-> 
malien verstrieken? Denn was auch das positive Gesetz 
heischen mag, Vernunft und Billigkeit sagen: Nieht die 
äussere Handlang, sondern die Gesinnung begnihidet das Ter«^ 
breehen ^ und wie nnendlieh sind hier die Abstufungen 
endlich wie sehr wie nnausspreehlich verschieden ist der Grad . 
derZureehnungsfahtgkeit und doeh hat maif Immer nur eine, 
nicht modilicirbare, nicht zu ermässigende Strafe für alle 
Fälle, für alle Individuen, welcher Gesinnung, welches Cha^ 
racters sie sein mögen. Ich gestehe ich würde mich schwer 
überwinden können ein Todesurtheil zu failenj oder zu un— - 
tcrschreiben !" 

So weit Götte, der durch den historischen Theil- 
seiner Schrift eine ungemeine Belesenheit, ein tiefes Studium 
£n den Quellen des klassis^en Alterthums, in den Reehlsbä« 



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Ton Gütiu, ZopA uad H«idel. 



88a 



ehern des Bfittelalters, eine gediegene Kenntniss der frühern 
und der gegenwärtigen Zustände der menschlichen Gesell- 
schaft erprobt hat. Als Historiker weiss er in dem Ge- 
schehenen, in dem bisher Vorhandenen, die Offenbarung ehe- 
mals bestandener, mit innerer Nothwendigkeit wirkender 
Ursachen zu erkennen, und diese bis auf ihren ersten Ur- 
pning in dem noch nicht entwickelten, noch nicht durch die 
Phasen seiner Bildung durchgeschrittenen Menschengeiste 
tn erkennen: als Denker hat er eich den freien Blick he- 
wahrt, den weder die Antorititen des klassischen Alterthpms 
TerfMnreA, noch ihm den Glaoben aufdringen konnten, desp 
das, was einmal gewesen, fortwihrend gelten mässe, wenn 
aneh die Ursachen aufgehört haben zu wirken, die seine Er- 
scheinung hervorgerufen hatten, und sie für ihre Zeit zu 
rechtfertigen vermochten! . 

Dieser Frage nach der Zweckmässigkeit der Todesstrafe 
für unsere Zeit sucht Herr Reidel durch die Frage zu ent- 
schlüpfen, welcher Unterschied zwischen dem Mörder von 
1639 wid 1$39 sei? Wir dürfen daher also wohl auch frs« 
gen — welcher Unterschied ist zwischen dem Diebe von 
1889 mid dem Diebe von 1589? Warum wird derselbe nicht, 
mehr wie danmlS) an den Galgen erhangen? Doeh wohl 
■idit deshalb, weil Beine T hat eine, andere ist, sondern: 
desshalh^ weil die YerhÜInisse der bürgerlichen GesellschafI 
anders geworden sind, weil der Staat das Verbrechen, und 
die Stellung des Verbrechers zu der Gesellschaft aus eineui, 
anderen Standpuncte zu betrachten sich gewöhnt, weil die 
Humanität Fortschritte gemacht hat, und zwar grössere, als 
der für unser Zeitalter noch übrige Schipitt w Abschaffung; 
der Todesstrafe ist! 

loh habe die Hechtmasaigkeit der Todesstrafe an sich aus 
dem Grande nicht bestritten, weil ich in der Existenz dea 
Staates die nnerÜBisliche Grundbedingung für die IJntwicke- 
kn^ der Menschheit und aller Humanität anerkenne wei^ 
kk desshalh dem Staate dan Recht «ngestehen mass, allei 
Strafarten durch «eine positive« Geseli&e anzuordnen, ohne 
deren GeHuag unter gegebenen Verhältnissen die Herrschaft 
des iicchtszustandes — somit seine eigene Existenz — bedroht 
sein würde: ich muss aber aus eben diesem Grunde den 
Staat für verpfHchtet erkennen, eine Strafart fallen zu lassen, 
so wie er mit wen^j^er emjpfindUebea AUttela de^si^beu 



8to Scbriften aber die TodeMirafe 

Zweck erreidm kann. Hr. Reidel geht aber ethenSehrii^ 
weiter — nach ihm soH die Todesstrafe nicht nnr relativ 
diirch die Rücksicht aof ciijen g-ewfssen Cultur^rad des Vol- 
kes gerecht fertiget , sie soll absolut n o t h w e n d i g unter 
allen Verhältnissen — der 8chlussstein des ^Hiv/.en Rechts- 
gebäildes sein. Wir dürfen dabei aber nicht übersehen, dana 
Hr. Reidel die Todesstrafe doch nur bei ein*eii VeHwe^ 
^en — dem Morile — will^ er findet es so^ar passeitd 
und ^redil, daiss Ate liei dem > HochTertriatile trieht .eknMd 
Mtt finde^ wenn diesf^r niebt zog^lelch onler den. Bi^|*riff 4le» 
Bferdes fMIt. Danrm i«it aueh der Grdnd, aris wel^afesHr« 
Reidel die Yodiesirtrai^ •5selat gereeiitfer%t finde» wiH^ 
völlig einseitig und eben darum völlig iinhaUbar. ISein ein- 
ziger Gi'iind, mit dessen Anführung er alle Einwendungen^ 
darnieder geschlagen zu haben glaubt, ist der: das Leben ist 
absolut inponderabel — dem Morde kann daher nichts als 
Strafe entsprechen, als eine eben so inponderable Strafe — 
die Hinrichtung «des Mörders. Nebenbei ereifert sich Herr 
Reidel gan^ gewaltig darüber, dass ich geäussert, die Ver-» 
ilttnft gebe nur die Idee des Strafiniiasses ([insoferne sieKii«^ 
terlen enthält, wonach ein Verbrechen im Terhiltnisse iku 
eineiii andren als das leichtere oder schwerere ehkannt wer- 
den 'könne^ — dagegen gebe sie wed^r Strafarten neek 
ZahlenverNlitni4se an «nd aneh dienen Satn gfhmbt Herr 
Aeidel durch die Behauptung seiner Inponderabilitat desMor- 
des widerlegt. Allein worin liegt denn die Inponderabilitat 
des Afordes im Gegensätze zu den übrigen Verbrechend Of- 
fenbar kann sie nur in der tJnersetzlichkeit des gemordeten 
Lebens liegen: ist aber diess der Kall, so muss die Todes- ^ 
strafe so oft eintreten, als es sich um ein Verbrechen han- 
delt, \vo(hii'ch ein Recht eines Andern nnersetziich vernichtet 
worden ist: also aocb bei dtaTodsiiblage, bei derNothfcucht 
ii.defgl. Denn wer wird ISn^nen wollen, dafes «nch die Vöd- 
tnng ein<}s 'Menschen hu Afecte dtw«s DtpenderaMOs ist, 
^hiss es ftür den CfetddCten fallistebtliish seiner LebctasberaS'« 
bung einerley ist, ob er mit Yorbedacbt «der im Jdhmorn er^ 
schlagen wurde? Wer wird es nicht für eine iroponderabele 
Schandthat halten, wenn eine tugendhafte, edelfühlende 
Jungfiau mit bestialischer Gewalt bewältigt, der Friedien 
ihrer Seele rücksichtslos gemordet und sie für die Zeit ihres 
LobfßDS clqc0i sie nie verlassenden pcuug&ndea Get'uhic dcf 



Sekmktiivmg^g^ wfnA^ ißftr**y^B^ {f(t4 i|k|pit 

8fiii^i|.tfwejrtlier . A^a, Mm mf^'m der. 
TMOfite de», Hrn. ft^jcjel jpilsut« fl^ Notbzachtjgpr, wc^p. 
nMm i^n der Jnpoodeniliilitöt der Tbat wegen nicht fainrich^ 
ten woJIte, doch xum wenigsten auch wieder genothaöchtiget 
werdeiil 80 lari^e überdiess ein Str^frecht im Staate be- 
steht, 80 lange ibu^s derselbe in dem Uochverrathe, sei er 
zum Mord gediehen oder nicht, nothwendig das schwerste, 
aller Verbrechen — wenigstens ein dem parricidium gleiches, 
midi.^i^ ebenfalls todeswürdig^^ Verbrechen erkennen, da^ 
es q|||i|ji||telbar die Grundbf^mgpngen alles bürgerlichen Le«. 
b^tm. lyigreift. Hiermil' kfunmen wir aber gerade^su wieder^ 
§^fma||8se Ab» icömispfien. Rechtes und der Caro^^. 
sfir^qH) — Aber dana, l^qti^n w4r doc^ wenigstens die Ehre, 
in Aniipnvch nehmeiv ^on^e^pt gewesen »iw sßin, Wenfi 
aber f^e Todesstrafe l^las för d^n Mord statt finden soll^ to 
ist dies hiernach nicht mehr eine Forderung, die auf einem 
criminah'stischen Principe beruht — (denn dann müsste sie 
auch bei den übrigen inponderablen Verbrechen statt finden) 
sondern sie ist nur noch eine Ausnahme oder genauer ge- 
sagt, eine Inconsequenz , eben weil ein solches Princip — 
,,iiIponderable Verbrechen sind mit dem Tode zu strafen^^ 
längst verlassen ist, and nicht mehr als gültig anerkannt. 
%vird. Es ist vielmehr unverkennbar — die Todesstrafe bloa 
a|s Sltrafe deci Mordes allm in ein igtrafgei^etabacli ai|%e-^ 
nommen — . i^t ^in Ueberrest ^ nnd nwar - der lezte,. i^olirte^ 
ans allem. Zas^menhange gerissene Uehevrest der gemeinen 
Talionstheorie ^ flehen qm Loben — Aug um ^ug — Zaiia 
um Zahn u.dergl. Ja, das lezte fdas minos) hat die Hih 
ipanität anstössig gefunden, aber die Logik ist zu bewun- 
dern, die in dem ersten, (dem majus) nachdem man das 
letztere fallen gelassen — noch die Garantie der Freiheit des. 
l^ebens, und der Iluraanität selbst finden will. 

Allein fi^in solches .Bajfsonnpment d^f bei einem &hrift- 

>. - ' ■ • <« 

Sehr treffend stellt das röm. R. h. unica Cod. de rapla virginum 
dies Verbrechen mit dem Morde auf gleiche Stufe der Strafbarlicit 
' (ciim 'iicc ab homicidü crimine hnjusmodi raptorcs sint vacui) und 
es ist ein scMiumies Zeichen überhand nehmender Frivolität', das» 
neuere Gesetz^ebung^en nieht wenigstens die Strafe de« TodschiagVA 
._lär 4.i|^«4 yerliii^cl^ea U6ib«U#lUu hilbuu. ^. 



■ 



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SohrtffUNi ihw üe ToieMtnife 



fltffler ufelit befremdeo, der die Todesstrafe eines B auhrtr ^ 
ders durch den Krensestod des Erldsen geadelt erMirt, der 
in der Hinrichtan^ ^^eine leste Ehrenbeftedgqng^ findet^ 

welche die Menschheit den Mörder (der sich dieselbe stets 
höflichst verbitten würde, wenn er auch die Schlcchti/^keit 
seiner That noch so gut einsieht) noch dadurch erzeigt, dass 
sie ihn unter das Gesetz stellt, — „eine Ehrenbezeugung — 
worauf der Verbrocher ein Recht habe'' (das er, wenn es 
von ihm abliinge) nicht ausüben würde J — und die darin; be- - 
steht, dass er „durch die Furcht des Todes hindurchgeäng- 
stigt wird zur Erkenntniss, dass er einen unsterblichen Geist 
hat, und dass alle Menschen ntiioe Bräder sind, und dasti 
man nicht thnn nifisse, was man seihst nieht haben wolle,* 
nnd was sonst noch Im Kateehismim'^tehf^^ (ß*'^*) -~ Jadi^r 
BISrdar mnss — Herr Reldel wHIes so haben — dahin ge- 
bracht werden, dass er selbst einsieht, dass er nur durchsei-' 
ncn Tod luit Gott, mit der Weit, mit seinen Mitmenschen 
versöhnt werden könne, und wenn der 31örder das einsehen 
gelernt hat, so muss er hingerichtet werden, damit er uns 
dereinst im Jenseits als ein versöhnter Geist entgegenkom- 
men kann; will er aber die Gnade nicht begreifen, welche 
ihm durch seine Hinrichtung und die dadurch bedingte Ver^- 
sdhnun^ bereitet ist, so wird er doch (^aoch3 hingerichtet, 
weil er dann nichts besseres werth ist. Man' sieht, dass die 
Lehre' vom Croeodillsehhisse an dem Verfasser nieht verloren 
gegangen ist Aber niedrig ist es, wenn ein Mann,' der den 
frei gewählten Tod einer grossen Seele ans Ueberzcugungs-*' 
treue, zur Besiegelung einer Wahrheit, oder aus Pflicht und 
Vaterlandsliebe von der Hinrichtung eines feigen seinem ewi- 
gen Ilichter entgegenzitternden Schurken nicht unterscheiden 
gelernt hat, durch ein hämisches Hindeuten auf Irreligiosität 
die Manner verdächtigen will, die sich der Todesstrafe ent« 
g^enseta&en , weil sie ihre Zeit dem Henkerschwerte ent« 
wachsen glauben, nnd in dem Christenthume und in acht'- 
' christlicher Gesinnung eine Aufforderung finden, keinen Ver*-** 
brecher, aueh den Mörder nicht, für absolut unverbesserlich * 
S^u halten und schon In diesem Leben die Lebreq des' ]Bvän«> 
geliums werkthati^. su dben, Männer, welche' sieh 9(u dem 
Streben verpfichtet fühlen, durch Strafen — welche schon 
in dieser Welt den Verbrecher zur Sinnesänderung und (iti- 
iieserbtbung) der Gi uudforderung des Chrit^tenifamus hinzu^ 



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Toa GöUe, Züpfl und lieidel. - 86l|t 

fMMil ^ei^et* shid die ineralische Besserung des Verw! 
brecbers und dadurch seine Versöhnung init dem Leben und 
der Gesellschaft zv bewirken. Darin besteht die wahre Hu- 
luanität, darin muss sich die christiiche Welt- und Lebensans- 
cbauung- praktisch und erhaben über das bh'nde Heidenthnm 
erweisen, dass man das Verbrechen als einen sündigen Misa*^. 
1)rauch der Willensfreibtil anfft waeo , . luid hiernach die Gerech-*' 
ti^eit der Strafe ermenen lerni,' welche vernöiiftiger Weise* 
niehts wieder hmleUeii'MlIj ab- was M lier|;est«litweir-'r 
den käiiiiv d.' ft. bme mmMmhtj geee iMrib sige Wfllensbe«^; 
sMmenff d4Be ¥«rbf€€lieisl Wer^ wie Br. -Beidel, mit der' 
reehlllelieii Wiedervergellongstlieorte^ oder Retorsioiistheoriej 
wie ich sie in meiner Denkschrift genannt habe, noch die 
Vorstellung verbindet, als solle durch die Strafe lediglich 
das verletzte Ansehen des Gesetzes in der Art wieder her- 
^rcstellt werden , dass der Staat an dem Verbrecher genau 
die Handlun<]: vornimmt, welche dieser selbst begangen hat 
Leben um Leben}* ist aller Wortmacherei ungeachtet nocfel) 
Keinen Schritt über die Afoschreekungstbeorie (^welche Hr.: 
lieidel in seiner feinen ineist^eieiieB/iiSfNraciie als eine Thee^» 
rfe för Huode beswiehiiet^:hlfiai»gdtoaiiaeb, imd wenn da«^ 
her br. Beide! jr^obl, liötai» sa alekea, »d;»i 4liKi.Aik:.^ 
liingenr der gelMerteii Wledervier(^ahgslleerte ta gehö^-. 
reo,* 80' mag diess wohl oni^' mlHi efnea aeSnei^' beliebtesteai 
Ausdrücke z-u bedienen -^ ein Verstandesirrthum sevn — * 
wir wenigstens müssen gegen eine solche Anmassung des 
Hrn. Reidel, so lange er nicht die Idee der Strafe, und 
die möglichen durch Zweckmässigkeit und also Politik be- 
dingten Formen derselben besser als bisher von einander uUf«. 
terscheiden gelernt hat, förmiieh protestiren. / 
Ein ganz sonderbares Argaaient - für die Beibehaltung", 
der Todesstrafe ist es aber, weho man. die Freiheitsstrafen 
als etwas noeh HArteresy «ti cUO' erstere selbst daralellty^ und 
versidieft, dass man lieber liiBgerieiilet, als jOingespcrrt ^seym 
wolie -^ aÜB wenn .dte.Fff^faeilBs|rafen.'^r8ioeDiinjan8erStri^«( 
System eingefähititweniensellltoy wenii d«e 'Todessti9fe.we^ 
fiele, oder nicht darin schon in der möglitrhsten Ausdehnung 
neben der Todesstrafe — und »war nach all<;'eiiieiner Ansicht 
and 'der Natur der Sache n^ich, als iStrafeo geringem Gra« 
deis als die Todesstrafe aufgenommen wären! Was würde 
#eun daraus ioijgen,>>\¥enn.4iAe>Fi;eihcite»traf«i anCxiamal fnr 



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ScbrUten iibtsr To(k#&trafea ' 



härter al» die Todeistritfe f^emckiet werden möflsten? Dodi 

wabrÜeh nicht das , dass man den Merd mit dem Tode als 
der milderen Strafe zu bestrafen hätte, während man deo 
Diebstahl mit Freiheitsstrafen Qaleo nach jener Yarstelluo^^ . 
weise mit der härteren ^rafe) belebt? Oder sollen wir 
die Hiebe^ die Ehebr<eeher, die Nothzüchter und dergl. aiieb 
wieder, wie ymt Altevs, hinrichten, aber jetzt in Volge der 
neuen Entdeokang', dass «ii^ Ibdesstrafe »ild er als dieFr0in. 

darf es um nkM inndaKn^ Mtai'iii^i«ReideB eine» «CtOimiMi 
Tod M«dii^(d«r .alt «igeiMr ^aiid «Mam Sohne 4»» 
Amt des Henken velteo^, aliEi den Typus. meaMbtteiuer jGkr<* 

rechtig^eitspfleife binsteiltl Ich' WÜl mich hier nicht auf eine. 
EJrörterung über die Natur der Freiheitsstrafen und ihr Ver- 
hältniss zum Verbrechen «inlassen, welches — es sey gross 
oder grering — doch nie etwas Anderes^ als ein objectiv ge- 
wordener, in eine äussere That übergegangener Missi>rauch 
der menschlichen WiUeoateikeit ist. Aber darauf will ich 
aafnerksam machen, dasa In. einer Zeit, wie die unsere, wo 
der eine Theil keine Karperstrafe, der andere keine Todes- 
strafe, «der ddtte keine Freikeitsstrafe mehr will, unseren 
Giisiinalpeelite enie CHms bevondekt) die vielleiehti|lh0i0r|ier- 
angerfiokt ist^ aisi iieUiat gJaaben, «ad dass somit dla^Seit 
OMdur als )e dann dringt, atte^ Bieinungen ^ weleke skdi geU 
tend machen wollen, mit dem Ernste und der Würde zu prü- 
fen, welche eine Sache von solcher Wichtigkeit in Anspruch 
zu nehmen hefugt ist^ anstatt sich gegenseitig zu verketzern! 
So lange Todesstrafe und Freihettsstrafen gegen einander 
abzuwägen sind, muss die Todesstrafe, als die äusiserste, un- 
widerruflich die .Existeiis eines Individuums vernioktsndfiu 
nis die 'Schwerste unter allen ;£llKafenit|^dsebt werden, wenn 
wir niekt dem 'Unsinn verfallen' wolJdn, ond'S^ isttdielXodnn» 
itnfe >aanh:'bis Jetnt 'ii^äeUieharweisn inaJün Slmfgasslng«^ 
langen, äkr Weit -aufgelksst wasdeni* So Jange nrir.Mcii Jnbk 
reits tewn^tsr. /Aksekafliiig- der korperiiehen -Zoektigung 
niekt ett^neoes »Exipediemi erfinden , nnd nicht nn dem Sy- 
steme des WehrgeJdes und der Bussen zurückkehren wollen, 
müssen wir die Freiheitsstrafen als die mit dem Rechtdge- 
ftiido der moderaeren V öiker noch am meisten vereinbare 
Strafe uoth^v endig beibehalten. Das Einzige, wogegen die 
Vernunft 4ind die JUr^ahmiog . elwaa iiein2anHmdfia:itakeny jsi 



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TOB GöCie, Zöpfl aml IUid«l. 



m 



die le bell sljiti fliehe tieiliiilsatrafe; iledn ist unbillig 
u. inconseqnent , so wie man bei der Strafe überhMipl darauf 
Rücksicht nimmt, dass durcii dieselbe eine Sinnesänderun||^ 
des Verbrechers bewirkt werde — (was ja Hr. Reidcl 
selbst dmch die Todesstrafe bezwecken ^^i\f) — dem Ver- 
brecher die Aussicht zu rauben, dass seine Sinnesändenm^, 
wo sie wahrhaft und ^fünilllcli bewirkt worden , für ihn von 
milderndem EinQds^ se^^h 'tvCrde. Daher fol^ nodi^ur nicbt, 
diS69 4^r, Svefelreir die Abä^haitiiifig det* Todtßsstmfe fotrdeilL 

Eb haiidelt B(Sbb üuA Her g»t nicht ftm dasSorrogiren, sdn- ' 

unseren 

gesellschaftlichen Zuständen, in welchen der Staat bereits 
so erstarkt ist, dass er zu seiner Selbstcrhaltung' der Ab- 
schreckung^theorie nicht mehr bedarf, wie aflgemein aner- 
kannt wird — abpassenden praktischen Strafmaases: und irr 
dieser Hinsicht behaupten wir, dass wegen der durch die 
Humanität und das Christenthom gebotenen Rücksicht aaf 
die 2a Erzielende Sinnesitndenni^ des Verbrechers nnd £r- 
iv^eckang desselben zu einem heiien^ gelstigeh . Leben di)e 
bdchste Strafe, fireldie nach diesen Yonrassetzongen jsertÄt 
etaCfaeinen k!nin, Freiheifssfräfe aiif vnliestimmte Z^t Mi 
eine Straißiit, die äberdfeiis selbst nfdit neu, sondern langst 
In unseren Strafgesetzbüchern eingebürgert ist, Aber aas den 
angegebenen Gründen nicht mehr von einer neuen Legisla- 
tion überschritten werden sollte. Es ist lächerlich, zu sagen, 
dass es etwas Empörendes für das allgemeine Gefühl an sich 
babe, einen Mörder nach ausgestandener Strafzeit unter sei- 
nen Mitbürgern wieder herumwandelu zu sehen, wenn maa 
doch (wie Hr. R e i d e 1} nichts Empörendes darin findet , ia 
dem verklärten Jenseits den Mörd^f - neben dem Gemordetua 
lind seinen anderen Mitbürgern als veoNibiiten Geisik mt J^ 
nfcanij Isaak and Jacob w TjBshe>4ta«ii »i. sahen (: anoh M 
wena man es.sa gar sehr anatdsaiffJnMi dass' der 'lUiw 
der in di^ey»e StaatsgeseUaeh^ft amicl^trate) in walehar er 
seia Verbrechen beginge Gattes: weite Erde gross geuug, 
einem reuigen Sünder einen Winkel zu gewähren, in wel-r 
chem er gebessert und ungekaniit ein neues Leben beginnen 
kann, und ein Ge^tz ist auch kein^ CnmögJiehkeit . wenn 
man ni^r «^nstliisb htunan uod obrisilich se^rn wiU^. Wi^lcUe4 



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891 



Scbrifteo öticr Todcattrafen 



dem Mörder nach ausgestandener Strafzeit die Auswande- 
rung Kur Pflicht macht« 

Benerkeaswerth ist es andi, dass Hr. Reidel seioer 

warmen Anhänglichkeit an die Todesstrafe ungeachtet, doeli 
sich unumwunden für die in neuerer Zeit bereits mehrfach, 
und von verschiedenen Zeiten in öffentlichen Blättern und 
Zeitschriften — besonders seit der letzten zu Berlin vollzo- 
genen Hinrichtung — ausgesprochene Ansicht erklärt, dass die 
Todesstrafe nicht öffentlich, sondern insgeheim, im Innern 
des Gefängnisses, vor Zeugen, vollzogen werden solle, und 
zwar entweder (nach der Wahl des Verbrechers) durch dea 
Giftbecher^ oder durch Erschiessen, die Beidel für die beiden 
leichtsten Todesarten hAlt. So ist man, doch also schon so. 
weit gekommeni dass man sich schfimt. die Jnstte ihr blu« 
iges Geschüft ölTentlicii verrichten za senen, so hat man sich 
doch also endh'ch überzeugt, dass das Schauspiel der Hin- 
richtung für die Volksmoral verderblich ist! Dieses Zeichen 
der Zeit darf nicht unbeachtet gelassen werden! W^as das 
Licht nicht mehr verträo:t, was Dunkel aufsuchen muss, das 
hat sich selbst gebrandmarkt. Mächtiger als das Gesetz ist 
des Volkes Sitte — und wo das Sittlichkeitsgefübl einmal 
so weit vorgeschritten ist, dass es einen Act veralischeot^ und 
wenn er auch in den Formen des Rechtes vorgenommen 
würde , da hat die Gottheit ihm das Urtheil selbst gespro- 
clien, und Menschensatsang wird nicht fürder halten, was 4er 
Qeist verdammt! 

Hr. Reidel hat 8. 26. selbst ausgesprochen: „Der ein- 
jage haltbare Grund, der sich für die Unsicherheit der To- 
j^desstrafe anführen liest, ist die Unsoverlässigkeit der 
^B^vweise.^ Wenn nm dieser Grond haltbar Istj warom 
snciil man noch einen welteriMi? Gesetzt: die Todesstrafe 
ist Re eh I, so ist die Anwendang derselben da, wo die Ge^ 
wissheit der Voranssetnangen mangelt, ja wo sie nür aswel* 
felhaft ist, Unrecht, und das Unrecht ist desto grösser, je 
weniger es in unserer Macht stehet, dasselbe ungeschehen 
zn machen. Hr. Reidel glaubt aber die Garantien gegen 
den Missgrilf hinreichend in der 8tirameneinhelligkeit oder 
doch überwiegenden Stimmenmehrheit der Richter zu finden, 
er setet als etwas Unbestreitbares wovor uns der Himmei) 



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VM Göltr, Zd|ia und Reiflel. Üi 

Injurien-Sachen abgerechnet, in Gnaden bewahren möge3*3 
voraus, dass wir Geschwornen/o^ericbte erhalten werden, er 
findet es natürlich, |i;leichsani sich von selbst verstehend, dass 
nur bei erlangtem Gestandnisse die Verurtheilung eiutretiß! 
SchadCL nur, dass Ur« Hetdei so wenig Praktiker ita«! 
dass er nicht weiss, dass von allen den Voriiiaiiili<iiii||g«U| 
welche er. «elbst fdr lUe Verurtheiki^f sor {Todeaftipfe vt^ 
thig hüty noeh keine Im )»»k(jaelieii ReehlH^ Esasaag, gl9fipar> 
deil hat, dass er somll tUe- eveDivelle Tendei». nefner 
Schrift gaozmisskaaia hat'-T-tffir .deii. Fall, jdaaa die.^eoe Le* 
gislatlen die Todeealrafe Bock ha Oeseteiraehe beisipbehalteii 
nöthig glaubt, den Mangel aller Garantieen für die praktische 
Anwendung der Todesstrafe eindringlichst hervoi:zuheben^ 
und dahin zu wirken, dass dieselbe wenigstens nicht in den 
neuen Codex aufgenomuien werde, ohne die unerlässlichsten 
Vorbedingungen für eine grössere Sicherheit der Beweise, 
beschafft zu haben, als diese nach dem bisherigen Criminal- 
prozess selbst bei der üuasersten Sorgfalt dem Richter mö|^- 
lick'ist. Bis auf diese Stunde bestehet noch in keinem eiip* 
zigen deutschen Lande ein Gesetz, welches die Fallung eioea 
Vodesord^Us von der StiMmeiiihelligkejt der iMckter ab- 
hängig nuicht; and' ist es nicht karbariach, da eüie HinrielH 
tnng zu vellBiekeo, wo anek nor eki MifgUed des Richter«^ 
eollegs , das so gel wie die. anderen seinen Rlchter^id ge« 
schworen hat, das dnrek seine Anstellung, also durch das 
Urtheil des Staates für ebenso befähigtzum Urtheilen anerkannt 
iaU wie die Uebrigen, erklärt, dass es die Schuld des Inqui- 
siten nicht für vollkommen erwiesen betrachten könne, oder 
nach Pflicht und Gewissen, die Todesstrafe für zu hart er- 
kennen müsse? Ja es gibt sogar noch in Deutschland Col- 
legien, weiche nur aus drei oder vier Mitgliedern.» den Prä- 
sidenten miteinbegriffen) l»esteken , ' und dennoch über Tod 
md Leben entscheiden, wo also stets eine Stimme di^ Ma- 
jera.bildeti lös ist belumot, daiis naeh d<^.Veriasslln^^ der 
meisten Geriekte, wenn Zei^^ ff^gen den Auf escknldigten 
' • •• 

*> DaM.i«^ hiermit Oeffenillclikeit, Qod eine «ioer icbriftiicbai 

Grondlngc nirht «iitbehrende Mündlichkeit der RechUpflege nicht 
verwerfen will, •ntidvrit darin die ttärkslen Garantiecit der Unpartd* 
lirlikeit und Tüi I>(i«:;lieit der Urthciln«prüche erkenn«, t.'ill ich SQf 
" Vemeidung von Alia«T«rftiÄndmMea hiermit aae4«iiek||ch efJi^reB.,^ 



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8t4 Sehrifte» &ber die ToilMitMfM tm 

fiber die That nach der Meinuni^ des Gerichtes geaü^end 
äils^sa^ haben, das Gestiindniss 'dts Angeklagten nitM 
weiter nMSig Mi «id seines Liigacns un^adiUt die To« 
desstrafe gegen ihn ansgesproehen werden kannj.^s gehM 
ferner nodv^n den gHtesten j ^noch gar aieht bei allen Ot» 
iMteh-jlkiii^hlftrhiig^^ ob nicht so« 

g>^r aoeb irfine iKeu^n «nd Oostindnios,^ nuf Mosa Indieien 
alldn hin, dlH Todesstrafe ansgesproehen werden dürfe? Und 
wenn wir nun -den Grundsatz zugeben woliten, dass ohne 
Gestandniss des Thaters das Todesurtheil nicht ausgespro- 
chen werden dürfe, was hat man denn hierdurch gewonnen? 
Nichts — als eine U ngerecliti«;'keit — denn ungerecht 
ist es, den Mörder, dessen Gewissen erwacht ist, der inZer#- 
knhrsehung und Hme seine Ttiat einbekenot, bei den Besse- 
rang, Anfriebtnng seines niondisciien Charakters nig^ieii 
wftre ^ sdnes GestdndnSsses wipgen zoni Tod^-^ ialso.sn 
der «ehwersten Straf» misli* der' ^atlscala der frojeeürtett 
Legislation so irerurthellen, wdhrend maBdcaBsaawjobt, jder 
yerstoekt sein Geaftändniss der dringendsten Veberweisnng 
angeachtet zutUckhält^ am Leben Üsstl Uns ist wieder ei- 
ner der Widerspriiehe , in weiche uns ^lie halbe Hnuianitat 
verwickelt, deren sich Hr. Reidel selbst nicht zu erwehren 
vermag! Wenn wir doch nin* sehen wollten, so würden wir 
erkennen, dass die Todesstrafe eine Verirriing. ein Abweg 
Ist, auf welchen der menschliche Geist bei der Aufsuchung 
des Strafmaases geneth: wir wurden erkennen, was Götto 
80 Irefflich anfigeführt hat, dAss diese Vcrimmg noth wendig, 
Aasä sie onvetueidiidi war: wir w^irden aber auch einsoheoy 
dass dRe Mensehheil auch dieses fiKadimn der Barbarei in der 
Rechtspflege dnrcManfen hat, «nd im Segriife ^elwt, einen 
Schritt vorwirts m thon, den ihr .«i •verwehren aoeh der 
hartnäckigste Widerstand sich vergebens auf die Dauer be- 
mühen wird. Als am Ende des vorigen, und am Anfange 
dieses Jahrhunderts die Abschaffung der Tortur in Frage 
kam. wurden diejenigen, welche hierauf antrugen, von den 
Anhängern des Alten eben so mit den Prädicaten weichher- 
ZAger alter Weiber und dergl. ^übergössen, wie uns jetÄt Hr, 
Reidel damit beehrt; man vernahm dieselben Klagen über 
missverstandene Humanität, äber den Untergang der Rechts^ 
pflege, wie hent aa Tage; der. Kanzler Koch fragt noch 
gan» fiaiv in- der Vorrede an seiner Anagabe der Carolina: _ 



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TM GöUe, ZöpÜ uad Reidel. ^ 

„Wie soll man denn ferner die Wahrheit herausbringen?'* 
Und betrachten wir einmal diese universelle, die Beweisfüh- 
rang bei allen und jedem Verbrechen gleich nahe berührende 
Frage genau, so Ist ihre Beantwortung wohl hundertmal 
ücliwieriger gewesen i i|ls die Frage, welche uns zu lösen 
Torgesetst ist — • wfe man nfimücli den Mörder strafen soll, 
mema man die Todesstrafe nicht mehr üi .AnweDdung brio* 
gn "iMä 9 Kt MmohMi luit In den lliaf » DeiMiiien 
äü» IfiiktvvfCkelQtigsperiodid durchUnifSen, wie sie Mher in eben 
so vielen Jahrhunderten ntchl dorchgelebf hat. .Oarf es uns 
daher Vl^bnder nehmen, wenn sich Jetzt in Wissensehaft and 
Legislation Massen von Fragen drängen, wie sie früher kaum 
einzeln angeregt worden? Möge uns die nächste Zeit noch 
recht viele Angriffe gegen unsere Ansicht bringen ; je mehr 
die Geß^ner ihre vermeintlichen Gründe entwickeln, desto 
-aiehr wird die Unhaltbarkcit derselben an das Licht kommen 
— und mir aais den KMiffc iumn idie Wahrheit aiegrach 
hervortreten. 




i>vucliiebUr Ib f.iSbO. 2* l^i v.o. anstAU: 4.lu lUts .datlk^ 



Lioogie 




iijBERjSICHTEN und KURZE ANZEIGEN. 



';. • ' .'"iLTBETHlijMs'KVMOB.' ' 

'Lkitfaden «ttr JVor«li«o&«ii y#l|i8r (&»jiiBl;tin<fe» kermmgegehen MH 
i <* der kaniß^li chen Ge$€lisehaft für yer4i9cke AUerthuma- 
j Jbttnde. Kopenhagen: Im Secretariat der Ge$elUchaft f Hamburgi 
Perthes» Resser und Mauke; St. Petersburg: Gräff. Gedruckt bei 
1^**' Bianca Luno und Schneider 1837. Zwei Seiten P'orwgrt und iQÜ Sei' 
• ' ten Test — auf schönem weissen Papiet in gr. 8, i» ;j- 

»■..«,; r ' , , • , i ii ' ' 'i'>i I Ii l.* ♦ 

Pjoerseito ISsst sich n^lit. fcef^b^0i| die nahe Verwai^lr 
■ebaft xviscbeii dm C^ermnoischen und Göthisi^en NordbewobiierB) 
die sich so klar und kund g^ibt nicht nur in so vielen andern Din- 
gen^ sondern nuch in der sogleich in die Augen falfenden Aehn- 
lichkeit der Denkmnler der Vorzeit des Nordens mit denen ßerma- 
Diens, und zwar nicht nur des nördlichen^ sondern eben so sehr 
auch des südlichen Genuaniens. Andrerseits bat man eben so .ia 
den Norden, wie in GemiMiieii, die betrftbende Brfibriing gemaidit^ 
daas 'znfillig aufgeAiiidene AUerthiiiDsgegeiiatiode, ala nnofitee 
und wertbloa, weaiger oder gar keiner Betnohtanggewardigt, aoa- 
dero veraeiileadert oder gar dem Schmelztiegel übergeben wudm, 
und aemit für die Wissenschaft gänzlich verloren gingen. 

Hierdurch hat sich die „königliche GesellscbaTt für Xordische 
Alterthumsknnde in Kopenhagen'-^ veranlasst gesehen, den vorste- 
henden Leitfaden nifeht nur in Dänischer Sprache heraas zn geben, 
sondern auch in deatuche Sprache übersetzen zu lassen^ um einer» 
aeits die von ihr längst gewonnene Ueberzeuguug von jener Ver- 
wMidtachall svlaoliea de« CtarMBen md ^ediMvIem mmikmtlkr 
wa verhreitee and die AaAnerkianikeit auf die vielen neidianhen 
ele 80 aehr begründenden Alterthnmaehriften zn riehtea, and nn- . 
drerseita die aorgaame Benehtang, welche nltertbflniriche Gegen- 
stände 80 sehr «jrerdienen , zn wecken nnd ao deren leiohteinnige 
und gedanlcenleee Zenidmag na verbaten. 



(Forl««l«uag folgt,) 



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57. HEIDELBEBGBB 1839. 
7AHBBÜCHB11 DER tilfJSRÄT.CB- 

• ■ • • ■ • ■ .( 

AUet'thumskunde, 

c; • 

Die kdniglieho Oeselltchart tritt non mit dieser Öffentlich in den 
Bachladeo ge^benen Sclirift in Verbindung* mit ganz Deatscblandy 
während sie die dieser vorangegangene Deutsche Schrift: „Historisch- 
aotiqnarische Mittheilnngen^^ nicht dnrch den Bachbandj»! verbreitet, 
sondern blos ihren Deutschen Mitgliedern zum Oeschenlc zuge- 
sandt hatte. Ja sie hat in Betracht des auch in dem Aaslande, 
zumal in Deutschland, immer lebhafter werdenden Interesses für 
Bordinebe Alterthmntfbrtehnng den Batioblasn getant, idiAl Um 
eine Auswahl Ihrer wiehtigeten hInlorMen Sebrifteo inreh ge- 
Irene and liBthnre Vebeneteangen der gensen Deotaebea Leiewelt 
zugänglich zu tnaeheat tendem auch in der Folge ihre Memoiren 
und Untersuchungen der ältern Geschichte und der Altertbfl- 
mer des nördlichen Europa^s find Amerioa's in zwei neben einan- 
der erscheinenden periodischen Schriften, Annalen und Memoiren 
oder Denkschriften heraus zu geben. Und zwar sollen die Anna- 
len Abhandlungen in Dänischer und Schwedischer (bisweilen auch 
in Isländischer), die mit denselben untrennbar verbundenen Memoi* 
res nber &bnliclie, entweder In Dentscher 'Spmehe nbgeAMste oder 
in dne Dentaehe «benetzte CJ^oeh nneb FkreiMfiiiaehe und Engll^ 
nebe) Abbnndlnngen enthnlten. Und es wird nllefdfng» nef 'dienb 
Weiee eine heilsamere allgemeinere Verbindong zwischen der grdn^ 
sen DininM^ben Gesellsobnfl und ihren vielen Deutschen Mitsehwe- 
stem veranstaltet, aber warum wird diese Verbindung zugleich 
auch so erschweret, warum werden die Memoires so untrenn- 
bar mit den Annalen verbunden? Warum sollen wir Deutsche 
auch die für uns nicht lesbaren Annales mit kaufen mässen, um 
der Memoiren theilhaftig zu werden? Warum lisst die kdnigliche 
Gesellschaft nicht vielmehr anoh die Annalen in unsre Dentaobe 
Spreche flbemetzenf 

Doeh um tu dem I<ettfliden «elbet und swnr ra dennea lahille 
bberzngehen, eo zerf&llt derselbe ui nwei dem imnem Urnfhige 
nneh i^hr oagleiehe Abnefanitte« 



Dcr.erete, nur f 4 Seiten fallende, Abeebnitt bwtehl.io 
einer ftnniierst geistvollen nnd anziehenden Abhandlung von dem 
Registrator in Kopenhagens geheimem Archivo N. M. Petereeni 
diedea Titel fAbrt: „Umfang «ad WiehtiglLeit der alt- 
XUlMnbrg, e. Htft 57 



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4 



nordischen Literatur.'^ Die letztere enthält nchmlich theils 
religiöse, theils historische, tbetls liognisttscbe Elemente (die piiiio- 
80[)bi8cheo maugeln). 

— M» tt ä gm 4m M4m m M a w a te a iMKli Uiren vecr 

meioten Sammlern benannten Eddaen eattiaiten, In dejr iltem .oder 
Sftmnnd's-Bdda nnd in 4er jängem oder SnorreVBdda. In die- 
aen, oder hauptsächlich nur in den Cfesfttti^en der erstem, haben 
vir noch bewahret die Vorstellungen , welclie die Menschen in je- 
nen vorciiristlichen Tagen , dfi noch Odins Lehre über (!en ganzen 
^or^eo verbreitet war, über Gott, über sich selbst uoU über die 
Katur, so wie über deren Verhältnisse zu einander hatten; und ea 
muss dies als eio unschätzbares Glück angesehen werden, indem 
die ihnen cntspreciiendea V^orstelluugeii , welche eiast in Ocutscb- 
laod dagcwesei^ scyn i^üssea, fast gänzlich uoterge^aogeo sind. 
Die nordis^ Mteriit^r dieser Hfli^ioU äUesten ^reli- * 

giöw ToratjeUniiffiiil niolit . i^ljon des Knrdeoii, ßondm aelbat 4cai 
.^l^aaifiea GerBtaQischen-^tamqMp auf. 

Die historischen Elemmiitp beatehen in sehr zahlreichen g«- 
•fchichtlicben DeokmählerD, von denen sieb eine Sammlung von et^ 
wa 2000 Uandschriften bis auf unsere Zeit erhalten hat, Br. Pe— 
iersen geht die ilauptmotneote der von Dr. 1*. E. Müller 80 sobÖQ 
nnd scharfsioniff gegebeaca Dorstei^jjng der Entstehung und Ent- 
wicklung der Isländischeif Geschichtschreibung (s. die histor. an- 
iiquar. 311ttb6i|ungj^Q der pnigl. Ge^ellscbaft S. 1 IT.) nochmals 
(hVff^h bis aof ßiMirrje .i^üidiiaon, i|nd redet beapn^ars von der wich- 
iigat^n gefHihiohtiioiie^ .fiehrllt^ ve|^e die ^npr^iaehe Literatur ^be- 
fiMf von dieaea Ancm $lnr1wn fiforweffischen Koo^a Sagaen 
i^lar. 1--% wie iTian di^^ nach ihrem ersten Worte aocb.nenut, — 
4S|M|;.df|r lleimsiLringbi ,(4» b* Hehnaths- oder \A cltkreis). Wäbren4 
diese ein hohes un<l anmuthiges Muster vollendeter Geschichtschrei— 
bupg istf sind die andern 8agaen^ welche die königliche Gesell— 
acfaaft bereits schon unter dem Xameu Fornm»nna-Sögur heraus- 
gegeben hat*}, mehr nur als wichtige Ouellenschriften zp betrach- 
ten, und dienen sie, wenn man sie mit ^norrc vergleicht, nur da— 
^q, seiae Vor^fflichkeit in ^volles, laicht zu setzipn. Sie alle abejr 
erbelle« bwonden^ die Nurw^^iiicbe Geacbii^a^ dfir |i)tera 

ymciraaafng JKfiniregfiMi. eDtjbftU demnipbat die vim C. C. J^afiA unter 
dem Namen von Fot'naldar Sögur Nordrlanda. (in dreien ||Ai)d<^ 
9id In a^tdinipober oder Isl&n4i«[)b§r Sprache) herausgegebene Sfimni«^ 
long gichtige Beiträge. Aber auch für die Geschichte Danemfrlt* 
sind diese beiden Sammlungen von Wichtigkeil: in Verbindung mit 
6aze bilden sie die Grandlage für onare Kenntniaa dieaea I^ndea 



/) Und zwiu- im altnordisihen oder iRlandlRche^ Grundtexte, und in 
zweien du\on getrennten Uebernetzungen, einer Lateinischen (Scripta. 
Ibistorica islandoruio) und In einer Dänischrn (Oldnordiske Sagaer^, 
nnd jede Je in tZ BMea. ' 



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in den äUetten Zdton. — Bine ßaüw Mhe voa Sagaeo, derea 
HmoHrSbo feevoratebty sioil die, welche veo leland selbst handelii 
(KlIepdjAffa, AScnr)« |nt«rc«if» niNl .^lf WiQbti)elceity welcbe 
di«8e iia^fi, entspriogt theils aus der 4llfi|)C^l^fUiiDkeit , wf^lohe ^as 
blaiMttqoiif V^lk verfliegt, ^beils aus ihrem ei^Kontbüiolicheu Inhalte 
und aas dessen Behaodluiig. Island h&tie eiiie ei<>;enthüniliche, 
erst patriarchfUiscIie , tincitbei' aristokrutiscbe Verfassung. £s war 
ein Freistaat, w tüir*;mi iler g«n^e übrij;^e Xorden Königen gehorchte. 
Uod wir erhalten in jenen Sa|2:aen nicht nur Bericht von der Ent- 
deoV'QDg aqd BebauuAig den LuiiUts und der ganzen Art, wie der 
Freistaxt steh biidetp eto,, aoa^ern die Geedoifbte des Landes hat 
mgleich das Bes^nfj^r^ dasif^.sie iri^bt als. eine sQsammenhftiigeoda 
Biiilhifing gesohikl)^ iprerdn« ist^ sooderii in vielen En^hluQgen 
fldwr/ftngsiiar wfilp|ie<iii elnaader greifen und sioli gegeaseiUg er- 
*' Uice». XiM,-ßM» 'gim»' sondern die merk wür-^ 
diffst«n ^»l»eer dieses oder jeocs Gesohlechtes werden gcschilderl. 
Und diese 8ngaen beschränken sich nicht blos auf den Norden, 
aoch das östiiche, w^t^l^^be und südliche Europa llniict in densel- 
ben wichtige Beiträge zu. seiner Geschichte, Erdbeschreibung und 
AUerthuiuskunde ; ja sie geben uns Nachrichten über Nord-Arne-, 
rica selbüt. (>e^ wer I^ennt jpipl^ fli^r JsläQder weite VVaitiicrun- 
geo mitten durch Europa t^eb .^o^^ .Cp nnd Palästiaa 

aegnr, juid ihns FehrtjiQ/schpn pM füjtt hnnA/Btt Jahre vor 
CfPilaieb«!» fttdh (|^ .:«ejfien. WeUt rr die eigebtliob histoi^U, 
sfihea SobriAea.äber Island äbpf, I^joapffa^elell die Isiaadisofaeo Ge- 
setze, welch« VAU feiner Genauigkeit, grossem Scharfisianeynod ho- 
her Uanwinität selbst gegen Sclaven und Thiere y.cugen, und dureh 
deren Kusamincosieilung mit den Sagaeo man erst recht deutliob. 
ci«M Vorstellung von dem Leben der nordischen Völker erlanget. 

Um endlich auch die linguistischeo Elemente zu berühren, so 
zeichnet sich die altnordische oder Xsiändische Sprache, gleichwie 
die firieo^isebe, nicht blos doroh Derbheit und hflnsUicbeo Bau, 
spodern pueji dfMIib SelbirtetlvdJgkci^ seltene Bildsamkeit nnd iinge- 
^hullci»^ gfiehtfvi«^ Att** Sprachen, die .Grieebisohe ond 

AlMi«NllfCrib«t biMNOf Mlbst genug; bedürfen weder fremder 
Wdsler qiNib fremder p4>r||ien; beide sind^ obgleich längst ausge- 
storben, noch als lebend in Tochtersprachen da^ welche der alten 
< Mutter durchweg gleichen; und hcide haben, wie weit sie auch 
jetzt von einander gewandert sind, doch, wie zwei Schwestern von 
Einer xMutter, die auffallendste Achnüchkeit in Bildung und Ent- 
wiekelung. Mit Rücksicht auf Sprachkonde im Allgemeinen wird 
daher das Studium der altnordischen Sprache von grosser Wieb« 
tifkeit. « Hr» V^k^tß.f^ aogar^ dass auch der Philolo^ erst recht 
9tiidlMl.%i«ehi«iA.f«r^ wenn er Altoardisoh zo Bulfe oehmn, 
Mft.^piD«« Bpvndiketle, welche sich von Thraclen an bis nach der 
tarn schliflA^f liegt wie ,fsui .Bruchstück, wenn man nicht das 
HmmU.BM mitflyUnmt) deii|lpi»eseaBoW«8fri;igim Norden «eibst 



Lioogie 



900 



Alterthumtkonde. 



t 

Der BweUe)-79 Seiten süUiIende, Imiiptsfteblich von dem Can- 
Beleiradie C. Thomnen n]bg«fMete AbeoJInitt gitt sneiit ein» 
karzgefaaete Ueberei'oht Aber Denkmftter nnd Alfei^ 
thümer aus der Vorseft des Nordena. Die hohe Wielk*' 
tigkeit derselben wird zanächst aaf eine herrliche Weise gehörig 
sns Licht gestellt^ and es heisst mit Reicht: „Bin Grabhügel, ein 
j^einsamcr Steinkreis, eine steinerne Geräthschaft, ein metallener 
,,Schmack, aas der verdeckten Grabkammer aufgegraben, gibt nna 
„ein lebendigeres Bild von dem Alterthame als Saxo oder Snorre, 
,^die Eddaen oder Tacitus's Germania/' Dann folgen die zehn 
äusserst reichhaltigen Abtheilnngen, welche dieser Absebnitt eot«* 
bilt Denaelben aind beigegeben: elifleaa Allgemeine Benerlna* 
Ifen liber Fnnd nnd Anfbewnbrnng von Alterttiinam, nnd ntlrOlf- 
tena eine Veberaielit dea Arbeitipl«n und der Arbeiten der fcfei- 
glieben Oesellachaft. 

Die vier ersten Abtheilnngen verbreiten aich anaschliesslieh 
über die heidnische Zeit, handelnd von den alten heidnischen 
Grabhügeln and Gral^tellcn, den 8teinsetzangcn, den Sachen aus 
dieser Zeit nnd den verschiedenen Perioden, in welche die beidni» 
aohen Alterthümer gesetzt werden können. 

I. Die Steinsetzungen, deren man noch eine Menge im Nor- 
den findet, aind haapts&chlioh bloa Dingatitten oder Plätze für 
yolkaveraammlungen "nnter firoioitt Binnnel, tbeila eingehegte Stal- 
len nnr Vornabme von ZweHdinpfien, dao Knmpfkililse, tbelto Opfbr* 
pIMse. Ganz eigener Art sind die so genannten SehiffiMetznngen, 
Iteabnders in fiebweden, welehe vollkommen die Form eines Schif«» 
fes haben, nnd in denen sogar die Roderbanke nnd die Masten 
durch Steine angedeutet sind, so wie die 'rlreieckigen and runden 
Steinsetzung'cn. Ausserdem finden sich die bekannten Baatasteino 
znm Andenken an gefallene (leiden, jedoch ohne Inschrift, beson- 
ders in Norwegen und Schweden, und die grossen Rocke- oder 
Wackelsteine, die so gelegt sind , dass sie frei auf Binem Punkte, 
ungefähr in der Mitte^ mben, nnd mit geringer KMI mm WnelEOla 
von der einen nnr andern Seile gebraebt werden kOnnen, Onreh 
Ibre Bewegnng nnd den Stoaa gegen die Klippen kann ein dnmpf^ 
Laut hörbar werden, nnd man bat die Ansicht aufgealellt, daaa aio 
als Orakel gedient hätten. Von diesen Orakel-Stimmen, die aneb 
schon ^dns Alterthum in Asien und Italien kannte, handelt beson- 
ders Dr. Friedr. Munter in seiner Geschichte der Einführung den 
Cbristeothums in Dänemark und Schweden ;.S. 66. und 57.). 

IT. Die Grabstatten haben in dem Norden , als aus versobie- 
deneu Zeilen, eine sehr verschiedene Beschafenhcit; indem man die 
TodCen tbeila einxeln oder Amülienweiaef In liegender oder nilMn» 
der Stellung beerdigte, tbeila veilimnnto,- -iind nur fbrn-Aaebinnder 
Knoebenreato in Urnen beiaeinte, nnd Indem man- Ibnen mehr oder 
wenigeri gNtaaere oder kleinere Mitgaben beigeaellte. Sie beateben 



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All«rtiiBni*luuMle. 



jedoch beinahe allgemein, gMz ^ie in Süddentschland, iovonMen- 
tobenbanden aafg^ebaaeten Hobeln, die am besten eion^ctheilt werden; 
- 1. io die runden Grabhügel, welche die häufigsten, und 
vefotena in yirem VerliUdiiMe zn ihrem Umkreise bocb, aucä, je* 
iocb'ttieht gew^lmlicli, aalen mit Biaem, mweilea mit meliieffii. 
KiidaeM greseer Steine nmejBtst- siiiii« j8ie iiergen im meiete« die 
eliiaenien Chmttammera (Stoenlcemre)^ eil melirere aelkea eia» 
«■der; 

2, in die läng Ii oben Orabbflgel, die gewöhnlich niedri- 
ger als die Torigen, und am häufigsten mit einer Reihe Steine um- 
kränzt sind. Sie decken gemeiniglich zwei oder drei Steinkisten 
(ßteenk ister), die nicht grösser sind^.als dass sie blos dazu gedient 
haben, einige Oraburnen oder die verbrannten Gebeine zu bedecken; 

d. In die Steinhfigel, d. i. Haufen (Dysser) aussen sehr re- 
yimieeiy msammengelegter Steine, ohne eine Bedeekong TeaBrde« 
Wir eriaaera liief deiaa, dnee larl Biaar, anolidem er de« ge-^ 
ftHgeaen HeMMn^ den« Adler auf den Bikeken gceelinittea, aadi der 
Saga flbfald^e den SeMaharigea, aiee eaags 

£■ fiel des Volkes Säale, 
8i» ffefiel es den Nornen. 
WedcM Barsche, werft nun. 
Weil des Sieges wir walten» 

l^tnrke Steuer zähV ich, — - 
Steine »af den Langbeia; 

4. la die aiedrigea Erderkfih vagen mit AiebenkrOgea 

nad kleinen Alterthümeni, von denen sich gewdbnlieh viele aosam« 
meo befinden, gleichniMi.eine Art Gottesäcker ausmachen. 

III. Die Sachen aus der heidnischen Zeit alle, welche der 
Leitfaden aufzählt, und weiche die grosse Sammlung in Kopenha- 
gen entbäit, zu nennen, wäre zu weitläufig und um so unnöthiger, 
als es der Hauptsache nach dieselben sind, welche sich in der 
gleiobfalis sehr grossen Alterthumssammlung zu Ludwigslust (oder 
vielmehr jet7.t in Sebwerio) befinden, und welebe wir bei unserer 
Anzeige des ^^Frideriee FraaoiBeenm** geaeaat haben, (Siehe diese 
JahrMelier 1836. Nr. 2«^ 8. 404—407.) Die wichtigstea diesei 
Gegeaetliode eos Stein , Tlion, Bronze nnd Bold sind auch bereit», 
in den Historisdi-antiquariseben Mittbeilungen der königlichen Ge- 
sellschaft weit vnllständiger, als hier, beschrieben und abgebildet, 
wie gleichfalls in diesen Jahrbüchern (1837. Nr. 74. S. 1183 bis 
11S7.) gemeldet worden ist. Zumal was über die vielen so inte- 
ressanten 8tcinsacben gesagt wird, ist nur ein Auszug aus der 
dort gegebenen kurz gefaasten Uebersicht über nordische steinerne 
Altertbümer ans der beidniseben Zeit. Wir erlauben ans hier blos 
die aaoliftilgendeD Bemerfcungeo: 

Di» Geliaee« die man aveb aoe Wjriebem Steiae, jedoeb eebr 
ailta»t MeUU (Gold, Broaae nad Bieea), l&aa nad Bein findet» 
aiad «atflrlieh meieteae aaa Thaa, nad «war| mit weaigea Aueaab- 



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Wi AltovilNUMkiHiila. 

men, nWe aus freier Unnd oltoe Töpferscheibe jofefeiiigt, so xnie 
Bieistens (a)so nicht »lie) der Glasur emian^lnd. Oeflef haben 
sie Deckel, die in SüddeHtschlaod seltener vorkdfnmen. — Unter 
den SselieD, welche MHii Als die heiM«^' fifottes^rtfarang be« 
imrend aiMfelit, iKwwndtn mefk^vOrdig ktoliie li'i^iifii 
Bromte, sos einer JMitobttng von- SKHk «iiiid modern lMtlillf%' 
Bub and gebriiiMiCffai Thone, dto lür tiiie Arl'ftMe .g*h»lten'Hii i »« 
den, und kleine Tbierfi^uren , als Pferde, Widder und der^l., ^iicli 
Sternbilder (s. Dr. Fr. Munter in der an^eführfpn G<»f;chiclite 8. 
19. und 20.), welche am meisten in Norwcn^en in Gr^blio^cln, und 
selbst wich in Island (s. Dr. Uno von Troil's Briefe S. 178.) 
vorliommen. Wir bemerken, dass HoU-lie 1 — 2 Zoll grosse erxene 
Menschen- und Thiergestniten (Hirsche, Hnnde^ Wölfe) aucb im 
Süddeatscbhind gefunden werden. NameRliicA hnt man si« aosge- 
grabc» 1d plMm LeichenhOgel bei* lJMImilb> naiim #60 TaraMMgea 
8lmDiMeb!o8M» Wflneoiberg L CK D. M«iMitii|>eiAi Wttrtenik 
JalirMflber JalMTg; i890. M^Mt.< flL it«. uml ff7.>« «nd to:<fr- 
nem kleinen Thtle bei Fenehtwangcni,, mm tk» Capell« des heitt^^ 
I^Dhard gestanden haben soll (s. 'Jeu sechsten. Bericht des histor. 
Vereines in Bnicrns Rezatkreise S. 13. >. l »d noch werden heute 
solche, seit uraUer Zeit, in W^sserau tn Böhmen an dem 8t. Mar— 
tins-Tage an dem Eingange der Bergkapellc des heiligen Martin 
von den Wallfahrern geopfert (s. Böhmens heidnische Opferplatze 
etc. von Dr. M. Kaiina von Jatiteusteio is. 104. und 141.). — > 
Wenn auch wirklich OegeneUUide von eymbolisoiier Bedeahmg, x. 
B« nur 4^5 2toB Ibiige fi^bwertafaeii «ad Dotohe-attb 'Erx, aad 
Mine Aeatobeaf jBod Bianaerobea aiia Berneiein' la €k>ibem äng9^ 
troffen werden mOgen; so möseeiv 'wir' doMi dem ^MetrafH^blleiiy 
dass ««eil die Seite 44 zn diesen gereclrneten, k^nes tVeges zum 
Trftjr^n am Handofelenke zn kleinen Ringe wirklich zu (Ten«rlbert 
gehören. Wir haben vielmehr Hinge gerade von derselben Klein- 
heit und Form^ ja noch kleinere, wie der S. 44. abgebildete, in 
Kindergrübern gefunden, und ganz kfciue^ Kinder hatten schon fr^he^ 
solche Ringe um ihre Aerinchen getragen iSO i. D. meine Be^ 
aebreibung der 14 alten deutschen Todtenbugel ete Taf. il., Vtg, 
4. vnd M)* — B^n bat man bis jevA neeh nküt ila -ICerdtai' 
ansgegraben^ abgleieb diese aüerdlkiga eiae WMfo der alten Nwt** 
mitnner Waren. Wir erinaep» nnr ati den berfliiaifteifr Bogen^ de» 
Binar Thambars keifer (in der Heini8ltriii|;la'Saga Olaf ^ttyg*^ 
gwasons Cap. 118 ). — Die Sporen hnben hinten nicht Rftder, son- 
dern nur einen Stachel, wie der von uns hc\ Wiesenthnl nnO?rt> - 
Philippsburg am Rheine gefundene Allema^nni*>rhe Sporn. — Bei 
uns war es etwas sehr Gewöhnliches, dass Am- und Fussringo 
noch Röhrenknochen umschlossen, ja wir haben selbst Exemplare 
solcher noch von Hingen amgeberten R^brenkiioohen in unserm- 
Cabbiette aufbewabrt. ^ mnä^m inriid «Hlht dier Jlieebe, tfi'i^ den 
Braatgürtein aageb^ea nM die« wir a. 'B. Üe^- iKftfatfdt adA^- 
Biealeim bekoanben babefti beitierlt« UbiMP, dasir lntin 9m Att'vmr 



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s. 

«ufolilioif Mb tle ittet Mwr io-td« SikHtlk ^liMHlk Mif 
ImAtfii.imderir erzene' SaobM. nU MldpliMe»<MqKtii».;--r Di» Ii* 
Viiteetee« oder kleineoi Znngeu (von Bron^/Q, eeiten^ -rm Eise»)- 
fft«t »meier in Verbindung mit Pfriemen und einem kleinen Meseeff^ 
Vorkoinmen, so hat man geglaubt, ,^da6s sie Geräthschaften wären^- 
federen man »Wh bei dem Nähen in dem f^nen AitertJiumo be- 
„diente, als die Trnctit zum grossen Tbeile aus Fellen bestand, die. 
„mit Behnen oder Darmsaiten genäht waren.''' W ir (laUen solche 
SikingMi« yiet IMitm noA v«id Bbe«^ alnr olia^ PMem'nmi Mmmg-^ 
tadan.'VftdleplifiilpM« M Stealiafap «sd Uhrst&dt gr^lMImi« V«i-# 
sAgUoli Iriktig ildwlMMMi li^it« fton iI«lEloiilprgHOiieii (d«ili ' 
FrideriiMl^viJ'liAcisceum fi^ibt Tab. XQL viele Ali|ftUd|iiig^>, ««dr 
düfi kammea aki häufig in V«cIhim1«IV Basl^messern vor« Si«v 
werden daher auch ' für Uaarzangen erklärt. — Der Raeiermesser 
wird übnn;ens in unserm Leitfaden nicht gedacht , und solche bat 
die Kopenhager Sammlung wohl »och nicht. — Gelte und Paal-*^ 
Stäbe f Paalstave, von pall, Spaten, llaoke sind die gewöhnlich so- 
genaunlca und viel besprochenen »Streitmeissel. 8ie werden hier so 
MliTBflliiedeft, dies (Ke kleine» mU AobafUdobeni) in welol^ ma 
B^Mi Maeiiir gefäKt woHe, oN oft mit elneia Oehv im dw «inaii' 
Mit Ceknv diet.griMera nad toliveffttni dagege» mit Maftketlten,. 
4; lu 4iet 80 elageriohtet siii4, dass sie in einen gespaltenen 8chart 
eingeeot»t wanden, Paalstäbe heissen. 8ie sind hier nicht einmal, 
den \V»ffen zngesellet, während sie in dem Friderico-Franciscenai. 
SU gar für die er^te und Uaufitwaffo der Germanen für die Fra> 
mea, jedoch gewiss sehr irrig, — s diese Jahrbücher 1838. Nr. 
86., 8. 404.) erkläret werden Hr. S c h r ei be r < „die Kehengrä- 
ber am Oberrhcirr' in seinem ^Tascbenbuche für Gesciiii-hte und 
Akerthua in Süddeutechland'^ S. 137.) erUirt sie für die „älteste 
wd iMMUMidiModey die 0%eaaMo Noae<«irWaire«« der Kelten.. 8» 
veniobimleii mmi Mob die Aneiehteii. sellMl ftber Mentoodo AilteR» 
fhunegegenatiUMle. 

IV. Bei weitem die meisten dieser Sftchen. tot heldllUiphV 
Verzeit sind entweder aus Stein, oder aus Bronze, oder aus.Eiseiiy 
«nd es wird von der königlichen Gesellsebaft angenommen, der 
Gebrauch dieser drei Stoffe scy in der geschichtlichen Fortbildung 
des Bordisohea l^bens in der bezeichneten Ordnung auf einander 
gefolgt. Ja, die vierte Abtheilung setzt für die heidnischen Alter*^ 
ibümer, — jedoch fürs erste nur als Mathroassung» — drei Zeit * 
pcriodeBv welche die Naeiea dieser Stoffe trsfoo. 

1. Dm SIeiii-aeitaller loit den grosse» 8teliignilil(i|Bmom 
■Bd sehr oft mk oaverbraniiea Leiobea, netten deneiii. wie der 
Leitfaden stO D&ber bestimmt, rohe Urnen und Bechen von Ste;i% 
und auch von Bernstein, jedoch sehr seifen Sachen von Me(alL if| 
jedem Fall nur etwas Weniges von Bronze oder Gold, niemals et- 
was von Silber oder Eisen sich befindet. — Das ist jedoch unrich-> 
ügy dass nie Eisen in denselben erscheine. Es ist vielmehr un- 
laogbar, daas in Meekienbur^^ in deat>eibea auch S^ufQp von Kisen 



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AllaHkMidtHii»« 



4 

TOffcMMMM. Jft HüMi ImI in twuetter ZfK ki den eiimi dir Kto-r 

geigfriber bei Borkow eis StOck oxydirtes, aber im Rost verhirt»»' 
tes Eisenblech l'A'^ i^ng and 1^ breit, wie ein Braobstöck von 
einem Messer, g^efonden (S. G. C. F. Lisch, Andeutaugen etc. S. 
25^ und Jahresbericht des Vereines für Mecklenburg. Gesch. und 
AUertbnmskonde , Jahrg. II., 8. 43.). — Jene Sachen eothaltea 
noch keine oder höchst unbedeutende Z'ierathen. 

3. Das Brou/iC -Zeitalter mit den Steinkisten uod mit den mit 
SItMftilfni MfeMea GrabbehiKera* Wtm wur te eigeatHohf 
YerbreDiHMigvBeitnim , and dto grotM OnttuuBem -wam oidil 
mhr nOthig. Die rerbniioCeii Gebeine wurden in Urnen nnfbn- 
wahrt oder In die SCeinkiaten gelegt. Die Waffen and eebaeiden«* 
den GerftChschaften« ao wie die andern Gegenat&nde von Knpfef 
oder Bronze, die zum Theile schon vollkommen entwickeKe Zie- 
ratben, besonders Wellen- und Ring:-, Spiral- and Doppeispiral- 
Zierathen, aber noch keine Schrift, enthalten, sind hauptsächlich 
aus diesem Zeitalter. Auch hat man aus demselben Sachen von 
Gold oder Eiektrum cd. i. einer Mischung von Gold and Silber), 
nber nicht ven Bisen aod Silber gefunden. Die Erscbeinang, dann 
dnn Knpfer vor dem Bfeen in dem Gebraoobe Tdrliommt, wird aber 
dnmna erkürt, „dnae die rohe Knpfer in einem Zostnade geflmn» 
i,den wird, in welcbem. ee nie Metall viel leiobter fcenntlieb bt^ nie 
ifdas Eisen, das, ei^e es zur^ Verarbeitung gebraucht werden kemi, 
„erst eine Schmelzung durch eine starke Hitxe erleiden muss, ein 
„Verfahren) welchen in den dlteaten Zeiten unbekannt geweaenaeya 
,,mn88.'' 

3. Das EisenrZeltalter, in welchem man endlich das gehärtete 
Eisen, zumal zu. schneidenden Waffen und Geräthschaften , ge- 
brauchte. Diesa geschah vielleicht durch eine Einwandemng süd* 
Heller, nehoh mit d^ Gebrnttohe dieaee Metallen bekannt geweee- 
ner Vdlker In den Norden. Be ereebeinen JeCat noch den Silber 
«ad Gefisae von Glas; die Glasperlen geben jedooh aneb in dem 
Norden bis in die frühesten Zeiten, wie in Deutscblaod, vielleiobt 
schon bis in das Steinalter hinauf; — und die Leichen werden wie- 
der unverbrannt begraben, oft auf Stühlen sitzend, und zuweilen 
selbst mit ihren Kossen. haben die Grabkammern auch nun 
eine andere, oft sehr erweiterte Eiiirichtnng; and in Hinsicht der 
Zierathen ist nicht zu tibersehen, dass in dieser letzten Periode der 
heidnischen Zeit die Schlangen- und Drachenzieratben auf Gescfamei- 
dea nad nndern Soeben, ja Mbet nnf den Bnneneteinea und iltentea 
GMMQden des Nordens gewdfanlleb wurden; gleieb wie wir diesel- 
ben in merfcwlirdiger Aeimliohkeit nnf den spitern Allemnnioebea 
Grabgegenstinden in Söddentschlaod (bei Wiesenthali Kottweil und 
Göggingen ), ja selbst auf dem Kreuzgango bei dem grossen Mun- 
ster in Zürich finden, von dem uns die dortige Gesellschaft für 
Fftterländische Altertbnmer so vortretTliche Abbildungen gibt 

V. Die fünfte Abthcilung geht weiter auf die Sachen aus 
der chriätliohen Kirche über. Es sind die durch ganz Europa mehr 
oder minder ge^Yühnlicheni und ah diese sind weiter angereihet 



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> ' • VI; mlfr im t iii rttm TH«h „Ab AdMingwiMMlhingeiis** 
Ai' BictinrMiglwitM, ««IdM Ja»««r te MItttlftIter tlMd; «Ii 
«l(e tThre«, KloidongsstOcke, MiMflkMehM, B«iMg«ritfit, Polr«»^' 
Waffen eto^ oAd B. l§MMlmi von LSndern snmrllalb des NoiÜM,' 
welche dexn dienen, die nordischen AlterthOmer aofeokliren, z. B* 
^teinsacben aas den Inaei« der Sädaee und ?M WUdea im Nord- 
America e(o. 

- ' Die siebente, achte nnd nennte Abtbeilun^ erOrtern, in andrer 
Form der Behandlung, nehmlich io chronolo^scher Folf^e, die Ge- 
binde, Sohrift und Inachriften, umi Münzen KOsaiiiflieB von den 11- 
«nCM BeitoB m kte tfmh «it MiMaÜer. Dlci^ M AbtbeHiM- 
gmi gcMm TO dm^nlctaMtMtM'mA fnCraettveateq IPartlitcai 
im gaoBan LeitMeiiaf araal aelw siweoiaiiiaei^ itt- den Text 
eingerö«rfe Abbildung^en sehr vtnuMebaiillekeiid wirken. Hier je- 
doch die nötbige Ueberaicht za geben ^ ist schwer «Ml fAhrt letohl' 
SU weit. Wir heben nur das Nachfolgende ans: 

VII. In dem Norden findet man verhältnipsm&ssig weniger 
lleberbleibsel von Gebäuden ans dem Altertbnme, als in den süd- 
lichen Nachbarländern, weil man die Gebiinde blos aus Holz anf- 
föhrte. Die ältesten Gebäude sind die Grabkammern und viellciobt 
einige Uebei%ief%eel vta Befdstignngev. Maii-liftt ki dM «rMtn 
■oob giir keiae 8por dner Wdlhanf keoMriift. Die ■telMmea de- 
fef «de, welolie bmd fednoer detlren ' k«««, fefee« hi deal Norde« 
«iebt Ober die Binrühm«|r des Christentbit«!« ill««oi^ Der Styl, 
in welchem sie aufgeführt sind, ist der «ogeneanl« TWgotbische, 
mit mnden Bögen, und die Ornamente erinnern nn jenen Gesclimack 
der letzten Periode der heidnischen Zeit, da nehmlich alles mit 
Schlangen- und Drachenflguren geziert wnrde, welche Arabeske 
einer phantastischen Art bilden. In dem vierzehnten und fünfzehn- 
ten Jahrhunderte verdrängte diesen ältero Styl der so genannte 
Ck»llritebe, welcher im im Norde« lile ««r Milte im «eckencliiiteQ 

' j9M««derte deoerte. ' IHo BOgen hebe« «Ic4i ond worden, •«et«ft 
robdi «pita. IKe Oraameele voMaderten den Cbavnkler, TorMimlielr 
I« Blitter und Spitzen übergehend« Die meisten präcbtife« ««d 
«tefeen Gebäude, wclehe «oeh «ae der VonteH «tobe«, el««iami ««« 
dleaer Periode. 

VIII. Der eigentlichen Schrift ging, wie beinahe überall, so 
auch in dem Norden, die Bilderschrift voran, die man besondere 
auf Felsen (als Felsenritzungen, Hällristningar) , sehr selten in 
Grabkammern antrifft. Die älteste Schrift batte eu ihren Zeieben 
die natförmigen Ronen , deren Alphabet anfange «nr i« dei«elbeii 
afthll«. Ma« halte Mbe ««eh de« Binder««««, d. h. «hm Terbeai 
■elrere, efl «II« eto g8«cee Wert ««eMnebend« BaeheMeB ««•« 
««m«««. Wie die Sprache sieb mehr aoeblldefe, werde d«» AI-* 
l^iabet v e m eb rt, veraOgUeh dadurch , dass man einige Ronen mit 
Punkten versah. Sie müssen bald von der Rechten zur Linken, 
iNild von der Linken zur Rechten gelesen werden, und wurden 
eiegeritet «der ei«geeob«lttea ^ YorAobaUob i« BoelMehola. BhM 



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AltefliliiiMftliaiiilttA 



iiili9et«^,.«Mri in dem MMklMw ffeMMM% irnd eigeaüiefar von 
deo B6inern entlehnle Art sohreibeB, war,. 4m Qe^tJtSik mit niiiffR 
Nadel in Wachs einziiritxen, welches über eine mit einem Bnbmen 
varaebene boizei-ne Tat'ei aaf beiden 'Seiten derselben aus^egossei^ 
\ffar. Als die Nordländer im neunten und zehnten Jahrhundert nach 
KA|(:ian4 kamen, und das CtoristenÜMim »ich allmäbli^ über deo 
]\orden verbreitete, wurde aach die in andern Ländern gebri^aoh* 
liobo Möacbasetvift bekannt und verdr&ogte die ßuuensohrift. Das 
AflgeMDhataelw lAIpbabel^ wetcbw «ia .TiHeiMi. BtaiadmT let^ 
iMm .Bugkieh nlik tas Mtttn MiMwiilMII «Mb Um Neiden. Bim 
letsteM eiM Mi^OBkeMIfifll .D«mIi ..HMdeekrifteaiv wurde di^ 
sogenannte Minuskelschrift eitgeClAM«' In^ den vierzisbntea nod. 
AniAsebBten Jalirhwidert fing mae an, dieselbe anoh in Inschriften, 
zu gebrauchen. Die meisten lascbriftea mit Mönehsschrift sind 
aber in Lateittischer Sprache, und diese dauerte fort bis gegen die 
Mitte des sechzehnten Jahrhunderts^ als (1h> allgemeine Kinfübrnm^ 
der Bttehdrnekerkunst mehr und ra^br das äUere verdrängte. 

IX. In dem fernea AJtertheme b^werksteUigte man die mel-« 
•ImirHMdMsQiiettM &nnk Twacb^ «ad auir, ^eo« «mhi nieM% tmm 
VMMeM *beeee% oftttw lletalleii, w«lä» m»a.iiioiit genfiui^ 
ipAdeni 'In SehoMiek ««ri BMlefn fieehen beAle. Ste.bfob Tfn de«*, 
edbeoi eiienn da» Gewicht, «elebes man heranshebeo- ^irollt«:, nieb^ . 
lie«aCe, Stücke »b. 1» . einer etwee epfttern- Zeit hatte maa oft Sil- 
ber und Gold in Barren, weiche ausgeimmmert wurden, damit maa 
sie bequemer durchhauen und sich leichter durch Biegen von der 
Weiche überzeugen konnte. Aber noch allgemeiner war das so 

. genannte Binggold und Ringsilber, nehmlich ubgehnueae Stücke 
der vielen verschiüdenen , in dem AUertbume so gebiäiiiihlifiltea 

< Arten Ringe, «besondeie der dazu TorsflgUob beqdiemen spinlCOFaiw 
gea. . SCiigleiefa bedieate nm sieb a«ch der Manze» freMder.|iS»r 
der^ bis. mi «fUlegt aelbsl in. Nerde« Mtee« m prigea.. Oieeii^ 
gesebnb ehngieräbr nm das Jabr 1000 aach Chr. 6lebsrt. UoM. * 
dM'lrenden Munden sind aber beseaders büuflg die KuflschDO Silber- 

' mfinzenv die kein Bild, sondern nur lat^chriften h<ibcti , und zwar 
vea der in der Stadt Kofa angefangenen altern Arabischen Schrift- 
art. Auch findet man Römische Silber-Denarien , vorzüglich aas 
der Zeit von AntoaaiHi», dem Frommen, bis Sepiimius Severus (138 
bis 9ift naoh Cbr. Geb«). Die auch vorkommenden Gold-Medaii- 
laos eeo^ grdsserm Gewicht sind (khm S^weifel melir als Zl/^^hfUr 
da«« a«i JHIazea, gebnaneli« werdea^ vett die «HerHieisleifb.4mel-> 
>e« BN*Oe«teB «nd ia .VerbM«a|^ m&b Perle« eamat Gak^Breon 
testen gefaade« Werde«. A« daa- beftaMNilei DanegiBAd erinaesa di^ 
zablrtiefcatt »altr K5a% B4htelr«4 I« Saflaod seprdiMa aUbar-r 
pliDnnige. 

X. Der kleine /.ehnte Abschnitt endlich enthält Belchrungea 
Ober die äkshild^eichen, die ursprüngliah auf die Schilde selbst ge- 
«alt waren , nachher aber auf sehr viele Sachen iibergingeu, als 
ein Beweis,, daas i>ie ainesi^ bestimuitcu udeligea Fa^iJic geborten 
oder von ihr stammten. 



« 



Allerlluiiiii4(Uii4U>. tÜ 

Sie liDtf iebr sw«clnitel|r 9MgMu€ «a* ««ttNOtMi Mte^vIsMMIe- 

■oktmswerthe. Mit dieser eiifleii Abtheilimg aber ist sa Terglcl- 
iltr -AnfliaiN Q. J. VlrMMeiiirr^tUebcr norilivelie Altfrdfämer 

Qod deren A?ifbcw»lirinyjif.'' Eine vom Consistariai-Ratb Dr. iMoh-^ 
mke verfosst^ Deu(«ehe Uebcrsetiung ilndet «ich ui dem ernteir 
Hefte des vierten Jabr^anj^es 4ef von der Crc^^eHsebaft für Vom^ 
mereche Geschichte and AltertbunMku«ie herauH^effebene« BaUn* 
Mben äfudien. Daseibst etebt »ueh die von Graf Urühl in Oer- 
Ii» ualerMifiilMte PrMwiiobe InsträetiMi für di« bw deot CIhiq»» 
•NbMi btMhirtigie« AeMDii*, Im. Bni^m 4i» f«K dtr and* 

* Eine (gleiche InttraetMUi f är Aiif||rdiung»tt ponlrlilKchfic (Orstfe^ 
Aeakviler m Meckleaburn^ hat die Auf^rabiiojift- Deputation de« 
Vereins fär MeckleRburgiaehe ISetfohichle ond AUeftbomskundtt 
••iworfea, «nd ist im Jahre 1837. in der Hofbu«ltdf ackere i «m 
Schwerin gedmckt erschienen. Ufwl älter noch als diese ist das 
kleiBe Schriftchen von l>r. Dorow: ^Die Kuost, Altertbümei auf« 
sugraben und das Gefundene zu reinigen und /.a erhalten,^^ lianira^ 
bei /Schnlz o. Wundennnnn, 1890««-^ Die wiehitgsten Museen fdc 
— n iwri i e AUmMmt twdca mtk- kk .Mmftthngeaj Bergen, ChArt 

•lüiiK BMA^ Im* «Iii KMi 

XU« . »Omm miAUk «aeb «uf 4ie MMTsicht 4m Ain 
beittfplnuen und 4er Arbeiten der kdnigtiobMi Oesellecbaft selbnl 
rerweieen. Ks ist ilieselbe »in ein Pro^rranin für die benbsiebtigtd 

Wirksnmkeit der GesetiDchaft für die nächste Periode anzusehen^ 
. nnd wir empfangen in demselben Aaebricht von den vielen wichti- 
gen iSchriften allen, welche die so sehr verdiente, unermüdlich thä- 
tige und an Mitteln jeder Art reiche königiicbe Gesellschaft theila 
•clion bernuagcgebeu hat, ibeils biernncbat hecaus/.ugebcn gedenkt.^ 

* m kt tMuiiipt ilmm IMMm •\m 'übt «Mft«Mw«i<lit 
Mmi ih mm Bichl Mo» »U> dM tUleii fcertll* fcnaviMlteii AI«* 
UiliQttm öer kÜMgUotM-OmHacfaiifti aiNidtin mil dcni gtmUk 
hikm wiMMtcbaftltchen Btrtiriutt derselben bekannt macht ^ dif 
gesammte geschichtlieho Vergangenheit nicht allein de» Nordens 
and noch Südens der alten Welt, sondern auch selbst der neuen 
Well mehr und mehr sbq erbelleA wid m T§cht etgeotlioli tag 4M 
gnoM W«itge«cbioli4e m wijrkM. '. . 

Withelmu 

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AUertbaoMkynde. 



JNi irMiMlIW «IT Am«! «ff««r. .Fm B^rmmmm |fM4««4«r/i Wcr- 

Dm in DMierer Zeit m» eifHg geführten UotersaobODgen fthtr 

die ursprünglichen Wohnsitze der verschiedenen von Griechische! 
^ie Römischen Scfanftsteilero genanoten Völker des alten Germa- 
Diens, insbesondere der Bructerer, reiht sich diese Sobrift 
eine sehr schätzbare Zn^be an. ' 

Es ist nemlicb die Absieht des Verfassers, die V^'obositze die- 
eeii Volkes^ im Widenproeb ait ^den von Hn. Ledebur Mit be- 
mderer BftekeleM. ' Mt die Chiiiett de»' MiCtekiUerft aorgestellten^ 
aveh bereite rom fiöbebMd In eiiieä elgeiieo Prognmim beetritteeM 
Aaeiebteii, mSgliehst gnmu vnd bestimmt Mehzuweisen, und zmr 
BOeb i^ennaer, als diess von Wilhelm geschehen, der im Ganien 
Kwar nicht nnrichtig, aber doch mehr im Allgemeinen sich bei sei» 
Den Bestimmangen gehalten hatte. Deshalb gebt der Verf. vor al* 
iem auf die Quellen, einen Ptolemaas, Strabo und Taoitas loriick; 
er sucht aber zur Vermeid unj»- jedes Irrthams and jeder Vef-> 
weohslung sorgf&ltig die Zeiten za unterscheiden, und gelangt auf 
diese Weise in dem ersten AbsebnUt, der die Wohnsitze der Bme- 
tefer S6«r Zell der lUtaiieebmi FeMsfige In Denteebteiid IbeMdlee 
aoUt sa den BeeoItAt» daee dieedben in Norden and Im fiftden des 
OenlniT, so wie fn Westen der Mittelems (fw- Rbeine nn gerech- 
net) gewesen; ostwfais bis in die Nähe des Teutoburger Waldes, 
diesseits des Osning und jenseits desselben bis in die Nähe der 
Weser gereicht, nordwärts aber an die Agrivarier, an die kleine- 
ren Kauchen und Friesen gegränzt; und wie die beiden letzteren • 
Völker durch die Ems geschieden, so werden denn auch die gräs- 
seren und kleineren Bructerer (die Obrigens die Ems hinab, jeden** 
falls weit fiber Emsbüren binaos gewohnt) unterschieden. Als 
trestliebe Orensnsebbnrn enebelnen '0sliioton nnd Tnbnnteny treiter 
blnsnf gegen Süden nnd Westen die Marsen , weiebe nseb des 
Verf. Annsbmo niebt sehr weit vom Bbeine, ndidlieh von der Lip- 
pe, im westlichen Tbeilr des beoCigen Mftnsterlnndes gewebst. 
Vergl. S »6—33. 

Ein zweiter Abschnitt untersucht die Wohnsitze der Bructe- 
rer nach der Zeit der Rdmischen F.eldzfige, so weit diess nem- 
lich die spärlichen Andeutungen, welche darüber in den Quellen 
sich vorfinden, erlauben, und mit jeder Rucksiebt auf die Verän- 
derungen, welche dadurch hervorgerufen wurden, dass die BmelS" 
rar in des von den Msrsen, Vsipeten nnd Tnbsnten Tertsssas« 
Lnnd einrflekten, wibrend sie selbet in Ibren nlten Woboettsen 
dnrob.nndere Stimme gedringt wurden; wir linden« wie die Bme« 
lerer, nach Ab/ng der Römer, einen Theil der TorOdeten Landstri- 
che am linken Ufer der Lippe einnahmen, nnd gegen Ende des 
vierten Jahrhunderts noch bis in die Nähe von Köln wohnten, znm 
Bnnde der Frsniiea gebArig. Im Kampfe mit den fisebsen ver- 



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Allcftliamskafule. 909 

MhwittM alsdann dM Volk nach und luiob aas der GescLichte. 
DiM «lad im AUgemihMB Aa BigaMiaa dm Mitttltigea, Mr 
Mf di» QmUcb «ad .daraa rMitiga AafAMaaag baalrfea, voa alltii 
arlUkflrlichen AnDafamaa darafaaoa ftaiaa UaCata«dNn|g<i Sadar.aach 
anaehes Andere, wie k. B. die bekannte 8(elVe dea Tacitas 6«r- 
man. 33. (vergl. S. 40 ff.) näher besprooben and erörtert wird, was 
man in der 8obrift selbst, auf walelia .wir hieiait aaflaaflmaBi a^r 
aiMa wolian^ naobieaea muaab 



IFIfdetftaiif«« ia OimhümMm tHiiMlt, m O. W. d. Oldmuhuwg 
imdJ.P.R Greveraa, BtÜ 1 rarf«*«fid S l%tfdm im mMnuik 
ZwtHt MrMMArfa i#tt^f «ftt ( Zum Be$Um imhnUtUitmr MiO» d!n 01- 

denburgischen Gymnasiums.) Oldenburg gedruckt und in Coiaaililfal 
in d» S^MSta^^eAm BuettkatuUmg. iV. umA 10 8. ■» fr. 8. 

Der Ort nnd die Gegend, welche xa dem Inhalt dieser 8cbrift 
die Veranlassung gab, ist das drei Meilen südwestlich von Bremen 
aail drei und eine halbe Meile von Oideobarg an der flscbreiobeo 
Haala gelegeae Atidtehda Wlldeabaasea aaiaiil aaia^ aidb- 
atea Uvfcbongen, wo la aiaM lAaUmge Toa swei Ua drei filea- 
doa aieh nahrala awanzig, aan Thoil aooh ganz woU erhaltoao 
Poaluaale von stein, nnd handerto toq Todteabflgeln befladaap 
so däss nicht leicht eine andere Gegend in unserem Vaterlaqde ge- 
Jiaont werden kann, welche zahlreichere und wohlerhaltnere Spu- 
ren der deutschen Vorzeit aufzuweisen hätte. Der Ort seihst er- 
acheint als einer der ältesten des ganzen Herzogthums Oldenburg; 
hier /Inden sich schon frühe die Nachkommen Wittekinds genannt, 
ond es mag dieser selbst zu manchen Zeiten sich hier aofgehal- 
toa babea. Dm afhoro darüber »aas ia der Sebrifl eelbat a|A^ 
gelcsea werdea, %elohe aiH dieaea bieCorieebea üaCeraaebaogea be^ 
glaaty daaa Qbw die filtcatea Bewohner der Gegead^ Cbaakea aar 
Zelt dea Taeifaa, späterhin sächsische Stämme, sich verbreitet, dia 
Gegead eelbat und ihre jetzigen Bewohner schildert, nnd dann za 
der gfenauen Beschreibung der oben erwähnten Stcindenkmale und 
Todtenhügel, so wie zur Angabe ihrer Bestimmung übergeht Die 
ersteren sind, einen einzigen etwa ausgenommen, sämmtlich soge- 
nannte Hünenringe oder Hünengräber, ganz ähnlich denen ^ wel,che 
auch an andern Orten im nördlicbeu Deutschland, in Dänemark, im 
afidlicheo Baglaod und eelbat in der Nohaandie nad In der Bre- 
.tagae theiiweiee aogetrolTda werdea; eie eiad tbeile Über derMc^ 
theila aiit Krde bedeckt, aad wegea der daria beüadllebea Vraea 
aad Gebeiareato olfonbar für «rirklicbe Grabatatten anzaeebea. So* 
genannle Wag> oder Drehsteine, wie man sie in mehreren O ^ g oa* 
dea EagJaada and Nerdfhinkreieha ftadet, d* b. eolobe 8teiae^ wtl- 



910 Griccliitche Literflittr. 

«N'inr-ttrar irmmiigi» Uifvgi mmUA kMuwm, Iwhif ftKr-aMbt 
vor. Ofe iMfls M thrib nianq»peo, Iteilrin^«- 

«riseo NMürlif Acüs avch i^ndüNsh^ «i» liftkaii itOittMIm tili 
Mhr hohe« AK er, maA wahraobcialiob die üigiikniBsCftltca/ der 
beaachbftrten Orte ^Tresen. E« wird die Läge JtmA die üiiif 
BcscbafTenbeft «fieser Hü^cel. die sich besonders in drei Gruppen, 
zu Uanderten, nuf dioBcm Terrain finden, g^enau beschrieben , eben 
so die in diesen Hügeln befiudlicbea Urneo nebet den «ndem 
Merkwürdigkeiten, welche an solchen Orten vorzakommen pdegen; 
lauter Punkte , die wir hier nur andeuten können, utn die Freunde 
▼»(erlftiidisolicr Altorthtaer-^iif die fprttiidliclie Scbrilt selbst zu 
yerweiteiif die jedeeftüls als ein wohl m beeehtender Beitrag fOr 
die iseiMnere Konde genuuiieelier Vorseit daolcbar aafgenoiuieii 
lad* eiMB fideeatn PiMilnm. lwltMMi^4Hi.«iNfdin. verdieal; . 

» • • • " • . i. .. , . 



V. • 6RIBCUISCIIK UTKRATUfi. 

" * • y . . ... .. 

• • 

Hüt^ ütiHbui 4 fHf^l^M» dam Vmt^Ud, doat llnr^M grm mt 
perd^nt per if/ titfri. d*tf«laud^ d'itf.^anio( m imtp^» Mil« 

• S„ gfi im VmtMBg» • . < 

fin Aiiifaetz der 'GaaseUe ttt^ldale de Parift, der* «eines Ml^e* 
Qieinea Interesses yvegen besonders ab'gedradrtf lit. 

Bekanntlieh ciliren Pbilo, Galeniis, PoHox und einige andere* 
ÄutoreOy unter Bippobrates's Werken, wie der niexandrinische Ge- 
lebrlenverein sie gesammelt hatte^ eine Abhandlung Hi^i 'E^Houä- 
^oj* oder *Ei5*5ou(/(?o^ (Glossar, (iippocrat. v. *'A>'^mtoj' 7i«yo!, : Et- 
Qri%ai iv TW tlti^l 'E^i^OfictfToi, etc ), die sich jetztin jener Samm- 
lung' Dicht mehr findet. Dagegen enthält der Katalog luteinischer 
Manuscripte der königl. Bibliothek zu Paris, und ihm zufolge Fa- 
bricius s Biblipthcca gr., ed, Harles., t. 2. p. 595., die Anzeige ei- 
^os Volums, in welcbom unter nndera diese Abiumdliing' steht Bs 
iMt'däe .^'iimoier 7097, ist. von einer sehr nlfei|"Dand eof Pergn- 
meiit» Ahne Pngination, geschrieben, lind betrefft, unter dem flaopt- 
ytel. „De physica^^ (Von der filediel Tdlgelide Anfsdtte, 
|j(iaiDtlich in lateinischer Sprache : » 

i. Ein Fragment der Schrift Von der Nafnr des Mcn- 
seben. Am Ende liest man: Explicit Ypocratls de natura hu- 
mana. 1^. locipit Über Ypocralis ad Maeccnatem sniutem. !) — 
ExpIicU do natura gcncriü humani. 3. Incipit lilnr Ypocratis de 
seribus et de locis et de atjuis. 4. locipit Ypocratis de septem- 
madis. — Kxplicit Ypocratis de seplimsdis. 5. Lib. V. Incipit Über 
Perl distis Ipsius Ti^ocratis. Die Uebersetxong des t. Buchs Utpl 
^»'ACTi|(. 6. Commenlaris Aphorismarnm. 



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Grt^clikclic Uterfttnr. Ml 

Hier hAodelt «6 »Ich our von der Uebersetzuog des AursaUos 

geschrielMiif aber, doeh dem grieofaiecbeo Ttml eHepMieifi.. ' Ow 
.beweisen 4le* neebfel^endeii flililieaca^ die mm jeM eüt -aie eol- 

.ebe- erkeoneo kann. 

a) rbUo, der iade, ums Jabr 40 der chrtatL Zekreobeiog, 

H^^l a^oanonottaq^ p, 17.: — Aiftt ft' ovxeK; (seil. 6 *Vnnoufdb' 
xjii) ^Kv äp^f^fonav (pvae* ixrd tiaiv c>^a(, riXivtaq xa» 

^ilftop. Kai nuidiov ^iv iartv ccx?*-'* irdiv^ oSovxav ixßo' 

Xrti;, naiq a^pi foviji im^raiot,^ (so MOfichopulos il&^i 

Xj^tdo^v, aoatott inTd, wMk flr« Utt^e joU Beobt verwirft Amlb 
Menr dort verdiettt im. Vemg eto ionieebe Foim). i^'fä 
fßm*ov 'äxfn ftPtiop .^i^vtit^^mtf ig. x^ll iir^lE, -ytavitfiedf 

,p(>ca^i'Ti7( 3' ä^pt ntvr^itoy^Qt ^it, inxoixi(; 6xx(a rb d* 
ivTsv^tv 7cp(dv. Die Ueberset^ung hiervon in dem Mamisoript * 
.7027 lautet so: autem et in hominis natura septem lempom 

^uut, quae sctieiot bier ausgeiaiien) aetates appeilantor; paerolo«, 
' puer, adolcsceas, juvenis, vir, junior senex. f Der Verfnw^er be* 
.merkt iiterbei: laut lire; junior ien ex, s^neaL; le fmduc- 
leur, jji'ft pas sa reodre antceiibeat n^tcßv-vntij fi^m>** Das tot^ 
beeUtigt diese Ve t b eeoew ieg^a itoee aoet «iea paereJai n»- 
Jmß.mi. 7.. eenoe ia dMtiam imatetionem ^ tAer avlem lisqoe ai 
aiPiajp epiasieaeiiit qaalnar^deeim annonapy ad bie 7» Adaleecena 
.•vIeM' aaqoe ad^wrbae, unum «t vigiati aBOomaii, ad ter 7 usq«e 
.ad ereaMütBia oerperia. Juveois autem oonsuaraiatu« Ui XXXV aar 
.aornin, quiaqoe septenns; vir autem usque ad XIj et VIV nd sep- 
7; junior voro senex LX et III et in VIV ebdomatis. Exinde 
genex.^^ Die Abweitbung'eB dieser Texte von einander berohea 
tbeils auf Abschreibefeblern, tbeils wohl auf vers< hiedner liese«rt. 
„L'on pi;ut p«n»ei-/' sagt flr. J^., „que ie (raducieur, qui fait eom* 
■leaeer le vteilleaae a ia 63. aande, a ea apue les yeux un .meiJ- 
leur exemplaire qoe Pbilon, qui la fiiit oomineneer a la 66. aande. 

Pollux, der nnter CommodaB, am daa Jabr 176 aaob Cbristue, 
lebte, bes&iebt eich auf diese Stelle Im 11. Buch seioea Oaomaati-* 
coo, wo er >on den 7. hippokratischen liCbeosaltern redet. Er ci-» 
Cirt nicht wörtlich, und irrt no(;h raehr als Philo, indem er das 
Greisenaltcr mit dem 42. Jahre anfangen lasst. Uebrigens fand 
sich diese Eiutheilung des Menschenlebens in Reihen von 7 Jah- 
ren schon bei l^olon, der in^ seinen Gedichten 10 solcher Reihen 
oder Hebdomaüea aiiuahm. Hierauf spielt ohne Zweifel Aristote- 
lea ia der Politik (1. 7. c 16. ed. Dovai) an, wenn er sagt: „Bei 
dea meifcfen Mcaeeben failt die Zeit der grdsstea Geiateakraft ge^ 
geo daa ruofaigate Jabr, oaeb der Meiaaog einiger Diebter, die 
daa Leben in Hebdoinnden abtheilen.^^ Hier mag aneh der Ver- 
fasser des Tractats llcpt *&ßit, die erste Idee dieser Schrift ge- 
aeböpri babea, welehe Idee er daao oaob aiieo Seitea aaabildete. 



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Griechisclio Literatur. 



CtalMi, meOg ilt«r alt Mloz, bleit dtiM Itfmht fttr kein 
hippokratMcs Werk; dmdi Mit «r Hm B«hnMlt| Bnür »Mm 
V.' T. p* Mf. cd. BmU. 

An einer aniern 8tcIIe (Commeotar. tom. 6, p. $470 setiil 
Galen der Meinung des Bippokrates die des DioklM snd des Ver- 
fassers der Schrift Uegl 'Eßfi. entgegnen ; denn diese behaupten, 
eine Krankheit werde erschwert dorch ähnliche Zeitumsfände, und * 
«rleicbtert durch vürschiedene. Hippokrates hingegen lehrte, da^s 
z. B. das hitzige Fieber im Winter gefährlicher sey als im Som- 
mer, welche Jahreszeit Conformit&t mit den Symptomen desselben 
, habe. Jenes drflekt nnaer Ueberaelzer ia aeiner Sprache so aus: 
x„Nihil moleetam, el nee lempne ipenm Ipeie aegritödhiflHia eellae- 
•litar, plernm^oe entm nen obtinet nalnni beerinie mnadi Tirtiiteii^ 
d. h., nach Hrn. L.: ,.Rien ne sera f&cheoz ai la saison elle-mtae 
n*eet pea renuiteire den malediea {iäv i^n avxn ye v ^pr, x& vo«- 
«nffiotTi ^vituaxvoT} ^ wie man in der bippokratisohen Compilatiea 
Utpl Kpiatficüv, ed. Frohen p. 388., lesen mnss anstatt iäv avri^ 
xt ii m p 4 ; die Negationspartikel steht in mehrern Mann- 
Scripten) car, en gencral, la constitation bomaine ne peat triompher 
de la force de i'eosemble des choses.^* 

Bei Gelegenheit der BrklArang einer aehwierigcn Stelle im 
4 Beob der Bpidenien benerbt Gelen (Com. 6, p. 609.) , deee der 
Verf. dee i» Rede etefaeeden Trektnte -des Weaen der Seele erküit 
bebe. Und la der That sagt unser UeberaeCzer: „üb! diee beinl* 
nie anlmem, .dico originale calidnm frigido consitum/^ Anf eine an» 
dre, kanm verstandliche. Stelle desselben bezieht sich diese Galens, 
f. 610: „Die Sfoi'ker behaupten, dass zur Fortdauer der Seele 
nicht allein Nahrung nöthig sei^ sondern auch Luft, und, dem Vf. 
des Traktats Ut^l *Eßit zufolge, sind einige von ihnen der Mei- 
nung, schon Hippokrates habe dies gelehrt.'^ Ferner findet Hr. L. 
ilaa Wort AvTÖjpofiov des galeniachen Glossars in den per se 
iraaaesniia dee IJebcraetaera, nad wir ettmmen ibm bei. 



( 0«r H€klu/* folgt,) 



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N« «8. 



IIBIDBLBBRGBB 



1839. 



JAHRBÜCHER DER LJTERATÜRf 



Wenn er aber des letztem inseparabilis solitas eine (reae Ueber- 
setzoog der ^Xorte ddiaxvnmxov xivöv (Glossar, y." Ax^itov ndjoi') 
nepot^ 80 müssen wir protestiren, indem inseparnbilis eher auf ä'^i. 
donaoxo» hindeutet. EodJich spielt Galen (1.3, p. 369 und 374) 
iiii^ t Stellen Traktate IIc^l '£^^. an, die unser Verf. aar ia 
/ojgendeo Uelwnetaungen giebt: nQaaad la ohaiid «t la froid 
jm^atairaa ^ai eonalitaeat le priaelpe vital , aont an partiea ^gälaa, 
rhomme demeara en sante : mala al Ia cbaad Teroporte sur le froid, 
(bier fehlt anatreitig der Gegensatz: oa bien le froid aar le chaad, 
oder das Diesem Entsprechende im MS. selbst.) ie Corps devient 
d^aafant plas malade qne Tinegalite est plus grande.'^ ,,Le chaad 
fait croitre les corps et les altere, guerit les maladies et en^endre 
les fievres, et il cause la mort des etres dont il a organise le 
corps.^^ Noch erwähnt Hr. L. hieher Gehöriges ans Censorinos 
(De die natali, p. 98), Macrobias (Somn. Scip. 1,6.), Ambrosius 
(Episf. 6,39 , Cbaleidiaa, (Conimeiilar. in Plataaia Tim. p.liljlit. 
j^d^ Maoraii,'I«affdl Bat, 1617.; Cbalaidlaa, der Gramaiatiliar, labte 
.onuf X CMati «atar Araadias.) dea|fleieben aoa den kartba^ 
gischen llbjetor Favonina Balogius fDispat« in Cicarooia Somn. Scip. 
p. 17. ed Antv. 16130 Adtias (Tetrab., aarn.!., aap. 83.), und 
aus der Schrift negl a^^div^ was wir der Kürze wegjen öbergebea. 
Auch in den Schriften selbst, die beut zu Tage dem Hippokratea 
beigelegt werden, obwohl sie theils nur hippokratisobe Centonen, 
theils Compilationen aus andern Autoren sind, verfolgt er die Spu- 
ren des ans Licht gezogenen Traktats; weist gewissen Fragmenten 
wladar ibran araprüaglicben Plata an, and zeigt, wabar aa Iraaima« 
daaa wir dia Titel ran mehr Werken dea Vatere der Bailknnda 
haben, ala dia Alaxandrinar, Galan and Bratiaa, kannten , da hin- 
gegen jezt nur SStflcka der alten Sammlung uns fehlen, nemliali 
die Abhandlung nepl x^av^AriDv ttal ßtXmv^ deren Bratian ge- 
renkt, und die ncpl oXcdp/ov xgmvßdr&v ^ die Galen citirt. Die 
falschen Aphorismen der 8. Section sinTl zum Thcil in dem Traktat 
9i«pl 'E^S enthalten. Galen fand sie nur in eiitigen Handschriften, 
dergleichen Naramer 2146 der Pariser BibL ist, nod ohne Zweifel 
sind sie nur Znsatie aus späterer Zeit, 

Unser gelehrter Arzt, von dem wir eine neoe Ausgabe and 
UdwraalBiinif dea Hippokratea an arwartan haben, hält daffijt, daaa 
der grlechifäia Taxi dea Traktate erat aait Knrxem varlaran aei, 
Vielleiolil gnide»,.nla er in den aiehara Bafen dar BDabdrnall^kanat 
fi»hMiiM| a^ilib^ Sifnneh dOrlta wir ^pi^ .^eaaan 4aCftndaiiiK j|MiiBr 



UmJahfft* HHafl. 



58 



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» • ' . • . 

fen, besonders bei dem jest hinfigern und faeiern Verlfftir mit Grie- 
chenland und der Türkei. Jedenfnlls haben wir srbnn dnrch cTiese 
Uebersetzung, soviel sie auch zu wünschen übrig lasst, einen nicht 
unerheblichen Zawachs zur Kenntniss der alten ITeflkundc und Phi- 
losophie erhallen. Das zeigt die Analyse des Werkes, mit welcher 
Hr. L. seioea Aufsatz schliesät, und woraus wir das JUauittsäcblioh- 
ste hersetzen wollen. 

,,Die Biorichtung der Welt oad''{brer Tbeite l«t von toleber 
BeeehalliBiibeit, daee die Zahl (^i 'Eßioi/idq) AUtB r^elu^ Dlpß 
der Anfläng, und nun durchgeht der onbekahnte Autor, ein alCer 
ionischer Arzt, alle Erscheinungen^' got oder schlecht beobachtet, 
in welchen die Zahl 7 zu prfidominiren scheint: die Mondphasen (?]; 
7 Winde; 7 Jahreszeiten; 7 Menschcnalter; 7 Haupttli^ile des Kör- 
pers; 7 Hütfsmittel der Existenz (das Athemholcn; die Sinne des 
Clesichts, des Gehörs, des Geruchs, des Geschmacks; das Schlucken; 
das artikulirtc Reden). Sogar die Erde theiit er in 7 Tbeile: der 
Kopf ist der Peloponnes „die Ueimath grosser Seelen^*; der Helle- 
•pottt bildet die Sdbeali^el; derl thtazisohe Bösponis die FjVsse, a.ilw. 
Nachdeip er so die AViclitIgkeit dieser iEahl* ges^cigt ' ttni| Iden 
aamnienbang allgeneiner Kenntnlrä di^r M^elt mit der specieUeÜ 
Kenntniss der Krankheiten ann^edeutei Ijaf ^ erkfärt er sich äher dag 

, Wesen der Seele, die ihm ein Gemisch elemcntarlscher Wfirme unä 
Kfilte ist. Dann wird der Thierköriitr init der Welt verglichen: 
die natürliche Wfirrae rejiräseniirt die Sonne, die nätfirliche Külte 
die Luft; dem Wasser entspricht das Flüssige im I^öriicr, der Erde 
Knochen und Fleisch. Ferner vergieiclit er rfen Körjier mit dem 
Jahre. Sowie dies, nach Vollendung seines l miaufs, gleichsam in 
jrieh* surfiekhehrt, so bat vieh der Körper AnCHng, Wacbstbnm, 
Reini Qod Bade. Nothwendlgenireiäe fst ei^ den Blnfffiaaen den 
Jalirea selbst ansgeketzt Und inodifizfrt sieb nach .dessen' Perioden. 
Wann der Winter den Frost herbei führt, fallen d^e Bäabiblftttcijr| 
und die Thierweit moss sich in ihre Zulluchtsörter retten. " Dtift 
körperliche Wärme durch die Kalte peschreckt, zieht sich zurück 
und wirkt auf die Flüssigkeiten, oder %'ielmehr auf die Eine Flüs- 
sigkeit, die, nach der iVIeinung des ^'crf. durch den ß:anzen Kör- 
per verbreitet ist, unter dem Namen Giilic, Schleim, Harn u. s. w., 
welches alles Produkte der in Kälte veränderten Wärme, oder des 
Gegentheils, sind, sowie alle Erdflüssigkeiten, Wein, Weinessig, 
Most, Milöb, Honig, Tbau, Sohnee, Hagel, aua einen elnislgen Ü^- 
Btoff, dem Wasser, bestebn. Von der so ooncentrirtiia Innern Wir* 
tne des Körpers leitet er nun die Krankhelten und insbesODder^ 
die Fieber ab, dieVie jedoch auch, zweckmässig geleitet, hclH, ^ 
dass sie dem Körper ebenso nützlich ah verderblich sein kantt. 
Was die Fieber betrifft, no entwickeln sie sich ebenfalls aus der 
zurückkehrenden N«t!irwärme. Die Zeit der IJlflthen und Früchte 
lockt die Thiere hervor; die nach Aegypten vor der Kälte entflohe- 
nen Lehren wieder zurück;^ die Sonne erregt alle Flüssigkeiten und 

Tdiead ▼ernrsaefaen Fleier« 'wem niebt'A^aleerongen, natürlich oder 
HmÜ-KmiBt bcwtkl^' «dar ^^AiibbeiRie Käbrnhg , den HÜSd^i'^ätt 



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QffiMlilMll» l&MMii' Mi- 

Ficbei^ und aesohwäre ein, WirfdM^en der tetflttidbtien, aiif- 
gmcgien tmd ^iftigen^(?> Flüriwijrkeiteii. B(w^bin ealstclm ,8 aml^. 
4,thgigc und tägliche Fieber. Dab«r miiss {ier ArM nicht atlein die 
Fieber kennen ; er miras auch dfin> Einftoss des liniverRUBia auf dea 
Körper za beürtbeilen wissen, tili d Wird iiiobt irreo., wentk er die- 
sen Kinlluss durch einen ciitae^'en^^esezten bekamfift. äo Innge die 
Warme und die KäUe der Neelc im Clleici^ige wicht «od, bleibt, dbr 
Kirper^ - jgMbd. * JMftli^^ Aingege» «diw. GltifcbgiiMrM.Afer^Blbobwii 
yMy tnehelat jM IdebtK . magl^e^iwi 'Mnif^ tevilMi 

e» mit Hitze an/ so fola^e«^ di« FriiisobaiMr. : ' ' - ^ 

So fährt der Verfasser' fort« «nd se int B^crftnofifeii über dl« 
Entstehung" der Fieber und anderer Krankheiten sind mrht ohne 
8puron; praktischer BeobachtungrR^&be; nur kehrt er fretlich iininer 
isp der Zahl 7, wie zu einer fixen Idee, zurück, und meint, so wie 
diese Zahl in der \atur vorherr$:che. dun lisnf der vernehmsteuGe-^ 
stirne regle, und in der Entwickelung des Menaclienlebeas hervor-*, 
teet^ «0 bcaliinme sie aoeh deB- Gao^ und die Periodea derKr«qk*,( 
Hüm» . Hr. L. kftini tiob- Miefat «dthtkeiif dUbe: Sebtrariilitit dM" 
l^iM' Jenen an TAgen. 

Kach dieeer Analyse des Traktats Hifl ?£ß<. :«irirll mner Au«^: 
tor aaob auf die Schrift Qf^l rxp^(£v oder TLegl, adpnmv ^ welehAr: 
Titel jedoch wahrscheinlich falsch ist, einen kritischen Itlick. B»: 
heisst darin so Hippoer. ed. Frohen, p. 44.: Tr^q *ie (pvoiog -xriv 

ifäi <p^ätt(s> iv aXXotaiv. Eine offenba/e Anspieiuag anf den in 
Rede stehenden Traktat, dessen Hervorhebung der iäicben/.ahl, ihre 
Aftweudung auf das menschliche Leben, die Elementarwärme als 
PrtHdp' aller pUige «. dgl. m., «M* aook %m UisMr. SdhriA Meli 
tktmr.sduMt'Bw h. taiobt abncT Drand Iteidb» Wcvfc* Bintia V«r». 
faaaer aky «iad:> diea lialiat ilw wiedat den Weg z^nr aahern Be-^.. 
•Ülteing dcraSek, in webiher der Traktat Ilr^l ^(i^T. iceschrieben 
MÜmi^ßoiim:' la der andern Schrift nnmiioh üesst man Folgendes 
4&: At^ yii? nolKoU (dies Wort scheint missrerstaodene Er- 
klärung;) (pXißec; dnb Ti^g xat{)iliijz' xi^ oijvoua apr^pt»;, 
dk xoiXri (p'KtT^f ,,Zwei Adern entspringen aus dem Herzen; die 
eine heisst Schlagader, die andre Hohlader." Diese Lehre vom Ur- 
sprung der Blutgefässe im Herzen stellte zuerst Aristoteles auf, 
sowie ihre Bintbeilung in Sohlagadera ood Blatadern. Vorher lies- 
aan S^reoaesis voa Cypera nad Aadere die Adera simmtlioh im 6e* 
biro eatsprlagees^abtf 4lAefc^i4^a"M'e <1iSfdist iberiidllicb. Selbst 
Diojgenes von Apollonia, der. hierin etwas genauer ist, hi^'^t sie doeh 
nur durch' das Merz geben,^ nicht dort eritspringea,' In der hippo- 
kfutischett Sammlung vcrlanten^beide Meinungen, die erste in den 
l^raktaten ;,Von der Natur des Menschen" und „Von den 
Theilen seines Körpers vlle,>l Tonav xatv xaxa aj-^ptoJiov), 
die andere im 2. Buch der Epidemieii. Aristoteles «erwifft beide. 



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tai flffiiiMifiia AUawl». . 

* 

oi^m^ oi 9iä TavTnc er Il».9art anim. lib. A( e» 4.^ Com. I.'' 
p. 1004« ed. Daval., und macht so ^egrOodeten Aosprncli auf den - 
Namen, wo nicht des Urhebers dieser Ansicht, doch ihres ersten 
oamhafteii Vertbeidigers. Hieraus folgt, dass alle Schriften, worin- 
derselbe anatomische Grundsatz ausgedrückt ist, einer spätem Zeit 
angehören; folglich ancb die Schrift Ilepl (ip;(o3v und der vorlie« 
gende Traktat, wenn anders, . wie , es scheint, beide Einen Verfasser 
haben. Dass der Verf. jeMO Wotka ^tnmm-Mü aiMlAnaxago* 
raa^ tai Leluwr das Paiikloa .iiad SokvaUla, MMe^-^bMifatot «iM< 
Stelle >aBb ad, Frobe«., wo er jMgly daa hdoäato oMenteriaohia. 
W^toteoar werde vott den AUaa Aether genannt, «oi önoii^vmL 
(AO» a^Th doniovqiv oi saXatol aide^a. Also zählte er- 
Anaxagoras zd den Alten: denn von Dießem berichtet der Stagi- 
rit, De coelo, lib. I. p. 4dd ed. üaval., er nenne missbräucblich daa 
Feuer, Aether^ "Ava^ayö^aq $t xaTaxe^^ijTat xa ovöuari. xovTcp. 
ov xakaq* ovo^d^ei yä^ ai^i^rx äwi Ttvqoq. Die Abfassung 
beider Schriften fällt sonach zwischen Anaxagoras und Aristotelea 
auf der einen und Philo auf 4or andern Seite; und wenn die Stoi- 
ker, BMb der ofeas aDgaflklirten Stalle CNiIodo (tom* 5. p^610;i, ihvo* 
MeinoDir toh dar Erhaltang der Seele im Kdrpar niobt allaiB dnnh 
Nahrnngamitlel, aondern aach durch Luft, auf den fonneintfieli 
hippokratlaeben Traktat Hipl '£^J grändeten, ao wurden beide 
Werke om die wftal, in weicher 2teno aaino Pbiloaofliln 
lalirte. 

Wir scbliessen diese Anzeige mit dem Wunsche, dass Hr. L. 
bei Bearbeitung seiner Ausgabe des Hippokrates nicht so ängstlich 
verfahren mo^c^ als seine Aeussemng über die, gleichfalls von uns 
citirte, Steile aus dem Buch Ile^i x^iatficay, p. 388. ed. Frohen- 
(idy ah'ti «e i^^n ra iro«<n{fcaT4 (ofifia^^ai^) ftirchten läast. 
Er bemerkt dort, ala beaondem Gmnd, die N^;aziotti|iartlkal «nf* 
nnnebmen, dasa aie nleht bloa anf Coi^jaotttr bernba, aondain band«» 
atduPffUieb aeU Wir aber halten ea ndbt allein ffir ein Recht, son« 
dem sogar für die Pflicht jedes Heransgebers, der seine Leaer niohit 
nnnöthig plagen will , dergleichen Verstösse wider Sinn und Spm* 
che stillschweigend zu bessern, und die kraqgen der Abaf||braibor 
nur anter dem Texte zu bemerken. 

F. H. Bot he. 



Cla$siker und Bibel in den niedern Gelehrtensehulen. Zweites Dändf 
9hm, eme Erweiterung, Begründung vnd ApologU des erUen, — f^om 
Dr. Bduard Ryth, BatO, M C F. l^ttUr und Comp, 1889. .196 

& M M. d. 

Im Septb. 1838 p 939 ff. haben wir in dies. Jahrbb. das erste 
Ddeben beurtheiitj i«i Oktob. deaeelben Jahres p. 10;24ff. die Gegeaachrill 



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SciMiIwMeo — Pädagogik. 91T 

m mrMh RUfWiJeer fa -4eii nieilAtii^ Ckelebr«««- 
'.•oknltD* 0. Stattgart 188&^ Dm ror tiiur iHgenle BMoheB 
m» <er Titel b\M ng^ hMpteicfaltoli -etee VtDrtMd'igfing 

gen Hirtel, qnd, wie der Verf. sich ffir tkwsxagt lült, eine 
fli erreiche. Ob sich Hr. H. wiiilioh für fiberwiAideii) ffir wide^» 
legt halten werde, öberlnssen wir billig seiner eigenen Erwä^ang: 
bezweifeln es aber. Ref. wenigstens wüsste nieht, was er selbst 
von seinen in beiden angeführten Reoensionen nieder/Ecelegten An- 
sichten und ausgesprochenen Ueberzeagungen aufzugeben sich be- 
wogen fühlte, nachdem er nun das zweite fifindchen gelesen hat, 
welchem, dem Vernehmen nach, ein drittes folgen soll. Er wie- 
4wMI>«i«ht^ Wae er über Hn» Dr« Bylbrflltir BedeB) nitiAn- 
eftem^r so Biiiebir Wabrbelt^.te uditeeft IHurMellong; derGe- 
«iMHiiig^'iiiid- nencher eelitaeo Beigtbr Mi^geepnobeB htkt er wia^- 
derbolt auch nicht, «ee er in Ctanzen und Einzelnen gegen die 
Schrift des Hrn. Dr. B. sagen zn müssen glaubte: aber er findet 
sich auch nicht bewogen, das Eine oder das Andere zarnckKti neh- 
men. Um indessen nicht den Anschein zu haben ^ als hätten wir 
das Buch nicht genauer betrachtet, so herobren wir einige von den 
Stellen, die wir uns angestrichen haben, nnd knöpfen in möglich^ 
ster Kürze unsere Bemerkungen daran. Wenn der Verf. S 1. die 
49fii« des Cgtoryaoetom ••T eeioe 9obrlfl Mweadet: „Dm Ifft 
iie Nntw itr WabiMI; wodttpch lie to» MeoMftes AogefMiteii 
- «tri 9 dadoeeb, wie miebtiger^ eo wird eelii Ctegner die ft^ 
^tto principil, eine V^mnssetzung dessen^ was erst bewieeen wer- 
den soll, darin findcp, nnd Aigen: „Was ist denn eben hier die 
VVahrheit? Ist nicht etwa gerade die Wahrheit in der Schrift 
meines Gegners angegriffen So viel ist gewiss, dass, wenn es 
auch noch &rger wird mit dem Bekämpfen der klassischen Literatur 
und der Jugendbildung durch dieselbe: ein Bekämpfen, wo die he- 
terogensten Streiter, die einander in andern Hinsichten fast verab- 
Sirenen, sich brflderlicb die Hand bieten | dass, sagen wir, der 
Jetat vlellbeh verbleadeten «lul getiobcbtett Welt nur desto gewie- 
•er die Angea aafgeben waden, nod eine imbefbngeaefe Nnehwdl 
dieser Kfimpfio höchstens als einer literarbisteriseben llefkwQrdig- 
keit tkd eines Denkmals gedenken wird, das der ersten Hälfte des 
neunzehnten Jahrhunderts den Platz, anweist, der ihr gebührt. — 
Heisst es S. 6: „Ks möchte sich fragen lassen, ob nicht diejeni- 
gen, die das Evangelium den Classikern gegenüber zur Herrschaft 
bringen wollten, diese Classiker häufig weit besser und gründli- 
cher kannten, als umgekehrt die Verfechter des griechischen und 
rdmisohen Geistee das Evangelium, welches nicht in Worten^ 
MAdein in Krsft lieetohtY^ es Msst sieli die Frage nil gsius 
l^iebeiBf wo niclrt grtaerm, Reehte gendesn nmbehrem Demi 
waMisb^ bieher haben die Bekämpfer des klassisehen AlterthnniB 
•sImii nidht ein sehr tiefes Eindringen in den Geist und die Kraft 
desselben bewährt; auch gibt die obige Frage fast dem bei Hr. D. 
E. gewiss unbegründeten Argwohn Ranm, als habe der Bekämpfer 
4ai JOaesiscben Aitertbiuns dar ja Mose Worte gelesen. Und 



Sclmlwesen — P«dagogik. 

wekber V^fecfater dfs AI«0rMin''MUtaipft dMUi 4i«iBMf' trtt- 
eber ül» SdiglMlt W«r tItUi Üben 4er ältoii WUt, 
In.dMieD edeM«! K«|ifteMitnt«o^ 'fil«r; dab I<ebea iift-liieMe iHÜ 
• im OeM dei ChristentlmiDä? Alsot m&n nttiobe qar nicht erst fttü 
4tlM, die man bekimpft^ durcb Uebertreibung und Fictidfl, Men- 
Bcben ohne Werth und Gebalt, um dann mit solchen eelbst^eschaf- 
fenen Gegnern, als wahren Sündenböcken, recht leicht fertig ku 
werden. — S. 6. „K« wÄre nothwcndig^, dass in unsern niederti 
Gclehrtenschaiea die tiibe) mehr, gfröndlicher, anreihender getrie- 
ben wurde.^^ Wer hat denn dem V^erf. gesagt, daes die Bibel 
dBrchaas ongrilndlicb und nicht naregend getrieben Wierde^ 
Tbon diene nIttUbriMv «OK Br bidftV od«r fba»'«f weatfelMrdi» 
a^tenr änt BrnUefai Om Btenimtni fAf^le MddItolilMl»; 4te 
•ein Knnbn.bin non 14..Jibr»-ftnneh iten? and ist nur das eure- 
gend, w«» Ihm 80 scheint Y' Und nun vollends das mehr. Nicht 
das Viel- sondern das Recht - Treiben ist beilsam. Die Zahl der 
Religionslehrstiinden macht es nicht aas. Ein TiChrer., der nicht 
Alles mit Heliirion und frommen Sinne lehrt, ein %'om Materialis- 
mus des Zeitgeistes angefressenes Oeroöth^ wird^ in den ReKgions- 
stnnden nicht besser seyn, sondern erkftltend wirken ;'^^nd wie? 
wenn nun gar die tiauptqueile des Verderbens (in so weit fis zn*- 
gegeben werden flwnn>ia'ider biodicbnrBnrtebnng. inill Mr diMl^ 
liebefl: Mee Ifceit? wewr der Kinbd ven Oett und gMiebom^Mn- 
fgn^ MVi Hnoee entnrednr nie -npreohen,' eder dnriber nnd" ttbet'^iite 
Lehrer der Religion spotte» bdHf — 8.7. hatte der Verf. lieber 
Cioere^n und Plato's Aeuscerangeo tber die Dichter nieht anführea 
sollen, damit nieht ein Gegner ihm sage, er deute erst die AUcn 
falsch, um sie selbst dann nl*? WafTcn ^egen das Alterthum /ii ge- 
brauchen. Lud wie kann er sagen, es scy Schuld der i'liilosnphie 
und niehf der Philosophen, dass Cicero mit Recht kla^je, die Phl- 
loso^tiieu ieljen so häufig nicht nach den Lehren der Weisheit, die 
nie nonepreebiw 9 und wie die Stelle 'nee dem 8eneon^ (S. 8 ff;) nln 
Wanuing vor -der Bildung der Jagend «fC HfllTe den klmniMeo 
Allertbnmn bmnobenf Wnhrhnflig, mit neieben Behnnpttmgen- gibt 
^ neinea Ctegnem scharfe Waffen i« die linnd. Und uie kSnnte 
er, gteichseni wtt Sinpfehitinpr für seine I^ener und för die ttigend 
die Stelle ans jenem ausheben : ^Mchr wissen wollen, als gcnngt, 
int eine Art von tninassi^keit'' — ? Was wiJl er antworten, wenn 
sein Gegner sagt: .,Da sprachen sie: Christum lieb haben, ist bes>- 
ser, denn alles Wissen: ich aber sage: Christum lieb haben und 
dabei etwas Tüchtiges wissen — vertrügt sich denn das nicht? 
" Stört denn die trene, redlicbe Pomchang nacb Wnhrbeit nnd Er- 
kenntttien die Religion f Munn nnn die Winnenncbaft verncMf nv M 
lellgifiA eeyn na iidaneo? Kenn md nieht nlien Studieren ^ mit Her 
Ugloo und Aronmcn Sinne treiben) bnd aiobk noeb Refigien eognr 
ohne frommen 8inn%«^ Wir wissen, wie cntförat der VerMner 
vom Hasse der Wissenseliaft, von \'crdammunof des Strebens nadh 
l^icUt ist. Aber darum eben wünschen wir, dnss er keine Veran- 
ftiiSQOg m soichea Jbragen gebe. IGben so sehr bntten wir ge- 



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98» 



wMt^iüm 9t dto Statte «ife^Citarir fe* I^. L 1. «ieM 
«!■ läiini SeitdnUidc auf dea kweifelhaften Werth eines der Hatipt«' 
erzen^isse formaler BUduog gedeutet hätte; da doch dttr reckte« 
Sinn (die Betrachtang des Miibraacbes der ßeredtsamkeit tu Er- 
reichung söbändlimter Zwecke) so offen da liegt. Und nun gar 
hier die Anwendung adf die formale Bildung, die der Geist,, 
nach der Ucberzeugung der erleuchtetsten Mnnner aller Zeiten, 
durch die Klassiker gewinnt I Oder hat nicht gerade unsere Zeit 
CiKUl femkrliofc ilülit ihmli 4m fiUidieoi des AUertboms} es in der 
Miiiidiitheteii aUei. K$mt0 aar lilidhiile« Virtaeeim g^hnOki, «cm«. ' 
tteli tavier KiiMt>. AiJe»: in beeeMnlgen, Alle« an verUieMigea^ 
sef es ailob necb ro aeUecii^ ia' dtr KaaAt, auch dem EesCtai unA 
Bdelstea ;eiata' Fleclc anzuhängen und es berafeoawrfirdtgea, aad 
Elnr^ir mit einem Sehein der Wahrheit, der ganzen Völkern und 
€lenerationen den Sinn für das Wahre und Gute zerstört? und wa- 
ren nicht die Heiden wahre Kinder darinn, wenn schon Cicero mit 
Recht auch zu seiner Zeit über den Misbrauch der ßeredtsamkeit 
klagte? Der Hr. Verf. weiss recht gut, wem auch so viele Deut- 
sohe diese Kunst abgelernt haben: er weiss and fühlt es gewiss 
oiit DH8y das« es aiebt die Alten sind. Dass er glaube, die Ci- 
täte 8. 14. ir. beweisen" Etwas gegen deri* Oebraneb der Klassiker 
zur wissenscfaaftlicben Vorbildong unserer Jugend, das glauben wir 
aiobt. Wir wüssten nicbt, was weniger bewiese. Mit S. 38 be-> 
' ginnt nun die Widerlegung Hirzeis. Wir wollen es diesem über* 
lassen, zu antworten, pder zu schweigen. In manchen Einzp.lnhei- 
ten hat nach unserer Ueberzeu^ono; Hr. Dr. E. Recht, im Ganzen 
und in der llauplsaiihe nicht, Uei ^S. 81. hat den Ref. besonders 
die Aeusserung höchst unangenehm berührt, dasH nach Hrn. Hirtels 
Berechnuitg „für das Vollblut-Classiscbe noch 13 '/i Stunden bleibe, 
fni: die nell|(ioa etwa* «ker % dieser Zeit.» (Br meiat webf^ 
wöebenUleh. 8 standen; fioll ee etwa umgekehrt aeyn^ nnd 13% 
filandea der.Reliipienalehile« dStaadea dea Spraeben and fischen 
des Altertbums getioren? Das kan« doch wohl sein Ernst ])ei die- 
sem 8pott nnd Hohn nicht seyn. Bete und arbeite, sagt dasSprüeh"« 
wort Sollen etwa auf eine Arbeitsstunde 5 Betstunden Folgeni 
oder ihr vorangehen? Kann und soll nicht jedes Arbeiten mit from- 
mem 8inne geschehen? Wer nicht heim Arbeiten frommen Sinnes 
ist, der ist es auch beim Beten nicht. — Und warum musste denn 
S. 122. der arme Cicero (pro Arch. I^oet. VI 14: nihil esse in vita 
angnopere «X|ielaadamf airi laodenf atqae benestaten) erat 
fialscli erklärt werden, damit er der Biapfelilang dines sfindllclMn 
Bbffgelaee beedhaldigt wißrddn köaapt Man betniehte einaitd die 
gaaae Stelle, und man wird finden, dass In an Veredlung durcb 
Brwerbang- UM^iieher Klgenscbaflen, dass bonestas die in sittli- 
cher Gesinnung liegende wahre Ehre bezeic!inpt Sr» könnte man 
auch dem Apostel Aufmunterung zum Khrgeiz Schuld geben, 
wenn er sagt: ,Jst etwa ein Lob: dem trachtet nach.^^ Und 
doeb wird Niemand es tbnn, der den Zusammenhang liest. 



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91» 



SdMlmaii — PUigagik. 



Doeh es ist Zeit ahuAlMheB, und nur noch die Erklärting Idcv 

wiederholt niederxolegen , dass wir den Geist, wie die Gesinnnn^ 
des Verf. ehren, dass wir mit ihm überzeog't sind, ein frommer, 
religiöser Sinn sey die schönste und beste Grundlage aller Jagend- 
bildung, und eine vorschnelle einseitige Vers^ndesbildang, auf 
Kosten jener, (^\ie unsere Zeit sie, mit Verachtung alles Idealen, 
fordert und aufdringt,) sey die Quelle des Verderbens, and ziehe 
Menseben, wie die Zöglinge der polytcehnisebeii MinU ati Wnim 
Aber wir viederbelea e^ avcby dai« wir weder In den Aasehiüdl» 
gongen des Uoterriebfs, wie Iba gegenwirtig nnaere beeeera nie« 
dera Gelebrtensohnleo bieten, noch in den Ansobaldignngen des 
klassicben Alterthumt tlberbaupt Wahrheit und eine richtige An- 
eicht, noch in den Vorschlägen desselben achte padngogisch- wis- 
senschaftliche Weisheit und Einsicht zu erkennen vermögen. Wohl 
• dem Verf., dass er und sein Thun (was man aiobt voa jedem Ver- 
fasser sagen kanuy besser ist, als^ein Buch. * t < ; - 

yiB. G. B. Moser. ' 



Podt^ngik, oder Erziehungi' tind Unterriehtslehre nach den Anforderung 
gen der Gegenwart von AugUBt Arnold, Prof. u. Direkt, de» Gigm- 
nasiums zu Königsberg i.d. y. Königsberg bei H^indolff und Ütriege* 
1821. ym und 235 S, in gr. ä. (1 TAlr, 6 Gr.) 

Die Abeieht den Verf. geht niebt dabin, naeb den Leistungen 
von Niemeyer, Scbwara nad einigen Anderen ein System der 
Pftdagogik in wissenschaftlieiier Consequenz zu entwerfen, eondero 
aar einzelne Materien ben'orznheben und ale Brganzun|ren näher 
zu erörtern, weil, wie er bemerkt, in dem ausgedehnten Gebiete 
des Erzichungs- und Unterrichtswesens noch gar vieles aufzuhel- 
len sey: diese Absieht stimmt jedoch mit dem Titel des Buchs nicht 
überein. weil derselbe eine theoretische Durchführung der wichtig- 
sten padngogischen Gegenstände erwarten lässt. Titel und Absicht 
nebst Inhalt der Schrift entsprechen daher einander niebt, was Ref. 
▼ombereia an bemerken für netliwendig fand, nn den JLceer auf 
deigeaigen Standpnnlit an erbeben, von welebem aas dieae Anaeige 
betnebtet und das Werk selbst gelesen werden muss. 

Dass bei den vielen wideiepreebenden Ansichten im Erzichunga« 
und Untcrriohtsfache; bei der zunehmenden Unsittlicbkeit und Irre- 
ligiosität; bei den häufigen unerfreulichen Erscheinungen der Er- 
ziehung in der Familie, in der 8(hu!e und im öffentlichen Leben; 
bei den hnrtnäckigen Kämpfen über das Unterriehtswescn, wodurch 
nnsere Erziehung und Lehrweise in ein geluhrliches 8cbwankea 
gernthen ist^ bei den immer lauter und begründeter werdenden iUa^ 

wegen der tmnrfgen Felgen der denkende l^ebrer viel ^^ tx^ 



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lingnen und entbfilt für Darstellnngfen, wie sie in &im vofUegwi* 
den Buche mU^efheill sind, mehrfache Bnt8ohnldigQii9t|(rAnd<^.wel» 
Ohe am so grosseres Gewicht erhalten, wenn sie von erfahrenen 
nnd im Erziehung- und Unterrichtsweaen bewanderten Schulmno- 
nern herrühren, wie es bei der vorliegenden Schrift der Fall ist, 
deren Verf die ihm wichtig and in den pädagogischen Sehrifteq 
Dicht gehörig erörtert erscheinenden Gesichtspunkle z,ur Sprae|i9 
teiogt, und S/M%m tffeb« In der 'V^wnrfe näher erkMrt. 

Püs' Chnw aerfiüll «neh flncir. langtii ainleitnng .^«n 89 Mte» 
i« «whi^ IMla, vor«» der ersli'^die EmMMf 8148-138 «nd der 
den Untarrioht 8. 139 > 276 nüfheeel. Um den Leser mit den 
eiasefaicn Theilen der ViiUeitang und der beiden Theile befcnnttt 
zu machen, stellt Recens. die Hauptgedanken überaicbtlich zusam- 
men und hebt alsdann einige zur näheren Beurtbeilung heraaS4 
Der Verf. fordert rom Erzieher klares Bewusstwerden der Natur 
des Stoffes, des Urbildes för die Nachbildung jenes, des Zweckes 
dieses Gebildes, der besobränkendeii Bedingungen und der diese 
Bedingoogen and jene Zwecke verwirklichenden Gesetze, oder 
Wi ii oni c i Mif l, «to .«r «igt^ wi» Ite JM. nMl beiethnnl, «eil' 
die Bteieba^grieliitoy ^in %Mliwarft nnefagewiceeii het. Mm 
' nlrdngi^ Wieeenedbefi iet nnd werde» wild« Br betmefatet vmm 
neeh Bcneke's trefflicher Arbeit dIt'Sefelenlekre de^allelaige und 
nieliere Ornndlebre der Pädagogik mH tedelnder Bemerkang Uber 
das ^erreissen der Einheit des Geistes jener, indem er sagt: ,,die 
wahre Art, die ßeclenlehre als Wissenschaft zu begründen, sey die, 
welche die Beobachtungen, so wie die Ideen des spcculativen Den- 
kens mit einander verbindet und die Einheit im ganzen Organismus 
des Menschen aufsucht allein unter Hinweisung auf die Erörte- 
rungen von Schwarz in seiner Brziehuugslehre , welcher die er-* 
kebeM und greeaertiife Idee der in der Entwiekeliing begriffene» 
«nd verwirte eehtettenden Meneohbeil tnm Gründe liegt, ddrHe es 
Jedem- Leeer klar werden, daee der Bnlehongeiehre der elrenip 
wiesenscbaftllche Charakter abgeht. ^ . 

Diese Grundlage bestimmt den Verf. daher, zuerst vom KÖrpery 
von der 8eele, vom Geiste, von den Jüjnneswahrnehraungen , vom 
Gedächtnisse und von der Erinnerung und endlich von den Seelen- 
vermögen KU handeln. In der Definition der Begriffe ist er häufig 
nicht glücklich,' da ihr oft Klarheit und Präcision ab<greht nnd er 
selbst weniger auf die Entstehung, als auf die Worte selbst sieht; 
logische Schirfe und bestimmtes Urtheil wird oft vermisst, worahen. 
Um ihm Werk vos Beneke voltkommen kelehcett kenn, wem er 
eldi die Mfihe nehmen will, deMlhe wiedeiMt neohsnieeen. Den 
Sediektnieeflbangen spricht er mit Recht nieht unbedingt dae Wort^ 
wodurch er viellelebt bei manchem Sehnlmannc anstösst; allein €t 
bat unfehlbar seine guten Gründe dazu und Ref. hegt die lleber- 
zengung, dass in den überwiegenden Befördern des gedäcbtoiss- 
ibieeii^ Lerneoe Ittr die pbyekebe and geiel^e Eotwiobeking der 



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Mi ÜlMHrsMli ^ nWag^gllM' 

jBgMid Tille J»M n tm^ Mi ^MM «tor 'Mkt.m» .1»* 
zeicbnet weiden können. 

Die drei vorzüglichen Riebtangen der Seele sind ihm VorsCel- 
Inngf in ihrem Entstehen und ihrer Th&tigkeit, ^Sittlichkeit und 
Wille, Tfa&t und Kunst; das Ideal des zu TOllendenden Mensehen 
findet er in richtig abgemessenem Wissen; in der vollen Entwicke- 
luHjOf und Kraft der geistigen Fähigkeiten; in der sittlichen Treff-> 
lichkeit, in der praktischen, geselligen und Geschäfts - Btfauißbliar- 
kelt nod 6DdHoli in der OMMtelC, ^kOipMeM Knft.iwid «le-^ 
Miidbdt D«s «el «lltr WMiAag^'^t tkißk Hm al» BefMiigung 
«•d Hlaldtanff d«t M&oMiüi wä dM» tnhdMn^ nkUmm lind ter** 
nonisoben, inneren und ftaseeren Leben und Wirked dnr^ UidMl dir 
iO sieh und die Welt tief und riebüg begreifen lernt, oder zum 
vollen Selbsf- und Weltbewnsstseyn gelanoft. Dasö die Erziehnnfjf 
nur in dem and durch das Christcntfaiim znro Ziele gelangt und 
das sittliche Element allen Unterricht durchdringen mnss, kann der 
Verf. recht klar erörtert finden in der Schrift von Schwarz ^^Das 
lieben in seiner üiüte^*^ L ei pz. b. Göschen 1837. Die- drei £nt« 
imckelungsstufen der Seele in der Weitgescbiebte, odmliolmdasiKa^ 
torieben^ dim OetM»^* iMAMlMto-lj^Mi wnd idie BagiftMM^ 
ithilt diM< Vwviniidoi Md dar VdbiMttiftv 'AeMUletata ^ymnH^ 
tnng, ^'elefMi ^ossetf deo bei4kbrttr MtBBraweii..AMili wMeki^ Am^ 
iMiten enthält, di« Heloe BiMigung get\innen. . i .< l! .1 . 

• " Nach Erörterung des Erziebongsbegrtffes bezeichnet> er das 
Wechselverhfilfniss der Erziehung und des Unterrichtes dadorek, 
dass letzterer erziehend und erstere unterrichtend seyn solle, worin 
die Haa|itaufgabe der Pädagogik liegt, wofür in Er/.iehungsschrif- 
ten eine Unzahl von Regeln aufgestellt werden. Er sagt viel 
Haltbares und Beherzigenswerthes, aber auch manches Unhaltbare 
Md Zw«idslMe; DI^HBildiiag ist ihm «In: innem Mittel der Vnr^ 
■anflentwiekeliing den ESna^en onr fir einigt» JM« ,iind die nwel 
BxtMne; anserer Zeit^ alle Kinder nadi diinfli CMclilqioofefn wm 
erziehen, oder sie frühe in alle Genüsse des LebeuS eia»iiweisea^ 
bespricht er reeht gut: 8ch warn' bezeieiuiet kürzer ieit denWor-» 
ten:.„9a9S man jetzt mehr rechne und weniger bete' den Hajipt- 
febler der Erziehung und lässt dem Geist der Zeit weit weniger 
Spielraum als der V>rf., welcher die Werke jenes rndaoogen nicht 
völlig verarbeitet zu haben scheint. Vor dem verdei blir hen Ein- 
iluäsü der Zeitrichtungen muss der Erzieher die auiwnchsende Ju- 
gend bewiiliren, indem er das Bewusstseyn der . Unwisaenbeit weeftt^ 
den Zögling naeb nnd nneh zur. fielbatatind^eib fllbre, di* 
. nneMolit dini|>fef die Gendgaankelt Öbe nnd alle* auf Bbr^felii pder 
■iteikeit berechnete iMzmittel vemietde. 

Hit Wärme und Vorlipbe epriebt er sich für die Brztebnn^ 
des weiblichen Geschlechtes aus, ohne in das Besondere derselben 
einzugehen und den grossen Einfluss der Mütter auf das alltnahlig 
werdende Kind und auf seine Erziehung, zugleich aber auch den 
der Weiber auf die Männer und die verschiedenen L4eb6ns Verhält- 
nisse gehörig zu würdigen. Einige fromme Wünsche und galante 



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/ 



-#NMdtli^ii veraiHiehMiliebeA nieht, wie «dem grossen Munzel im 
gH ü f limtrti ttMi ^Mlflii -AMfillriR^ F«r 
-dt« Bnieb««s^'^^ nraiiiMi;fbt«»fl «r iMir #e f^nft flhrBIg««^ 
iMMlMkelfiii HHnlNMM M M%raii»)«MBtft ilur MIm ilii80lii«i&- 
fiägf^ fichtieU iqflMiieMeir VersfttMteff, tnni^ ItostflM») MbM^ 
leb' tttd leichten Denkens , ' Errntli^tis ti. dg^. 4wclh ihre liebenftL. 
«Bwccke nnd deren besonderen Modiflcation berfinfrfen nestiiomangen; 
allein man vermit^^t ffir eine segfensreiche Töcbtererziehiiogf, wie sie 
uns 8ch wa r//dargeboteii hat, sehr viele entscheidende Momente, 
welcbe nicht unbeiührt geblieben seya soiltena Uebrig'ens wünsobt 
Ref., es möchte das vom Verf. Gesagfte nleht allein von erwaofise- 
nen RfSdoben und von MMtern, sondern vorstlirllcb von liebrera 

wei-m tBiMelHiiiftifaulbtellM liBr'lliMiett'iMfl MMIgl'«it'glMfe 

^mm 'nmikü: " ' • • ♦ - . '-^^J"- ^ »» 

' l» il6fl%ir Mr ÜBterrichtes, den er JedM nibbt Ms eMM 
Bfnzelne^ dtitsC<nit^ das in der BmiehMif' ^eaehiefat tuMI nacb 
Beinen Gesetzen, Gegenständen und aelnem Ganr.en in der 
faaasHeben nnd öffentlichen Eniehun^ , also als Methodik, 
Didaktik und Pädeatik, oharaCerisirt , bei^.e'ict^net er zuert^t die 
bei der iBeolenentwickelnnof zu befolgrende «tufenfoige, die fönf 
Hauptseiten der Form der ^eeie, den Zweck des Unterrichtes, die 
'Forderoagen des Zeilgeiitoe nnd die allg^emeine Anordnung aebet 
drei Gesiebtapnnkten, wormMb *e Mrolgekte sa beorlheiieB f^od» 
Dnss jene PorderuDgen mit denen der Vemonfl EnsMnniea Btinmea, 
ist Irrfbömlich und verrfith keine genaue Kenntniss des Charakters 
unseres Zeitgeistes. Maff der Verf. auch noch so viele prAktische 
Erfabronofpn Scliulmftnn ja^emacht haben, so bat er in der A«f*-. 
Stellung jener üebauptuug doeh unrecht, wie ihm die naohthetligen 
Einwirkunnrcn des 2^eitgei8tes auf fast alle Lebensvcrbältoisse 
deotlicii beweisen. 

Den wenigsten Beifall findet übrigens die Schritt in Betreff 
der Brdtterui^en fiber den fieligionsunterricht, worin sieh freilieh 
die scbreAilea BnwektgkeHen nnrefeOlAilteb gegeniMMmtiiieii; 'nftm- 
Hell die Mos Glaabenden Md VeTiti«dl|^ett> - welehe n«egf)KlMMi 
'wMea mOssdn^ we« onek edner AnnaMne «lor dnnth dl» ^oii deir 
Vernunft erzeugte wahre und innere Durchdringung gesohelieti 
könne. Ref. kann diesen Punkt nicht Weiter berühren, da er ein- 
mal nach Grundsätzen der katholischen^ das Andermal nach denen 
der protestantischen erwogen und beurtheilt werden roiisste , wobei 
er dem Verf. leicht zu nahe treten könnte. Seine Angaben ent-» 
halten äbrio^ens viel Schwankendes und Unbestimmtes , und auch 
manches Unhaltbare und Unricbtigd, wie Jeder bei sorgfältigen 
lioneh fladet i'-.- # 

M>er die Oeeebleite and' Cfeegrsphle «ifrt er viel Graadfltkes 
mid üknweMmrce« aber' «loell aiiinebea Ünaweekmlissige, webet Ret 
besonders auf die Darsfellöngen Beneke's verweist, welcher diese 
FMier mit fiMUNaalialaa aad KInrieit behandelt hatr^tt AmMü^T 



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r 



«lie Mwobl dM Mtotboduiobo »la das Afatttrielle betrete» n. «iiie«f^ 

wisse Schwäche in dem wahren Cbaracter der Wiaaenashaft verra* 
(hen. Aoohj hierüber dürfte Beneke Trefflicheres gesagt haben 
und fleissig^ nach su lesen seyn. Die übrigen Betraobtangen be- 
treffen noch die Philosophie, die Nntarwissenschaften aod fremden 
Sprachen, die verschiedenen Unterrichtsanstalten, Lehrpifine und den 
Unterricht des weiblichen Geschlechtes, sind aber httufig oiur allge- 
mein und mitunter oberflächlich gehalten, obgleich der Verf. von 
mIm« -QMst«llungen eingeMiBM lal «oi, lieli weajf aof 

aMm gßüwgw fiebriflM btskdtf. 

Bai dem viele« Oute» voil TisaflMeB «bar dla wkMgßikm 
JHMMVte der Pädagogik ; bei der meistens klaren 6egenübera(e|lim|f 
von scbrofllen €regens6tzen ; bei den vielen im Bncbe niederi^kjf^ 
ten Erfahrungen und bei anderen Vorzügen hat Ref. Manches gfe~ 
funden, welches der Verbesserung bedarf; Manches, welches dun- 
kel ist; Manches, welches einen gewissen Egoismus verräth; Man- 
ches, was nicht begründet ist und Manches, was nur theil weise 
anwendbar ist; weswegen er bedauert, durch den Raum zu sehr 
Hadwirtl ■« aeyn, na tiofiir eingchea «i kdpna«. Der gpte 



.Grundsätze der Erziehung;, des Unterrichtes und ihrer Geschichte nach 
' N iemeyer und Ruhkopf, von Prof. Dr. Christian Koeh in SUar- 

bi^r/f mit einem Corworte von Dr. F. Chr. ff^ agner, Prof, der röm. 

und grUek, tM. 4m, 2. At^ Mmhurg, bei /V. & BUmtL i8S7. Xi^.. 

«arf «5 S 8. . 

Das Erscheinen dieaer Schrift in ihrer zweiten AutMg^ liefert 

einen Beweis, dass sie Vorzüge hat und viel gelesen wurde; ibr 
Streben geht im Allgemeinen dahin, die Besnltate der in so vielen 
Werken niedergelegten Forschungen zu sammeln und sie mit eige- 
nen Bemerkungen verbunden, systematisch darzustellen. Bei der 
grossen Anhäufung von Werken und einzelnen Schriften vieler 
ausgezeichneten Pädagogen über Erziehungs- und Schulwesen ist 
der Werth diea^e Bpebea nm ao grdsaer, äß der Leiirer» welclier 
Mk der BmlelMiflg «nd Bildung der Jngead widmeti bei der Vielr 
Ml vnd Manidgfiltigfceit der Oe^reatMiide, iren denen er eine 
Uebersicht haben mnae, nicht alle Werke durchlesen kann, als dep" 
Verf., welcher sich oft apboristisob ausspricht, die Werke und 
Seiten genau angegeben hat, wo man ausführlichere Belehrung 
findet und als über die Erziehung und Bildung der Jugend die 
verschiedenartigsten Ansichten (keineswegs aber immer Grundsätze, 
wie der Verf. sagt, weil sie dann allgemeine GAltigkeit haben 



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SehohrMeo l'wU«9gtJc. 9» 

mö»sten and von Niemand ang^fcH^tea vrerieii kOnnteo) aofge-» 
stellt wurdeo und noch immer vfrthcidigt werden, wie z. B. die 
adbtitt vom LeriiMtr Mi* di«<*vcta ikt litrvofftrafeM gnmt AnxM 

^ B^tfoMi ¥eriUlltiiiiMB <nA. iw HiMal MtatallMi A»^ 

M«bteii, welche niebt teitM.viel Unheil etifteB, iil iü Yerdieiielll«» 
eh» dleMT (Bthtift in eo fern gross , als ito eine genaue SicMiifl|f 
jener und namentlich Dasjenige entb&lt, was beobaohtet werden 
und geschehen mass, wenn die Krziehaog und der Unterricht die* 
jenigea herrlichen Früchte tragen sollen, welche man mit Recht 
wünscht und erwartet und als sie besonders anf die Methoden, auf 
die Forderangen an die Lehrer und auf die Geschichte des 8ohul- 
ood Brueboogswesens ihre besondere Aufmerksamkeit riobtet Hin- 
■Mmtoh 4en letsMna OcniehlepnnMeil sini 41« Angaben m m' 
dnnknswMther nnmnehnMi, nln Uber Ihn noeb irentg g a w hri n b — » * 
wäi iln Sebrill vom Rnhbnpr, m weiefaer die An g nb en nnhiwi» • 
men sind, eine grosse SeMenbeit ist. Das einzige Werk über 
schichte der Erziehang und des Unterriebtes bis auf die ttMNM' 
Zeit ist der erste Band der Krziehongslehre von Schwarz, worin 
dieser Altvater der Pädagogik in 2 Abtheilangen das Ganze bespro- 
oben und jene Schrift gleichfalls benutzt hat. Aus ihr will zwar 
der Verf nicht viel entnommen haben ; dem Bef. scheint es übri- 
gens, dass derselbe viel daraus entnommen und aus einem tüchti- 
giM'Stndfnn der fiebrlften des sei. Sebwarn sieh ieneen Antiehten 
w eigeu geniMhl bnl, dnes nie in 4er 9ehrift wiete enehenMa» - . 

' Die C eneh t chl» die SebvlimenMpod der Bnlebnng «rhehl d«i^ 
Mdngogen anf den reehlen Bümdpankt, von welofaem ans er din' 
«niiffe BrsieiMgeidee, womneh die Menschheit in einer Forfent- 
wickelaog von Geschlecht zu Geschlecht begriffen sey, welche 
Schwarz in seinen Schriften verwirklicht hat, aufzufassen im 
Stande ist. Aus diesem Grunde muss man sich mit ihr zuerst in 
den wesentlichsten Momenten, welche der Verf. ziemlich zweck- 
mftssig hervor hebt und dann mit den einzelnen Beziehungen näher 
bekannt machen, wozu Schwarz die Gelegenheit darbietet, welebe 
vielleleht vmk Ornninr lAitteiel nefamr OeeebiehCe der Bwlehnng- 
md ^ Unlerrlehtes, welobe nneh niehl beendigt Ist, echr er w e i -* 
tertwird. 

In der Methode wnden bekanntlich an LehraRstaiten viele . 
Fehler begangen, indem man oft den Zöglingen Alles auf Einmal 
beibringen will und sie mit den verschiedennrtigsten Gegenst&nden 
überhäuft, oder die Zahl der öffenflichen Lebrstunden zum Nach- 
theile der Ausbildung des Körpers zu sehr vermehrt: oder des 
Jünglings Ortsgedächtniss dnrch Wechsel der Bücher verwirret; 
oder zu wenig das allgemciue Gesetz der Lehrmethode „vom Bei-: 
spiel znr Bogel ond vta der PMin nnr Theorie Abenogehen^Kbe- 
fMnfebtigt; ndnr dtt gMchnieei|re A n e hil d o^ f der Seeinnhfilln > 
M wbnlf hennhint s. Ii. den Oudiufinlee nnf Koittn den VareHn i 
dnn bnIMnft nad die SchMnr eo In CMMnMMnMreien euh>< 
nnii^ tes «It fnr Mmm giNpltf «nd cwhw(|gdnl>ff .Danbini* 



unU i:labti|BCAiiUltlti»ifoii»> oder eines geselniieben fioblieBsens fähig 
aMi 4»^» fNrT}iMAlr/liffiipr9«iMii, »iMCirtraiMrudteißUHK noch in-*^ 
MIxiN» Skm^m ülwMifciMii ttdigfc fiMeitidlMt MÜi^tliger ttMee ^ 
eesicfatspiiakte iprloht sioli d«rVerf. g«i»4— ^.^iflB' ^t t wte whl;'«» to. 

ibie Mlüler xMr BesImAllig oioei Vergeheo« Mlisitj&en and' 
beüen iMseii) dieseHieD nicht selten mit Binden und Bachern be* 
ohrfeigen u. s^ w. Arbeit zur Strafe eines Vergebens 7.11 machen, 
briOf^t eadlich den Zögling dn bin ^ die ^oiiule als ein Zoobtbaus 
zu betrachten. Diese Punkte verdieaen gewiss mit besoodrer ^116«« , 
mttksftmkeit behandelt zu werdeji. [-.At t tuw/ t ' ' 

*I Um jedoeb mit 4ea /draeUelii aiii^iiliiifcrklilettiiBMri^hniigen .de« 
Vml^i9äkt9 behMHrti mi linftcbMtvi -Mgt - BerrMÜr^ ^iMi|iijgJnüiHwii 
Idar Imnf.Mtf.ttllM' OaM' «ipfilift tiM>BMM^öiw0Miak>i'»iM> 

' •||gM«i«e> Einteitong S. 1 -^8 nebsl: eiaigerl Fragen 4M ^Notiien 
mauBgebt, die &icb über 4M4io|»|icUenBegri^ derBrtnhtoagsfctandair 
tutvb der dreifachen ßrlätttsnin^ der ei^'entlichenErziebantr, <ier Br«»i 
bauang u.Erkcnntnisi^, welche in uoth wendiger V%>üh8ehvirkun;[>' stehen 
liad die drei Hau|>(//Weige de» Lchrstandes ausmachen, über die 
wissenschaftliobe Kintbeiliin<j, über die l/iteratar und den AVerth 
der Er/iebung und Erziehungtikuhde verbreitet und in . let^icieceB^ ^ 
vM'lStoft «i CÜMrcMlooM aod IN^iiilatiaaaw da^itCeAl • J>fta»ar8la:> 
BM.telMuiMC wdrb|<'JlMi|rtaliMie0 «i^-t^as dMfllMbbaagaleln^^ 
Im iaagei(kD':Siaa» -biiiaiahiUioli: -der- fpbyaiaaiifta'«. <latallrcteNlktt*».iuid^ 
moraliiiilMtai^Braiahungv vfoWi bes#tid«is atff .die 91 eUiodik < BweL'^" 
aiobt g^anrnmenv diesD nach jM^n ailg t ala iaen uadf b CM ^ J erai i6e- 
sichtspnnkten berührt und der UchergaRßT von der reinen «nd^all«-' 
gemeinen zur angewandten Kr/iehung.slehre in besonderen Krörte^ 
rongcn uhor Didaktik, Katediciik und Theorie dar ii^fhraostaltear 
ediutert wird, . • , . '. 

iu Das zweite Buch hatuieit z.unacbst von der Uoteiricht8kuaidt..ia^ 
vwei Hauptatiicken S»3T-4^88.> Dav ertie bat dte {allgefflaMtaft.*iGki9b 
aalflriat daa. araäahaüdair URtesriahte iMiaiabtlM üinini ,^ 'dae» 
Atiailnag «Mb KRolbeilBiig: tfaa IwehritagDa, daar liahtpto»cH|..d4a.} 

. lahaarti^ad Mt bateaba«i*bbea f^ehrform nebsfe Uircn Rogala. »um 
G^enstande. Das z^eii^ 7.0t Täll t io 7 Kapitel, aoBiaba die J^pecacUo.: 
Methode hinsiehtru-fi dos I titerrichts in der Religion, in gemeinnützir 
geu Keaataissen. im fiesen,, 8chreibea, Keebnen, Messen und Stilgen 
eathalten. Alle diese Geo-enstande betrachtet ^er .V<}rf. vorzugo- : 
weise nach den Mittheilnn^en von Niemeyer mit viel Ilms iobt 
Ufid Klarbeit; so dat^s im Allgemeinen keine erbe blieiit) Ein.\vendunT . 
' gseii: ZB Biaciian/aiBdrf aerüolcaicbtigt Aar aber «da« filiRsabfta r Mi; 
tnkti m»m ladnabe VbraiilaiaBng anr fliUbriraada»» AMtoMettüirodt'. 
ibaa** ^Sanfaeidignibir. l »i> 

Dt» Arltte JMieb S. 89 — 144 behandelt oacb einleitenden 
öcteraagen 4iber allgemeine- Notbw^endigkelt des öffentlichen I nter^ , , 
tiohts in den höheren und niederen Schulen und deren V'erbäitnis» . 
Kur> häuslichen Eri&iehuttg, zu Hauslehrern und Privatinstituten, fiber 
laavdivifSaoha bIffoffdflrniaa jeder. gi^a^S€b|i^ ni^pUcb 4aA tfi^mirr . 



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«obe, die inoere Binriobtun^ der Erzlebung und des Uaterridlitt 
betreffende; das poUtisobe) die uberste Leitung :Liim Zwecke 
äabettd«, . welobe 4er J^natsmann vtrülebeir uus» und eodtich. das 

imm Ober 4i» JEhi^f waraM^ M LelMnuMlilUeii SaelM .KM» 
oder des Staate« geworden, und eniMi ibßr die QaeUea and 
jMlIiiiiiiMel für sasmüicbe Betracbtungen in zwei TheUeOvöie all«^ 
Itvmeine und besondere Theorie, and erörtert im Besonderen di« 
Kiassification der 7Ai){X^\nge nacb Stufen und Aemtera, die Modifi- 
calionen ihrer Lebrplniie, ihrer Disciplinen, Prüfuug^en und Promo- 
tionen; die Schulverlafisung, die Scbulverwaltong;, die Verhähuisse 
des 8cbul Vorstandes and seiner Aufsicht nnd die ökonomischeii Ge- 
aicbtspankte mit Ascficksiobtigong der Angaben ?an jNieoetyer fleiatr 
flig «nd getrea^ otot mtk kir^. MSmmilwn «n v^trm^ . - 

lo den Iwaonderan Tbaile der Tbeorkf Mit er d^aWtaaattiaMi 
Aber die Bildon|p4erlisbPer in Seminariea für Volksscbolea und gelehrte 
fiohulen, über die der ingead lal^aad** und Stadtscbulen für Knabea, Ja . 
gelehrten jnnd höheren Bürgerschulen, in niederen and höheren 
Töchterschulen, und in Instituten für Täubstumnie und BUnrle und 
endlich über die Universitäten und Akademien in ihrem Verhältnisse 
z.ar Fjr/iiebdn^ binsiohtlicb des Weseotliohcn und lileibeaden , des 
Geschichtlichen und Wandel baifeu recht ^ut zusammen. Viel za 
wenig, ja fast gaf nicht b^rüoksichligt ist die Schrift von Schwara 
. ttar di« 4tebirien,.va«>JM.. il»ao*iiea^ billig^^ die 
IraiaeUedeaiiQii. AMiobteft-def MalmittAer ofebt gebörig bervorgc-» 
Mben aM wid-ehea 4M«m*d|»>llaa|itidlaiobi 4er 8ebrlfl In diiaaa 
Theile nicht verwirkiiobt ist. Die Schrift «Oft Tbieiraob Aber g»-» 
lehrte Schulen nut besonderer Rücksicht vaa Bayern, enthält viele 
Ctosichtspunkte, welche detn Verf entgangen sind und doeh aar. 
Grundlage dienen sollten. Die Gelehrten und höheren Bürgerscbn- 
len sind in ihrer Einrichtung und ihrem Zwecke Avesentüoh ver- 
sebledcn, daher getretwit zu bes)«rechen und jede Gattung von SoIm^ 
lan nach ihrem eigentbüm lieben Charakter zu erörtern. ■ 

Ueber die Universitäten sagt er viel Beher>sigenswertheR; er 
Msrgci« die Mdnf e& biaaiobltieb''def.:Verfbe8ung, der Uiiterrifdit»i» 
nethode.to« dglw.keiaesw re ys .aeadcm.baapiriebt. aie-aiit emen g eada i« 
teil Ikade vMKFtaimttO^flciltvMd OlTenbeii. -Hernroa Üibaeea««^ 
bicvnber angeregled^ireil ist bekuint; die gegen jf nwi eraobiaaeee» 
SobrifleD haben an der Sache nioht viel gebessert^ . iMliehe wäfeif 
besser nicht gedruckt und die Ansiflifpn des l'rhcbers sind eben- 
falls nicht all«iemein haltbar. Unter den Fragen über das Verhan- 
delte dürfte sich des sonderbaren Inhaltes wegen nachfolgende aus- 
zeichnen. Wie wäre es, wenn man den Sehullehrern die drei 
Klostergelübde: 1. das der Aruiuih, oder nichts zu essen; 9. das 
der Keoeebbeit, oder niebt so heiratheei 9. daa des unbedingten 
Gdioraaia gegen ihre Obern in ibreDienataaweiaang setssteY Q.a,w. 
Daa Tierte Baob entbilt eine hnrae Geaohlebte dea Sobnl- und 



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9» 



Erziehan^wesens; nadi einigen einleitenden Bemerkungen über den Oe« 
gcnBtand, die Quellen und Hulfsmittel, Ober den Werth and die Brfor- 
derniflse einer solchen Geeobichte, ws« übri^as fichwarc am 
IMiMiMett iMrvorgeholiNi nd Itt'a Laft ba-g^nmin iMt, fhaMraMricr 
Vtor.lil faarftavpMMtk^ 8.1l^tM. diajeDig»l«aiD«ilMMairlltw^ 
aifaiiiCywaa R«hk#pf iiiid.'6«»hwami, iNMeitoft «Martr« gaaagt 
Men. SSaerst gibt er einen etbnographiailien UeberMiofc ha Alterthn 
und weiset nach, in wiefern dieses auf ans JronEinllass war oder noch iat, * 
indem er das hebräische, griechische unr! r/>m!schel'nterrichtswp«en kara 

V charakterisirtf alsdann dieEntatehnng und denCbarakter desEr/.ichuaga- 
und linterriohtswesens im Urchristentham bespricht und einen »ynohro- 
nistischen Ueberbück im Mittelalter vor und nach den Kreuz/ügea 
nad in den diei letzten Jahrhunderten vor und nach den Religionskriegen 
bia xur fraaedsischen Revi^tion, eddlldi einea atatütiaaliea Ueberbliok 
des gesanaitoo dflteiittitthea'BnsMliMigvweteiia Mib darvUMazMNtai 
Swalvtla» bia JetKt mUtbeilt : <«• 

Ba liegen die beiden g^Montea 8ehrifli(ieUer4eB Dan(ell«Rgea 

. siifliCNniiide, aind venUndig benatzt, und aabr sorgfältig mit den Lei- 
atungen Niemeyers verglichen. Unter den aas der Geschichte des Schal- 
Wesens sich ergebenden ResaUaten zeichnen sieh einio e besonders aaa; 
BO lernt man aus ihnen, dass Ha» Schniwesen nie geachteter war, als 
in der klassisch-christlichen Zeit der alten Benediotiner, weil es auf 
dem 8egen ihrer sieben Künste und drei Gelübde beruhete, deren Form 
Bwar veraltet ist, deren Wesen aber ewig die Bedingungen der wall- 
IM Aehtaag dea Labratandaa antballay ninllcb anf den» -der Sitte«» 
NinbelC, der Ctenttgaankeit and dea MkHMuaea gegen göttfielia «ad 
aenaohiloba Geaetze •berbaopt and gen«» dla-dKaliilvn dea MtoatliaM 
Diaterrichts imBeaonderen nnd dass zwar der Plor der Schulen anf der 
ökonomisch-poIitiaoiicA Sargfalt der höchsten Regierung bemhe^ jedoch 
auch der Einzelne, welcher die Kunst der Menschenbildaiig mit einer 
Tagend ausübt, die keine Theorie und Belohnung ersetzt, eine reiche 
Belohnung in dem Bewu^stseyn findet, dass der durch Sorglosigkoit dea 
Volkes und des Stanley verwilderte Weinstock der Erziehung nie ohne 
süsse, ohne eigenthümliche Früchte bleiben könne. Dieses Resultat und 
die Beraerkaag, dasa dea Scbalmannea ganze Kunst nur aof der Metbo- 
de, zu gewdhnea and u llbeo, barabe, wonq Liebe aar Jagead aadBv«* 
kaaataiaa ihrer Keaataiaae fcoaMiaa laftaaef anehea ehiea hdahat arflr« 
digaaSchlaaB derMrifl aa% welche jedea 8cbaliaaaaa wiaderholt 
empfohlen zu werden verdieat Ktera iBpnMh» aeiahael aia aoa; ahtr 
Pafier aad Draok dürftiaa beiaar aegm. • . 

' B e u i e r. 

• • • * * ' 4 



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: JAHRBÜCHER J>£R LITERATUR. 



Der Apostel Paulus. Dritter Theil oder die Fj ehren des Aposteh 
Fon Karl Schräder y Dr. der Theol. und Prediger. 331 in 8 
(Der vierte Theil ist uns nicht zugekommen.) Fünfter Theil, oder 
'' • Vtitüsnetvung ifor firf^ im. TkimahM»9tt Bpheedr, Cchuer, PhiU» 
- ' * MMh Bhilipper, OtAaUt, l^matft. 2lEtetj «lul d«r JpottügnthUhU* 841* 
. . & Vmi 8. Mfcv» ^ iCatt^aiiii. 

Von diestem nmfassenden Werk,, dessen ersten und 2wei>« 
1^9 Theil unsere Jahrbueher sdion mU Aasseichnoiig ange- 
zei^ baben^ wfirde keine tieoenston, wenn ihr auch ein gros- 
serer Raum g^tattet wäre, eine hinreichende Prüfung ent- 
halten küiinen. Viel Eigenthümliches ist hier zur Vereini- 
gung von Schrift und Vernunft freimüthig vorgetragen, und 
im. Einzelnen mit Klarheit, Berecllsamkeit, Forschung.skraft 
und mit Empfindung für die höchsten Zwecke des Urchristen« 
thums durchgeführt. Wir wollen um so mehr wenigstens 
' auf einen in der Christuslehre des Apostels Paulus am meisten 
misskannten Hauptpankt durch einige, Bemerkungen aof- 
merksamer machen« 

\' Im dritten Theil, welcher die Lehren des Apo« 
8t«l8 aui beschreiben sucht, war dem Ree, welcher immer 
d^ Praktische allem Dogmatischen vorzieht, das Tn. Ka- 
pitel vornehmlich betracbtungswerth. Es ist überschrieben: 

Von der Tugend. Ich muss dagegen bemerken, dass das 
N. T. wohl einzelne aus der ^maioown ntaTco^, 
entstehende Handlungsarten, welche als etwas, das wohlge- 
fällig seyn ninss, a^exot genannt sind, als specieile Hebun- 
gen der Tüchtigkeit, das ist, als Tugenden empfiehlt, 
dans aber der alles Hechtthun umfassende Begriff, den 
wir im Teu(schen mit dem Wort Tugend überhaupt 
oder als Tugendhaftigkeit bezeichnen können und im 
philoaophischen Sprachgebrauch oft bezeichnen, im N.T. nicht 
dunsh «fi^iTf sondern dorch ^waioQwm Rechtschaffenheit, 
generiseh bezeichnet ist £s ist nicht ohne bedeutenden Ein- 
fluss, darauf zu merken, auf welche besondere . Qualität des 
Gegenstandes ein gewähltes Wort am meisten hinweisst. 
Diese Qualität ist oft etwas Nichtwesentiiches. Virtus z. 



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IIH . Schräder: Dar Apaitol FtelM..au m. 6. TbeiL 

B. teranfa^st Art Kffiftigkeit za ite^ke^, o^tf «q das, 

was Gefallen erweckt. 

• Im moralisch umfassenden Sinn genommen, veranlasst 
das Wort Hechtscha ffcnhei t doppelt an das dem 
wahrhaft ^uten Gemütbszastand wesentliche zu denken. 
Id diesem Zustand der Gesinnui^ ,ist das Gemüih g6rich- 
tet.anf das Beeilte^ und zwar so, diiss es das Be«lite 
fsrehaffen, d. 1 doreh freies, krlfti^es Wolfen iiervoriirjn- 
gen möchte. Daher ist dieses Wort, als Zeichen dessen, 
was im Gemiilh werden soll, vornehmlich passend. 

Nicht nur von der juridischen e recht igk ei t, dem 
Snssei^nchen Gewahren der Rechte als jura, sondern auch 
von der moral i sch-specielleren G er echti «;keit, als 
der Pflichterfüllung gegen gegründete Ansprüche Anderer^ 
wohl unterschieden 9 bedeutet die religii)se, besonders neute- 
stamentliche dikaioawn universell den Gemöthszn- 
stand, seyn zu wöll en so recht, wie raan seyn soll, 
also den Gemüthszostand der Rechtsehaffenheit (Matth. 
5, 6. 20. auch 6, 1.) als ^ei^ Gesinnung, das Rechte 
schaffen. Durch Schaffen nemlich bezeichnen w dte* 
baöj^tsfichlich vom Witten iiusgehetide Krafllthätigkeit, etwas, 
zu weil man es will, za verwirklichen. Kein Wort klinn leicht 
volks\ crstandlicher und aurrCgender gemacht werden, als das 
so wichtifire ächtdeutsche Wort Rechtsehaffenheit. Ter- 
bunden mit der Erklärung, dass es niclit mit dem äussern 
Recht und der bürgerh'chcn Unklairbarkeit sich begnöge, 
sondern zum Wollen und Vollbringen dessen auffordere, wor- 
über man, um es als das Rechte anzuerkennen, die genü- 
• gendsten Mittel der Einsicht angewendet hat. Wer nämUch 
in der Gesinnung lebt, das Rechte in all sehiem einzelnen 
Wollen nnä Wiricen scb Affen^ssii w'otlen, der kann nldit 
iUidetö,'als *zonfichst auch den Willen haben und ansüben, 
was fdi* jeden Fall das Rechte sey, thefls 'znrn irorans, ibefls 
nach UiAständen und VerhSittilssen richtig zti wissen. 
Und nur dieses Wollen und Wissen ist vereint die Recht- 
sehaffenheit, wie Gott sie hat und w ill, die SiKaio* 
Gvvri^ eov ^hiiih, ü.o3., durch welche, w enn sie in jedem Ein- 
zelnen regiert, der höchste Zweck des rrchristenthams , ein 
Reich Gottes, eine gotigehorcheiidc WcUordiiuug erstrebt 
werden kann. * ' * 

Diese Hauptbedeutung von ^maio^^wt ^üw Rellin 4^ 4. 



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Schrider; Oer AfMiel Fankut^ fr u. &. iüiuiU. MI 

hat auch Paalus , ohne Zweifel aas Ueberliefcroii^ von He-* 
den Jesu, sich angeeignet. Er erhebt aber seine Gründe ei-* 
gienthümlich zu der noch tieferen Frage: woraus diese 
»^Gesinuung, das Rechte zu schaifen^* im Gemüth entstehe? 
Und diesen Ursprung der Rechtschaffenheit im Gßyr 
müih beKeichiiei «r., melur Ai^eiithiiBÜiali « den) Worte 

Ift des Iteden Jesu «t dieses Wort seUensr ^^ebriMieMi 
«ad neist dbeiiiaeptlüii rai der ia YertiaMD nad tf eee TÜt? 
tigkeit uberi^eheadeB Ueberxeogung von seioejr Hes*r 
siassehaft« Nach den Bvangeh'ea ood naeh derNatardör 

Sache war in Beziehung auf Jesus Pistis nöthig als epn 
Glauben, d. i. vertrauensvolles Fürwahracbten, dass er 
der gottgesandie Richter und Regent eines Gottesreichs sey, 
worin gottgetreue Gemüthsrcchtschaffenheit , die S^uatoowif 
^eov, regiere. Aus solchem Glauben an ihn, als den Christas 
Gottes, folgte unmittelbar die Anerkennung seiner auf seine 
Gotteskenntniss g^^j^ndeten Anforderungen, seiuer religio« 
sen Denn nieht das Wahrhalten tkeefetischer 

jUeknen -ood irgend einer eigenthjadiehea Dffgmatiki ^elchef 
van dem Yenoi^n der EMelitabktogt, maekt er aipr 
benden Bedingung des Heils« Das Hallen seiner IP6»t 
sianisohen praktiseäen Avfgabea, iiar das ^?*}^t 

ivixUla-vo, sollten nafh Matlh. ^ , 'ZO. die y^rkSfa^^gßf 
des GoUesreichs überall lehren. 

Am häufigsten aber in den Evangelien wird ausser 
dem Johanneiseben, mehr doctrinären, die Pisiis als das 
Giauben, dass er der Messias Gottes sey, in Beziehung 
auf lirankenheiiung, besonders auf das Befreien voi> 
den .vorausgesetzten kakodämonischen Ursachen heftiger 
Kiankhelten für «aenUtofarlich erklärt (Mai^ ^ 
Mark« 9, 23. d^)) wemigMfi» bei einer «flehen jpesondma« 
dMliilen PistiS) — irw^iw» ¥»^mm^ Apg. 14| 9. in den 
mkim FiUea ^ffonbsr wianl^ von ^nem doctrinii^ 
fitaibaasistaU ia. 4fMi. durgebfisfalen KrunUn yprsi«?ai|fetyi| 
war. Süe würden lOVir für die Hetlung niebt empfänglich ge- 
wesen seyn, wenn sie nicht im A.!! ge meinen darauf, dass 
GM für Jesus als den Messias alles, was er wünsche, mäch« 
tig bewirke (Joh. 11, 22. 2T. 40-42.) mit Erregung aller 
ihrer Kräfte vertraut h^<^Q> Vorerst war demnach die 

nni^Ufäm»mMH ms 'kiff9P,^3^mf(^ 4m wülK^cjitende Ver 



Lioogie 



»32 Schräder: Der ApMtd Paula«. 8- u. 5. Theii. 

trauen auf die Person, dass sie der liidtote Bote de» Jeho« 

vah, der Unterregent des zu betreibenden Heiches Gottes 
scy, theils um Ihm überhaupt zu fol^n^en, theils aber auch um 
alles mögliche Gute von der Göttlichen Allmacht durch Ilm 
zu erhalten. 

Von dieser Pistis, die in den Reden Jesu noch nach ein« 
l^eschränkteren persönlichen Beziehuji^en als nöthig ge- 
fordert, ünmer mehr den Willen als das Wissen betrifft, 
fasste nmi der zmn gere/celtes Denken vorberdttte heUet 
nislische Rabbinerschüler Saalns die universeHere Be* 
deatna^ auf, so dass er nicfat bei der immoattwii t«v dto« 
als dem Erzeugnisse Im Gemöth stdiea blieb ^ sondenl 
weiter nach der reehten Quelle derselben forschend, nur 
die Recht schaffen hei t ausPistis, im Ge«;cnsatz /je- 
^en jede eigenwilh'n; aus Partikularitaten sich ableitende =: 
iüla ^fiuaioavvTi Rom. 10, 2., als die ächte, moralische, d. i. 
auf der Willigkeit für das Rechte gerundete ([Gei-* 
8tes<} Rechtschaffenheit erkannte. 

Statt dass die Judenschaft für ihren Gott und National- 
König eioe Rechtschaffenheit, welche alle andere Menschen, 
^enn sie nicbt Jüdische Preselyten würden, nicht haben l^önn- 
ten, ausschliessend und x«t* tSiaiß zu haben meinten, wenn sie 
irar in äussern Handlungen* die theokratiscfa gebotene ieac he* 
öbachteten, so hatte sich Paolos die grosse höhere Frage 
gestellt: Ist denn Gott nur der Juden GottV Rom. 8, 29. 
Muss also nicht zur gotlgemigenden Dikaiosyne eine Quelle 
daseyn, die nicht blos der Judenschaft bekannt 
wurde, wie jener ihr vo^oq f^^ov? kann man seyn, wie man 
vor Gott seyn soll = ^i^aioq Ti^oq tov öcor, wenn man nur 
eine Legalität der Handlangen, einen vo^Loq, welcher blos 
Süssere t^ya fordert, beobachtet? Mass nicht etwas, das Al- 
len möglieh ist, etwas, das Abraham vor dem Mosaisclien 
#b|io<, Ja noch vor seiner Besehneldung (4, IO.3 ha- 
ben konnte und nach 4, 8. wirklieh hatte, als yofio( fär AUe 
• anzuerkennen seyn, so dass Gott dadurch UnliesdHifttette «ad 
Beschnittene zn Reehtschffenen m sehen kann = ^1- 
«atra^et 2, 30. Ist nicht das zum Rechtschaffenseyn vor dem 
Herzenskenner genügende, wie eine in den Herzen eines 
jeden aufgeschriebene Gesetzgebung 2, 14? Muss also nicht 
die TTi^TK, insofern sie Jedem, nach dem Maas seines Wis- 
sens^ möglich ist, die Quelle einer Rechtschalenhetl seyn, 



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Scllindef : . Oer Affpalel JPaiikit S. a. ik Th^ n MjSi 

mit welcher der Allwissende zafrieden ist, selbst ehe sie In 
iIaacUiim;en überseht? wie jeder mit sich seihst nadinit dem 
'Andern zufrieden ist, wenn er eines Wellehs.nacli b^er 
.stem Wiesen.gewise iet. , . ; ^ { 

Za ^diesem 'Aofsteigen bls^sor' miiverselferai Idee war 
Panlus getrieben durch die Gegensätze der Judenschaft, 
welche damals äusserst buchstäblich 'und particularistiscU- 
stolz eine eigene, nationalparticuläre, Rechtschaffen- 
heit zu haben und ihrem Gott dadurch za genügen sich be- 
redete, wenn sie nur alle im Gesez vorgescbricbene Hand- 
lungen, t^ya tov vo^ov^ thuend und unterlaslend , nach den 
rabbinischen Auslegangen vollbrächte. Daran knüpften sie 
inicht nur VeraelitiinH^ aller Menscben^ die dieses Gesez nicht 
bitten eder annMuBen, sondern -aueh-, was das sehHmaiste 
war, die verderbliehe Meinoni^, dass, wenn jiie nur dito €re^ 
nesBliche in äussern Hondlongen beobaehten, van der Oetst» 
. besebaffenhelt und Gesinnung , d.i. daTon, ob: sie es ans 
« Wollen und Wissen, dass es das Rechte sey, befolgt hätten, 
nicht die Frage sey. • 
Wer in der Nation des Apostels so gesinnt war, lebte 
In einer moralisch höchst irreligiösen Religiosität. Deswegen 
und weil dann überhaupt auch andere 3Ienschen sich allzu 
leicht bereden, dass das Aeussere im Thun und Unterlasse, 
auch ohne die treneGesinnung für d^ Rechte, vor Gott». wjp 
.vor Jlfenaclle^s^gc^%e^ baue Paulus. so seht^geg^ iinu^a^ 
»wjf ((Aoxov) f!^ Mffmv f6^> eiferq«. . 

Pantes. war alai Helleniste und rllmlsGlier Börger geboren, 
zum Voraus also mit der Heidenwelt näher verwandt. Er 
war in der damals C^ Ä^« hocherhebende Beschreibung *3 
^trabo's, B. 14. *§. 463 Casaub.J wissenschaftlich und 



•} Strabo, welcher unter August und Tiberni» «chricb« rühmt nicht 
uur, dass „die Leute zu Tarsus^' an iilifcr für Philosophie und 
den ganzen Umkreis der allgemeinen Bildung die von Athrn und 
Aiexandria und jedem andern Dcnnbaren Ort, wo Studien ^nd Ua- 
t^ilialtungiBii.vcta Pliil««oplic!B «ml. fUdnein «aren («taltJ^ryo'y Ut 
wMi Xaym M .l«waD ' übejrtroffBn'JiBli^«. Er rfthut ▼•iv^hmlich 
. AOfli 4l«0;.daM «He LarBbagMrigft hmtec ^alieiniitcb9.««^fii, 4ie 
.siMr nUlit.hlot su Uaniie bleiben, eiMidern. bucIi aae« 
würts roisend eieli. TecTellkom m n e ten aad djKnp gerD0 

. U decFreiad«! TtThartieiu. n., » S«lbel.Rom «ejf d^wegen 



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9^ * itovtdcr: Der ilpMtel PüUlua 9. n. 9*Tiieü. 

ito Völkerverkehr thati^en St«dt Tarsns sd «r- 
%lic]M6fl, iass er' auch iiiit griechischer Autoren Denk^ft-- 
vheti ^t»Epitaienides^ M^nandef, AtiM», bekannt wurde. Die 
Uebersied^lang seiner Schwester nach JerfittaleiB bräAUi Ifcil, 
lun wMs nUft wie .Md^ eben dMlin «od m dlnuFfissen 
Am MsfcHti/reii Rabbi GanäKeku Dbrl War teit «nrtr mdi 
14. Apg. 26, 4. 5w derHrld>bfhiidie Jfingfiiig Vor .irileteo 
-Oieiehalieri^n ini Jndalsnm Vor^esehritlen uiid ift.derfflil^ 
risäischen Sodalitat fseinem yc?o<) ein übermäs^igler Eifertlr 
für vorelterhche Ueberheferungen geworden; und dem ju<j;end- 
h'chcn Zeloten masste es deswegen auch das grösste Skan- 
dal seyn, dass nicht ein erwarteter Weltbezwfn^r^ vielihelur 
«Sn Gekreuzigter als Messias, oder höchster Reichsverweser 
Jehovah's, anzuerkennen seyn sollte. Dennoch war, wie auch 
jene Stelle ani^i^et, vornehmlich der Hellenismus oder 
-eine Hinneigung xo der Menschheit ausser der palästiniseliea 
ifitockjudeaschaft, zu deren Wohltfifel ftl seinentiOlmiQllii fori- 
beiMheflld iiihd der pilUistfiiiiBdie' Sterine mMjMdImiiwh^ 
in der Pharisierschide dort hinzugekornnmi. v :f 

Auch war zunächst der Hellenismus, oder das Anschlies- 
feen an die Synagogen dieser Auswärtigen , welche der paff^ 
tieularistfsche Jude immer für minder rein erklirrte, doch der 
Anlass, welcher ihn nach Ap;^:. 6, 9 mit dem Christcn^hutti 
bekannter zu machen anüng. L nd war er dabei gleich vorerst 
ein Ge^jMr, so musste er es doch damals dcliöli'nlieh 6,11. 
14. von der nichtpalästinisehen iUeftfiiüg; liter, idtiss '^ältallfeh 
VOH iiellenistüfcM Nmmkat^immjy '^U^ 

voll von Tarsern, wie von Alexandrinern. So Strabo. Und 
Tfird nicht durch diese Charaicteristik der Tarscr uns auch die 
sonst fast anglaabliMMi Heiseth&tigiieit nnaors Targischen Apostels 
iMBgffiriiJItcIrar?' Ooiii 'WHff - er 'gleitthr waliftclieiiilkb sebMl sobald, 
' A er de» Alter «ledb M ^lanlfet «u etiMliei>eii- aiiiMisea''koiiiite, 
' «rtse iMH iiliifs«W^thrig|i, iiaeh Ma«. geüeftiiiiB&y so «aMte doeh 
auch dalmals achott Tftiisische ^t(e auf ihn giytrlrkt häbein. lieber- 
dfe« hielt er sich anoh noch als bekchft «t«fM:h«n 30 und 

11, 27. rum theil zu Tarsus auf. — Seihst dnsH v i eie ^c'b i 1 d e to 
Tartter zu Rom xrarcn, ist ein Umstand, der vielleioht hie und 
da tn seine Lebcnngcschichte Einfluss haben konnte. Hatte Er 
^ielkicbi deswegen dort auch 9uyY«v«<; au grüsson. Kötti* IQ, 7. 11 ? 



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0MetilMik9iii hmmtki. k»wm Imm- Ate 

IMe dlwsi ^^n pal^mschf)^ Hiermvhle ilor Pbftrisi^ 
«nil 8add«ieilier i&u^leich verkezerten Stepbaniis K. T., feine 
Rede, welche der Jüngling Paulus 80 aufmerksam auffasste» 
4ass er $ie seinem Apologeten, Lukas, noch nach allen Haapt- 
momenten wiedergeben konnte^ ging von Punct zu Punct 
recht auffallend auf das ein^ Resultat hin, dass Jehovah seine 
heilbringende Wirksamkeit nie auf das sogen, heilige 
Land beschränkt habe, also mach Jesus, der Messianische 
Unterkönig Gottes, überallhin ausser PaiÄBtioft ^Is Welthei«- 
i$mA.{Mkn^i4iL)^irktaü^ verkäiidi^ werden därfo^ oder 
^ mdt Mten. W^rto» --^ wh für Hellepisten nmi 

«IM .Ar Mrikmn ein Umi«! (sey. 

Auch wilrndd iHinSoptes dfe Christen pndiHMiondefS diese 
über Palästina hinaus denkende Hellenisten, das ist, die mehf 
Pneumatische, verfolgte und sich in dieser Beziehung Syne- 
driiuBsbefehle gegen Damascener von dieser freieren Gesin- 
nung, bei welcher, wie bei den samaritanischen 8ichemitcn 
{"Job. 4,) Jesus schon als Messias Glauben (—ein verlrauen- 
4es WalirachtenJ so frühe erhalten hatte, anvertrauen iies^ 
konnte es nicht fehlen, dass er i^ernde vpn Solchen am mei- 
jt/^ und roinsien bdneii ntsate, wie Jesus nicht als Bezwin- 
jggr^.desto melie Aber ala ein Weltäbecwjpder 4mh ßm»^ 
jukd Wahrboit C^olb 19^ dS:: 4, 83.3 der JMeaw Beyq wollte 
jmi UelieB jnoise» •Besondsra die Ge9isl|idite der lesleo 
iTage Mem rnftehteft-Mir, dass er selbst sogar gegen die 
wohl voraiisbeda«hte Gefahr, wegen dfor Messianischen Arn 
Sprüche auf ein Köni^^thum wie ein anticäsari.scher Kronprä- 
tendent gekreuzigt zu werden, die durch zweimaliges Ein- 
holen der enthusiasmirten JHenge von Festbesuchern ihm 
«dargebotene Gewalt doch durchaus nicht gebrauchen und al- 
Jes nur von der P i s t i s oder A e ra u n a h d. i. von des Volkes, 

wUlen^stbÄtigiei' UeberzeMgung u^d d^ren. tireM^ 
.Yn II z i e h u n g abhangen lassen wollte. 

Wii^ diese Iiichtstrahleii, /la^s Cwie besonders aaeh die 
.vm w» .aett 1709« im. Grossen i^ewacliteB Lebenserfahrpqgen 
mm «Hvfeiij mcbt.daa divch iGewai^ aofgexwaiig:eoe, viel- - 
itaekr nur das dwph allipiäldige Saetierkenntniss in Ueberscen^ 
gung übergegangene geistig daaerbafl eey und allgemein 
geltend werde, in dem Geniütb des jungen Saulas, der sich 
in seiam guu^n Ußbrn al$ JUaiw, j4 als Opfjer sein^is Uetiqri- 



, j cy Google 



' 9S6 Schradert Oer Apostel Paulus 3. u. 5. Thtil. 

Keugtseyns darstellt, abwechselnd' ^ekfimpfl und 'läim ent- 
scheidenden Sieg sich genähert haben, wissen wir nun frey- 
lich nicht durch eine psychologisch genaue Geschichte seiner 
Seele. Der Erfolg aber macht durch sein ganzes übriges 
Leben klar, welche Momente (ausser jener äussern Gewiss- 
heit, von Jesus selbst Apg. 9, 4. eine warnend drohende 
Stimme gehört zu habenj in seiner geistigen Wiederg«bort 
die entscheidenden waren« 

Von den Hellenisten, die er in Verluift braefate (d,d.J 
wnsste er unstreitig folgendes als HanptpimGte ihrer freieren 
ChristosreHgfon, nbit wdeher sie äooli anter Hellenisten« md 
Hellenen (11, 20} zu gehen keinen Anstand nahmen» Jesus 
war ihnen der dchte, nioht anf ein Danielitlsehes Gewnkreieh 
der kleinen, stolzen Nation sich einengende Messias, weil er 
vtfeoTov = vor allem andern, nach Matth. 6,3«3. ein Got- 
tesreich wollte, das durch göttlich gewollte Rechtschaffen- 
heit jedes einzelnen Theilnehmers werden und bestehen und 
sich verbreiten sollte. Immerfort aber deutete Jesus auf den 
Gott, der diese diKaioawri xov ^tov fordere, als auf einen 
Vater, nie als auf einen gesessgebendea Gebieter, wenn 
gleieh das Alte Test. Veranlassung genug gegeben hätte, 
'Gott als König darzustellen. Und eben durch diese einnge, 
höchst einfache Idee, Gott im Verhjlltniss na dem WoUea 
nnd Handeln der Mensehen als Famtlien-Yater, als das, 
was ein fichter Vater seyn and wollen soll, sn denken, 
war mit einem mal auch der alte sinnliehe National- Begriff 
von einem juridischen Reich Gottes in eine moralische 
Idee umgewandelt. • • 

Kein Vater verlangt das, womit auch Mose und jeder 
theokratische Unterkönig sich befriedigen lassen musste. dass 
nur die Handlungen, «(»/a, üusserlich seinem Gesejsiichea 
Gebot gemäss seyen. Wo ein Vater ist, wie er s^n'snll, 
verlangt er, dass die, welche er als Kinder regieren will, 
ans williger Gesinnung gehorsam sind. Diese Ge- 
sinnong aber, oder die treue WiHiigkelt ist nur zu erwarten, 
wenn eine vertrauensvolle Uebersesgung von dem Gotseyn 
des Gebotenen in der Einsieht der moralisch gehorehenden 
möglichst hervorgebracht wird, wenn sie liieht strafgeseslieh 
genöthigt, sondern yttniia^evot == zum Wahrachten durch 
wftSA, durch Erregung williger Einsieht, gleichsam i>cr-sua- 
dendo bewogen sind Kurz; ein väterliches Reich >viii 



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&airad«r: D«v Apostel Pwlua 3. u.^/XbsU. ^ 

mr ein Rechtthun aas dein Wollen des Becht«n; 
and dieses Wollen entsteht nur aus mö/s^Iichbester 
üeberzeugu n^. Nur wer im GemuhtsKustand eines, wel- 
cher n$nu9<*tf aUo in der 3fi?t$ ist, dass nur das He^sfoti^ dus 
'6este, das Achtun^rsWertbe, das Aiisdautaide sey, wifi 
wahrhaft ond innig 9mioi und ist dann aaeb von GoU Ute 
«to Reefatodiateuef mKierkenM» «ail.iMiftf . zo erklären« Oenft 
nur alsdann harmoairt der Jl^kea *«iul ' Wolfan IkMtög^ 
Oeist ioMifrt mit sich seliiet^ wemt.irod ihai • Jueia* Be^than 
idine AeüeberzeugunjE^, 4m» eB- nät^' wtü eB tJ^ ik» RecMe 
za erkennen ist, verlangt werde , d. h. wetan es als eine 
^atoavvri ex ni^taq, als eine aus Treoe für die ei|r^ne (Jeher*- 
Zeugung entstehende Rechtschaffenheit verlangt wird. 

Sobald für Saulus diese Grundansicht, wie und wodurch 
Jesus der Messias d.i. Begründer und Regent eines wahren 
-Oottesreichs , seyn wollte, klar und eindf inglich wurde, a<i 
niasste ihm, dem Hellenisten, wie eine von Jtöus seihst aus- 
strahlende Apokalypsis (GhL 1, 2>ZJ) eiiileuehten, dass dadurch 
diese Meastanitit Jesu in eine für die ^aneeMenseUwit heSr 
bringende GoUesanstalt erweftert .and nniversaliairl; werdn. 
Der beschrfinkt Jüdisclie Mcsslis begriff verwandelte .aidi 
idadnrdi in eine Idee» (Denn dea Ansdroek Idee adlHen 
wir immer nnr dann gebrauchen, wenn wir im Geiste eine 
Anschauung haben, wie irgend ein Gegenstand alsdann, 
wenn er in seiner denkbarsten, wesentlichen Vaii?- 
kommenheit ist, seyn müsste.]) 

Jesus war für den nachmaligen Apostel, wie wir aus 
dessen Briefen sehen , bei weitem nicht blos wegen ausser«- 
Ikher Umstände, sondern hauptsächlich deswegen der Mes^ 
•fiiaS) weil er ein liölieres Ideal der Messianität . getlsli4 
nuusbte. Indem Jesna ein ¥.ilieriieäes Aoieb.Oö(tBa naMr 
den Menseben als; ein Beieb luBdlüelMrf ana^lTertraiieii 
xnm Ordner and ans Ueberzeugung ([aus*deiii«fifA9eii)e^" 
waebsender Reebtscbafl)Mibeit, als das bftebstcf ^Ziel iwidlte 
nnd lehrte, hatte er sich äber den auf das geborene Volk 
Gottes und dessen ausserliche Gcsezlichkeit eingeengten, 
•National begriff au der für alle Völker beseeligenden Mes- 
siasidee erhoben. Wie bald nun dieses Licht, dass der 
Gekreuzigte dennoch wegen dieses seines über allen Pro- 
phetismus erhabenen Ideals der Aechte, des Einen Gottes 
ier Hetdeo .wie der. Joden, wäid^ge JHesaias ae^v^ ^ 



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Srimuiev: Der Apostel P^uloa t. u. 4. ThA 



ferer Saolus drirdidrang, ist uns nicht wörtlich gesagt. Nur 
dass es für ihn ein nnmittelbarer, innerer Aufscfiluss, eine ihm 
im Innern Jesus als den wahren Christus enthüllende Apo- 
kal37)se, nicht eine Belehrung von Andorn war, sagt uns 
dal. ly It, Und welcher von den Aposteln zu Jerusal«li 
hiltte 81^ ihm enthüllen können, da Nichtjuden ohne Aufaahme 
in 4en jfttiüBchen BmidjtaiaiMid >s« tMle», für Petnis setbiit 
Am*. 10, 47« 11, IT. ttWMT stliB aem mr V . 

: 2«'verHnilh«» ist^ dBmSMm^ weil er Jen Knrnf iitf 
-Mk Wege gehflrt w balieii' ibemagt mr,. vorent darfifabr 
-entsehfei«» wunte v diasb OdttvAmoh . die ahHserwdefttk'cifee 
Wiedererweckung des Gekreuzigten den Anstoss der Creu^ 
zigung, den Schein, wie wenn Jesus doch unrecht gehabt 
ÜAtte, getilgt und ihn dadurch f(ir den Sohn Gottes in voller 
Kraft (viov &«or h ^üydtfiet = xax' e^n^i^v^ bestimmt erklärt 
liabe (toptae) wie es (xaxa nviviux äyiwavvr^<;) dorn der Hei- 
ligkeit voUeo Geist gemäss war, welchen Jesus bis auf den ' 
i^aten Augenblick seiner Auiopferung hin ^i^0b Gott , sei- 
nen^ ^4rter 4iewiesen hatte. Von dieser Seite näniMirtiv als 
4«flflitiveB^f«cti«clieB *Urtheil.O§ttes über Jesus,, daes-or 
4Mi Iiis «nf - dsS'Jlei|[|;ser8le aüs. den gettgelrevieii Messte 
leng^iesen käbe^ Mniehtel in der Folgezeit Paidos onmer JFesH 
'minde>sflni# WiederbdebHng s. Böm. 1^ 4^ 1 Korrl5, m 20. 
Phil. 2, 6-— Hk* Und » die Auferstehung Jesu zu betracliten, 
niuss Paulus wohl, zunächst nachdem er ihn selbst gehört zu 
haben überzeugt war, also zu Damaskus, angefangen haben. 

Vereinigen aber konnte, ja musste sich damit in. dem 
•demüth des Saiilus, sobald fiir ihn das scandahim cruois ge>- 
4iohen erschien, alles das, was er v^n -den christlichen Melki^ 
mlaHten ohne Zweifel geiiört hatte und was dar den Helienisten 
liSSi'wichtigste'Mktf'dttisiiläaMehr eiien akieier Jesis nioktim 
igfsmNtfdiMlieQy JstaidrstA diB>eimifir klla YMkMr 'm^ 
V -^en^ketreir Stenieiil Ifcmas au «ojra, hMbsiekligt hebe, 
Indem 'er^etn iMMdiseh rtfigidseft (Yerwoft, WiUea und 
«eftaflsdiditigkeit venekiif^endee) A^iment Gottes^ i^l^ ^ 
BiWgBmebatin Vutem, durch gotteswürdige Rechkschaffenheft 
zu bilden und ewig unter der gesummten Menschheit fortzu- 
setzen entschlossen gewesen und dazu bestimmt sey. 
- Sobaiid tmn aber Sauhis dieses Ideal eines Messias, wel- 
-t^her für die ganze MenscJiheit nur einen und ebendesselben, 
^a>er üherali jaegkdiett'.UiQilew4f^, «^soe.jnmx.w ^ 



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4fiKtLav xov^iov xnl xr^v Sixaiocrvyrip oivxov fordern, in Jesus 
entdeckt hatte, so wasste er auch, dass er etwas aach den 
Meisten Jndenchnsten «n Jenl9ale^|[l noch ^är nieki «naschaii^ 
hares erfasse. Er ging 'des>vegen, ohn^ mk jenen Jodaiaie« 
irntden- MrticaläiiEiBHi^ welcher, «nr - als -evate SHaU lÜt -db 
afielotiaehe Joden xa dolden war, eolKdiereB . Bo^-woftoMi, > aal - 
inj Jaliro flak'l^i?. !18.'Baali ^'JLrä^i^n^ 'ifr'iCleicefiden, 
im dem iGrilnae lhnt««kaa ^Mjar^ '4uMi .teieii*«ltr fitar ^ilid 
doi^i'ge fl*efe' Wirksamiteit'dea über die mektte jftAdet« Ver-* 
an^eschrittcnen niid deswegen (]nach der Re^dT) der Men;nre 
und der Mitteim^8<no^keit an willkommenen Universaiisten dook 
selbst Lnka«; uns keinen Laut bewahrt äat. 

Dennoch sehen wir aus allem Späteren, was Avir voa 
SaoluB und Paulus lesen tind (^vorurtheUsfrei betrachten 
kmineni haaptsfichlicli dies, dass er den Grundgedanken Jesa 
Han iBÜleBi ^dtt4ieh väterlichen Reich fiiraiie Mensobeä 
und von der daria^ltelidieii. k^indJicheir Go*tt ^ai» 
wollt«ii Bte1iUreiiaffM4ieift dhadavek weiter ealwibkelte 
nni Tenfomlielite^ ites'*er die-.Qiiell^, wm wo fc ete jene 
tmioaiw« «MV ealsprS&ge, dttreb daa. fttirto Wdrt 'wvc 
feeseiehfiete.' i&iW<Mowirir »m'otfer f ildni.S, 2.} ^rpo^ t«* iMr 
ist ihm, wie bei Jesus, nicht Gerechtio^-keit, weder im 
joHdIscben noch im moralischen Sinn des Handeins nacii dem 
jus, sondern das wjihrhaft höchste, der Umfang alles Redit>- 
woUens, die Geistesree htschalFenheit, welche nur in der Har- 
monie des Willens nnt der das Yollkoinmene oder Gott ach^ 
4enden V^matirt, das ist, in i reiner Listigkeit entstellt. Aber 
ei" Aveiset ans auch aaf die iBlieT'e.&niaiteb'aiiga«vt'dieA 

) Inmer Und oaMr dräageä die-firM». idto iA^MMels diMM- 
«iir,*da98 Jene dtmam^^ S«Mi.atts P.Mia hMdtaeii '«i|d>itt 

^ Gid. i6. IM was ial Ona ium dieM FiaHa? - ^ 

IMss er durch das Wort nt^^ den OenädisKostand einer 
vertraiienst#Ilen Ueberzeugnn^, die Gesinnung" dessen, wel^ 
eher ntntt^ai (jss auf eine das Wollen erregende Weise zniia 
Wahrachten bewogen, d. i. nberzengt ist) bezeichnet haben 
welle, ist aus Stellen zu erselien wo er sein eigenes w«ietor- 
fia* über das rnttm &chebt^ wie Horn. 14, 14. 8, 88. ä Tim, 1, 
<&»ldi Ammektea klar abdr wird ea aus ttöm* li^'^ ivo als 
ihwaiai^'Wmgß&§KMm Mt. Wer ivty Jirna. eriüti 



910 Schrftder; Der Apo»tel Paulu« S. u. ft. Theil. 

laabt Mit, der ist f sogleich in sich selbsf) verartheilt ("Job. 
8, 18.) da er ov* tx m^eo;, nicht ans treubefolgter üeberzeugung 
(^dass er das rechte thtie) vieiraehr ohne und gegen seine 
Üeberzengung ifst. Denn „aiies, was nicht aus (Jeherzeugiing 
geschieht, ist (moht dt*atmf^ vielmehrj eio Yerfeiiien des 
Rechten = a^a^tla. 

. Wie äberhaaptillUeScIiiMe i^leiehsam Rechnungen sind, 
so befracfateC P. fiflii«8^ 28. denfiw^pil^edaDkene Wenn Gott 
ein Gott nH-erMeneebta ist^ eo mnas aneli allen Keuschen 
elwae möglich seyn, Ifrodknell ste.ilieeefli Gott g<efalien »«ler 
Harmonie mit ihin gewiss werden könneii, wie eine Rfeehdnngi 
Gott ist Einer und ebenderselbe für alle. Also Xoyt^optiS« 
= folgern wir wie durch Berechnung, dass der 
Mensch fr= ein Jeder) rechtschaffen wird und als recht- 
schatFen anerkannt wird durch Pistis = Ueberzeugunstrcue 
überhaupt, wie sie allen, jedem in seiner Weise, jnöglirh ist^ 
anch wenn noch nicht Handlungen dabei sind. 

Wenn hier Pistis nicbt etwai wäre, das Allen Men- 
8cfaeng(^tern öheraU nnd zn allen Zeiten möglieh wlre, 
wenn P. unter Pistis, etwas das ab positiv e= ohne eine an^ . 
derswoher geseste Kenntniss dessen, was dnrch Jesus ge- 
aehehen .lst, nicht mögfcch wibre, gedacht hätten, so wftre<8ein 
gaaeer Schlass an etnem-lmiern Widersprach krank« Oh' das 
Mos. Gese/i oder ob historisches Wissen und Glauben an JCr: 
aus als Christus zur seeliguiachtnden Religiosität unentbehiw 
Jich wären 5 beides wäre bei weitem nicht allgemein bekannt 
und zu benutzen. Gott sollte seyn Einer für alle. Und doch 
w^'re das Mittel, ihm als rechtschalTen zu gefallen , eine Pi-- 
stis, welche bei weitem die Allermeisten damals and> bisher 
nicht haden nnd nicht haben konnten. Wenn das. mos^ Ge« 
iBez jenes Mittel wAre/ so; :handdte> Gott,- wie wenn er nur 
ier Juden Gott wArCr. Alfo »^ hat iler Apostel gefolgert 
muss vielmehr iBine*Piatis, aber' eine selche, weicht' 
len niaglichastj Wie dn vo^o«, wie dwas- gelten, Mk wie 
«in Gese» von allen geordert wird.- Der Eine GottoOooMr 
iri* f Futur, corisequentiae) muss folglich rechlschafta 
machcu und für rechtschaffen erklären | beides liegt zugleich 
imBtxaiovvl \ Juden ix niqt&c; — wenn ihr Wollen das Rechte 
Ära ^ixaLoavvj:, aus Pistis = üeberzeugongstreue stammt. — 
4ind lity den Sia] 71 tax; — dadurch, dass eine (ihnen niö^li- 
chfi} Pistis an ihneo«ist. .-^ JMchts ie4. klarer fda^dass w 



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Hiulven seines Schlusses hatte bemerken müssen, wenn er 
unter Pistis nicht etwas universell mö^^Iiches ver- 
standen, sondern statt des Nomos, das nur particular be- 
kannte und mögliche, die Ucberzeugungstreue gegen Jesus als 
Messias gesezt hätte, die zwar etwas weiter als Mose, abcif 
doch bei vielen Millionen gar nicht, und wo sie ist, oft sehr 
murieiitig erkennbar wurde* Nur '^UUcli gute |»»ktische 
Ideen sind über^i efkeaniMur mid werden aaoh, wfi^ gleick 
otuie Ku&9lworte van. deo.Beseoneaffa . erk«ttii(, emfiürndtOf 
ei^weiidet« 

Was bier Boverkaonbar die Bedeutung das Paulini«* 

sehen Lieblings- Worts mtrt^ ist, das findet sich in der That 
überall anwendbar, wo er es gebraucht. Es gehört zum 
Idiom des Apostels, wie es durch ihn Societätssprache der 
Christen geworden. Denn sehr gefehlt wird in der neueren 
Exegese, wenn nur an den allgemein griechischen Sprach- 
gebrauch und nicht daran genug gedacht wird, dass die ur- 
christliche neue Lehrgeaellschatt für neue Begriffe alte Worte 
io bestimmterem Sinn w Gesellschaftsprache machen mnsste 
«nd dasa dabei mebr an . das Hebdüsehe als an das Grüeiiair 
rende gedieht ynwBie^ Dabei isl ed ein Misgeachicfc, daaa - 
anch' unser Wort: Ueherseagpiig, s&war einen Haaptth^ 
dos Begriffis, PisUs, aber, deck nicht alles, worauf es in seinein 
Umfang deutet, ausdrücken kann. DerGemüthszustand nämlich 
dessen, von welchem das ntnu^ai oder dass er Tti^iq habe, 
behauptet werden kann, besteht zwar hauptsächlich aus ei- 
nem Ueberzeugtseyn, aber so, dass dieses nicht mit ei- 
nem Zwang, vielmehr mit Vertrauen, mit einer willi- 
gen Zuversicht verbunden ist. Deswegen bat das 
dfadaA^auch etwas, wacaof mm bieh verlassen Imn, eine 
entOfireGhende Treue, ein wiw 9Uf9% umr Folge; und die 
GemdtsslinimQng, wckbe «n-tf w nennen ist, besteht nlqhl 
hie« ans dem Bewnssitaeyn, daaa eine gei^isae Anaicbt 
sich als überwiegend seige, das ist, äbers.e'Hge, aoific 
derM auch dass man ihr treu ananhängeJi aich bewogen 
finde. . • 

Uebersezt man mm, mit dem Vf. Pistis dagegen, wie ge- 
wöhnlich, durch Glauben, so deutet dieses Wort zwar aof 
den zuiezt angegebenen Theilbegritf, auf treue, feste An- 
hänglichkeit. Aber meistens erweckt das Wort Glaube , 
i|icht den eigentlichen Begriff von Ueberaengtseyn als l^qlge 



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Ht Scilriider: Der Apostel Paalua ft. u. ft. Tlieil. 

Von Einsicht in öbenvieg^nde Orände. Wo Einsiclit in 
die Sacho^rönde selbst stattfindet, sagt man nicht: Ich 
g-laube dies! Nor, wo man aus Vertranen auf Personen 
oder auf Nebeniimstände und auf nicht überwiegeadeErkeniit- 
liissmittel etwas als wahr festhält, versichert man, dass man 
Iftlialie, oder glauben wolle. Und wie oft sent nao ao« 
daa Glavbea, wie da aieh bMs redjgnierendea Ver^ 
Muen, alleaiseblrfOreB Fragten nadiCMndeii entgegen* Man 
Ufitat sM Itosondem vliebl, f5r die Religiosftftt und Christ- 
lichkeit eine ;^leichsam blinde Hingebung, ein Wollen ohne 
deuth'chc (iriiiide zu loidern, eine Glaubensfülle, die, wenn 
sie Gründe wissen wollte, schon des Unglaubens zu ver- 
dachtigen wäre. Und dies ist der Hauptgrund, warum wir 
nicht mit dem Verf. Glan benstreue als das passendste 
Wort annehmen möchten; wenigstens so lange nicht, als so 
viele mit der Forderung: Glaube nur l den so niedrigem 
Begriff von einer um die QriMe unbekäiameiten UingialNui|^ 
and Vekrstandesverldagnanji^ verknöpfen. 

Deifnoeb drö^t aneh auf der aadeMiSelte das« Wort Uebe r* 
T^ngvLug zwar das freie und «willige In dei^ finMekong der 
Pfslfs ans, weil dasUebefzeagtseynvondeaUelwfwjesettseiytt 
t^achrichtig wohlnntersdiieden wii^. Aberdais WortUebeiveo^ 
gung bezeichnet nicht sofort auch den so wichtigen Theilbegriff, 
dass die Pistis nicht ohne treue Anhänglichkeit zu 
denken ist. Wir müssen also persuasio und fides zugleich zu 
denken oder etwa das sie vereinigende Wort Ueberzeu« 
gungs treue zu gebrauchen uns gewöhnen, wenn wir Paulus 
in so tieloB Stellen^ wo er wie Rom. 1. 17. die von Gott «nd 
Jesus gewollte BinatoervvTj aus Pistis ableitet ood In die 
Fistis' hinein fMtlaafend besehreibt, walirer und veiistia^ 
iigc^ als- gaWdhaMi vastehea in^oHeat - wobei Jedoch aMt 
M'«bers«hen ist, «daas^-la mihokfm'Slolton mekr ao das Obci^ 
t»eagtseyn, ia aadem niehr aa-^ treue Aniidn|flk)kk«it) doü 
Züsammenbang gemdai sa deake» fet. 

*» • Dagegen nun ist dor' Veif. S. 189 — 199 sein sorglich, 
dass man behaupte, der Mensch sey alsdann tugendhaft, wenn 
er so handle, wie es nach seiner Lieberzeugung recht 
sey, wenn man die Ueberzeugung als etwas von der 
menschliclien (Willens-) Freiheit unabhängiges betrachte, 
wo denn das Verkehrte in dem Ueberzeugtseyn, auch wenn 
est in Uaadlan^^' 'abergoke^ 'ihm w)ht («als Yniiacbttldo^g]^ 



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Schfftier; Dar ApMtei Paulas 3. u. ^Theü. 



zor Last fuliö und die Entschuldigung eiutrete, dass man den 
Verkehrtdenkeuden doch, als subjectiv* überzeugt, wegen 
»einer ,,Ueberzeu^ungstreue^^ für wirkh'ch tui^dhaft; 
(rechtschaffen) halten müsse. Er fragt dagegen: Isit es ei- 
nerlei, %velcher Religion man angehört? welche m oral W 
sehe (jiai dm Freiwoilen einwürkende) UeberzeBgatag' man 
hat? Wmid- gäbe sioli denn dir Ap«8«el «ettflt m vMe. 
Mähe^ je4t verkehrte Ueberadogli^ an.^aevvittea^. 
iran es allein auf ^idbense^gai^tme^ «nktae? jaier 
UBhtdingt seiaer Uelmxeugung folgen aollte?'«^ Im Oe^ 
geosa» dringt dann Dr. Sehrader darauf, .daaB^das geistige, 
übersinnliche Wesen im Menscbea kmn Gott sey 
Skl91. dass das Leben im Geiste, der Geistesglaal^e 
alles entscheiden müsse und dieses vernünftige Thä- 
tigseyn unsers unsterblichen, überirrdischen) mit Go4l> 
\^fer wandten Ich die Tugend sey. 5 

In der That lassen sich eben diese Einwendaä^n ai^el^ . 
g^en das Wort: Glanbe and Glaubcnstrene machen«' 
Qiiiiibcn aieht die Meisten viel verkehrtes? und deeb ist das 
tielie, aber aft ftaatisobe Handeln na^ verfciehrtem Glanbaa 
noch schlimmer, da, wer sidi auf seine Ueh^rm^iotgunf^ 
bemft, dteh donlh. dieses Wort'andeoM, wenigstens 4MMr den 
ihuK eq^nthümliehett - Grondeinflfclilan an haiäeln. Jedoch ; 
einige, wenige Begriffsunterscheidungen, dünkt mich, reichen 
hin, zu zeigen, in wie fern der Verf. gegen die Erhebung 
der Pislis, als Ueberzettgangsfareue, mit Beohl oder mit Umrt 
recht bedenklich ist. 

Allerdings beruft man sich, besonders in unserer Zett% 
seit man weniger vom Autoritätsglauben als von. aijfdnaR 
„Ueberzeugung'^ abhangen zu sollen gelernt hat, nur allzu 
oft auf „subjective Ueberzeugnng,^^ wo dieses heilige^ wieh« 
tljge Wort blos gemissbrancbt wurd. Alles aber hingt von 
der Yorfirageab: was mit Recht als üeberzeugung zu 
rühmen seyt 

^ Der rechtUcheUntersaeher wirtl an vorgeschriebene Unter« 

suchungsformen und Mittel, der Richter an generalisierte Nor- 
men gebunden, damit das grosse L ebel, die Einmischung der 
Willkür, eher abgehalten werde. Dagegen wird dem Volks- 
repräsentantcn keine bindende Instruction, dem Geschwornen 
keine Processform vorgezeichnet, weil luan richtig bemerkt 
hat, dass in der Wirklidikeit die speciellste Anwendung des 



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aA4 Schräder: Der Apostel Paulas & n. ft. Tbeil. 

vom Pffiehtfifefähl aufgeregten Venitaiidcs ataf alle mdit zam 

voraus zu classificirenden LTinstände oft den £ntscheidungs- 
punct scharfer herausfinden kann, als er nach generalen ge- 
seziichen Regeln zu entdecken wÄre. Daher die dem Pflicht- 
gefühl und der Wahrheitsliehe untergeordnete Freiheit, dasa 
dem Volksstellvertreter und dem Beisitzer, des Schwurge- 
raekts seine moralische Ueberzeagung zur Bichtschnur. 
gagpeii^a wird, welche aber eben deswegen eine, jlEaralisclie^ 
geiMMint wirdy weil sie aus den PAichigetreoen Wollen «Mt- 
daher anf dein umsicbtigsteii. Anstrengen alier Erkenntnis»«' 
kf alle stehen soll. 

% Dasaus enlstelit dann aber freflieh nicht selten .ein neofls 
U^I, dass nftfflileb mandier^ weil er niemanden ven seinen 
Entscheidungsgründen Rechenschaft zu geben schuldig ist, 
auch sich selbst davon wenig Rechenschaft giebt und durch 
das Wort: Ich votire nach meiner üeherzeugung, 
wegen welcher ich keinem Menschen veraotwortHch bin! ei- 
gentlich nichts als dies sagt, dass er die Warum sich selbst 
klar SU machen unbequem ünde und sein Meinen, Vermuthen, 
Ahnen — dem Wortb^griff ond der Wahrheitspflicht nuwider 
"TT fnr Uebensengncg gelten lasse. . 

.'Noch viel öfter tritt ehe» dieses Uehel, besonders in re-^ 
ligiösen.und moralischen Bdsauptungen ein, wo sieh so viele. 
Halbdenkende bei den absprechendertenAnnassungen nnr dap* 
rauf, dass es so ihre Ueberneugung oder ihr wer weiss, 
wodurch? voihergefasstes Bewusstseyn — fordere, beru- 
fen und dadurch sich für ihr angeblich „freies ürlheil" ge-. 
gen alle Einreden, man möchte sagen, steinartig festgestellt 
an Jiaben .meinen* 

9 

iSchiuJs /olgt.) 



I 



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N'. «0. HBIDELrfkHGEB i$B9. 
JAlIRBitCHER DER LITERATUR. 



Sekrader: Der Apottel Paubu 8.U.O. T&eU. 

Was fol^t denn aber ans all diesen leidigen Erfahnin- 
gen? Etwa dies, dass die Uegel: Alles aus Ueberzeu- 
gun^streae! (^Röm. 14, 23.} trüglich sey? Stimmen nicht alle 
Denkende dennoch dafür überein, dass sie, wenn sie nur an- 
nehmen können, dass eine verkehrte Handlung aus reiner, 
lester Ueberzengung entsprungen sey, zwar dem Irrenden 
entgegenwirken, aber die Person um ihrer Gesinnung willen- 
4* i« weil sie sieh ihrer Ueberzeugua|f getreu beweise, sn 
a^ten versichern* Gebt diese Art zn nrtheüen niehl gans 
richtig davon ans, dass wir daa'Woilen des Rechten 
Jedem .Menschengeiste »inialhen dfirfen, wenn gleich wir oft 
wohl einsehen, dass das Wissen des Rechten in den 
einzelnen Anwendungen nach Umständen zu schwer seyn 
konnte. Und trauen wir eben diese Art zu ut theilen, nicht 
auch der Gottheit und dieser um so mehr zu, weil wir vor- 
aussezen, dass dem Allwissenden bekannt sey, ob der auf 
seine Ueberzeugung trozende wirklich ohne Nebenriicksich- 
tan keine ap4ere Gemüthsbestimmung habe und sie nach sel^ 
nam . Rildn^fQSgnng ohne Schuld nicht wohl anders haben 
U«»ic? 

Wird aber nicht ebendadorch elnlenchteDd, daas die Re- 
gel : Handle* öherseugungstren t feststehe , wenn sie gleich 
in allen den F&llen falsch angewendet wird, wo man aus 

Schwäche, Vemachlässi^uti^ der Mittel, oder Leidenschaft 
dem blossen Schein den Würdenamen Ueberzeugung bei- 
legt. Wer den ernsten Willen hat, nach Ueberzeugung 
treo zu handeln, findet die nächste Anw endung dieses Recht- 
Wüllens darinn. dass er nach einem des Namens UeberAca-* 
gmkg würdigen Wissen strebe. 

Etwas fehlerhaftes, sehen wir demnach wohl, kommt ^ 
ÜMl eben so wie mit dem Glauben, auch — mit der Ueber- 
WBQgaüg leicht in Vemuschui^. Doch mischt es sich minder 
.mOLUkgg. Ii. Haft / 90- 



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M Schräder: Der Apoiül Ftubtt & a ft. TbeiL 

leicht in die Ueberzeu^ungstreue als in das , was man GIau« | 
ben asa nennen liebt. (Im so nöthi^er ist's in religiöser Uni 
jnoraliscber Beziehung, psychologisch genan sich aas einan- 
der za legen, wie von Gott gewollte Rechfschaffenheit) 
die Paidimsche immoavinn tov diov, als die Gemäthstlmmung 
eines Jeden, der in des wahren Messias oder Oottesre^enten | 
Gottes-Reich o^chören wollte, wdrklleh 1« n/^coc, aus Ueber- 
zeugungstreue, ihren Ursprung haben und it« niVtv, in lieber« 
zeugungstrene, Aveiter fuhren inusste. * ' ' 

Die Christusreh'gion überhaupt (Joh. 4, 28) und beson- 
ders die des Apostels Paulus, geht vom Geist, vom Pneu- 
matischen aus und zeigt als den menschh'ch göttlichen Höhe- 
punkt des Menschen dies, dass sein Geist, auf das Heiligt 
|;erichtet, also als ayiop Ttptv^n, die o«f4 tt± den von der 
^^vxv belebten Leib (nicht zernichte oder vergewaltige, aber) 
nach den SachgHindeh ordne, fördere^ nisslg($ ^ reg lere, 
dass akio der Pnenmatiseh^ Menseh in da« Pi^ehlseheil 
durch geistige Ueberlnacfit wfirke. Anch di^l* Yerf«' sezt S. 
197. alles an? den Geist. Aberdurch deti Kifsitz, dassder Geist 
des 3Ienschen aus Gott sey, möchte sich wohl nicht viel 
für die Fehlcrfreiheit des Pncuma entscheiden lassen. Denn 
auch der Geist kann fehlen. Und eben deswegen bleibt es 
die Hauptaufgabe, dass wir uns, inwiefern das Pneuma 
fehlen könne, bestimmt erklären, damit diese Fehlerhaf- 
tigkeit möglichst verhütet werde. Ueberdies ist nicht Mos 
, daa Pnenma, sondern auch das Fleisch öder die SinniichkeÜ 
Aas Gott, insofern sie gewiss nicht wfir^ wenatlirDMytt 
an sich dem vollkommenen Geist nach seiner Weisheil «rf 
Whrksamkeit zuwider wdre« ! . < 

Das T. heAonders Paulas anterscheidet daei Pn eniii 
als diis Wollende und Denkende gtii* sehr von der ! 
Psyche und dem durch das <\>vxi9iov belebten Sarx, d. i. 
von der Sinnlichkeit, insofern sich diese als begehrend 
und fühlend zu erkennen giebt. Im Zustand des Selbst- 
bewusstseyns fasst zwar das menschliche fiemuth beides, 
Geistigkeit und Sinnlichkeit zusammen. Durch beide/fei Ar- 1 
ten zu wirken, wird es sich selbst als wirkend erkennbar. 
Aber doch ist das H e i n g e i s t i ^s; e eigentlich das , was sich 
Ic h nennen, das tSinnUcfae aber als ein Aocessorivm betracb-« 
ten and behandeln kann. Selbst dds, worauf die PhilosopUe 
^rst durch lP*ichte deuflich zu weideil veraotont: wufde, 



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I 



dfans nimliDli der rehie, m nch 'siirtick^eiixigeiie, sich dnreh 
Vernnnften selbsl bestinimende Geist eig'entlich das seiner 
selbst machtige Ich ist, kann darauf zurückgeführt werden, 
dass schon der Apostel dieses nach der Vollkommenheit oder 
dem, was Gott wollen kann, Denkeride und Wollende in sein 
nera Selbst als das, welches sich als Ich beträgt, und ge^ 
nule mit dieseui so viel sagenden Wort bezeichnen darf, an« 
erkannte und wohl unterschied. Diesen Beinen Geist neaiti 
P/Röm. T, 25. sein Ich-8elbst, avroq lye. Anekelten-- 
das. V. 20i sind die Worte: 9,Weiin idl ikw d«i> wm ick 
nieht will, doch Ihne, so bewirke idl ea nlokt mehr als 
lek (ovnHt iy^ »«tTf^MOft«! «reo), sondern dad in mir 
nend 'gewordene Sönd igen. JBia klares Zeiignise, düsseraeift 
wesentliches Denken und Wollen als Wirkung des cigentli-» • 
chen Ich sehr von den Wirkungen einer erst nur in ihm 
wohnend gewordenen verkehrten Richtung der Sinnlichkeit 
unterschied. An sich nämlich und bei weitem in den mei* 
sten Fällen ist auch die Sinnlichkeit nichts Böses, vielmehr 
unentbehrlich, um dem Ich Objecte zu geben. Nur weil die 
Sinnlichkeit y.iierst und dureh angenehme Reize und Triebe 
Wirkt, wirdtsie so vorkernswliend , dass sie, auch wenn die 
IMst%keit'eine ikrsfr Anwendungen misabilligt, als das Ge* 
wahnile lekiit obsicigt. Und nur .diese ^rst werdende 
lUcAtung der Wirklichkeit . nennt P« Sunde, als etwas erst 
bei dem fch wohnhaft gewordenes« Der 07« und das ovksv* 
£^&> erscheinen demnach bei Paulus, als praktischem Men« 
schcnbeobachter, wie reines Ich und Nichlich, wenigstens in 
sittliciier Beziehung, längst wohl unterschieden. 

Wie aber, fragen wir nun, wenn auch wir dieser IFn- 
lerscheidung uns selbstbewusst machen , wie entsteht im 
Oeistey oderJm reinen denkend w ollende n Ich 
die wllhre^, vor dem Allwissenden bestehende 
anist enrecbtsehaffenbeit, d. i. das, was der Apostel 
nis^die 9iM«»0tfit^'Öiiii« Immer nur Hauptsache ipacbt? 

'Es kann nicht fehlen, dass Jeder den genetischen 
Bei^rfff hievott, worauf es vornehmlich ankommt, in sich 
selbst und auf folgende Weise ^ndet. Wir haben des- 
wegen blos, was in uns und in Jedem Unsersgleichen, auch 
wenn er keine Kunstworte dafür weiss, doch vorgeht, aus 
der Selbstbeobachtung^ Ipleicksam auseiutiuder halien un4. 
2u besdMreiben. * • . . : *. 



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94% Mfftder: Dar ApoflA Mim S. o. ft. TImIL 

Ungeachtet Jeder Mensehgeborne von Anfang an dardi 
taosenderlei, meist körperlich nötbige and nicht verwerf liehe 

Erfahrangen an das Wirken nach Sinnlichkeit (n&ch 
<ra^4 und ^^x^) gewohnt werden inuss, und selbst das feh- 
lerhafte Handeln nach der Sinnlichkeit noch, che er es als 
das Unrechte genauer beurtheilt, in ihm wie einwohnend 
wird = als eine otxovaa «pa^xia zu personificiren i?t, so 
gelangt doch in Jedem nach und nach das reine Ich, das 
j^Denkendwollenkönnende^^ zu einem mehr oder minder kla- 
ren nnd seiner selbst müchtigen Selbslbewusstseyn. fik^bnld 
es nun bemerkt, dass es wollen, d»L nnabhii^g vom sinn- 
lichen ,,Begehren^ sich selbst bestimmen kann, so ent« 
steht in ihm, als dem Geiste, das Bedfirfniss, sich selbst aar» 
* gen zu können, wonach es denn, als geistiger llegeoA sei- 
nes gesammten Daseyns, wollend sich selbst bestimmen kön- 
ne und solle? 

/ Nun aber ist in dem reinen Ich neben dem Wollen 
nichts, wonach es wollend sich zu bestimmen vermöchte, 
als das, was wir im bestimmten Sinn Vernunft zu nennen 
haben. Das Ich oder der Geist denkt nämlich als Vernunft, 
indem er überhaupt Vollkommenheit als Idee denkt. 
Als Idee (als etwas der Würklichkeit Voraoi^hendes und 
sie Bestimmendes) Vollkommenheit denken heisstatelits 
anderes, als ilberhaupthin die Norm denken, dass jedes Sey* 
ende so vollstfindig gut, als es nach seiner Nator-» 
beschaffenheit seyn kann, seyn oder werden soll* 
Dieses, dass jedes Ding, soviel es ihm möglich oder in 
seiner Natur gegründet ist, vollständig gut seyn 
soll, ist der Sinn der Vernunftidee: Vollkommenheit, 
welcher demnach durch das vernünftige Wollen des reinen 
Geistes sich selbst und alles Andere, worauf er wirken kann, 
anordnen soll. Vollkommenheit in diesem Sinn ist offen« 
bar das /iel^ auf welches das reine Wollen hinzuwirken^ 
naf welches also das wollende Ich sein inni^^stes Wollen «oaiL 
voraas für immer ssn richten hat. 

Die Idee der Vollkommenheit, oder das möglichste^ 
der Natur des Seyenden gemäse Gatseyn, ist, als Ziel ge- 
dacht, das Rechte -rö 6^^6v, welches bei jedem Gegenstand 
schaffen zu wollen die wahre Geistesrechtschaffen— 
heit ausmacht. Auf dieses in gerader Richtung = rcc- 
ta ersichtliche soll geradezu =: rccta via, hin^estreht 



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Sclirader: Der Apostel Tauiut A.Theil. 949 

werden. Der reine f von aller Wirklichkeit noch wegsehen- 
de, sich, wenn ich so sagen darf, in dem ä priori erha1tende3 
Geist ist denkend in sich überzeugt, dass dieses Rechte 
zn( die rechte Weise zu wollen, das Höchste, Wahrste und 
Beste ist, was er wollen und erstreben kann. Und dieses 
sein reines innigstes Ueberzeu^tseyn = diese ni^tq, 
ist dann der Grund, warum er = dieses sowohl denkende ab 
wollende Ich, sich als wollend zum yorans fest bestimmt, 
nur dergleichen Recktes anf die rechte l^Veise ^^schaffen^^ 
— wolleod hervorbringeo, za wollen. 

Nor indem der reine, denkende und wdlende Geist, von 
allen äussern Motiven sich anf sich selbst saräcksieht lind 
ins Allgemeine hin den Vorsatz fasst, immer, nach der 
Idee Vollkommenheit, das vollständige Gutseyn 
oder das Rechte sich zum Ziel seines AYoüens und Schaf- 
fens zu machen, stimmt er, als der sich rein und unabhän- 
glg selbst berathende, mit sich selbst harmonisch 
ob er ein. Denn wenn er als unabhängig wollender in sich 
selbst das Motiv oder die Norm für sein Wollen aufsucht, 
so findet er hieasn nichts anderes, als die in ihm aprioristiscli 
denkbare nniverselle Vollkommenheitsidee oder die anschan- . 
bare Fordening, dass alles so got seyn sollte, als es seyn 
oder werden kann. Nimmt er nun, was er jeden Moment in ' 
sich selbst ohne alle Hinderung zu beginnen vermag, diese 
Idee sich wollend zur Richtschnur und \n'ägt er sich den 
Vorsatz ein, in jedem vorkommenden Fall sie als das 
Rechte f weder links noch rechts nach Nebenrücksichten aus- 
beugende^ möglichst zur Wirklichkeit zu bringen, so ist er 
mit dem, was er als reiner Geist ins allgemeine hin den- 
ken kann, vollkommen übereinstimmend. Und eben in die- 
' ser Harmonie unserer höchsten, als denkend und wollend in 
sich wirkenden Geisteskraft ist, so viel ich sehe, das tief- 
ste und höchste Princip des Sittlichguten oder 
der Rechtschaffenheit ku erblicken* Das in sich be- 
stehende Ich, welches in seinem Denken und Wollen steh 
von allem Uebrigen unabhängig halten kann, und als das in 
und für sich selbst bleibende über allem Wechsel der Dinge 
steht, ist nur alsdann in seiner vollen eigenthümlichen Kraft, 
wenn es wollend idealisch denkt, also den Grund für sein 
Wollen in sich findet und allgemein hin wollend sich 
nach eben diesem innersten Grunde selbst bestimmt 



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% 



U50 Schradert Der ApMtcl PfsliM 8. u. flb.TieU» 

Es liBsl sieh diese innigste ThstigkeM m iTen Wortnr 

aussprechen: Harmoniere als reines Ich, als fn dich 
selbst von allem iSinnlif lien vorerst Z/Unickg-ezogener (reist, 
init Dir selbst. Diess geschieht, indem Du, dieser Eine 
und ebenderselbe Geist, dein universelles Wollen dei- 
nem nni verseilen Denken (^welches im Denken der 
'Vollkommenheitsidee bestehtj für immerhin gleichmachst» . 

Nur von dir selbst hängt es ab, diese Ueberxeiigii»|^ 
diifls nulr ilas Beehte als Verwirklichnfi^ der Vollkommiui^ 
hcitaMee, snm vorans immer eo wollen iat, so t»ft in ernster 
Betrachtung, z« wiederholen und «hne Zulassung^ einer Ans- 
bahme nach ihr zu wollen ^ bis diese Oeisteseimbeit^ dieses 
theriseugungstreae Leben Im Geiste, dir fmmermebr zur Oe« | 
wohnheit, oder, wie man alsdann im besten Siim saj^a ! 
kann, zur and cm Natur wird. Nichts ist verderblicher, als 
die vermeintliche Orthodoxie, nach Augustinus, welche diese I 
Geisleskraft, sich in einen neuen, andern, d. i. nicht von der 
Sinnlichkeit beherrschten Menschen umzuschaffen, sich selber 
abl&ugne, statt dass sich jeder zu dieser £rueucrut)g seines 
NuB mmer aufregen sollte. £ph. 4, 25., wozu es an der Hnlfe 
der göttlichen Wehordnung nie fehlen kann^ Man bedenke 
nnr, wie Vieles und fast Alles der Mensch über sich scU»t 
durch Angewöhnung vermaji^. Auch Mrird ein solches An^^e- 
wohnen^ der Ueberzeugnng und dem Wollen des Recblea 
freu zu seyn, wenn es nur Anfangs fest genug gefasst, ge- 
halten, kräftig wiederholt und unaufhaltsam geübt wird, bald 
und je länger je stäiker zu einer geistigen Fertigkeit. Da- 
durch verwandelt sich allmählig auch die Aeno:st]i( hkeit, 
nicht aus diesem Zustande, dem die göttliche Cliaris, als 
wohlwollende Billigung, gewiss entspricht, herauszufallen, 
in eine getroste Zuversicht, in eine Plerophoria Pisteos, so 
dass man in dieser willigen Angewöhnung lebt, durch 
den Frieden mit sich selbst auch des Friedens mit Gott und 
allen guten Geistern gewish ist, und nur noch etwa in schwie** 
rigeren Fmien »ich ausdrücklich an die genaue Anwendoa^ 
des Prineips zu erinnern nöthig hat. 

Kaum kann etwas wichtiger seyn, als ein vorarfbeiifr^^ 
Betrachten dieser Genesis der rcli;::iosen Geistes- 
rc c Ii t s cha f f en h e i t aus der innigst erfassten P|* 
stis oder Ueberzeugung streue. Denn nur, wenn Wif 
diese Entstehung* als d^s uns in die^üi* Gottesvvcit Mögliche 



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$cJM*9d(^- Oer AiMMtel Paulus u. 5. TJieli. ^ i>51 



Aufgegckexi^ genuf^ ans ver^e^enwürti^n, wird 
der dejikendwoliende Geist sie ia sich ä^lbs^ '/m yerwirkli* 
cbßn aUe seine Kraft aufbieten. 

Was ich aber durch alles dieses um der Wichtigkeit 
der Aufgabe willen ausführlich zu entfalten mir erlaubte, eben 
dieses hat der Apostel überall vor seinen Geiste^augen, in«< 
dem er die göttlichgewoll te. also pneumatische Heehtschaffen«« 
b^it «to den Geioüth^zustaiid will und beschreibt, welcher 
nußm^^ aus dem Ueber/.eugtseyn, wie es jeder MeiH 
sebeogsist Cmit «od ebne Gesetsj in sich zmn Bewusslseyii 

C*heb^ kaon, eotstehe. Im allgemeinen isl ihm Pistis dss 
ehenKeugtseyn, dass nur das Rechte (das Ziel der Voll- 
kemmeaheifsidee} der allgemeinhin bleibende Maas- 
stab des WoIIens seyn könne und solle. Deswegen 
spricht Paulus gar oft von diesem ex 71^««^ oder dia jii^eoa^ 
als von der Quelle der ächten Sixctioawr,^ ohne den Beisatz 
iiQov xft^ov f wie Rom. 3,^30. 31.). Ja, Uöm. 10, 6. bemerkt 
er ausdrücklich . dass die aus Üeberzeugung entspringende 
Recbtschaffenheit =: n ex 3it$eo^ dm^ttoawrj, nicht etwa den 
Messias vom Mimmci herab, oder von dem Scheel berauf zii 
rufen nöthig habe {jm von ihm jedesmal erst, was als das 
Rechte asn thsn sey^ a« erfragen. Vielmelir könne sie sich 
selbst mit den Worten dea Pentefonomtum BO^ 14 siegen: 
Das, was su sagen ist (das p«;{ia über dein Recht weUen) 
ist Dir selbst nahe, sowohl in deinem Monde in dem, 
wovon Du scbqn darüber zu reden weisstj, als in deinem 
Herzen.^' •* 
Sehr consequent nämlich musste der so gar nicht parti- 
cularistische Apostel das Wort Pistis zavörderst in der all- 
gemein anwendbaren Bedeutung des üeberzeugtseyns und 
des Treaseyns gegen das, wovon und wie weit Jeder Ue- 
berzeugang haben kann, auffasse, ohne zom voraus ein 
particulares Object der üeberzeugung damit an verknüpfen* 
Br setst dem Citat aas Jes. 28, 16. 6 m^vmp^ $n av^i^ ovna^ 
9miX^ydBX9i SS der Ueberzeo|^ertranende wird sich nicht 
an schftmen haben, ausdräcklich ein na% vor, da Er nicht nur 
von allen seinen Zeitgenossen, Heiden sowohl als- Joden, 
sondern auch von den Gottwohlgefalligen aller Zeiten 
f von Abraham, wie von denen aus Habakuks Zeit) mit Recht 
voraussetzet, dass der Allwissende ihnen die Pistis, die Ge- 
' inüthsstimmung, nach Ueberzei^ung za w olle0| selbst ehe es 



iPtS Scbndler: Der AjMMtel Faulua 8. u. ft*TlieU. 

ZU Eandlong'en kommt, x^^'-'i '97^^} seinem Urtheilsbiich 
als die eiprenlliche Hechtschaffenhcit (^nicht als et- 
was, das nicht an sich so wäre, blos zurechne, sondern) der 
Wahrheit nach anrechne, d. i. gleichsam in dem Hechnnngs- 
register seiner Allwissenheit zii gut schreibe. Denn so allein 
ist es in der Wirklichkeit /s^otteswürdig. Ist doch keine 
Thathandlun<^ blos als Handluo^ eine rechtschafene« Uod 
ist nicht vielmehr das Betragen nar, wenn es aas der In* 
tentiott oder dem Vorsnts des Geistes, das Rechte , wie er 
davon flberzeii^t seyn kann, tn wollen and xu thun, entsteht, 
um dieser. Absieht nnd Willigkeit willen als rechtschaim 
anfzorechnent 

Niemals aber hätte dem Apostel das Unmögliche in den 
Sinn ^ele^t werden sollen, wie wenn er von der Gottheit 
gedacht hatte, dass sie dem Menschen irgend ein Glau- 
ben als das, was es an sich nicht wäre, als ein Rechtthun, 
als Gerechtigkeit zurechne. Nur die scholastische Zeit, 
wo. man den augustinischen Kirehenglauben auch durch phi- 
losophisch scheinende Künste zu rechtfertigen hatte, konnte 
dem Allwissenden nnd Gerechten andichten, wie wenn er 
hr^^d das, was nicht jostitia Ist, ans Gnade dafir gelten 
lassen kdnne und wolle. Und unmöglidi werden anter ons 
Ahnliehe neuere Fehlgriffe lange^anern, in denen es für tief- 
sinnige Dialektik gelten soll, abermals diese ans allzamenseh- 
lichen Begriffen von Gott als einem bald strafendstren^fen, 
buld gnädigen Herrscher entstandene Zurechnungslehre 
wlB ein durch Spekulation entdeckbares Religionsgeheimniss 
erneuern zu wollen. 

Ganz anders und Gotteswürdig fasste der in die univer- 
selle Möglichkeit der aus Ueberzeugungshene entstehenden 
Rechtschaffenheit eingedrungene hellenistische . Rabbine sei- 
nen Hauptgedanken gerne In Jene prophetische Sentenz Ha- 
bakttks 2, 4. zusammen, in welcher er mehrmals (schon Gak 
a, 11* wie Rdm I, 17. nnd Hehr. 10, Sa) jg:leichsam in einer 
Quintessenz wiederholt, dasa der RechtschalNie, welcher es 
aey iri^:rS3 in seiner festen Redlichkeit fd. i. so gut 

er über^f^eugt seyn kann3 als solcher leben, d*L wirken und 
sich Wohlbefinden werde. Dieses: & dt»moq ex nt^tu, ^^as- 
T4»«l i^ilt ihm, wie eres in der alttejstam^ntlichea Zeit 
Msgoq»rocben fand, ancb für das 9n^$p$iw aller Seiten« 



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Schräder: Oer yipottel Paulas 8. a. S. Theil. iW 

AmIi benatete Er eben dmw^gen wjkmt DaI. 8,8» iiad Uta. 

4, 9. das von Abraham Gen. 15, 6. gesagte: dass dieses 
gottergebenen bidern Altvaters üeberzeugiingstreue gegen 
Gott, diese blos innere Gesinnung des Gemüths, in dem Ur- 
theil der Gottheit als wahre Rechtschaffenheit geach- 
tet wurde! so gerne, weil in diesem so hoch gehaltenen Vor- 
bild sich die zwei Momente hervorbeben liessen, dass Abra- 
JiaaM Pistis damals nicht in einer äussern Thathandlang, son* 
'dem in der Gemüthsstimainni^ bestand, nnd doch jenes seiA 
y^ündig ttberseoftes Denken nnd Wollen als wahre Recbt- 
aelialenlieit von Gott beurtbeilt wnrde, nnd dass diese Heabfr* 
oehallenheit In ihm sogar noch, während er unbesehoitten, A 
i. allen* Mensehen, amSk den BteMen, gleiehwar^ feieilish an- 
erkannt worden ist. * • 

Von selbst aber versteht es sich, dass — indem dem Apo- 
stel die antijudaizierende Einsicht enthüllt war: Nur dann 
beweisst sich unser Einer Gott als Gott aller Menschen, 
wenn ihm bei Juden und Nichtjuden dieses ntanveiv (=s diese 
Geistesrichtung, der Ueberzeugung getreu seyn zu wollen^, 
Iiis die allen, jedem in seiner Art, mögliche liechtschaffenheit 
^ gilt! — er in eben dieser Hinsicht zweierlei mitdachte^ erst» 
lieh, dass dadurch nur Im allgemeinen ein treues Wol» ^ 
ien nach CJebenBeogong gefordert, nicht aber bei den a# 
venehiedenen Gesichtskreisen nnd Büdungsstnfen des BtCA* 
schengeschlechts nur ein nnd ebendasselbe Objekt 
der Ueberzeugung vorausgesetzt werden könne, und 
. dass doch zweitens hierdurch gar nicht eine schlaffe Gleich« 
giltigkeit über das Objekt der Ueberzeugung entstehen dür- 
fe, vieiraehr nur das Rechtschaffenseyn vor Gott gelten kön- 
ne, wenn Jeder nach der ihm durch seine Zeitumstände und 
eigene Erkenntnisskraft möglichen besten Einsicht au wol- 
ien fest entschlossen sey. 

INese wichtige Unterscheidung setzt Paulas überall foU 
geriditii: in Anwendoni;. Auch für die Nlehtjuden, zeigt er 
Rdm. 10, 17. 19., war ein Hören der Stimme Gottes, 
ans weichem a| «4«tu = das Ueberzeugungstrensey n, bei ih« 
nen überall entstehen > konnte. Es war ja doch nämlich die 
Stimme Gottes in der Nator fiberallhih, ei; 
ausgegangen. Auch für die Nichtjuden waren nach Rom. 
1, 19. 20. die ddpaxa, == die nichtsichtbaren Eigenschaften 
Clottes, die ewige Macht und ü brigoGöttlichkeit, erkennbar, 



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MdB aar vdii {Immb als »o t wftaim cbk «b lienktar imd'i^ 
dhwlit)*vM iler ge^dmlTeiiea WieUoffdMii^ her gieichsM 
^jtbgesehen^^ wurden n fead^^vac. 

Dabei denkt der Aopostel nach IVöm. 2, 14. o^ar nie an* 
d^rs , als das« sie alle nach dem , wovon sie durch ihr Ge« 
wissen^ als dem Bewusstseyn der Idee des Rechten, und 
deren reellen Anwendun«^ Ueberzeugung haben konnten, also 
nach der ihnen durch den Nus und äussere Objecto wäglicfaeui 
iPistis von dam Allwissenden beurtheilt würdee. 

Ebenso «etat Paulus bei der Gewissheit, dass Gotl «n 
tei nach Genes. IL nedi nickt mli dem Buodeeaek teii 
feaeiehneteii JÜlirsham sein redlieh ftsles Wallen tüt 4a% 
mirnn er nberaengt seyo konnte cb «elnd Aemanab als Recht«- 
scbaffenhHt geschätzt nnd moralisch in Reehaong gesteltt 
habe, gewiss nicht etwa eine dem an sich vortrelTIich ge- 
sinnten AUvater damals noch nicht mögliche Richtung 
der Pistis auf Jesus als den Messias voraus. Destp 
mehr aber beslund jene Aeniunah darinn, dass Abraham ver- 
Iraoensvoll die üeberzeugting festfasste, Gott werde ihn selbst 
wegen seiner Gesinnung nicht uugescegnet lassen, und alle 
llenschengeschlechier Wörden geseegnet ([äusserlich und in«* 
aerlich b^iückt} segrn, wenn sie, in seiner Weise Gott yer« 
iranend, nach dem, was für Gottes Wüten ba achten s^y, Itm 
hen wollten. Gen. 18, 18. 19. 

Ohne demnach Irgend einer Zeit oder Welililge eine 
Ueberzeugung, die ihr nicht nahe gelegt war, soanmuthen, 
besteht der Apostel dennoch auf der andern Seite, gegen 
allen Indifferentismus, bei Denen, welchen er Jesus als 
den Kührer in das hcilbnii<z:eiide Gottesreich, = ap;^i7jroa tjj^ 
a&rr.piaaf vor Augen stellen konnte, desto eifrio:er darauf, 
dass ihre Ueberzeugungstreue auf Je«us als Messias, und 
auf Gott so, wie ihn Jesus als den Vater in dies^ inorali- 
liscben Reiche dargestellt liatte, gerichtet s^yn nnd blei- 
lien solle, damit sie bei der speeiellen Frage: was in gege^ 
henen Füllen als das Reehte zn thnn sey? nicht Mos naeh 
ihrer IndividnaUtit urtheiiea, sondern die Ueberzeugung su- 
chen sollten, was Jesus oder Gott für das Rechte erklüren 
.Wörde. So war denn dem Apostel die Aufforderung, dass 
der Mensch im Geiste leben und nach dem, was der reine 
Geist billige, die Sinnlichkeit regieren solle, im religiösen 
jSinn .gkichbediiiUend mit der AuffordfiruDg ,,in Gott zu )cr 



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Selifadlar: Pur A^UX Paulut, ^ 5^ Thnl. 

btfl.^ Für den ^ber^ 'wirfcber mit Jesm Als Christes l>ek«mit 

fpeworden war, hatte die christliche Kichtung': „in Christa 
oder im Geiste Jesu zu leben,'* eben dieselbe Bedeutung« 
Ebendaher drint^t denn Paulus bei Denen, aufweiche er als auf 
Christuskenuer zu wirken hatte, nicht blos auf die im allge- 
meinen mögliche Pistis, sondern meist auf «tarK Irjaov ^^iarov 
s auf eine solche Ueberzeujg;ungstreue, wie Jesus, als Mes- 
sias^ sie selbst hatte, Idbead 4in4 leidend ausübte, und des^ 
w^en ftnch in Andern ^erwecken woiite (Rom. 3, Ja, 
er JbfUeift, weil Jesss «eine Pistis gpgen GtoU in Leben iin4 
M ntifa iflsäerüe bfMtigIt hnUe^ noieli umthk I^mp^ 
X^^o^mvf 4. u «er begründet bei IXenen, 4ie ihn tü^er Jesiw 
hMieti, die Irene Ueberzeugung, dass denelbe ^er ächtn 
Messias oder Begründer eines walii en Gottesreichs der gött-» 
lieh gewollten RechtschaflFenheit war, und dass sie deswegen 
bei dem weiteren Kragen: Was denn aber in einzelnen Fäl- 
len das Rechte sey? sich nach dieser Tuartq tiq ;(p*otoi' si-^ 
eher entscheiden könnten, das heisst, dass sie aus Vertrauen 

' nuf ihn als den messianischcn Gottessohn die Ueb^rjKe««* 
gnng haben durften« das Rechte zu woiJen, wenn sie den^ 

. ken konnten^ dass er as als das Bechte vollen oder billigen 
wdrd^. 

Nicht genp^ nfimlich iste, dass die christliche oder ic^tt-r 
liehe Btnmioavvn als Gelstesreehtsehaffenheit im allgemel-^ 
n«n doreh die pnaomatische Religionslehre Jesu enthfillt 

- wurde (ftnonaXvnxtxai), fclie inuss auch in eine sichere und . 
treue üeberzeugung, was im Einzelnen als das 
Rechte zu verwirklichen sey. d.i. von der allgeuieinhin 
gefassten Pistis specieller eiq manv übergehen. Und gerade 
über diese speciellere FVage gibt die treue Ueberzeugung 
über Religion oder Harmonie mit Gott, wie ihn Jesus als 
den alleinguten ([Matth, 19, IT.) und als den väterlicli 
regierenden mehr von der moraliAchen- Seite des voIU 
konmenen Wissens und Wollens ali von der theoretischen 
des ewigen md all wirksamen Wesens dargestellt bat) ttn4 
nnglelch die Pistis, dass Jesus als Messlas sich ab den ge- 
^oesten Sohn dieses Gottes bewiesen hat, eigentbänUche) 
anderswoher nicht ebenso mögliche Aufschinsse und Selbst- 
hestimmungsmittel. 

Hat das rein in sich wollende nnd denkende Ich seinen 
bisher beschrieikoeo FjincüQoen 2&u«iJUervprbri^geu der Gei- 



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MS Schräder: Der ApMtel Paalos S. u. ft. Theil. 

stedredifsehaireiiheit in sieh ^enu^ g:ethan , hat es iricii IM 
überzeugt, dass es immer das Rechte zu achten und zu er« 
streben habe, weil nur dadurch der höchsten, denkbaren Idee: 
Vollkommenheit oder möglichstes der Natur jedes Dinges ge- 
mässes Gutseyn, entsprochen werden kann; hat es daher in 
sich den Vorsatz, immer das Rechte zu wollen, gefasst und 
durch häufige Erneuerung jener ideellen Grundidee bis zur 
Ai^wöhnung hefesüf^^ hat es also durch dieses Treuwol-> 
len nach der Ueberaengung von dem, was der Idee des 
Rechten entspreche, fiberiiaupthin sich in wahre Gei- 
ttesrechtschaffenheit, in ein inneres Leben im Geiste als irer- 
waltend dber alles Sinnliche, versetzt und eingewohnt; so 
MeM doch immer xn üragen nbrlg: Was Ist Jedes*mal im 
Einzelnen das Rechte? wie vermag ich, wenn ich jenem 
idealgiiten Gemuthszustand gemäss zum Realisiren übergehe, 
sicher zu erkennen, welche mögliche Verwirklichung ich 
deswegen zu wollen und hervorzubringen habe, weil sie eben 
das Rechte ist, wodurch ich die geistige Ueberzeugungstreue, 
den Vorsatz, das Rechte als das von der Vollkommenheits- 
idee Geforderte zu w^ollen, gewiss realisire? 

Diese Frage: Was ist im Einzelnen als das Rechte za 
' wollen? ist weit schwerer zu beantworten, als die bisher 
verhandelte: Wie, d. h. nach welcher Norm, zo wollen 
sey. Diese Norm erkennt der Ungebildetste, Indem er sich 
selbst oder Jedem andern dn» Urtheil: Dies Ist Unrecht » 
es wäre etwas dem Rechten Entgegengesetztes! als Maas- 
stab vorhält. Die bisherige Lösung war aus der Vernunft, 
aus dem idealen Denken des Vollkommenen, welches immer 
auch das noth wendige f nicht anders denkbare3 und daher 
auch (für alle, welche denken) allgemeingiltige ist, abzulei- 
ten. Müssen wir nun aber nicht nach der Norm (wie zu 
wollen sey?3, sondere auch nach dem, was als möglich 
oder wirklich der Norm onterzuordnen sey ? ss nach dem 
Normandom fragen, so ist diess'elne Aufgabe an das Ich, 
als Verstand and Urtheilskraft Oer reine Geistmnss, 
ohne die Gelstesrechtschaifenhelt, die er In seinem innersten 
8eyn hervorgebracht hat, irgend zn vergessen, aus der ein- 
fachen Idee: Vollkommenheit oder volle Kraft zum Gut- 
seyn, in das so manchfache Objective der ihm wie von 
Aussen aufgenöthigten Vorstellungen, in die Erfahrung, uber- 
gehen j er muss das dort wirkliche und reellmögliche (^zur 



;Sdifate: Der ApoHel Paiilus % u. 6. Tliell^ MI 

Verwirklichung zn bringende^ nach allen Verhältnissen und 
anwendbaren Mitteln erst verstehen und dann seine Ver- 
einbUll^it mit der Norm. beurlheilen, um am Ende 
muxiv s=s zur speciellen, treuen Ueberzeugung za 
gelAiigen, dass und iawiefero es als das der Norm des 
Reehten entspreehende, also als das im wirkliclien.Ger 
genstand f= objective) rechte su verwirkliehen uejf 
Und so ist die hier dorelaoarbeitende Au^gtbe ininanehen 
vorwiekeHen Verhilinissen, viel sdiwierfger. 

Hier also freilich entstehen die Einreden, welche der 
Verf. dem Zuruf: Handle nach treuer Ueberzeugung! ent/g^e- 
genstellt, weil der Geist in der Ueberzeugung, was das 
Rechte sey, leicht irren (^das der Idee nidit|^ema^ docl| 
für etwas ihr Entsprechendes haltenj könne. 

Allerdings sind irrende Ueberzeugungen sehr möglich. 
Aber vorerst würde nichts gewonnen, wenn wir, mit dem 
Verf. die Aufforderung: Handle aus Glaubeastreuel da» 
fir setaen woUten* Denn die Frage: oh der Glanbe, dass 
etwas das rechte sey, nicht irre? ist eben so schwer zu be^ 
antworten und wird, weil man leichter glaubt, als ein Ue- 
herzengtseyn beliaoptet, weit öfter unrichtig beantwortet. 

Gehen wbr aber nur festen Fusses in das HalMunkel 
dieser Untersuchung tiefer hinein, so wird klar, dass auf kei- 
nen Fall die Norm selbst, die sich das reine Ich zu ge- 
ben hat, diese innigste Forderung des vernünftigen Denkens 
an das Wollen, unrichtig ist. Das Paulinische : «x jciarto^ 
iixaioavvr, ^eovl — das ist: Der ist in der g'öttlichgewollten 
Geistesrechtschalfenheit, welcher aas Ueberzeugungstreue 
handeln willl bleibt ewig wahr, wenn gleich das Ich, ala 
der reine Geist, in der Anwendung desselben Grundsataes 
auf das Nichiich gar sehr irren, es etwas der Richtung auf 
ydUkommenheit widerstreitendes als ihr gemiss ansehen 
kapn, weil es sich mit seiner ebenihils geistigen und göttli- 
chen Kraft, an verstehen und an urtheilen, auf ein anderes 
Gebiet, oi^ die vielseitigen ihm erscheinenden Wirklkbkei-f 
ten und möglichen Verwirklichungen, wagen inuss. 

^Abraham hat als reiner, gottergebener Geist in der be- 
wunderungswürdigsten Ueberzengungstreue , in der aus<- 
hahmelosen Entschlossenheit, alles von Gott Gewollte sofort 
und unbedingt als das Hechte zu wollen, sich entschlossen^ 
dass er sogar den Sohn, auf weichem seine tbeaersten. Hoi^r 



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I 



9i58 Sehrader t Der üpMtel Paiilue S> o. 6. Tlieil. 

nun^en ruheten. GoH wie ein Opfer hingeben wollte. Uebr. 
il, 17— 1fr. Und doch irrte er darin zum Entsetzen, dass er 
die Meinurtg, der Gott könne (wie der Moloch der 

phönisisGbeii IViesterpfaffeiiJ Küideropfer, als Beweis der de* 
firttthigsten, resi^fnirtesteii Oottergebenheit fordern , für Ve^ 
betmetigmg tmim* Steine Gamuthsstinuiiang inuse als ^ 
nat^own S^eov mit B^anderang hocbgeaehtet wenden, 
tend eis jetzt- ^en^ die sieh en seiner geisftgen Yereini^im«:^ 
des Wollens mit dem reinen Denken der Vollkommenheit dt^s 
Willens Gottes bei weitem nicht zu erheben vermöchten, ein 
Leichtes ist, zu begreifen, dass der Üeberzeuguiiji» streue da- 
rinn so furchtbar geirrt habe, dass er naeh der Ungewiss- 
heit seines Verstandes und Benrtheihingsvermögens einen 
sultanischcn Absolutismus, ein Ferdern der vernunfllosesten 
Unterwürßgkect und Anfopfernng fdr eine g'otteswürdige 
iUebtvelikoninenheit m halten nicht zu vennelden wosste; 
wie äberhanpi die mecsten und eehauderlraflesfen Utberzea* 
^ngsfefcler in GeWete der Religionen daraas, dass man 
der Gottheit anthropopathisebe ßigenschaften als 
Voltkommenheif en »nsehrelbt, zu entstehen pflegen* 
Am Ende wird dann nach und nach die Einsicht klar^ 
dass man doch in der Anwendung der üeberzcugung?*trcne 
sehr gefehlt (wenn«;lci( h nicht gesündigt} habe, weil man 
eine blosse Meinung für Ueberzeugung gellen 
Hesse. 

Diess nun zu vermeiden^ hängt unstreitig als menscht 
die Aufgabe überhaupt davon ab, dass der Geist nicht aliein 
an dem fiuifaehen der Veraanflideen und in den ideeU sehe^ 
* senden, oll fir Vernanftspeeolation gehaltenen Pbantasieen 
adne Thfitigkeit beweise, sondern «aeh Verstand und 
iJHheiiskraft (statt dass man sie, well sie niebf infidlibel 
sind, verachten möchte) so sehr wie möf^lich, im vollstdndi* 
gen Auffassen der in der Wirklichkeit gar vielseitigen Ge* 
genstände übe und dadurch vervollkommne, dass der Verstand, 
indem er sich auf sich selbst richtet, über das, was er ver- 
mag, sich selbst verstehen und dieses sein Äelbstbewusst- 
seyn seiner Kraft auf Hegeln bringen kann, die ihn g^en 
Verirrungen warnen. (Abraham irrte, weil er die absolute 
Macht, alles zu fordern, für gotteswürdig, für Vollkoramenf» 
lieit MUt, da doch nicht jede* hohe 8tafe einer i^rafi eine 
VolikosMiieiiheit iat^ neimehr nur.das Krfifligaeyn Kmm Gu« > 



by GoogU 



Hm 4ec. Idteevt^onnMlMil eotspriclit Dean sonst stünde 
ein voUkommer Despot,: «in volUuinuMier ScUankopf aaf 
gleiehcr Siofe mit dea, dessen Denk- und Waienskmft für 
Verwirkliehnng des Gaten vertreflieh ist)« . 

Eben dnisu aber, «m im Verstehen oüd Benrtheilen, was 
als das rechte zu wollen und zu verwirklichen sey, nicht 
leicht zu irren, gab der Apostel, welcher den als Idee 
^fassten Vorsatz, aus Ueberzeug-ungstreue zu wollen, aU 
die (j^ielle der von Gott «gewollten Geistesrechtschaffenheit 
überhaupt erkannte, zwei sehr erleichternde Mittel an, wel- 
ehe ans der Religiosität, als dem Streben, mit dem vollr*, 
konuBengaten Gott besonders im Wollen harmonisch aui sey% 
tbian« der Christliehkeit oder der Verehrmig »lesn ab 
4e8 iehten Messias akuileiten sind. Der Verstand des Ein« 
Minen irrt leiehter, wenn er Uos an sieh selbst denkt. Des* 
wegen raft wm, - wie seine Zeitgenossen, der Apostel anf^ 
aus iri<rTi; tiq xo¥ &cov oder Ii^aovi/ (a)\) ;^p(OToy ZU wol- 
len und zu handeln. Denn Jeder, welcher im Suchen rieh« 
tiger Ueberzeu^ung über des Rechte sich gleichsam in Gott 
oder in Jesus hineinversetzt, das heisst, jeder, wenn er das, 
was Gott oder Jesus als das Hechte achten könnten, zu denken 
strebt und zu seiner üeberzeugung macht, wird viel seltener 
oino- nnrichtige Meinung für sieli »or Uebersseugung werden 
lassen. Das Fehlerhafte, das er als sein eigenes Ensengniss 
fltthesorgter miassen konnte, wird ihm sogleich weit ver* 
werflieher aofraHea, wenn er die Frage stellt: kannte es 
Jesu, könnte' os Gottes Ueherseugung seyn, dies als das 
Hechte, äls das 6^ev oder 9inwov, als das der Vollkommen^ 
heitsidec in diesem Fall entsprechende, zu wollen*? 

Und somit dächte Ree. die christliche Ueberzeuofuno^s- 
treue oder maxK; als die Quelle, aus welcher im Gemüth die 
üchtrelfn^iöse Dikäosyne enisprincren solle, nach ihren Haupt- 
beziehiin<^en dem Universalismus des Heidenapostels gemäss, 
gerechtfertigt zu haben. Er freot sich dabei der Ueberzea- 
gung, dass die Prütung dieser genaoeren Unterscheidun- 
gen und Begrifsbestimmungen ohne Zweifel sr«nnächst dem 
geistreichen Verf. selbst nicht nnwillkommen seyn kann« 
Denn auch Dr. Schräder ist nicht aus der Classe jener 
Exegesen, %velehe sich immer nnr fragen: ob denn nicht 
manche Stelle bei Paulus sictf so deuten lasse, dass sie mit 
den dogmatischen Erdichtungen der Scholastiker und der den 



1 

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, scholastischeti Theil des Kirchenglaubens in BeUf[iumgdbßUKh^ 
jiisse umdeutenden «pecnlativen Theulogeii too einer wegeD 
des Do^meng:lHubens ans Gnaden zn^ereebneten Ge- 
rechtigkeit in Uebereinstimmnag gebraeiit werden kennte« 
Ancb Er viehnehr geht von dem /Standpunkt des gerechten 
Foraehers aus, daaa man aach dem Neaen Testament kein 
temporftres Vorurtheü ssasehreiben dörfe, wenn es nicht dort 
deutlich ([als Zeitmeinun^} angenommen und ausgesprochen 
erscheint, so wie anf der andern Seite keine an sich 4^nsi<- 
chere Behauptung ([wie k. B. die vom teuflischen Dämonen- 
reich), wenn sie dort bestimmt ausgesprochen ist, deswegen 
weder wegexegesirt noch als infallibel angenommen werden 
sollte. Durch eine gerechte Exegese dieser Art ergibt sicbi 
dasdemDenkglaubigen erwünschte Resultat, dass die biblische 
Theologie weit rationaler ist, als die alte und neuere scholastisch« 
apecttlative Dogmatik. Und eben dies, dass Schrift und Ver- 
nunft weit mehr miteinander, als mit den Kunstllchkeiten der 
Dogmatiken harmoniren, allgemelnverstindllek nachza weisen, 
ist durchgangig ein Hauptzweck des Verf. 

Uebrigens wäre unstreitig eine genau durchgeführte 
Theorie von dem, was Uebcrzeugung seyn soll und wie 
sie werden kann, wahres Zeitbedürfniss, da nicht blos im 
Beligionsgebit t . sondern in allen Fächern mit dem leichten 
Ausruf: äo ists nun einmal raeine lieberzeugung! unds 
Man mnss Jedem seine Uebcrzeugung lassen und als daa 
ihm Heilige respectiren! oft ein egoistisches, sehr verderli- 
licfaes Spiel . getrieben wird. Vornehmlicli würden die Giada. 
der Evidena, wek^ aar Ueberse^gung ffihrea, weil aa utt* 
terseheiden aeyn« 



( B0$thluf9,} 



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S". «J. HBIDBLBBROBB 

JAHtlBÜCHER DER LITERATUR. 



Schräder: Der Apostel PmUm 3. u. ö. TheiL 

• (BtBehlufa,} 

• ' ■ • , • 

Wollte man aber auch statt Ueberzea^un^str^uß 
mit dem Verf. Glaubenstreue setzen, so wäre doch im- 
mer deutlich hervorzuheben und daran festzuhalten, dwm im 
N. T. uie als zu einem Seeh^keitsmittel zum Glauben aD 
l^ewisse Dogmen aafg^efordert wird. Glaabeo bedeutet« 
SS aus Vertrauen wahr achten. Aoeh das Yertraaeig i^eoii 
es nieht allza willkürlich tind znfillig seyn soll, mnss auf 
Orfinden, die man g^erne gelten lasse, also — auf 
Ueberaeugung berohen. So allerdings' das Tertrauen auf 
Jesus, als den, welcher die Messiasidee im höheren praktisch- 
religiösen Sinn erfüllte. Jesus aber und das ürchristenthum 
verbreitete nicht theoretische Dogmen, sondern aliein prak* 
tische Willenslehren. Diese werden dem Glauben ge- 
geben als das, was aus Vertrauen auf Jesus als Christus 
wahrzuachten und zu befolgen sey. So unglaublich dieäe 
Unterscheidung Denen scheinen muss, die den OogmeijL 
glauben als Bedingnng der seeligmachenden, gaMfgeh 
Mittheilung einer zugerechneten Gerechtigkeit nnd Sfinden«» 
Terderbnqg irgend in ein System gebracht haben, so gianb- 
Uch ist sie fflr die Zeit Jesn nnd der Apostel schon deswe- 
gen, weil bekanntlich das Jadenthom kein Dogma hatte 
ansserdem Glanben, das Volk des Einen Gottes zu seyn' 
also auch der im Pharisäismus ausgebildete Apostel der christ- 
lichen Universalreligion dennoch nicht in der Angewöhnung 
an einen zur'8eeligkeit unentbehrlichen Dogmenglauben er- 
wachsen war. Trotz der verschiedensten Dogmatik waren 
Sadducäer und Pharisäer gleich sehr orthodoxe Juden und 
Syndristen, wenn nur einer wie der andere die för mosaiseh 
geachteten Sittenvorschriften beobachtete. Deswegen wurde 
damals^ wie noch jetzt, von der Judensehall der Messias 
als Entdecker überirdischer Verhältnisse oder Dogmen, 

UXII. Jshrg. le. Heft 0| 



uigiii^cQ uy Google 



vieUnebr aber als praktischer Lehrer (Job* 4, 25.} erwartet. 
Vom Olaabeo theöretisirender Behaaptnngen die Gnade der 
Gottheit abhiDgig za denken, wnrde erst in den Christenge- 
meinden aHmühlfg zur Gewohnheit, ato die an philosophische 
Secten und Dogmen gewohnte Niehtjuden das Uebergewicht 
bekamen, die Lehrer aber statt des Anftrags, das Halten der 
Gebote Jesu nach Matth. 28, 20. za lehren, sieh als Depo« 
sitare unentbehrlicher Giaubensgeheimnisse und ihrer allein- 
wahren Entwicklung hierarchisch desto geltender zu machen 
Jcrnteo.. 

ihr, Paulus. 

'9 

w * - * * * • 



T^mtn^ Md «nm Nm^* AraUnh» Bn(ählung§i^ «vm erstenmale aus dem 
anAMkm V^ft^t treu übersetzivom Dr. GuMtav JVHl mitemer Fov- 

halle von August Lewald, und zweitausend Bildern und Fignetten von 
F. Gross. Lief 85—118. Zweiter Band, Lief. 1—24. JedeLiefcrung 
vier Kreuzer oder ein Groschen. Pforzheim, Dennig, Finck et Comp. 

Da Ref. in einem der vorhergehenden Hefte, die ersten 
Lieferungen des vorliegenden Werks, so lange Herr August 
Lewald dessen Herausgabe besorgte und es im Verlag der 
dJaasiker in Stuttgart erschien, nicht nur als seitie Arbeit 
anerkattDlOf sondern auch trota mancher Modiilcationen des 
üeraosgebers im streng philologischen 8iaoe vor dem Fomm 
dc^ deutschen Orieutalistea vertheidigte, so h&lt er ea Ib* 
seine I^JBicht, sowohl um seinen Euf so retten, als am das 
grosse PttblUtnm m eattftascbeii, jetzt, wo nur noch sein 
Name, nicht aber seine Arbeit veröffentlieHt wird, gegen dle^ 
8es Machwerk so bald und so laut als mdglieh zu protestiren. 
Zwar hat Ref. schon ia dem verbreitetstcn politischen Blatte 
Deutschlands (S. allgemeine Zeitung voui 4. Meptember^ 
erklärt, dass er die bei Den/ii^ Finck und Comp, in Pforz- 
heim erscheinende Ueberselzuiig der tausend und einen Nacht 
, nicht als die seinige anerkenne ; da aber in jenem Blatte 
kein wetterer Beleg für diese Erkhirung Platz finden konn- 
te, SO wird er hier am leichtesten und Jkkrsleo sieh g^hen 



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lassen, wenn wir einige Steilen aus der vorliegenden üe- 
(lersetzui^ mit der iiosrigen vergleich^iut 4i«fü||f«iL 

Als einst der König Miihamed von seinem Thrdne stjeff, 

und sich mit seinen beiden Vexieren and den uio ihtf vcK 
sammelten Grossen des Reichs unterhielt, wurde auch von 
der Wahl und den Eigenschaften der Sclavinnen gesprochen. 
Die vcrscliiedefisleh Ansichten musste der König von seinei* 
Umgebung über diesen ewig unentschiedenen Gegenstand 
iossern hopea. öer Eine suchte die Behauptung geltend zu 
machen , dass eine Fran nar körperlich schön und wohlire— 
staltet Ro seyn brauche ,* am ihrer Bestimmong, den Anfur- 
derongen des Mannes m genügen^ zu entsprechen; alle an- 
deren Eigenschaften seyen mehr schädlich als nützlich, in* 
dem eine Erau, wenn sie zugleich Verstand und Bildung be- 
sitze, sich in die Handlungen des Mannes mische, die si^ 
nichts angehen , und daher nur störend auf das Leben &in^ 
wirken iiiusse. Wieder Andere suchteif das Gegentheil m 
beweisen, indem sie darthun wollten, dass, wenn eine Eran 
ausser körperlicher Schönheit nicht auch ausgezeichnete Goi- 
steseigenschaften besitze, sie nicht föhig sey, den Ansprü- 
chen eines Mannes zu genügen. Sie mtee so gebildet ^eyn, 
um an dem Schicksale des Mannes un4 an seinen Gesettf- 
ten Theil nehmen zu können, damit er sich Abends nii| il|r 
über die Geschäfte des Tages nnterhalten könne. Diese Ei- 
genschaften, halten sie dafür, erhöhen ejier die Lebensge- 
nüsse, als dass sie, wie andere behaupten, in das Leben stö- 
rend eingreifen. Dies sey ja der Vorzug des Menschen vor 
dem Thiere, den die Erau besitze, wie der Mann. Wollte 
man aber der andern Meinung beitreten, so hiesse dies so 
viel) als den Menschen zum Thier herabwürdigen, und die 
Temunft, mit der der Mensch begabt, mit Füssen treten. So 
insserte sich Badhiaddin, wührend Mnin He andere^ ^sicht 
vertrat. Der König pflichtete dem Erstem bei, un4 sagte W 
ihm : ,.Ich möchte schon lange ein Mädchen besitzen, das mit 
Schönheit des Körpers äucE Schönheit der Seele verbände? 
und die Eigenschaften besässe, wie du sie eben schildertestj 
dass sie nicht aliein an Schönheit, sondern auch an Verstaua 
und Tugend Alle übertreffe. Suche daher ein solches Mäd- 
chen mir zu kaufen." Muin wurde eifersüchtig auf l^adhU 
addin, dass der König ihn mit einem solchen Auftrage be- 
ehre. Er wendete sieb nun an d^n König nnd sagte: „Ein 
Mädchen von solch ausgezeichneten Eigenschaften wird sich 
wohl schwerlich finden lassen, hlmde sich aber je eine sol- 
lte, so kostel sie gewiss an tOOOO INaan^ yJOk^Um 



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914 Weil: T«aaeBd Bod eine Necht. 

Pforzheimer Uebersetzun^. 

ohne Zweifel diese Summe für eine Sclavin viel zu hoch; 
dies kann seyn, da da so hohe Anforderungen an die Mäd? 
chen nicht machst, mir aber kommt diese 8umme nicht ZQ 
hoch vor." Er rief hierauf sof^leich seintn Schatzmeister, 
and befahl ihm: „Gib an Badhiaddin aus meinem Schatze 
10000 Dinar." Dieser holte das Geld, zahlte es vor. und als 
Badhladdio es in Empfang geuoiameo, scbicJite er es nach 
Hause. 

Badhiaddin, nm dem Befehle seines Herrn zu gehorchen, 
kearab sieh jeden Ta^ auf den Markt and beaaftragte alle 
Makler, die schönste und gebildetste Sclavin für ihn auszu- 
suchen, and keine verkaufen zu lassen, wenn sie auch 10000 
Dinar oder meiir koste, bevor' sie ihm vorbestellt worden sey. 

Zweihundert und sechste Nacht. 

Seheherfad erzählte weiter: Kein Makler verkaufte eine 
Selavin, ohne sie vorher dem Vezier vorzustellen. Es ver- 
ging kein Tag, ohne dass ihm neue vorgestellt wurden, aber 
immer hatte er Etwas an denselben auszusetzen. Einst, als 
er gerade auf dem Wege zum Palaste war, begegnete ihm 
einl^Iakler, der zu ihm trat, den Steigbügel erfasste und ihn 
anredete: ,,Grosser Vezier, der du des Königs Befehle ver- 
breitest, der du lange leben und immer siegreich bleiben mö- 
gest! Ohne dich wäre das Reich längst aserspliltert.^ Hann 
fnhr er fort: „Grosser Vesierl Was wir langst für dich be- 
sucht, hat sich nun gefunden. Ein persischer Kaufmann Mt 
eine 8clavin gebracht, weit erhaben über Alles, was man 
bis jetzt von weiblicher Vollkommenheit gesehen. Bei der 

f rössten Schönheit besitzt sie auch alle Vorzuge eines ge- 
ildeten Geistes und ausgebreiteter Kenntnisse.-' Der Vezier, 
erfreut über diese überraschende Nachricht, antw^ortete: 
,,Bringe sie zu mir , icii werde sogleich wieder zurückkom- 
men,^^ und setzte seinen Weg welter. 

Nachdem der Veasier nach Hanse gekommen war, er- 
sehien der Makler mit einer Sclavin an seiner Seite, von der 
man wirklicli sagen konnte, sie sey an Kftrperschdnheit ein 
Bild weiblicher Vollkommenheit: sie w^ar von angenehmer 
Grösse, schlankem Wüchse, feingeformtem Busen, glühend- 
schwarzen Augen, ovaler Gesichtsform, der leinsten Taille, 
schönem Mund und perlenweissen Zähnen, kösliichem Athem 
.und einer zarten klangvollen Stimme.^' 

Weil's L e b ersetz ung. 

Einst wollte das Schicksal, dass der König Muhammed, 
der £lohn Soleinans, wahrend er von den Grossen de« Reichs 



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Weilt Tauacnd und «ioe Macht: 9Aft 

Weil's Uebersetaun^. 

umgeben war, seinem Yisire Fadhl-Eddin Mgtßt ich mochte 
eine Sclavinn haben, die alle ihre Zeitgenossinnen an Sdidiw . 
heit, Tugend und Verstand übertreffe, so dass sie an Vussem, 
und innern Vorzögen vollkommen genannt werden möge.- 
Die Grossen das Reichs und Häupter der 8taatsrathe ant» 
werteten hierauf: so eine Sclavin würde wohl nicht für we- 
niger als ;5ehg tausend Dinare zu finden sevn. Der Sultao ' 
gab sogleich seinem Schatismeister den Befehl, PadhUfiddin 
sehn tausend Dinare nu geben.. Jener befolgte den Befeid 
das Sultans 9 and als der Visir das Geld empfangen hatte, 
befahl ihm der 8nitan, Jeden -Täg den Markt za besaeben 
und die Alakler zu beauftragen« da^s sie keine schöne und 
liebenswürdige Sclavin über zenn tausend Dinare verkaufen, 
ohne sie vorher dem Visir vorzustellen. So wurde nun 
auch keine Sclavin mehr verkauft, ohne dass man vorher den 
Visir darüber befragt halte. Schehcrsad bemerkte den Ta- 
£^esanbruch, und schwieg, am folgenden Tage ftüir sie dann 
fort: 

Man ersälilt: o König! dem Visire gefiel lange keine der 
ihm vorgestellten Sclavinnen, bis er eines Tages ausritt, am 
sich in den königlichen Palast za begeben, da begegnete 
ihm ein Makler , warf sich auf seinen Steigbügel imd redete 
ihn mit tol;»:endem Verse an: 

Du bist der Visir, der des Königs Befehle verbreitet, o 
mögest du noch lange siegreich bleiben! du belebst das Tod- 
te, das vor dir /Arnichtet worden, und ohne dich wäre längst 
das lleich zersplittert. Dann sagte er: dein hoher Befehl 
kann non befolgt werden.^^ So bringe mir die Sclavin! er- 
wlederte der vIsir. Der Makler entfernte sich eine Welle 
und brachte ein Mädchen von schlankem Wüchse, festem 
Ensen, schwarzen Augen, ovaler Gesichtsform und feiner 
Taille. Jugendlich frisch war ihr Aussehen, ihr xVthein süsser 
flis Julep und ihre Stimme zarter als der leiseste Morgen- 
wind» . • 

Man glaube nicht etwa, dass die angeführte Stelle die 
einzige ist, vo die Pforzheimer Zugabe die treoe Uebersetz- 
ong mehr als um das Doppelte verlfingert; das Ganze geht 
in diesem Tone fort, so dass man Ideht merkt, dass diese 
unter des Ref. Namen erscheinende treue Uebersetzung des 
Arabischen, nichts als eine freie oder vielmehr freche ümar-" 
beitung ä Ja Mailand ist. Vergleichen wir noch den Anfang 
des zweiten Bandes der Pforzheimer Uebersetzung mit der 
des Referenten. 



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m 



W«il: TompBd nmd eine -Ntcht. 



Pforzfeeimer Uebf rsetsuni^. 

Uerrl man mählts Es herrschte einmai vor undenklichen 
Zeiten ein Königs: »n Persien, Namens .8abnr, der war der 
grösste und mächtigste unter allen Herrschern seiner Zeit, 
und besass onermessliche Länder und Reichthiimer, die von 
einer zahllosen Armee vertheidigt wurden. Er war aber eben 
so berühmt wegen seiner schönen Tugenden, als weffen sei- 
ner furchtbaren Macht und Grösse, denn er war niciit allein 
dm Mann v<mi ausgebreiteten Kenntnissen, gewandt und voll 
UAtemeluMngsgeist, sondern sein Herz war aoefa eben so 
weich und theilnahmsv oll, als sein Verstand scharf und durch- 
dringend; seine Hand war eben so mildthätig und freigebig 

fegen die Armen, als fiir den Bösen furchtbar und strafend. 
Ir war ein Trost für den Unglücklichen und Beladen en, und 
der Verstossene und Verfolgte fand stets eine Freistätte bei 
ihm. Seine Verwandten liebte er zärtlich, gegen die Frem- 
den war er milde, und nie wurde ein Fall bekannt, dass ein 
Unterdrückter ihn vergelNsns am Beeilt gegen die Gewalt 
anffefleht. Er war Vater von drei Mfidchen und einem Soh- 
ne, deiren Besitz ihn noch glücklicher machte, ids die Be- 
wunderung der Welt und die fast an Anbetung gräneeade 
Liebe seines Volkes. 

Dieser König feierte jährlich zwei F'este, Nirridj und 
Murhadjam, die über sein unennesslirhes Reich bis in die 
kleinste Hütte des kleinsten Dörfchens hinein Freude und 
Jubel verbreiteten. Was nur gehen konnte, kam herbei, und 
mehr als einen Monat vor den Festen waren schon alle Laud- 
mnmm veli Beisender,- die za Wagen, am Pferde und an 
Fuss nach der Hauptstadt eilten, wo der König sein ranses 
Volle in den Strassen und Plätzen der 8ladi und anr einer 
nnibersehbaren Ebene ausserhalb derselben bewirf hete. 

Tausende von Gold- und 8ilbermiinzen, kostbare Stoffe 
und Waaren aller Art wurden unter das Volk vertheilt und 
alle Gefangenen begnadigt und freigelassen. Alle Wachen 
wurden eingezogen, ja nicht einmal im Palaste blieb ein Auf- 
seher oder >Vachoffizier stehen, so dass Jedermann durch 
die herrliehen Süle und Gänge, durch die Gärien und selbst 
die Schatzkammer^ wo die Beichthfimer gans&er Welten aof- 
^hinflt lagen, ohne Hinderniss gehen konnte. Nor der Ha- 
rem allein blieh nach Gottes Gebot verschlossen; aber die 
Verschnittenen davor hatten ihre Schwerdter in der Scheide 
und trugen silberne Stäbe mit goldenen Knöpfen in den Hän- 
den. Der König selbst sass in dem kostbarsten Saale auf 
seinem goldenen Throne, und das Volk <iing in langen Rei- 
hen vom Morgen bis zuiu Abend zu ihm hinein , um ihn zu 
begrflssen und ihm Glück zu wünschen zu dem Feste und 
der Gnade Qottea. Wer es vermochte, brachte ihm ein Ge- 



Pforskeimer Ueber«eUii«g. 

schenk, sey es ein kostbares Erzeugniss des Bodens oder 
der Kunst, oder auch nur eine besonders schöne Blume und 
dcrgUMchen. Der Köni^ nahm Alles, auch das Unbedeutend- 
ste, mit Gute und freundlicher Herablassung an, vorzüglich 
aber war er erfireqt, wenn man ilim schöne Erfindungen und. 
andere von Nachdenken und Geist seijgende IHojro über- 
reichte: denn er war ein sehr grosser Vrennd der Philoso- 
phie, Mathematik) Astrologie noi anderer schönen Wiasfen* 
s^aften* 

Nun traf es sich an einem dieser Festtage, dass drei 
äusserst gelehrte und erstaunlich weise Männer in seine Stadt 
kamen. Sie waren alle drei aus verschiedenen Ländern und 
sprachen auch verschiedene Sprachen. Oer Eine war ein» 
indier, der Andere ein Grieche und der Uiitte ein Perser. > 
. Der Indier war ein Mann in den besten Jahren 9 jedoch, 
von sehflulch tigern Körperbau, ond la seiner ganzen uestait. 
prägte sich die Aohe und der Gleichmuth aas, die das Merk-* 
mal, dieser Stiimme sind. Seine Kleidong bestand ans einm 
Gewand, das wenig von dem Unsrigen abwich^ nur war ea 
eher etwas einfacher. Dagegen trug er auf der Brust ein 
Amulet, das von der grössten Kanst zeu^^te^ uad dem d^^ 
wonderhafteste £influss zugeschrieben ward. 

Der Grieche war etwas älter und schien verschlagener 
zu seyn, als die beiden Andern; denn während jeder von 
ihnen einen gewissen Ernst ond Selbstgefühl zeigte, sprach 
ans Jedem Zuge seines Antlitzes List, Neid ond Bosheit. 

Was jedoch den Perser betraf, so war er zwar ein Mann 
von ausgezeichneter Hüsslichkeit. aber doch der Klügste von 
ihnen. Auch ward seine Hässtlcnkeit noch durch den Anzu^ 
vermehrt; denn er trug eine hohe schwarze Mütze, die mit 
Bändern an seinen Kopf festgebunden war. Ausserdem hatte 
er noch einen langen dunkeln Kaftan an und trag einen 
Zauberstab in der Hand, so dass seine Krscheiaung der merk- 
würdigsten Art war. 

Der Indier ging zuerst zma Kdnfr, warf eich vor dem 
Kasse des Tlirones nieder und fibef;gm ihm etc. 



Weil'« UeberaetsuiiK. 

Man erzählt: es herrschte in Persien vor uralten Zeiten 
ein König Namens Sabur, der gross und mächtig war, viele 
Heichthümer und ein grosses Land besass, in welchem er 
ein zaMreiches Heer unterhielt £r war Vater von dr^ 
TMiteni und einem SohaOb aneh war er mit mehr Kemiini»»* 
fuen, Teratattd uai llntttnenmaii^M^iot 'bqi^i «la alle Re-r 



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WeiTs Uebarsetsang. 

genien seiner Zeit. Nicht minder ans^ezeichnet war er dorch 
seine Güte und Freigebi/rkcitj. nie wiess er einen Hülfsbe- 
dürftigen ab, er tröstete die ITnglücklichen und nahm die 
Verstossenen ehrenvoll auf 5 gegen seine Verwandten war er 
zärtlich, gegen Fremde zuvorkommend und die Unterdrückten 
schützte er vor Gewalt. 

Dieser Mnig feierte Jfihrlieh zwei Feste, Nira^ and 
Mnrbadjän. An diesen Tagen wurden alle Waelioraztere 
von den Thoren seines Palastes entfernt; es wurden viele 
Geschenke vertheilt und Gnade und Sicherkeit allenthalben 
verkündigt; da hatten alle Unterthanen freien Eintritt ins 
Schloss, jeder kam, um ihn zu begrüssen und zum Feste 
Glück zu wünschen, oder ihm irgend eine Gabe darzurei- 
chen. Besondre Freude machte es aber dem Könige, wenn 
er von Philosophen oder Mathematikern besucht wurde. An 
einem dieser Feste erschienen nun auch drei Manner vor 
ihm , welehe in allen Künsten and Wissensehiiften einen er- 
staanlichea Grad von Ausbildon^ erreicht hatten. Sie waren 
alle drei aas verschiedenen Ländern, und sprachen verschie- 
dene Sprachen; der Eine war ein Indier, der Andere ein 
Grieche und der Dritte ein Perser. Der Indier ging zuerst 
zum König, verbeugte sich vor ihm, wünschte ihm Glück 
mm Feste und überreichte ihm etc 

G: Ii CiL 



Italica von Dr. Guttav Klqmm. Urator Theil. Hericht über dne 
im Jokr IW. tm Gefolge 8r. Sitiigi, H^ktit 4e$ Prinzen Johann, 
Herzog» zu Saekun» «nUmonuMne Reife nach UaUen Dreoäen tmd 
häfmg, m der JmMtvhm Baehhandtung^ 1880. XU, tmd 516. & 
im gr, 9, dwA mit dem Aeeontfem TiUii 

Bßitt durek Itmlien von Dr, Guttav Klemm, K&n^fl eocAe. BikUo' 
fJbefcwv hupeetar der KönigL «Aiftt. Pmelfon- vnd Ö^dne'SamndMng, 
imd mekrer gMMen OeMebttfien MOgUed, Druden mnd Le^jwlf 
flf 0* elU» 

Die Veranlassung, wel<^e das Entstehen dieser Schrift 
hervorrief, ist schon in deo auf dem Titel beündlichen, hier 
mit abgedrackteit Wcurteo, enthalten; doch werden, was deo 
Inhalt des Garnen und den Plan and die Absichl des Verf. 



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Itaiiea von G. Klemm. Erster TfaeiU ' »611 



bei Herausgabe dieser Schrift betrifft, die nachfolgenden, dem 
Vorwort p. X. entnommenen Angaben, am besten den erfor- 
derlichen Aufschliiss geben können. 

„Zuvörderst ^alt es. eine Totalansicht des Landes zu 
gewinnen, ilemnächst aber das römische Alterthum in seinen' 
üeberresten genan zu betrachten , endiicii aber das geren- 
wäriige itah'enische Volk und sein Leben and Wesen, Dieb« 
ten ond Traeliten mdglichst vomrtiieilsfrei zu besehanen. 

Die Wäebte dieser Bestrebnngen enthalten, freilieb nor 
in fluchtigen Umrissen, die naehfolgenden Bogen. Die voi^ 
lle^nde erste Abtheilung enthält meine Beobaebtangen in 
ehronologischer Folge, wie ich sie alltäglich in Briefen an 
meine Gattin, und in meinen Tagebüchern festzuhalten ver- 
suchte. 

Nächstdera wurde das Zeichenbuch fleissig gehantlhabt, 
und ich suchte überdiess durch Flugblätter, Lithographieen, 
Steine und das, was ich mir sonst aufhob, das Bild des Lan- 
des mir unvergänglicher zu machen. 

Die Betrachtung, dass icb das Glück hatte, manche Ge- 
gend, manches Kunstwerli, manche Zustände, und zwar In 
grösster Nühe» mit grdsster Bequemlichkeit zu betrachten, 
welche hundert anderen Reisenden onzugänglich bleiben, 
dann die Bucksicht, dass es mit Italien dieselbe Bewandtnms 
habe, wie mit den alten Classikem, in denen jeder anfmerfe«- 
same, neue Beobachter neue Seiten, neue Ausbeute findet, 
endlich aber der gewiss nicht unbillige Wunsch, dem fclr- 
lauchten Fürsten, der mir diese Herrlichkeiten so huldreich 
erschlossen, ein, wenn auch unscheinbares Denkmal jneiner 
Dankbarkeit zu weihen, diess Alles bestimmte mich ^ diese 
italienischen ileisebilder öffentlich bekannt zu machen. Ich 
habe mich sorgfältig bemüht, Dinge, die schon oft beschrie- 
ben worden, nicht abermals umständlich darzustellen, nra den 
Raum für das minder Beachtete und Bekannte zu gewinnen, 
and sonst zur Ergänzung und VervoHstAndionng früherer 
Reiseberichte beizutragen.*^ 

Ref., dem die Prüfung dieser Schrift eine eben so aifge» 
nehme als vielfach belehrende Aufgabe geworden ist, kann 
. fiicht«i anders als die Ueberzeugung aussprechen, dass der 
* Hr. Verf. diese Zwecke, wie sie in den eben angeführten 
Worten der Vorrede sich angegeben finden, durchaus er- 
reicht, dass ihm die Ausführung wohl gelungen und, unge> 



• 



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•ehlel der sahlloseB Schrifte», -welche Aber Kalten in allen 
moi^liclieo Bexiehungen theils schon erschienen sind, (heUs 
täglich erscheinen, sein Werk zu denen zu rechnen ist, die 
durch ihren belehr^den, angenehm nnferhaitenden, anre- 
genden Inhalt , duixh die Frische der Darstellung und den 
lebendigen Vortrag eine besondere Empfehlung verdienen, 
sowohl für diejenigen, welche in dieses Land eine Wande- 
rang antreten, als für die, welche an die reichen Kunst- 
und Naturschätze dieses Landes sicii erinnern oder sie nä- 
her kennen lernen wollen. 

Wir können hier natürh'ch dem Verf. nicht Schritt vor 
Schritt in das Einzelne seiner £rzählon||^ und seioes geaaiien 
Beiseberichtes /o|^a$ nnr Einiges über den Gükg and die 
Richtung der Reise selbst mag hier angeführt, an einzelne 
Angaben und Notizen, wissenschalUicliMsr oder artistischer 
Art insbesondere erinnert werden; das Uebnge . wollen wir 
unsern Lesern überlassen, denen wir zuglt ich einige Pro- 
ben vorlegen, welche sie zu weiterer Leetüre einladen 
mögen. 

Es führt das Ganze die ungezwungene Form eines Ta- 
gebuchs, in welchem die Ereignisse des Tags, sofern sie 
bemerken*werth erscheinen, so wie Alles das, was an jedem 
Tage stehen nnd beobachtet wurde, sich aufs Gensiueste 
elttgetri^gen ändet, in einer Weise, die für den Gelehrtea^ 
den Mann von Fach wie für den gebildeten Leser, gleichao- 
siebend and unterrichtend wird. 

Am 21. Mars fand die Abreise von Dresden statt; aai 
10. Jnli die Räckkehrj in den Zeitraom dieser vier Monate 
fällt die Reise, die bis Palenito und Sicilien sieh, erstreektl, 
insbesondere aber Florenz und Toscana, Horn und Neapel be- 
rücksichtigt hat. Ein erster Abschnitt enthalt die Heise von 
Dresden aus über Prag und liudweis mitten durch Böhmen 
nach dem freundlichen Linz, von dem uns eine recht vor- 
theiihafte Schilderung entworfen wird^ dann über Steyer, 
Klagenfurth, Villach, Trfest, Venedig, Padua, Ferrara, Do« 
logna, Ravenna, wo Dante's Grabmal mit Hecht die beson- 
dere Aufmerksamkeit auf sich zog, nach Florenz. Auch in 
PSadua ward der Prato della Valle, ein grosser freier PlatS| 
aaf welchem die Statuen des Titus Livius und andfsrer be- 
rAhmtar Padaaner aafgeetellt sind, beanoht, und dabei die ge- 
wiss wahre Beaterknng belgelligt: ^^Solche historische Pe«^ 



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lUUca Ton O. Kleinm. Eraier TlieU. »II 

(refak'en hat fast jede Mittelstadt Italiens aufzuweisen, und 
es macht ihr alle Ehre. Der deutsche Norden zieht als Bau- 
malcrial zu Monumenten das allerdings weit wohlfeilere Pa 
pier vor." (S. 40.3* Dass Kirchen und andere der grossen 
Baudenkmaie Italiens überall besonders berücksichtigt wer- 
den, bedarf wohl kaum noch einer besondern £rinnerui^. 

Einen neuen Abschnitt bildet gewis^ermassen FJor^iift 
8« — 118. Aus der anzieheiideii Darstellung so inancher 
Qegensiäo/d» ia Kunst und Natari weJebe den Beschaaer hier 
femln^ erinnert Ref. nur an dje dem Gelehrten ee wieh%ei| 
Angaben äber den Bestand des ägyptischen Maseums, das 
erst in neuerer Zeit gegrändetf die Ausbeute der gelehrten 
Reise enthält, welche in den Jahren 1828. und 1829. auf 
Kosten des Grossherzogs von Toskana der Prof. Rosselim 
mit Champollion bekanntlich unternahm. Der Verf. fuhrt ein . 
gedrucktes Verzeichniss der in diesem Museum enthaltenen 
ji^yptischen Gegenstände an: es ist dasselbe in Deutschland 
wenig oder gar nicht bekannt; die Notizen unseres Verfas- 
sers 8. 102(f. daher um so dankenswerther. Anderes, wie 
z. B. die Schilderung des Osterfestes, die Besehreibung des- 
Palastes Pitti, den Besuch einiger- merkwürdiger Klöster ond' 
dergleiehen öbergeht Ref«; es bilden diese Thelle eine über- 
aus angenehme und unterhaltende Leetüre. Einiges Andere 
findet sich weiter unten, bei dem zweiten Aufenthalte) der 
auf der Ruekkehr in Florenz gemacht wurde, beschriebem 
An Florenz selbst schliesst sich eine Reise in die toskani- 
schen Maremuien, die von Neueren wenig besucht, so man- 
ches Merkwürdige darbieten (S. 119 — 162.3. Ref. möchte 
insbesondere an das schöne Bild erinnern, das von der rast- 
losen, einsichtsvollen Thätigkeit des Grossherzogs von Tos- 
eana S. 144. entworfen wird. Nun folgt 8. 163 ff. die Reise 
nach Rom, der Aufenthalt daselbst und die verschiedentlich 
in dessen Umgegend unternommenen Ausfluge. Noch weoi^ 
ger kann es hier, bei einem so überaus reichhaltigen Gegen- 
stände^ unsere Absieht seyn, alles £uizelne, was der Ver- 
fimser in seinen SehÜderiMigen berichtet, anzuf&hren oder nä- 
her an durchgehen. Das neue GregorUinmche Museum ver- 
setzte den Verf. in Staunen; er verfehlt auch nicht, äber 
diese reiche , erst in der neuesten Zeit entstandene Kunst^ 
Sammlung 8. 258., einen näheren Bericht, der die Hauptsache 
derselben verzeichnet hat, m geben j die Menge und die 



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lUlica von 6. KJemm. Erater Tbeit. 



Schönheit der zwei Säle füllenden Bronzen findet er unglaub- 
lich; in der V*asensaiumlunß; aber eine Anzahl wahrer Pracht- 
stücke. Mit p:^eicher Sor^rfalt wird von den Kunstschätzen 
und Kunstsammliinfren auf der Villa Ludovisi (JS. 227.3 1 der 
Villa Albani (S. 229 3, der Villa Pamfili (S. 2M.^, des Col- 
le^ium Romanom oder Jesuitencolle^ium {S. 243ff.3 ^* ^' 
Nachricht gegeben. Aber nicht blos die Kunst, anch die 
Geschichte Rom's zog; die Aafmerksamkeit des Verf. auf 
sich, und veranlasst ihn unter andern zn Betrachtungen, von 
welchen wir nur Eine wenigstens ansufuhren uns nicht ent- 
halten könnend 

Wenn ich hier in den Mor^xenstunden im Livius, schreibt 
der Verf. am 4. Mai zu Rom. den Anfang der römischen Ge- 
schichten lese, so finde ich diese einfachen E>zfihlungen so 
ganz mit der Natur de-^ Landes, mit dem Wesen des Vol- 
kes zusammenslimmeiui, dass ich wirklich nicht begreife, wie 
dieses Land, diese Cam|)a;2:na, diese Hirten, diese Brigandi 
einen Staat anders hätten anfangen sollen. Die gras- und 
krautreiche Campa^rna ladet zum Hirtenleben ein. und die 
Langeweile desselben, so wie der Kampf gegen die Wölfe 
bringt Lelbesäburigen, Kraft und Gewandtheit des Körpers 
hen'or/ Noch Jetzt sind die Hirten der Campagna tüchtige, 
schöngebaute Männer, die keck und kühn die Hägd aaf"- 
und abreiten, die Bäsche dnrchdritigen und die Ebene durch- 
jagen. Sie sind eben so o:astfrei, als räuberisch — und wie 
alle Nomaden jemals gewesen .^ind in der Germania m<*io;na, 
in den mongolischen und den arabischen Steppen. Die be- 
nachbarten Gebirgsstadte der Etrusker brachten den alteu 
lateinischen Hirten allgemach mancherlei Rediirfnisse und 
Genü-sse; die Verbrecher, die Unzufriedenen, die Herunter- 
gekommenen, die Verfolgten der Etrusker-Slädte fanden in 
der Campagna Zufluchtsörter und zwischen den Hügeln und 
Höhlungen sichern Aufenthalt* Anch das Meeresufer lieferte 
in Gestrandeten , in Flüchtlingen anderer Nationen der Be- 
völkerung der Campagna" von Zeit zu Zeit frischen Zusohass. 
Das Streben nach Ungebundenheit, welches unter dieser Be- 
völkerung herrschte, machte' ein freiwilliges Znsammentre-- 
ten zur Gesellschaft hier nicht Statt ünden; allein ein küh- 
ner Mann, — der gewaUsamen Erwerlj, Genuss und Gewinn 
als Zweck obenan stellte, konnte eine Verbindung- der Ein- 
zelnen möglich machen. Ein gemeinsamer Zufluchtsort ward 



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nothwendij^, und so entstand an der Tiber ein befestigtes 
Lager, eine Biirglond 8(adt. Dass Romohis and Remos an^ 
k§ni|clielien, Ja gdttKchem jätamm, mehrte ihr Ansehen, sttitsfe 
üe Disciplin, welche sie eingeführt. — Dieser Verlanfder 
itoisehen Urgescbiehte scheint mir eben so natfirlich $iUt die 
Fbrtsetzuno:, wie Nnma^urch Weisheit nnd Güte die grosse 
Bande, die seine Vorfahren zusammengebracht^ zu zahmen 
suchte, wie er zu diesem Zweck die geisilichen Institutio- 
nen der Etrusker, die seinem Volke von Hans aus ehrwür- 
dig seyn mussten, bei sich einführte. Numa war der Schöp« 
fer des Privatlebens , er baute den Heerd und den Altar der 
Laren. Die Homer waren auf dem besten Wege, ein fried- 
fertiges Volk zu werden. Aber Tulliis Hosh'lius rüttelte sie 
m» dem Frieden auf und sachte Kampf mit den Nachbarn— 
and so lange, als dieser dauerte, nahm Rom zu. Als aber 
dKe halbe Welt erobert, als Reiohthfimer aller Art naefa Rom ' 
geflossen, als das Volk fibersftttigt, verweichlieht, — da ward . 
der Römer sicher und feig. 

Es ist ganz gewiss, aber auch ganz natürlich, dass die 
Urgeschichte der Römer, wie sie Livius und die üebrigen 
erzählen, nicht auf urkundlichem Grunde beruht, — allein die 
Sage selbst hat, wenn sie dem Grund und Boden, dem sie 
angehört, und hinderen historischen Erfahrungen nicht wider- 
spricht, einen höheren Werth als fragmentarische iienchte 
nach Zeit and Raum entfernter Nachbarn. 

Oder eine andere ähnliche Betrachtung, niedergeschrien 
ben am 5. Mai zn Rom (ß. 219 f.J: 

Wenn ich im Livius 43-3 lese, wie Servius Tul- 
lios, der Regründer der römischen Staatsordnung, sein 
Volk In Centurien theilte, und welche Bewaffnung er je 
nach den Centurien anordnete, kommen mir allerhand Vei- 
gleiche mit dem neuen Rom. Arma bis imperata. ^alca, cli- . 
peum, ocreae, lorica, oinnia ex aere; haec ut tegumenta cor- 
poris essent ; tela in hostem hastaque et gladius. Das ist die 
•Tracht, die noch heute die Hirten der Campagna haben. Die 
Galea hatte die Form der dicken, wollenen Mützen, welche 
noch gegenwärtig alle Schiffer an der Ivüste des mittellän- 
dischen Meeres haben, nur dass sie von Brz, also steif und 
starr war. Der alte Helm, den ich in Florenz erwarb, dann 
die HeJfloe im Zimmer der antiken Rronzen In iTlorens, die 
hn Gregorianischen Museum, sind solehe vererate Mutten. 



(S. die Abbildung bei Gori, inuseum llUras. T. I. Tab. 46.> 
.Clipenin , diese Schutzwaife hat die neuere Zeit und das 
Sehiesspnlver entfernt. Ocreae, diese sieht man noch heute 
in der Campag^« *Es sind die CjlaiDaschen aas steifem Le- 
der, welche, Schienbehl und Waden bedeckend, mit Vdmm 
featgesehnallt werden. Lorica aber Ist die Weste, die, den 
Leib umsehliessehd , ans Zie^enfell, mit den Haaren niich 
aussen gekehrt, getragen wird. Aus Erz inussten sie dem 
Körper noch enger sich anschh'essen. Hasta ist der lange 
Stock, den die Hirten noch heute fuhren, wenn sie die Rin- 
derheerden hüten, und Gladius, das kurze römiscbe 8chwert, 
ist der Dolch, den der Römer heute noch nicht abgelegt hat. 
Die spätere Zeit brachte V eranderungen in der Form dieser 
Waffen liervor, so ward der Helm minder hoch, die Bein- 
schienen wnrden , wie wir an der Columna Trajana sehen, 
Knrsser, Ja sie waren schon m Augost's Zeiten zur Caliga • 
geworden, de fär weite Märsche die Bewaffnang des Ser- 
vios Tolitos nicht berechnet war* 

Findet sich doch anch die Toga noch Jet»t im rtaischen 
VoHie; wie verstehen diese Rdmer nicht, mit einem Wurfe 
ihren weiten Mantel in die herrlichsten Falten zu bringen.'' 

Einen neuen Abschnitt bildet die Reise von Rom nach 
Neapel und von da bis Palermo nach Sicilien, dem aussersten 
Punct der Reise, sainmt der Rückkehr nach \eapel bis zu 
der dortigen Abreise (S. 264—11943^ ein weiterer Abschnitt 
gibt dann die Rückreise nach Livorno , Florenz , Siena , Pe- 
rugia und Arezzo (S. 895->468.3; den 8cbluss bildet ein Ab- 
schnitt: Letzter Aufenthalt in Fiorens ond Aedureise (£1. 
d61ir.> 

Es wdrde dem Bef. in der That schwer fidlen, aas dem 
mchen Inhalte dieser Schildemngen , die das Gebiet der 

Kunst und Wissenschaft, wie das der Natur gleichmassig 
berühren und in der ungezwungenen Form der Auffassum^^ 
und Darstellung so anziehend werden. Einzelnes, als beson- 
ders wichtig oder interessant, hervorzuheben oder einer be- 
sonderen Aufmerksamkeit anzuempfehlen, die eben so sehr 
auch die übrigen Theile des reichen Inhaltes ansprechen 
Unnen. Der Verf., obwohl Gelehrter und Altertbumsfor- 
scber, hat mit leiner Beobachtungsgabe auch das Jetoige 
Leben Italiens verfolgt^ ond nicht selten die alten «nd neuen 
Znstlinde mit einander verglichen; er hat daher aneh fttrf des 



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Haltet tM 6. Klmiik Eiüm IMI. M 

Lsben d^ alleii Bewobner Italiens mfiberkmmi gemmdkt and 
wf die Aehnliolikelt, welche in dN^r Hinsiebt mit dem Jefsi«» 
g9n Leben sich darbietet So kann er nicht amhin*, bei Be* 

trachtun^ der allen Wand/2^eiiialde , wie sie in dein Studien- 
palast in Neapel sich ^esainuielt finden, auf ihren, wenn 
auch in künstlerischer Hinsicht vielleicht weniger bedenten- 
den, so doch in anderen Beziehungen so hohen Werth auf- 
merksam zu machen und die wohl zu beherzigenden Worte 
für seine deutschen Gelehrten zuzufügen: ^,Man könnte aus 
diesem Gemäldeschatz einen Bildercommentar texk Horaz und 
Martialis auswählen, der gewiss mehr Belehrung darbieten 
'wMe, als die wortreichen Noten so vieler Philologien, de« 
nm die lebendige Ansehaonng der Heimath Jener Poeten ab- 
geW^ (ß. 285.> Eine ähnliehe Bemerkung wird 8. 292 bei 
der Besiehti^ung von Herkolannm ^eiifacht 

Es drängte sich mir abermals, ruft der Verf. aus, die Be- 
merkung auf, wie sehr das Privatleben der Alten dem der 
jetzigen Italiener geglichen. Dieselben viereckigen Mauern, 
flachen Dacher mit Uolzsparren und grossen Ziegeln. Das 
alte Herkulanum hat gewiss am Tage seines Unterganges 
dieselbe Physiognomie gehabt, wie Resina, Torre del Greeo 
und die anderen Ortschaften am Golf von Neapel sie noch 
beute «eigen. Einige Mauern enthielten noch Wandgemälde, 
alle aber den sehdnen Stuceo, der auch die Säulen bedeckl 
a.'s* w. (S.29l(). Besonderen Eindruck machten auf denVrf. 
die Rinnen von Pästum; „Ich gestehe, sagt er (S. 808. 
dass der Anblick dieser schönen Monumente in dieser zwar 
menschenleeren, aber in der üppigsten Vegetation prangen- 
den, von Meer und Gebirfjon eingefassten Gegend den Ein- 
druck noch übertraf, den der Anblick- des Colosseums auf 
mich inachte. Er war nicfit minder gross, aber bei Weitem 
firenndlieher, beruhigender. Jenes grosse Denkmal römischer 
Gewaltsamkeit war der Sorgfalt der Aienschen anvertraut, 
'und es wurde zur Ruine ^ diese Denkmale eines heiteren, 
fröhlichen Volkslebens und harmlosen Naturdienstes hat die 
Natur selbst in Schutas genommen, mit einer schonen Wild-^ 
niss omgeben, und noch stehen sie da in ursprdnglicher 
Schönheit. Tausende von schlanken, gränen Eidechsen ra- 
scheln dort im Gemäuer, und in friedlicher Stille weiden 
Ziegcii lind Büffel in der Nähe, aus der Ferne aber tönt 
das heilige Rauschen des Meeres.^^ 



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m 



Italic^ G. ElMMD. Cnt«f Tb«H. 



Ihm MjipeUltbe Orab Virgils bei der Pausflippisdieii Oriiftte 
erkeDDl auch der Verf. nichts anderes als für ein Coloni* 
bariom fS.28Of.39 wie dtess auch Jetst so ziemlich aH^neiii 
angenommen ist, selbst von Valery Yoyage h'ter. XII., ISL 

Wii ubergehen, was über Salenvo und Amalli, was über 
Pompeji und Anderes in den Umgebungen Neapels gesagt 
ist, und machen nur noch aufmerksam auf die Beschreibung 
der reichen Kunst- und Alterthumsschätze der neapolitani- 
schen Hauptstadt. Die reiche über zweitausend Nummern 
zahlende Sammlung der alten, griechischen Vasen giebt dem 
Verf. Gelegenheit, eine Vergleichung mit ähnlichen Kanst» 
Produkten neaerer Zelt anznstellen, die, weil sie bisher, wo 
inan diese Kunstwerke des Alterthums mehr von dem histo- 
risch-mythologischen Standpunkte aus berücksichtigt hat, 
weniger beachtet, um so eher hier eine Stelle finden kann. 

Zuvörderst, schreibt der Verf. 8.331.. bemerken wir in den 
griechischen Vasen bei Weitem grössere Freiheit der Form 
und grössere Mannichfaltigkeit derselben. Dabei müssen wir 
jedoch bedenken, dass eben di(>'31asse hierbei nicht geringen 
£influ8S übt. So ist es z. B. nicht möglich, in Porzeilaa 
diese weitausragenden Bäuche, schlanken Füsse, hervorra« . 
genden und hohen geschwungenen Henkel darzustellen, als 
in gewöhnlicher Thonerde. Dennoch übertreffen die Chine- 
sen in Kühnheit der Form alle übrigen PorzeHanarbeiter^ 
und so weit es lior möglich ist, haben sie es wohl gebracht 
Namentlich grenzen in den verschiedenen flachen Gefässen, 
den Tellern, Schalen, Schüsseln, ihre Leistungen an das Un- 
glaubliche« 



(Forstel stiller /^g^O 



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JAHRBÜCHER DER LITERATUR 



Ilalica von Q. I^Iemm, Ertler Theü. 

Ihre grossen Vasen, die freilieh dnrch^ehends der Topf- 
und Napfform angeboren, zeigen nicht allein grossartige, son- 
dern meist sehr zierliche, schöne Formen, ja manche dieser 
Yaseo würden, wenn sie aus röthlichem oder schwarsem 
Thon, mit den antiken ebenso wohl za verwechseln seyn, 
als viele ihrer Ornamente, Randverziemqgen, Blat^^ewinde 
— eben weil sie der Nator eota^mmen — den sutUumii 
tiberaus iholieh sind. Mar veiinissen wir In der cliüiesiseiiea 
Gefftssbildnerei fast darchgehends die Tsien, "deren weiter 
Körper auf schmalem oder hohem Fusse ruhet — aber das 
erlaubte der StolT nicht. Auffallend grosse Aehnlichkelt ha- 
ben die Vasenbilder der Chinesen und der Griechen; in bei- 
den stehen die Figuren nicht neben- noch hinter-, sondern 
auf- und übereinander. iSchatten und Licht ist nur unsicher 
angedeutet und hat etwas Zufüllij^ea, Willkürliches. An 
Ausdruck fehlt es den Chinesen so 'wenig als den grieehi» 
sehen Vasenmalern — aber weil die Chinesen Feinde dife 
Neckten, Freunde verhällender, nberreidier Oewlnd^ sind, 
so können sie nicht die leichte Zierlichkeit def menschlichen 
Gestalt erreichen, welche die griechischen Vasenbilder aus- 
zeichnet. Doch kann ich chinesische Vasenbilder nachwei- 
sen, welche auch in dieser Beziehung den griechischen sich 
an die Seite stellen dürfen, und diess namentlich hinsichtlich 
der geschickten und geschmackvollen Groppirung. Offenbar 
fiberlegen sind die Chinesen dea ^echischen Töpfern In der 
Genanigkeit und Schfirfe der Form^ und bleiben In der ge- 
schickten Bsnari der GeÄsse^ sa wie'iii idl^ l*^chnAidito 
die Altmeister unsere Erdbalts.^^ ' 
* Mögen diese wefiii^^n Proberi genügen, als ein Beweis, wie 
der Verf. seine Gegenstände aufgefasst und daran selbst wei- 
tere Betrachtungen geknüpft hat, die aoch in den (ihrigen 
XXXll. Jahrg. 10. Heft. ' 



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Theilen des Werke« .Her 4oit v^ffcowiif Am diesen, 

namentlich aus dem Aufenthalt zu Florenz bei* der Rückreise, 
iiessen Bich noch viele ähnliche Probeu anführen, wenn wir 
dem Urtheil der Leser vorgreifen, und statt auf die Schilde- 
rung des Einzelnen selbst zu verweisen, daraus einen doch 
nur ungenüß^enden Auszug liefern wollten. 

Möge der Verf. bald den zweiten Theil nachfolgen las- 
sen, der dasjenige enthalten soll, was an Ort und Stelle über 
,die.pei4me Volksliteratur der Itulieiier ir^anunelt worden; 
jq|fe er «ber aaeh daim J^in^elnes , «09 • fiew^ Zeiehenfcnr 
4m.li6ifii^en^ es wtaie füir Viele eine gewiss reolit; eifr 



'9tr*9ttHntr See. Ein Beitngg^ zw Kunde Halien» von Gustav Kra- 
* • flk*r< MU zwei liibogrmpkkien Harten. Berlin, i» GbwwiImwi ito* 

* Ganz anderer Art, als der eben angezeigte Reisebericht 
ist die als Einladungsschrift zur öffentlichen Prüfung des 
Cqloischen G^^aaiums zu BerUa erschienene Schrift des 
]Birii» Dr.. Kramer. .Sie..ist im eigentlichen Sinne des Wor- 
4^ eine gi^lehrte Monographie, welche über einen in geo- 
ffisi^liiscthspti^^ Hinsieht Insserst wiclitigen. Popfct 
Ilgens. verlnrei^e^ und den Gegenstand in einer .so 
grändiichen und ei»cli$prendeii Weise behandelt, wie diess 
nicht leicrht in tibiVclien flllen zu geschehen pflegt. Eine 
genaue auf Autopsie gestützte Kunde der Lokalitäten selber 
unterstützte hier die gelehrte Forschung und rief dadurch 
ein solches Resultat hervor, das dieser Schrift eine aus- 

fe^eichnete Stelle in unserer geographisch -antiquarischen 
iteratur sichert und sie 11I51 eia Muster ähnlipher Untensua- 
ehungen betrachten lasst. ' ' • - • « • 

Per Yerf. will einen Beitrag zur Kunde Italiens gebeO) 
nnd hal ilitzii .eii^ Punkt ausgewählt,. der, weil er nicht an 
d^r* grossen^ von allen Reisenden . besochteQ Heer^trasse 
li^, bisher, wenig beachtet »nd^ .^^^V oi^iersocht woi^ 
den isu'.i^lhrend^ er. doch In Bezo^aor leioe I^age, sein^ 
iiatfirliene BesehtfeilM^ ^ ."^'^ 4i Bezog auf Geschictite 
und Kuist so iM feÜgenthOmfidies nnd vor andern Puoliten 



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Q, Ummmi Utt FmIm« See. 



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.AiisaeichBendea dHrbietet; zo^leich fahrte ein günstiges Zii«> 
fUHMPnnti TfTi n verschiedener Umstiaite dem VerC« Nachdeh« 
leu 2«, die ihn Iii den Staad eeteten^ seine Anfgafte in einer 
80 erschöpfenden Weiao an loeett- Ee ist diees; der Fnf» 
einer See Qetnt Lage di Celnne). nnd das damH In Ver- 
bindang stehende Koilstwerk, das ^rösste und merkwürdigste 
der Art im Alterthume, durch welches die Wasser dieses 
Landsees, der ohne sichlbarea AhAuss Ist, In den LIris 
iUhrt wurden. 

Iiis gehört dieser Landsee, welcher in aiitten einer der 
mächtigsten Gebirgserhebungen des Apennin, se ziemlieb in 
der .Mitte der Itah'schen Halbinsel liegt, za dem fif^rstemtdüi 
Apennin; nnd dieser Umstand Imft.den Verf. veranlass!,, dm 
er nn der Besehrelbnng den Sets seilst nnd des ^enrnratmi 
Knnstwerkes äberiKieiit, mü einer SeUderung dieses Ge^. 
birgsrückens xn beginnen, dem alle die grösseren und ge- 
ringeren Erhebungen, welche Italiens Halbinsel durchziehen, 
und dessen geographische Verhältoisse nnd Beziehungen im 
Allgemeinen bedingen, angehören. Wir machen auf diese 
allgemeine Uebersicht, die wir wohl in einer besonderen 
Schrift von einem so gründlichen Kenner der Geogriqibieand 
des Alterthums, wie der Verf. ist, noch weüer nnd. im Bn^ 
Bdln; durebgeführt seben m&elrtmi .(dn. biee -natl^Uoh nni? ib 
fiasptponkte beribrt werden knnnteu3, nm se:MhrnliAnerfc^ 
snm, weil soicbe fiegenslinde, welehe die geographischen 
Bemefanngen nnd Yerbiltnisse Italiens im AUgemeinen, nach 
streng wissenschaftlichen Pl-incipieu, wie sie jetzt mit Recht 
überall geltend gemacht werden, behandeln, ungeachtet zahl- 
reicher Lehrbücher und Guides, ungeachtet mehrfacher Lih 
kaibeschreibungen , meist unbeachtet gehlieben sind« Hier 
bewahrt sich der schöne AusspruebJStraimn's, welelwiti4er 
Yeri» als Motto seiner Untersndmng vwmaagfuMi üale 

Von Snvonn ni»,. ui degsen Nibe, etwas oberhalb in 
wrdMIidier Riebtnng der Anfang des Apennin zu setzen, 
wird hier dessen weiterer Zug, sataimt den verschiedenarti- 
gen Abhängen desselben zn beiden Seiten, verfolgt bis zur 
äossersten Spitze der Italischen Halbinsel, der Keile des 
Aspromente, welche, dem gegenüberliegenden SiciKen zägn- 
wendet} in> dessen nöidUcbem Qdbkgßng ihw WorimHiiHij' 



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G. Krunr : Oer FoolMr An. 



findet, „obwohl fsetzi der Verf. S. 11. hinzii*) die von den 
Alten 80 allgemein überlieferle und bis auf die nonesten 
Zeiten vielfach nncbgesprochcne Annahme von einer Los- 
feisswig SicUiens von Italien ein Tnam ist>^ 

An? diee^ allgemeine fibersiditltehe Darstellung der Haopt- 
'veriiftllnlsse des Apaininen^stems und* seines Binflussea auf , 
^das Land selbst, fol^ die genaue Besehreibnng des Fuciner 
Sees in genauen Angaben über seine Lage^ Ausdehnung, 
Tiefe und dergl., über seine nächsten Urogebungen und de- 
ren Beschaffenheit« über das Yerhältniss desselben zu den 
andern Landseen KalienS;» oder vielmehr seine auffallende > 
Verscliiedenheit von allen diesen in Folge seiner eigentbii^ | 
Jüchen Bildung und der Beschaffenheit seiner Umgebungen) ( 
iwoven ans- ein ) wie Bef« nicht aweifela kann^ dnrehans ge- { 
•Irenes BiM S« 15. dnreh den Verf. entworfen wird, das wir 
gern hier mtttlieitett' nMilen, wenn der Bann es verstattcn 
könnte. Auch auf die gänzliehe niid anifkllende Verschiedenheit 
dieses »Sees von den vulkanischen Seen des mittleren Ita- 
liens werden wir aufmerksam gemacht. Nur mit dem Tra- ^ 
simenischen 8ee zeigt er manche Analogie, obwohl dieser 
tiefer liegt und einem untergeordneten Gebirgszuge ange- 
kört, wie der Verf. S. 17. ausdrücklich bemerkt. Diese Aehn- 
-Üilikeit zeigt sich anch insbesondere in dem periodischen An- 
4Mbmil«n «hI Sinken beiiler Seen^- indem hier eine« Bsihe 
iwmt' Jahven Undorch, ehi fbrtsthfettendea VITacInen, dann 
'Wieder ein fortsehreftenides Sinken wArgenomuien wiidv^dl» 
.hei dem FMner See «lemlich bedentend ist und dämm anoh 
wenig gleichförmige Angaben über die Tiefe des Sees vci^ 
anlasst hat. Im Alterthom bikicte sich die Ansicht von be- 
stimmten, regelmässigen Zeitabschnitten, in welchen diess 
stattfinde; bei dem Trasimenischen See ;ille dreissig Jahre; 
bei dem Faoiner 8ee glaubte man, er wachse alle sieben 
»Jahre» -In neueren Zeiten haben sich natürlich diese Erschei- 
nungen wiederholt 9 deren wahren Grand aus/umitteln der 
JVerC noigftitig bemüht ist Anoh aosserhalh Italien f^lt es 
.Ja nloht^ nniseleh^ Landaee«, wefehe ähnliche ErsehehM- 
gen zeigen, die ein :ehen so 4inregeiniiis$iges Steigen und 
Fallen von Zeit zu Zeit wahrnehmen lassen, und eben so, 
wie der Fuciner See, ihre unterirdischen Abflüsse hai^n, 
welche, weil sie von Zeit zu Zeit verstopfen, und dann wie- 
der von der sieh a^ih ä i tf end e n .Wassermasse geöffnet , wecdeo, 



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diesen Wechsel M Steigtns nnd VaUens m eiser üreHiok 
Bichl refdmMig^ii Folg» oad Ordnnng herheißthren. W0m 
deomacii bei dem Ftacinei' tStee AehnKcbes. ststÜndei, so irt 
es doch andrerseks schwieng, mit vdll{|^r Sicherheit • und 

Bestimmtheit «anengeben ; wo das auf diesen unterirdischen 
Wegen ablaufende Wasser seinen Ausweg finde. i>er Verf. 
stelit darüber eine Vermuthung auf, die wenigstens durch 
das, was er zu deren Begründung anführt, sehr wahrsehein-- 
lieh wird. Hiernach wäre dieser Ausweg in der drei Mei- 
len von der südlichen Spitse des Fuciner Sees entfcfoten^ 
iHiwjeit Sora golegenen Onelle eiaes Fiässchens Fibreno za 
. .^hen, welche sowohl da, wo siet euporspradelt» als in ih*^ 
rem weiteren Laufe bis znni. Einflass in den LIris nnterhalk 
Sora ESracbelnongea bietet, welche allerdings des Verf« 
Vermuthung sehr zn bestätigen scheinen. Auf einer durch 
dieses Flüsschen gebildeten kleinen Insel ist Cicero's Ge-» 
burtsstätte, da, wie der Verf. S. 31. fin Uebereiiistimmung 
mit Westphal, Abeken u. A.} ausdrücklich erinnert, die am 
Eingange des zweiten Buches De Legibus gegebene Be- 
schreibung unbezweifelt auf diesen Punkt passt» In-solohen 
jp^ÜlCd kann Autopsie die beste Entscheidung geben. 

Wir haben bisher vsm dem mehr geographischen Theüa 
der .Sohrifl gesprochen nnd^hon nun M dem andern^ meba 
arsiiftologisch-gesciiiehtllchon aber« Dieser, besf^tigt: sieh 
snnächst mit dem Emissär des Kaiser Claadins , durch wei* 
chen die Wasser des Sees dem Liristhai zu in den Fluss 
Liris abgeleitet wurden. Dieses Unternehmen, schon von 
Cäsar beabsichtigt, aber durch seinen Tod vereitelt, dann 
wieder von Claudius, der bekanntlich ein Freund solcher Un- 
ternehmungen war, aufgenommen und auch ausgeführt, ist» 
j«len£alls das grossartigsie. und bedeutendste Werk der Art| 
das ans den Griechischen wie aos dem Römischen Alterthnai 
ans. bekannt ist, und wenn wir 4ie grossen Sobwier^b^tmi 
bedenken, die bei dem Mangel der Hilfsmittel, w^lehs die 
Wissenschaft der neoemn Seit bietet, der Aasfuhrang ei- 
nes solchen Unternehmens sich entgegen stellen mussten, 
so werden wir wohl staunen über die gewaltigen Kräfte, 
die dieses Werk zu Stande zu bringen vermochten, freilich 
nicht auf die Dauer, da schon Hadrian das im&wischen ver- 
nachlässigte oder schlecht unterhaltene iWerk wieder in 

Stand ;selsan muaslfii *tini ;dom. See .^m\ AM9gßuit:m Her- 



Digiii<iL,Li Oy 



MuUtca, Darauf versckwiDden «Ui^ Nacbricbten ; eine Ver- 
minmig Friedrichs IL voo 1240«, welche die WiederhersteU 
ka^ des Csnals aooilifaMl, ist aoch vorhaiideii; aueh wM 
Ma ii^eiterer Tersnch anter AipIwiisL genannt and ähnUche, 
aber missifliekte Versoche im siebennehnten * Jahrhnadert; 
die In der neaesten Zeit Tor^onHa^nen Versnehe haben, 
Kreiiii fmdl nieht die beabsiehti^te günsiiche Wledeiiieralel- 
hin^, so doch die genaue Kunde von der Beschaffenheit die- 
ses durch Claudius nn<2:elegten Emissärs Kor Folge gehai>^, 
lind auf die so gewonnenen Resultate, verbunden mit eigener 
Anschauung and gründlicher, manche Irrthümer beseitigen- 
den Erforschung des Lokals selber stutzt sich die Beschrei- 
bung des Verfassers, der auf diese Weise in den Stand ge- 
setzt war, das grossartijfe Werk in allen seinen eins&einen 
Theilen genau zu verfolgen, ond daven selber ein genaues 
md vollständiges Büd^ zo «Mtwerfen, welches dann wieder 
aur die niehifKeh van diesem Werke des Olaodias haadefai- 
den, oft dunkeln 'oder schwierigen Stellen der Alten cyi 
LMt MräckwiHt, dnreh welches diese erst ihr richtiges Yer- 
sttodniss erhalten. Es ist besonders ein Werk des Archi- 
tecten Rivera, welcher die Ausräumungsarbeit des alten Emis-» 
sars leitete und die Resultate dieser im Jahr 1835. beendeten, 
obwohl eine Reihe \on Jahren vorher schon begonnenen Ar- 
beit in einem Werke niedergelegt hat (.,Progetto della Ri- 
staurazione dell. Emissario di Claudio^^jl? welchejn der 
Verf., wie er ausdrücklich versichert, manche schätzbare Nach- 
richten entnehmen konnte. Ans diesem Werke sind aneli 
der Plan und die Längendnrchschnitte des Emissärs entnom- 
men, welche auf einer sehr schdn Uthographirten Tafel bei- 
ge g eben sfaNl; d$m aneh, asuflei Theil wen^stens, dle'gans 
ToMgüch aosgefihrle Karte, wdcfae dieser Tafel vorans- 
geht: ^,der ftciiier See «nd seine Umgebungen nach Rivers 
and Rizzi Zanoni zu Dr. 6. Kramer^s Abhiuidlang entwor- 
fen von H. Kiepert.'' 

Nach diesem Progetto, womit noch andere Nachrich- 
ten verbunden werden, folgt nun eine Beschreibung des 
Emissärs fS. 40—47.3, seiner Länge, welche nach genauer 
Messung 21895 Palmen oder circa 8 U römische Miglien (^d. i. 
*U geogr. Meilen) beträgt, seines Falles, der gegen das 
£nde des Canals hin , bei seiner BfaMMSodong in den Liris 
weit Mrker ist, wie denn «beffhaupi naneherlei AbwelMuuH 



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9f» 



gen in den einzelnen Theilen des Werkes vorkommen, fer- 
ner der verschiedenen, theils senkrechten fcunicuIo35 theils 
schrägen iSduiehte (Vozxj^^ welche nothweodig ^gebracht 
werden moflsten 9 theils um die Luft lo dern unterirdischeni 
Gnogsa erneoern, tbeib am den unten lois^brochenen Schott' 
In die Höhe «i iordern. Bios auf der MIkhen Seite des 
Bergs Sniviano, durch welchen der fimissar hindoreb geht, 
fanden sich zehn solcher Schachte in ungleicher Bntfemang 
von einander angebracht. Die Richtung des Emissärs selbst, 
und die einzelnen Abweichungen, die Verhältnisse des Bo- 
dens, die Yerschüttungen , welche an verschiedenen Theilen 
vorkommen, die Höhe und Breite des Canals am Eingang 
und Ausgang, diess und was sojost noch zur genauen Be- 
schreibung des Werkes, von dem der sonst so genaue 
^€leli,(tbe topografy of Rom and ita vicinity L p. 61.} eine 
ganas uQriphtige Verstelluiig hattCi gehört, vjfjrd aufs Sorg^ 
faltigste erörtert^ dann ai^r.. die Naehricbten fl6s SuetonlDa 
und insbesondere die sehwier^e Stelle des Tacftus (^Annall,^ 
XIL, 57.3 damit verglichen und näher im Einzelnen erörtert«. 
Uni den Emissar, der zwar jetzt seiner ganzen Länge nach 
ausgeräumt ist, wieder zu gebrauchen und durch densel- 
ben die Wasser des* Fuciner Sees bei einem Steigen der- 
selben ableiten zu können, was allerdings für die näch- 
aten Umgebungen des Sees einen grossen Gewinn abwer-' 
fen wärde, mnsten noch bedeutende und kostspielige Ar- 
beiten MitflrnoBunen wanten, yftü sonst, das. h|neingeteiteto 
Wiiaser leicht die Stolbn mmä Mkeil, 4mh wdehe jetat 
Decke trnd Seitenmanem gehalten Wetden^ "v^egrelas^n, und 
so die Vernichtung der bisherigen Arbeiten faerbeiföhren 
Würde. 

An diese Beschreibung knüpft der Verf. am Schluss noch 
einige andere auf das am See herrschende Klima, so wie auf 
die iUugebungen und die Anwohner desselben beztigliehQ 
Angaben*: Oie niofaafeeii Anwohior des Sees sind die- «ai 
AHentham m beiibniten Mftrae^, 'weMe ider ¥eii., ^nnd ^gOfi 
fyiaa Beeht^ Mi deai.groBaäi aabdlisiidien VolhastanMai 
rechnet, der in dem ifittolpiinkte de» Apennin seinen Anpi^ 
sitz hatte «nd von hier aus sieh Leiter nach Süden ausbrei- 
tete^ auch die jetzigen Bewohner des Landes (Abruzso 
ullTu) werden als bim.flndtiehtig geschildert $ doch hat 



4 



Digitizec 



96« 



MAIIett Die chriitUdie LahM' 



lUe Bevölkerangf im Vergleich nun Alterthöm, entschiedeii 
abgenommen« 

Nilher besehriefcen werden die Rolaen des alten Mir« 
mbinm, dessen Stadtmaoeni, nach den -vorbandenen Spa- 
ren, einen Umfiing von mehr ats drei Miglien hatten, von 
Alba mit dem Beinamen Facentis oder Fucentia auf ei- 
nem massigen Hügel, etwa eine geographische Meile vom 
See entfernt. Hier zeigen sich die Reste bedeutender Be- 
festigono^en; die alte Bevölkerung wird auf mindestens 30000 
Menschen geschätzt. Auch von andern Resten alter Zeit in 
der Nähe des Sees wird Nachrieht gegeben ond asbrn Schluss 
noch der verschiedenen Strassenverbindnngen des Thalbek- 
kens dieses Sees mit dem äbrigen Italien ond seiner Stei^ 
läqg m den umliegenden Landsehalten in geographisch -hi^f 
storüseher Besiehnng gedacht Wir erinnern nnr an das nahe 
Tagliacozzo, wo Conradin die Schlacht, und damit auch 
Freiheit und Lehen verlor. Der Plan, der davon in v. Rau- 
* mer's Hohenstaufen Bd. IV. mitgetheilt ist, £:ibt, wie S. Id. 
in der Note bemerkt wurd, indessen keineswegs ein richtiges 
Bild der Gegend. 

Cnr. Bahr. 



M^JMUMtf Mr« «o» 4» StfmCs. ikirgaidU vom J«*. MüUer, Vr. 
«Mi «nCMll Aw/. 4tt TkmiUgiB im Umhwg (JM au ttniUm}, Avtar ' 
Band, Vom ITeM» wd Grußuh Mulau JMS» km FtrUi^ M 
Jm. Uß9 mmd Comp* ISSO. 

Der hochzuachteade Hr. Verfasser, welcher schon in 
den Studien und Kritiken die wichtigsten Beiträge zur 
speciilativen Theologie gegeben hat, behandelt in dem vor- 
liegenden Werke seinen Gegenstand in einer Weise, weiche 
■icht nur ein tiefes|Verständnis9 der heiligen Schrift, sondern 
nnefa eine nicht geringe philosophische fiüdn|^ ond Einsieht 
beweinst Sein Werk verdient daher eben sowohl eine phi» 
losophlschey wie tfaeologisehe Würdigung 

Die Methode des BnL.V^d. Ist swär aieht die specala- 
tive Form der BegiüTsentwicklnng, aber sein Werk empfiehlt 
sich nichts desto weniger duich Tiefe, Klarheit und Vielsei- 
tigkeit der Untersuchung) und durch das erfolgreiciie Bestre- 



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« 



voo der Söade. j 

bcn, die Resultate der iSchriftforschung' und eines sich selbst 
bewährenden Denkens als identisch zu erweisen. Seine,. 
Kritik der philosophischen Theorien und das dadurch ver- . 
mittelte positive Resultat bestätigt ihm die 8chriftlehre, auf: 
deren lichtvoller Bestimmung und Darstellung seine phttoso-i 
* phisohe Forsckang znrfickwurkt. 

Der Verf. theill den ersten Baad seines Werks in drei. 
Böeher ein, von denen ^as enste das Wesen der Sunde be- 
stimmt, das zweite die Prüfung der vornehmsten Theorien 
zur Erklärung der ^ünde enthält und das dritte die Lehre 
vom freien Willen entwickelt. In dem ersten Buche kommt 
der Verf. theils auf philosophischem Wege, theils durch eine^ 
tiefere Exegese auf die Einsicht, dass die 8ünde ihr positi-, 
ves Princip in der Selbstsucht habe, welche sich eben so sehr 
als Hochmuth wie als Weltliebe oder Genusssucht Äussere. 
JSm höehst wichtffes Resnitat| dns in, nnsrer so sehr SBur' 
Sellislvergdtterung und %ur Apotheose d^ fiissei'ts geneig-^ 
ten Zeit, doppelte Beaehtung verdient. Im zweiten Buch 
rechtfertigt der Verf. diese Ansicht kritisch, indem er he-* 
weisst, wie wenig durch die übrigen Theorieu das Wesen 
des Bösen befirriffen wird. 

Wird die Sünde aus der metaphysischen Unvollkommen- 
heit des Geschöpfs abgeleitet, so wird sie nur als Unange- 
messenheit zum sittlichen Ideal, nicht aber als realer Wider- 
spruch des Willens gegen das götth'che Gesetz und als Ver- 
^ebniD^ der göttlichen und menschlichen Ordnung begrif- 
fen, liegen die Ableitung der Sunde aus derSinnli^keil er^ 
innert der Verf., dass hiermit kelneswcfgs die andre Grund- 
richtung des busen Willens: der Hochmuth zu erklären sey, 
die Erklärung des Bösen aus den Gegensätzen des indivi- 
duellen Lebens widerlegt sich durch die Unterscheidung der 
normalen Vermittlung durch harmonische Gegensätze von der 
abnormen Vermittlung durch disharmonische Gegensätze oder 
Widersprüche ^3 9 dualistische Ableitung des Bösen 

lösst sich durch den Gedanken auf, dass das Böse nur im 
Widenpruche zu dem Guten, und wie der Verfasser ^igt, 
flögar 211 sich seihst sieh behaupte, daher ea nichts an und 



*) Dahtr 4er Widerspruch nicht wie Hegel Itehaaptet n<lA« I*rioci|> aU«r 
aulbrthMtluniuig** itt. 



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♦ 



996 Maller; Die chrUtliobe Lehre 

fär sich seyeodes isU Wir Qber;o;«hen des Verf. scharfsin- 
nige Beartheilun^ der Schleiermacber sehen und der 8chel- 
ling^schen Theorie, und ^ehen äu dem Hauptpunkt der Un- 
tersuchung, seiner Bestimmung ..des Möglichkeitsgrundes 
der (Sunde des freien Willens^' üben Er betrachtet die for- 
male Freiheit als die Bedingung (Ursache} der realen als 
ikm Zweekesy ood bezekhoet Jene Wahlfreiheit. 

. Eb Ist ein Vom§: seiner Theorie vor der determuiisti- 
sehen, dass er die Bestimmtheit des Willens^ (und mithiii 

den Charakter) dem Wollen nicht vorausseht, sondern sie 
als Resultat der Selbstbestimmung betrachtet, und dadurch 
die freie selbstbewusste Willensentscheidung von der noti^ 
wendigen natürlichen Entwicklung unterscheidet. 

Aber es fragt sieh, ob er wissensehaftlieh bereehfigt Ist^ 
den ^freien Willen orsprängUch for nichts anderes m halten 
als för elneForm, indem er den absolaten Inhalt nardiireh 
seine Selbstthat setze.^' ^ Zufolge dieser Definition weto 



*) Ref. mnsste sich sehr wundern^ 4laR8 ihm der Verf. die Angieht 
■chMibt« der meowldiclie IfiUe sey: „die schöpf erliehe Macl^t, 
•dvfdi welche die MiTidoftlilit weide/' da er doch) io den von 
dem Verf. citirten AlisehalUe aeiner Hetephysik S 188 ond S 281 
B.e.f. die Anelcfai, womach die Seibetbeffreiiiiig des Gesehdpfee 
ein Toraugsetsungtloset sich »elbst Bestinimeo seyn soll» beettettel* 
und S. 271 ausdräcklich zu dem Resultat fcemnit, dass wir Alles^ 
vroH vir wahrhaft sind, duroliGott sind/* wenn gleich (iieses totale 
Ton Gott bestimmt werden unsre allneiti^e SclhKtbestininiung zara 
Zwecke habe, indem sich Gott nur in freien Geschöpfen vollkora- 
men ofl*enbare. Die natilrliche Selbstentwicklung de« IMcnnrhen be- 
trachte ich so wenig als ein freies Wollen , dass ich vielmehr titir 
die selbstbewusste Selbstbestimmung als eine freie Tbätigksit bt" 
■eielMM» Idh ltam «ir dee Rra, Verf. «iriehtige Aalbutiag ne^ 
wmt Theorie 4ee freien Willena aar dadareh-etkUreo, daae er ale 
la gewiaaer Weiae mit der dea Hm. Prel^ Welaae idaatificirt, too 
der aie alcli weaeatlicli nnteraeheidet. Sehen der eiafache Unfer^ 
schied y data, wie der Hr. Verf. selbst bemerkt, nach Weisse die 
Gottheit nur der Grund der Möglichkeit des Geschöpfes ist^ für 
dessen Wirklichkeit der letzte entscheidende Grond in ihm selbst 
liege; — während Ref. die göttliche Schöpfung^ Erlösung und Voll- 
endung der Selbstbcgrundung, Selhntbefreiung und Sclbstvollendung 
des Geschöpfs voraussetzt, schon dieser einfache Unterschied, wel- 
cher auf den Gegensatz des Pantheismus und des Theismus zurück- 
führt, beweist^ wie weaig des Ref. AnaMit mit der Wefsee^acbea 
vergUeheo weiden kann. 



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m 



er den lalbnschlicheii Willen Bor dadurch von der Allinnuhti 
Gottes SB uoterftdieideii, daas er jenen durch äussere Scfaran» 
kea begrünst werden UmI* AUein iat dieae Erklining der 
Bedingtheit der laenaelüichen Freiheit nieht aelbat inaaerliehi 
und mtote der Yerf^ indem er den aMnochlichen Willen an 
aieh als schöpferisches Ich bestimmt, nicht zn derFiehteTiMahen ' 
Consequenz fortjsrehen, die Objectivität sey Objectivirung 
des Ichs'? Das von aussen Begründetwerden setzt eine in- 
nere Bedingtheit voraus und diese ist zwar nicht durch eine 
ttre*prünglich vorhandene Bestimmtheit, wohl aber durch ^ie 
eigenthumliche relative Bestimmbarkeit oder Bestimmungs- 
fühigkeit des Geaehöpfea ixt erklaren. Die formale Freiheit 
iat ein abatraeter unrealer Gedanke. Wie aich nberhaupt 
eine wesenloaeForm nicht denken lüaat« aa Itet ea aich auch 
nicht denken^ auf weiche Weise ein wesenloaef formaler 
Wille m realen Bestimmungen oder Verwhrkliehnngen seiner 
seilist übergehen könnte. Sondern die Wahrheit der extre- 
men Vorstellungen, der ursprünglichen Bestimmtheit. öder der 
urs|Nrünglichen Unbestimmtheit, ist der Gedankt der Ursprung* 
liehen Bestimmbarkeit des sich selbst bestimmenden oder 
verwirklichenden Willens. Da der Wille nur im WoU^ 
OKiatirt, und da er dur^-b sein Wollen sich selbst oder sein 
e^genthümüchea Wesen (^eine innere ü^gliabkeit) verwirlb* 
lieht, so iat er an aich weder beatinuntes (deteradnlrtea) noch 
iat er anbeatimmtea, aondern beatimmongsfiMges Prine^ aei« 
nar (Selbatentseheidung. Aber nur Gott ist der schlechthiB 
durch sich selbst 8eyende oder er ist absolutes unbedingtes 
Princip seiner Selbstbestimmung, wahrend die Geschöpfe niur 
.der Freiheit theilhaftig sind, wodurch sie ihr eigenthümliches 
Wesen entweder auf eine ihrer Idee entsprechende oder 
widersprechende Weise verwirklichen und hierin erweist 
4icb ibre Wahlfreiheit« Die Wahifreiheit nehmen wir |n 4M** 
nem noch beatimmterenJSInne ala der Yerf« indem wir me 
nicht nor danßh eine mlyeliche, aondern aelbat dor«h tim» 
wunklicfaie WaU bedingt deidien. 

Denn obwohl der indifferente Wille, der ebenao wohl- 
an der einen wie zu der andern Handlungsweise fähig wäre, 
nicht zur Entscheidung käme, so erweist der freie Wille 
doch dadurch sein Wahlvermögen oder seine Selbstmacbt, 
dass er in jeder positiven Selbstentscheidung die entgegen 
gesetzte Uandloogsweise überwindet^ und dass er mithin 



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968 



Mailar : Om chfffotliiihe Lehn 



aach anders handeln kann. In diesem Sinne ist die Versu- 
chung d. h. eben die sich darbietende Möglichkeit anders als 
sittlich KU handeln, die Probe der aittlidien Freiheit, und nmt 
der Wille bewUhrt seine sittliche Macht, welcher dnrch den 
Terlauf sefoer seitlicheB SelbstbestioiiDong die Yersscfaongeo 
Born Bösen fiherwmdet, und erst diese sich allseitig* bewShi- 
rende Selbstmacht des Willens ist seine sittliche l^Veiheit. ^ 

Die Fähigkeit, sich entweder zum Guten oder zum Bösen 
zu entscheiden, erklärt der Verf. mit Recht aus der siibjecti- ' 
ven Selbständigkeit des intelligenten Geschöpfs, welche man 
nicht treffender beaseichnen könne , als dorch Sehelling's 
scheinbar sich widersprechenden Ausdruck: einer derivirten 
Absolntheit, ein Widerspruch, der sich so bald löst, als man 
einsieht, dass sich Gott, was auch schon Leibnitz einsah, nur 
an ihm ähnlichen freien Geschöpfen wahrhaft offenbare. 

Nichts desto weniger folgt es eben aus dem Begriffe der 
relativen Selbständigkeit oder der derivirten Absolutheit des 
Geschöpfs, dass es sich nicht schlechthin aus sich selbst be- 
stimmen könne, und dass mithin die göttliche Thätigkeit, 
dnrch welche es begründet, erlöst und vollendet wird, die 
yoranssetsun^ der Thätigkeit ist, wodurch es sich selbst be- 
iladet, befreit und vollendet, so dass man nicht s6wohI von 
ein^r Mitwirkung Gottes , mit dem Geschöpfe als vielmehr \'or 
einem mit Gott wiiiiLen des Geschöpfes reden soHte. Die 
fjinheit des Geschöpfs mit sich selbst und mithin seine wahre 
sobjective Freiheit, setzt so sehr seine Einheit mit Gott vor- 
aus, dass nur das Geschöpf seiner selbst wahrhaft mächtig 
ist, welches seinen Willen mit dem göttlichen Willen verei- 
nigt. Setzt aber die Fähigkeit des Geschöpfes, durch seinen 
freien Willen sich Gott hinzugeben, um durch ihn und mit 
Ihm zu wirken, die Fähigkeit voraus, sieh von^ihm abzuwen- 
den und ihm sogar asu widerstreinen, so iVagt es sich , wie 
dieses egoistische Wollen und Wirken zu erklfiren ist 9 WÄre 
ideht der Wille, der ohne Gott und selbst gegen ihn wirkte^ 
selbständiger als der mit Gott wirkende WiHe, und wider- 
spricht es nicht der unendlichen Wirksamkeit des absoluten 
Geistes, dass er sich selbst beschränke, indem er das sich 
von ihm abwendende Geschöpf schlechthin durch sich und 
für sich wirken lasse? Wiire nicht das Geschöpf, welches 
absolut nur durch sich selbst zu wirken vermöehte, in diesem 



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I 



TM 4er Söade. Mi 

Wirken anbeding:tes , venunsetenngsloses Prioeqi Mtter 

»Selbstbestimmung? 

Wir gestehen, dass uns der Verf. diese Gegengründe 
nicht aufgehoben zu haben scheint, und dass uns diejenige 
ErkJärungsweise, nach welcher die göttliche Thätigkeit durch 
die Thätigkeit des ihr widersprechenden menschlichen Wit* 
iens nicht beschrankt, sondern verkehrt wird, die richtigere 
20 Beyn scheint. Wir stimmen daher gann mit des Herrn 
•Verf. Vertheidig^nf des alten Satses: .Dens iconeonrit ad 
■ateriale non ad formnie actionis malae fihereia» 

Ali hMist beaehtenswerth empfehlen wir besonders andi 
die Abschnitte, in denen der Verf. im Gegensatze zu der 
herrschenden Zeitphilosophie erweist, dass nur die Versu- 
chung als Kreiheitsprobe, nicht aber die Sünde zur Verwirk- 
lichung: und Bewährung des Willens und Geistes nothwen- 
di^ sey, indem die leztere die wahrhafte Eigenthümliohkeit 
ond die freie Entwicklung nicht bedingt, sondern vielmehr 
trübt und stört. Wenn daher gleich die Sündhaftigkeit der 
Menschheit die jDonditio sme qna non ihrer Erlösong ist, ein 
Sats, den besonders Leibnitz mit gewohnter Klarheit her« 
vorgseboben hat, so ist. doch die Entwicklung dea EimEelnen 
am so wahrer und vollkommner, je weniger er in die Versu- " 
chung zum Bösen willigt, und je mehr er mithin das Böse 
vor seinem wirklich seyn überwindet. Nur aus dieser Un- 
terscheidung der Versuchung, als Freiheitsprobe von der 
Sonde als der Wirklichkeit des Bösen iässt es sich begrei- 
feo, dass der Gottmenscb, (^dessen Idee philosophisch ebenso 
nothwcndig ist ^3? Mittelpunkt der Theologie 

4iildet,3 *^ innere Freiheit seines- Geistes im Kampf mit der 
i¥6rsBoliang Terwirkllchte und bewähHey -wenn er giek^h- als 
Erlöser der Menschheit ^ck dorefa seme Söndlosigkeit voh 
ihr unterschied. 

In welchem wesentlichen VerhÄltnisse die Idee der Per- 
sönlichkeit Gottes zur Idee der freien Persönlichkeit des 
Menschen stehe, sieht der Verf. zu tief ein, um nicht jene 
gleichfalls zum Problem seiner Forschung zu maoheu. :.jBr 
.eidiebl' »ieh eben m sehr dber die Ansicht derer^ welche die 



' •■ I — IC 

M "3 K««i- dM AoT. Mi«ft: . m« mee awr>4ittthellM «tattewl: ^ 



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im MfiUert Di« dwictiidw Leim a. f. w. 

GotiiieitvemitfKelieii vnciyarBeitliclien, vrit iKer die abstrakte 

Vorstellung Gottes als des unbestimint und unterschiedslos 
Unendlichen, und erkennt die Wahrheit der göttlichen Idee 
darin, dass Gottes absoluter Wille das Princip seiner tiestim- 
mun<r ist, und dass in ihiü alte Bestimmungen zugleich sind, 
oder dass er sich nicht successiv d. h. zeitlich, sondern üi 
^er Einheit oder Totalität seiner Momente.. imd oiilJuo wf 
eise ülierzeityche d. h. ewige Weise bestimme* 

Wena irgend ein Denker unsrer Zeit dvrdr Tiilenl, 6e- 
lehrsamkett, und) was die erste Bedingung einesi ichien Fe»- * 
Sehens ist, dordi reines Interesse fnr Wahrheit beCfthigt and 
berufen ist, an dem grossen Werke der freien Vereinigung 
des Wissens mit dem Glauben mitzuarbeiten, so ist es der 
Verfasser. Der Unterzeichnete rechnet es sich zum Glucke, 
mit ihm in. den Hauptmomenten s^er Ansieht übereimui- 
stimmen« 

■ 

Tfibingen. Im Fiteher, 



'X^aden beim erstell ütOmiM Ii dtr GMeMeMv «wt Ih* WlHA. FHerff. 
f^olger, IM«- Ml JfA«viMiiii» 0« iOttplm^ ^mH mfkmmi» A^ß- 
Bamwwr 1886. . fla&»'Mft« aüf'BmkkmuUwg, gr. 8. mS. 

[AMm, dtr tOlgemeiv^ WeUge$akkU für dk mitikrm Mia$§em if«r 
• fiofleii. Fom dmu^lbnt, ZwtiU «torfc «meftrf« Auflage, 1886. 
IMtfen. 1S6 S. ^. 8. 

Auch unter dem Titels 

Lehrbuch der Geschichte. I. u. IL Cursut» 

Im der nenem Zeit« wo der Streit^ ob beim Jngeiidmi«- 
terriehte die realen Wissensdiafteii oder die sogenannten 
•humanen de» Vorzug erhalten sollen^ nochi^ nicht ♦ been digt 

ist, und beide Riehtangen noch ohne inneres Band getrennt 
neben einander stehen, scheint die Geschichte als Zweig des 
Schulunterrichts eine grössere Bedeutung als früher erlangt 
zu haben. Wenn schon die Historie ihrem Wesen nach zu 
den Wissensciuiftea gehört, die man Humaniora nennt, so 
lie^ doch ihre Wichtigkeit für's Leben^ wenn aach. zunächst 
nur für die sociale Seite desselben, so nahe, dass wohl nicht 
leicht irgend eine Realschule fttr die Jugend, insofern sie 
keine- andm Anstaitr als Ergäniung veransseil,' dieselbe von 
iluren Lehrgegenstdnden anssehliesen kann« 



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Volger: Leitfadoi and Abritt dtr W^tgttcMclite. Sil 

Nnr glaubt Ref. dass an solchen Anstalten, die zunächst 
nicht zar Bildung von Gelehrten besiiimnl sind, ebenso leiekt 
eine einseUI|i^e Richt|{n|^ befol/srt wenfe, wie «vf Gymnaineo 
und Lyceen, indem mnn dort häaäg sn^-streiig« dio Cleg^rä- 
wart nnd silenfalls noeh deren Elitwieketoii|( Mr der jäng- 
stell Vergani^nheff ins Angt fnsst, alles Andere- «beiv was 
mit den jetzigen Verhältnissen in keiner Verbindsng steht^ 
als unbrauchbar und zwecklos bei Seite lässt, hier dagegen 
umgekehrt das Alterthum wie überall, so auch in der Ge- 
schichte, ein so bedeutendes üebergewicht erhält, dass dar- 
über verh&ltnissmässig die. mittlere und neuere Zeit nothwen- 
dig in den Hiiitergrund treten muss, zumal da auf den meft- 
slen Gymnasien Gesehiehte von so vielen Lehrern voiigefsta» 
gen wird, als Klassen bestehen, in dmen sie als Unterriobim 
sweig voriconimt, und die Mebrsahl der Mose plillotogiseh 
gebildeten Lehrer diesdbe, in so weil sie nicht mit ihm 
eigentlichen Berufsstndten In näherer Verbindung steht, mei- 
stens als Nebensache behandelt und behandeln muss, wenn 
dieselbe nicht die Zeit zur philologischen Fortbildung rauben 
oder doch beschränken soll. Es wird daher auf solchen 
Lehranstalten, wofern für die Geschichte nicht eüi eigner 
Lehrer für alle Klassen aufgestellt ist , inmer ' eine gewisse 
fifaiseitigkeit in der Kenntniss dersdben* Torhantoi sein, die 
»war anch hier- nachthetl^ Po^n hat and bei Vleleii sMi 
dm*ch das ganze känAige I«hen bemeritbar maehC, aber dblA 
nicht ^on so wesentffeheta Elnffoss isf al^ ein ähnifrher Mise- 
ständ bei Real- und Mittelschulen, weil dort die Dmifsstu- 
dicn in spätem .fahren leicht zur Ergänzung des Fehlenden 
anregem und hinleiten, während bei diesen der Jugendunter- 
richt oft die einzige Grundlage fürs ganze Leben bleibt, und 
die Benifsgeschäflte dtm hier Gebildeten späterhin selteii gei^ 
Stätten, sein Augenmerk auf Gegenstände zu riehteit,' Üfe 
nicht unmittelbar aaf Jene sich beaiehen. Hier ist abo dlir 
O^sehlchtsonterrldit her weitem wichtiger und ehiflossri^hAekr 
und . soll sich demnach mit gletehe^'Orftidllchkeit mher-Oie 
Theile verbreiten. Der Lehrer mnss daher hier um so vor- 
sichtiger die erwähnte einseitige Richtung vermeiden und 
nicht mit zu ängstlicher Berechnung auf das Nützliche 
nnd Anwendbare die Geschichte behandeln. Denn da sie 
die Wissenschaft ist, die den Knaben und Jüngling als 
Glied der Menschheit ausbildet and nicht für diesen oder 



Digilizüu L. 



W% T«lg«rt. Lfitfadcn und Abrisa der \}f'e|(getchicbte. 

jenen Stand, so muss sie namentlich den 8inn fürs Edle, 
Grosse und Schöne in ihm wecken, und ihn über die engen 

{Schranken der Spiessbürgerlichkeit, zu der die Nützlichkeits- 
theoria ohnehin so leicht führt, erheberf, und ihm auch für das 
Amergewöhnh'che den richtigen 31assstah der Beartheilniig 
•0 die Hand geben. Der poetische Sinn weicht im Lehen 
Immer mehr . der Epgherzi^eit im (Jrthefl; in der Geschichte 

:millte man ihm hiHi^erweise^ noch eui PUukchen gdnnen, be- 
sonders wo es gilt, das Gemfith der Jugend zn erheben und 
ihr Herz zu erweitern. 

Wir möchten durch diese Bemerkungen die Ansicht be- 
gründen, dass man bei Abfassung von historischen Schui- 
nnd Lehrbüchern nicht engherzig diese oder jene Anstalt 

.nnd deren nächsten Zweck ins Auge fassen solle, wie, es 

:9chon hie and da geschehen ist, und bei der Zunahme der 
hfthem Bdrger- und. Aealscholen ivmcr n^fai; geschehep 
wild; dass man nieht nach bei Behandlung der. Geschichte 

.einer der beiden Richtangen im. Schulwesen eioseitig folgen 
dirfe ond die* Kluft erweitern, sondern, dass man vielmehr 
dieselbe als Band zwischen beiden ansehen und sie folglich 
auf gleiche Weise darstellen und lehren müsse. Dass aber 
weder die passendste Form der Darstellung noch das richtige 

'Mass dessen, was aus dem reichen Gebiete der Geschichte 
der Jugend mitzutheilen sey, leicht getroffen werde, zeigt 
schon die grosse Menge verschiedenartiger historischer Schui- 

.hldm^ ven denen jedes wieder seine eigentjlUimliehen Mün- 
hat, ond keines einer nl%emeinen Anerkennung sich er* 

(freut, wie dies bei andern Schnlbnchem der Fall ist Tl^ur 

.haben deswegen die obigen Lehrböcher mir Beurtheilni^ 

;aosge wählt, weil sie an sehr vielen Anstalten Deutschlands 

^eingeführt sind und ihre allgemeine Verbreitung ihren Werth 
zn verbürgen scheint, den auch Ref. keineswegs verkennt, 
besonders was den I. Cursus oder Leitfaden betrifft, wenn 

-er auch in den folgenden Bemerkungen eio^ andere.. Ao^id^t 

'ßk vielcB Du^n an erkennen ^ibt. 

* 

(P9r S4thluf$ folgt) 



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N*> 63. ' HSlD^BLBBRaBB 1889. 

♦ 

JAHRBÜCHER OBR LlTJ^RAff^UR. 



! ! Volger: Leüfaden und Aörm der WeUgefcbiiciUe. 

1«. Oem L Corsas des Y olger^scben* Lelurbachs der Ge» 
schiebte ist bie und da der. Vorwarf gemaelit worden». dM 
^ öbne ftuclislcht luif die katbolisebetf Sebäler bei gemisebr 
ten ÄhstalteD) dem Protestantismus , wo sieb die Gdegenheit 

darbiete, zu sehr das Wort rede, und man hat daher an man« 
^hen Orten, wo das Buch eingeführt war, es für rathsam er- 
achtet, dasselbe von den Lehranstalten zu entfernen. Wenn 
nun gleich Hef. eine solche Vorsicht bei einem sonst brauch- 
. baren Büche für kleinlich und übertrieben hält, und es ihm 
ungerecht diinkt^ wegen eines Vorwurfo^ der qur einem einr 
zigen ^pitel gemacht werden kann, das jgaose Lebrbncb zfi 
verwerfen 9 so kann er doch nicht läugneoi daaisi für ge- 
mischte Anstalten manches mehr , als rahige, ^f^url^lose Br- 
s&hlfiD^ des Ereignisses bitte dargestellt weiifes sollen, .als 
dass der Verf. eine bestimmte Ansieht hervorleuchten iieiss, 
nnd dadurch dem Urtheü des Lehrers und selbst des den- 
kenden Schülers vorgrilf. So wenig Ref. der Farblosigkeit 
des Historikers im Allgemeinen unbedingt das Wort reden 
möchte, und es vielmehr als einen edlen Zug desselben an- 
erkennt, wenn er seine Ansicht, in so fern sie von den hö- 
hern Gesetzen der Wahrheit und Gerechtigkeit bestimmt, 
ttieht aber durch diese oder jene Parteimeinuii^ bedingt ist^ 
mit Wärme ausspricht, und den Bedringteh ui^d Unterdrück- 
ten in Schutz ninunt, so verv^erflich findet er jede subjectiv 
ansgesprojchene Ansicht, jedes individuelle Urtheil, das nur 
von ferne an Parteilichkeit gränzen konnte, bei Schulbüchern, 
besonders für den ersten Unterricht. Jede Parteiansicht in 
der Politik, jeder Confessions*^laube in der Religion begrün- 
det eine g:ewisse Engherzigkeit, wahrend des Knaben wei- 
ches und empfän/srliches Gemüth zunächst dem rein Mensch- 
lichen geöffnet werden soIi, . damit die Menschenliebe für alle 
Zukunft (iie Grundlage seincß Urtheils bi(4^ und sein Heinas 

XXUI. Jahr«. 10. nflfft . , - . . . , ß3 r 



Digiiizeü 



erweitere« Wenn deswegen J^. durehaus der M^ieung ist, 
dass die Geschichte, wenigstens im Anfange allen Schülern 
gemeinschaftlich, ohne Unterschied der Confession, gelehrt 
werden solle, so hätte er in dem vorliegenden Leitfaden die 
Darsteilopg d^r Reformation ^er Fom nnd dem Tone nach 
anders ^ewönschtl' AbsdrAckB wie' ^^aberglfiabische Lehret 
einfiatige Geistlichen,* die die Christen nach Ihrem Willen 
leiteten'^ und „dass dieVmoche onverschtoter Päbste, doKh 
Verblüffung nenen Aberglaubens von der Einfalt des Volkes 
schändlichen Gewinn zu ziehen, das Reich der Unwissenheit 
in einem grossen Theile £uropa's stürzten^^ u. a. dgl. fördert 
die Wahrheit nicht und mindert die Brauch baikeit und den 
Werth des Buches bei gemischten Anstalten. Die Ge- 
schichte des Pabatthums, so wi^ die der Reformation lässt 
sich am besten ans den einfachen und unverfälschten That- 
sachen darstellen, während 4>>^äcHe, die dei\^ Schein einer 
Fartdilehkdt an aich tragen, auch die Wahrheit Jeüicr in den 
Augen des denkenden Schülers geührden nnd Hisstranen in 
ihm erweeken^ — DieiAe Bemerkungen gelten nicht bloss dem 
angezeigten Buche, sondern der Vorwurf trifft eben so gut 
die Lehrbücher, die eine entgegengesezte kirchliche Tendenz 
verrathen, indem dadurch die Grunde derer, die überall auf 
eine Trennung der Schüfer nach Confessionen auch für die 
Geschichte hinarbeiten ^ immer mehr Boden gewinnen, ge- 
wisse Perioden der Weltgeschichte immer mehr unter dem 
Halbdunkel einer Parteiansicht erscheinen und das Urtheü 
des SchiUers immer mehr befangen, einseitig nnd lieblos 
wfrd« — 

Was die Anordnung des Volger'schen Lehrbuchs hetnSt^ 
so sucht der Verf. in abgerissenen firzfihlungen der wiehig- 
sten Begebenheiten jedes Zeitalters sowohl über den Cha- 
racter der Zeit, als über die hervorragendsten iMänner nnd 
mitunter der Völker, der Jugend einen deutlichen Be^^riff zu 
geben. Er hat dabei die geistlose und verwirrende Einthei- 
lung in Epochen und Perioden vermieden, wobei aicli dec 
Schüler die Welticeschichte ohne ideale Verbindung nur ca-* 
pltelweise denkt, wie sich auch mancher Knabe die Erde, 
nach Art Gebier Landkarten, mit grünen und rothen Strichen 
«b^etheilt vorstellt. So einleuchtend dieses Verfahren auf 
den ersten Blick erscheint, so leidet es doch an dem gros- 
sen Mangel, dass dem Schüler die Geschichte in lauter Bruch- 



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stäcjieo duateht, uikI ihm dejr verbindende Faden des iooeri^ 
and äussern Zasamnienhanges abgeht. Es sollte daher noth- 
wendig das f^'^eudß im Zusamiuenhan^e kur;^ angereilil 
•eiOf wobei es dann, dem Lehrer üb^läsaea biiebe, dieses 
oder jenes Jili^eiciiufs iiach Gutdünken passend eiiUBiieclHUt^ 
Dod i^,eifweitertv^waa.Nt di^.jetzigep.^prfifimig iiirt |Ml 
mö^iek ist, indem die ein^el^en Erzählui^en so abg^esekl^ 
sen dastehen, dass jede AUinderong oder, firg^q^nn^ «tdrei^ 
und \ erwirrend wird. Am braachbarsten 4si daher dasfra^^w 
liehe Lehrbuch für die alte Geschichte, einmal weil dieser 
Theil verhältnissuiässi^ viel ausführlicher dargestellt ist, als| 
. das Uebrige, sodann, weil die alte Geschichte, wie sie in 
Schulen gelehrt vverden kann, abgeschlossen und nur ai^ 
wenige y^^Uv^r be^hräi^kt ist, folglich ein noth wendiger Za- 
sanmeiihang hier v^n selbst sich darbietet, und zuletzt, w^i^jn 
Gneehenland and RQOb wie in allen iihUfcanischeo 8la«tei| 
die Geschichte des Voikes^sich lei^bler oiid JMographbch be<j 
handeln lässt, .ftl|( in ^der ^eiwrnZeit nid iiUttpiMirchien nbe^i 
haupt, indem diese oder jeae hervorragende Fersdniichkeit^ 
an die man das Ganze knüpft, meistens den geistigen Zu- 
stand, die Begriffe und Ideen der Zeit und der Natur, wo-> 
durch die Ereignisse bedingt werden, ausdruckt. — Anders 
verhält es sich aber bei der Geschichte des Mittelalters ^ be- 
Inders von der Zeit an, wo nach dem Aussterben der Ka- 
rolniger die einzelnen Völker losgerissen and selhstatünd^ 
dastehen und jedes derselben eine gesonderte und eigeii» 
thtaliehe Geaehiehlie hat Daher moss von da die Well-: 
' gesehichte oothwendig als Staatengesduchte dargestellt wei^ 
. den nnd man kann sie nicht mehr ohne Verwirrung an ehixelne 
Momente anknüpfen, wie Hr. Volger gethan hat Denn durch 
dieses Veriahren geschieht es nun, dass wir in der deutschen 
Geschichte, Qiie nebst der griechischen und jüdischen am 
ausführlichsten im Buche behandelt ist) von bedeutenden Kai- 
sern wie Otto II. und III. gar nichts erfahren, dass von den 
Hohenstaufen nor Friedrich Qarbarossa and Conrad 
IV* nebst seinem unglücklichen Conradin be!läu% on- 
ter der UeberschriH;: jfdas Fanstreeht; der Sehwelnar» 
bvn4^ erwähnt auid, wahrend die grosaartige Erscheinung 
nßA Persönlichkeit Friedridha II« dabei gaas tibergangen wi^ 
van dem lur In einem, vorheicgehenden S seinKreus^i^ kurz 



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MH VolKor: Leltfiiiden tiad Abr'ui der Weitgat^tämi, 

nb^führt ist. f Uebrigens ist diese üeberschrift : „der Schwei- ' 
serbaud'^ noch aus den frühern Ausjgaben stehen gebh'eben^ 
wo wirklich am Ende dieses der Grandann;' desselbeo £iv 
wihnang /geschieht, wahrend in der vierten Aaflage etwa 
10 Seilen add£^allei| sfaid, wodnreh wir, aosaer diese* ITe- 
liBlMlurffl, die in ,,Stidtebilndfii«8cf>« ve^anddl werden 
sofftel, ' irofr der Sckwehi wahrend' des Mittdldfters nichts er- 
fahren3. Schlimmer aber kommen die libng'en europäischen- 
Staaten weg. In England wird nicht einmal die Erobe-« 
rang des Landes und die gänzliche ümgestaltong aller Ver- 
hältnisse durch Wilhelm den Eroberer bemerkt, noch der 
Streit Heinrichs II. mit Thomas Becket, der für die Charak- 
terisirung der Zeit eben so wichtig ist, wie der, den Hein- 
rieh IV. mit Or^or VH. geführt hat ; — erst mit f. S3. 
^D^ie Erfege zwischen England und Frankreieh* 
Die Jungfrsa von Orleans^ werden über beide Lftnder 
einige Worte erziMt ond alles Vorhergehende, sogar die 
Gründung der neaen Dynastie darch-Hugo Capet, fibergan- 
gen. Von Italien, Spanien und den übrigen europäischen 
Staaten wird gar nichts im Zusammenhange erzählt, und 
eben so wenig wird das Burguadische Beich unter Carl dem 
Kähnen erwähnt. 

Müssen wir nun bei der Darstellung des Mittelalters 
sehen Unvollständigkeit und Mangel einer fortlaufenden Ge- 
aehiclhtsers&hlang bei jeden der einzelnen Staaten tadeln, 
So trifft dieser Vorwmrf noch weit mehr die neue Geschichte, 
die in 11 Paragraphen von der Reformation bis auf unsere 
Zeit geführt wird, während die alte Geschichte bis asor Völ- 
kerwanderung 43 zählt und die des Mittelaltcts W. Will 
man demnach beim Schulunterrichte diesen Theil gebrauchen, 
so muss man durch Dietate oder mündlichen Vortrag das 
Fehlende ergänzen, und kann nur bei einzelnen Ereignissen, 
wie bei der Reformation, dem 8chmalkaldisrhen und beson- 
ders dem dreissigjährigen Kriege sich auf das im Buch Ge- 
gebene beziehen. Dei dem spanischen Erbfolgekrieg hat 
Hr. Volger fibersehen, dass nicht mk Philipp IV. die spani- 
sche Linie 'Cari's V. aussthrbt, sondern mit dessen Sdhne . 
Carl II; — « Gelungen ist die Icnrze Sefaildening Peters des 
Grossen. — 

* Können wir nun diesen ersten Corsus des Volger'schen 

* 



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Lehriradis nicht gerade iu Allen Stfickea zweckmässig fin- 
dep, um es unbedingt asm fi^ifnlininig^ no. Gelehrten- n^A 
MitlehtelMden*»! nni|yfefalen> so' verkennen wir doch kein0»* 
wegs die grossen Vm%e, die es. vor. Ähnlichen Vaeher% 
vnd besonders vor dem sweiten Corsas, von dem wir gleiek 
etwas ansführücher reden werden, hat Die Ersihinogen 
sind in angenehmer und fasslicher Weise geschrieben, der 
pragmatische Zusammenhang, in so weit er dem jugendli- 
chen Alter angemessen ist, klar angeben und einige Oar- 
stelluni^en für Knaben höchst anziehend, wie z. B. die Schil- 
derung des alten Deutschlands und dessen Bewohner. Bei 
mehrere £rnählungen hatte Ref. etwas melir, Gedrängtheil;, 
and Kürze gewünscht, .^^ie bei der Sciiildenin^ von Pisistra- . 
tos, fleinrich IV. n. m,f wobei manches Unwesentliche auf- 
genommen wurde. - Unbedingt aber ist es als LeseNich der 
Jugend nur Selbstbelehrung nu einpfehlen, weil es keine 

' Erlantemngen des Lehrers .voraussetet^ die im Gegentheil 
eher störend und verwirrend sind. — «. - 

2. Der zweite Cursus des Lehrbuchs von Volger ist 
der Anordnung und Form nach sehr von dem ersten ver- 
schieden und für die mittlem Classen der Gymnasien be- 
stimmt. Wie der erste Cursus die Geschichte in abgerisse-» 
nen, aber in sich znsammenhiingenden Erzählungen darstellt, 
und sich so zu einem angenehmen Lesebuch für die Jugend 
eignet, so steUt umgekehrt der zweite Cursus die Geschichte 

. nur in abgebrochenen 8&tzen, einzeln stehenden Namen und 
Daten ohne Äussere Verbindung dar, und gleicht In der An- 
ordnung eher -Geschichtsfabellen als einem Geschichtsbuche; 
er kann daher nur als Grundlage zu einem ausführlichem 
mündlichen Geschichtsvortrage den Schülern in die Hände 
gegeben werden. — Nach einer registerartigen Einleitung 
über Quellen, Zeitrechnung u. a. folgt die Eintheilung in 
5 Theile: 1) Aelteste Geschichte, Sagenzeit; 2) Alte Ge- 
schichte; 33 Mittlere (in drei Abschnitten} ^ 4) Neue (in Z 
Abschnitten]) und i} Neueste Geschichte (in Z Abschnitt^]). 

.Ueber die Geschichte jedes Volkes des Altsrthnms findet 
steh eine geographische CJeimraicht, bestehend in einer in- 
dexartigen Angabe sfimaitiicher Namen von Flüssen, Pro* 
vinzen, Städte etc., ohne weder hier noch bei der Angabe 
der geschichtlichen Begebenheiten ein Wort bf^i^ofiigen, wo- 



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dorcii der Leser nur einigermasseki sich einen Zasammeihi 
hang bilden könnte. Wir >!vitho «nten efäe Probe dieser 
Dehandlongsart anfllhren^ nnd ISber die Unzweekmlssigfceit 
enies soiehen Lehrbndis' uns folgende ^ Bemerkungen er- 
kmbeii. 

Was snerst den Schüler betrifft, für den das Buch be- 
stimmt ist, so bietet sich demselben eine solche Masse von 
Namen und Daten dar, dass er von vornherein verzweifelt, 
je damit ins Klare zu kommen, also nur mit Widerwillen 
nnd einer geheimen Angst sich an dieses Studium begiebt, 
nnd das Buch nie, als beim Unterrichte selbst, öffnet, wenn 
der Lehrer darauf hinweist, darchaus aber nicht zur hänsli« 
chen Vorbereitung, was nicht möglich ist, und gewilss eben 
80 wenig zur Wiederhofang des Gehörten, da er durchaus 
nicht Aifea behalten kann, worüber das Buch hieroglyphische 
Andeutungen gibt, und somit dasselbe ihn' in dem, was äfli 
aus dem mündlichen Vortrage geblieben ist, eher verwirrt 
als zurückweist. Ja wir müssen sogar gestehen, dass uns 
hier einige Oberflächlichkeit des Schulers weniger schädlich 
vorkommt, als wenn er gewissenhaft und gründlich alles Ge- 
gebene sich einzuprägen sucht und alles Angedeutete zu er- 
gänzen, weil er dann nothwendig nber dem Einzelnen den 
Zusammenhang des Gänsen verlieren würde, und die. bunte- 
ste Konfusion in seinem Gehirne entstfinde, indem er noch 
nieht im Stande ist, Wesentliches vom Unwesentlichen su 



*) p. 15. Thestalia, eingetheilt in Phthiotis, Pelasgiotis, Magnesia, 
Theesaliotis, Hestiaeoti«. Sinus Pagasaeus (BuBen von Volo) und 
Maliacus (flasen von ladinj. Flüsse: Peneus (Salainbria), Sperchias 
(Hellada), Ghibirpre: Oeta, Othrys , Olyrapu«, Ossa, Pclion, Pindus, 
Städte: Phtbia, Pharsalus, Cynoscephalae, Pheiae, Pagaaae, JoIcm; 
l^gDeaia, U«llaa.. p. 10. Lydien. Mjthiuhe Qcneralogp« der Itf- 
aaaütti Änr A.tjad6li und^Maklidaai Kaadanle«» nralie Aoi- 
vandernngeo der Tyrrhener Mchllalieaf Dynatliodar M er m Ba- 
den OIW^i Oygea. Anabreiimig der lydiieheB Machl; Kampf mit 
dtoa gffieehtKhcn Städten in Asien. Efnfall der Ci m ro e r i e r (66t!)> 
Alyattee (iOO); Einfall der Scythcn; Krieg mit den Mcdicrn. — 
Krötua (550), durch Reichthum berühmt, erobert die Halbinsel 
bis 7,uiii Halys» geräth in Kampf mit CyruH^ der ihn besiegt nnd 
ganz Kleinasiea zur persischen Provinz macht; Pracht- 
volles Ho flehen ia der Haaptatadt Sardes. J>ie Tage fon Solous 
Anweienheit ia Lydien. — 



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- Tftiger: LeitM'n ond Abriet der Weltgesehichte. ' 999 

sdheiden and letzteres nirterzatodnen oder gniiz eo über- 
gehen ^ eine Gabe, die oft so^ar Männern und Jünglin- 
gen eines vorgeröckten Alters abgeht. Eine solche Ge- 
wöhnung an Unordnung bei einer Wissenschaft, wo Un- 
klarheit dem Nichtwissen gleichkommt, würde für die 
. ganze Lebensseil des Schülers die tiachtheilii^sten Folfftü 
haben» 

Fragen wir daoo sweilens, welchen O^brmicli der Leh- 
rer von dem vorliegenden Boche machen soff, iso werdeti 
wir aof nicht weniger Schwierigkeiten tand Iflssstfinde stos- 

seti. P7immt er anf Alles Rticksieht, Was er angedeoiet fin- 
det, und löst gewissenhaft und fleissig mittelst der Quellen 
oder ausführlichen Specialgeschichlen und Untersuchungen 
die dargebotenen Aufgaben, so geht es ihm, wie es leider! 
80 häufig auf Gymnasien angetroffen wird, dass man die be- 
ste Zeit und Kraft über der ältesten Geschichte vergeudet, 
und den Jüngling mit Namen von Personeh^ Stammen und 
Völkern bekannt ioaeht, die ihm fürs Leben wenig nützen, 
wihrend soldie Znstände aod Begebenheiten, wdche die 6i- 
gentBcfae Sedc der Weltgeschichte bilden, ObeiHMchiich ond 
fragmenlMlBch geleimt werden. Denn wenn sich der Ldi- 
rer in der Klasse auf Leleger und Kureten, auf Pho- 
roneus, Inachus, E^rechtheus und ihre Altersgenossen, 
auf die Wanderungen der Pelasger und Tyrrhener ein- 
lasst, so behält er für Philipp von Macedonien, für Alex*an- 
ders Zeitgenossen und Nachfolger oder für die so interes- 
sante und auf Schulen so flüchtig behandelte Geschichte Ma- 
cedoniens ond Griechenlands zur Zeit des achäischen ond 
Molochen Bondea ond der dadorch bewirkten Yeranderuri^ 
<{er rdmfschen SÜten und Benkwdse, wenig' .2ieit ond noch 
wibiger Lost ond Kraft. Mirnrnt aber der Lehrer nicht aof 
A:Ne# RdCksiehl, sonrfem triA eine pa^send^ AoswaM d^ 
Geeigneten und Nothwendigeri , so entsteht dadurch eine 
grosse Verwirrung und der wesentliche Nachtheil, dass der 
Schüler die Gründe dieses Verfahrens nicht gehörig einsieht, 
und ihm daher auch für die Zukunft leicht der Maasstaah 
richtiger Beortheüung benommen wird. Er wird daher den 
Lehrer durch Fragen und BemerkOng'Cn vielfach stören, theils 
Ms WlBSbegierdf^, theils ans deim ^r Jo^d äo oft iilrfe- 
wohnendlnf Trtdkcf der AbsdKweifbng^ erWa4 Anderes sIb &lih 



genule Beiumdette xur, l^adie zq bru^gcn, tbeib aueh Ue 

und da aus Vorlantigkeit, um Tielleicht den Lehrer in die 

Verlegenheit zu setzen, die F'rage nicht sogleich gehörig be- 
antworten za können. Solche Fragen von sich zu weisen 
und zu untersagen, wo die Gelegenheit durch d<is Lehrbuch 
täglich dazu geboten ist, möchte für die Bildung des Ver- 
standes und der Urtheilskraft eben so nachtheilige Folgen 
haben , als das Eingeben in dieselben störend auf den Un- 
terricht einwirken wärde. 

Diese Vemerkungen geltender Behiuidlongsart im Allge« 
meinen und der ilteaten Geschichte insbesondere* In der 
Folge bleibt zwar die Form diesdbe und Namen ond Jahr- 
zahlen füllen stets die Seiten, doch finden wir Din^^re über- 
gangen, die für die Zeit selbst sowohl, als durch ihre Fol- 
gen, von Wichtigkeit waren, wie z. B. den gallischen Krieg, 
den Fiaminius veranlasste, als er in Vorschlag brachte, un- 
benutztes Ackerland der Senonischen Gallier unter die Ple- 
bejer auszutheilen, wodurch Hannibal s Fortgang in Oberita» 
lien nachher wesentlich erleichtert wurde ; auch zeigt dessen 
Wahl znm Consnl, so wie später die des Terentius Yarro 
die grosse Spaltung zwischen der damaligen Aristokratie 
ond dem Volke. Auch die Geschichte Italiens unter den 
letzten Kaisern ist sehr mangelhaft, und der grossartige 
Kampf der Ostgothen gegqn Beiisar und Narses mit drei 
Zeilen abgethan. — 

Wenn wir beim ersten Cursus dieses Lehrbuchs zu ta- 
deln hatten, dass im Mittelalter und in der neuem Zeit die 
Geschichte der einzelnen Staaten nicht beachtet ist, sondern 
durch detaillirte Erzählung dieser oder jener Hauptbegeben- 
heit versucht wird, dem Knaben einen Begriff der Weltge- 
sehichte im Allgemeinen beizubringen, so haben wir in die- 
sem zweiten Cursus den entgegengesetzten Mangel zu gros- 
ser Zerrissenheit, besonders in der neuem Geschichte) 
erwähnen. Seit der Reformation Idsst sich die Geschichte 
Europas zuerst au das spanisch - östrcichische Haus anknüp- 
fen, unter Carl V., Philipp II. und Ferdinand II. zur Zeit des 
dreissigjährigen Krieges 5 sodann die zweite Hälfte des Ilten 
und der Anfang des achtzehnten Jahrhunderts an Ludwig 
XIV., so wie die letzte Hälfte des 18ten an Friedrich II. 
von Preussen oder an Maria Theresia. Behandelt man hier 



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VoJ^ejr: Leitfaden und AbrifB der Wel^eichidite. 1001 



nan jeden Staat getrennt, und rei'sst auseinander, was daa^ 
Schicksal in Verbindung gebracht hat, so erlangt der Jung- 
Jing keine klare Einsicht und noch weniß^er eine üebersicht 
der Begebenheiten, lässt leieht ein bedeutendes Ereigniss 
unbemerkt oder ordnet es einem unwichtigem unter. Nir« 
i;^ads ist die Klarheit des Wissens so von.der BehandluAgs- 
weise bedingt, als bei dar Geschichte. 

Diese BemeriMuigen über ein mit grossem Fleiass nnd 
vieler Genauigkeit bearbeitetes Schulbach mögen ^e Ansicht 
bei^anden helfen, die gewiiRs sehr heilbrin^nii wäre, 4as 
braachbare Lehrbficber der Gescbiebte fär Schalen schwerer 
20 bearbeiten sind , als es für so viele den Anschein hat. 
Leicht ist es allerdings, aus der grossen Menge guter histo- 
rischer Werke den Stoff für ein Schulbuch zusammenzutra- 
gen, und gerade diese Leichtigkeit veranlasst so viele, die 
weniger geschickt und beruten sind, als Ur. Volger, der- 
gleiclien za verfassen, besonders wenn sie Gelegenheit ha^-, 
ben, es an dieser oder jener Anstalt einsuifuhren oder eia- 
führen so lassen j and doch merkt man nor zu oft, dass ans 
sehr wenigen Anstalten die Geschichte einen Vergleich mit 
den nbrigen l^ehrgegenstinden aushalt, and dass namentlich 
der Thell, der ein oder zwei Jahre früher in der Klasse ^;e- 
lehrt wurde, meistens durchaus vergessen ist, was haupt- 
sächlich die Folge unklarer Entwickelung und Darstellung 
ist. — Ref. will nun zum Schlüsse noch einige >\ orte bei- 
fügen über die Methode, die er bei \ieIjährioem Geschichts- 
unterrichte als die beste erkannt hat, und daher bei Abfa»« 
sung historischer Lehrbücher empfehlen möchte. ^ 

Knaben und Jünglinge spricht die Geschichte am meisten 
an^ wann sie in zusammenhänigeader Erzählong and in kla- 
rer aber edler Sprache dai^estellt ist , dabei nicht überbaoft 
mit Namen und Daten,' damit das Bedeutende ond Nothwen- 
dige desto bestimmter hervortritt. Zu einer solchen DarsteU 
lung eignet sich aber freilich Vieles in der Geschichte nicht, 
und doch soll ohne Lücke und Unterbrechung der Faden 
fortgeführt werden. Diesem Missstande kann man dadurch . 
abhelfen, dass man über jede Erzählung die llegentennamen 
nebst der Kegierungszeit angiebt, und am Ende jedes Ab- 
schnittes diejenigen Völker und Begebenheiten, die mit der 
HauptenBählung in keiner Berühronf stehen, zur mündiichen 



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1008 Volger; Leitfaden ood AbriM der Weltgeachiohte. 

Erläulerun»^ knrz erwähnt. Dabei müsste bei jedem Volke, 
das den Höhepunkt seiner literarischen Ausbildung erreicht . 
hat, auch der Cultur- und Literargesch icbte ein kleiner Ab» 
schnitt oder Paragraph gewidmet werden« Wir würden also 
die Alte Geschichte eintheilen in morgenl&ndische^ 
griechische md rdmische, die erstere an Cyrus und das 
persische Reich anknöpfen and mit Darius die Ersfihlang anf 
Örfechenland hinflberftihren, his mit den Nachfolgern Alexan-» 
ders eine neae Ordnung der Din^s^e und eine gänzh'che Ver- 
änderung in Sitten und Ansichten herrschend wird, die den 
Üebergang zur römischen Geschichte bildet. Bei jedem Ab- 
schnitte würde ein kurzer Abriss der morgenlandischen, grie- 
chischen und römischen Literatur passend angebracht werden 
können« — Die Völkerwanderung, die Araber und Carls des 
Grossen Zeitalter bis auf den Vertrag zu Verdnn wurden 
ein neues Zeitalter bilden, das man als das heroische Mit« 
felalter oder die Heldenzeit charakterisiren kdnnte nnd 
X wozu man noch die NormAnner ziehen mtfsste. Das Feudal- 
system, Bildung der romanischen Sprachen a. a. dergl. würde 
sich hier passend anreihen lassen. Kür das Mittelalter in 
seiner Zerrissenheit müsste man jedem der wichtigsten Staa- 
ten eine besondere Erzählung widmen, die bei der Darstel- 
lung der Kreuzzuge zusammentreffen, dann aber wieder aus- 
einander gehen würde. Für die Poesie und Literatur des Alit- 
teUdters würde man leicht eine geeignete Stelle finden. — Zwi- 
schen dem Mittelalter und der Neuen Zeit würde eine 
Darstellang der Entdeckungen nnd des Wiederaoflebens der 
Wissenschaften einen passenden Üebergang auf die Refor- 
mationsgeschichte bilden, deren Verbreitung in den versdiie- 
' denen Ländern Europa's und die dadurch entstandenen kirch- 
* liehen Wirren in klarem Zusammenhange besonders erzählt 
werden müssten , während man die äussere Geschichte an 
Carl V. und Philipp II. anknüpfen könnte. Die Anknüpfungs- 
punkte des siebenzehnten und achtzehnten Jahrhunderts ha- 
ben wir schon oben erwähnt, da» Uebrige leuchtet von seUist 
ein. — 

Zq bemerken ist noch, dass der zweite Corsns des Vet- 
gerViChen Lehrbuchs mit guten genealogischen Tabellen 
am Ende ndt einer synchrontetfschen Uebersicht der gan- 



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Sehrilton äftw die Kahpedmi, vdt Pirtot md Utting» IM 

Ken Geschichte in sehr zweckmässiger fiintbeilung verse- 
hen ist. 

Dr. O. Weber. 



fhrekiM^ /hktmilung aber die Wiedertrteugung d» MviiifoeMtiiiHpif^ 
pke dmk üiiUrtrmgtimg rfiiwileii ITIntfin* «ntf midm lmfffillMg$ 
ßamtUere, vm Dr. C. G. Prin», Frtf, der praH, ThivrkeifkmM 
und Dkeetar det TAIer AtttoMf «ft m tf«r JT&uiK' TAwr4»aM£i«liife m 

Dresden. Mit zwei huntgedruehtcn fCupfcrtafdn. DresdgRt ^ 
H'aUüereeken Befbuckhandlung. IM», f 1. und 42 S. 4. 

I/e5er <fie Kuhpocken an Kübeu* Nach dem in den Acten der Kdnigi, 
fl'^üri, Bihdicinat-Cotlegium» enthoHenen, und nach eigenen Beohack» 
tungen von €. Hering, Prof. on der Kön